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3.9.1897 Erstes Blatt
 
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im Voraus und sieht nun im Gefängniß seiner weiteren Bestrafung entgegen.

* Cassel, 31. August. Die sieben Soldaten, die bei dem schweren Eisenbahnzusammenstoß bei Kirchditmold am 11. Juli lebensgefährliche Verletzungen erlitten und im hiesigen Garnisonlazareth Aufnahme und Pflege gefunden haben, befinden sich dank der ärztlichen Fürsorge und vor­trefflichen Pflege in fortschreitender Besserung. Der Unteroffizier Schönewald vom Hess. Feld-Art.-Regt. Nr. 11 und der Unteroffizier Lau vom Jnf.-Regt. Nr. 110 machen bereit» Gehversuche au Krücken- der Gefreite Blackert vom Feld-Art.'Regt. Nr. 11 und der Musketier Schlotterhose vom Jnf.-Regt. Nr. 67 haben die schweren Amputationen verhältnißmäßig gut überstanden- beide werden künstliche Gliedmaßen erhalten. Die Kanoniere Heuer und Heye, beide vom Fuß-Art.-Regt. Nr. 13, befinden sich ebenfalls wohler, und auch Sergeant Gerhardt vom Jnf.-Regt. Nr. 171 be­findet sich in langsamer Befferung.

* JeSberg (Reg.«Bez. Gaffel), 31. August. Seit heute Mittag 1 Uhr wüthet hier Großfeuer. 12 Häuser find bereit« eingeäschert. ES ist Waffernoth vorhanden. Die Spritzen von ZimmerSrode, Oberurff, Gilserberg, DenSberg, HuudShausen, Zwesten und Niederurff sind bereits erschienen. Das Feuer ist in der Scheuer des Bäckermeisters John zum Ausbruch gekommen. EnrstehungSursache ist noch unbekannt. Die Abgebrannten haben zum Theil versichert- zu bedauern ist, daß viele Arme abgebrannt sind. Die Apotheke und die Schule stehen in Gefahr. (Oberh. Ztg.)

D. Frankfurt a. M., 1. September. Eduard Strauß, der am Freitag und Samstag dieser Woche zwei Coucerte hier giebt, die, wie bereits berichtet, von der Verwaltung des Zoologischen Gartens veranstaltet, im großen Saal des SaalbauS, Abends von 8 bis i/l\l Uhr, stattfinden, macht gegenwärtig seine 19. Concertreise. Seit 1878 besuchte er mit seiner wohlgeschulteu Capelle über 600 Städte in zwei Welttheilen, und wo er war, da sieht man ihn gern wieder« kommen. Hat es doch einen eigenthümlichen Reiz, besonders die in aller Welt beliebten Strauß'schen Weisen gerade von diesem berufensten Vertreter vortragen zu hören, der es, wie Keiner sonst, versteht, Rhythmus und Klangweise so gut und echt herauSzuarbeiten, so, wie eS der alte Johann, die Brü­der Johann und Josof Strauß und er selbst, in ihrer ur­eigensten Art erdacht und empfunden haben. Das beliebteste aller Strauß'schen Stücke, der WalzerAn der schönen blauen Donau", erscheint in jedem Concert, sei eS als Programm- Nummer oder Einlage, und verfehlt nie feine zündende Wirkung.

Düsseldorf, 31. August. Auch da» dritte der von ihrer Mutter in geistiger Umnachtung erdrosselten Kinder, ein fünfjähriger Knabe, ist gestern Abend im Krankenhause gestorben. Wie der hiesigeGeneralanzeiger" schreibt, hat die Frau, nach den Beweggründen ihrer That befragt, sich dahin ausgelassen, daß dos älteste Kind, der Knabe, der an Gehirnentzündung litt, doch nicht mehr gesund hätte werden können, und sie habe nicht gewollt, daß der Knabe gleich ihrer Mutter in Wahnsinn verfalle (die Mutter der Frau ist im Irrsinn gestorben)- sie habe daher beschlossen, das Kind zu tödten, die beiden anderen Kinder habe sie dann auch gleich Engel werden lassen. Bon ihrem Vorhaben, sich zu ertränken, sei sie wieder abgekommen, da sie befürchtet habe, auf ihren Manu könne der Verdacht fallen, er habe die Kinder um« gebracht. Frau Beuven wurde in daS Irrenhaus nach Grafenberg überführt.

