waltung»gerichtShofeS zu ernennen, und den Oberamtsrichter bet dem Amtsgericht Homberg Friedrich Rübsamen auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand zu versetzen.
* • Militärdienstnachrichteu. Erbprinz Wolfgang zu Asenburg und Büdingen, in der Armee und zwar als Tecondlieutenant ä la suite des 1. Großh. Hess. Jnfanterie'(Leibgarde-)RegimentS Nr. 115, mit Vorbehalt der Patenttrung angestellt.
* • Gewerbegericht. Für den Monat November find al» Beifitzer für da» Gewerbegericht bestimmt für die Arbeitgeber Spenglermeister Faber, für die Arbeitnehmer Fabrikarbeiter Karl Ockel. Für den Monat December fungiren als Arbeitgeber Uhrmacher Otto Schmidt, als Arbeitnehmer Borstensortirer Julius Bräutigam.
♦ * * DaS 42. Stiftungsfest beging am SamStag Abend in „Steins Saalbau" die „Gießener freiwillige Feuerwehr" und in Verbindung damit da- 25 jährige Dienstjubi- läum ihres 1. HauplmannS, des Herrn C. L. Gail. Nächst den zahlreich mit ihren Familien erschienenen Feuerwehrleuten waren vertreten das Großh. KreiSamt, die Bürgermeisterei und Stadtverordneten-Bersammlung, Deputationen auswärtiger Feuerwehren usw. Nachdem Herr Wigandt, 2. Hauptmann des Corp», die Erschienenen begrüßt und auf die Bedeutung deSTage» hingewiesea, ergriff Herr Provinzial- btrecior Geheimrath Frhr. von Gagern da» Wort. Er betonte, daß die Feier eine doppelte Bedeutung habe, denn das CorpS begehe nicht nur sein Stiftungsfest, zu welchem er die besten Wünsche darbringe, sondern auch die Feier der 25 jährigen Thätigkeit seines Hauptmann». Er habe den Auftrag Sr. König!. Hoheit des Großherzogs, Herrn Gail das Ehrenzeichen für 25 jährige Dienstzeit an die Brust zu heften. Herr Gail habe schon in frühester Jugend, al» eS galt, im Kriege geschlagene Wunden zu heilen, geholfen, dem Nächsten zu dienen,- er habe nicht nur feine Pflicht als Feuerwehrmann erfüllt, sondern sich auch Verdienste in seiner Charge erworben, die Feuerwehr habe seine Verdienste dadurch anerkannt, daß fie ihn zum Hauptmann wählte, er habe das in ihn gesetzte Vertrauen gerechtfertigt, er habe daS Corp» zu neuer Blüthe geführt, und die besten Beziehungen zwischen beiden in Gießen bestehenden freiwilligen Feuerwehren an- gebahnt. Der Herr Provinzialdirector gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß Herr Gail auch für die Zukunft daS in ihn gefetzte Vertrauen rechtfertigen werde, und schloß unter Hinweis auf die von Herrn Gail jederzeit bewiesene Treue gegen den Landesherrn mit einem Hoch auf Se. Kgl. Hoheit den Großherzog. — Herr Wigandt beglückwünschte hierauf Herrn Gail NamenS des CorpS und Überreichte ihm als äußere» Zeichen der Anerkennung der dem Corps geleisteten Dienste im Auftrage des Corp» eine goldene Uhr- er schloß seine Ansprache mit einem Hoch auf Herrn Gail. — Herr Fillmann gratulirte im Auftrage der Pflichtfeuerwehr dem CorpS zum 42. Stiftungsfeste, Herrn Gail aber überreichte er unter den besten Glückwünschen der Pflichtfeuerwehr einen von derselben gestifteten Pokal- er hob ferner die gute