Ausgabe 
4.5.1897 Erstes Blatt
 
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Brüssel, 2. Mat. Anläßlich der Maifeier fand hier gestern ein foctalifrischer Umzug statt, an welchem 8000 Personen rheilnahmev. Der Umzug ging vom Rath- hauSplatze aus, woselbst von Schulkindern socialistische Gesänge vorgetragev wurden.

Sar»lmr, 2. Mai. JaureS sollte hier einen Vortrag halten, welcher durch Plakate angrkündigt war. Der GenSdarmeriechef forderte den Bürgermeister zur Entfernung der Plakate auf. Als sich der Bürgermeister dessen weigerte, wurde er verhaftet.'

Athen, 2. Mai. Man glaubt, daß nach der Rückkehr de- Ministerpräsidenten Ralli von der thessalischen Armee die Regierung Frankreich um dessen Intervention ersuchen wird. ____________

Berlin, 3. Mat. Der Kaiser traf gestern Morgen 8 Uhr auf der Wtldpark'Ttation ein und wurde von der Kaiserin empfangen. Im £aufe des Vormittag- empfing der Kaiser den neuen Gouverneur von Berlin, General Gras v. Wedel, und begrüßte gegen 12 Uhr auf der Station Wildpark den Regenten von Mecklenburg-Schwerin, Herzog Johann Albrecht. Zur Tafel war neben diesem auch Reichs- kaozler Fürst Hohenlohe geladen.

Paris, 3. Mai. DerSoir" meldet: Die griechische Regierung ordnete eine 48 stündige Leusur aller Depeschen von Kriegsberichterstattern au, damit die Türkei nicht indirect Informationen schöpfen könne.

Madrid, 3. Mat. Dte Regierung wollte die Anar­chisten, welche am vergangenen Freitag nicht zum Tode »erurtheilt worden find, aus Spanien ausweisen. Die Re­gierungen Belgien-, Frankreichs und Portugal- erklärten jedoch, dieselben nicht über die Grenze zu laffen. Infolge deffeu wird die spanische Regierung dieselben nach ihren überseeischen Colonien tranSportiren und dort freilaffen.

Athen, 3. Mai. Am SamStag ruhten dte Operationen , au der Grenze. Dte Minister find in Pharsala eingetroffen. Der Ministerpräsident Ralli hat noch keinen Bericht rin» geliefert. Wie verlautet, bereitet die Regierung einen Protest an dte Mächte vor gegen dte Grausamkeiten, welche die türkischen Soldaten an griechischen Verwundeten und Ge­fangenen begehen. Oberst VaffoS soll ein höheres Com« «ando in Theffalien erhalten. Oberst StaikoS dürfte Chef der griechischen Truppen auf Kreta werden.

Arta, 3. Mat. 8000 Griechen versuchten einen neuen Borstoß bei Penteptphadia.__________________

Locale- uttö Provinzielle-,

Meßen, den 3. Mat.

* * Ernannt wurden der Rabbiner Dr. David Sander tn Karlsruhe und der Rabbiner Dr. Leo Htrschfeld in Gießen zu Proviuzialrabbinern in der Provinz Oberhrffen mit dem Amt-fitze zu Gießen.

* * Ordensverleihung. Dem berittenen Gendarm Buch- Han der Station Gießen, welcher zur Zeit der Anwesenheit Sr. Maj. des deutschen Kaisers in Schlitz anwesend war, wurde die Medaille zum Kronenorden 4. Klaffe verliehen.

* Zweite Kammer der Landstaude. Tagesordnung der 12. Sitzung, Dienstag den 4. Mat 1897, Vormittag- SM/i Uhr. 1. Öffnung der Sitzung. 2. Neue Einläufe. 3. Beschlußfassung über: 1. die Vorlage der Großherzog« lichen Ministerien der Justiz und der Finanzen, die Mobtltar- uud sonstigen Einrichtungen in Gefängniß- und Amtsgericht-- gebäuden betreffend- 4. Berathung über: 1) die Vorlage Großherzoglichen Ministerium- der Justiz, die Errichtung eine- weiteren Aufseher-Wohngebäude- in der Zellenftras- austalt Butzbach betreffend- 2) dte Interpellation de- Ab­geordneten Köhler, dte Feterabendstunde betreffend. 5. Wahl­prüfungen: 1) der Wahl de- Abgeordneten für den 11. Wahl­bezirk der Provinz Oberheffen (LaubachSchotten)- 2) der Wahl des Abgeordneten für den 10. Wahlbezirk der Provinz Oberheffen (HerbsteinUlrichstein)- 3) der Wahl des Ab­geordneten für den 6. Wahlbezirk der Provinz Oberheffen (GrünbergGießen). 4)a Berathung Uber die Frage, ob Artikel 46 der Geschäftsordnung dahin au-zulegen ist, daß eine Feststellung der Beschlußfähigkeit des Hause- auch nach stattgehabter Abstimmung zulässig erscheint, eventl. b. Ab« Stimmung über die Beilage Nr. 135, die Wahl der Land- tag-abgeordneten für Darmstadt betreffend.

