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Nr. <54
Der
-ieß-ner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des
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Die Gießener
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Sonntag den 4. Juli
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wie ver- Ein verließ
daraus oder verzuckerten fie. Bekannt genug ist es, man durch Zufall, wenngleich wohl etwas später, die eiufachte beste Methode der Zubereitung herausfand. Gutsbesitzer, der ebenfalls den Anbau der neuen Knolle sucht hatte, war der Sache überdrüssig geworden und
sogar behaupten, oaß er, im Uevermaß genosien, KrebSleideu erzeugen könne.
Im Jahre 1796 wurden die ersten Kartoffeln in Europa gepflanzt, und zwar geschah dies durch den seiner Zeit so berühmten englischen Botaniker Gerard, der von Str Walter selbst einige Knollen erhalten hatte, in seinem Garten zu Holborn, damals bei London, jetzt fast im Centrum der Stadt belegen. Fast zu derselben Zett culttvirte Str Walter selbst die Knolle in seinem Garten zu Aoughal bet Cork tn Irland.
Gerard empfahl die Kartoffel als einen neuen Luxusartikel und war nur für die Tafeln der Reichen bestimmt, und demgemäß suchten die Kochkünstler der damaligen Zett dte beste Art und Weise herauszufinden, wie diese kostspielige Speise zu präpariren wäre. Einige rösteten fie tu Wein und Zucker, andere buken fie mtt Knochenmark und verschiedenen Gewürzen, und wieder andere machten Präserven
dieselben durch seinen Gärtner auSgrabeu und zum Verbrennen auf einen Haufen Retfig und Unkraut werfen. Als das Feuer fast verglommen war und auseinander geschürt wurde, rollte eine der so gerösteten Kartoffeln unter den Fuß deS dabetstehenden Gutsbesitzers und zerplatzte. DaS zum Genüsse einladende Innere zeigte ihm sofort dte einfachste Art und Weise, Kartoffeln zuzubereiten.
Shakespeare erwähnt zweimal (in den lustigen Weibern von Windsor und in TrotluS und Cresfida) der Kartoffel, er scheint dieselbe aber nur als ein neues Heilmittel betrachtet zu haben.
ES ist eigenthümlich genug, heute zu sehen, wie langsam und unter welchen Schwierigkeiten fie selbst unter den besseren und noch viel mehr unter den niederen Klassen eindrang. In einem HauShaltbuch der Königin Anna von Dänemark, der Gemahlin von James L, finden wir den Ankauf einer kleinen Quantität von Kartoffeln erwähnt und erfahren, daß der Preis derselben zwei Schilling für das Pfund war. Karl II. betrieb einen größeren Anbau unter dem Beistände der Royal Society, aber selbst da noch war der Erfolg ein sehr langsamer. In Büchern über Gärtnerei aus der Zett Georg I. tst die Kartoffel gar nicht erwähnt, und selbst bis um 1784 finden wir fie nur tn den Gärten von Edelleuten und Reichen cultivirt. Von dieser Zeit ab jedoch machte fie große Fortschritte tn der Gunst deS Publtkums, und eS stellte fich bald heraus, welch' guten Einfluß fie auf die Gesundheit des Volkes hatte, das bis dahin von zumeist gesalzenem Fleisch und von schwarzem Brot, kaum je durch Gemüse unterstützt (an Gemüsen ist England heute noch sehr arm), gelebt hatten. Im Jahre 1796 waren in der Provinz
। Essex allein schon 1700 Morgen Landes mit Kartoffeln bebaut. Trotzdem aber hörte eine allerdings immer kleiner werdende Partei nicht auf, ihren Kreuzzug gegen fie fortzusetzen, und noch im Jahre 1838 erklärte William Coblett in seinem Buche „Der englische Gärtner" den Ersatz von Kartoffeln für Brot als ein Unglück für das Land. In Schottland finden wir bis 1725 die Kartoffel höchstens in den Gärten der Edelleute in der Nähe von Edinburgh - etwa gegen 1760 aber begann man fie ausgedehnter zu cultiviren.
