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Nr. 181 Erstes Blatt Donnerstag de« 5. August
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Jnnerpolitisches.
Niemand ?ann leugnen, daß wir in einer sehr nervösen Zeit leben; es har st cd unserer eine Unruhe bemächtigt, welche wir früher gar nickt kannten. Ueberall werden besondere Er- eignisie gewittert, waS am Besten daraus hervorgeht, daß bei Besprechungen des Kaisers mit den verantwortlichen Ministern immer gleich Meldungen über den vermuthlichen Inhalt der Berathungen verbreitet werden. Weilt der Kaiser in der Reichshauptstadt oder in seiner Sommerrefidenz Potsdam, so entziehen sich vielfach diese Conferenzen der Kenntniß der Oeffentlichkeit, wenn sie nicht gerade durch den amtlichen Hofbericht publicirt werden- ist aber der Monarch auf Reisen, so werden die Minister anscheinend — nach Tausch'schem Recrpte — mit einem Ring umgeben, und wenn sie diesen überschritten haben, so kann man sicher sein, daß am anderen Tage fett gedruckt in den Blättern zu lesen ist: „Der Minister N. hat fick nach L begeben, um dem Kaiser Vor- trag zu halten." Ebenso zuverläfiig darf man erwarten, daß am darauf folgenden Tage die Mutheilung fich vorfindet: „Wie wir auS zuverlässiger Quelle erfahren, hat es sich bei der Besprechung des Kaisers mit dem Minister N. um dieses oder jenes gehandelt." Daran knüpfen fich gewöhnlich einige Tage lang tieffinnige Betrachtungen, bis in mehr oder weniger officteller Weise zu erkennen gegeben wird, daß „alle an die Anwesenheit jenes Ministers beim Kaiser geknüpften Mittheilungen auf Combination beruhen." Dieser Vorgang wiederholt fich so oft, daß man den jedesmaligen Verlauf mit ziemlicher Gewißheit Vorhersagen kann. Und der Grund hierfür? Statt ruhig die Ereignisse abzuwarten, möchte man denselben weit vorauSeilen.
Nicht verkannt darf werden, daß eine gewisic Ursache für die Nervosität vorhanden ist — nicht auf dem Gebiete der äußeren Politik, die ja so klar vorgezeichnet ist, daß ein Abschwenken kaum möglich erscheint, sondern auf innerpolitischem Terrain. Hier ist ja selbst durch den Ruf deS Herrn v. Miquel nach einer Sammlung die Klärung noch nicht erfolgt. Und wenn man glaubt, daß nach der Rückkehr des Kaisers von der Nordlandsceise wichtige Entscheidungen fallen würden, so hat man sich gründlich getäuscht. Die durch die Verwerfung der Vereinsgesetzvorlage geschaffene Situation sollte den Gegenstand deS Vortrages gebildet haben, den die Herren v. Miquel und v. d. Recke dem Kaiser in Kiel hielten. ES ist ja nicht unmöglich, daß auch dieser Gegenstand berührt worden ist, aber daß nun gleich Maßnahmen beschloflen sein sollten, welche die Regierung in ihrer künftigen Stellung zu dieser Frage festlegen, glauben wir nicht. ES darf sogar angenommen werden, daß die maßgebenden Kreise sich in dieser Angelegenheit große Mäßigung auferlegen werden, da man sehr gut mit dem bestehenden VeremSgesetz auskommen kann und da nach Schluß der nächsten ParlamentSseffion die Neuwahlen vor der Thür stehen, für welche seitens der Oppositionsparteien ein Versuch, das Vereins- und Versammlungsrecht weiter einzusckränken, als Parole benutzt werden würde.
