Ausgabe 
6.3.1897
 
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Mr. 55

Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, »it Ausnahme deS Montags.

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Samstag den 6. März

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Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Giefzen.

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Bekanntmachung.

Wir bringet, hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß der längs des Bahndammes der Oberhesstschen Etseobahnen her- ziehende Thetl deS Riegelpfades zwischen Ludwigstraße i*b der Kennel'schen Hosraithe btS auf Weiteres wegen Vor­nahme baulicher Arbeiten auch für de« Frrstgäuger-

-erkehr gesperrt ist.

Gießen, den 4. März 1897.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

Neueste

Walfst tAegr»ph!fcheS Sorrefpond«r-Bnrsr«.

Berlin, 4. März. DieNat.Ztg." schreibt: Die Wiener r#t. Fr. Pr." bezeichnet den kurz vor der Uebergabe der Gommation an das Athener Cabinet laut gewordenen Vor­schlag, die Androhung von Zwangsmaßregeln einst­weilen noch auszusetzen, als einen Wunsch Englands, dem nur in Berlin widerstrebt wurde und spricht im unmittel­baren Anschluß hieran von Schwerfälligkeiten. Die That- fache, daß Deutschland die sofortige Androhung von ZwangS- «aßregeln gewünscht hat, ist richtig und braucht nicht ver­schwiegen zu werden; ja noch mehr, Deutschland hat die Aufnahme des betreffenden Satzes in die identische Note zur Bedingung für seine Betheiligung an dem Collectivschritt der Gesandten gemacht. ES zog damit lediglich die Consequenz seiner von Anfang an eingenommenen Haltung. Ohne dir Androhung von ZwangSmaßregeln wäre die identische Note kein Ultimatum gewesen, sondern nur ein Vorspiel zu wetteren diplomatischen Erörterungen mit Griechenland, bet denen, wenn nicht die Absicht, so doch die Wirkung befürchtet werden mußte, die kretlsche Frage langsam im griechischen Sinne versumpfen zu laffen. Dazu konnte Deutschland nicht die Hand bieten. ES find ja noch nicht von allen Einzelheiten der mühseligen Arbeit zur Einigung der Großmächte die Schleier gelüftet. Wir glauben nicht, daß, wenn eS ge­schieht, Schwerfälligkeiten zu Tage kommen, die von Berlin »uSgingen.

Berlin, 4. März. Die Budget Commission deS Ab­geordnetenhauses beendete die zweite Lesung der Besol­dungsvorlage. Die in erster Lesung angenrmmenen Resolutionen wurden wiederum angenommen, ebenso eine neue Resolution, welche die Verschlechterung der BesoldungS- Verhältnisse ausschließt.

Berlin, 4. März. Auf die Tagesordnung der nächsten Montag, 8. d. MtS., stattfindenden Sitzung des Reichs­tags sind folgende Gegenstände gesetzt worden: 3. Lesung der Zwangsvollstreckung und der Grundbuchordnung, 2. Be- rathung der Uebersichten der Reichs. Ausgaben und Ein­nahmen, ReichStagsrtar und Petitionsberichte.

Wien, 4. März. Hier liegt nachfolgende Meldung aus Belgrad vor: In Alt-Serbien kamen in den letzten Tagen an mehreren Orten blutige Excesse gegen die christliche Bevölkerung vor. Auf der Straße in der Nähe von Prilep ermordeten Türken einen Geistlichen und zwei Bauern. Bet Tuomo überfielen bewaffnete Aruauten einen serbischen HochzeitSzug, tödteten sieben Personen und ver­wundeten einundzwanzig schwer.

Meutone, 4. März. DaS Gerücht von einer Erkrankung der Kaiserin von Oesterreich entbehrt jeder Be- gründung. Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen gestern Abend einen längeren gemeinsamen Spaziergang.

Zürich, 4. März. Der VerwaltungSrath der Schweize­rischen Nordostbahn nahm daS Reglement über die Ge­haltserhöhung deS Personals nach der Vorlage der Direc- tion an. Die erstmalige Aufbefferung erfolgt am 1. Juli d. I., die zweite am 1. Januar 1899. In das Reglement auf- genommen wurden die Errichtung einer Arbeitercomm sion nb bie Bestimmung, nach welcher während des Militär- diensteS einem Angestellten das halbe Gehalt bezahlt

Pari«, 4. März. Der Sturm an der Westküste Frank, reichs dauert noch an. Auch aus dem Rhonethal werden Stürme gemeldet. , .

Sau Sebastian, 4. März. Der französische Dampfer Blauche" ist in einrm heftigen Sturme beim Bexlaffen des Hafens von Los Pasages gescheitert. Neunzehn Per- souen sind ertrmken.

Athen, 4.März. HavaSmeldung. Der neue Kriegs- Minister ewpsahl den Truppenbefehlshabern, die Äußerste Thätigkeit zu entwickeln, um die Armee fähig zu

machen, den gegenwärtigen Berhältuiffen ins Auge zu sehen. Die französischen Freiwilligen werden überall begeistert aus­genommen.

