Ausgabe 
6.4.1897 Erstes Blatt
 
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ltch, daß sich ein Testament bei seinem Verleger Simrock in Berlin befiadet. Sein Nachlaß beträgt weit über 160,000 fl.

Athen, 4. April Nach Meldungen au» Kreta haben die Schiffe der Großmächte die Fischerboote zum größten Theil«? vernichtet. Die internationalen TruppendetachementS bringen in- Innere Kretas vor und nehmen dort eine Re« qatfitton der Lebensmittel vor. Die Bevölkerung ist auf« Aeußecste erregt. Die Blätter erklären, diese- Borgehen der Großmächte dränge Griechenland unbedingt zur Kriegs­erklärung.

BreSlau, 5. April. Zu dem Unglück auf derHeb- wigSwuuschgrube" meldet dievre-laner Morgen- zeitung", daß bei der Einfahrt statt der vorgeschrtebeuen SicherheitSlawpen offene Grubenlampen verwandt wurden, welche die Entzündung der angehäuften Gase verursachten.

Marseille, 6. April. Als gestern sechs Knaben auf dem Anglaisquai spielten, wurden drei von ihnen durch eine plötz­liche Sturzwelle fortgeriffen. Da die See hoch ging, konnten die Leichen noch nicht gefunden werden.

Locales uttb provinzielles.

Vietze», den 5. April.

Bou der Universität. Se. Kgl. Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigft geruht, am 27. März den ordentlichen Profeffor in der philosophischen Facultät der LandeS-Uuiverfität, Dr. Eduard Schwartz in Gießen, auf sein Nachsuchen und mit Wirkung vom 1. April l. I. an auS dem Staatsdienst zu entlaffen.

Empfang. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen am 3. April u. A. den Eiseubahndirector Querner von Gießen.

