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Mittwoch dm 6. Januar
Nr. 4
Aints- und Anzergeblcrtt frlv den Mveis Gieren
Hraiisöeikage: Hießener Iamikienökätter.
«Annahme von Anzergen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
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Die Gießener
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Der
Hießener Anzeiger erscheint täglich, rnit Ausnahme deS MontagS.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
Umtlicber Tyeil
Bekanntmachung,
betreffend: die Maul» und Klauenseuche zu Bellersheim.
Nachdem in mehreren Gehöften zu Bellersheim die Maul- und Klauenseuche amtlich feftgestellt worden, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Gemarkungssperre verhäng: worden ist.
Gießen, den 4. Januar 1897.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend: die Maul- und Klauenseuche.
In Grebenau, Kreis Alsfeld, Gettenau, Hof Schwalheim und Unter-WidderSheim, Kreis Büdingen, Betenheim, Bruchenbrücken und Traden, Kreis Friedberg, Stockhausen, Kreis Lauterbach, Nieder- Wetter, Kreis Marburg, und Greifenstein, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und GemarkuugS- bezw. Gehöftsperre angeordnet worden.
In Ober-Gleen, Kreis Alsfeld, Gambach, Dorn- Affeuheim, Nieder - RoSbach, Ober- Eschbach, Klein-Karben, Ni ed er-Erle nb a ch, Nteder-Esch- bach, Ober-Erlenbach, Rendel, KreiS Friedberg, Wilsbach, KreiS Biedenkopf, Roth, Kreis Marburg, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und sind die verfügten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben worden.
Gießen, den 4. Januar 1897.
GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
~ Bekanntmachung,
betreffend: die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb deS GroßherzogthumS.
Der Ortsvorstand zu Biebesheim beabsichtigt mit dem im Frühjahr 1897 zu Biebesheim stattfindenden Zucht- vtehmarkt eine Verloofung von Zuchtvieh zu verbinden.
Großh. Ministerium des Innern hat die nachgesuchte Trlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloofung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als lOOOO Loose zu
1 Mk. üaS Stück ausgegebeu werden dürfen und mindestens 70pCr. deS BruttoerlöseS aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewtnngegenständen zu verwenden find.
Zugleich wird der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet.
Gießen, am 4. Januar 1897.
GroßherzogltcheS Kretsamt Gießen. __________________v. Gagern.
Bekanntmachung, betreffend: die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb deS GroßherzogthumS.
Der Ortevorstand zu Friedberg beabsichtigt mit den am 3. März und 2G./27. October 1897 zu Friedberg ab- zuhalteuden Fohlen- und Pferdemärkten je eine Verloofung von Fohlen und sonstigen Gegenständen zu verbinden.
Großh. Ministerium des Innern hat die nachgesuchte Er« laubniß zur Veranstaltung beider Verloosungen unter der Bedingung ertheilt, daß oet jeder derselben nicht mehr als 12000 Loose zu 1 Mark das Stück ausgegebeu werden dürfen und mindestens 60% des BruttoerlöseS aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gegenständen zu verwenden sind.
Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet worden.
Gießen, den 2. Januar 1897.
GroßherzogltcheS Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
““ Bekanntmachung,
betreffend: die Veranstaltung von Verloojungen innerhalb deS GroßherzogthumS.
Der OrtSvorstand der Stadt Büdingen beabsichtigt mit lern am 23. Februar 1897 daselbst ftattfindenden Vieh- und Krämermarkte eine Verloofung von Vieh und landwirthschaftllchea Geräthschaften zu verbinden, um die Mittel zur Prämitrung von Vieh zu gewinnen.
Großh. Ministerium des Innern hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloofung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 5000 Loose zu 0,50 Mark das Stück auSgegeben werden dürfen und mindestens 60% deS BruttoerlöseS aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind.
Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberhrssen gestattet worden.
Gießen, am 2. Januar 1897.
. Großherzogliches Kretsamt Gießen,
v. Gagern.
Bekanntmachung.
