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Nr. «1 Erstes Blatt._________DienStaq dm 6. Avril
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Drr" Hießen,r Zujeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener Zpamisien0tLl1er werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
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Amts- unb Anzeigeblutt für den Ureis (ßiefzeir.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bat folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Lorm. 10 Uhr.
Oratisöeitage: Hießener Aamilienötätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« ) Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeg«.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
betr. Verminderung der Herbstzeitlose.
Im Interesse der Wiesencultur ordnen wir auf Grund deS Art. 24 der Wiesenpolizei Ordnung auch für daS laufende Jahr au, daß die auf den Wiesen wachsenden Herbstzeitlosen zur Zeit deS höchsten SaftstandeS durch AuSrupfen der Stengel beseitigt werden. Das Ausziehen hat möglichst bei feuchtem Boden zu geschehen, damit der Schaft der Pflanzen nicht schon dicht unter dem Boden abbricht.
Die auSgerupften Pflanzen find nicht auf die Wege zu werfen, woselbst die Schafe durch das Fressen derselben Schaden nehmen können, sondern abseits von den Wegen muterzubringen.
Die Beseitigung der Herbstzeitlosen hat bis zum 20. Mai I« I- zu erfolgen, die bis dahin säumigen Besitzer haben sich der Erhebung von Strafanzeigen zu gewärtigen.
Gießen, den 3. April 1897.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. G a g e r n.
Gießen, den 3. April 1897. Betr.: Wie oben.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
<■ dir Vrahh. VürKermristerrtr* M Kreises.
Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie alsbald und dann nochmals nach 14 Tagen in ortsüblicher Weife veröffentlichen laffen.
Hinsichtlich der Gemeiudewiefen wollen Sie, insofern die» f<lben nicht verpachtet find und hiernach den Pächtern die Beseitigung der Herbstzeitlosen obliegt, das AuSrupfen auf Gemeindekosten veranlassen, wozu zweckmäßigerweise Schulkinder zu verwenden find.
Bis zum 25. Mai l. I. erwarten wir Ihren Bericht darüber, ob unserer Anordnung entsprochen worden ist. Etwaige Anzeigen, welche Sie wegen ungenügenden Befolg« derselben für erforderlich halten, wollen Sie uns hierbei, ehe Sie dieselben in daS Feldrügeregister aufnehmeu, mit vorlegen.
v. Gagern.
Deutscher Reichstag
205. Sitzung. Samstag, den 3. April 1897.
Am Ministertische: Staatssecretär o. Bötticher.
Nach Erledigung einiger Rechnungssachen erklärt das Haus V-ebatteloS die Wahl deS Abg. Peus (Wrfthavelland) für giltig.
Eine fernere Wahlprüfung betrifft die Wahl veSAbg.Reich- muth (Weimar). Die Commission hall- anfänglich die Ungtltigkeit der Wahl beantragt, doch hatte das Haus diese Angelegenheit wegen inzwischen eingegangenen neuen Materials an die Commission zurück- verwtefen. Nunmehr beantragt die Commission noch einige wettere Erhebungen zu veranlassen und einstweilen die Entscheidung über die Giltigkeit der Wahl autzzusetzen. Dieser Antrag der Commission wird nach kurzer Debatte angenommen, wogegen ein Antrag Gamp rkgelehnt wird, der die Erhebungen namentlich auch darauf aus- l*en will, ob die Gemeindediener bei Verthetlung von Flugblättern und Stimmzetteln dienstliche Abzeichen getragen haben und ob sie nicht etwa auch für Privatpersonen Drucksachen verthetlt haben.
Auf der Tagesordnung stehen ferner einige Anträge der Ge- fchäftSordnungscowmisfion. Der erste, durch eine Anregung des Abg. Richter veranlaßt, geht dahin, bei dritten Lesungen auch nach Abschluß der Detailberathung nochmals eine Seneraldiscussion stattfinden zu lassen, wenn dies von min- bestenS 15 Mitgliedern verlangt wird.