Für die nächsten Wochen dürfte eine gewisse Ruhe auf dem Gebiete der inneren Politik eintreten, was dadurch am Besten illustrirt wird, daß Herr v. Miquel seine unterbrochene Kur in Wiesbaden wieder aufnimmt und Stärkung sucht für die kommende Campagne, die fich jedenfalls sehr heiß gestalten wird. Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist auf der Fahrt nach Rußland begriffen, ebenso sein AdlatuS vom Auswärtigen Amte, und die übrigen Minister hqben die langersehnte Erholung angetreten. Erst wenn der Kaiser auS Rußland zurückgekehrt ist, wird das politische Leben wieder etwas reger werden, und dann muß es fich ja auch bald zeigen, ob die Ruhebedürftigkeit deS Fürsten Hohenlohe so groß ist, daß er dem „kommenden Mann" Platz macht. Eigentlich wäre hicfür Herr v. M quel eine ganz geeignete Persönlichkeit, da er fich in keiner Weise engagrrt hat, selbst nicht durch seine Pro- grammrede in der letzten Abgeordnetenhaussitzung, wo er als Ziel seines Strebens bezeichnete, „Jedem zu geben, was er- reichbar ist." Aber Niemand kann heute sagen, wie sich die Verhältnisse gestalten werden, und deshalb ist die Mahnung, mit weniger Nervosität den Verlauf der Dinge abzuwarten, wohl angebracht. An Kämpfen wird es im nächsten Winter 7° wie so nicht mangeln, und Derjenige, welcher dann an der Spitze unserer Regierung steht, wird eine sehr schwere Aufgabe vor sich haben. (xx)
Wolffs telegraphisches Correspondaiz-Bureau.
Berlin, 3. August. Dem „Reichsanzeiger" zufolge hörte -der Kaiser heute Vormittag außer dem Vortrag deS Kriegs
ministers auch den Vortrag deS Chefs des Civilcabinets v. LucanuS.
Berlin, 3. August. Reichskanzler Fürst Hohenlohe reiste um 10 Uhr 55 Min. nach Petersburg.
Rattbor, 3. August. Die „Oberschi. Ztg." meldet: Die Oder steigt rapide, seit gestern um 1,10Meter. Auch auS Oesterreich kommen Nachrichten von größerem Steigen, da gestern und heute Gewitter mit großen Niederschlägen stattgefunden haben.
Tilsit, 3. August. Die „Tilsiter Nachr." melden : Infolge Hochwassers wurde die über die Memel führende auf Pontons ruhende Schiffbrücke, sowie drei Badehäuser von den auS Rußland heruntertreibenden Holzflöffen fortgeriffen. Menschen find nicht verunglückt- mehrere in den Badeanstalten befindliche Personen konnten sich durch Schwimmen retten. Biele Holzflöffe sind zerstört. Der Schaden ist sehr bedeutend.
Dresden, 3. August. Der König und die Königin von Sacks en haben zum Besten der durch das Hochwaffer Geschädigten 20,000 Mk. gespendet.
Dresden, 3. August. Amtlich wird bekannt gemacht: Der Gesammtverkehr auf den Linien Alt-Chemnitz—Stollberg, Wolkenstein—Jöhstadt, Wielischthal—Ehrenfriedersdorf und Hetzdorf—Eppendorf ist wieder ausgenommen. Auf den Linien Annaberg—Flöha, Nossen—Bienenmühle, Dresden—Bodenbach, Reitzenhain—Flöha, Zittau—Reichenberg und Klingenberg—Colmnitz—Chemnitz zwischen Falkenau und Flöha wird der Personenverkehr durch Umsteigen aufrecht erhalten.
Prag, 3. August. Aus Bodenbach, Leitmeritz, Zwickau, Turnau, Budweis und anderen Orten werden wiederum bedeutende Ueberschwemmungen gemeldet, welche zahlreiche HauSeinftürze, Drmmbrüche und Eisenbahnverkehrsstörungen zur Folge hatten. Auch mehrere Personen find dabei umgekommen. Am Bodenbacher Landungsplätze find die mit großen Kosten aufgeführten Quaianlagen eiogestllrzt. AuS Linz meldet man, daß die oberösterreichischen Flüsse im Fallen begriffen sind. Der Bahuverkehr ist zum Theil wieder ausgenommen. Die Versorgung JschlS mit Lebensrnitteln ist im Gange.
