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M. 80 Drittes Blatt. Sonntag den 4 April
1807
werden dem Anzeiger
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M Gießener Anzeiger
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VicrteljShrig^ Adoa»cme«tsz>>: «t> 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog«?
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Redaction, Lxpeditieo und Druckerei:
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den falgmden Lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
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Hratisöeikage: Hießener Aamitienötätter.
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Alle Annoncen-Bureaux deS Irr- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
AurtUchar LtzaiL.
Das Gr. Steuer-Commiffariat Gießen au die Großh. Bürgermeistereien Alten-Buseck, Garbeuteich, Heuchelheim, Ruttershausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Watzenborn - Tteiubera und Wieseck
Wir ersuchen Sie, die Ihnen unterm 20. v. MtS. zu- gegangenen Gewerbspatente alsbald erledigt zurückzusendrn.
Gießen, den 2. April 1897.
Bähr.
Bekanntmachung.
Vetr.: Feldbereinigung in der Gemarkung RüddingShausen.
Donnerstag, den 15. April l. I., Bormittags IO*/3 bis llVi Uhr, findet in dem Amtszimmer der Großh. Nürgermetsterei RüddingSHansen die Entgegennahme der Dünsche bezüglich der Zutheilung der neuen Grundstücke rubr. Gemarkung statt.
Die Wünsche find schriftlich einzureichen, müssen Flur und Nummer der zusammenzulegenden Parzellen enthalten uud vom Eigenthümer unterschrieben sein.
Ausdrücklich hervorgehoben wird, daß diejenigen Wünsche in erster Linie Berücksichtigung finden können, welche auch ein thatsächlicheS Zusammenlegen der Grundstücke eines Besitzers bezwecken. Ebenso können Wünsche, welche nicht in btm obengenannten Termin vorgebracht werden, keine Berücksichtigung finden. 3331
Friedberg, den 2. April 1897.
Der Bereinigungs-Commissär:
Dr. Göttelmann, Großh. KreiSamtmann.
Konfirmation.
Der Frühling ist die Zeit der Saat. Jetzt streut der Larndmann den Samen auf das Land, wartet auf den Segen Dom oben, auf Regen und Sonnenschein, und hofft noch der mühevollen Arbeit deS Säens auf den Lohn einer reichen Ernte. — Die Jugend, der Lebensfrühling, ist auch die Zelt der Saat. Eltern und Lehrer find dazu gesetzt, guten Damen in die empfänglichen Herzen der Jugend zu streuen. Die Aufgabe und die Verantwortung ist groß, denn die Eindrücke des Elternhauses und der Jugendzeit, die guten
und die bösen, haften fest für das ganze Leben, und der Ertrag des Lebens bringt es an den Tag, was einst in der Tugend gesäet war.
Welches ist der gute Same, den wir säen sollen? Die Bibel sagt: „ES ging ein Säemann aus, zu säen seinen Samen. — Der Same ist das Wort Gottes." Alle wahrhaft gute Saat, die iu Menschenherzen gepflanzt und gepflegt wird, die still heranreist zu edlen Früchten, kommt zuletzt allein auö dem Worte GotteS. Wie alles Lebendige im Sonnenlichte lebt und webt, das seine Strahlen auch in die Kammern und die Winkel und in die dunklen Klüfte sendet, so find eS die Lichtstrahlen des Evangeliums, die durch die ganze Welt verbreitet find, die das wahrhaft Gute in Menfchenworten und «Werken geweckt, hervorgerufeu und gefördert haben.