*P. Handfertigkeitsuuterricht. Gestern, Sonntag, von 11 Uhr Bormittags bis 3 Uhr Nachmittag-, fand im Con- ferenzsaale der Sladtknabenschule hier eine Ausstellung der Arbeiten des erziehlichen Knabenhandfertigkeitsunterrichts im oerfloffenen Wintersemester statt. Bevor wir dazu über­gehen, den einzelnen Kunstfertigkeiten unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, wollen wir nicht unterlaffen, einen kurzen Rück­blick auf die Entstehung« und Entwicklungsgeschichte dieser Specialität am hiesigen Platze vorauSzuschicken. Bor mehreren Jahren wurde von Hoher Stelle auS die Anregung zur Ein­richtung von KnabenhaudfertigkeitScurseu gegeben und die Lehrerconferenzen aufgefordert, den Gegenstand in Form eines DortragS und einer sich daran knüpfenden Besprechung auf die Tagesordnung zu setzen, eventl. über die Zweckmäßigkeit der Aufnahme derselben in den Lehrplan der Volksschule zu berathen. Der Vortragende kam indessen, obwohl er den practischen Nutzen deS fraglichen UnterrichtSzweigeS anerkannte, und im Allgemeinen für die Inangriffnahme desselben plädirte, zu dem Resultate, daß eine Heranziehung desselben in den Lehrplan als obligatorischen Lehrgegenstand z. Z. auS mehr­fachen Gründen nicht rathsam erscheine und daß man ihn zu­nächst von der Schule ganz loSlösen und in eigenen Locali- täten behandeln solle. Eine freie Concurrenz erscheine auch darum wünschenSwerther, als dann nicht nur den DolkSschülern Gelegenheit geboten würde zur Erlernung dieser für alle Menschen so zweckmäßigen Arbeiten. Die Conferevz stimmte dieser Ansicht bei, und daß man damit Recht behalten hat, beweist die nicht unwesentliche Betheiligung von Schülern höherer Lehranstalten und auch bereits Erwachsener. Die Anmeldungen haben stetig zugenommen und find auch im Laufe deS Winters so zahlreich gewesen, daß neue Abtheil- ungen eingerichtet wurden, trotzdem ein Theil der Angemel beten zurückgewtesen werden mußte. Mit welcher Vorliebe dieser Unterricht besucht wird, bezeugt die Thatsache, daß ver­schiedene Schüler einen dritten CursuS absolvirt haben. Dem ausgelegten Rechenschaftsbericht entnehmen wir folgendes Material: Der Unterricht dauerte im ganzen sechs Monate, wovon einige Wochen für die Weihnachtsferien in Wegfall kommen. Besucht wurde derselbe in beiden Gruppen von je 32 Schülern gleich 64, der den Räumlichkeiten angemessenen höchsten Z'ffer. Er ist eivgetheilt in zwei Hauptgruppen: Kerbschom und Papparbeiten. Jede dieser Gruppen hat eine Abtheilung für Anfänger, Vorgeschrittene und Erstklassige. Den Kerbschnitt erlernten Schüler von 10 bi- 16, an den Papparbeiten betheiligten sich Schüler von 11 bis 14 Jahren. 61 Knaben waren Schüler der Volksschule, 13 gehörten dem Gymnasium und der Realschule an. Die Arbeiten für den Kerbschnitt waren folgendermaßen vertheilt: 1) Anfänger- cursuS: 1. Hebung 1, 2. Viereckiger Untersatz, 3. Uebungen 2a, b, c, 4. Notiztafel, 5. Hebung 3, 6. Sechseckiger Unter» setz.r, 7. Hebung 4, 8. Briefbeschwerer, 9. Hebung 5a, b, c, 10. Verzierte- Lineal, 11. Hebung 6, 12. Runder Hntersatz, 13. Hebung 7,14. Bilderrahmen. 2. EursuS für Vorgeschrittene, (etwa ®/t der Teilnehmer), 15. Hebung 8, 16. Schlüsselhalter, 17. Hebung 9, 18. Bücherbrett, 19. Hebung 10, 20. Sparbüchse, 3) EnrsnS für Repetenten: 1. Servierbrett, 2. Bilderrahmen, 3. Zeitungsmappe, 4. Schmuckkästchen, 5. Wandkorb, 6. Notiz­block, 7. Gläierbrett, 8. Bürstenkasten, Bücherbrett und noch eine Reihe anderer kunstvoller Arbeiten. Bei einem Schüler wurde ein Anfang im Flachschneiden gemacht. Von den aus­gestellten Sachen präfentirten sich dem Auge als besonders reiz- und kunstvoll gehalten mehrere Tischchen und Btlder- rahmen, letztere mit eingelegte« Photographie, und andere besonders fein gearbeitete Gegenstände. Die Papparbeiten, nicht minder zahlreich und kunstvoll hergestellt, zeigen in drei Stufen folgendes Bild- 1. Stufe: 1. Aufziehen eines Stundenplanes, 2. Merktafel, 3. Zaubertasche, 4. Einfaches Kästchen, 5. Kasten mit Deckel, 6. Schiebekasten, 7. Würfel, 8. Lampenteller, 9. Heft, 10. Küchentafel, 11. Einfache Mappe und noch eine ganze Anzahl der niedlichsten Sächelchen. 2. Stufe: Hier wurde aufgearbeitet: Mappen mit Taschen und Klappen, Nähkörbchen, Tagebücher, Fingerhutbehälter in Form von allerliebsten Häuschen, Strickkörbchen u. s. w. 3. Stufe: Diese Abtheilung bietet eine Menge überraschend, fein und zierlich gefertigter Dingelchen, von denen Fachleute I

versichert haben, daß sie ihnen selbst nicht geringe Schwierig­keiten bereiten würden. Wir bemerkten denn auch, daß diese vorzugsweise stark besichtigt wurde. Dieselbe zeigt unS: Serviettenringe, Sparkassen, Phorographierahwen, Handschuh­kasten (sehr nett), Notizbücher, Kasten in Buchform und Anderes. Also des Schönen und Nutzvollen übergenug! Der Besuch der Ausstellung war ein recht lebhafter, der McinungS- anstaufch über die Leistungen ein Loblied für Lehrer und Schüler. Wir wünschen der Sache den besten Fortgang.

" Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Am 29. März sprach der Kaiserliche Gesandte a. D. Excelleuz v. Brandt über die industriellen, commerctellen und poli­tischen Beziehungen Chinas. Die eigene Industrie ist in China durch die zahlreichen Revolutionen, besonder« der TaipingS und der Mohamedaner in Dünnan und Kansn fast vollständig zu Grunde gegangen. Heberhaupt befindet sich China jetzt in einem Zustande, wie Deutschland nach dem 3Ojährigen Kriege, insofern sehr vieles Alte niedergerissen ist und Neues erst wieder geschaffen werden soll. Die Japaner haben versucht, im Frieden von Shimonoseki diese Schwäche auSzunutzen, aber vergessen, das Rohmaterial beim Transport auS dem Innern unbefteuert zu lassen- da nun die Chinesen das Material gewaltig besteuern, so ist an japanische Fabriken in China nicht zu denken. Jetzt sollen alle fremden Fabriken alle fünf Jahre eine Gebühr von 400 Mk. und eine Fabri­kationssteuer von 10 pCt. des WertheS zahlen. Die wich­tigsten Ausfuhrartikel Chinas sind Seide und Thee. Seide wurde 1895 im Werthe von 200 Millionen Mark auSge- führt, früher meist nach England, seit der Errichtung der französischen subventionirten Dampferlinie nach Frankreich und zum Thetl nach Nordamerika. Thee ist wohl erst seit dem 7. Jahrhundert nach Christi bekannt und wurde bisher meisten- nach England au-gesührt. Neuerdings hat dort jedoch der indische Thee auS Assam den chinesischen fast voll­ständig verdrängt. Der Import chinesischen TheeS in Eng­land sank von 1 000000 PikulS im Jahre 1882 auf 250000 im Jahre 1895. Sehr gesteigert hat sich dagegen die Thee- auSfuhr nach Rußland, wohin 1895 207 000 PikulS gingen, 1871 nur 15000, meist nach Odessa. Der sogen. Ziegelthee, aus groben Blättern, Stängeln, Staub, wird nach der Mongolei und Tibet, wo er mit Hammelfleisch und Mehl, Milch, Butter gekocht wird, in Ziegelformen auSgeführt. Die bekanntesten Sorten des TheeS sind jetzt Kongos- Kungfu- tschu, gerollter Thee- Bohea von der Hügelkette Boi in Fokien- Pecco weiße Haare, weil die jungen Blätter mit feinen weißen Härchen dazu verwende^werden- Oranje Pecco, der mit Jasmiublüthen parfümirte Pecco - Soutschong kleiner Thee- Hlong schwarzer Drache, schwarzer Thee mit grünem Geschmack. Weitere Produkte sind Baumwolle, Zucker, Papier, Häute, Feuerwerkskörper. Als Einfuhrartikel sind baumwollene Gewebe, ReiS, Petroleum, Schwefel­hölzer, altes Eisen, Fische, Holz zu erwähnen. Die Finanzen und die Münzverhältniffe liegen im Argen, China krankt an der Pracht- und kriegsliebenden Regierung deS Kaisers Kaotsung (Kienlung), 17361796. In politischer Beziehung theilte Herr v. Brandt nicht die Bedenken, die an da- russische Vorschreiten in Ostasten geknüpft werden, noch auch den Glauben an geheime russische Verträge mit China. WaS Rußland da diplomatisch erwerben solle, könne e6 jeder­zeit mit Gewalt rasch einnehmen. Der englische Einfluß sei jedoch in China nicht bedeutend, nur Brrma sei 1885 annectirt worden. Größere Anstrengungen hätten die Franzosen ge­wacht seit Ludwig XIV., besonders aber seit Napoleon III., da fast das ganze östliche Hinterindien ihnen zngefallen fei- auch sei der französische Einfluß in Peking gegen den englischen im Steigen. Deutschland hat wenig gethan, konnte auch bis­her nur wenig thun, sollte aber jetzt sich ernstlich rühren, seinen Handel und namentlich seine Schifffahrt weiter au-zu° gestalten. WaS in dieser Beziehung geleistet werden kann, zeigt die Verdrängung der Engländer vom Seidenmarkte und die Herüberziehung deS Seidenimports nach Frankreich infolge der Verbesserung der französischen Dampferlinien.

♦F. Sport- und Bott-fest. Am vergangenen SamStag fanden sich auf Einladung des vorbereitenden Ausschusses für da«Sport- und Volksfest" auf dem neuen Sport­platz an der Hardt inSteins Garten" eine größere Anzahl Herren zusammen, um die bei Arrangement eines der- artigen Festes nöthigen Ausschüsse zu bilden. In richtiger Erkenntniß der Thatsache, daß ein verein bei einem größeren Feste, namentlich bei einem Volksfeste, nicht unter sich bleiben darf, sondern alle Kreise der Bevölkerung für seine Sache interesfiren muß, waren nicht nur an die Mitglieder der beiden festgebenden Vereine(Kuratorium der Rennbahn Gießen 1897" undWanderer" Gießener Radfahr-Gefell- schäft, sondern auch an die Vorsitzenden sämmtlicher hiesigen Vereine Einladungen ergangen und mit Genugthuung konnte der Vorsitzende, Herr Wilh. Hornberger conftatiren, daß alle Eingeladenen bereit seien, das ihrige zum Gelingen des Ganzen beizutragen, resp. dem Comits beizutreten. Die Bildung der einzelnen Ausschüsse vollzog sich in schnellster und bester Weise Dank dem Entgegenkommen eines jeden Einzelnen und Dank des vorzüglich ausgearbeiteten fertigen Planes, mit dem der vorbereitende Ausschuß vor die Ver­sammlung trat. So wäre denn das Arrangement de» Festes an der Hardt in tüchtigen, bewährten Händen, welche eine Gewähr sür das Wohlgelingen deS Festes bieten.

