Ausgabe 
2.2.1897 Erstes Blatt
 
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Brüssel, 31. Januar. Die hiesigen Blätter bringen daS Portrait der Prinzessin Luise, der ältesten Tochter deS Königs Leopold, und Einzelheiten über deren Flucht mit einem Wiener Husareu-Lirutenaot nach Paris und Wien.

Berlin, 1. Februar. Im ReichstagSgebäude fand gestern die constitutrende Versammlung zum Zwecke der Ei nri chtu n g deutscher Nationalfeste statt. Anwesend waren hervor, ragende Vertreter deS Deutschen LehrerveretnS, deS Patrioten- Hundes, deö altdeutschen Verbandes, deS KrtegerbundeS, der Universitäten u. s. w. Die Versammlung nahm einstimmig den Plan auf, daS erste deutsche Nationalfest im Jahre 1900 abzuhalteu. Ja daS Präsidium wurden 36 Herren gewählt, deren Zahl auf 48 erhöht werden soll. Zam ersten Vor­sitzenden wurde der Abgeordnete v. Schenckendorff-Görlitz ge­wählt. Die erste Vicepräfideutenstelle ist für TÜddeutschland Vorbehalten. Hebet die Wahl deS Ortes wurde kein bindender Entschluß gefaßt. Die Frage, ob eine ständige oder wechselnde Feststätte rathsam ist, wurde zu Gunsten einer ständigen entschieden.

Kiel, 1. Februar. Der Kaiser machte gestern Nach­mittag mit der Prinzessin Heinrich und den anderen Fürstlichkeiten eine Schlittenfahrt nach Hammelmark.

Wien, 1. Februar. Die gestrige Schubert-Gedenk­feier wurde durch eine Festmesse, einen Sängeraufzug am Schubert-Monument, VolkSconcert unter freiem Himmel und Abends durch einen Commers gefeiert.

Pari«, 1. Februar. DerFigaro" bringt aus Brüffel ein kategorisches Dementi der falschen Nachrichten über die Prinzessin Luise.

Pari», 1. Februar. Der Muselmann Greuier gründet demnächst hier ein fraoco-arabischeS Blatt.

Bordeaux, 1. Februar. Ein Sturm bei dem Thau- weiter richtete im hiesigen Hafen gestern großen Schaden an. Zahlreiche Boote wurden umgeschlagen. Der Untergang mehrerer Fischerboote mit der Mannschaft wird befürchtet.

Limoges, 1. Februar. DaS hiesige Hospital ist infolge einer Explosion abgebrannt. Die Kranken konnten ge­rettet werden.

Newcastle, 1. Februar. Ein Argentinier, NarnenS.Loffez, sprach gestern beim hiesigen argentinischen Consul vor, dem er während der Unterhaltung mit einem Rafirmeffer eine schwere Verwundung am Halse beibrachte. Der Mörder wurde verhaftet.'.

Cocefcs unb prwhjklkf.

Hießen, den 1. Februar 1897.

** Empfang. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen u. A. den LandgerichtSrath Dornsetff von Gießen.

Die neuen Großherzoglich Hessischen 3°/oigen Staatl- fchnldverschreibuvgeu sind auf Veranlasiuug des Großherzog­lichen Ministeriums der Finanzen auf den Börsen zu Frank­furt, Berlin und Hamburg eiugeführt worden.

* Oberheffischer Geschichtsverein. Krankheit und andere widrige Umstände haben eS veranlaßt, daß der Oberhessische Geschichtsverein, abgesehen von der Vertheilung des sechsten Bandes seiner Mittheilungen, lange nichts hat von sich hören laffen. DaS neue Beretnsjahr wird er jedoch mit einem um so anziehenderen Vortrage beginnen. Herr Geheime Ober- schulrath Dr. Soldan hat verspräche«, am 18. d. MtS., anlehnend an einen früheren Vortrag, Mittheilung zu machen von den neuesten Ergebnissen der Limesforschung, und zwar gerade der Strecke, die unS am nächsten liegt, da seine letzten Arbeiten die Erforschung deS PfahlgrabeuS zwischen Butzbach und Kloster Arnsburg bezweckten. Gerade dieser Thetl ist einer der wichtigsten- denn er enthält einmal die nördlichste Ecke des wetterauischen LtmeS, hinter welcher sich sicherlich rin großes Castrum befand, und endigt anderseits mit dem Uebergang des PfahlgrabenS über die Wetter, wo es galt, ganz besondere Schwierigkeiten zu überwinden. Wir möchten daher schon jetzt die Aufmerksamkeit der Mitglieder und Freunde des Vereins auf diesen hoch intereffanteu Vortrag richten.

