Ausgabe 
4.5.1897 Erstes Blatt
 
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Nr. 103

Der '

Hleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dr» Montags.

Die Gießener Aamttienb kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt.

Erstes Blatt________Dienstag dm 4 Mai____________________

Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

1897

vierteljährigem Abonncmentspreirr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerloh». Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

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Amts- und 2ln.)eiaeblatt für den "Kreis <5iefeen.

Annahme vou Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.

Hratisöeikage: Hießener Kamikienötätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslände» nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgege».

Amtlicher Tbeil.

Nr. 19 des Reichs Gesetzblattes, auSgrgebeu den 22. v. M., enthält:

(Nr. 2882.) Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche «nb der Schweiz, betreffend die Einrichtung schweizerischer NebenzollSmter bei den auf badischem Gebiete belegeuen Stationen Altenburg, Jnstetten und Botstetteu der schwetze- rischen Eisenbahnlinie« EglisauSchaffhausen und die schwetze- rische Zollabfertigung am Grenzacherhorn. vom 5. De- rember 1896.

Nr. 20 deS Reichs Gesetzblattes, au-gegeben den 1. d. M., enthält:

(Nr. 2383.) Bekanntmachung, betreffend die de« tnter- nationalen Uebereinkommen über den Etsenbahnfrachtverkehr beigefügte Liste, vom 28. April 1897.

Gießen, den 3. Mat 1897.

Großherzogltches IkretSamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung.

Infolge Verfügung Großherzogltchen Ministeriums deS Inner« vom 28. l. MtS. ist die Abhaltung des für den 11. Mat l. Js. geplanten BiehmarkteS zu Hercheuhaiu unter der Bedinguag genehmigt, daß nur Thtere au» un- verfeuchten Orte« der Kreise Schotten, Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen und Lauterbach, Thtere von Händlern aber nur dann, wenn fie mindestens fieben Tage in uu- verseuchten Orte« fraglicher Kreise in seuchenfreiem Zustande -»gebracht haben, aufgetrieben werden dürfen.

Schotten, den 30. April 1897.

GroßherzoglicheS Kreisamt Schotten.

I. V.: Welcker.

Bekanntmachung.

Infolge Verfügung Großh. Ministeriums der Innern vom 28. l. M. ist die Abhaltung des für de« 17. Mai b. IS. geplanten BiehmarkteS zu Schotten unter der Be­dingung genehmigt, daß nur Thtere aus unverseuchten Orten der Kreise Schotten, Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen uad Lauterbach, Thtere von Händlern aber nur dann, wenn fie mindestens sieben Tage tn unverseuchte« Orten fragl. Kreise tn seuchenfreiem Zustande zugebracht haben, aufgetrieben werden dürfen.

Schotten, den 30. April 1897.

Großherzogltches Kreisamt Schotten.

I. V.: Welcker.

A«- bett Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessische« Stände.

Darmstadt, 1. Mat.