Die Feier der Einsegnung der Kinder, die in diesen Wochen in den verschiedenen Gemeinden unserer Stadt stattfindet, bedeutet einen gewissen Abschluß dieser jugendlichen Saatzeit. Es ist eine unschätzbare Wohlthat, wenn die Macht der christlichen Sitte bewirkt, daß fast ausnahmslos jedes Christenkind im Confirmandenunterrtcht für längere Zeit unter die besondere Wirkung des Wortes GotteS kommt. Wieviel dabet durch GotteS Wort und Gottes Geist in den jungen Herzen auSgerichtet wird, das mehr ist, als eine flüchtige Bewegung, weiß Gott allein. Viele Samenkörner wögen wohl auf den Weg oder auf den Fels gestreut, todt und unfruchtbar im Gedächtutß liegen bleiben, aber auch sie mögen noch später, unter GotteS Regen und Sonnenschein keimen, wachsen und Frucht bringen, wie die Erfahrung gar manches Mal gezeigt hat.
KindeSglaube kann noch nicht MavneSglaube fein, noch nicht durch vielfältige Lebenserfahrung und Er- kenntntß des eigenen Herzens versucht, vertieft und befestigt. Die Zeit der Einsegnung ist die Zett der Berufung, wo die junge Seele den Ruf des Herrn vernehmen soll: Komm her zu mir! Ihr dazu zu verhelfen, daß fie willig und freudig sich entschließe, diesem Rufe zu folgen, ist die Aufgabe des Seelsorgers — aber auch deS Hauses. Mögen die Eltern in diesen Tagen ihrer heiligen Aufgabe sich wohl bewußt bleiben, daß nicht Nebensachen — der Austritt auS der Schule, der Eintritt in die Gesellschaft, die Gaben der Verwandten — für sie selbst und für die Confirmanden unvermerkt zur Hauptsache werden. Hier heißt eS beten, für die Kinder und mit den Kindern, vorher und nachher, damit die Feier der Einsegnung der jungen Seele und der ganzen Familie einen bleibenden geistlichen Segen bringe. Denn das ist die Krone des Familienlebens, wenn die natürliche Liebe geheiligt wird zur christlichen
Liebe und die BlutSgemeinschaft sich verklärt zur Glaubensgemeinschaft.
Locales und Z-roVinrielles.
Gieße«, den 3. April.
•* Turner-Finanzielle». Der Mittelrheinkreis (9. Kreis der deutschen Turuerschaft) versendet seinen Kassenbericht. An Einnahmen hatte der Kreis zu verzeichnen: Kassenbestand 1030,66 Mk., Beiträge von 44390 steuerzahlenden Mitgliedern 4439 Mk., Zinsen 36 Mk., zusammen 5505,66 Mk. Die Ausgaben betrugen für Steuern zur Kasse der deutschen Turnerschaft 1770,20 Mk., Verwaltung-- kosten 967,76 Mk, für Sitzungen 495,20 Mk., au die Kretsvorturnerfchule 389,15 Mk., sonstige Ausgaben 350,20 Mk., zusammen 3972,50 Mk., so daß ein Kaffen- bestand von 1633,07 Mk. verbleibt (mithin gegen daS Vorjahr ein Mehr von 502,50 Mk.). Die Unterstützungskaffe hatte einen Bestand von 1114,15 Mk., Zuschuß aus der KreiSkaffe 200 Mk.,Zinsen 35 Mk., im Ganzen 1349,16 Mk.- an Unterstützungen verausgabte sie 200 Mk., eS verbleibt somit ein Saldo von 1149,15 Mk.
