Ausgabe 
3.10.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Wien, I

tärf, ,.7 °°> tau, * 80/80 em.

leseaborie

!nti>ehriich, Se°8taab an, über-

8195 as.

en.

1881

Schiu- Wirke.

utoeta btt.

tembet 18S7.

. gubencati Soldöwtt jitiea S&w1

86.80 109.40 2260 9230

3496

10160' 100.60,

803 ' 0'

nac MM

PrMzK- allthorstratze^

oht

WBlM*N8

i, Aentsb. DbL

116 D6L , 6 ,906 100.60 «rsZs Zsss-

Ao

17016

", 1.17'/'

f uns zuK

cnlager

UGeiii-r.is. postumes, gestrickte \ n°b Rockfiauelle, oßer Auswahl zu deuk° 7444 ascheo, Strümpfen billigst besorgt.

entinseile \ letehen.

ich. 8861

»und Hausputz, 'tz- > i

ern

D bleiche ie beim en:

-r». 232 Erstes Blatt SomlM dm Z. Octobrr

189V

Der

Steuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag«.

Die Gießener

Asmilienö tätler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

Lierteljährigsr Avonnemeutspreisr 2 Mark 20 Psg. mit vringcrlohn. Durch die Post bezogee 2 Mark 50 Pfg.

Aedaction, Expeditio» und DruNerei:

Schulfiraße Ar.7° Fernsprecher 61.

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den I xAlle Annoncen-Bureaux de- In. und Ausländer nehme« i

folgenden Lag erscheinenden Rümmer bi- Bonn. 10 llhr. | V» ^UlHllltTtDuiriCTe Anzeigen für denGießener Anzeiger" mtgeye.

LhaU.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Spazier­stock, 1 schwarzer Filzhut, 1 Paar Glacehandschuhe, 1 Pan­toffel , 1 Schürze, 1 Körbchen, 1 Peitsche, 1 Glocke von einem Fahrrad und 1 Reisehandbuch.

Gießen, den 2. October 1897.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

Deutsche» Leich»

München, 30. September. Der Namen-tag des Königs Otto wurde heute in der Üblichen Weise mit Hof- und Militärgottesdienst begangen. Der König, der Jahre laug Anfälle heftiger Erregung hatte, die mit mehrtägiger starrer Unbeweglichkeit wechselten, der zudem sehr unregel­mäßig in der Nahrungsaufnahme war, ist seit einiger Zeit sehr ruhig geworden und nimmt die Nahrungsmittel mit einer gewissen Gleichmäßigkeit. Früher verweigerte er oft tagelang die Nahrungsaufnahme, worauf dann Tage heftigen- begehrenS folgten. Das ist nun anders geworden. In dem geistigen Zustand deS König« ist jedoch keine Aeuderung ein- getreten. Eine solche ist nach der ganzen Art der Erkrankung nicht möglich. Die oben erwähnten Veränderungen werden aber günstig auf das übrige Befinden deS Kranken etnwirken, daS auch in den Zeiten größter Unregelmäßigkeit der Functionen ein vortreffliches war. Frkf. Ztg.

«olffS telegraphisches Eorrespoadmz-Bureau.

Posen, 1. October. DaS russische Kaiserpaar rraf auf der Durchreise nach Darmstadt heute Abend 7 Uhr 27 Mtn. mit Sonderzug ein und fuhr nach einem Aufent­halte von 6 Minuten weiter.

Kaltowitz, 1. October. DieKattow. Ztg." meldet aus Dombrowa (Rassisch Polen): Auf dem HüttenwerkHuta Bankowa" find sämmtliche Arbeiter, 4500 Mann, auS - ständig. Der Geudarmerieoberst aus Warschau und hohe RegierungSbeamte find etngetroffeu. Gestern Abend kam es Seitens der Menge zu Ausschreitungen. Die Menge dombardirte das Militär mit Steinwürfen, worauf der Oberst Feuer geben ließ. Zwei Mann wurden sofort getödtet und fünf schwer verletzt, wovon einer inzwischen gestorben ist. Sechs Compagnien Militär find eingetroffen. Sämmtliche Arbeiter wurden von der Hüttenverwoliung gekündigt. DaS Hüttenwerk gehört einem Consorttum rusfischer und franzöfi- scher Lapitalisten.

