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Äelffl telegraphische« Lorresp»nden,-»«r«m.
Berlin, l.Juni. Der Kaiser empfing nach der Parade den StaatSsecretär des Auswärtigen Frhrn. v. Marschall zum Vortrage.
Berlin, 1. Juni. Nachmittags fand im Weißen Saale de« Königlichen Schlöffe- und in den angrenzenden Sälen das große Parade-Diner statt. Das Kaiserpaar betrat nach Vorantritt des Oberhofmarschalls Grafen zu Eulenburg unter den Klängen des Pariser EinzugSmarscheS den Saal. Der Kaiser trug GeneralSuntform mit dem Bande des Schwarzen AdlerordenS. DaS Kaiserpaar nahm unter dem Thronhimmel Platz. Neben dem Kaiser saß die Prinzessin Friedrich Leopold, neben der Kaiserin Prinz Friedrich Leopold. Unter den Anwesenden befanden sich Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, die StaatSsecretäre v. Boetticher und Freiherr v. Marschall, die Minister v. Miquel, Dr. Bosse, Schönstedt, Thielen, v. d. Recke, Brefeld usw.
Berlin, 1. Juni. Gesuche von Kriegervereinen um Allerhöchste Verleihung des NamenS „Wilhelm I.", „Kaiser Friedrich III." re. werden von zuständiger Seite nur dann befürwortet, wenn ein genügender Anlaß zu einer derartigen Allerhöchsten Auszeichnung vorzuliegen scheint. Die kürzlich von einigen Blättern gebrachte Nachricht, daß nach einer Verfügung deS Ministers des Innern und des KrtegsministerS die Führung des Namens „Kaiser Friedrich" den Krieger- vereinen untersagt sei, beruht auf Erfindung.
München, 1. Juni. Umgeben von den Prinzen und Prinzessinnen deS Königlichen Hauses und mehreren fremden Fürstlichkeiten eröffnete heute Vormittag der Prinz-Regent die internationale Kunst-Ausstellung im GlaS- palaste.
Athen, 1. Juni. Die „Ephemeris" veröffentlicht Enthüllungen über die Ethntke Hetairia. Der Vorsitzende des BerwaltungSratheS derselben sei der ehemalige Bürgermeister von Athen, Michel Melao. Zu den Mitgliedern sollen unter Anderen gehören: der UniverfitätSprofeffor CawpoS, der Syndikus im Finanzministerium LykondtS und sieben Offiziere. In einem besonderen Artikel des Statutes der Gesellschaft werde bestimmt, daß der König und die Mitglieder der Königlichen Familie in keinem Falle Mitglieder der Gesellschaft werden können. Das Blatt bezweifelt, daß die Kronprinzessin Michel Melao in seiner Eigenschaft als Vorsitzenden der Gesellschaft empfangen habe, um aus seinen Händen ein Geschenk von 20 000 Drachmen für die im Kriege Verwundeten entgegenzunehmen. DaS Blatt fordert, daß eine gerichtliche Verfolgung gegen die Gesellschaft eingeleitet werde, die durch ihre Handlungen gegen daS Gesetz verstoßen habe. _____________
Depeschen deS Bureau „ftcrolb/
Berlin, 1. Juni. Die Kaiserin ist bei der heutigen Parade zum Chef deS Garde-Grenadter-RegimentS Nr. 5 ernannt worden.
Berlin, 1. Juni. DaS Abgeordnetenhaus hat sich heute nach Erledigung kleiner Vorlagen bis zum 22. Juni vertagt. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung steht zu-
Felix SchweighoferS Gastspiel importtrte. Karl weis ein Wiener Kind, mit seinem wirklichen Namen Carl Weiß genannt, hat sich schon in manchem bühnenfähtgen BolkSstück versucht. Auch sein „Grobes Hemd" trägt manchen guten Zug an sich, wäre um seiner Tendenz willen aber bester ungeschrieben geblieben. Der Autor will leinen reichen jungen Mann, der sich für sociale Ideen begeistert, etwa so kurtren, wie man von der „Verschwendung" oder dem „Größenwahn" kurirt. Im Theater fitzen aber heutzutage schon auf allen Plätzen Leute, die für eine solche lustspielartige Austastung deS ernsten Themas keine Stimmung aufbrtngen können.
