Ausgabe 
4.6.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Sir. 129 Erstes Blatt Freita« dm 4. Zmi

IS»»

Der

Hteßenrr Anzeiger erscheint täglich, Vit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener

Zpamtliendlälter rvcrden dem Anzeiger Svöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

Kenerat-Wnzeiger.

Bierteljähriger

ASonncmeutspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schutstrahe Ar.7.

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblntt für den Atveis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bex folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Hratisöeitage: Hießener Kamilienötätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme« i Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgeg*.

Gießen, am 3. Juni 1897.

Betr.: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle e>ner Mobilmachung.

Die

Arvhh. Kreis-SchuKommiOon Gießen

an die Schulvoftände des Kreises.

Sie wollen die Lehrer oder Schuloerwalter einklassiger Schulen, welche militärpflichtig find, darauf aufmerksam machen, daß Gesuche um Zurückstellung im Falle einer Mobil- machung innerhalb 8 Tagen bet uns etnzureichen sind. Später einlaufende Gesuche können nicht beiückfichligt werden.

In den Gesuchen ist anzugeben:

1) Civilstellung,

2) Bor und Zunamen,

8) Militärcharge und Truppengattung,

4) Genaue Angabe de- TruppentheileS, Regiment, Compagnie rc, bet welchem der Eintritt erfolgt ist und Datum des letzteren,

5) Bezirk des LavdwehrbaiatllonS.

Bei Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereit- früher bei uns reclcmirt haben, bedarf es keiner Meldung.

Abwesende Lehrer oder Schulverwalter, die als allein­stehende Lehrer zur Reclamation berechtigt find, wollen Sie sofort benachrichtigen.

v. Gagern.___

Gießen, 1. Juni 1897.

Betr.: Unterricht tu weiblichen Handarbetleu.

Die

Gnßh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche der Verordnung unsere- Amtsblattes vom 9. März d. J-. in rubr. Betreff noch nicht nachgekommen find, bezw. noch nicht darüber berichtet haben, werden an die Erledigung unserer Auflage innerhalb vierzehn Tagen erinnert.

v. Gagern.__

Gießen, 2. Juni 1897.

Betr.: Verminderung der Herbstzeitlose.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 3. April l. IS. Gießener Anzeiger Nr. 81 noch nicht nachgekommen find, werden an deren Erledigung erinnert.

v. Gagern.

Gießen, den 1. Juni 1897. Betr.: Die Remunerirung de- Feldschutzpersonals.

Sei Großherzogliche Kreisamt Gießen

e* die Grstzh. Vürgernrewereieir des Kreises.

Von Großh. Ministerium des Innern ist uns auch in diesem Jahre zur Belohnung des Feldschutzpersonals ein Credit zur Verfügung gestellt worden.

Sie wollen uns daher binnen 14 Tagen über die Dienstführung derjenigen Feldschützen Ihrer Gemeinde, welche sich durch treue Pflichterfüllung ausgezeichnet haben, nach folgendem Schema berichten.

N a m e

Alter

Dienste

jahre

Anzahl der pro 1895,96 von dem Feld- fchützen erhobenen Anzeigen

Zahl der tn Folge der Anzeigen erfolgten Bestrafungen

Aeußerung über die Dtenst- führung

Wir machen noch darauf aufmerksam, daß es weniger auf die Zahl der zur Anzeige gebrachten Feldfrevel ankommt, als auf den von den betr. Bediensteten betätigten Dienst­eifer , insbesondere in Verhütung von Freveln durch stete Anwesenheit im Felde und daß ferner auch das außerdienst­liche Verhalten (nüchterner Lebenswandel) mit in Betracht zu ziehen ist.

Gleichzeitig werden Sie uns diejenigen Feldschützen, welche Sie einer Belohnung nicht für würdig halten, unter Angabe der Gründe benennen.

v. Gagern.

Steuerte AÄshvkhsE»

Belftl tcUfnmUMct Lorr-ipsud«z-»«r«»

Sofia, 2. Juni. Infolge anhaltenden Regen- find die Flüffe oeS Lande- ausgetreten, zahlreiche Brücken und Straßen zerstört. Seit vier Tagen ist keine Post hier ein­getroffen. _____________

Depeschen des BureauHerold.*

Berlin, 2. Juni. DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffend Feststellung des HauShaltSetats für daS Jahr vom 1. April 1897 bis 1. April 1898, vom 31. Mai 1897.

Berlin, 2. Juni. Die gestrige Mittheilung über die Ernennung der Kaiserin zum Chef des Garde-Grenadier- Regiment- Nr. 5 entbehrt derPost" zufolge vorläufig noch der Bestätigung.

