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* in Centn p°n Station Groß^ um Ort an der Haupi- ' i“ Wem Geschäft ^^“wnMritatai,' 3R u- geäM, M in btt Sanbe», JW wiib befonbetn ^er für unter btt 1 Betrages abgegeben. Bedingungen.
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Der
$le|fctner Aareiger erscheint täglich, mit Ausnahme bei
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Die Gießmer Aamitienv kälter werden dem Anzeiger vichentlich dreimal beigelegt.
Erstes Blatt
Dienstag den 3. August
Kiehener Anzeiger
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Ausland.
Aus New'Aork wird vom 28. Juli gemeldet: Als heute Vormittag der White-Star-Dampfer „Majestic", von England kommend, hier eingelaufen war, kam eS zu erregten S cenen. An Bord befanden fich meist von England zurückkehrende amerikanische Touristen. Als der Dampfer von Eogland ab> ging, war das neue Steuergesetz noch nicht in Kraft, daher wurde die nach demselben eingeführte Steuerrevifion verhältniß- müßig nachsichtig durchgeführt. Bekanntlich find nach dem neuen Gesetz alle Artikel deS Pafiagiergepäcks steuerpflichtig, welche im Auslande gekauft, den Werth von 100 Doll, übersteigen. Obschon die gewöhnliche Anzahl der Zollbeamten erheblich verstärkt worden war, dauerte die Untersuchung doch dreimal so lange als sonst, und auch das trug gerade nicht zur Erhöhung der Stimmung unter den Reisenden bei. Die Männer schalten und fluchten in allen Tonarten, einige Damen brachen natürlich in Thränen aus, kurz, eS war eine recht animirte Scene. Interessant war eS, einzelne Herren zu beobachten, die an der Vorbereitung des Gesetzes bezw. an der Opposition gegen dasselbe thätigen Antheil genommen hatten. Ein bekannter hiesiger Großhändler, der ein eifriger Schutzzöllner ist, stand schmunzelnd in der Nähe deS Cassirers und sah auf die langen Dollarreihen, welche mürrisch hingezahlt wurden. Er erk ärte, die Sache mache sich brillant, der Ertrag sei augenscheinlich zehnmal so groß als früher. Mr. Elbrtdge Gerry, ebenfalls ein Schutzzöllner, wechselte seine Ansicht während des Vorganges. Während er zu Anfang mit dem Verfahren ganz einverstanden war, hatte er im weiteren Verlaufe, nachdem er über eine Stunde vergeblich gewartet hatte und ihm auch eine Vertretung seiner Person durch einen Courter abgeschlagen worden war, die Laune gänzlich verloren. Er ging als ein enragirter Gegner an Land. Die Zollbeamten gaben übrigens die tröstliche Versicherung, daß das Verfahren in Zukunft in viel schärferer Weife durchgeführt und daß ein jeder Paffagier verhaftet werden würde, der versuchen sollte, sich der Revision zu entziehen.
Aintttichcv Tyeit
Gießen, den 30. Juli 1897.
Bett.: Die Anschaffung des von der Forftverwaltung für die Commnnalwaldungen zu verwendenden Formular- papierS; insbesondere Ersatz der hierdurch für 1896/97 entstandenen Kosten.
Has Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
«n die Grstzd. Bürgermeistereien deS Kreises.
Nach den unS von Großh. Ministerium der Finanzen, j Abtheilung für Forst- und Cameralverwaltung, zugegangenen Verzeichnissen haben die nachstehenden Bürgermeistereien für die angegebene Waldfläche den beigesetzten Beitrag für das zur Bewtrthschaftung der Communal-Waldungen verwendete Formularpapter an das betreffende Rentamt pro 1896/97 zu bezahlen.
Wir beauftragen Sie, die entsprechende AuSgabeanweifung dem Gemeinde-Einnehmer zu ertheilrn.
v. Gayern.
