Ausgabe 
6.2.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

schädige man nur die Arbeiter und greife ganz unnöthig in ihr Selbstbestimmungsrecht ein. Komme ein athletischer Arbeiter, der vielleicht 7 Kinder habe, zu ihm, um durch eine längere Arbeitszeit mehr zu verdienen, so könne er ihn doch nicht daran hindern. Mit dem Anträge Hitze komme man nur ins socialdemokratische Fahr- waffer. Das einzig Mögliche sei ein sanitärer Arbeitstag für ge­fährliche Betriebe, weiter aber dürfe man nicht gehen. Folge man erst den Socialdemokraten, so würden die Arbeiter in eine Knecht­schaft htneingeralhen, die noch viel schlimmer sei, als die schlimmste Knechtschaft unter einem Arbeitgeber. (Lachen bei den Socialdemo­kraten, Beifall rechts.)

Abg. Schneider (frs. Vp.): Es sei richtig, daß man in Eng­land und anderwärts in dm Fabriken ganz gute Erfahrungen mit dem Achtstundentag gemacht habe. Dem Anträge Auer liege aber zu sehr der Gedanke zu Grunde, als ob alle Arbeit gleichwerthig sei. Eher lasse sich noch auf dem Wege des Emtrumsantrages vor- gehen. Derselbe lasse in Bezug auf die Vertheilung der Arbeitszeit eine größere Freiheit, waS schon im gesundheitlichen Interesse zu wünschen fei. Zu fragen habe man auch da allerdings, ob die 63 Stunden pro Woche in dieser Beziehung genügenden Spielraum gewährten. Wenn der Antrag Auer nur 8 Stunden Arbeit zulasten wollte, so sei das doch von 15 Stunden Arbeit, die nach eigener Aussage Fischers sogar auch in Staatswerkstätten vorkämen, ein ganz außergewöhnlicher Sprung. Wolle man einen solchen Arbeits­tag, wie ihn die Socialdemokraten verlangten, festsetzen, so würde das gar nicht möglich sein ohne gleichzeitige Festsetzung eine? Maxi­mallohnes. Da sei eS doch richtiger, Alles der Freien Vereinigung von Unternehmern und Arbeitern zu überlassen. Deshalb seien auch seine Freunde für ausgedehnte Gewährung des Coalittonsrechtes an die Arbeiter. Besäßen die Arbeiter dieses Recht, so könne man ihnen dreist die Verständigung mit den Unternehmern auch über die Arbeits­zeit überlasten.

Abg. Bin bewald (Ref.-P.) spricht ebenfalls gegen eine so schablonmmäßige Regelung der Arbeitszeit, nammtlich vom Stand­punkt des Handwerks. Weshalb übersehe übrigens der Antrag Auer die Landarbeiter, deren Arbeitszeit noch viel länger sei, als die der gewerblichen Arbeiter? Für den Antrag Hitze werde seine Partei stimmen.

Nach einigen Bemerkungen des Abg. Hitze tritt Vertagung ein.

Morgen 1 Uhr: Etat des Reichskanzlers. Wahlprüfungen. Schluß 57i Uhr.

Wolffs telegraphische» Correspondem-BlrrLan.

Berlin, 4. Februar. Wie dieBerl. Corresp." schreibt, werden auf Befehl de» Kaisers zum 100 jährigen Ge­burtstage Kaiser Wilhelms I. die militärtfchen Schriften weiland Kaiser Wilhelm I. vom kgl. preußischen KriegSmintsterium herauSgegeben werden. In diesem Werke werden die eigenhändigen Denkschriften, Gutachten und Vor­schläge deS Verewigten für die Wehrkraft des Landes wort­getreu nach den Handschriften zur Veröffentlichung gelangen. Diese für die vaterländische Geschichte und für die Würdigung deS verewigten Kaisers wichtigen Schriftstücke werden, soweit erforderlich, von Einleitungen und urkundlichen Mittheilungen begleitet sein. Die Herausgabe erfolgt in der kgl. Hofbuch- Handlung von Mittler u. Sohn.

Wien, 4. Februar. Eine von der socialdemokrattscheu Partei einberufene Versammlung Arbeitsloser, welche von etwa 1500 Personen besucht war, nahm einen stürmischen Verlaus. Als die Redner heftige Angriffe gegen die be* stehende Gesellschaftsordnung richteten, löste der überwachende Beamte die Versammlung aus. Die Versammelten erhoben stürmischen Widerspruch. Die Räumung des Saales mußte durch Polizetmannschaft herbeigeführt werden.