In Folge Ablebens des Bergmeisters für die Provinz Oberheffeu wird hiermit bekannt gegeben, daß die Geschäfte dieser Bergmeisterei bis auf Weiteres durch den Bergmeister der Bergmetsteret Darmstadt, Großh. Oberbergrath Tecklenburg, versehen werden, welcher von Zeit zu Zeit in dem Bureaulocal der Großh. Bergmetsteret Gießen an dort zu erfragenden Tagen anwesend sein wird.
Darmstadt, den 31. December 1896.
Großherzogliche Obere Bergbehörde. Emmerling.
Bekanntmachung,
betreffend die Marhildenstiftung für Oberheffen.
Nach dem Voranschlag der Mathildenftiftung für Oberheffen sind für daS Jahr 1897 etwa 1150 Mk. vorhanden, welche zu wohlthatigen Zwecken verwendet und womit tu erster Linie die in der Provinz bestehenden Kleinktnderschulen bedacht werden sollen.
ES werden hiernach die Vorstände solcher Schulen, für welche eine Subvention gewünscht wird, aufgefordert, ihre deßfallstgeu Gesuche, mit welchen eine möglichst ausführliche Mittheilung über Ausdehnung, Mittel und Bedürfniffe der betreffenden Anstalt zu verbinden ist, bis zum 10. Februar l. I. an den unterzeichneten Vorstand der Stiftung gelangen zu laffen.
Gießen, den 2. Jauuar 1897.
Der Vorstand der Mathildenstistuug für Oberheffen.
v. Gagern, Großherzogltcher Provinzialdirector.
Netteste
WslffS telegraphische« Lorrcipoudeuz-Bmearr.
Neapel, 4. Januar. Die Leiche des Cardinals San Felice wird morgen in der Trsuercapelle ausgestellt werden. König Humbert hat den Director des Königlichen
Feuilleton.
Eine Schlittenfahrt
Novelle von E. Fahrow.
(Schluß.)
Wieder saß sie im Schlitten und flog mehr als sie fuhr »ach Hause. Und diesmal klang das unheimliche Geheul schon viel näher. Die geängstigten Pferde jagten immer schneller dahin, und das war das Schlimme, denn mit einem kurzen Krach flog plötzlich der Schlitten zur Sette — eine Kufe war gebrochen.
Käthe erblaßte und sprang heraus, um Keffak bet dem Anrichten zu helfen; aber es schien, als sei nichts zu machen. Mit einigen Stricken, die für den Nothfall immer mitge- Kommen wurden, versuchten sie, das Handpferd wieder an den Rest der zerbrochenen Kufe anzuspannen. ES ging noth- dürftig, dann krachte es vsn Neuem und der Schlitten faß ganz fest.
Käthe und Keffak sahen sich mit weißen Gesichtern an. Schon begann es zu dämmern und das schreckliche Heulen der hungrigen Bestien verstärkte sich.
Mit etnemmal schrie Keffak auf: „Herr Du Heiland! DuädigeS Frauchen, dort kommen sie!"
Käthe starrte entgeistert nach der angegebenen Richtung. Ja, kein Zweifel, die Wölfe waren hinter ihnen hert
„Schnell, Keffak, wirf das Lamm auf den Weg!" rief sie.
Dann ihren Revolver ergreifend und Keffak zurufend, daffelbe zu thun, feuerte sie einen Schuß auf die heran- stürmende Rotte ab.
Ihren augenblicklichen Zweck erreichten sie, denn die blutdürstigen Thiere verschwanden.
Ueber Käthe war jetzt ein wahrer TodeSmuth gekommen.
Mit bebender Hand schnitt sie die Stränge der Pferde durch. Rechts und links band sie sich eine Pferdedecke über das Kleid, dann warf sie den schweren Ueberpelz ab und behielt nur eine warme Jacke an.
„Hilf mir, Keffak!"
Sie schwang sich auf dep Rappen, der, an allen Gliedern zitternd, kaum noch stillftehen wollte.
„Nimm das Haadpserd, Keffak! Los!" befahl sie, und schon jagten sie auch von dannen.
Welch eine Jagd! Denn immer dichter und dichter kamen jetzt wieder die Wölfe hinter ihnen her. Von Zett zu Zeit wandte sich Keffak und feuerte einen Schuß ab; aber die Bestien schreckte das nun nicht mehr. Ein Theil von ihnen war über das Lamm hergefallen, aber ein Rudel von sechs oder sieben kam hinter den Pferden drein.