Die Abgg. Gamp, v. Lsvetzow, v. Marquardsen Balten eine solche nochmalige Generaldebatte für vollkommen über flüssig. Zu etwaigen „Erklärungen" — eine solche des Abg. Lieber bei Ab- schluß bet Berathung deS Bürgerlichen Gesetzbuches hatte die Anregung de« Abg. Richter veranlaßt — sei ohnehin Gelegenheit genug ICßtben.
Abg. Singer befürwortet den Vorschlag der Commisfion.
Abg. Lieber kann sich dagegen mit diesem Vorschläge nicht iiefreunden und beantragt Zurückverweisung an die GeschästScom- urisston behufs weiterer Prüfung.
DaS Haus beschließt demgemäß.
Ferner beantragt die Gcschäftsoldnungscommission: Bei An- lrUgen auf Vertagung oder Debatteschluß darf Unterstützung rleichzeittg gestellter Anträge auf namentliche Abstimmung nur mich Ausstehen erfolgen. Namentliche Abstimmung soll also nur ix anroefenl|C gefordert werden dürfen, während bisher ein Idj rifuitja: Antrag mit Unterschriften auch Nichtanwesenden genügte, entsteht hierüber eine ausgedehnte Debatte, in welcher dem An- ttage der Commission allseitig zugesttmmt, zugleich aber von den rlb>gg. v. Levetzow, Gamp, Bachem, v. Cuny die Ansicht vertreten wind: auch wenn es sich um materielle Entscheidungen (im Gegen- Wr xu bloßen Anträgen auf Vertagung ober Debatteschluß) hanble, tolle bie namentliche Abstimmung nur durch Anwesende beantragt wmden können.
Den entgegengesetzten Standpunkt vertreten die Abgeorbnetm vimger und Richter. Letzterer macht geltend: Wenn hier über- I
Haupt von Mißständen geredet werden dürfe, so sei der Hauptmiß- stand doch offenbar zu suchen in der schwachen Besetzung des HauseS, die hinwiederum durch den Diätenmangel verschuldet werde. Bei wichtigen materiellen Entscheidungen solle man die namentlichen Abstimmungen nicht dadurch erschweren, daß man auch bei schwach- besetztem Hause 50 Unterschriften Anwesender verlange.
Der Antrag der GeschäftSordnungscommisfion wird angenommen.
Ohne jede Debatte werden sodann in dritter Lesung die gestern angenommenen Anträge Hompesch bett. Aufhebung des Jesutten- GesetzeS, sowie Limburg-Rickert bett. Aufhebung des S 2 dieses Gesetze« definitiv angenommen.
Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist daS Margarine- Gesetz. Es ist zunächst die namentliche Abstimmung zu wiederholen über den Antrag von Plötz-Grand-Rp zum $ 4 auf Trennung der Verkaufsräume für Butter und Margarine.
Für den Antrag stimmen 116, gegen denselben 73 Mitglieder; das HauS ist also wieder nicht beschlußfähig.
Montag 11 Uhr: Antrag Ancker betr. Communalbesteuerung der Offiziere; bann zweite Berathung bes HanbelSgesetzbucheS.
Schluß 3i/4 Uhr.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 3. April. DaS ^Justizministerium hst ein Aus sch reib en eraehen laffen, in dem die Gerichte auf- gefordert werden, übw in der Gesetzgebung zu Tage getretene Mängel bis zum 1. Mai 1898 zu berichten, damit die betreffenden Resultate bei Ausarbeitung der Aus» führungsvorschrtften zum bürgerlichen Gesetzbuch in geeigneter Weise verwerrhet werden können.
Berlin, 3. April. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betr. Abänderung des Gesetzes Über die Be» schlagnahme deS Arbeit-, oder DienftlohneS vom 29. März 1897.