Rom, 4. Februar. Der akademische Rath der Universität Macerata hat beschloffen, die Universität wegen der Soli- daritätS'Kundgebung für die römischen Studenten zu schließen.

Paris, 4. Februar. Die Regierung hat den neuen Ent­wurf einer Reform der directen Steuern festgestellt. Der Entwurf entlastet die ländlichen Gemeinden um mehr als 50 Mill. Fr., insbesondere befreit er die kleinen Steuer­zahler hinsichtlich der Personal- und Mobtliarsteuer, sowie der Thür- und Fenstersteuer etwa von der Hälfte der Lasten. Zur Deckung des Ausfalles wird die Uebergangssteuer für Werthpapiere erhöht und eine ZulaffungSgebühr für die­jenigen fremden Werthe eingeführt werden, für die diese Ge­bühr bisher nicht bezahlt wurde.

Madrid, 4. Februar. Die Königin Regentin hat das Decret betr. die Reformen auf Cuba unterzeichnet.

Athen, 4. Februar. Die fremden Panzerschiffe kreuzen beständig an der cretenstschen Küste.

Depeschen deS BureauHerold."

Berlin, 4. Februar. Heute Mittag fand im Lustgarten die feierliche Uebergabe der dem Kaiser Alexander-Garde- Grenadier-Regiment Nr. 1 vom Zaren verliehenen Fahnen- bäuder in Gegenwart deS Kaisers, des russischen Obersten Nepokoitschitzky und zahlreicher Offiziere statt. Oberst Nepokoitschitzky hielt eine Ansprache, worauf der RegimentS- Commandeur v. Moltke erwiderte. Nach der Feier fand im Schlöffe Frühstückstafel zu 90 Gedecken statt. Nach der Feierlichkeit im Lustgarten verlieh der Kaiser dem Obersten Nepokoitschitzky den ttroneuorden 2. Klaffe mit Stern.

Berlin, 4. Februar. Dem Bund es rat h ist, wie der Post" zufolge verlautet, der Entwurf eines Gesetzes, be­treffend den Geschäftsbetrieb der öffentlichen Vorschußkaffen in Elsaß-Lothringen, zugegangen.

Berlin, 4. Februar. DerRetchßanzeiger" bringt an der Spitze seiner heutigen Nummer einen kaiserlichen Erlaß an den Reichskanzler vom 3. Februar 1897, in welchem der Monarch seinen Dank für die ihm anläßlich seines Geburtstages zahlreich zugegangenen Glückwünsche und für die aus diesem Anlaß veranstalteten Festlichkeiten aus- spricht.

Berlin, 4. Februar. Durch eine kaiserliche CabinetS- ordre vom 25. Januar ist bestimmt worden, daß die Panzer­schiffe zweiter KlaffeKönig Wilhelm",Kaiser" und Deutschland" aus der Liste der Panzerschiffe gestrichen und in die Liste der Kreuzer als Kreuzer erster Klasse aus­genommen werden.

Berlin, 4. Februar. Der Abgeordnete Freiherr von Manteuffel hat sein Amt als Vorfitzender der con- servativen Reichstags -Fraction angeblich wegen GeschäftS- überhäufung niedergelegt. An seine Stelle wird Herr v. Levetzow treten.

Berlin, 4.Februar. Der Entwurf einer neuen See- mannsorduung dürfte dem BundeSrathe in diesen Tagen zugehen. Dem Entwürfe werden, wie diePoft" hört, auch die gutachtlichen Aeußerungen der beteiligten Handelskammern über einige wichtige Punkte beigefügt werden. Man nimmt an, daß sich der Reichstag mit dem Entwürfe noch tn der gegenwärtigen Tagung wird beschäftigen können.

Berlin, 4. Februar. Die Commission deS Reichs­tages für die Novelle zur Unfallversicherung trat heute zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Zu einer Ab­stimmung kam eS heute nicht.

