Ausgabe 
3.7.1897 Erstes Blatt
 
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Der

Hietzener Knzeiger erscheint täglich, tnit Ausnahme de» Montags.

Die Gießener

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Gießener Anzeiger

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Lmtüche* Lheü.

Gießen, den 1. Juli 1897. Bstr.: Die Vertilgung der Blutlaus.

Hat Grotzherzogliche Kreisamt Gieße« e* die Arstzh. Bürgermeisterei, M Preises

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Erledigung unserer Verfügung vom 16. Juni d. I. Gießener An­zeiger Nr. 140 im Rückstände sind, werden hieran mit Frist von 3 Tagen erinnert.

v. Gag ern.

Gießen, den 1. Juli 1897.

Betr.: Die Herrichtung der Schullocalitäten während der Ernteferien.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

au die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß wir die pünktliche Erfüllung der Vorschriften in rubricirtem Betreff von Ihnen erwarten. Der Anstrich der Wände in den Schulzimmern muß mindestens alle zwei Jahre erneuert werden. (Ausschreiben Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Abtheilung für Schulangelegenheiten, vom 29. Juli 1876.)

v. Gagern.

Hausen, am 30. Juni 1897.

Betr.i Gustav-Adolfsfest in Beuern.

Der Vorstand des Gießener Ztneigvereins der Gustav-Adolf-Stiftung

an die Gemeinden des Bereiusbezirks und die Localvereine.

Das Jahresfeft des Gießener Zweigvereins der Gustav- Adolf-Stiftung soll Mittwoch den 7. Juli in Beuern gefeiert werden. Der Vormittagsgottesdienst beginnt um 10 Uhr. Die Festpredigten haben die Herren Pfarrer Ahlheim in Münster und Freundlieb in Ulrichstein zugesagt.

Wir laden die zum Bezirk gehörigen Gemeinden, die Localvereine, insbesondere auch den so rührigen, verehrlichen Frauenverein in Gießen, ein, sich mit den Herren Geistlichen und Lehrern recht zahlreich an der Feier zu betheiligen. Von der Generalversammlung, die aus den Geistlichen und je zwei Laienmitgliedern gebildet wird und während des Festes zusammentritt, sind auch diesmal den Statuten gemäß Wahlen vorzunehmen. Die Herren Geistlichen werden er» gebens! ersucht, je zwei Mitglieder des Localveröins zum Mit­kommen zu veranlassen.

Für den Vorstand:

Wahl.

WolffS telegraphische« Correfvondenz-Bureiu

Berlin, 1. Juli. Infolge de» BravdeS tn der Thausfeestraße wird ein Sattler der Omnibus Gesell­schaft noch vermißt. 65 Pferde wurden tobt aufgesunden. 100 Wagen und 10 Locomobtlen find verbrannt. DaS Be­finden der verunglückten Feuerwehrleute ist leidlich, anscheinend schwebt keiner in Lebensgefahr. Die Feuerwehr wird voraus­sichtlich durch 8 Tage auf dem Brandplatze beschäftigt sein. Als Entstehungsursache wird ein auS einer Schlosseret in die Häckselschnetverei geflogener Feuerfuvke angenommen.

Hamburg, l.Juli. Ein bet der Rhederet deS Dampfers Rhein beck" eingetroffene- Telegramm aus Kon­stantinopel meldet:Der Dampfer sank beim Aus­laufen auS dem Konstantinopeler Hafen nach einer Colltfion mit dem Hamburger BergungsdampferBerthilde" in tiefem Wasser. Der Menfchenverluft ist erheblich. Bon der etwa 20 Personen betragenden Mannschaft wurden nur der Capt- lau, der zweite Steuermann und vier Matrosen und Heizer .gerettet. Die Uebrigen werden vermißt. Die Anzahl der auf dem Dampfer befindlichen Paffagtere ist unbekannt/

Stuttgart, 1. Juli. Heute Nacht hauste ein orkan­artiges Unwetter mit Gewitter, Sturm und Hagel in Franken, sowie am unteren Neckar, namentlich Oehringen wurde schwer hetmgesucht. Zahlreiche Bäume fiad entwurzelt, die Weinberge und sonstige Culturen durch Hagelschlag völlig zerstört. ES ist großer Schaden an Ge- -läuden und Gebäuden augerichtet. Minister Ptschek reist heute .nach Oehringen.

Stuttgart, 1. Juli. Heute Nacht wüthete ein furcht­bare- Unwetter tu den Oberämtern Neckarsulm, WeinS- berg, Oehringen, Künzelsau, Gerabronn und Hall. Zahllose Fenster wurden zertrümmert, Dächer abgehoben, Fabrik- chornftetne umgeworfeu. Tausende von Obstbäumen wurden theilS entwurzelt, theilS umgekntckt, Felder und Weinberge auf weite Strecken von hühnereigroßen Hagelkörnern völlig vernichtet. Der Schaden ist sehr beträchtlich und beläuft fich jedenfalls auf mehrere Millionen Mark.