* Die rühmlichst bekannte Musikschule de- Fräulein Minna Körner hält ihre diesjährigen Prüfungs-Con­cer te am 15. und 16. Mat im Club ab. Die unermüd­lich strebsame Leiterin der Anstalt, Frl. Minna Körner, die selbst als treffliche Pianistin der Weimaraner Schule bekannt ist, hat auch diesmal wieder ein interessantes Programm zu. sammengestellt, und zweifeln wir nicht, daß die Zöglinge, die in ernstem Studium gebildet find, gut bestehen werden. Das

Programm enthält die vornehmsten Namen unserer Musik» Heroen, nicht ein einziger ist dabei, der dem faden Geschmack Coucesfioneu gemacht hat.

Theater Verei». Auch tn diese« Jahre ist der Vor­stand in der angenehmen Lage, seinen Mitgliedern statt der üblichen fünf Vorstellungen deren sechs zu bieten. Da- au-» gezeichnete Ensemble des Kölner Stadttheaters wird am Montag den 10. und SamStag den 15. Mat zwei be­deutsame Vorstellungen absolviren. Für den 10. ist Maria Stuart von Schiller angesetzt, für den 15. Moltöre- Lust­spielDer Geizige" und Goethe-Laune der Verliebten." Theaterfreunde, die nicht im Besitz von Abonnementskarten find, können schon heute bet Herrn Ernst Challter für beide Vorstellungen Vormerkungen auf BilletS wachen.

* Sektion Gießen deS Deutsche« nutz Oesterreichischeu AlpeuvereinS. In der nächsten Monatsversammlung, Donnerstag den 6. Mai, Abend- 9 Uhr pünktlich, wird im BeretnSzimmer (Cafö Ebel) Herr Dr. Markwald feine letztjährigen Touren im Zillerthal und in den Dolomiten, schildern. Der ursprünglich für diesen Abend angekündigte Vortrag de- Herrn Prof. Dr. Hansen über die alpine Flora mußte mit Rückficht darauf, daß derselbe noch nicht völlig wiederhergestellt ist, verschoben werden. Der ge­meinschaftliche Ausflug der südwestdeutschen Sectionen deS Deutschen und Oesterreichtschen Alpenverein- findet unter Leitung der Sectlon Heidelberg nächsten Sonntag den 8. Mai statt und giebt Gelegenheit, dte schönsten Theile de- unteren Reckarthal- von Heidelberg bis Eberbach kennen zu lernen. Alle- Nähere hierüber tn der Monat-versammlung. Da- etugetretene schöne Wetter rechtfertigt e-, aufs Neue auf die unter Mitwirkung der Section Gießen bearbeitete Karte der markirreu Wege in unserer Umgebung hinzuweisen.

* Geflügelzüchterveret». Die gestern Nachmittag im RestaurantAquarium" statrgesundene Versammlung des Geflügel» und Bogelzüchtervereins für Gießen und Umgegend war gut aus den nächsten Dörfern besucht. Der Zweck deS Verein- besteht darin, reinrassiges Geflügel auf Kosten deS Vereins zu beschaffen und dieses den einzelnen Mitgliedern zugänglich zu machen. ES soll auch den Inter- effen der Kanarienvogelzüchter rc. durch den Verein nach jeder Richtung Rechnung getragen werden. Der Verein beabsichtigt, hier in Gießen Geflügel-Ausstellungen zu veranstalten, um so auch das Jnterrffe für die gefiederte Welt in weiteren Kreisen zu erwecken. Nachdem die Conftituirung deS Vereins mit 30 Mitgliedern, von welchen sieben außerhalb wohnen, vorgenommen, wurde ein Vorstand gewählt und beschloffen, regelmäßige MonatSversammlungen abzuholten.