Jetzt wandte sich Käthe, da Keffaks Kugeln aufgebraucht waren, — barmherziger Gott, der Revolver versagte!
„Keffak!" schrie Käthe, „der Revolver geht nicht ab, — wie wett tst's noch?"
„Noch eine Viertelstunde," keuchte er. „Wir schaffens nicht mehr, gnädiges Frauchen. Heilige Mutter Gottes, sei metuer Seele gnädig!"
Käthe fühlte eine Ohnmacht über sich kommen. Fest krallte sie sich mit Armen und Beinen an ihr Pferd, — sie fah und hörte nichts mehr — im nächsten Augenblick mußte sie vom Pferde stürzen, — da — was war das — hörte sie nicht Schellenläuten, andere, fremde Schellen?"
„Gnädiges Frauchen," brüllte Keffak, — ja, er brüllte, als fei Käthe eine Viertelmeile von ihm entfernt — „da kommt ein Schlitten, Vater im Himmel, Golt fei gedankt!"
In rasendem Lause kam ihnen jetzt wirklich ein Schlitten entgegen. ES war der Postschlttten und ein Herr saß hinter dem Kutscher. Dieser beugte sich seitwärts weit hinaus, der Schlitten hielt und der Herr sprang heraus und stürzte Käthe's Pferd entgegen, während der Postillon ebenfalls herauSsprang und in aller Ruhe auf die Wölfe zielte. Ein, zwei von ihnen fielen und die andern stutzten.
Käthe sank ohnmächtig von ihrem Rappen in Keffaks Arme, der beim Anblick der beiden Männer frischen Muth gefaßt hatie. Der fremde Herr richtete seinen Revolver auf die Verfolger; eS waren noch drei. Eins--zwei —
— drei! Da lagen sie, die letzten, und zuckten in ihrem Blute.
Der Herr steckte geloffen den Revolver in feine Tasche
und beugte sich über Käthe, die neben dem Schlitten lag. Mit einer Hand voll Schnee rieb er ihr da« Gesicht, bis sie die Augen aufschlug und ihn mit einem abwesenden Blick ausah.
„Eberhard!" flüsterte sie. Dann schloß fie von Neuem die Augen.
Die Männer setzten fie nun bequem in den Schlitten, der fremde Herr hüllte fie sorgsam ein, Keffak nahm neben dem Postkutscher Platz und fort ging eß, nach Käthe'S HauS zurück.
Unterwegs erwachte sie nnd sah wieder die "dunklen Augen über sich.
„Eberhard?" flüsterte fie nochmals, während fie regungslos zu ihm aufsah.
„Ja," sagte er, „ich bin eS, Eberhard."
Da stieg ihr das Blut jäh tu die Wangen und fie richtete sich auf.
„Wie kommst Du hierher?"
Er lächelte, daß fie, als hätten fie sich gestern getrennt, das „Du" gebrauchte.
„Ich kam, um Dich zu holen, mein Lieb," sagte er. „Ich habe erst vor Kurzem gehört, daß Du schon so lange Wittwe bist, — vorhin kam ich an, geradewegs auf Dein Gut gereift, — die Leute ängstigten sich, sie sagten, Du müßtest längst zurück sein, — im Walde wären viele Wölfe, — da fuhr ich Dir entgegen. Und Du siehst, wie gut ich zurechtkam."
„Du hast mir daS Leben gerettet," sagte sie, indem fie sich aufrtchtete. „Eberhard, — also hast Du mich doch nicht vergeffeu?"
„Nie, nie, all die langen Jahre", sprach er. „Ach, Käthe, mein Lieb, — warum haft Du mich damals verlassen?"
„ES war nicht meine Schuld," sagte fie traurig. „Die Menschen haben unS getrennt.' Und nun haben wir uns wieder. Ist es denn möglich?" Und fie brach in einen Strom seliger Thränen aus.
Wenige Wochen darauf machten sie ihre Hochzeitsreise die Riviera entlang.


