Ausgabe 
30.10.1896 Erstes Blatt
 
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über den letzten Parteitag in Gotha tu einigen Versa««» laugen entgegengenomaren.

Brellai, 29. October. Als der soclalisttsche Agitator Götter, welcher wegen wissentlich falscher Anschuldigung zu SV, Jahren GefSugniß verurtheilt ist, zu einem Termin nach dem Amtsgericht überführt wurde, entsprang er. Er wurde indeß alsbald vou der Polizei wieder aufgegriffen.

Mailand, 29. October. Im Brembothal, Provinz Bergamo, fand ein gewaltiger Erdsturz statt, durch welchen die Straße 30 Meter hoch bedeckt wurde. DaS ganze Thal wurde mit Felsstücken auSgefüllt. DaS dadurch auf- gestaute Waffer überfluthete die ganze flußabwärts gelegene Gegend.

Paris, 29. October. Dem gestrigen Besuche des Großfürsten Wladimir im Elysee wird eine gewiffe Be­deutung betgelegt. DerTempS" meint, die Unterhaltung betraf den Pariser Eindruck deS Zaren. Andererseits ver­lautet, der Großfürst überbrachte einen Brief des Zaren anläßlich der Hamburger Enthüllungen.

Petersburg, 29. October. Der englische Kohlevdampser «Miß Bicowa" ist auf dem Wege nach Kronstadt an dem bekannten Riff Kalboden auf Grund gerat Heu und tu den Schären gänzlich zertrümmert. Fünf Mann konnten sich mühevoll retten- der Kapitän und 14 Mann find jedenfalls umgekommen.

Loudon, 29. October. Der japanische DampferTokn- maru" ist bei Osaka gesunken - 60 Paffagiere ertranken.

G. Darmstadt, 29. October. (Fernfprech Mit- theilnng.) Das russische Kaiserpaar, sowie der Großfürst Tergius find soeben nach der tzeimath ab- gereist. Der Groftherzog uebst Gemahlin, sowie Prim zesfiu Ludwig vou Battenberg, Prinz Wilhelm von Hessen, ferner die Spitzen der Militär- uud Civil- Behörden waren bei der Abfahrt anwesend. Der Abschied des Kaisers von der Srotzherzoglichen Familie war der denkbar herzlichste, besonders die Kaiserin war beim Abschied vou der alten tzeimath zu Thräoen gerührt. Der Kaiser verabschiedete sich vou den anwesenden Regimentscommaudeuren uud reichte jedem die Hand. Der Kaiser trug die Uniform seines Reiter- Regimeat» Nr. 24, der Großherzog trug russische Uniform. Der Separatzug setzte sich 10 Uhr 15 Minute» unter lebhaften Hochrufen der versammelten Menge in Bewegung.

. CoceUs unb proohtsieUts,

Gießen, den 29. October.

* * Das Stadtpostamt befindet fich vom 31. October ab im Neubau Schulstraße 11.

**H. Stadttheater. Die gestrige Abschieds-Vorstellung des Schlierseer Baueru-EnsembleS bot das beliebte VolksstückDer Herrgottschnitzer von Ammergau". DaS Spiel war, wie immer, entzückend durch die mit Lust und Liebe, Innigkeit und Empfindung gebotene Darstellung, uud gestaltete sich zu einer wahren Glanzleistung. DaS überaus zahlreich erschienene Publikum war enthufiaSmirt und lohnte wiederholt mit lebhaftestem Beifall. Der wackeren Künstler­schaar mit der Versicherung einer stets freudigen Erinnerung, ein herzliches Lebewohl!

M Stadttheater Die einheimischen Künstler nehmen, nachdem dieSchliersee'r" gestern ihr Gastspiel beendet, ihre Thätigkeit an der hiesigen Bühne am Freitag den 30. d. MtS. wieder auf und bringen zunächst den neuen französischen SchwankDie Dragoner" von Bossu und Delavsgne zur Aufführung. Die gesammte Presse spricht sich über Die Dragoner", welches auch bereits au vielen deutschen Bühnen gegeben und sehr beifällig ausgenommen wurde, äußerst günstig aus.