* * Der Kaufmännische Verein Marburg besichtigte gestern in einer Stärke von 35 Personen da-Werk der Lahnkalk» und Marmor-Industrie Aug. Gabriel junior am Abendstern", stattete dem Gleiberg einen Besuch ab und nahm dte Einrichtungen der Brauerei Bich ler in Augen schein, deren Besitzer eS sich nicht nehmen ließ, selber den Führer der Herren durch daS Elabliffement zu machen.

Schlägerei. Gestern früh 3 Uhr kam es zwischen jungen Leuten an der Lahnstraße zu einer Schlägerei, an der sich ein beurlaubter Dragoner au« Darmstadt mit blanker Waffe beteiligte. Anzeige gegen die Attentäter wurde erhoben.

Durch die Entgleisung der Lokomotive eine« GuterzugeS zwischen Friedberg und Bad-Nauheim stockte am SamStag der Verkehr von Mittag ab insofern, als diese Strecke nur eingleisig befahren werden konnte, wodurch nach beiden Richtungen Zugverspätungen vorkamen.

* * Wetterbericht. Die gestern erwähnte Depression, welche ihr Centrum unter gleichzeitiger Zunahme seiner Tiefe nach dem Hohen Norden verlegte, hat sich, wie erwartet, rasch und ganz bedeutend in südlicher Richtung ausgedehnt, sodaß heute Morgen bereits eine breite Furche geringen Druckes von Scandlnavien durch den ganzen Kontinent bis nach Italien zog. Unter ihrem Einfluß ist im Norden unseres Gebietes Trübung eingetreten und sind schon Niederschläge gefallen, während im Süden die Bewölkung allmählich zunahm. Der Eivtluß des niederen Druckes dürfte zunächst für den Witte- rung-zustand maßgebend bleiben. Voraussichtliche Witterung: Zunächst trübes Wetter und Niederschläge und allgemein kühler.

1. Srnuberg, 1. Mai. Die in Nr. 100 d. Bl. enthaltene Notiz über oen Grünberger Apothekenoerkauf enthielt infolge ungenauer Benachrichtigung eine Unrichtigkeit. Die Apotheke ging nicht tn den 80er Jahren, sondern ®n?e der 70 er auf Herrn Schm dt über und zwar nicht zum Preis von 60000 Gulden, sondern zu einigen 70000 Mk. Wenn sich nun der Preis innerhalb des letzten Jahres um die erwähnte Summe erhöht hat, so hat dies theils in der

enormen Nachfrage und dem geringen Angebot in Apotheke« feinen Grund, theilS in dem gerade im letzten Jahr bedeutend erhöhten Jnventurwerth und dem, Dank der persönlichen Regsamkeit deS neuen Besitzer- gehobenen Umsätze des Geschäftes.

4- NeiSkirche«, 2. Mai. Der erste Mai brachte für die hiesige Haltestelle schon einige bedeutende Verbesse­rungen. Die Einführung der vierten Klaffe wird all­gemein freudig begrüßt und zu einer regeren Benutzung der Bahn Anlaß geben. Zwar find die Fahrpreise für dte brüte Klaffe theilweise etwas gesteigert, doch entspricht diese Er­höhung ganz den rechnungsmäßigen Ergebniffen. Durch bat Halten nach Bedarf" des Zuge- 6, der hier 4 Uhr 36 Minuten Nachmittags verkehrt, ist jetzt schon einem viel­fachen Bedürfniß entgegengekommen. Hoffen wir, daß dieser Zug so häufig benutzt wird, daß er täglich halten muß. Wenn er später alS fahrplanmäßiger Zug wieder stet- an­hält, bann können auch wieder, wie in früheren Jahren, die Postsachen bequemer und rascher befördert werden. Sehr erwünscht wäre eS noch, wenn beim Schnellzug 5 a, welcher Gießen 2*8 Uhr verläßt, hier mindesten- vorerst einHalte» nach Bedarf" eingeschaltet würde. Die jetzige Bahnverwal­tung könnte sich deS Danke- vieler Jntereffenten versichert halten. Der starke Personenverkehr, welcher nach der stati­stischen Berechnung vom Jahre 1895/96 auf hiesiger Halte­stelle herrscht und der sich seit dieser Zeit vermuthlich noch be­deutend vermehrt hat, berechtigt wohl dazu, die Erfüllung vorstehender Wünsche zu erhoffen. Auch beim Frachtverkehr laffen sich Verkehrserleichterungen erwarten- denn wa- früher hier ein Ding der Unmöglichkeit galt, ist jetzt schon unter der derzeitigen Verwaltung zur Thatsache geworden. E- konnte nämlich lebendes Vieh au-geladen werden. Bei de» schwungvollen Viehhandel, der von einigen Händlern dahier betrieben wird, bedeutet die Eröffnung des BiehtranSport» verkehr- von und nach hiesiger Haltestelle sowohl für btt Bahn als auch für bie Händler einen entschiedenen Vortheil. Ebenso könnte die Bahn, ähnlich wie solche- z. B. für sämmtliche Haltestellen der Nebenbahn GrünbergLondorf ermöglicht ist, die hiesige Haltestelle dem direkten Fernfracht- verkehr ohne vorausgegangene Exoediion auf den vorherige« Stationen erschloffen werden. Wenn wir auch der Ansicht huldigen, daß diese Verhältniffe sich nicht über Nacht ein­führen laffen, so dürfen wir doch wohl in der Hoffnung leben, daß die Zeit nicht mehr allzusern liegt, in welcher diese billigen Wünsche ihre ErsÜllnng finden, und daß da- Vertrauen, das wir der gegenwärtigen Verwaltung entgegen­bringen, durch vollständige Würdigung belohnt wird.