*• In Amerika verstorbene Heffeu. Brooklyn, N.-y., Wtlh. Schäfer, 65 Jahre, aus Mainz. Milwaukee, Wt«., Frau Anna Schwibinger, geb. Borngesfer, 75 I., aus Schwabsburg. Grand View, Louisa Co., Iowa, Frau Anna Maria Jung, 83 I., auS Hessen-Darmstadt. Btble Grove, Jll., Katharine Sehnert-, geb. Sauerwein, 87 I., aus Schaafheim. Liverpool, N.-U., JohS. Fischer, 86 I., aus Eich. JohnStown, Pa., Frau Maria Katharina Gerhardt, 65 I., aus Lamy. Buffalo, N.-A., Heinrich Dietschler, 71 I., aus Heidelbach. Belleville, Jll., Friedrich G. Storck, 62 I., auS Darmstadt. New«Bremen, O., Frau Anna Wiedemann, 66 I., aus Hessen Darmstadt. New-AtheuS, Jll., Frau Katharina He ff ick, geb. Berth, 82 I., aus Rohrbach. West Trotz, N.-N-, Wilhelm Becker, 33 I., aus Heffen-Darmftadt. Wallace, Perth County, Georg Schneider, 83 I., auS Lehrbach. Müllet Creek, Jeff. Co., N. A., Frau Victoria Bretsch, geb. S ch r o t h, 87 I., aus Egelsbach. Milwankee, WiS., Frau Elisabeth Poppert, 77 I., auS Pfungstadt. Detroit. Mich., Philipp Reith, 50 I., aus Wörrstadt.
•• Wetterbericht. Das DepreffionS-Centrum ist rasch ostwärts vom Canal her nach Nordostdeutschland fortgeschritten, während über Westeuropa der Lastdruck wieder bedeutend gestiegen ist. Die Gradienten find in den contineutalen Lagen ziemlich beträchtlich und haben sich stellenweise böige Winde eingestellt. DaS Wetter ist vielfach trüb, stellenweise fielen
Feuilleton.
Wochrndrirfe ans der Residenz
(Origtnalbericht deS .Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 1. April.
Morin vieyele-Llub. — Concerle und Theater. — Verschiedene».
Noch ist die Witterung braußen so, daß an den rich- tigen, fachgemäßen Betrieb deS Radsports auf der Renn- bahn nicht gedacht werden kann, aber ein rühriger SportS- natin darf auch im Winter nicht ruhen, sondern muß unauS- jksetzt üben und thärig fein an seiner Vervollkommnung. Diesen Satz hat der hiesige Bicycle-Club wohl überlegt mb sein Programm danach so eingerichtet, daß der Sommer tim Rennfahren draußen auf der Bahn, der Winter aber hm schönen und eleganten Fahren im Saale gewidmet wird. He die Früchte zu zeigen, die der Eifer der Mitglieder binnen im glatten Saale zeitigte, und um diese zu immer nu rr Thätigkeit anzuspornen, hatte der Verein am'letzten Sonntag eine Saalfahr-Coucurrenz veranstaltet, an der neben ibn, der bekanntlich gerade im Reigenfahren wiederholte Stege errungen hat, auch Mitglieder der Radsporr-Veretne in Straßburg, Wiesbaden, Köln, Höchst a. M., Frank« lurtl a. M. rc. mitwirkten. Gerade diese Art des Fahrens, iaS auch vom ästhetischen Staodpunkte aus dem auf der limrnbahn bedeutend vorzuziehen ist, scheint sich hier beson- i'.rea Interesses zu erfreuen, denn eS hatte ein außerordent« lich zahlreiches und nicht minder gewähltes Publikum herbei- iijwgen. Wirklich waren die gebotenen Leistungen ganz iiilöantc, z. B. gleich die von vier Damen und vier Herren, ck in Phantasie Coftümen, zur Eröffnung des Festes ge« !°ft:me „Polonaise" zeigte eine derartige Exaktheit und kWnheit in der Ausführung, daß man sich über ihre Durch- sthrmng bei dem doch durch die Verhältnisse beschränkten
Raume offen wundern mußte. DaS Gleiche gilt von mehreren, später gefahrenen Reigen, unter denen der von 8 Wiesbadener Damen ausgeführte hinsichtlich der Eleganz, mit der alle Linien genommen und alle Evolutionen durchgeführt wurden, die erste Stelle einnimmt. Außerordentliche Gewandtheit bewiesen die Mitglieder deS Hanauer Radfahrer« Vereins durch ihr Grupprnfahren, bei dem fie ebenso wie besonders ein Herr Vafferot vom Frankfurter Bicycle-Club die schwersten Hebungen auf dem Rade auSführten. Im Ganzen wurden sechs verschiedene Concurrenzen gefahren, für die 13 Ehrenpreise und mehrere Ehrenzeichen vergeben wurden. Der festgebende Verein fuhr natürlich außer Wettbewerb, er hat sich aber für die feffelnde Veranstaltung den lebhaften Beifall aller hiesigen Freunde deS schönen Radsports errungen.