Bor Eintritt tn die Tagesordnung der heutigen Sitzung Zweiter Kammer fragte Abg. Kähler an, ob es Reichs- tagSabgeordneten gestattet sei, sich in den Wandel- gängeo aufzuhalten? Die Frage soll gelegentlich eine- von Abg. Köhler in Aussicht gestellte« Antrags und nach Erkun­digung über den UsuS in anderen Parlamenten erledigt werden. Mit Rücksicht auf die Beförderung des Abg. Hechler theilte Präsident HaaS mit, daß Herr Hechler bis heute noch kein Decret erhalten habe, der Ausübung feines Man­dats also nichts im Wege stehe. Zur Berathuug stand alsdann die Vorlage wegen Verkaufs des Braunkohlenberg­werksLndwigShoffoung" an die Fürstlich Solms-Braun- selS'sche Verwaltung. Der Finanzausschuß beantragt Be- willtgung von 5000 Mk. für Erhebung und Aufstellung vou technischen und wirthschaftltcheu Gutachten, wie Plänen und Voranschläge«, welche die Frage der Rentabilität deS Mel' bacher Werkes prüfen, und das Finanzministerium möge «ach Fertigstellung dieser Arbeiten weitere Vorlagen machen. Oberfinanzrath Braun beklagt, daß ia der Wetterau seit der letzten Berathung Kräfte rhätig feien, um Stimmung gegen die Vorlage zu machen, wie sich die» bereits in Ein­gaben au die Kammer ausdrückte. Den AuSschußantrag lehne die Regierung ab, da «ach einem Gutachten aus dem Jahre 1891 die Errichtung einer Briquetfabrik 510,000 Mk. bei einer Productiousfähigkeit von 751/» Millionen BriquetS kosten würde. Inzwischen seien die Kosten für die Maschinen, die Baumaterialien und auch die Löhne derart gestiegen, daß eine Rentabilität des Werkes bei einer Bewirthschaftung durch den Staat unmöglich sei. Eine Naßpreß-Aulage empfehle sich gleichfalls nicht, nach beiden Richtungen hin sei also der Ausschußantrag gegenstandslos. Abg Köhler: Die Bauern wünschten eine Vergrößerung deS Fürstlich

Braunfels'scheu Besitzes nicht; ob des geplanten Verkaufs de« Melbacher Bergwerks herrsche Erregung. Dr. Schröder als Referent beantragt sodann nochmalige Zurückverweisung an den Ausschuß. Dagegen wenden sich Abg. Ullrich und Oberfinauzrath Braun. Die Regierung wünsche Klarheit darüber, ob man dem Verkauf zuftimme oder nicht. Braun hält die Angelegenheit im Sinne der Ablehnung für spruch­reif, zieht aber später seioen Widerspruch gegen die Zurück­verweisung zurück, welche alsdann einstimmig beschloffeu wird. Zum Wiederaufbau der im Oktober v. I. auf dem Domantalgute Rheinfelder Hof durch Brand zerstörten Gebäude werden 83,677 Mk. bewilligt.

Sehr ausgedehnte Berathung erfuhr der Antrag Wester- uach er auf Uebergabe der durch gesetzliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche entstandenen Kosten auf die Staatskaffe. Viele Abgeordnete klagten über die Höhe der Kosten und die theilweise rigorose Handhabung der gesetzlichen Maßnahmen. Die Regierung versicherte, fie sei nach wie vor bestrebt, mit Schonung und Milde, aber wenn es nöthig sei, auch mit aller Energie nach besten Kräften die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche nach den Vorschriften des Reiches durchzuführen. Beschlosien wurde die einstim- mtge Annahme des Antrags Westernacher in Verbindung mit einem vom Ausschuß vorgeschlagenen Ersuchen, das fich auf die Bekanntmachung im Falle deS Ausbruchs von Viehseuchen bezieht. Die nächste Sitzung ist auf heute Nachmittag 4 Uhr angesetzt. Nach einer Erklärung des Abg. Ullrich wird indeß die gesammte Opposition nicht erscheinen, das Haus also nicht beschlußfähig sein.

NachmittagSsitzung.

Die heutige NachmittagSsitzung war nur von 19 Natio- nalliberalen und dem al» Secretär des Hauses fungirenden CentrumSabgeordneten von Köth besucht.

Gleich beim ersten Gegenstände, der zur Berathung stand eS handelte fich um eine Forderung des Justizministeriums zur Ausstattung neuer Amtsgerichtsgebäude rc. bezweifelte von Köth die Beschlußfähigkeit deS Hauses. Die Erschienenen mußten unverrichteter Dinge nach Hause gehen.

Die nächste Sitzung ist auf Dienstag Vormittag anberaumt. ___________________________________________Franks. Zett.

Deutsche» Reich.