Kameradschaft zwischen freiwilliger und Pflichtfeuerwehr hervor und brachte ein Hoch auf daS Fortbestehen derselben auS. — Herr Gail nahm hierauf daS Wort, um für die ihm gewordene Ovation der Anwesenden wie der Geschenke der Feuerwehren seinen Dank abzustatten- er versicherte, daß er auch für die Folge als guter Kamerad der Feuerwehr zur Seite stehen wolle, brachte ferner ein Glückwunschtelegramm der freiwilligen Feuerwehr zu Marburg zur Kenntniß und schloß mit einem Hoch auf die erschienenen Gäste. — Herr Beigeordneter Wolff dankte der Feuerwehr zunächst im Namen der Gäste für die Begrüßung und brachte derselben die besten Wünsche für daS neue Geburtsjahr dar. In Vertretung des am Erscheinen leider verhinderten Herrn Oberbürgermeister» sprach sodann Herr Beigeordneter Wolff die Glückwünsche der Stadt sowohl für die Feuerwehr wie für Herrn Hauptmann Gail auS - die Stadt erkenne gerne die Verdienste der Feuerwehr an und habe dieser Anerkennung verschiedentlich äußerlich Ausdruck gegeben, u. A. letzthin durch Verleihung von Diplomen an langjährige Mitglieder der Feuerwehr, er gedenke der Männer, welche sich so in den Dienst der Stadt gestellt, die Feuerwehr könne stolz auf ihre langjährigen Mitglieder sein, diese Veteranen möchten der jungen Generation zum Vorbilde dienen- das darauf auSge- brachte Hoch galt den Feuerwehr-Veteranen.—Herr Brand- birector Traber toastete in humoristischer Form nach dem vorher zur Aufführung gebrachten Theaterstück: „Spielt nicht mit dem Feuer" auf die Frauen, und brach» ihnen, al» den Feuerwehrmüttern, ein Hoch! — Der Hauptmann der freiwilligen Feuerwehr zu Langgön» überbrachte die Glückwünsche der letzteren mit dem Wunsche ferneren Zusammenarbeiten». — Herr Kreisfruerwehrinspector LooS, Hauptmann der Freiwilligen Gail'schen Feuerwehr, stattete im Namen deS Vorstände» gen. CorpS besten Dank für die Einladung zur Feier ab, er wünschte, daß daS Band der Freundschaft und Kameradschaft zwischen beiden Corp» sich immer fester schlingen möge zum Wohl der Stadt und ihrer Einwohnerschaft, er hoffe, daß noch manche ähnliche Feier sich in Gießen vollziehe, noch manches Mitglied mit dem Ehrenzeichen geschmückt werde. Er beglückwünschte die Gießener freiwillige Feuerwehr zu ihrem Stiftungsfest und ihren Hauptmann zu seinem Jubiläum; die Gießener freiwillige Feuerwehr wachse, blühe und gedeihe, dem Jubilar aber ein Profit. — Herr Stadtverordneter Petri versprach für die älteren ehemaligen activen Mitglieder und für seine Person, nicht nachzulasten in dem Bestreben, den jüngeren Kameraden zur Seite zu stehen, be- grüßte Herrn Gail als Jubilar und brachte ein Hoch aus auf die Vorstände der Feuerwehren. — Da» vorher von den Mitgliedern unsere» Stadttheaters in bekannter flotter Art gegebene Lustspiel: „Spielt nicht mit dem Feuer" fand den verdienten Beifall der Festversamwlung. — Mit dem folgenden Tanzvergnügen, wobei die Capelle Gröninger ebenso wie während de» Commerse» ihre Weisen erklingen ließ, schloß gegen Morgen das Fest. Gut Wehr!