Hetlbroun, l.Juli. Ein orkanartiger Gewitter­sturm von außerordentlicher Heftigkeit brach tu vergangener Nacht über Stadl und Umgebung los und richtete greuliche Verheerungen an. Dächer wurden abgedeckt und Kamine eiugertsien. Schrecklich find die Verwüstungen an den Bäumen. Die Nachrichten vom Lande lauten trostlos. Die Ernte ist strichweise vollständig vernichtet- zahllos bedecken Obstbäume die Landstraße und hemmen den Verkehr. Menschenleben find glücklicher Weise nicht zu beklagen. Die Telephon- leitungen nach auswärts find zerstört. Der Schaden ist un­übersehbar.

Heilbronn, l.Juli. Die HiobSposten über die UnglückS- nachl mehren fich von Stunde zu Stunde. Außer ben Be­schädigungen an Gebäuden haben die Weinberge und Obst­bäume hier großen Schaden erlitten. Fürchterlich gewüthet hat das Unwerter auf dem Lande. In den Orten Neckar- gartach, Massenbach, Schwaigern und Gemmingen find viele Häuser demoltrr und die Ernte vernichtet worden. In OberetseSheim soll ein einstürzendeS Haus zwei Kinder er- schlagen haben. In Neckarsulm, wo es grauenhaft auSfieht, wurde der Thurm der neuen evangelischen Kirche eingerissen. DaS ganze Weinsberger Thal ist von hier bis Oehringen stark verwüstet worden. Die Arbeit eines Menschenlebens ist zerstört.

Wien, 1. Juli. Das bei der Rettung der Be­mannung des infolge eines Zusammenstoßes gestern im Konstantinopeler Hafen verunglückten deutschen Dampfer« Retnbeck" betheiligte österreichisch-ungarische BootHum" näherte fich auf Zuruf des in höchster Gefahr befindlichen Kapitän- nochmals dem Dampfer, wurde hierbei von dem finkenden Schiffe erfaßt und zum Kentern gebracht. Die Leichen der hierbei ertrunkenen beiden österreichischen Matrosen find bisher nicht aufgefuuden worden. Die bei dieser Rettungs- that von der Bemannung desHum'" bewiesene Todesver- achtung fand allseitig die vollste Anerkennung.

Brüssel, l.Juli. Dem unabhängigen Kougoftaat ist ein Telegramm mit Nachrichten aus Stanley falls zu­gegangen, welche bis zum 14. Mai reichen. Nach diesem hatte kein neuer Zusammenstoß mit den aufständischen Sol­daten der Batetelas stattgefuaden. Letztere setzten ihren Marsch in südlicher Richtung fort. Lieutenant Henri hatte das Fort Arakubi verlassen, um die Batetelas zu verfolgen. Baron Dhanis ist in der Richtung auf Ktrundu und Nyangwe abgegangen.

Parts, 1. Juli. Wie glaubwürdigerseit- mitgetheilt wird, dürfte die Ereditvorlage für die russische Reise FaureS gegen 500,000 Francs betragen und am SamStag in der Kammer eingebrachr werden.

Madrid, 1. Juli. Nach Meldungen aus Manila ist durch einen vulkanischen Ausbruch de- Berges Mayou die Ortschaft Libong zerstört worden. 120 Einwohner sollen dabet ums Leben gekommen sein.

Madrid, 1. Juli. Eine Depesche auS Tanger meldet, die Truppen des Sultan- seien von den aufständischen Stämmen geschlagen worden- alle Gefangenen seien getödtet worden.

Loudon, 1. Juli. Nach einer Meldung de-Standard" aus Athen von gestern verlautet daselbst, es werde ein BerwaltungS»Ausschuß unter dem Schutz der deutschen und französischen Regierung gebildet werden, der bestimmte, genau festgesetzte Zweige der griechischen Staatseinnahmen verwalten und als Bürge für den Dienst der Kriegsent­schädigungs-Anleihe, sowie den der alten Schuld dienen soll.

PorlSmouth, 1. Juli. Die zur Flottenrevue bet Spithead versammelten Schiffe begannen heute den hiesigen Hafen zu verlassen. Die franzöfischen und russischen Kriegs­schiffe liefen zusammen au«. Die königliche YachtVictoria und Albert" ging nach Sherneß, wo fich die Kaiserin Friedrich etnschiffen wird.

Kauea, 1. Juli. Da viele Mohamedaner gegen die Absendung türkischer Truppen nach Kandta pro- testirten, schiebt der Gouverneur den Abmarsch auf. Admiral Canevaro besuchte J-mail Pascha nnd beschloß, T'kalaria sofort zu besetzen, worauf die türkischen Truppen abrückeu sollen.

Washington, l.Juli. Der Schatzsecreiär Gage äußerte einem Berichterstatter gegenüber, die Finanzen befiadeu fich in gutem Zustande. Er glaube sicher, daß sie binnen Jahresfrist sogar noch bester werden. Die Goldreserve be­trage 141 Millionen gegen 102 Millionen vor einem Jahre. Die Nervosität sei geschwunden, das Vertrauen wieder her- gestellt. Die Goldanhäufung bet den Banken habe aufgehört. Der Schluß de- Finanzjahres werde die Annahme einer neurn Tarifvorlage bringen und somit den Kaufleuten ge­regelte Zustände schaffen und auch der Regierung hinreichende Einnahmen zu ihrem Bedarf geben. Der Schatzsecreiär er­klärte sich schließlich zu Gunsten einer Abänderung de« Wäh- rungs- und Bankenwesens auf sicherer und gesunder Grund­lage auf dem Wege der Gesetzgebung.