Namen
Rentamt
Waldfläche
Beitrag
der Waldeiaenihümer Allendors a. d. Loa., Gemeinde
Gießen
Hectar
577.3
JL 5.49
Allertshausen,
ff
If
53 6
—.51
Beuern,
II
276.9
2.63
klimbach,
II
34.6
—.33
Kroßen-Buseck,
If
If
364.9
3.47
-esseibach,
II
II
62.2
—.59
Londorf,
If
II
98.3
—.93
Mainzlar,
II
If
131.1
1.25
Staufenberg,
II
ff
235.2
2 23
rreiS a. d. Lba.,
If
If
207.7
1.98
Altrn-Buseck,
u
190.5
1.81
Annerod,
V
II
147.4
1.41
Daubringen, Gießen,
II
II
n
73.7
1307.4
—.70 12.43
Lollar,
N
if
91.6
—.87
Rödgen,
ii
69.5
—.66
Ruttershausen, Meseck, Albach,
H
if
if
ii
85.—
274.4
110.5
—.80
2.61
1.06
Mendorf a. d. Lahn,
II
<1
19.9
—.19
Garbenteich
If
II
68.6
—.65
Großen-Ltnden, Hausen, Lang-Göns, Leihgestern,
If
If
If
ff
II
II
II
II
202.1
32.5
398.3
197.7
1.92
—.31 3.79 1.88
-43 1.85
Oppenrod, Reiskirchen,
II
II
V
II
45.7
194 9
Steinbach,
w
If
195.7
1.86
Äatzmborn-Steinberg, BerSrod,
If
II
35.6
131 6
—.34
1.25
Geilshausen,
II
II
113.4
6.6
1.08
-.06
Göbelnrod,
II
u
Grünberg, Harbach, Lauter, Odenhausen,
II ■
H
H
II
If ff
415.1
18 9
84
78.1
15 7
3.94
—.18
-.08
—.74
Oueckborn, tkinhardshain, Saafen,
If
ff
II
If
u
8 6
5.6
—.08
-.05
Weickartshain,
1/
n
101
—.10
Birklar,
w
ii
3.9
—.04
Märkerschast,
II
ff
29.3
—.28
Ettingshausen, Hattenrod, Hungen, Langsdorf, Lich, Münster, Dieder-Bessingen,
w w If
II If tf
II II II w
II II u
287.2
111 3
441 —
4«.3
898.5
22.9
150.6
2.73
1.06
4.19
4.10
8.55
-.22
1.43
Oder-Besstngen,
If
w
93.9
*.89
Grüntngen,
Vorf-Güll, Grüntnger
Märkerschaft „
5 9
168.2
0.05
1.60
Bellersheun,
ff
171 8
‘ 163
Gemeinde
If
17 9
—.17
Bettenhausen, „
n
11.6
—.11
Märkerschast
w
89.6
—.85
Mufchenheim, Gemeinde
M
9.2
—.09
Märkerschast
ff
100.2
— 96
Ronn nroth,
Gemeinde „
130.5
1.24
Rötbges,
Bringen,
U
II
63.7
290 4
—.61
2.76
Groh- und Klein-Lumda,
ff
16.5
—.16
Stangenrod,
ff
33.5
—.32
Holzheim, Gemeinde
Friedberg
21 7
—.21
Märkerschast
ii
57.—
—.54
Obbornhofen, Gemeinde liodhetm a. d. Horl., Gemeinde
Nidda
103 5
89.7
—.98
-.85
Steinheim,
If
n
138.2
1.32
3onßb,
If
38.2
—.36
RüddtngShausen,
II
Alsfeld
144.6
1.37
Mitershain,
If
n
89 3
—.85
Deutschland und England.