Stadtthealer. Die gestrige SonntagSoorstellung bescheerte un» daS der romantischen Schule angehörige Ruter- schauspiel „Käthchen von Heilbronn" von H. v. Kleist. DaS Stück zeugt von dem trefflichen, aber noch völlig unausgebildeten Talent des Dichters- es entbehrt zwar nicht deS historischen Hintergrundes, reicht jedoch an Lesfing» „Minna von Barnhelm" oder Goethes „Götz" nicht heran. E n allgemeiner Fehler aller Dramen der romantischen Schule ist der, daß daS zur Ausschmückung benutzte Volksmäßige, der Zauber deS Geheimnißvollen und Wunderbaren zu wenig unmittelbare Wahrheit, zu wenig einfache Natürlichkeit in sich trägt. Darum muthet uns der ganze Inhalt dieses romantischen DramaS mit seinem „heimlichen Gericht", seiner Ritterherrlichkeit und Bürgerdemuth sonderbar an, ist jedoch von eindrucksvollster Wirkung bei allen „auf das Romantische" verseffenen Gemüthern. Dieses Käthchen von Heilbronn, daS zu dem Ritter Graf von Strahl in heißer Liebe entbrannt, diesem auf Weg und Steg nachläuft und die Feuerprobe der Liebe besteht, bi» sie schließlich zum guten Ende von dem Ritter geheirathet wird, ist gewiß romantisch genug vom Dichter bearbeitet, und vollend- der Schluß der Handlung, wo der Kaiser in ihr feine Tochter erkennt und fie adelt. — Die Aufführung selbst, die vor ausverkauftem Hause stattfand, stand unter keinem guten Stern. Die vielen Verwandlungen ließen den Beschauer über den Gang der Handlung im Unklaren, sonstige störende Zufälligkeiten, sowie Mißgeschicke in Scenerie und Darstellung wirkten des Oesteren geradezu poflenhaft. Schon da» Vorspiel, da» „heimliche Gericht", hatte darunter zu leiden, denn ihm fehlte Alles, wa» den Stempel de» Geheimnißvollen, des Feierlich-Ernsten tragen sollte. Bon Wirkung waren bloS die letzten Aufzüge. Frl. Marlo ff, welche die Titelrolle verkörperte, bot eine Leistung von außerordentlich künstlerischem Verdienst. Ihre Darstellung de» Käthchen wurde ganz im Rahmen idealer Auffaffung durchgeführt- dieses demüthig-bescheidene, auS Liebe Alles verlaffende Mädchen war von ihr in Sprache und Spiel tief empfunden und mächtig wirkend. Ihr Partner, Herr Fritzschler, als Graf von Strahl, gab sich alle Mühe, diesen Tugendhelden in» beste Licht zu setzen, wa» ihm mit gefühlvollsten Tönen in ächt männlich-ritterlicher Weise gelang. ErwähnenSwerth ist ferner die Wiedergabe deS Kaiser» in musterhafter Weise durch Herrn Liebscher, sowie des RitterfrauleinS Kunigunde durch Frl. Würdig, und des Waffenschmieds Theobald durch Herrn Forsch, welche durch gute Darstellung gleichen Anspruch auf lobende Erwähnung zu machen berechtigt find. DaS Publikum verfolgte den Gang der Handlung wohl mit Jntereffe, blieb jedoch unbefriedigt und gelangte nicht in die Stimmung, lebhaften Beifall kundzugeben. Alles überlebt fich, sogar ein „großes romantisches Ritterschauspiel". Eine Poffe, so gehaltlos fie auch sonst sein mag, unterhält Zweidrittel der Sonntag»- Theaterbesucher immer noch beffer, reizt die Lachmuskeln und wirkt nachhaltig mindestens auf eine ganze Woche.
* * Stadttheater. AuS dem Theaterbureau geht un» die Mittheilnng zu, daß in Shakespeares „Kaufmann von Venedig", welcher am Mittwoch den 3. d. Ml», zur Aufführung gelangt, unser einheimischer Charakterdarsteller Herr L i e b s ch e r den „Shhlock" spielen wird, da Herrn Carl Hermann von Frankfurt in dieser Woche das beabfichtigte Gastspiel nicht möglich ist. — Herr Liebscher, der uns schon manche Probe seines ausgezeichneten schauspielerischen Könnens geliefert hat, wird ohne Zweifel auch die intereffonte Rolle deS „Shhlock" in befriedigender Weife zur Ausführung bringen.
* * Billardmatch. Der Weltmeister des Billardspiel», der Gründer und Inhaber der Internationalen Billard- Akademie zu Berlin, welcher im März 1896 den Weltrecord von 4285 Points in einer Serie festsetzte, der 22 Jahre alte Billard-König Hugo Kerkau beabfichtigt in einigen Wochen nach Gießen zu kommen, um seine Kunst öffentlich zu zeigen.
* * Feier von Johann Gutenberg» 500jahrigew Geburt»- tage. Wie au» Mainz berichtet wird, wird jetzt ernstlich an die Vorbereitungen für die 1900 stattfindende Feier von Johann Gutenberg» bOOjährigem Geburtstag gegangen. Nächsten Mittwoch wird daS OrtS-Comitü (das später durch Vertreter der Bürgerschaft, von Wiffenschaft und Kunst vermehrt wird) unter dem Vorfitz de» Oberbürgermeister» Herrn Dr. Gaßner zusammentreten.