**Pr. Schubert-Coucert des Eoucert - Vereins. Wie alle bedeutenderen Concertdirectiouen, so hatte auch der Vorstand deS Concert-Vereins zu Gießen für den hundertsten Geburtstag des gewaltigen TonheroS Franz Schubert eine würdige Feier in Gestalt eines OrchesterconcerteS unter Mitwirkung des bekannten Schubert-Interpreten und Concert- sängerS Herrn Anton SistermanS aus Frankfurt und des Damenchors vom hiesigen akademischen Gesangverein veranstaltet, in dem nur Compofitionen des genialen Ton- setzerS zum Vortrage gelangten. DaS vielseitige und intet- effante Programm enthielt an Orchesierwerkeu die beiden Sätze der unvollendeten D-moll-Symphonie, den Entract Nr. 2 in B-dur aus dem DramaRosamunde" und den ungarischen Marsch aus dem divertissement ä. la hongroise in der Instrumentation von Fr. LiSzt- die Interpretation deS 23. Psalms hatte sich der Damenchor des akademischen Gesangvereins im Verein mit dem VereinSorchefter zur Auf­gabe gestellt, und Herr SistermanS endlich hatte sich eine Anzahl von Gesängen aus den LiedercyclevWinterreise" undDie schöne Müllerin" zum Vortrag auSersehen. Zum äußeren Zeichen der festlichen Veranstaltung war daS Dtri- geutenpodtum mit einer von Blattpflanzen umrahmten Schubertbüfte finnig decorirt. Das Hauptverdieuft am guten Gelingen des Ganzen gebührt unbestritten Herrn Univer- fitätSmusikdirector Trautmann, der die einzelnen Chor- und Orchestersätze mit großer Sorgfalt eivstudtrt hatte und denselben Dank seiner vorzüglichen Dirigententugenden, die wir schon im vorigen Concert mit Wohlgefallen an ihm be­merkten , zu glänzender Wiedergabe verhalf. Besonders waren es die einzelnen Themata der Symphonie, welche in de« verschiedenen Schattirungeu überall aufs Wirkungsvollste hervorgehoben wurden, was bei Schubert, der ihm lieb ge-

nicht immer leicht Richtung ein neuer beschleunigter Personenzug vorgesehen- ferner soll der nach 5 Uhr Nachmittags von Gießen abgehende gemischte Zug, der jetzt tu Alsfeld endigt, in einen Personenzug umgewavdelt und nach Fulda fortgeführt werden, von wo nach 9 Uhr Abends ein weiterer Zug nach Alsfeld abgehen wird. Auf der Linie GießenGelnhausen wird, wie im vorigen Sommer, ein kurz vor 6 Uhr Morgens von Gießen abgehender Zug neu eingelegt, während der zweite Zug mit günstigen Anschlüffen von allen in Gießen einmündendeu

wordeue Melodien gern und oft wiederholt, ist. In allen Orchestersätzen berührte auch diesmal die ein­heitliche Behandlung des Streicherchores, die uns in Herrn Trautmauv den erfahrenen Geiger erkennen laßt, wieder äußerst wohlthuend. Volle Anerkennung gebührt auch dem Bläserchor, namentlich den Holzbläsern, denen wir an dieser Stelle ein besonderes Bravo für ihre guten Leistungen zu­rufen. Der Damenchor des akademischen Gesangvereins hielt sich im 23. Psalm recht wacker, doch hätte unseres Er- achtens eine stärkere Besetzung deS ersten Sopran nicht schaden können. Ein vorzüglicher Concertsänger und Schubtrt- Jnterpret ist Herr Anton SistermanS, der als solcher schon seit Jahren einen Weltruf besitzt und auch das hiesige Publikum durch seine von Herrn Trautmaun musterhaft begleiteten Vorträge entzückte. Von seinen gestrigen Dar­bietungen nennen wirDer Neugierige" und die auf stürmisches Verlangen gespendete ZugabeDer Wanderer" als besonders wohl gelungen. Einen gewaltigen Eindruck machte der ungarische Marsch auS dem divertissement hongroise, welcher im Gewände der von Anfang an in ihren Wirkungen fortwährend sich steigernden LiSzt'schen Instrumentation einen glänzenden Abschluß des ConcerteS bildete und durch besonders reichen und herzlichen Beifall ausgezeichnet wurde.