** Soiree Fly und Slade. Das Künftlerpaar Flh und Slade, das bekanntlich am Sonntag den 1. November inSteins Saalbau" eine hochintereffante Vorstellung gibt, trat vor nicht langer Zelt in Berlin in Krolls Theater (bekannt als das vornehmste Etabliffement in Berlin) mit außerordentlichem Erfolge auf. lieber eine solche Vorstellung schreibt daSBerliner Tageblatt" Folgendes:Seit der Entlarvung verschiedener Spiritisten erinnert sei hierbei an die Abführung des Mediums Bastian durch Mitglieder der kaiserlichen Familie in Wien und an die neuerdings er­folgten Aufdeckungen spiritistischer Umtriebe in Frankreich hat der große Zuspruch und die Leichtgläubigkeit an einen direkten Verkehr von Sterblichen mit der Geisterwelt Spiritismus genannt einen sehr bedeutenden Abbruch er­fahren. Es ist deshalb für Künstler, welche sich mit ähn­lichen geheimnißvollen Demonstrationen beschäftigen, wie solche früher ausschließlich unter spiritistischer Flagge vorn Stapel gelassen wurde, aus nahe liegenden practischen Gründen nicht so leicht, ihre Darbietungen des mysteriösen GewandeS völlig zu entkleiden und fie lediglich als Product besonderer Geistesschärfe, langjähriger Uebung und außer­gewöhnlicher Gedächtnißbegabung hinzustellen, sondern sie vielmehr deS größeren Reizes wegen eingehüllt in einem gewissen mystischen Dunkel zu belassen. Diesen Stand­punkt behauptete auch daS Künftlerpaar Fly und Slade, indem eS am Eingang der Vorstellung betonte, daß seine Leistungen hauptsächlich dem Zwecke dienen sollen, die Mög­lichkeit gewisser unS räthselhafter Vorgänge auS dem Gebiete des Gedankenlesens, der Mnemotechnik und geisterhaften Medien-Entfesselung öffentlich vor Äugen zu führen und dadurch angenehm zu unterhalten, eine Erklärung derselben jedoch dem Publikum selbst überlassen bleiben müsse, da nicht gesagt sein solle, die Herkunft der Vorführungen seien spiri­tistischen Ursprungs, ebensowenig aber auch zugestanden werde, daß sie anderer Abstammung- e- möge sich vielmehr Jeder ein Urtheil darüber selbst zu bilden suchen. Wie jedoch vorauSzusehen war, bot fast keine Nummer deS reichhaltigen Programms Gelegenheit zur Lüftung des Schleiers, welcher über den wirklich phänomenalen Darbietungen lagerte. Ganz

besonders schwer wird fich eine natürliche Aufklärung für die I von Frau Slade vorgeführte Art des Hellsehen- finden lassen. ES ist diese Leistung als ein wirkliches Räthsel des 19. Jahrhunderts zu bezeichnen und dürfte wohl schwerlich Jemand im Stande sein, eine erschöpfende und zutreffende Erklärung dieser außerordentlichen Vorführung zu finden und zu geben. In ähnlicher Weise Überraschend wirkten die anderen Programmnummern und wurden mit dem lebhaftesten Beifall Seitens des so zahlreich erschienenen Publikums ent­gegengenommen.

Bortrage von Dr. Muller. Der für morgen, Freitag den 30. October, projectirte 2. Vortrag Dr. Müllers kann leider nicht stattfiuden, da fich für diesen Tag kein geeignetes Local gefunden hat. Der Vortrag über:DaS Naturgesetz und der christliche Glaube" wird also erst am Freitag nächster Woche wieder inSteins Garten" ge­halten werden.