* 6t. Johann a. d. 6., 30. August. Der um 11 Uhr L Minuten Abends hier etntreffende Schnellzug Frank­furt a. M.'Paris entging vorgestern bet Station Kirn der Rhein-Nahebahn einer schweren G efahr. Ein großer Fels­block war auf daS Geleis gestürzt und auf ihn stieß die Maschine. Der Anprall war so heftig, daß Buffer, Bahn- raumer und Fußtritte wegrasirt wurden. Der ganzen rechten Seite de» ZugeS entlang, namentlich am Pack« und am Schlafwagen, waren die Laufbretter beschädigt oder ab­gebrochen. Passagiere und Zugpersonal kamen mit dem Schrecken davon. Der Zug traf mit halbstündiger Verspätung hier ein.

Elberfeld, 1. September. Minister Thielen, dessen Trauung am Donnerstag stattfindet, ist gestern hier ein­getroffen und besuchte in den Krankenhäusern die bei dem vohwinkeler Eisenbahnunglück Verletzten.

* Zeitz, 28. August. Vor dem Schöffengericht kam ein Fall zur Verhandlung, der davon zeugt, wie weit menschliche Bosheit zu gehen im Stande ist. Ein Landwirth in

Döbris ertappte eines Abends auf einem der ihm gehörigen Felder einen seiner Nachbarn, eifrig damit beschäftigt, den betreffenden Ackerzu bestellen". Bei näherer Unter« suchung de» Säegutes ergab sich, daß eS Uakrautsamen war. Selbstverständlich war diese Art Samen nicht mehr auS dem Felde zu entfernen, und so wuchs denn mit dem Majoran, den der Landwtrth gesäet hatte, leider auch daS Unkraut auf, wodurch dem Manne ein empfindlicher Schaden, der mehrere Hundert Mark betragen soll, entstanden ist. Na« türlich zeigte er den ungebetenen Säemann bei der Staats­anwaltschaft an. Der liebenswürdige Nachbar gestand seine schändliche That ein und wurde zu 100 Mk. Strafe verur- thetlt. Der Landwtrth will nun noch eine Ctvtlklage um Schadenersatz anstrengen.

Chemnitz, 1. September. Au dem Baumeister Wjinkler auS Limbach wurde im Rabensteiver Walde ein Raubmord verübt.

* An» Plauen i. Boigtl. geht derBoss. Ztg." folgende Meldung zu: Zu einer großen politischen Kundgebung, wie sie Plauen bisher nicht gesehen, gestaltete sich die heute früh 7^2 Uhr erfolgte Durchfahrt von 400 Deutschböhmen zum Sedanfest nach Leipzig. Ein vieltausendköpfiges Publikum belagerte den Bahnhof, wo zahlreiche Vereine mit ihren Fahnen Aufstellung genommen hatten. Als der Zug mit den Deutschböhmen etnlief, stimmte die Musikcapelle die Wacht am Rhein" au. Das tausendköpfige Publikum jubelte den Gästen zu. Der Vorsitzende des Verein» Alldeutschland, Kaufmann Baur, hielt eine begeisternde Ansprache an die be­drängten Brüder auS Oesterreich, die mit dem allseitig auf­genommenen Ruf: Germania Heil! schloß. Verschiedene Vereine überreichten Kränze. Zwei Deutschböhmen dankten. Nach einem Vortrag von Gesangvereinen und nachdem ein Ehrentrunk überreicht worden war, erfolgte die Weiterfahrt der Gäste unter jubelnden Kundgebungen der Menge.