Schon der Vater Friedrichs des Großen hatte einige schwache und deshalb wenig erfolgreiche Versuche gemacht, den Kartoffelanbau tn Preußen allgemeiner zu machen. Der gestrenge Herr war viel zu viel mit seinen großen Soldaten beschäftigt, als daß er seine Zeit solchen Unternehmungen hätte widmen können. Friedrich jedoch, nach endlich beendigten Kriegen, ging mit großem Eifer auf dte Sache ein. Von England hatte er große Quantitäten von Saatkartof- fein kommen lassen, dte er unentgeltlich an die Bauern ver- theilte, und als weiteren Anreiz für dieselben setzte er Geldprämien für bestbestellte Kartoffelfelder aus. Er selbst besuchte dieselben persönlich oft und zu ganz unerwarteten Zeiten, und sein historischer Krückstock machte sehr drohende Bewegungen, wenn und wo er eine Nachlässigkeit bemerkte. Aber selbst da noch waren dte Erfolge nicht so schnell, wie es der König haben wollte- denn unser deutscher Michel kann nur sehr langsam oder mit Gewalt zu Neuerungen, selbst wenn er diese als vortheilhaft anerkennt, bewogen werden. Geduld hatte der König aber bekanntlicherweise äußerst wenig, es blieb ihm deshalb, um seinen Willen durchzuführen, nur die Gewalt, und diese ließ er die Bauern In vollem Maße fühlen. Nach jedem Dorfe wurden Soldaten geschickt, dte auf Kosten der Gemeinden verpflegt werden mußten und dte im guten oder bösen (und der Stock herrschte damals noch par excellence) den königlichen Befehl zur Ausführung dringen mußten. ES war die- ein äußerst drastisches Mittel, aber es half. Die in den Jahren 1771 und 1772 in Deutschland herrschende HungerSnotb trug auch nicht wenig dazu bei, den großen Werth der Kartoffel beim Volke tn Anerkennung zu bringen.
Frankreich blieb in dieser Angelegenheit entschieden hinter seinen Nachbarn zurück, und noch heute ist die immerhin große Masse von Kartoffeln, die dort verzehrt wird, bedeutend kleiner als verhältnißmäßig die bei anderen Völkern. Für lange Zeit herrschte daselbst gegen dte Kartoffel daS allgemeine Vorurtheil, daß sie der Gesundheit schädlich sei, wtr wissen jedoch, daß schon im Jahre 1616 Kartoffeln auf der königlichen Tafel zu finden waren. Nicht weniger al- 150 Jahre später versuchte ein Apotheker NamenS Parmenrter mit einigem Erfolg ihren Werth seinen Landsleuten ein- leuchtend zu macken. Er zeigte seine Kartoffeln, dte selbst damals noch in Frankreich als etwas ganz Neues galten,
Die Kartoffel.
(Nachdruck verboten.)
Im Jahre 1896 werden eS 300 Jahre, seit uns Sir Walter Raleigh ein Geschenk mit cem uns jetzt unentbehrlich gewordenen Lebensbedürfnisse, der Kartoffel, machte, und wahrlich, wenn er tn seinem Leben nichts weiter gethau hätte, für dieses Geschenk allein gebührt ihm der Dank der Menschheit, namentlich der von Europa. Wir können eS heutzutage kaum verstehen, wie man vor Einführung der Kartoffel lebte. Das Wohl und Wehe ganzer Völkerschaften hängt fast gänzlich von dem Gedeihen dieser Knollen ab, eine Mißernte derselben in Irland verursacht sosort die bitterste HungerSnoth.
Und nicht allein als LebenSmtttel ist fie uns so ungemein wichtig, sondern auch in der Industrie nimmt ihre Anwendung von Jahr zu Jahr zu. Wir bereiten auS ihr Spiritus, Zucker, Stärke und vielfache andere Dinge, in letzter Zeit sogar Billardbälle. Vor einigen Jahren war in London eine Ausstellung von Kartoffeln und deren Präparaten, und die Anzahl der letzteren war so groß, daß fie mehrere Räume füllte.
