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4.3.1897 Erstes Blatt
 
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Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener

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Meßmer Anzeiger

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Vierteljähriger Avonncmentspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

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rin,ts- und Anzeigeblatt für denKreis Giefzen.

2lmtlid?cr Lheil.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche zu Nonnenroth.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche zu Nonnenroth wieder erloschen ist, werden die angeordneten Sperrmaß­regeln wieder aufgehoben.

Gießen, den 2. März 1897.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. (Safiern.

Gießen, den 2. März 1897. Betr.: Artikel 21 des Volksschulgesetzes.

Die

®r»6l Kreis-Schulcommisston Gießen

an die Schulvorstande des Kreises.

Wir beauftragen Sie, eine Schulvorstondfitzung zu be­rufen und zu berathen, ob in den Ihnen unterstellten Schulen Schüler oder Schülerinnen vorhanden sind, auf die rubr. Artikel in Anwendung gebracht werden soll. Diesbezügliche Anträge sind alsbald an uns etnzureichen. Fehlberichte find nicht zu erstatten.

v. Gagern.

Gießen, den 2. März 1897.

Betr.: Die Feier des 100jährigen Geburtstages Seiner Majestät des verewigten Kaisers Wilhelm.

Die

»rvtzh. Kreis-Schulcommiffion Gieße«

an die Schulvorstände des Kreises.

Bon nachstehender Verfügung geben wir Ihnen Kenntniß zur wetteren Beranlaflung.

v. Gagern.

Darmstadt, Den 20. Januar 1897. Betr.: Wie oben.

Das Großh. Ministerium des Jnnem

Abtheilung für Schulangelegenheiten an die Großherzoglichen Direktionen der Gym­nasien, Realgymnasien, Realschulen, höheren Mädchenschulen, Schullehrerseminarien, Taub- stnmwenaustalten, Blindenanstalt, die Borsteher der Präparaudenanstalten, sowie an die Großh.

Kreisschulcommissionen.

Mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern bestimmen wir hiermit, daß aus Anlaß des 100 jährigen Geburtstages Seiner Majestät des höchftieligen Kaisers Wilhelm des Großen, des erhabenen Gründers deS Deutschen Reiches, Montag den 22. Marz d. ZS. in allen öffentlichen Schulen und Lehranstalten deS GroßherzogthumS eine ent- sprechende Feier, unter Aussetzung deS Unterrichts, stattzu- finden hat.

Sie wollen hiernach das Erforderliche anordnen, v. Knorr.

Bekanntmachung.

Sonntag den 7. März, Nachmittags 4 Uhr, veranstaltet der Pferdezucht-Beretn eine Wanderversammlung in Gießen im HotelPrinz Carl" daselbst.

Tagesordnung: Ueber Pflege und Behandlung der Zuchtstuten und Fohlen.

Referent: Herr Beterinärarzt Sei derer'Gießen.

Montag den 8. März, Nachmittags 5 Uhr, findet eine gleiche Wanderversammlung in Grunberg im Englischen Hof" statt. , v r .

Tagesordnung: Die Pflege des Pferdehufes.

Referent: Herr Kreisveterinärarzt Neun Höffer.

Die Mitglieder und Freunde des Vereins werden hier­mit zum Besuche dieser Versammlungen freundlichst ein- geladen.

Darmstadt, den 1. März 1897.

Für den Vorstand: von Westerweller.

Naegelö.

Deutscher Reich.

Berlin. 2. März. Zur Diätenfrage bringt die Köln. Volks-Ztg." folgende statistische Uebersicht: In Europa zahlen nur Deutschland, Spanien und England keine Diäten an die Parlamentsabgeordueten. Die höchsten Diäten