Depeschen de« Bureau »Herold/

Berlin, 1. Juli. DerReichsanzeiger" schreibt: Se. Majestät der Kaiser haben allergnädtgst geruht, dem StaatS- secretär der Innern, Staatsminister v. Bötticher die nach­gesuchte Dienstentlassung zu ertheilen und denselben von der allgemeinen Stellvertretung des Reichskanzlers zu entbinden, sowie den bisherigen Staat-secretär des RetchSschatzamt-, Grafen v. PosadowSkh.Wehner, zum StaatSsecretär de-Innern und den Generallieutenant z. D. v. PodbielSky zum StaatSsecretär des ReichSpostamt- zu ernennen- ferner den StaatSsecretär de- Innern Grafen v. PofadowSki- Wehner mit der allgemeinen Stellvertretung des Reichs­kanzler- nach Maßgabe des Gesetze- vom 17. März 1878 (§ 2) zu beauftragen. Ferner meldet derStaatsanzeiger": Se. Majestät der König haben Allergnädtgst geruht, dem Vicepräsidenten des StaaiSministeriumS Dr. v. Bötticher die nachgesuchte Dienstentlassung unter Belassung de« Ranges und Titels eines Staatsministers zu ertheilen, sowie den Staats- und Finanzminister Dr. v. Miquel zum Vice- präfidenten des Staat-mtnisteriumS und den StaatSsecretär des Innern Grafen v. PofadowSky-Wehner zum Staat-- Minister und Mitglied des Staat-mtnisteriumS zu ernennen.

Berlin, 1. Juli. DerLocal-Anzeiger" meldet auS Friedrichsruh: Heute Mittag nach 12 Uhr ist der Großherzog von Sachien-Weimar hier etngetroffen. Er wurde vom Fürsten Bismarck in Kürassier-Uniform empfangen. Die Herrschaften begaben fich zu Fuß nach dem Schloß, wo das Frühstück eingenommen wurde. Kurz nach 2 Uhr verließ der Großherzog Friedrichsruhe mit dem Hamburger Schnellzug. Fürst Bismarck geleitete ihn bis an den Zug.

Berlin, 1. Juli. Der Präsident des Herrenhauses, Fürst zu Wied, hat sich heute nach Kiel begeben.

Berlin, 1. Juli. In einem längeren Artikel macht die Kreuzzeitung" der Regierung den Vorschlag, im Falle der Ablehnung deS vom Herrenhause abgeänderten Vereinsgesetzes durch das Abgeordnetenhaus dem Reichstage ein So eia- listengesetz vorzulegen, und wenn dies, wie zu erwarten, abgelehnt werde, fich nochmals an das Abgeordnetenhaus zu wenden. Versagt letztere- dann wiederum seine Mitwirkung, so könnte die Frage der Auflösung in Erwägung kommen. DaS genannte Blatt kann sich keine bessere Wahlparole denken alS den Kampf gegen die Umfturzparteien.

Kiel, 1. Juli. Prinz Heinrich von Preußen ist an Bord deSKönig Wilhelm" von den Jubiläumsfeierlich­keiten in England durch den Kaiser-Wilhelm-Eanal kommend heute Nachmittag 3 Uhr hier eingetroffen. Bald nach der Ankunft des Schiffes begab fich Prinz Heinrich an Bord der Hohenzollern, um den Kaiser zu begrüßen.

Hamburg, 1. Juli. Der SchnelldampferAugusta Victoria" tritt heute seine Nordlandsreise mit 300 Passagieren an, worunter der Erbprinz Hohenlohe- Schillingsfürst, Contreadmiral Koch, mehrere RegieruugSräthe und wie bereits gemeldet, viele Berliner Offiziere.

Budapest, 1. Juli. Als gestern der König von Siam ins Stadtwäldchen fuhr, carambolirte deffen Wagen mit einem Fuhrwerk, deffen Pferde scheu geworden waren. Die Geistes­gegenwart des Kutscher- des Königlichen Wagens rettete den König davor, daß ihm die Deichsel deS anderen Wagens durch die Brust fuhr. Der König setzte dann unbehindert seine Fahrt fort.

Brüssel, l.Juli. Der Ausstand im Kohlenbecken von MonS wächst noch immer. 16 500 Bergarbeiter find bereit- ausständig.

Pari», 1. Juli. Die Conferenz des Präfidenten Faurc mit Loubet und Brisson bezweckt die Erörterung darüber, ob die Creditforderung für FaureS Reife nach Ruß­land von einer regelrechten Botschaft des StaatSchefS an die Kammer und den Senat begleitet fein soll oder ob Melines Rede zur Motivirung dieser Forderung Alle« ent-