Lyon, 3. August. Präsident Faure ist von Orange kommend auf seiner Fahrt nach Grenoble hier eingetroffen. Der Präsident wurde unterwegs von der Bevölkerung überall freudig begrüßt.
Christiania, 3. August. Das Storthing hob in sriner heutigen Sitzung den bisherigen Roggenzoll auf und nahm folgende neue Zollsätze an: Pferde 50 Kronen per Stück, Hornvieh 5 Oere per Kilo Lebendgewicht, Schafe 2 Kronen per Stück, Schweine 11 Oere per Kilo, Margarine 4 Oere per Kilo. Die neuen Zollsätze treten mit dem 5. ds. Mts. in Kraft.
Petersburg, 3. August. Zur Begrüßung des deutschen Kaiserpaares treffen Abordnungen der deutschen Colonien in Riga, Revas< Moskau, Warschau und Odeffa hier ein.
Konstantinopel, 3. August. (HavaS.) Eine türkische Flottendivision hat Befehl zur Abfahrt nach Canea erhalten. _____________
Depeschen deS Bureau .Herold.'
Berlin, 3. August. Reichskanzler Fürst Hohenlohe begibt fich nach seinem Eintreffen Hierselbst zunächst zum Kaiser nach Kiel.
Berlin, 3. August. Heute haben hier Besprechungen zwischen hervorragenden Persönlichkeiten der Stadtverwaltung und anderen hervorragenden Personen fiattgefunden, deren Ergebuiß ist, daß in Berlin ein Central-Comite gebildet wird, welches eine HilfSaction für alle von der WasferS- noth betroffenen Theile Deutschlands einleitet und sodann weitersühren soll. Der Sitz deS Central ComitvS wird Berlin fein und hierher sollen alle in anderen Städten gesammelten Mittel gesandt werden und an die Bedürftigen vtriheilt werden. DaS für Württemberg bereits bestehende Comits wird aufgefordert werden, fich dem Central-Comitö anzuschlirßen. Ein Aufruf des Central-ComiisS wird in den nächsten Tagen erscheinen. Herzog Ernst Günther zu Schleswig- Holstein spendete als Erster 500 Mk.
Köln, 3. August. Die „Köln. Ztg." berichtet aus Konstantinopel, man befürchte bei der Räumungsfrage Schwierigkeiten der Türken, die Thessalien bis zur Pensuslinie räumen sollen, aber Volo besetzt halten wollen, wo die Zölle gute Einnahmen gewähren. Auch die Capitu- lationSfrage sei noch nicht definitiv gelöst.
DuiSburg, 3. August. Der Duisburger Maler L e i p o 1 d, der fick auf einer Studienreise auf dem weißen Meere befindet, telegraphirte aus Archangel einem hiefigen Freunde,
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
daß Andree bei dem 69. Grade nördlicher Breite und 35. Grade westlicher Länge verunglückt sei.
Kiel, 3. August. Der Kaiser nahm heute Vormittag 9 Uhr die Borträge deS KciegSmiuisterS v. Goßler und des Chefs des MilitärcabinetS General v. Hahnke entgegen. Die Abreise de» Kaisers auf der „Hohenzollern" nach Kronstadt erfolgt Mittwoch Abend.
Kiel, 3. August. Der Stapellauf des im Bau befindlichen deutschen Panzers Kreuzer Ersatz Leipzig auf der hiefigen kaiserlichen Werft findet, wie nunmehr anläßlich der Anwefenheit des Kaiserpaares festgesetzt worden ist, Ende August statt. Sowohl der Kaiser wie die Kaiserin haben ihr Erscheinen zu der Feier zugesagt.
Guben, 3. August. Der durch das Hock wasser au- gerichtete Schaden ist sehr groß. Auch viele Menschenleben find zu beklagen. Bei der Schützrninsel wurde eine Kinde»- leiche angeschwemmt. Ferner wurden dort zwei Knaben- leicheu mit Tornistern aufgestscht- ebenso au der Eisenbahnbrücke mehrere Leichen.