* MittelrheiuischeS Turnfest 1899. Bei der am 2. d. Mts. stattgehabten TurnrathSfitzung des Aschaffenburger Turnverein- wurde definitiv beschlossen, bei dem am 11. April zu Biebrich ftaitfindenden KreiSturrnag den Antrag zu stellen, daß das 2 4. mittelrheinische Turnfest im Jahre 1899 in Aschaffenburg abgehalten wird.

** Verein znr Züchtung reiner Hunderassen. An dem ElöffnungS-Schliefcn deS Vereins zur Züchtung reiner Hunde­rassen, welches gestern auf derSchönen Aussicht" auf Fuchs in dem dem Verein gehörenden Schul- und Kunstbau statt­fand, nahmen vier Foxterriers und zwei St?del Theil. Die verschiedenen Schliefen verliefen ganz normal. ES hatten

sich hierzu zahlreiche Zuschauer eiugefunden, welche mit großem Interesse die Sache verfolgten.

* Wohnungswechsel. Bezugnehmend auf die Localuotiz imGießener Anzeiger" vom 4. d. MtS., WohuungSwechfel betr., wird unS umgetheilt, daß im Monat März 90 Woh­nungswechsel von Familien innerhalb der Stadt, 103 Zu- und 134 Wegzüge von Personen von und nach auswärts stattgefunden haben. Dienstboten und GewerdSgehülfeu find hierbei nicht mit eingerechnet.

Zum Färben der Wurst. Der laudwirthfchaft- liche Verein für Rheinpreußeu hat an den Herrn LandwirthschaftSminister ein längeres Gutachten betreffend Färben der Wurst erstattet, das zu folgendem Schluß kommt: DaS Verbot bei Zusatzes von Farbstoffen zur Wurst ist bei der Herstellung der Dauerwaaren dringend zu wünschen. Gegen den Zusatz von Farbstoffen zur Wurst, welche in frischem Zustande genossen werden soll, ist zwar von Seiten der Landwirthschast wenig zu erinnern. Da aber die scharse Hnterscheidnng von Wurst für den sofortigen ober für den späteren Verbrauch practisch auf Schwierigkeiten stoßen wird und da auch bei der frischen Wurst der Farbzusatz leicht zu Täuschungszwecken dienen kann, so dürfte auch hier ein Färbe­verbot al- wünschenSwerth zu bezeichnen sein."

** Wetterbericht. DaZ Maximum, welches vorgestern über Nordostdeutschland lag, zieht südwärts ab. Eine neue tiefe Depression ist südwestlich von Irland erschienen und äußert ihren Einfluß bereits über den britischen Inseln und Nordwest. Frankreich. Beide DepressiooSgebiete find durch einen Sattel höheren Druckes geschieden, der sich vor einem Maximum über der spanischen Halbinsel zunächst nordwärts über Central-Europa, dann auch über das Nordseegebiet b« zu der Küste Schottlands erstreckt. Auf unserem Gebiet macht sich auch die Einwirkung bei niederen Druckes über bem Südwesten geltend- die Witterung ist daher theil- trüb, theil« wolkig, zeitweise fällt Schnee. Die Temperaturen find in Central Europa noch weiter gesunken- die höheren Lagen de« Gebirges verzeichneten am Morgen ziemlich strengen Frost. Bo rau-sichtliche Witterung: Wärmere-, jedoch nur vorübergehend besseres, bann wieder unbeständige- Wetter.

K. Ranstadt, 1. April. Anläßlich de- Geburtstage- bei Fürsten Bismarck hatte der hiesige Hofpächter geflaggt. Eine Bauersfrau, welche sich die- Flaggen nicht erklären konnte, befragte eine andere darüber- diese gab ihr zur Ant­wort:Ich weiß nicht, wahrscheinlich aber, weil b.e Preußen heute -um ersten Male die Eisenbahn fahren."