* Sine HetrathsVermittlerin tu Braunschweig hat einem biederen Landbewohner im Herzogthum, der nach einer Lebens­gefährtin mit Vermögen trachtete, folgendes verlockende An­gebot gemacht:Ich habe eine Hetratzpartte vor Sie, Die Dame ist Sovort an Platze. Ist Iste Statzjon von B. sie hat Sovort 2000 Thaler bet der Hochzeit. 2000 Thaler nach her, und 4000 Thaler ist Sie Erbin Vaters Bruder, welcher aber schon Todt ist, nur die Frau Lebdt noch. Die hör nur den Genißbrauch dovon. Zuhären wenn sie diese Partie annehmen wollen, den Arbeite ich mit einem der ist Ister an der Bank in O. Denn können sie Sovort 100 Thaler von den in Voraus Kriegen, kommen Sie Morgen in Tage bei mir, den ist alles geregelt den haben Sie ein seer gutes Mädtchen und gleich 2000 Thaler alles Andere kamt von Haus Kartofeln Eier Burter alles Andere. So wie Sie kommen ist Geld da. Mit den Heiraten ist ja kein Pferde« kauf. Sie haben den erste mal Geld. Ich meine es nur gegen sie gut. ES Grüßt" usw.

* Maunhetm, 30. August. AuS dem nahen hessischen Orte Viernheim wird derN. B. L." mitgetheilt: In einer Wirthschaft geriethen heute Mittag fünf Arbeiter, dieblauen Montag" machten, mit dem Landwtrth Bauer tn Wortwechsel, der schließlich in Thätlichketten auSartete. Landwirth Bauer, welcher der Uebermacht seiner Gegner nicht gewachsen war, flüchtete in ein nahes HauS und versteckte sich. Seine Widersacher entdeckten ihn und drangen, mit offenen Messern und einer Axt bewaffnet, auf den wehrlosen Mann eia und erschlugen ihn.

* Heidelberg, 28. August. Durch bübische Hand wurde in vergangener Nacht die Monumentalbüste de» Fürsten Bismarck mit Tinte rheilweise begossen. Die Büste besteht aus weißem carrarischem Marmor- die Flecken dürften sehr schwer zu entfernen sein. Von dem Thäter hat man bis jetzt noch keine Spur. Weiter wird noch ge­meldet: Glücklicherweise blieb der prächtig gearbeitete Kopf von der Besudelung frei. Die Flecken auf der Brust können wohl beseitigt werden. Auf die Ergreifung deS ThäterS hat der Stadtrath eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt.

Straßburg i. 8., 30. August, lieber einen fast ko« mischen Grenzzwischenfall schreibt man auS dem Münsterthale. Letzten SamStag machten Schulkinder eines Dorfes in jener Gegend in Begleitung des Lehrers einen Ausflug nach der Schlucht, einem bekannten und beliebten Ausflugsorte an der deutsch-französischen Grenze. Dabei nahmen sie, wie üblich, eine Fahne mit. An dem Bestimm­ungsorte angekommen, gehen sie einige Schritte über die Grenze und nehmen dabei auch die deutsche Fahne mit. Dies

sieht ein französischer Grenzaufseher, stürzt sich auf die Fahne, reiht daS Fahnentuch von der Stange, zerreißt und zer« stampft es mit den Füßen. Bet den Zuschauern fand dieser AuSbruch eines hirnverbrannten Chauvinismus allerdings wenig Anerkennung.

* Straßburg, 1. September. Ein schrecklicher Un­glücksfall ereignete sich in Bensdorf. Der Sohu de» Förster» Jager war auf eine im Gange befindliche Dampf­walze geklettert, gerieth jedoch infolge eines Fehltritts unter die Maschine. Der Unglückliche, der am Kopf total zerquetscht war, blieb auf der Stelle tobt.

Wien, 1. September. Wie da»Fremdenblatt" meldet, ist der Tourist Franz Schlüter auS Dresden vom Gipfel deS Rosetta abgestürzt. Schlüter wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus geschafft. Die Führer erlitten leichtere Verletzungen.