Dresden, 3. August. Im Plauen'schen Grunde ist der Carola-Schacht völlig ersoffen- auch der Betrieb der Freiberger Erzgruben mußte eingestellt werden. Neuerdings ist wieder Regenwetter eingetreten. — Aus Hirsch - berg wird gemeldet, daß in Anwesenheit von Vertretern de- Ministeriums und des Oberpräsidenten eine Conferenz mit den Landräthen der am meisten geschädigten Kreise Nieder- schlesienS ftattgefunden hat, um über die Maßregeln zur Linderung der Roth der Ueberschwernrnten zu berathen.
Wien, 3. August. Die große Eisenbahnbrücke der Südbahn bei Baden ist heute eingestürzt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten.
Wien, 3. August. Die auS Athen hierher gelangten Meldungen verfichern, der König von Griechenland habe geäußert, er würde eher zurücktreten, als eine internationale Finanzcontrole annehmen. Man erblickt darin aber nur den Versuch einer Beeinflussung der Großmächte, der aber keinen Erfolg haben dürfte.
Triest, 3. August. AIS Protest-Kundgebung gegen die Verhaftung des hiefigen Arbeiterführers Cambert find gestern plötzlich etwa 10,000 Arbeiter aller Handwerke und vieler Fabriken in den Ausstand eingetreten. Es kam zu ernsten Zusammenstößen zwischen den Ausständigen und Ar- be tern deS Lloyd Arsenals. DaS zur Unterstützuung der Polizei herbeigerufene Militär vertrieb die Ruhestörer. Später mußte, da fich die Unruhen wiederholten, abermals Militär auSrücken. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. ES werden weitere Unruhen befürchtet. Die Stimmung ist äußerst erregt.
Bern, 3. August. Zu dem hier tagenden internationalen Arbeiterschutz -Congreß find bis jetzt 154 Meldungen eingelaufen, darunter aus Oesterreich 13, aus Deutschland 27. Unter letzteren befindet fich Dr. Bödicker, Bebel, Liebknecht, Grillenberger, Sonnemann und Wagner aus Berlin.
Brüssel, 3. August. Die Föderation Boraine hat be- schloffen, den Bergarbeitern der Bergwerke von Mons die Wiederaufnahme der Arbeit anheimzustellen, womit der Ausstand beendet ist.
Lyon, 3. August. Der Gemeinderath hat mit 26 gegen 16 Stimmen beschlossen, das Carnot-Denkmal in der Nähe der Stelle zu errichten, wo Carnot ermordet wurde.
Valence, 3. August. AIS gestern Abend Präsident Faure mit Gefolge in Roquemaure ans Land ging, um per Wagen nach Orange zu fahren, kam ein heftiger Platzregen, wodurch Alles in Unordnung gerieth. Im Theater wurde Faure auSgepfiffen und die Zuschauer warfen die Sitzkiffen nach der Mitte des Saales hin. Heute reist Faure nach Grenoble ab.
Madrid, 3. August. Gestern Abend kam es in ben Vorstädten zu bedenklichen Unruhen, nachdem die Behörden die Reclamation der Einwohner wegen der Zehrsteuer abgelehnt hatten. AIS die Menge an die Plünderung der Magazine ging, griff die GenSdarmrrie ein und nahm zahlreiche Verhaftungen vor.
Petersburg, 3. August. Von dem bevorstehenden Besuch des deutschen Kaisers verspricht fick fast die gelammte Presse einen raschen Abschluß deS griechisch-türkischen Krieges. ES werde, so führen die Blätter auS, dem Zaren gelingen, den deutschen Kaiser dahin zu bringen, daß die Friedensverhandlungen in.einer für Griechenland vortheilhaften Art ihrem endgültigen und raschen Abschluß zugeführt werden. Dann sollte sofort an die Lösung der kretensischen Frage geschritten werden.