Berli», 1. Mat. Die große Berliner Kunst-AuS- ftelluug im Landesausstellungspalast am Lehrter Bahnhöfe ist heute Mittag tn Vertretung des CultuSmintsterS Dr. Boffe durch den Geheimerath Dr. Schöne eröffnet worden. Die Feierlichkeit begann mit Trtumphfanfaren, nach welchen Pro- feffor E. Körner etue Ansprache hielt. Nach derselben er­griff daS Wort der Wirkt. Geheime Ober-RegierungSrath Dr. Schöne. Die Festrede klang tn etn dreifaches Hoch auf den Kaiser aus. Nach den Klänge« der Nationalhymne erklärte Geheimerath Dr. Schöne die Ausstellung für eröffnet.

Berlin, 1. Mai. Der dem BundeSrathe vorliegende Nachtragsetat weist mehrere hunderttausend Mark für die Pariser Weltausstellung uud sür die Schaffung einiger neue« Stellen im ReichsversicherungSamt auf.

Minden, 1. Mat. Amtlich wird gemeldet: Heute Nach­mittag 2 Uhr 10 Min. entgleiste der Schnellzug 7 D Köln-Berlin mit Zugmaschine uud sämmtlichen acht Wagen, anscheinend infolge eines Schienenbruches. Reisende uud Beamte blieben unversehrt, mit Ausnahme des Küchen­meisters vom Speisewagen, welcher leicht verletzt wurde. Die Reisenden wurde« mit einem späteren Zuge weiter­befördert.

Frankfurt e. 9t., 1. Mai. DerFranks. Ztg." wird aus Athen berichtet: Hier dauern die Demonstra­tionen gegen das Königshaus fort. Die Kron- prtuzesfiu wurde bet etuer Ausfahrt tusultirt. Die Hoskutscher tragen infolge deffen jetzt eine bürgerliche, nicht auffallende Livree, uud vou den Hofkutscheu wurden die Wappen entfernt. Auch die Hoflieferanten beseitigen die Wappenschilder von ihren GeschäftSlocalen.

Hamburg, 1. Mat. Dte allgemeine Gartenbau- Ausstellung in Hamburg wurde heute Mittag feierlich eröffnet. Dte Feier wurde eiugeleitet durch Gesangsvorträge von etwa 1000 Sängern. Bürgermeister Dr. Möockeberg, als Vorsitzender des ComttsS, schilderte die Vorgeschichte und den Zweck der Ausstellung, die während einer ganzen Früh­lings-, Sommer- und Herbst-Saison daS gesammte Gebiet deS Gartenbaues und aller Pflauzenculturen zur Anschauung bringen solle. Redner schloß mit einem Hoch auf Hamburg. Bürgermeister Dr. Versmann führte hierauf aus, das schöne, in Vollendung vorliegende Werk der Ausstellung sei nicht

eine Schöpfung des Hamburger Staates, sondern es sei ent­sprungen auS der freien Initiative patriotischer Bürger, denen er Namens des Senats und der ganzen Bevölkerung wärmste« Dank ausspreche. DaS Unternehmen sei etn ächteS Kind des Frieden-; eS konnte nur tn einer Zett gesicherten Friedens geplant und vollendet werde«. Et« redender Beweis, wie feste Wurzeln daS Vertrauen auf die Erhaltung des Friedens geschlagen habe, sei dte starke Bethetltgung an dem friedliche« Wettkampf auS Ländern, dte wett vou den Grenzen de» Vaterlandes entfernt lägen. Redner schloß «tt einem be­geistert aufgenommenen Hoch auf Seine Majestät deu Kaiser, der alle Zeit seinen Ruhm darin gesucht und gefunden habe, dem Vaterlande den Frieden zu erhalten. Als daS Hoch verklungen war, erklärte Dr. BerSmanu die Ausstellung für eröffnet. Böllerschüffe verkündeten weithin den feierliche« Moment. Die Ausstellung ist in allen Theilen vollständig fertig und reich beschickt. Eine große Anzahl von Ehren­preisen und Medaillen find gestiftet. Biele fremde Staate«, wie Schweden, Norwegen, Holland, Belgien, dte Schweiz, Frankreich, England, Nordamerika, Australien uud andere find durch Delegirte vertreten.