** Dr. Haym-Concett. Bei dem großen Interesse, welches daS Concert deS Dr. Haym erregt, dürfte eS von großem Jntereffe fein, ein Urtheil der Elberfelder Kritik zu hören. Auch dort kannte man den Künstler als Sieger bisher nicht, wurde aber auf daS Angenehmste überrascht. Der Bericht lautet: Der Löwe-Abend, den Herr Dr. HanS Haym gestern veranstaltete, dürfte Manchem eine große Heber- rafchung gebracht haben. Die meisten Zuhörer find sicher ebenso wie wir mit ziemlich gemischten Gefühlen zum Jüng­lingshause gewandelt. Ein Dirigent, der plötzlich öffentlich fingen will! DaS wird wohl mehr ein Doziren als ein Singen werden, dachten wir und wurden in dieser Ansicht bestärkt, als Herr Dr. Haym mit einer Vorlesung über Löwe begann. Aber diese Heberraschung, als er dann die erste Ballade sang! Daß die Technik des VortragS bis aus'S feinste ausgearbeitet sein würde, war bei dem ausgezeichneten Musiker Haym selbstverständlich und daS hatte ja auch wohl Jeder erwartet aber Herr Dr. Haym hat auch Stimme! Hnd zwar eine Stimme von soviel Wohllaut und Kraft, daß es unverantwortlich von dem Dirigenten Haym ist, uns den Sänger Haym so lange vorenthalten zu haben. DaS Organ Hayms characterifirt sich als ein in allen Lagen gleichmäßig gebildeter, in der mittleren nur zuweilen etwas vtbrireuder, ziemlich hoher Bariton, der durchaus geeignet ist, höchste An­forderungen zu befriedigen. Jedenfalls hat sich Dr. Haym gestern als ein Balladensänger allerersten Ranges vorgestellt, dem wir hoffentlich von jetzt an recht häufig im Concertsaal begegnen. Denn an solchen Stimmen haben wir im Wupper- thale, wo wir in der Kunst nicht concurrtren können, wie der Herr Oberbürgermeister sagt, wahrhaftig keinen Heberfluß. D. h.: auswärtige Concurrenz braucht Herr Haym ebenso wenig zu scheuen!

Den ersten Ball verlebten vergangenen Samstag Abend die Schülerinnen und Schüler deS Herrn Tanzlehrer Jos. Möhl im Feftsaale derCafe Leib". Die freudtg-erregten Gesichter der jungen Damen und Herren bestanden die Feuer­probe der absoloirten Tanzstunden aufS Beste, denn die Touren- und Contretänze klappten recht zufriedenstellend und stellten dem Streben des Tanzlehrers daS beste Zeugniß aus. Der Saal war dicht gefüllt und nicht nur das junge Volk, nein, auch die Balleltern und eingeladenen Gäste amüsirteu sich bis zur frühesten Stunde.

* Der Hessische Fechtverein Waisenschutz hielt gestern Abend in Leids Saal seinen Maskenball. Derselbe war außerordentlich stark besucht, die Zahl der Zuschauer eine überaus große. Wir glauben, daß ein hübscher Heberschuß zu Gunsten eines Waisenhauses an die Oberfechterei Mainz abgeliefert werden kann.