Berlin, 3. April. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgende Ordensverleihungen: DaS Großkteuz des Großherzoglich Hessischen Ludewigs Ordens und den Königlich italienischen Annunciaten-Orden erhielt der Reichskanzler F ü r st H o h e n l o h e, daS Großkreuz des Ordens der Königlich württembergischen Krone und das Großkreuz des Perfischen Sonnen« und Löwen Ordens in Brillanten der Staatssecretär des Auswärtigen Amts Frhr. Marschall von Bieber» stein, und das Lommandeurkreuz .erster Klaffe des Großherzoglich badischen Ordens vom Zähringer Löwen der Wirk» liche Geheime Ober-RegierungSrath Frhr. v. Wilmowski.
Berlin, 3. April. Im Abgeordnetenhause fand heute die zweite Lesung der Landgemeindeordnung für Hessen- Nassau statt. Die Vorlage wurde an die Commisfion zurückverwiesen. Montag kleine Vorlagen, dritte Lesung der Hessen» Nassauischen Städteordnung.
Berlin, 3. April. Dem „Local-Anzeiger" zufolge bestand die Operation, welche Professor v. Bergmann heute bei Staatssecretär v. Stephan vornahm, in einer Amputation des rechten Unterschenkels vom Knie an. Die Operation ist geglückt. Der Kräftezustand des Patienten ist befriedigend.
Berlin, 3. April. Das Befinden des Fürsten Bismarck ist, wie dir „Post" hört, wieder erheblich be» friedigender. Professor Schweninger habe fich heute sehr befriedigt über Bismarcks Zustand ausgesprochen, ebenso Graf Herbert BiSmarck heute im Reichstage.
Berlin,3. April. Zur Feier deS 50jShrigen militärischen Dienstjubiläums des Gouverneurs von Berlin, Generaloberst der Cavallerie Frhrn. v. Los, hat sich ein ComitL gebildet, an dessen Spitze der Commandant Generalmajor v. Natzmer steht. Wie es heißt, hat auch der Kaiser die Abficht zu erkennen gegeben, fich an der'Feier zu beseitigen.
Berlin, 3. April. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, werden die Osterferien des .Reichstages am 7. d. MtS. beginnen und am 27. d. MtS. ihr Ende erreichen. Von den dann bis zum SesfionSabschluß noch vorzunehmenden Arbeiten glaubt man bestimmt an das Zustandekommen des Handelsgesetzes- die Invaliden» und UnfallverficherungSgesetze werden sich höchstens durch die erste Lesung bringen lassen. Der Mtlitärstrafproceß'Entwurf befindet fich noch in der ersten Lesung durch den BundeSrathS- auSfchuß. In den betreffenden Kreisen wird die völlige Einigung der für dies Gesetz in Betracht kommenden Höfe nach wie vor mit großer Bestimmtheit behauptet.
Wilhelmshaven, 3. April. Die am 22. März gestiftete broncene Erinnerungs-Medaille wird auch sämmt» lichen Marinebeamten verliehen werden.
Arr-larr-.
Wien, 3. April. Johannes Brahms ist heute Vormittag gestorben.
Wien, 3. April. Im Stande der Ministerkrists ist noch keine entscheidende Wendung eingetreten. Der Kaiser
hat fich betreffs Erledigung des DemisfionSgesuchS einige Tage Bedenkzeit Vorbehalten. ES wird immer wahrscheinlicher, daß Badani nicht wieder mit der CabiuetSbildung betraut werden wird. Heute findet unter dem Borfitz bei Kaiser- ein Ministerrath statt, ber aber noch keine Entscheidung bringen dürfte. Fall- Badeni nicht wieder mit der CabinetS- bildung betraut wird, dürfte der Kaiser einen Gemäßigt- Clertcalen mit der CabiuetSbildung betrauen.
Bozen, 3. April. Die hiefige Gendarmerie verhaftete zwei junge Burschen, welche auf der Valsugauer Bahn bei der Station Calceranica eine schwere Eisenschwelle über die Schienen gelegt hatten, um eine Entgleisung de-Personen- zugeS herbeizuführen.
Vern, 3. April. Aus allen LandeStheilen laufen Meldungen über starke Schnefälle ein, welche großen Schade» anrichteten.
Nizza, 3. April. Lord Salt-burh sagte zu eine« franzöfischen Senator, die orientalische Angelegenheit regelt fich von selbst, ich werde möglichst lange hier bleiben.