Recht lebhaft geht eß noch in den Concertsälen zu, die Dank des unfreundlichen Wetters der letzten Tage einen zahlreichen Zuspruch hatten. Ein vom Instrumental- Verein in der letzten Woche gegebenes Coucert brachte u. a. die anmuthige, außerordentlich gefühlvolle L-dur-Sym« phonie des nordischen Componisten W. Gabe, die .von dem Dilettanten'Orchester des Vereins sehr zufriedenstellend wieder- gegeben ward. — Eine vom Evangelischen Kirchengesangverein arrangirte PasfionSfeier ließ eine herrliche Schöpfung dessen Leiters, des hessischen Kirchen Musikmeisters Arnold Mendelssohn, derOeffentlichkeit bekannt werden. Das Werk, „Abend-Cantate" betitelt, für achtstimmigen, gemischten Chor, Soli und Orgel, ist in seiner schlichten Erhabenheit eine wirkliche Perle unter den mancherlei modernen Erzeugnissen auf diesem Kunstgebiete. — Mit Beethovens Streichquiutett in C-dor, dem wundervollen A-moll-Irio für Clavier, Flöte und Cello von C. M. v. Weber und dem Streichquartett in F-dur von Mozart beschloß die Kammermusik-Vereinigung des Mozart-Vereins ihre dieswinter- liche, an künstlerischen Erfolgen reiche Thätigkeit, für die
das kunstsinnige Publikum der Residenz in hohem Maße dankbar war.
Im Großherzoglichen Hoftheater schwang in der abgelaufenen Berichtswoche namentlich die heitere Muse wiederum ihr Scepte?. In der vom Local-Verband für die „Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger" veranstalteten Aufführung von Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt" wirkte der Münchener Director Conrad Dreher, von dessen Auftreten au unserer Hofbühne Ihnen erst kürzlich berichtet ward, in uneigennützigster Weise mit und erntete für seinen ungemein drastischen „HanS Styx" stürmischen Applaus. Ferner absolvirte Frau Anna Schramm vom königl. Schauspielhause iu Berlin ein auf zwei Abende berechnetes Gastspiel, in dem fie in einer Reihe von Rollen auftrot, die sämmtlich von Publikum und Presse mit großem Beifall ausgenommen wurden.
Endlich scheint nun auch das „O rpheum" in seinem alten Glanze wieder erstehen zu sollen, denn nachdem in voriger Woche nach langem Verhandeln schließlich dem früher» artistischen Director deS Instituts die Concesfion übertragen ward, find nunmehr die Vorstellungen wiederum im alten Umfange aufgenommen und dauernd Künstlergesellschaften engagirt. Daß Local erfreut sich seitdem wieder deS regsten Besuches des Publikums.
Eine große Menschenmenge hatte sich heute Morgen zum Abschied deS 4. Bataillons deS Leibgarde Regiments an der Füfilterkaserne versammelt. Herr Oberst v. Scholten führte die beiden Compaguien, die mit Sack und Pack auö- gezogen, selbst zur Bahn, Musik begleitete sie. Am Bahnhöfe nahm der Brigade ■ Commandeur, General • Major v. Melmede, und die Offiziere deS Regiments von den Truppen Abschied. Die Musikcapelle spielte daS Lied „Mnß i denn, muß i denn" rc. und fort ging- unter Hurrah der neuen Garnison zu.