Bombay, 30. September. (Reuter.) Die Pest ist in bedrohlicher Ausbreitung begriffen. In Bombay kamen in der letztm Woche 60 Todesfälle vor. Auch in Kurrachee ist fie wieder ausgetreten.

Rewyork, 30. September. Der Oberarzt deS Seespital- dieusteS berichtet, daß bis gestern Abend in den Bereinigten Staaten 682 Fälle von gelbem Fieber vorgekommeu find, wovon 60 tödtlich verliefen.

Depeschen deS Bureau »Herold/

Berlin, 1. October. DaS StaatSwinifterium trat gestern Nachmittag unter dem Vorsitz des Ministers Miquel zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 1. October. Der Minister der Innern, Frei­herr von der Recke, ist heute von seinem Urlaub nach Berlin zurückgekehrt. Außer dem Reichskanzler befiodet sich von dem StaatSwinifterium nur noch der Eisenbahomiuister v. Thielen auf Urlaub.

Berlin, 1. October. Reichskanzler Fürst Hohenlohe wird, wie dieNordd. Allgem. Ztg." meldet, in der Nacht von Samstag zu Sonntag hier zurückerwartet.

Berlin, 1. October. Der Colontalrath wird der Post" zufolge voraussichtlich Ende dieses Monats, spätestevs m deu ersten Tagen deS November zu einer, Sitzung rin- berufen und bis dahin werden auch die Verhandlungen der Colonialabtheilung mit dem Reichsschatzamt betreffs des Etats za Ende geführt feto.

Berlin, 1. October. Zu der Behauptung derFreis. Ztg.", daß in der neuen Marine-Vorlage 224 Mill. Mark mehr beansprucht würden, als in der von Admiral Hollmann in der vorigen RetchStagSseffion vorgelegten Nieder­schrift angegeben worden sei, sagt dieNordd. Allg. Ztg.", er sei daS eine Behauptung, an deren Richtigkeit dieFreis. Ztg." selber nicht glauben dürfte. Wäre diese Behauptung richtig, so werde der Marine-Verwaltung die Abficht zuge- muthet, nur bis 1901 Schiffe zu bauen, von 1901 bis 1905

eS für die Marine-Verwaltung unbedingte Pflicht sei, in i jedem Jahre eine Reihe von neuen Schiffen in Bau zu \ nehmen.

Berlin, 1. October. DiePost" leitartikelt heute über die Deckung derKosten des Flottenplanes und über die Brausteuer. DaS Blatt sagt: Wenn die Annahme derVoff. Ztg.", daß neben dem Tabak das Bier so ziem­lich die einzige Steuerquelle sei, auf welche bei etwaigem be­trächtlichen Mehrbedarf an RetchSetnoahmen zurückgegrtffen werden könnte, zutreffe, dann könne doch von einer Mehr­belastung der kleinen, minder wohlhabenden Klaffen der Be­völkerung nicht die Rede sein. Klar sei, daß wenn einmal eine Erhöhung der Steuer stattfinden solle, schon im Jntereffe der Gleichmäßigkeit in erster Linie die bayerischen Sätze n Anwendung kommen müßten. Daß man aber tu der Folge mit der Möglichkeit rechnen müffe, neue Einnahmequellen zu erschließen, werde ernstlich nicht bestritten werden können.

Berlin, 1.October. AuS Prätorta erhalten die *®ctL Neuesten Nachr." folgendes Telegramm: In den hiesigen Zeitungen wird heute eine off cielle Note des deutschen Con- sulS in Prätoria publicirt, worin erklärt wird, daß in der deutschen Preffe keine unfreundlichen Artikel an die Transvaal- Regierung veröffentlicht worden find, wie in Kabeltelegrammeu einiger englischer Zeitungen in Johannesburg behauptet worden war.

Frankfurt a. M., 1. October. DerFrkf. Ztg." wird aus München telegraphtrt: Die Cevtrumsfraction brachte bet dem Landtage etne Interpellation wegen Ueber- anstrengung bei deu diesjährigen bayerisch-preußischen Manövern ein.