Der PostdampferFrieSland" derRed Star ßinie* in Antwerpen ist laut Telegramm am 30. August wohlbehalten Newyork angekommen.______________________________________

tüerotur Artnst

Der Komponist Wilhelm Stade, früher Unioersitäts- Musikdirector in Jena, wo er Freundschaft mit Franz Liszt schloß und zum Ehrendoctor der philosophischen Facultat erncmnt wurde, jetzt Hofcapellmetster in Altenburg, feierte am 25. August den 70. Geburtstag. Ueberall bekannt ist seine Komposition des Liedes Auf den Bergen die Burgen."

Univerfitäts - Nachrichten.

Dem auS Zürich nach Preußen berufenen Nationaloconomen Professor vr. Julius Wolf ist nunmehr ein Lehrstuhl an der Universität Breslau übertragen worden.

Göttingen. Der Privatdocent vr. Sommerfeld hier ist zum Professor für Mathematik an der Bergakadrmie in Claus­thal ernannt worden. r

Wien. Der Privatdocent der deutschen technischen Hoch­schule in Prag, Wilhelm Weitz, wurde zum außerordentlichen Professor der Mathematik und analytischen Mechanik an der ge­nannten Hochschule ernannt. _____________________________

ÄrmMitmß in der Syurrgog'

Samstag den 4. September 1897.

Vorabend 6 Uhr, Morgens 8»» Uhr, Nachmittags 4 Uhr: Gchrift<rklLr««g. Sabbathausgang Ubr.

Verkehr, £au6>» unb Volkswirtschaft-

Gieße«, 2. September. Der gestrige Ochsenmarkt bot wieder ein Mal seit langer Zeit eine größere Auswahl. Die Auf­fahrt bestand aus etwa 150 Ochsen und ca. 80 Stieren. Der Han­del, der zu Aniang flau einsetzte, machte sich jedoch g-gen Mitte des Marktes now sehr gut. Es mangelte wieder an schwerem Fahrvieh, wofür die Händler von Außerhalb Nehmer gewesen wären. Das beste 'Laar Ochsen wurde mit Mk. 880 verkauft, dann folgten Thiere für Mk. 700750 und darunter pro Paar. Angelernte junge Fahr- stiere, 1«/,2jährig, wurden mit Mk. 400450 pro Paar gehandelt. Einzelne junge Zuchtbullen, Vogelsberger Rasse, fanden mit Mk. 270 bis Mk. 300 da« Stück willig Käufer. Die Nachfrage nach Zucht­bullen war groß, weil Käufer aus der Gegend des Harzes einen größeren Transport derselben suchten und sich nur mit dem Ankauf einzelner Bullen begnügen mußten. Fettvteh war nicht am Markt. Der Auftrieb war gegen 11 Uhr geräumt. Auf dem Schweine­markt waren 400 Stück aufgeti leben, meistens Mtttelwaare. Der Handel war wegen der zu hohen Preisforderungen der Verkäufer minder lebhaft, doch wurde der vorhandene kleine Vorrath zu Preisen wie bei den letzten Märkten abgesetzt.

LiMhnrg, 1. September. Fruchtmarkt. Roth er Weizen X 16,75, weißer Weizen X 00.00, Korn X 10.85, Gerste X 00.00, Haler X 6.37._______________________

Temperatur der Lahn und Luft

nach Reaumur gemessen am 2. Septbr-, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 14l/,°, Lust 14°.

Rübsamen'sche Badeanstalt.

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Lieferungs- Verdingung.

Für das hygienische Institut soll die Lieferung von:

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50 Ctr. Authraeit Kohlen,

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Die Lieferungs-Bedingungen können an den Wochentagen Vormittags von 9 bis 12 Uhr im hygienischen In« stitut eingesehen werden.

Angebote sind bis zum 21. Sep­tember d. I., Vormittags 10 Uhr, zu welchem Zeitpunkte die Oeffnung derselben erfolgt, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift der Direction des hygienischen Instituts einzureichen.

Gießen, am 1. September 1897. .Hygienisches Institut der Universität

Gießen.

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