Frankfurt a. M., 4. Februar. Der Münchener Correspondent derFranks. Zig." hört von augenscheinlich gut inforrnirter Seite, daß Bayern zum Entwürfe der Militär-Strafprozeß-Ordnung eine Reihe von Ab­änderungsanträgen gestellt hat, welche bezwecken, den Ent­wurf dem Civilstrasverfohren näherzubringen. Einige dieser Anträge find vom BundeSrathSauSschvffe, der sich gegenwärtig mit dem Entwürfe befaßt, angenommen worden- die übrigen wurden abgelehnt. Bon einem Scheitern des Entwurfes soll man z. Z. nicht reden können, wenn auch nicht zu unter­schätzende Gegensätze vorhanden find. Die bayerische Regie­rung insbesondere soll ernstlich gewillt sein, so weit eS tn ihrer Macht liegt, dazu beizutragen, dem Fürsten Hohenlohe die Erfüllung seines Versprechens zu ermöglichen, daß der Entwurf noch diesem Reichstage zugeht. Da die Verhand­lungen über die umfangreiche Materie viel Zeit in Anspruch nehmen und eine zweite Lesung im BundeSrathe vorgenommen wird, ist es nicht wahrscheinlich, daß der Reichstag noch Zeit findet, den allenfalls an ihn gelangenden Entwurf noch zu beraten.

Hirschberg L Schl., 4. Februar. DaS Kaiserpaar wird am 19. dsS. MtS. in Begleitung der Meiningen'schen Herrschaften zur Hörnerschlittenfahrt hier erwartet.

Zürich, 4. Februar. Die hiesige Polizei verhaftete einen wegen bedeutender Betrügereien steckbrieflich verfolgten ehemaligen deutschen Offizier. Derselbe soll an Oester- reich auSgeliefert werden.

Rom, 4. Februar. AuS Cantazaro wird gemeldet, daß gelegentlich einer Leichenfeier, bei der etwa hundert Personen versammelt waren, plötzlich der Fußboden ein­stürzte, wobei drei Frauen tobt blieben und eine Anzahl Personen leicht verwundet wurden.

London, 4. Februar. In Unterhause wurde gestern ein Antrag angenommen, wonach daS parlamentarische Wahlrecht auch auf die Frauen ausgedehnt wird.

Athen, 4. Februar. Vor Canea stehen Tausende be­waffneter Christen bereit, um im Falle einer Gefährdung ihrer GlaubenSgenoffen in die Stadt einzudringen. In der Umgebung der Stadt stehen mehrere christliche und türkische Dörfer in Flammen. Die Consuln find einstimmig der An­sicht, daß die Bewegung eine allgemeine wird, wenn derselben nicht bald Einhalt gethan wird. Dieselben haben eS in die Hand genommen, persönlich eine Beruhigung der Gemüther zu versuchen. Aehnliche Vorgänge spielten sich auch in Retimo ab.

Oran, 4. Februar. In der Nähe des Artillerie- Schießplatzes fanden zwei Arbeiter eine Granate, die beim Oeffnen explodtrte und die Leute in Stücke riß.

Berlin, 5. Februar. In parlamentarischen Kreisen geht, wie dieNationalliberale Correspondenz" behauptet, baß Gerücht, daß der Oberpräfideot von Ostpreußen, Graf Wilhelm Bismarck mit dem gleichen Amte von Schleswig- Holstein betraut und in Königsberg zum Nachfolger den früheren Minister des Innern, Herrn v. Köller, erhalten werde.

Berlin, 5. Februar. In der gestrigen Sitzung des Bundesraths wurde dem Anträge betreffend Beschränkung der Einfuhr aus Asien zur Verhütung der Ein­schleppung der Pest die Zustimmung enhetlt.

Berlin, 5. Februar. Die freisinnige Vereinigung hat im Reichstage den Antrag eingebracht, den Reichskanzler um Vorlegung einer Denkschrift über die Wirkung der Handelsverträge zu ersuchen.

Rom, 5. Februar. Die Studenten beschloffen, vom Carneval fernzubleiben, bis sie Genugthuung erhalten haben.

Neapel, 5. Februar. Gestern kamen ernstliche Zu­sammenstöße zwischen der Polizei und demonstrirenben Studenten vor, wobei auf beiden Seiten Verwundete gab. Neue Unruhen werden befürchtet.