Frankfurt a. M, 1. October. DerFrkf. Ztg/ wird aus Konstantinopel gemeldet: Der Sultan hält an seiner Forderung fest, daß der Anhang zum FrtedeuSvertrage, be­treffend die Amnestie, aufgehoben werde. Die Nach­richten aus Kreta lauten fortgesetzt ungünstig. Der Sultan ließ jedoch den Botschaftern mittheilen, daß er erst nach der Rückkehr der Botschafter in definitive Verhandlungen über die Kretafrage einzutreten gesonnen sei Gegenüber Neltdow äußerte sich der Sultan in der Abschiedsaudienz, daß seine zukünftige Haltung in der Kretafrage durch die Art und Weise, wie Griechenland den Friedensvertrag aus- führe, bestimmt werde, doch müffe er bei den größten Con- ceffionen auf Beibehaltung einiger türkischer Garnisonen aus der Insel bestehen.

Schwerin, 1. October. Nach einer Bekanntmachung des Grohherzoglichru Hoffmarschallamts trifft die Leiche deS Herzog« Friedrich Wilhelm von Mecklenburg am nächsten Sonntag Nachmittag 3'/2 Uhr auf dem Bahnhöfe ein und w rd von dort in feicrucher Weise nach der Hos- kirche überführt. Montag den 4. October von 9 bis 12 Uhr findet Parade Ausstellung der Leiche im Dome statt, worauf Dienstag Nachmittag um halb 3 Uhr die feierliche Beisetzung erfolgt.

Karlsruhe, 1. Ocrober. Anläßlich der gestrigen Wieder­kehr de« Geburtstages der Kaiserin Augusta richtete der Kaiser folgendes Telegramm an die Groß- Herzogin von Baden: Am heutigen und gestrigen Tage weilten meine Gedanken besonder» bei Dir, geliebte Tochter ihrer großen Mutter. In unwandelbarer Treue und Dank­barkeit lcbt da- Bild Derjenigen tu meinem Herzen, zu der die deutsche Nation mit Bewunderung, Dankbarkeit und Liebe als zu einem Vorbtlde für alle Zetten aufbUckrn wird. Ihr wird dte Geschichte daS Denkmal setzen, daS Niemand zu zer­stören vermag. Ich aber werde mit Dir den heutigen Tag immerdar als einen SegeuStag Gottes betrachten. Wilhelm.

Wien, 1. October. Gestern Abend hat hier im Hotel Metrovol" die Verlobung der Prinzessin Theodora von Meiningen, einer Nichte des Deutschen Kaiser-, mit dem Prinzen Reuß XXX. stattgesuaden.

Fiume, 1. Oc'ober. Dte Post auS dem untergegangenen DampferJka" wurde vollständig gerettet.

Rom, 1. October. Mehrere DtvtstouS- und Bri­gade-Generale dürften demnächst entlassen werden, weil fie fich bet deu jüngsten Manövern bet Verona unter König Humbert den an fie gestellten Forderungen nicht ge­wachsen zeigten.

vrüffel, 1. October. Belgien, Frankreich, England und Nordamerika vereinbarten, rote verlautet, dte Einberufung einer internationalen Btmetallisten-Conferenz nach Brüffel für nächste- Frühjahr. Deutschland soll die Be­schickung derselben zugesagt haben.

Sofia, 1. October. DieSwoboda" meldet, daß die türkische Regierung an daS hiefige Cabinet eine scharfe Note gerichtet hat, worin fie jede Errichtung von Befestigungen

Berlin, 2. October. Den drei organifirteu Vertretungs- Körperschaften von Laudwtrthschast, Industrie und Handel ist vom Reichskanzler bereit- mttgetheilt worden, daß zum Zweck der Dorberathung und Begutachtung handelspolitischer Maß­nahmen ein wirthschaftlicher Ausschuß gebildet werden soll, deffen Mitglieder zum Thetl von den genannten drei Körperschaften vorzuschlagen, zum andern Theil vom ReichS- kanzler unmittelbar zu berufen fiod. Der Deutsche Land« wirthfchaft-rath, der Centralverband deutscher Industrieller und der Deutsche Handel-tag find aufgefordert worden, je fünf Mitglieder mit thunlichster Beschleunigung vorzuschlage^.

verlangt.

Athen, 1. October. Die MinisterkrisiS ist un- vermuthet eingetreten und hat in der Stadt eine ungünstige Stimmung hervorgerufeu. Der König wird heute in Athen erwartet. Man zweifelt, daß ein Cabinet Delyauni- z« Staude kommt und glaubt, daß Zaimi-, ein Anhänger DelhanniS, mit der Bildung betraut werden dürfte.

vueuor-AyreS, 1. Oktober. Die argentinische Regierung beschloß, eine Anleihe von 50 Millionen zu machen. Et« deutsches Syndikat wird da« Geld unter Garantie der Nationalbank vorftrecken.

aber fein neues Schiff mehr auf Srapct. zu sehcn, während > oet Phtlippopel wie auch an der Grenze verbietet und die Niederreißuug der bereit« schon errichteten Festungswerke

Schwurgericht.