* Sectio» Gießen bei Deutschen und Oesterreichischeu Alpeuvereius. Wir verfehlen nicht, unsere Leser auf den nächsten Vortrag aufmerksam zu machen, den Herr Th. Hau­bach über seine Reise nach Norwegenund Spitzbergen halten wird. Das Jntereffe für eine Schilderung dieses polaren gebirgigen Eilands und der Fjordküste Norwegens liegt schon in der modernen Richtung deS ReisetriebS be­gründet. Arktische Gegenden, die noch vor Kurzem sich nur dem wiffenschaftlichen Drange des Forschers erschloffen, bilden jetzt schon das Reiseziel des Touristen. Daß eS zu den Aufgaben der Alpenvereine gehört, auch die Kenntniß dieser eisreichen Gefilde zu verbreiten, beruht auf der vielfachen Aehnlichkeit der Natur des Hochgebirges und der polaren Landschaft. Treten die verwandten Züge schon in den klimatischen Zuständen einigermaßen hervor, so drängen sie sich namentlich bei der Betrachtung der Firn- und EiS- bedeckung, der Vegetation und deS thterischen Lebens auf. Auch die landschaftlichen Reize jener unwirthlichen Gebiete, an deren Grenze unser Reisender unS führt, die Pracht der auf- und untergehenden Sonne, die wilden Fjords, die Gestalt und Farben des Eises können sich mit den Schön­heiten deS Hochgebirges meffen.

FleifchereiberufSgenoffeuschaft. Auf Grund des § 46, Absatz 3, des Hnfallverficherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 hat das Reichs-Versicherungsamt im Einvernehmen mit den betheiligteu Centralbehörden Karlsruhe zum Sitz deS Schiedsgerichts der Fleifcheret-BerufSgenoffenschaft für den Bezirk Württemberg, Baden, Hessen, die Hohenzollernschen Lande, Elsaß Lothringen und der Pfalz bestimmt.

** Ans bet letzten Sitzung bei Eifeubahvbeiraths theilt derDarmst. Tgl. Anz." u. A. mit, daß sich der Eifenbahu- betrath mit den Entwürfen zum diesjährigen Sommerfahr­plan beschäftigte. Der Entwurf des Fahrplans für die Oberhessischen Eisenbahnen weist mehrere erhebliche Berbefferungen auf. Zwischen Gießen und Fulda ist in jeder

Bahnen um 811 Hhr von Gießen nach Gelnhausen abgeht. Der Abendzug von Nidda nach Gießen, der bisher nur Sonn­tags im Sommer befördert wurde, soll künftig täglich ver­kehren. Weiter wurde mitgetheilt, daß beabsichtigt sei, wir dem Eintritt der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemetnschast am kommenden 1. April auf den Oberhesstscheu Elsenbahue» die preußischen Personentarife und die vierte Wagen- klasse einzusühren- mit einer Aenderung der Personentarise auf den hessischen Strecken der LudwigS-Eisenbahn soll da­gegen noch zugewartet und zunächst der für die Direktion», bezirke Mainz und Frankfurt einzuberufende Bezirks-Eisen- bahnrath darüber gehört werden.

t Aul dem Kreise Büdingen, 31. Januar. Am 16. und 17. Februar wird in Nidda und am 23. und 24. Februar zu Büdingen der sog. Petri markt abgehalten die beide regelmäßig stark besucht find. Aus dkm Büdinger Markte findet gleichzeitig eine Derloosung von Vieh, land- wirthschaftlichen Geräthen u. dgl., sowie eine Viehprämiirung statt, und kommen etwa 150 lebende Gewinne, darunter ein Haupttreffer mit 300 Mk. zur Verloosnng. Gestern zeigte die Nidda auf der Strecke Hnter-SchmitteuNidda wieder einmal die, jedenfalls durch Fabrtkabwaffer verursachte, rothe Färbung, welche den Fischen nachtheilig sein soll.