Wetterbericht. DaS Barometer-Maximum verliert über Central-Europa langsam an Jntenfität, doch dauert die Herrschaft des hohen Druckes fort. Auf unserem Gebiete herrscht dabei im Flachlande vielenorts Nebel, in den höheren Lagen dagegen helles, sonnige» Wetter und macht fich dort- selbst andauernd starke Temperatur-Umkehr geltend. — Voraussichtliche Witterung: Ruhiges, je nach der Oertlichkeit heiteres ober nebelige» Wetter.
Butzbach. 29. October. Heute Abend wurde durch die Energie des hiefigen Bahnhofvorsteher» Luc an ein Eisen- bahnunglück verhütet. Paffanten in der Nähe de» Bahnhof» hörten während der Durchfahrt deS kurz nach 6 Uhr fälligen Personenschnellzug» Haltrufen und Pfeifen, worauf der Schnellzug unter heftigem Bremsen in der Station anhielt und zwar nur einige Schritte vor einem in demselben Geleise stehenden rangtrenben Güterzug. Durch ba» Halt- rufen deS Bohnhofoorsteher» waren ber Lokomotivführer beS Schnellzuge» uab Passagiere beS ZugeS auf die Gefahr aufmerksam geworden und hatten vermocht, den Zug noch rechtzeitig zu stellen. Bei der vollen Fahrt des hier planmäßig nicht anhaltenden Schnellzuge» läßt fich ermeffen, welch einer Katastrophe die Passagiere glücklich entgangen find. Hier bestehen bezüglich des Rangiren» der Güterzüge wohl die unhaltbarsten Zustände im Reich. Der Güterverkehr ist ein sehr bedeutender und stet» wachsender.
-f- Ober-WibberSheim, 1. November. Herr Unternehmer Jean Nickel zu Gießen hat kürzlich in unserer Gemarkung von zwei hiefigen Grundbefitzern eine Feldfläche von etwa
55 Ar zum Preise von 3300 Mark käuflich erworben, dehufS Erweiterung seine» unweit der Bahnstation dahier gelegenen SieinbruchS. Die au» unserer Gegend gewonnenen Basalt- steine find auch über die Grenzen der Provinz Oberheffen hinan» sehr gesucht, weil dieses vorzügliche Material hauptsächlich zu Straßenbau und Pflastersteinen Verwendung finket. — In den Nachbarorten Echzell und Reichel-Heim hat fich je ein Thierarzt letzthin niedergelassen.
-h- flllfelb, 1. November. Da- weithin bekannte Hotel- Restaurant „Deutsches Haus" de- Herrn Karl MalkmuS dahier wurde gestern um den Preis von 138000 Mk. an Herrn Kail August Bayer aus Trier verkauft. Die Uebergabe erfolgt spätestens bi» zum 1. Februar 1898. Die separat gelegene Kellerei ist in den verkauf einbegriffen.
n. Reichelsheim i. d. W., 29. October. Zwei höhere Postbeamten bereisten heute die Orte an der Postroute Reichelsheim—Ranstadt, weil von den Einwohnern derselben eine Beschwer desch rift über mangelhafte Briefbeförderung an die Oberpost-Direction in Darmstadt gerichtet worden war. Die Abendpost von Friedberg nach Ranstadt, welche diese Orte auch berührt, fährt nämlich seit dem 1. Octoder d. I. eine Stunde früher al» vorher in Friedberg ab und die sonst um 11 Uhr Vormittags von Reichelsheim nach Ranstadt fahrende Post trifft jetzt eine Stunde später auf den einzelnen Orten ein und hat keinen Anschluß mehr an die Züge der Oderhesfischen Bahn. Die Postsachen trafen seit dem 1. October mitunter 12, zwischen Sarn-tog und Montag wohl gar 24 Stunden später ein. Die Aenderung war mit Eröffnung der Bahnlinie Friedberg—Reichelsheim —Nidda erfolgt.
§ Darmstadt, 30. October. Der „Darrnst. Ztg." zufolge hat der Zar dem Staatsminister Finger 10,000 Mk. für Wohlthätigkeit-zwecke überwiesen.