Berlin, 2. Juni. Der bekannte GefchichtSmaler Prof. August von Heyden ist gestern nach schwerem Leiden gestorben.

Bonn, 2. Juni. Der Arzt Dr. Fischer wurde heute Morgen im Duell von einem Collegen erschossen.

München-Gladbach, 2. Juni. Der Vorstand deS Gewerk­vereins christlicher Bergarbeiter beschloß, die Einladung zum internationalen Bergarbetter-Congreß in London abzulehnen.

Wien, 2. Juni. In einer gestern Nacht startgehabten Versammlung beschloffen sämmtliche Bedienstete der Tramway-Gesellschaft wegen Nichtbewtlligung ihrer Forderungen am nächsten Sonntag in den Strike ein- zutreten.

Budapest, 2. Juni. Die antideutschen Demon­strationen nehmen einen bedenklichen Umfang an. Gegen das Orpheum find große Demonstrationen angesagt; außerdem ist unter den ungarischen Journalisten eine Bewegung im Gange, alle Kaffeehäuser, ia denen deutsche Zeitungen auf­liegen, zu boycottiren und die deutschen Journalisten auS den Vereinen auSzuschlteßen.

Triest, 2. Juni. Die Polizeidirection dementtrt die Meldung, daß bei dem verhafteten Anarchisten Marzetti Briefe vorgefunden worden seien, die auf ein beabsichtigtes Attentat gegen den König Humbert schließen lassen.

Brüffel, 2. Juni. König Leopold hat da- Ehren­präsidium deS Congreffes der Anti-Alkoholisten, welcher im nächsten Monat hier tagen wird, angenommen.

PariS, 2. Juni. DemJour" zufolge find die Ge­sundheits-Verhältnisse in der französischen Armee sehr traurige. In zahlreichen Garnisonen herrscht Typhus und eine große Anzahl Soldaten starben an Schwindsucht. Da- Blatt macht zahlreiche Vorschläge, um den Uebeln abzu­helfen.

Paris, 2. Juni. Auf der türkischen Botschaft verlautet, daß die türkische Armee nach acht Tagen auf Athen loSmarschiren werde, fall- die Großmächte den Waffenstillstand nicht dazu benutzen, um für die Türkei annehmbare Friedens­bedingungen auszuarbeiten.

London, 2. Juni. Die Blätter drücken die Befürchtung au-, daß Rußland nach dem Friedensschluß der Türket mit Griechenland die Frage |ber freien Durchfahrt durch die Dardanellen und Frankreich die egyptische Frage aufwerfen werde.

Athen, 2. Juni. Nachdem hier noch immer die Be- fürchtung besteht, daß die Türken den Krieg fortsetzen werden, erhielten die Truppen den Befehl, fich vollständig in die Thermopylen zurückzuziehen. In Lamia bleiben nur Vorposten.

Athen, 2. Juni. Die Regierung hat eine weitere Note an die Mächte gerichtet, worin sie erklärt, daß eS Griechen­land selbst bei den allergrößten Einschränkungen nicht möglich sei, eine Kriegsentschädigung zu bezahlen. Auch die vom König angeregte Verminderung der Civilliste könnte nichts dazu helfen. DaS Budget sei durch die Ausgaben für den Feldzug und die noch zu erwartenden AbrüftungSkosten bereits zu stark belastet.

Berlin, 3. Juni. DemBerl. Tagebl." zufolge soll nach Pfingsten noch eine neue Marinevorlage an den Reichstag gelangen.

WöriShofen, 3. Juni. DaS letzte gestern Nachmittag 2Uhr über daS Befinden deS Pfarrers Kneipp ausgegebene Bulletin lautet: Seit einer Stunde plötzlich große Herz­schwäche, Puls 112 bis 116, unregelmäßig aussetzend. Sub- jeetive- Befinden trotzdem befriedigend.

Wien, 3. Juni. Ueberraschung hat die gestern erfolgte Schließung deS ReichSrathS hervorgerufen. Man

hatte allgemein nur eine Vertagung erwartet und noch gestern wurde auch im Regierungslager von einer solchen gesprochen. Der Unterschied zwischen einer Vertagung und Schließung ist ein sehr großer. Bei einer Vertagung bleibt Alles beim Alten. DaS Wiederzusammentreten fängt dort an, wo eS aufgehört hat. Die Schließung dagegen bedeutet soviel, wie die Auflösung mit der einzigen Ausnahme, daß keine Neu­wahlen erforderlich find. Auch der Umstand, daß bei der Schließung die Immunität aufhört, erhöht die Bedeutung der Maßnahme.