Die Kündigung deS deutsch englischen Handelsvertrages seitens der britischen Regierung ist nicht etwa überraschend
• gekommen- sie stand schon seit der Zeit in Aussicht, al- die gesetzgebenden Factoren von Canada jenen bekannten Beschluß faßten, englische Waaren zu um 12 pCt. niedrigerem Zollsätze zuzulassen, als die Waaren anderer Länder, was den Bestimmungen des deutsch-engltschen Vertrages widersprach , welcher festsetzte, daß Deutschland unter denselben Bedingungen die Einfuhr in die englischen Colonien gestattet sein soll, wie dem Mutterlande. Außerdem aber ist seit einiger Zeit eine lebhafte Agitation im Gang für Begründung einer Zollunion der Colonien mit England, wodurch der englischen Industrie unter Ausschluß jeder anderen Con- currenz der große coloniale Markt gesichert werden soll.
Seit 33 Jahren find unsere Handelsbeziehungen zu England vertragsmäßig festgelegt, und im Allgemeinen haben sich beide The'.le gut dabei gestanden. Besonders für unsere Industrie erweist sich die Kündigung als ein schwerer Schlag, und sie wird eine Beunruhigung Hervorrufen, welche geeignet ist, große Schädigungen nach fich zu ziehen. Es wird dies um so begreiflicher, wenn man bedenkt, daß der Werth unserer Ausfuhr nach England und seinen hauptsächlichsten Colonien den vierten Theil unserer GesammtauSfuhr — im Jahre 1895 775 Millionen Mk. — auSmachte. Davon waren ca. 200 Millionen Mk. landwirthschaftliche Producte, so daß auch die deutsche Landwirthschaft von dem Ereigniffe betroffen wird. BemerkenSwerth ist eS immerhin, daß das einzige Land, welches noch dem Freihandel huldigte und bis- der defien stärkste Beste war, nunmehr ebenfalls mit seinen Traditionen gebrochen hat, um der Rivalität der Schutzzoll- staaten entgegenzuwirken, und selbst in die Reihe dieser Staaten etntritt.
Der englische Botschafter in Berlin hat, als er den amtlichen Stellen die Kündigung des Handelsvertrags übermittelte, sofort Vorschläge wegen Einleitung neuer Verhandlungen gemacht. Hieraus ist zu ersehen, daß man allzu großen Befürchtungen sich hingegeben hat, wenn man vernahm, in England stehe der Beginn einer vollständigen Schutzzoll-Aera bevor. Darüber finden sich in dm maßgebenden englischen Blättern keinerlei Andeutungen- auch die am Freitag im Unterhause angenommene Bill, welche die Einfuhr von in Gefängniffen hergestellten Waaren verbietet, hat keine weittragende Bedeutung, obgleich fie eine Durchbrechung der Freihandelsprinciptm ist und ihre Spitze gegen Deutschland richtet. Zur Beruhigung der Gemüther kann übrigens nicht oft genug betont werden, daß durch die Aufhebung de- Handelsvertrags Deutschland nicht der alleinige geschädigte Theil ist, daß auch die Engländer ebenso großes j Interesse haben wie wir, daß unsere Handelsbeziehungen zu ! ihnen in irgend einer Weise geregelt werden. Deshalb ist i nach der ersten Erregung über das Ereigniß auch bereits j eine grwiffe Beruhigung eingetreten, und wir geben und der ! Hoffnung hin, daß es gelingen wird, ein für beide Theile günstiges neues Abkommen zu treffen.