X. Darmstadt, 31. October. Die Strecke Capellplatz- Böllenfallthor der electrischen Stadtbahn wird vor- autfichtlich Mitte November dem Betrieb übergeben. Sowohl die Stadtverordneten al» auch Vertreter der Technik konnten fich bereits durch Theilnahme an Probefahrten von der Betriebsfähigkeit der Strecke überzeugen. Die beiden neuen electrischen Linien haben eine Gelei-länge von 8850 Meters die vorkommende stärkste Steigung ist rund 1:25 (1 Meter Steigung auf 25 Meter Länge), der kleinste Halbmesser 20 Meter, die größte Höhendisserenz, zwischen den Westbahnhöfen und dem Böllenfallthor beinahe 60 Mtr. Die Steigung»- Verhältnisse stellen besondere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der elektrischen Maschinen. Die Wagen, von Gebr. Hoffmann in BreSlau gebaut, find zweckentsprechend und mit gew'ffer Eleganz auSgeführt und fahren infolge der Feder- anordnungen usw. ruhig und glatt. Der Stromabnehmer au« der Kabelleitung tst ein U-förmiger Bügel neuester Construction, der an den oberen Leitung» - Kupferdrähten hinschleift. Eine complicirte, aber einfach zu bedienende Schalter-Vorrichtung an jedem Führerftand ermöglicht langsamere» und schnellere» Fahren, Anhalten, Bremsen u. f. w. Sowohl die Leitung al» auch die einzelnen Wagen find durch entsprechende Vorrichtungen gegen Blitzschläge gesichert. DaS ganze Schienennrtz, mit besonder» patevtirten Schienen, bildet eine fortlaufende Leitung- nur bet deren gewaltsamer Unterbrechung, die aber kaum denkbar, würde der etwa darin vorhandene entweichende Strom zu Unglücksfällen führen können.
§ Mainz, 30. October. Herr Oberbürgermeister Gainer erhielt, wie da» „Mainzer Journ." meldet, vom Zaren den StanislauS-Orden 2. Klaffe. Die Ordensverleihung erfolgte au» Anlaß deS ConcertbesucheS des ZarenpaareS tn Mainz.
• Frankfurt s M, 31. October. ES ist nur zu begreiflich, daß „Ueber unsere Kraft" von Björne Björnsen den deutschen Bühnenleitern einige Scheu eingeflößt hat. Der ganze erste Theil wird von einer im Bett liegenden Kranken gespielt und gesprochen. Der ungleich dramatischere Schlußact zeigt eine Reihe von Geistlichen im Gespräch über da» Wunder, bi« bann ber Gatte ber Kranken unter Gesang hereintritt unb al» frommer Hypnotiseur seine Dunberthätigkeit versucht. Fräulein Kathi Frank al- Heldin deS Stücke» ermöglichte durch ihre Kunst überhaupt erst die Aufführung. Auch Herr Bauer al» deren heilthätiger Gatte errang vielen Beifall.
* tzauau, 29. October. Gestern Abend 9 Uhr wurden auf dem hiefigen Westbahnhof dem in den dreißiger Jahren stehenden verheiratheten TtationSasfistenten Schröder aus Lampertheim von einer Locomotive beide Beine am Oberschenkel abgefahren. Der Beamte wollte die Geleise überschreiten unb bemerkte nicht bie gerabe auswechselnde Maschine be« Personeozuge« Nr. 172, bie ihn erfaßte. Der Verunglückte erlag nach kurzer Zeit den erlittenen Verletzungen.
• Ehret die Tobten! Die Art, wie der Singverein zu Hambach die Tobten feiert, ist so ungewöhnlich, daß wir genötigt fiub, davon Notiz zu nehmen. Die „Neustadter Zeitung", unsere Quelle, theilt nämlich unter» 22. October au« ber Generalversammlung be« Verein« wörtlich Folgeube« mit: „Ferner wurde beschlossen, auch Heuer wieder das Cäcilieufest zu feiern und -war am 20. November- sür bie verstorbenen vereioSmitglieder soll de« vor« mittags eine Messe abgehalten, Mittag« ein Essen unb Abeut« eia solenner Ball veranstaltet werden." — Zu Ehren der Todten essen, ist in einigen Theilen Deutschland» VolkSfitte, ihnen zn Ehren tanzen jedoch ist eine Neuerung, mit ber bie Hambacher allen pietätvollen Zeitgeuoffeu vorangehen. D. A.
• Arbeit. Bettler (zu einem ältlichen Herrn, ber sich auf einer veranba mit einem Zweirab zu schaffen macht): „Ach, verzeihen Se nur, lieber Herr, können Se mir vielleicht sagen, w:e ich Arbeit kriegen kann?" — Mr. Orumbler: „Jawohl — kaufen Sie sich ein Zweirad und suchen Sie'» । rein zu halten."