Sir Walter brachte die Kartoffel von Virginia zunächst nach Irland, wo fie, wie ich bereits erwähnt habe, noch heute der Punkt ist, um den fich das Wohl und Wehe der ganzen Bevölkerung dreht- zu gleicher Zeit und von demselben Lande machte er der Menschheit ein anderes, vielleicht einigermaßen mehr zweifelhaftes Geschenk im Tabak, der, obgleich kein Lebensmittel, trotz großer Schwierigkeit die ganze bekannte Welt erobert hat.
Wenn am Mittagstisch die Kartoffel das Mahl würzt und wenn der aromatische Rauch aus der Pfeife steigt, sollte Jeder dankend Sir Walter Raleigh gedenken.
Die Familie der Tolaneen, zu der dte Kartoffel gehört, ist eine sehr große und weit über die Erde verbreitete. In Deutschland allein haben wtr sechs dieser Familie angehörigen Pflanzen, eigenthümlich genug fast alle mehr oder weniger giftig. Die bekanntesten darunter find die für Mensch und Weh tödtlichen Nachtschatten. Von anderen Mitgliedern dieser Familie, die bei uns nicht heimisch, sondern die zu unS auS südlicherem Klima gekommen sind, möchte ich die Eierpflanze erwähnen, die mit ihren den Hühnereiern gleichenden Früchten bei uns häufig als Zierpflanze gezogen wild, und den Liebesapfel, die Tomate, die in neuerer Zeit mehr und mehr als Delicateffe tn Aufnahme kommt. In England herrscht in den letzten Jahren eine wahre Wuth süc diese Frucht, die canarischen, sowie die Canal.Inseln und sogar Californien senden Winter und Sommer ganze Schiffsladungen dieser Frucht auf den englischen Markt. Bon medicinischer Seite herrschen darüber verschiedene Ansichten. Einige Aerzte schreiben dem Liebesapfel gewisse Heilkräfte zu, während andere ihn durchaus verdammen und
Feuilleton.
Wochendriese aus der Nesiden).
(Origin«lbericht des „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt. 1. Juli.
Neubauten. Aus dem Coueert-und Theaterlebeu. Sportliches.
Im Schooße der Stadtverwaltung ist der Verwirklichung eines Planes neuerdings nähergetreten worden, der für den ganzen prächtigen, neuerbauten Stadttheil das „Johannis- viertel" von den weittragendsten Folgen fein dürfte. Bekanntlich liegt das große städtische Gaswerk mitten im Herz dieses durch seine villenartig erbauten Häuser, durch ieine breiten, überall von Vorgärten umrahmten hübschen Straßen und seine schönen freien Plätze fich auSzeichnenden und deshalb von dem vornehmeren Theile der Darmstädter Bevölkerung ausschließlich bewohnten Viertels. Die vor noch nicht langer Zeit vollendete herrliche JohanniSkirche, daS Neue Gymnasium, der sogenannte Louvre, ein einer Actien- geiellschaft gehöriger ausgedehnter MiethSpalast, liegen in unmittelbarer Nähe der Fabrik. Ganz abgesehen nun von bet Gefahr, die der Betrieb eine« derartigen Etablissements inmitten eine- zahlreich bevölkerten StadtthrilS in fich schließt, hat dasselbe auch sonst noch so viele Schattenseiten, wie namentlich den lästigen Geruch, den e- verbreitet, die durch bas Ablöschen der glühenden Kohlen entstehenden mächtigen Dampfwolken, verbunden mit dem nimmer, weder am Tag noch bei Nacht ruhenden Lärm, daß der Werth, man kann loft sagen deS ganzen Stadttheil-, dadurch bedeutend herunter- gesetzt wird. Alle diese Umstände mögen die Stadtverwaltung bazu veranlaßt haben, an eine eventuelle Verlegung des Lerke- zu denken. Sie wandte fich deshalb schon im vorigen
Jahre an den in der selbstständigen Projectirung und Anlage von Gaswerken als Autorität anerkannten Civil-Jngenieur Schaar tn Altona um ein Gutachten. Auf Grund dieses Gutachtens tritt nunmehr die Großh. Bürgermeisterei an die Stadtverordneten-Bersammlung mit dem Antrag heran, den Bau eines neuen Gaswerks zu beschließen. Als für die Anlage desselben günstiges Terrain wird dafür ein Grundstück an der Frankfurter Straße zwischen Odenwaldbahn und Main-Neckar'Bahn, wo bereits ein riesiger Gasbehälter Platz gefunden hat, in Vorschlag gebracht. Thatsächlich dürfte dieser Ort fich vorzüglich für das beabfichtigte Werk eignen, da nach dieser Sette hin der Damm der Main-Neckar-Bahn die Stadt ringförmig abschließt und eine Vergrößeeung des Viertels über diesen Ring hinaus vorläufig ganz ausgeschlossen ist- für da- ganze Johauntsviertel aber würde die Entfernung der Anstalt vom seitherigen Platze nicht nur einen enormen Nutzen, sondern auch in sanitärer Hinsicht eine hervorragende Förderung bedeuten.