Man hat in diesen Tagen vielfach behauptet, politische Rückfichten seien bei der englischen Regierung für die Aufhebung deS Vertrages maßgebend gewesen. Dem möchten wir jedoch widersprechen. Noch länger als auf handelspolitischem Gebiete ist Deutschland in Bezug auf die allgemeine Politik mit England verbunden gewesen, und wohl noch niemals hat Jemand unter uns daran gedacht, daß eS zwischen beiden Ländern zu einem ernsten Zwischenfall kommen könnte. Als England nach dem Bekanntwcrden der Depesche Kaiser Wilhelms an den Transvaal-Präfidenten Krüger mit dem Säbel raffelte und sogar ein „fliegendes Geschwader" gründete, welches als eine Demonstration gegen Deutschland auszufaffcn war, da glaubte Niemand unter unS an einen Ernstfall, im Gegentheil hat damals die Haltung der Eng- länder viel Heiterkeit erregt. Und schließlich beruhigten sich die Gemüther wieder, nachdem man in einzelnen englischen Städten Ungezogenheiten gegen deutsche Untertanen begangen hatte. In der ostasiatischen Frage und in den Orientwirren haben sich vielfach die Anfichtrn der deutschen und der englischen Diplomaten gekreuzt - besonders im japanisch-chinesischen Kriege hat Deutschland den englischen Absichten durch fein Zusammengehen mit Rußland einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber das Aller tonnte fein Grund für die englische Regierung fein, einen so mächtigen Schritt zu thun, den Handelsvertrag zu kündigen, umsomehr als die politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern jetzt wieder ganz leidliche find. Die Engländer find ein Krämervolk, Verdienst wird bei ihnen noch größer geschrieben, als anderwärts. Sie können es nicht ruhig mit ansehen, daß die in ^n letzten Jahren mächtig ewporgeblühte deutsche Industrie sich auf dem Weltmärkte einen Namen zu machen beginnt, der den englischen zu verdunkeln droht. AuS diesem Grunde suchen fie unS zu schädigen. Aber Aller wird ihnen nichts nützen,
immer mehr wird die deutsche Industrie zur Geltung kommen, und immer mehr Absatz werden diejenigen Waaren erlangen, auf denen der Stempel fich befindet: „Made in Germany*. (xx)
Deutsches Reich
Berlin, 31. Juli. Wie aus verbürgter Quelle mit- getheilt wird, beschäftigt sich die Regierung seit einiger Zeit mit dem Plane, in Berlin eine Centralstelle für den Mehl- und Getreidehandel zu errichten und zwar sollen Mehl- und Getreidemarkt besonders organifirt werden. Die PreiSnotirungen sollen dann als officielle Notirungeu gelten. Vorläufig wird die Angelegenheit noch diSeret behandelt, jedoch ist ziemlich gewiß, daß die LandwirthschaftS- kammern daran betheiligt find.
Frankfurt a. M., 31. Juli. Die „Franks. Ztg." meldet aus Hamburg: Die Commission des Hamburger Gewerkschafts-CartellS verbreitete durch Straßen- Anschlag ein Flugblatt 'mit der Ueberschrift: „Socialer Friede oder Krieg", welches fich gegen den bekannten Erlaß der Altonaer Eisenbahn-Direction gegen den Beitritt der Eisenbahner zur Organisation wendet. Eine Volksversammlung wird einberufen behufs Besprechung der neuesten Maßregelungen gegen 17 Arbeiter und des CoalitionSrechtS der Eisenbahner.
Köln, 31. Juli. Gegenüber den Blättermeldungen, daß Minister v. Miquel in seiner Abgeordnetenhausrede am 24. ds Mts. bei den Agrariern die Hoffnung habe wecken wollen, daß unter seinem Schutz sich nunmehr im Deutschen Reiche der Uebergang zur Doppelwährung vollziehen werde, schreibt die „K. Z.": Miquel habe sich noch vor einigen Tagen unbedingt für die Goldwährung ausgesprochen. AlS der Staatsrath seine Erörterungen über die Währungsfrage abgeschlossen und der Kaiser, der den Vorfitz geführt hatte, den Gesammteindruck der Berathungen kurz und bündig zusammengefaßt hatte, fand am selben Abend das alljährliche Essen statt, welches Oberpräsident v. Achenbach dem brandenburgischen Provinziallandtage, dem der Kaiser beizuwohnen pflegt, gegeben hatte. An diesem Abend nahm Herr v. Miquel Gelegenheit, vor Zeugen dem Kaiser zu danken für die klare und überzeugende Zusammenfaffung der wichtigsten, in der Währungsfrage ausschlaggebenden Gesichtspunkte und auch seinerseits zu betonen, daß er ein überzeugter Anhänger der Goldwährung sei.