Straßburg, 1. Mat. Der Hauptact der Feier anläßlich des 25jährigen Bestehens der Univerfttät Straßburg, der heute Vormittag 10 Uhr im Lichthofe des UniverfitätSgebäudeS begann, nahm einen glänzende« Verlauf. Der Statthalter, Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, der zur Beisetzung des Prinzen Wilhelm von Baden nach Karlsruhe gereist war, wurde durch Staatssecretär v. Putt- kamer vertreten; ferner waren sämmtliche oberen Behörden, fowie die Generalität bet der Feier zugegen. Diese wurde durch eine Musikaufführung eingeleitet; alsdann überreichte Staatssecretär v. Puttkamer als Vertreter des Statthalter» im Namen Sr. Majestät des Kaisers dem Rector magnificua Professor Dr. Windelband eine prächtige goldene AmtSkette und verlas eine kaiserliche Urkunde, laut welcher zum An­denken an den erhabenen Stifter der Kaiser-WtlhelmS-Uni- verfität die Kette zum Zeichen huldvollster Anerkennung dem jeweiligen Rector als AmtSkette verliehen und der Hochschule der fernere Schutz und Beistand Sr. Majestät des Kaiser» zugefichert wird. Nachdem Rector Prof. Windelband mit Worten des Dankes erwidert hatte, brachte Bürgermeister Back Namens der Stadt Straßburg deren Glückwünsche, sowie etn Ehrengeschenk dar. Glückwünsche überbrachte« ferner Profeffor Schmoller-Berltn Namen» der Profefforen, die früher an der Straßburger Hochschule gewirkt haben, und Profeffor Bünger im Namen der früheren Studireuden. Darauf hielt der Rector magnificus Wtndelband dte Fest­rede, in der er den Werdegang der Hochschule schilderte und fie als dte Morgengabe bezeichnete, vom Deutschen Reiche dem wtedergewonnenen Elsaß Lothringen dargebracht. Ehor- gesaug schloß die Feier, an welche fich eine studentische Wageufahrt anschloß.________________________________________

ArrsUnrd.

Wie«. 1. Mai. Nach Athener Privatmeldungeu wurde auf der Dacht des Königs, welche bereit liegt, um event. dte Königliche Familie aufzunehmen, ein großes Leck entdeckt. Man glaubt an ein Attentat.

Loudou, 1. Mai. DteTimes" meldet aus Lartssa, daß im Widerspruch zu anderen Meldungen verfichert wird, die Hafenstadt Volo habe fich am 26. April Abend» de« Feinde ergeben.

Salonicki, 1. Mai. Die Stadt ist wieder ruhig. Die griechische Flotte ist nach SktatoS zurückqekehrt._______

XUuefte VkHichEHchchEo

Depeschen deS Bureau »Herolds

Wiesbaden, 2. Mai. Dte Reichstags-Ersatzwahl ist auf den 9. Juni anberaumt.

Frankfurt a. M., 2. Mat. Gestern Abend wurde hier dte fünfactige romantische OperDer Pfeifer voa Haardt" von Ferdinand Langer, Text von Dr. Herman« HaaS, erstmals aufgeführt und zwar mit großem Erfolge. Der Beifall steigerte fich von Act zu Act und der ao- wesende Eowpouift wurde wiederholt gerufen und durch Kranzspenden ausgezeichnet. Die Aufführung «ar eine vor­zügliche.

Wie«, 2. Mai. Heber Mödling uud deffen Um­gebung entlud fich gestern Nachmittag ein furchtbare» Gewitter. Auf den Feldern wurde durch die hernieder- fallenden haselnußgroße« Schloßen coloffaler Schaden an- gerichtet.

Wie«, 2. Mai. Rach Meldungen au» Athen soll e» fich bestätige«, daß der König die Rückberufung»- ordre des Obersten Bassos von Kreta unterzeichnet habe.