Auch die schon neulich an dieser Stelle erörterte Angelegenheit betr. Errichtung eines Volksbade- mit Schwimmbassin macht erfreuliche Fortschritte. Die vorläufige Commission hat ihre Arbeiten soweit vollendet, daß die Ergebnisse derselben in einer morgen Abend einzuberusenden Versammlung öffentlich dargethan werden können. Hoffentlich wird dieselbe so zahlreich besucht, daß fie zur Begründung einer gemeinnützigen Gesellschaft führt, die dann namentlich die Beschaffung des nothwendigen CapitalS in die Hand nimmt. Em durch feine Lage, wie durch feine Grüßender- hältniffe geeigneter Platz für das Institut soll bereits gefunden sein und in der Versammlung zum Vorschlag gebracht werden. Ueber daS Resultat derselben wird Ihnen im nächsten Briefe Bericht zugehen.
Was das Concert- und Theater leben angeht, so war die vergangene Woche nicht arm an diesbezüglichen Er- eignissen. An erster Stelle ist da zu nennen: daS vom Mozartverein am letzten Samstag veranstaltete Sommerfest, das vom herrlichsten Wetter begünstigt, einen vorzüglichen Verlauf nahm. Dte prachtvollen Vorträge des ausgezeichnet geschulten Sängerchores des Vereines abwechselnd mit Dar- bietungen der Capelle des Leibgarde-Jnf.-RgtS. Nr. 115, machten auf dte in dem feenhaft tllumintrten Saalbaugarten versammelten vielen Hunderte von Zuhörern einen mächtigen Eindruck. — Außerdem steigert sich der Besuch der regelmäßig von der nämlichen Capelle gegebenen Saalbauconcerte in solchem Maße, daß der große versügbare Raum stets schon lange vor Begin dicht besetzt ist.
Im Sommertheater gab eS ebenfalls mehrere gelungene Abende. Namentlich erntete die, die Berliner Ge- werbe-AuSstcllung zum Hintergrund habende dreiactige Poffe „Ftddicke und Sohn" einen großen Erfolg, auch der nicht gerade sehr geistvolle dreiactige Schwank „Der Rabenvater" von Fischer und Harno hinterließ, Dank der flotten Wiedergabe einen recht annehmbaren E-ndruck.
Füc nächsten Sonntag hat der Darmstadter Btcycle- Club, damit auch der Sport nicht zu kurz kommt, aus der neuen Bahn sein zweites großes internationale« Radwrtt- fahren ausgeschrieben. Im Ganzen find sechs Rennen vorgesehen sür Ein- und Mehrfitzer, für Amateure und Berufsfahrer. Dabei wird die Meisterschaft von Heffen über 5000 Meter au-gefochten. Die ersten Namen der Radwelt haben dazu genannt, also kann es an wirklich „heißen" Kämpfen nicht fehlen.