Athen, 4. März. In amtlichen Kreisen wird versichert, die Antwort der Regierung auf die Gommation der Mächte würde eine ablehnende sein. Die Antwort werde die Gründe auSeinandersetzeu, auS denen eine Zarückberusung der griechischen Streitkräfte und die Schaffung der Auto­nomie auf Kreta unmöglich sei. ES scheint beschloffen, drei weitere Klaffen der Reserven eiuzuberufen. Später werde man wahrscheinlich zu einer allgemeinen Mobilifirung schreiten. Eine zahlreiche Menschenmenge brachte dem Kronprinzen vor seinem Palais Kundgebungen dar. Der Kronprinz er­schien auf dem Balkon und hielt eine Ansprache, in der er zur Ruhe und Würde ermahnte.

Athen, 4. März. Gestern Abend durchzogen Mani­festanten die Straßen mit Fahnen, auf denen geschrieben stand:Hoch die Vereinigung Kretas mit Griechenland!"

Athen, 4. März. Heute fanden zahlreiche Kund­gebungen statt aus Anlaß der Ankunft der französischen Studenten.

Kanea, 4. März. Meldung derAgence Stefanie". Da die Admirale infolge der Ausdehnung des inter­nationalen Schutzes auf Selino und Herapetra eine Erregung der Muselmanen in Kanea gegen die Christen befürchten, werden sie sich heute hierher begeben. Admiral Canevaro hielt in Anwesenheit der Diplomaten, deS General- gouverneurS, der Commandanten, der gelandeten Schiffs­mannschaften und der Consuln eine Ansprache, in der er zur Ruhe ermahnte, als dem einzigen Mittel, daS von Europa gewünschte Wohlergehen Kretas zu erlangen. DaS Ergebniß der Ansprache war befriedigend. Einige muselmanische Fanatiker, die andere Personen aufreizten, wurden verhaftet und an Bord eines Kriegsschiffes gebracht. In Folge eines Telegramme« der Königin von Griechenland an den russischen Admiral wurde den griechischen Schiffen heute die Erlaubniß ertheilt, verwundete griechische Soldaten nach dem PträuS überzuführen.

Kanea, 4. März. HavaSmeldung. Der Commandant und die Offiziere des englischen PanzerSBarfleur" hielten an Bord einen Kriegsrath wegen der Ermordung deS Obersten Suleiman Bey ab. Der KriegSrath beschloß, eine Untersuchung zur Entdeckung deS Mörders ins Werk zu fetzen. Sollte diese zu keinem Ergebniß führen, so würden die drei gefangenen ZaptiehS erschaffen werden. Die ge­plante Fahrt derHydra" nach Selino wurde infolge deS Widerstandes der Consuln aufgegeben. Gestern Nach­mittag soll bet Tzikalart zwischen Christen und Muselmanen ein Gefecht stattgefunden haben. Der AuSgang ist nicht bekannt.

Bombay, 4. März. Bisher find 8383 Personen an der Pest erkrankt und 6979Personen gestorben. Die Gesammt- sterblichkett in Bombay betrug in der letzten Woche 1484 gegen 1650 in der Vorwoche.

Depeschen deS BureauHerolds

Berlin, 4. März. Dem Kaiserpaar ist durch den Oberhofmetster Freiherrn v. Mirbach die von Profeffor Oncken verfaßte FestschriftUnser Heldeukaiser" in Prachtetubänden überreicht worden. Die für die deutschen Fürsten bestimmten Exemplare werden in den nächsten Tagen zur Versendung kommen.

Berlin, 4. März. Am Sonntag den 14. März wird in der Capelle deS hiefigen Königlichen SchloffeS die feier­liche Einsegnung des Prinzen Friedrich Wilhelm, jüngsten Sohnes deS Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten von Braunschweig, stattfinden.

Berlin, 4. März. Da« Lehrer-BesoldungSgesetz ist, wie dieKreuzzeitung" hört, gestern vom Kaiser vollzogen worden.

Berlin, 4. März. Finanzminifter Miquel hat heute dem Führer einer großen Partei im Abgeordnetenhause vor Beginn der heutigen Sitzung der Budget-Commission die Eröffnung gemacht, daß, falls die Commission heute noch mehr Erhöhungen gegen die Beschlüffe erster Lesung annrhme, die Denkschrift über die BesoldungS Verbesserungen in der so gestalteten Form für die StaatSregierung unannehmbar sein würde. Die Conservativen gedenken, wie verlautet, keine weiteren Anträge auf Erhöhung gegen die CommisfionS- beschlüffe erster Lesung einzubringen.

Berlin, 4. März. Bei dem Abbruche deS Wafferthurmes der vorjährigen Gewerbe-AuSstellung wurden zwei Arbeiter getödtet, sowie einer schwer und zwei leicht verwundet.

Wilhelmshaven, 4. März. Der Kaiser und Prinz Heinrich find heute Vormittag UV» Uhr hier angekommen.