BrLsiel, 5. Februar. Die Ueberfchw emmungen nehmen in ganz Belgien eine bedrohliche Außdehnung an. Zahlreiche Industriestädte im östlichen Belgien stehen unter Wasser. Die Fluthen richten besonderß Verheerungen in dem Badeorte Spaa an, wo zahlreiche Villen beschädigt wurden. Daß Waffer drang biß zum Casino vor - auch die Villa deß Königs ist bedroht. Die Bevölkerung flüchtet.

. CocaUs ttnL> proohßklkf#

Gießen, den 5. Februar 1897.

Professor Buchner f. Gestern verschied der in allen Kreisen der Bürgerschaft und weit darüber hinaus bekannte ehemalige Realgymnafiallehrer vr. Otto Buchner. Schon seit Jahren leidend, trat Herr Professor Buchner vor etwa 3 Jahren, ausgezeichnet von unserem Landesherrn durch einen hohen Orden, hochgeachtet von seinen Collegen und verehrt von seinen damaligen und früheren Schülern, tif den Ruhestand, dessen er sich leider nur kurze Zeit erfreuen sollte. Sein segensreicher Beruf als Lehrer, sowie sein ge­meinnütziges Wirken auf mancherlei anderen Gebieten sichern dem Dahingeschiedenen ein ehrende», dauerndes Andenken. Er ruhe in Frieden!

* Haym-Loewe-Abend. Wir find in der angenehmen Lage berichten zu können, daß daS Unternehmen des Dr. Haym sicher von Erfolg gekrönt fein wird. Der Druckfehlerteufel hatte in einem früheren Bericht aus

Säuger" Sieger gemacht. Dieser Fehler deß bekannten Koboldes scheint diesmal eine Vorahnung gewesen zu sein, denn mit jedem Tage wächst daß Interesse für den kommenden Sonntag, und eS ist unzweifelhaft, daß an diesem Tage das musikalische Gießen versammelt sein wird. Sehr schön wäre es auch, wenn auS den Kreisen der Gesangvereine, m denen Dr. Haym so erfolgreich gewirkt hat, sich recht rege Betheiligung fände.

Hasfia-Lotterie. Die Loose der Hassia Lotterie find sämmtlich verkauft, oder doch tn festen Händen, so daß die Verloosung, welche erst auf Mitte März bestimmt ist, eigentlich schon in Kürze erfolgen könnte.

* * lieber die Forderung nach einet Ermäßigung der Fernsprechgebühren findet sich an der Spitze der officiösen Nordd. Allg. Ztg." ein Artikel, der zwar diese Forderung mit den von Herrn v. Stephan im Reichstage vorgebrachten Gründen im Allgemeinen zurückweist, ober io engeren Grenzen eine Reform in Aussicht zu stellen scheint. Es heißt nämlich am Schluß des Artikels: Daß der jetzige Tarif die kleinen Städte verhältnißmäßig mehr belastet als die großen, da» hat ja die Postverwaltung selber anerkannt, und es fragt sich, ob in dieser Beziehung eine bessernde Hand wird angelegt werden können. Allein auch hierbei darf das Anwachsen der Ausgaben nicht übersehen werden, welches unter Umständen sehr bedeutend sein kann, wie der General-Postmeister im Reichstage zahlenmäßig nachwres. Jedenfalls wird auch in dieser Hinsicht nur sehr vorsichtig und schrittweise verfahren werden müssen, sooft wird der berüchtigte Sprung ins Dunkle gemacht.

* Beförderung von frischem Fleisch. Seit längerer Zeit beschäftigt sich das Reich S eis en b ah n amt mit der Frage der Beförderung von frischem Fleisch auf den deut­schen Eisenbahnen. Bekanntlich genießen Fische, Obst unb andere, leicht dem Verderben ausgesetzte Versandtstücke die Begünstigung, gegen die einfache Gebühr mit Schnell- eventl. Personenzügen befördert zu werden. DaS ReichSeisenbahnamt will auch da» frische Fleisch zu diesen TranSportgegeoständen rechnen. Die Handelskammer Mainz hat sich zur Abgabe deS von ihr verlangten Gutachtens an die Metzgerinnung ge­wendet, deren Obermeister der Handelskammer Bericht er- stattete. Die Innung ist nicht allein für den Transport be» frisches Fleisches zu den gewöhnlichen Frachtsätzen, sondern auch für die Versendung von Wurst und geräucherten Fleisch toaaren. Die letzteren würden, der heutigen Geschmacksrich­tung entsprechend, nur noch leicht angeräuchert und seien daher bei längeren Transporten in geschloffenen Behältnissen nicht allein leicht dem Verderben ausgesetzt, sondern sie verlieren auch ungemein an Ansehen.