Kanea, 3. Juni. Hier geht das Gerücht, daß ein Schiff mit Aufständischen vom PiräuS abgegangen ist, infolge deffen daS österreichische SchiffBlitz" und ein russisches Torpedoboot die Sudabay verlaffen haben, um daS In- furgentenschiff abzufangen. AuS Kandia werden ernste Un­ruhen gemeldet. Italienische Bersaglteri werden heute dort ankommen, um die europäischen Truppen daselbst zu ver­stärken. _____________________________________________

CoceUs rrrrd provinzieller.

Sieben, den 3. Juni.

* Auszeichnung. Seine König!. Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht, am 2. Juni dem Fabrik­arbeiter Georg Hauck in WormS daS Allgemeine Ehren­zeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" zu verleihen.

* * P. Geläudeverkauf. Herr Weinhändler Schott er- warb von Herrn Photograph Becker deffen Eck-Bauplatz Wolkengaffe und Bahnhofstraße für den Preis von 15,700 Mk. DaS Quadratmeter soll fich auf ca. 45 Mk. stellen:

* * Ein Extracoucert zum Besten des UuterstützungSfoudS hilfsbedürftiger Militärmufiker der deutschen Armee und Marine findet am Freitag Abtnd inSteinS Garten" statt, ausgeführt von der hiesigen Regimentscapelle. Wie im hiesigen Jnseratentheil ersichtlich, gelangt ein ausgewählt reichhaltiges Programm zur Ausführung. Möge der Besuch zu Gunsten deS edlen Zwecks ein recht zahlreicher werden.

F.** Die neuen Reuubote der Gießener Rudergefellfchast Vierer und Achter find nunmehr eingetroffen und sehr gut ausgefallen. Besonders derAchter", auf der Bootswerft von Oberbaurath Rettig in Berlin erbaut, ist ein Meisterstück auf dem Gebiete der Bootsbaukunst, auf deffen Besitz die Gießener Ruderer mit Recht stolz sein können. Die officielle Taufe der neuen Boote wird voraus­sichtlich an einem der Pfingstfeiertage stattfinden, worauf wir schon jetzt aufmerksam machen. Nach diesen Neuanschaffungen besteht der Bootspark der Rudergesellschaft auS: 1 Renn- Achter, 2 Ausleger Vierer-Rennboten, 1 Dollen - Rennbot, 2 Ausleger Vierer-GigS, 1 Doppelzweier, 2 Einer und 1 UebungSboot, sodaß allen Mitgliedern genügend Gelegen­heit zum Rudern gegeben ist. Weiter dürfte von Jnterrffe sein, daß sich bereit- zwei Senior - Mannschaften seit einiger Zeit im eifrigen Training befinden und schon jetzt zu schönen Hoffnungen für die kommende Regatta-Saison berechtigen. Dtese beiden Mannschaften werden dann gemeinschaftlich den Achter" besetzen, während eine dritte Mannschaft aller Voraussicht nach baß Dollen-Rennbot bemannen wird. Wenn nun noch hinzukommt, daß Altmeister Rübsamen im Einer die Farben seiner Gesellschaft vertreten wird, dann kann wohl die Gießener Ruder-Gesellschaft mit aller Zuverficht den diesjährigen Wettkämpfen entgegensehen, denn wo der gute Wille vorhanden ist, da wird auch der Erfolg nicht fehlen !

* E. B. Der Hauptverein des Evangelischen Bundes wird am Sonntag den 27. Juni, Nachmittag- von 41/a Uhr an, seine Landesversammlung in Offenbach a. M. abhalten, die erste Versammlung tn Hessen, wie sie unsere Nachbar­länder, Baden, Württemberg, Rheinlands schon seit Jahren mit großem Erfolge veranstaltet haben. Die Feftpredigt hat der als eifriger Vorkämpfer unserer Sache rühmlichst be­kannte Pfarrer Dr. R. Wettbrecht (Wimpfen) übernommen, während den Vortrag de- Abends (in Schlosser- Liegenschaft) Pfarrer Lic. Thümmel (Rem'chrid) halten wird, der sich durch seine geistvollen und schneidigen Reden tn ganz Deutsch, land einen hervorragenden Namen gemacht hat. ES wird darum einer recht lebhaften Betheiligung an der Vtrsamm- lung auS dem Großherzogthum und seiner Umgebung ent­gegengesehen, zumal in Hessen zum ersten Male Gelegenheit gegeben ist, diesen muthvollen Redner zu hören. Die Wahl des Tage- ist so getroffen, daß die Herren Geistlichen den Besuch der Superintendenten-Conferenz tn Darmstadt am 28. k. MtS. gut damit verbinden können.

* * Kelluer-Berelu. Eine vom Verein arrangirte Ge­burtstagsfeier zu Ehren dreier Mitglieder, der Herren Wilh. Sandmeifter, Köttschau und Nitsche, Der«