In der Oper hat mav sich höchst ausführlich und theil- weise unter Herbeiziehung von Gästen (die Herren Vogl und AntheS) mit Wagner beschäftigt und bei der Neu- einstudtruag des „RtugS der Nibelungen" eine wohlthnende Pietät für die wahre Gestalt der Partitur an den Tag gelegt. Die barbarischen Striche, die bisher namentlich die „Walküre" verstümmelten, find verschwunden und daS gefürchtete Gefühl der Ermüdung hat sich nicht eingestellt, int Gegentheil zeigte daS Publikum, dem jetzt wieder einmal die tragische Bedeutung des Wotaa-CharacrerS und der auf ihr beruhende dramatische Conflict unverkürzt dargelegt wurde, eine erhöhtere Antheilnahme an den Vorgängen.
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Erstes Blatt
Donnerstag de» 3 Juni
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Gießener Anzeiger
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LvrtUch«* tbtiL
Gt rßen, am 2. Juni 1897.
B etr.: Die Aussicht über das Fastivieh.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gieße« au die Großh. Bürgermeistereien der zum Kör- bezirk Grünberg gehörenden Gemeinden
des Kreises.
Die Besichtigung der Gemeiude-Zuchtstiere, Zuchteber, Ziegen- und Schafböcke durch die Körcommisfion Grüuberg wird an folgenden Tagen stattfinden:
1. am 3. Juni: Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Nonnenroth, Vtllingen, RöthgeS -
2. am 9. Juni: Göbelnrod, Saasen, Lindenstruth, Hattenrod, Harbach -
3. am 11. Juni: Beltershain, ReinhardShain, Winnerod, BerSrod, Beuern -
4. am 14. Juni: Lumda, Wettershain, RüddingShausen, Odenhausen, Geilshausen -
6. am 18. Juni: Keffelbach, Londorf, Allendorf a. d.Lda., TretS, Climbach, Allertshausen -
6. am 21. Juni: Grünberg, Stangenrod, Stockhausen und Weickartshain.
Sie wollen die Halter der Faselthiere anweisen, an den bezeichneten Tagen zu Hause zu bleiben und die Thiere der Körcommisfion bei deren Eintreffen vorzuführen, fich auch selbst bereit halten, um der Commtsfion auf Nachsuchen förderlich zu sein.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend: die Abhaltung von Dtehmärkten.
Infolge Verfügung Großh. Ministeriums de- Innern oom 22. Mai l. I. ist die Abhaltung des ZuchtviehmarkteS za Schotten (am 8. Juni I. IS.), des Viehmarkte- zu Vobeuhaufen II (am 10. Juni l. IS.), des Viehmarktes za Laubach (am 15. Juni I. IS.) unter nachstehenden Be- diagungen genehmigt worden:
1. Für den Auf- und Abtrieb ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen.
2. Auf den Markt dürfen nur Thiere au- unverseuchten Orten der Provinz Oberheffen und des Kreises Gelnhausen, Thiere von Händlern nur dann, wenn sie mindestens sieben Tage in unverseuchten Orten der Provinz Oberheffen in seuchenfreiem Zustande zu- gebracht haben, aufgrtneben werden.
Reim Auftrieb der Thiere ist durch eine streng zu handhabende Controle der betreffenden Ursprungs- zeugniffe zu verhüten, daß andere Thiere auf den Markt gebracht werden.
3. Außer der Controle der Ursprungszeugnisse hat auch die thierärzrliche Besichtigung der Thiere vor dem Auftrieb zu erfolgen.
Schotten, den 28. Mai 1897.
Großherzogliches KreiSamt Schotten.
Schö n feld.
Bekanntmachung,
betreffend: das Ober-Ersatzgeschäft für 1897.
Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1897 wird im Kreise
Gießen
Dienstag den 15. Jnni im Rathhause zu Lich, Vor
mittags 8 Uhr,
Mittwoch den 16. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Freitag den IS. Juni in der Restauration „Zum Lonys
Bierkeller", Westanlage, zu Gießen, Vormittags 8 Uhr, Samstag den 19. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Montag den 21. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Dienstag den 22. Juni im Gasthaus „Zum Rappen"
zu Grünberg, Vormittags 8 Uhr, stattfinden.
Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzoglichen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie- Brigade in sämmtlichen Aushebungsorten zu ge- stellen:
a. die für dauernd untauglich befundenen Militärpflichtigen, soweit denselben eine besondere Ladung zugeht;
b. die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Mili- tärpflichtigen;
c. die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Mili- tärpflichttgen;
d. die von der Ersatz-Commission als tauglich und einstellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich derjenigen aus früheren Jahrgängen;
e. die von den Truppentheilen zur Disposition der Ersatz-Behörden entlaffenen Soldaten;
f. die von den Truppenrheüeü abgewresenen einjährig Freiwilligen.
Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden besondere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 5 Tagen anzuzeiaen. Die Militärpflichtigen sind außerdem anzuweisen, ihre Loosungsscheine mit zur Stelle zu bringen.
Die zur Beurteilung von Reklamationen in Betracht kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen.
Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich anznzeigen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weg- gezogen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist.
Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober- Ersatz-Geschäfte bis zum Schluß des gesammten Geschäfts selbst anwesend zu sein, um bei der Untersuchung von Felddienstuntauglichen sowie Invaliden ev. Auskunft geben zu können, auch haben sich dieselben darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen, den Ladungen entsprechend, eine Stunde vor Beginn des Geschäfts zur Stelle sind.
Gießen, am 29. Mai 1897.
Der Civil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission des Kreises Gießen.
Dr. Wallau.
Feuilleton.
Frankfurter Dries.
(Origtnalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
(Nachdruck verboten.)
3ho Schireider'schen Kuustfalou. — Novität im Schavspielhause. Siu Wagner CyelllS in der Oper.
Dr. M Die farbige Behandlung von Statuen, die in
allen Schulästhettken voch als höchst uvkÜnstlertscheS Verfahren verpönt wird, rückt allmählich immer nachdrückliche? auS dem Bereiche lebhafter Erörterungen in das der prac- tifchen Thaten. Die Fragen: Kann man? Darf man? er- scheinen hinfällig, wenn man sich z. B. ohne Voreingenommenheit vor die plastischen Arbeiten deS Profeffor- Arthur Vollmann au- Rom stellt, die gegenwärtig eine Haupt- jierde des Schnetder'fchen Kunstsalons bilden und in welchen Me polychrome Behandlung als etwas ganz Selbstverständ- 11*66 und durchaus Natürliche- auftritt. Vielleicht berührt unteren Blick da- Relief „Löwenjagd" zuerst ein wenig bunt, bis fich das Auge in die künstlerischen Intentionen besser hineingesehrn hat. Ungeteilten Genuß empfängt man hingegen sofort von der „Amazone", die in lässig träume- rischer Haltung an ihrem Pferde lehnt. Bei der Gestalt bt8 jungen Mädchen-, an welcher die Tönung deS Marmors
ungleich diScreter auftritt als au dem vorher erwähnten Relief, braucht man freilich nicht an daS Polhklet'sche Amazonentdeal, welches voch das Berliner Museum bewahrt, zu denken- der Volkmaun'sche TypuS ist weniger heroisch, mehr genrehaft, sozusagen moderner, denn ihm fehlt daS Sbstracte, Unnahbare der Autike. ES ist nicht die Färbung allein, die den Hauch unmittelbaren Lebens gibt, sondern in der ganzen Auffaffung liegt etwas, waS die Figur unseren vertrauten VorstelluagSkreisen einreiht, ohne ihr deßhalb schon die Berechtigung auf den Titel „Amazone" zu rauben.
Eine Marmorbüste, ein kleiner, splitternackter italienischer Bub au- dem gleichen Material und ein Bronzefigürchen geben weitere, hochachtbare Proben von dem Können eines Manne-, das Anspruch darauf hat, im Capitel der zeit- geuösfischen Bildhauerkunst an hervorragender Stelle genannt zu werden.
Die großen Nummern im Novitätenrepertoire deS Frankfurter Schauspieles dürften gezogen fein. Auf Ibsens „Gabriel Borkmann" (dem wir übrigens noch bet nächster Gelegenheit eine Besprechung schulden) und Gerh. Hauptmanns „Versunkene Blocke" werden keine große Thaten in dieser Saison mehr folgen. Dafür begnügt man fich jetzt mit dem anständigen Mittelgut. Dahin rechnen wir u. a. „DaS grobe Hemd" von Karlweis, welches Herrn