Schlitz, 1. Mai. Der Kaiser begab sich Abend- 9 Uhr nach Salzschlirf und setzte im Sonderzug die Reise nach Potsdam fort.

A Mainz, 2. Mai. Heute fand hier der erste Hand­werkertag für den Mittrlrhein und Südwestdeuischlonb statt, auf welchem durch 51 Delegirte neben dem Groß» herzogthum Heffen, Baden, Württemberg, die bayeriscye Pfalz und Heffen-Nassau vertreten waren. Den vorfitz führte Köbrich-Mainz. Außerdem befanden fich an dem Vorstands- tisch Reichstagsabgeordneter Dr. Schmitt-Mainz, Redakteur Fisch er-Worms und Seitens der Centralstelle Regierung«- baumeister N o ack-Darmstadt. Nach der Begrüßung sprach der Letztere die Hoffnung ans, daß der Handwerkertag i» der so wichtigen OrganisationSfrage wenigstens waS erreichen werde, damit endlich der so lange ersehnte Zusammenhalt deS Handwerks zu Stande komme. Der erste Punkt der Tagesordnung war die von Redakteur Fischer-WormS über­nommene Berichterstattung über den Haadwerkertag in Berlin, woran der Redner Betrachtungen über die Stellungnahme der Regierung zu den Wünschen deS Handwerks ankuüpfte. Ueber den folgenden Punkt der Tagesordnung:Die Hand­werkervorlage im Reichstag und die Wünsche deS Handwerks" referirte Rutt- Stuttgart. Nach einer eingehenden Dis­kussion wurde folgende Resolution angenommen:Der i« Mainz tagende Handwerkertag steht einstimmig auf dem Standpunkt, daß das gesummte deutsche Handwerk einschließ­lich der handwerksmäßigen Fabrikbetriebe auf gesetzlichem Wege zuiammengeführt werden muß und zwar mit der Gliede­rung in Meister, Gesellen und Lehrlinge. Den heute be» stehenden Innungen und Handwerker-Bereinigungen müsse» ihre Rechte unverkürzt erhalten bleiben. Zu den Handwerker- kawmeru sollen nur Meister wahlberechtigt und wählbar sein. Meister soll nur Derjenige werden können, der fein Hand­werk ordnungsmäßig erlernt hat." Als letzter Punkt der Tagesordnung wurde ein Antrag Oehlfchläger-Frankfurt an­genommen, dahingehend, daß das bestehende Comitö vorläufig in Permanenz erklärt und demselben zunächst oufgegeben wird, im nächsten Jahre wiederum einen Handwerkertag einzu» berufen.

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Donnerstag, den 6. Mai, nach Zusammenkunft im Distrikt Ampel auf der Chaussee RüddingS* hausenDeckcnbach am Waldeingang, Vormittags 10 Uhr, aus dem Distrikt Ampel: Scheiter rm: Buchen 149 1. Kl., 14 2. Kl., Birken 1, Linde» 4; Knüppel rm: Buchen 293, Eichen 25, Nadel 2, Aspe 1, Linden 8; Reiser rm: Buchen 798, Eichen 56, 9tadel 78, Linden 14; Stöcke rm: Buchen 71, Eichen 2, Linden 4.

Papiermühle, den 29. April 1897.

Arhr. Oberförsterei Rabenon.

Schwörer. 4402