Grunberg, 1. Februar. In den letzten Jahren hat allenthalben das Molkererwesen einen bedeutenden Auf­schwung genommen. Auch tn unserer Gegend, schreibt man demD. T. Anz.", in welcher die Viehzucht einen der lohnendsten Erwerbszweige der Laodwirthe bildet, find bereit» mehrere Molkereien im Betrieb. Die Leute kommen imm r mehr zur Ueberzeugung, daß diese Art der Milchverwerthung weit vortheilhaster ist, da dadurch viel Zeit und Mühe er­spart wird, was besonders im arbeitsreichen Sommerhalbjahr sehr in» Gewicht fällt. Ueberdie» sind die Butterpreise hier zu Lande verhältnißmäßig sehr gering- sie bewegen sich zwischen 60 Pfg. bis höchfiens 1 Mk. daß Pfund. Hier in Grünberg hat der Besitzer der Steinmühle, Herr Zimmer, in Verbindung mit feiner Mühle eine Molkerei eingerichtet, in welche Anfaogß nur 600 Liter Milch geliefert wurden - dies Quantum hat sich jedoch während deß etwa dreijährigen Betriebs verzehnfacht. Gleich pünftige Resultate hat die GenoffenschaftSmolkerei Nieder - Ohmen aufzuweisen. Beide Molkereien beziehen Milch auS selbst im höheren Vogels­berg gelegenen Orten. Da die Vogelsberger Butter wegen ihres besonderen Wohlgeschmack» vielfach bevorzugt und deshalb auch besser bezahlt wird, haben sowohl die Grünberger, als auch die Nieder - Ohmer Molkerei in Groß-Eichen im Laufe des verflossenen Jahre» Rahm- ftationen eingerichtet, um dadurch den Landwirthen de» Bogelß- bergß die Lieferung der Milch zu erleichtern. In der eigent­lichen Molkerei wird dann der Rahm zu Butter verarbeitet. Herr Zimmer hat außerdem eine Käserei eingerichtet, deren Erzeugnisse sehr guten Absatz finden. Um die Magermilch möglichst nutzbringend zu verwerthen, betreibt der Besitzer jetzt auch noch die Schweinezucht im größeren Umfange. Im letztverfloffenen Jahre hat derselbe zu diesem Zwecke große, allen Anforderungen der rationellen Schweinezucht entsprechende Stallungen erbauen unb nach dem Muster größerer Züchtereien einrichten lassen, in welchen - über 100 Schweine untergebracht find.

n. Bon der mittleren Nidda, 4. Februar. Heute steht der Ntddapegel auf 105. Der heute Nacht eingetretene leichte Frost hatte ein Zurücktreten de» gestrigen Hoch­wassers, da» in tiefem Gelände Ueberschwemmungen ver­ursacht hatte, zur Folge. Da» plötzliche Anwachsen de» Wasser» gestern rührte daher, daß da» Schnee- und gleich­zeitig niedergehende Regenwaffer von dem noch nicht aus- gebauten Boden nicht ausgenommen werden konnte. Heute schneit es wieder stark, da der Schnee einBett" findet, bleibt er liegen. In Staden find viele Kinder an Masern erkrankt.

** Darmstadt, 5. Februar. (Telephon-Nachricht.) Unter Anwesenheit Ihrer Kgl. Hoheit der Großherzogin und deß Großh. Hofstaates, den Mitgliedern der Aristokratie wurde heute Vormittag 11 Uhr der von der Großherzogin in» Leben gerufene Bazar zum Besten eine» GenesungShaufe» und Lehrerinnenheim», in den Räumen des alten Palai» am Louisenplatz eröffnet. Die Arrangements find großartig, der Zudrang zum Bazar ganz enorm. Ihre Kgl. Hoheit die Großherzogin, sowie Sarnen auS allen Kreisen haben da» Amt al» Verkäuferinnen übernommen.

Mainz, 5. Februar. Der Rhein ist hier stellen­weise au» den Usern getreten und wächst noch stark.