W. Gießen, 1. Oktober

In der heutigen Sitzung wurde gegen die ledige Dienst- magd Elisabethe Horst, 20 Jahre alt, unbestraft, von Ober-Ohmen wegen Meineid, sowie gegen den 44 Jahre alten Land- und Gastwirth Conrad Römer von Hembach, vorbestraft, wegen Verleitung zum Meineid und wegen Unter­schlagung verhandelt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann. Als Vertheidiger sind für die Horst Rechtsanwalt Mendelsohn, für Römer Rechtsanwalt Weidig erschienen. 14 Zeugen sind zu hören. Der That- bestand der Anklage ist der folgende: Am 20. Juni 1897 hat Alexander Lein von Hembach, ein zuletzt dem Trunk ergebener Mann, seinem Leben durch Ertränken ein. Ende gemacht. Deffen Ehefrau glaubte zu wiffen, daß der Ver­lebte bei dem Angeklagten Römer etwa 14 Tage vor seinem Tode eine Boden-Credit-Actie in Höhe von 300 Mk. hinter­legt hatte, sie setzte sich mit dem Bürgermeister Musch von Hembach und dem Gendarmen in Verbindung zur Wieder­erlangung des Papiers. Hieraus entwickelte sich die Ein­leitung eines Strafprozesses gegen Römer wegen Unter­schlagung. Römer wurde vor dem Amtsgericht Homberg a. d. O. verantwortlich vernommen und erklärte hier, Lein habe ihm die 300 Mk. Actie geschenkt. Derselbe habe auf sein Begehr von ihm 20 Mk. baar geliehen erhalten, einige Tage später sei Lein zu ihm gekommen und habe das Werthpapier ihm gebracht und gebeten, es aufzuheben, und wieder wenige Tage darauf habe Lein nach der Höhe seiner Schuld bei ihm ge­fragt. Man habe die auf Borg erhaltenen Getränke berech­net und diese zu dem Darlehen von 20 Mk. hinzugerechnet, worauf Lein ihm (dem Römer) das Papier mit den Worte» geschenkt haben soll:Römer solle es behalten, er wolle es ihm schenken für die vielen Gefälligkeiten, die er ihm schon erwiesen." Das Werthpapier, erklärte Römer bei seiner am 26. Juli zu Homberg erfolgten Vernehmung, habe er in Alsfeld bei einem Bankier gegen ein erhaltenes Darlehen von 250 Mk. hinterlegt. Seine Dienstmagd, dte Elisabetha Horst, sei zugegen gewesen, als Lein ihm das Papier geschenkt habe. Die daraufhin als Zeugin und zwar zwecks Herbeiführung einer wahrheitsgemäßen Aussage über die Thatsache der Schenkung, von der die Erhebung der Anklage abhängig war, beeidigt vernommene Horst erklärte:Lein sei eines TageS, etwa 14 Tage nach Pfingsten, in die Wirthschaft ihres Dienst­herrn, des Römer, gekommen und habe zu diesem geäußert: Meine Weibsleute sagen, ich thäte Alles vertrinken, wie viel habe ich denn zu bezahlen?" Römer habe darauf erklärt, es könnten 6 bis 7 Mk. für Getränke sein. Lein habe darauf um ein Darlehen von 20 Mk. gebeten, und auf Römers Frage, wozu Jener die 20 Mk. brauchen wolle, habe Lein erwidert:Nun, gebe sie mir nur." Römer habe da­rauf dem Lein ein Zwanzig-Markstück verabfolgt, wo­rauf der Letztere ein Papier, auf dem 300 Mk. gestanden, aus der Tasche gezogen und es ihrem Dienstherrn mit den Worten überreicht habe:So, das schenke ich Dir, Du hast mir schon viele Genüge geleistet, Du hast mir schon manchen Gefallen get Han. Wuf Vorhalt des die Horst vernehmenden Richters, daß lhre Aus­sage mit den Angaben des Römer nicht übereinstimme, gab