werde» in Frankreich gegeben, das feinen Adaeo.dneten jährlich 9000 Franken zahlt und freie Fahrt 1. Klaffe auf den Bahnen gewährt. Ungarn gewährt 4000 Mk. jährlich, ferner etwa 800 Gulden für die Miethe und ein billiges AboanementSbillet auf den SiaatSlinien. Die Niederlande geben den Mitgliedern der Zweiten Kammer 2000 Mk. jährlich und Vergütung der Retsespefen. Griechenland zahlt 1400 Mk. für eine ordentliche Session und 890 Mk. für eine außerordentliche. In Schweden erhalten die Unterhaus. Mitglieder 1330 Mk. für die Session. Für jeden Tag, an. dem ein Mitglied unentschuldigt fehlt, werden 11 Mk. ab« gezogen. ES wird außerdem Reisekarten-Vergütung gewährt. Belgien zahlt den in Brüffel wohnenden Abgeordneten keine, den Provtnzalabgeordneten monatlich 320 Mk. Entschädigung. Die anderen Staaten gewähren nur Tagegelder: Rumänien 20 Mk., Freifahrkarten und Freiposten- Oesterreich 10 Gulden für jeden eingehaltenen Sitzungstag und Reisespesen- Bul­garien und die Schweiz 16 Mk. pro Tag und Freifahrt; Preußen 15 Mk. pro Tag- Portugal, das früher feste Ent­schädigung gab, läßt die Communen täglich 15 Mk. an die bedürftigen Abgeordneten zahlen und gewährt freie Fahrt- Sachsen gewährt seinen Kammer-Abgeordneten 12 Mk. - Baden ebenfalls 12 Mk.- Hessen 9 Mk., aber nur den nicht in Darmstadt ansäistgen Abgeordneten- außerdem Reisespesen - Bayern zahlt den Nicht Münchenern 10 Mk. und gibt freie Fahrt auf allen bayerischen Staatsbahnen in der ersten Wagenklaffe- Württemberg 9.50 Mk. und die Reisekosten- Sachsen-Coburg-Gotha zahlt 6 Mk. täglich den in Gotha ansäisigen und 10 Mk. den auswärtigen Mitgliedern, ein Fretbillet in der zweiten Eisenbahnklaffe und 3 Mk. für verschiedene Auslagen- Dänemark zahlt nur 6.75 Mk. Diäten und die Retsespesen, räumt aber dafür einen Freisitz im Theater ein - Norwegen gewährt dagegen nicht nur 13.50 Mk. Diäten und Reisespefen (Bcllet und 11 Mk. für den Reise­tag), sondern in Krankheitsfällen freie ärztliche Behandlung, Arzneien, Bäder, Maffage und freie Zahnoperatton. Die deutschen ReichStagSabgeordneten haben Freifahrt zwischen Berlin und dem Wohnort. Die Parlamentsabgeordneten Englands und Spaniens genießen nicht einmal diese Ver- günstigung.

Xteuefte AsrehssehtsWo

Wolff« telegraphisches Correspondent-Bm:«^

Athen, 2. März. Die Vertreter der sechs Mächte haben heute Nachmittag die identischen Noten Übergeben, die eines* theilS die Erklärung enthalten, daß die Insel Kreta zu einem vollständig autonomen Staatswesen unter der Suzeränität des Sultans constituirt werden soll, anderer­seits die Forderung, daß die griechischen Schiffe und Truppen binnen sechs Tagen das Gebiet bezw. die territorialen Ge- wäffer von Kreta zu räumen haben.

Kanea, 2. März. (HavaS.) Heute find an Bord des italienischen KreuzersStromboli" die Admirale der fremden Kriegsschiffe aus der Snda-Bai hier eingetroffen. Alsbald begaben sich die Consuln an Bord deSStromboli", um über Maßregeln zu berathen für den Fall, daß die Griechen fich weigern würden, die türkischen Soldaten ans Kandano abziehen zu laffen. Bor dieser Zusammenkunft hatten der englische und der italienische Consul eine Be­sprechung mit dem Gouverneur. Heute Mittag werden fich eine Anzahl BegS an Bord desStromboli" begeben, um Mittheilungeu über die Lage zu machen. Der Gouverneur hat nunmehr auch die letzten der wegen Brandlegung und Plünderung gefangen gefetzten Türken freigelaffen.

Depeschen deS BureauHerolds

Berlin, 2. März. Heute nahm der Kaiser die Bor­träge des Chefs des Militäreabinets Generals v. Hahnke und deS StaatSsecretärS des Innern Dr. v. Bötticher und sodann militärische Meldungen entgegen. Um 1 Uhr Nachmittags empfing der Kaiser den behufs Notificirung der Thron« besteigung deS Schahs Muffeffer Eddin als Botschafter in außerordentlicher Mission hierher entsandten persischen Ge­sandten am hiefigen Hofe, General Mirza Reza Khan, und deffen Gefolge in Audienz, der auch StaatSsecreiär v. Marschall beiwohnte.

Berlin, 2. März. In der heutigen Sitzung des Ab­geordnetenhauses erklärte der Handelsminister zur Inter­pellation, betreffend die Organisation des Handwerks, der Rückgang beffelben beruhe auf der ganzen neueren Ent- Wickelung feit der Entdeckung der Dampfkraft. Das Hand­werk befinde fich da in einem schweren Uebergange, und es sei die Pflicht der Regierung, ihm dabei zu helfen. Es müffe zugegeben werden, daß die Regierung diese Pflicht lange

Zeit vernachläsfigt habe. DaS müffe anders werden. ES handle sich nicht nur darum, dem Handwerk eine Organi­sation zu geben, sondern vor Allem um die Hebung seiner wirthschaftlichen Lage (Förderung deS GenoffenschasttwesenS) nnd seiner technischen Befähigung. Er, der Minister, stehe wie der preußische Entwurf auf dem Boden der Zwangs- Innung. Der im BundeSrathe umgearbeitete Entwurf fei beendet und werde voraussichtlich in den nächsten Tage» fertig redigirt vorliegen, so daß er bestimmt am 15. März an den Reichstag gelangen könne. Der Entwurf beruhe aus den Grundlagen des preußischen Entwurfes. Der Befähig- ungS Nachweis habe in demselben nicht ausgenommen werde« dürfen. Derselbe könne nur für Einzelgewerbe gefordert werden im Jntereffe der öffentlichen Sicherheit, aber nicht allgemein für daS ganze Handwerk. Alsdann wurde in die Besprechung der Jvterpellatiou eiugetreten.