* Die Nausen Feier in Bonbon. Am 8. Februar wird der Prinz von Wales in einer Versammlung der Geographi­schen Gesellschaft zu London Nansen eine goldene Medaille überreichen zur Anerkennung der hervorragenden Verdienste deS berühmten Forschers. ES ist dies eine um so größere Ehre, als Nansen wahrscheinlich der jüngste Empfänger einer solchen Auszeichnung der Gesellschaft ist- er steht im 37. Lebens­jahre. Mit welchen Gefühlen mag er jetzt vor die illustre Gesellschaft treten, wenn er dabei seine» Vortrages im November 1892 gedenkt, als er vor derselben Gesellschaft den Plan zu seiner Reise entwickelte. In seinem Werke In Nacht und EiS" (Leipzig, F. A. BrockhauS) erzählt er, welchen energischen Widerspruch er seitens der hervorragend­sten englischen Autoritäten fand. Wie sehr haben sich jene HnglückSpropheten über den endlichen AuSgang der Reise ge­täuscht! Bet der Lectüre der soeben erschienenen 5. Liefe­rung wird man freilich finden, daß die Situation zu Beginn der Fahrt für Nansen und seine Leute eine recht bedenkliche war. Sowohl im Kartschen Meer, demEiskeller", al» auch weiter ostwärts an der sibirischen Küste war Nansen nahe daran, mit derFram" im Eise stecken zu bleiben, dadurch mindestens ein Jahr zu verlieren oder der Expedition ein vorzeitige» Ende bereitet zu sehen. Weiter zeigt ein von dem berühmten Maler Sinding nach einer Photographie Nansens gezeichnetes Bckd einer Walroßjagd, wie auch die Thierwelt dem Eindringen der Expedition in jene ungastlichen arktischen Regionen Widerstand zu leisten versuchte. Aber aus dem zweiten VollbildeDie Feier de» Berfaffung»tageS (17..Mai) in hohen Breiten" ersehen wir dann, daß die Framleute alle Anfangsschwierigkeiten überwandten, auch in jenen höchsten Breiten den Humor nicht verloren und eS sich nicht nehmen ließen, den Ehrentag deS Vaterlandes in mög- lichst festlicher Weife zu feiern.

Citeratn» und Kauft

Die kritische Gesammtausgabe derBriefe Schillert, die Fritz JonaS (im Verlage der Deutschen Verlags-Anstalt, Stutt­gart, Leipzig, Berlin, Wien) besorgt hat, liegt nunmehr mit den letzten zehn Lieferungen, welche die Nummern 70 diS 80 tragen (die Schlußlieferung zeigt eine Doppelnummer), abgeschlossen vor uns, ein großes und erfreuliches Werk, daS den Freunden unserer Litte- ratur und insbesondere den Verehrern der Persönlichkeit und der Muse Schillers und wer von jenen zählte nicht zu diesen? einen hohm und edlen Genuß verheißt und darbietet. Der Heraus­geber hat sich der Aufgabe, die er sich gestellt, mit aller denkbaren Sorgfalt und Umsicht entledigt Er selbst kennzeichnet in dem aus­führlichen Schlußwort, das er dem Werke mit auf den Weg gibt, diese Aufgabe dahin, die Briefe Schillersin der möglichen Voll­ständigkeit und in der erreichbaren Zuverlässigkeit des Wortlauts" vorzulegen. Die Anmerkungen, mit denen er sie begleitet hat, er- theilen Aufschluß über den Ort, wo die Originalbriefe aufgehoben werden, über die Druckverlage, die ersten Drucke und die Briefe, auf welche jeder einzelne trief Schillers antwortete und durch welche jeder beantwortet wurde. Die Anordnung der Briefe ist chrono­logisch, so daß dieBriese als eine Hauptquelle der Biographie Schillers nach der Folge seiner Lebenslage die Entwicklung seines Geistes und den immer wachsenden Kreis seiner Beziehungen zu den Zeitgenossen klarlegen und in ihrer Gesammtheit an sich schon einen fast vollständigen Ueberblick über seine äußeren LebenS-Ver« hältnisse, seine persönlichen Beziehungen und das Entstehen seiner Werke gewähren". JonaS spricht die Hoffnung auS, daß, wenn er selbst nicht dazu kommen sollte, sich ein Andrer finden wird, der nunmehr auch alle oder doch die zerstreuten Briese an Schiller voll­ständig sammelt. Dem schon erwähnten Schlußwort ist noch ein von Albert Leitzmann bearbeitetes Register angefügt, daS in ein Register der Schtller'schen Werke und in ein Pefonenregister zerfällt.

(Breslauer Zeitung.)

Eingesandt.

Gießen, den 1. Februar 1897.

Z«m gestrige« E-ncert del Eoncert-BereivS.

Beim Schluß des gestrigen ConcertS entstand an den Aus­gängen ein wahrhaft beängstigendes Gedränge. Mancher machte eine Massagekur durch, an die er jetzt noch mit Unbehagen zurück- denken mag. Mancher fragte sich auch, was wird geschehen, wenn hier bei überfülltem Hause einmal Feuer ausbricht? Die Antwort lautet: Ein unübersehbares Unglück. In Gießen schießen die öffent­lichen Sauten wie Pilze aus dem Erdboden, für daS dringend Roth-