-n- Gettenau, 4. April. Die AuSgrabungSarbeiten an dem Römerkaftell in und bei Echzell find fett meinem letzten Berichte vom 28. v. MtS. stetig vorgeschritten, obgleich sie durch die ganz miserable Witterung recht belästigt wurden. Es find ganz bedeutende Schwierigkeiten zu Überwinden, weil die vorhandenen zahlreichen, mitunter sehr starken Obstbäume ihres WeriheS wegen geschont werden müssen, die Chaussee und die entgegenstehenden Gebäulichkeiten aber nicht weg­geschoben, sondern in Rechnung gezogen, d. h. umgangen werden müssen. Trotz aller dieser und noch mancher anderer Hindernisse liefern die Arbeiten ein immer deutlichere- Bild von der einstigen Wichtigkeit und Größe der Anlagen. Be- fenberö hervor zu heben ist die Auffindung der porta decu- mana ainistra und der in diese hineinführende Weg. Mehrere starke Eisennägel, womit die eichenen Thorflügel dieser porta beschlagen waren, Schleuderkugeln, Heberreste von Glal- gefäßen wurden gefunden. Dabei stößt man in den irr» schiedensten Richtungen immer wieder auf altrömische Straßer. Nicht minder wichtig al- diese Auffindungen sind diejenigen, die Herr Hofrath Kofler auf einem Streifzuge in der Ur gegend machte. In der Nähe der Römerstraße bei öobnbodi entdeckte er eine bedeutende römische Villa, und weiter west­lich, gegen Wölfersheim und Södel hin einen römischen Signal- thurm, von dem auS weithin und nach allen Richtungen Zeichen gegeben werden konnten. Auch von dem Kastelle 'n Echzell, baß auf einer kleinen Bodenerhöhung stand, war dal Signalgeben sehr leicht bis hinüber zum Wintersteine. In Gettenau fand sich ein schöner Stein mit einer römischen Figur. Der Stein gehört offenbar zu einem größeren römi­schen Bildwerke und wurde früher von dem Eigenthümer in die Wand eines WirthschaftSgebäudeß dergestalt eingelassen, daß, wenn der Bauer mit feinem Fuhrwerke in den Hof ein- fährt, die Wagendeichsel gerade auf den Kopf der Figur zielt. ES ist zu verwundern, daß daß B.ld nicht schon stärker ver­letzt worden ist, afß seither geschah. Auf einem Ücker desselben LandwirtheS in der Nähe seiner Hofraithe fanden sich schon früher alrerthümliche Sachen. Der Bauer, der früher feine Erlauboiß zu Nachgrabungen gab, weigert sich jetzt hartnäckig dagegen. ES wird ihn aber wenig Helsen, denn wenn Nachgrabungen für nöthig befunden werden sollten, kann baß Enteignung-verfahren eingeleitet werden. M" jedem Tage zeigt cS sich deutlicher, daß die hiesige Gegend vor 1700 bis 1800 Jahren von den Römern in ouher gewöhnlicher Weise cultivirt worden war, denn wohin men den Fuß fetzt, finden sich römische Straßen, Befestigungen, Friedhöfe, Gräben, Wohnstätten, Grenzmale und manches Andere.

X. Darmstadt, 4. April. Beim gestrigen fünften DecorirungSfest der Section Darmstadt des Odenwaldclubs im Saalbau wurde von Herrn Cabinei- rath Röm Held ein silberner Humpen als Geschenk bei hoh?n Protektor- des Club-, Sr. Kgl. Hoheit be« Großherzogs dem Präsidenten, Herrn Müller, in Anerkennung ber 6ti- dienste de- Clubs um die Hebung be« Verkehr« und dec Wohlfahrt ber Odenwaldbewohner Überreicht. Elf Mitglied-r, welche sämmtliche Touren de« letzten W^nderjahre« macht hatten (im Ganzen waren es 521 Theilnehmer), er­hielten neben dem Üblichen goldenen Ehrenabzeichen de- CiubS usw. einen Ehrentrunk auß dem von hoher Seite gestifteten Humpen. Da« Fest, dem auch Finanzmivifter Weber, Wirk!. Geh.-Rath ö. Knorr, Geh. Rath Emmerling und die Spitzen der städtischen Behörden beiwohnten und da« von ca. 500 di«