Nach kurzer Begrüßung durch den Admiral am Bahnhof erfolgte die Weiterfahrt zum Exercierhause der zweiten Matrosen'Divisiou unter lautem Hurrah der augesammeltcu Volksmenge. Nach einer Ansprache der Oberpfarrer beider Confesstonen erfolgte die Vereidigung von 800 Rekruten.

Wilhelmshaven, 4. März. Bei der Vereidigung der Marine-Rekruten hielt der Kaiser eine Ansprache, in welcher er auch auf den Untergang der Iltis zurückkam. Er führte auS, er erachte diese That gleichwerthig mit einer siegreichen Schlacht. Das heldenmüthige Verhalten der Be­satzung deS Schiffes, welches die Bewunderung der ganzen Welt hervorgerufen hat, gereicht der Marine zur hervor- ragenden Ehre und er ermahne zur Nacheiferung. Hierauf brachte der Capitän zur See, Koch, daS Kaiserhoch au«. Nach der Feier besichtigte der Kaiser die Werft und den Panzer-NeubauErsatz Friedrich der Große", worauf dann im Casino daö Frühstück eingenommen wurde.

Wien, 4. März. Auf der hiefigen griechischen Gesandt- schäft ist bisher keinerlei Meldung über eine angebliche Kriegserklärung eingelaufen.

Budapest, 4.. März. Das königlich ungarische bacterio­logische Institut hat ein Mittel gegen die Schweine­pest im Blutserum derjenigen Thiere gefunden, welche die Pest bereit« überstanden haben. Der AckerbawMtnister hat an sämmtliche LandwirthschaftS-Anstalten, sowie an alle Vereine die Aufforderung gerichtet, dieses neue Mittel zu erproben.

Bruffel, 4. März. Heute wird der Abgeordnete Lorand die Regierung interpelliren, ob fie geneigt sei, mit den kleinen europäischen Staaten und mit den Signatar-Mächten bezüglich der belgischen Neutralität und Unabhängigkeit Schieds­gerichtsverträge zu unterzeichnen.

Paris, 4. März, lieber die franco-russische Allianz äußert fich derFigaro": Wir haben mit unserer Geheimthuerei unrecht. In Petersburg weiß es und sagt eS Jedermann, die Allianz habe zum Zweck die Aufrecht­erhaltung deS Friedens, welcher nach der Unabhängigkeit daS größte Glück ist. Im Falle eines Angriffes gegen Frankreich oder Rußland würden die beiden Länder ihre Truppen gegen die oder den Angreifer in das Feld schicken.

Pari«, 4. März. Die französische Regierung, welche der Expedition des Prinzen Heinrich von Orleans nach Afrika feindlich gegenübersteht, soll dem Forscher große Schwierigkeiten in Afrika bereiten. Die royalistische Preffe macht deshalb im Voraus die Regierung für eine eventuelle Katastrophe verantwortlich.

Paris, 4. März. Diplomatische Kreise versichern, daß Frankreich, Rußland und England im Falle einer verneinenden Antwort deS Königs Georg auf die Note der Mächte ent- fchloffen seien, dem Anträge des deutschen Kaisers auf Blokade des Piräus zuzustimmen.

Pari«, 4. März. Angesichts der Eventualität, daß Griechenland fich weigern wird, dem Ultimatum der Mächte zu entsprechen, bereitet der Marine-Minister die Mobil­machung S-Ordre für daS Reserv e-Mittelmeer- Geschwader vor, daS nöthigenfallö mit eingreifen und unter das Commando deS Admirals Humann gestellt werden wird.

Loudon, 4. März. Bei dem gestrigen Wachen-Empfang des diplomatischen CorpS hatte Lord Salisbury Confe- renzen mit dem deutschen, franzöfischen, österreichischen, italienischen und türkischen Botschafter über die Lage im Orient. Der Ministerpräsident drängte unter Hinweis auf die revoltirenden türkischen Gendarmen abermals auf Zurückziehung der türkischen Truppen auf Kreta. Der deutsche Botschafter, Graf Hatzfeld, soll seine Zustimmung hierzu ver­weigert haben.

Athen, 4. März. Die gesummte Preffe räth zu einer energischen Action und zurBeschleunigung der Kriegs- Vorbereitungen.

Athen, 4. März. Seitens des hiefigen Metropoliten wurde ein Telegramm au den Metropoliten von Petersburg und an den Erzbischof von Canterbury gerichtet, in welchem diese zur Unterstützung der kretensischen Christen aufgefordert werden.

Athen, 4. März. Der im Ministerrath gefaßte Beschluß über die Antwort auf das Ultimatum der Mächte wird heute dem König zur Kenntniß gebracht werden. Die Akropolis versichert, die Antwort werde ungefähr wie folgt lauten: Autonomie für Kreta fei nutzlos. Die Rück­berufung des griechischen Heeres, die vorgeschlagen sei, würde neue MaffacreS zur Folge haben, die jedesmal auch daS Königreich erschüttern würden. Deshalb sei die Regierung trotz ihrer Hochachtung vor den Beschlüffen der Großmächte außer Stande, Heer und Flotte zurückzurufen.