London, 3. April. Anläßlich der Jubelfeier wird die Königin Gladstone, als dem bedeutendsten StaatSman» ihrer Regierung eine große Auszeichnung zu Theil werde» lassen. Gladstone wird den Adelstitel oder die Ernennung zur Lordkammer erhalten. Man glaubt, die Königin werde ihm den Hosenbandorden verleihen, welcher bisher nur an ein einziges Mitglied de- Unterhauses verliehen worden ist.
London, 3. April. Hier ist bas Gerücht verbreitet, daß Präsident Faure am 20. Juni den Festlichkeiten anläßlich des Jubiläums der Königin Victoria beiwohnen wird.
Athen, 3. April. Die Blätter fordern die Regierung energisch auf, der Türkei den Krieg zu erklären.
Rewyork, 3. April. Der Misststppi ist derart angeschwollen, wie dies seit 1881 nicht mehr der Fall gewesen ist. Mehrere hundert Häuser stehen unter Wasser. Tausende von Familien find obdachlos. DaS Wasser steigt fortwährend, sodaß eine Katastrophe befürchtet wird.
Athen, 3. April. Die bereits erfolgte Abreise bei italienischen Gesandten wird ai- Einleitung zur Abreise der Übrigen aufgefaßt. Der Krieg erscheint all einziger Ausweg, als unvermeidliche Nothwcndigkeit und all einzige Hoffnung, die Einigkeit der Großmächte zu brechen.
Depeschen deS Bureau „Herold."
Berlin, 4. April. Der Kaiser fuhr gestern Abend 7 Uhr bei dem Staatssecretär Admiral Hollwann vor.
Berlin, 4. März. Da« Befinden des StaatSsecretärl von Stephan ist den Umständen entsprechend nicht un» günstig.
«erlin, 4. April. Den „Berl. N. Nachr." zufolge hat eine telegraphische ober sonstige Begrüßung irgend welcher Art Seitens des Kaiser- an den Fürsten BiSmarck anläßlich dessen Geburtstag nicht stattgefunden.
Berlin, 4. April. Die „Berl. N. Nachr." schreiben: Fürst Bismarck erhielt an seinem Geburtstage fast 3000 Telegramme mit 85,000 Worten.
Berlin, 4. April. Die gestrige Naus en fei er im Kroll'schen Etablissement ist Überaus glänzend verlaufen. Al- Vertreter des Kaiserhauses war Prinz Friedrich Leopold anwesend, außerdem waren u. A. erschienen: der Reichskanzler Fürst Hohenlohe, die Minister v. Bötticher, v. Bosse und Graf PosadowSkh, viele Vertreter der Wissenschaft, sowie die schwedische Gesandtschaft in corpore. Der Reichkanzler geleitete Frau Nansen in den Saal und nahm ihr zur Rechten Platz, dann erschien Nansen, geführt von dem Vorstand der Gesellschaft für Erdkunde. Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden begann Nansen seinen Vortrag, den er in packender und fesselnder Weise zu Ende führte unter gleichzeitiger Darstellung der Hauptmomente durch ProjectionS» bilder. Minister v. Bosse sprach hierauf dem kühnen Forscher Dank auS unb überreichte ihm im Namen des Kaisers die höchste Auszeichnung, die große Medaille für Kunst und Wissenschaft, während Herr v. Richthofen die goldene Hum- bold Medaille Überreichte. Bei dem sich anschließenden Festmahle toastete Minister v. Bötticher auf den Kaiser, Minister v. Bosse auf den König von Schweden, Dr. v. Neumeyer- Hamburg auf Nansen, Staatssecretär a. D. Herzog auf Frau Nansen. Nansen feierte den Geist deutscher Wissenschaft und leerte sein Glas auf die Gesellschaft für Erdkunde.
Wien, 4. April. Johannes Brahms ist anscheinend ohne Testament gestorben. In seiner hiesigen Wohnung und bei seinen Freunden liegt kein Document. ES ist aber mög-