Berlin, 2. März. DaS Staatsministerium trat heute Nachmittag 3 Uhr unter dem Vorsitz des Reichs­kanzlers Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 2. März. DieNordd. Allg. Zig." meldet aus Wien: Die Note, welche die Botschafter in Konstantinopel überreichen, soll auch den Rath an die Pforte enthalten, nach dem Rückzüge der Griechen auS Kreta die dortigen tückischen Truppen allmählich in die befestigten Plätze zu­sammenzuziehen. Bezüglich der Note an Griechenland wurde der Vorschlag Englands, die Frist zur Rückberufung der griechischen Schiffe und Truppen nicht auf vier, sonder« auf sechs Tage zu bemeffen, von allen anderen Mächten an­genommen.

Berlin, 2. März. Die hier lebenden Amerikaner richteten an den neugewählten Präsidenten Mac Kinley daS Ersuchen, den hiefigen amerikanischen Botschafter Uhl für die Dauer der neuen Präsidentschaft wieder zu ernennen.

Berlin, 2. März. Stabsarzt Dr. Kohlftock ist nach Deutsch-Südwest Afrika abgereist, um die im Copland betreffs der Rinderpest gesammelten Erfahrungen dort zu verwenden. Im südwestafrtkavischen Schutzgebiete befinden fich, derPost" zufolge, drei geprüfte Thierärzte, welche fich ebenfalls mit der Bekämpfung der Rinderpestgefahr beschäftigen.

Frankfurt a. M., 2. März. DieFranks. Ztg." erhält aus Konstantinopel folgendes Telegramm: Der Doyen des diplomatischen Corps überreichte heute Nachmittag der Pforte die Collectivuote der Mächte. Die Ueber- reichung der Collectivuote an die griechische Regierung findet morgen in Athen statt, da der Sultan in der Zwischen­zeit antworten soll.

Wilhelmshaven, 2. März. Anläßlich der Vereidigung der Marinerekruten wurden heute die vom Kaiser für die zu Grunde gegangenenIltis" - Mannschaften gestiftete« Gedenktafeln durch einen katholischen und einen evange­lischen Marinepfarrer geweiht.

Wien, 2. März. Der Correspoudent derNeuen Fr. Preffe" in Canea hatte Gelegenheit, mit den hervorragenden Schecks und Führern der Muselmänner zu sprechen. Die- selben erklärten sämmtlich, fie würden glücklich sein, wenn Kreta unter das Protektorat einer europäischen Groß­macht käme. Im Falle einer Bereinigung Kretas mit Griechenland würden fie bis zum Aeußersten kämpfen ober auswandern. Ein friedliches Zusammenleben beider Ele­mente unter direkter griechischer Herrschaft wäre unmöglich.

Prag, 2. März. DaS halbamtlichePrager Abend- blatt" bementirt kategorisch alle Gerüchte über militärische Botkehrnngen Oesterreichs.

Venedig, 2. März. Auf ber Station Mestro der Linie Mailand verschwand ein Postbeutel mit Werthbriefen von über 200,000 Lire.

Brüssel, 2. März. Gestern brach unerwartet ei« Generalstrike ber hiesigen GaSarbeiter aus. Dieselbe« forbern den Achtstnnbentag unb eine 20prozenÜge Lohn­erhöhung. Der Ausstand ist allem Anschein nach von 6en socialiftischen Gemeinderäthen angefacht worden. Die Polizei hält die Gasanstalt besetzt, weil die Ausständigen eint drohende Haltung annehmen. Gestern versammelten sich die Ausständigen in ihrem Vereinslocale, woselbst mehrere socia- listische Redner auftraten und die Ausständigen znm AuS- harren und zur Ruhe aufforderten. Die Versammlung nah« eine dahingehende Resolution an. Im Brüsseler Gemeinde- rath werden die Socialisten eine Interpellation hierüber ein- bringen und den Gemeinderath anffordern, den Strikende« einen Minimallohn von 4 FrcS. pro Tag zu bewilligen.

Paris, 2. März. DerGaulois" veröffentlicht eine Depesche auS Sofia, der zufolgeJzzeb Bey, der vertrauteste Berather des Sultans, Befehl erhalten hat, Reformen i« die Wege zu leiten, welche viel liberaler find, als seitens der Mächte gehofft wird.