Wahlrecht nnb Wahlpflicht. ES ist schon hervor­gehoben worden, daß die Wahlbewegung auf dem Lande ohne merkliche Erregung verläuft. Eine entschiedene Wendung zum Besseren ist insofern eingetreten, als unsere bäuerliche Bevölkerung überhaupt wieder ruhigen, sachlichen Erörterungen aufmerksam zuhört. DaS Toben und Schreien halbwüchsiger Burschen in den Versammlungen hat aufgehört. Wir haben neulich einen Stimmungsbericht aus dem Ohm thale und über die freisinnige Agitation gebracht. Heute wollen wir dem zusügen, daß auch die nationalliberale Partei in den letzten Tagen in Versammlungen zu Lollar und Lang- GönS ihren Candidaten, Herrn M e i n e r t, empfahl. Nament­lich die Versammlung in Lang GönS war überaus zahlreich besucht. In beiden Versammlungen erläuterte Herr Dr. Fuhr das Programm des Candidaten. Gegner meldeten sich nicht zum Wort, so daß die Versammlungen verhältnißmäßig früh mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Kaiser und Großherzog geschlossen wurden. Der nationalliberale Wahl­ausschuß wird noch täglich Wählerversammlungen abhalten. Am eifrigsten in der Agitation sind die Socialdemokraten. Wenn auch nicht zu befürchten ist, daß fich viele Bauern und Handwerker von ihnen ködern lassen, so legt doch die traurige Pflichtvergeffenheit weiter Kreise des Bürgerthums, wie sie jüngst in der geringen Wahlbetheiligung bet den Ge- werbegerichtS- und LandtagSwahleu zu Tage trat, die Befürcht­ung nahe, die kleine aber rührige Minderheit der Social- demokraten, von denen bekanntermaßen Jeder an der Wahl­urne erscheint, könnte bei den Reichstagswahlen siegen oder in die Stichwahl kommen. ES kann daher nicht oft und nachdrücklich genug darauf hingewiesen werden, daß Jeder, der auß Trägheit die Erfüllung seiner Wahlpflicht versäumt, die Schuld an etwaigen socialdemokratischen Ueberraschungen trägt. Daß Wahlrecht enthält auch die Wahlpflicht, für deren Versäumniß es keine Entschuldigung gibt!

-f- Ernst Schombnrg, cand. philologiae, geboren 1858 zu Hemmenstedt im braunschweigischen Kreise Wolfenbüttel, lebte seit März 1895 hier in der Stellung als Hauslehrer bet Herrn Verlagsbuchhändler Otto Roth und fand in der Nacht vom 25. auf 26. October durch einen unglücklichen Treppenabsturz einen jähen Tod. Während seines ver- hältnißmäßig kurzen hiesigen Aufenthalts hatte er fich schon einen so zahlreichen Kreis von Freunden erworben, wie es manchem in Jahrzehnten kaum möglich wird. Seine Bieder- und Leutseligkeit, seine Heczenßmilde schlossen ihm die Ge- müther aller derer auf, die mit ihm in Berührung kamen. Dabei trat sein reiches Wissen, fein reifes Unheil über Welt und Dinge bet der Unterhaltung in den Vordergrund und tiefen den Eindruck feiner geistigen Capacität in die Er- fcheinung. Schomburg hatte auf den Unioerfieätcn Leipzig, Halle, Tübingen und Straßburg alte und neue Philologie studiert, und die Facultas darin bestanden. Nachher wandte er fich den Studien in der germanistischen Literatur und der verglelchlnden Sprachen ssenschast zu, um sich später als Ger­manist an einer deutschen Universität zu habitiliren. Seine Belesenheit und seine Kenntnisse in feer altgermanischen Lite­ratur waren bewundernswürdig. Als Mitglied der Section Gießen des Deutschen und Oesterreich. Alpenvereins hat fein Tod in letzterer eine sozusagen unersetzliche Lücke gerissen. Unstreitig war er eines der thätigsten und hervorragendsten Mitglieder dieser Vereinigung. AlS ein Meister des deut­schen Stils find seine reizenden, in den lebhaftesten poett scheu Farben schillernden Vorträge allen Dereinsmitgliedern, die sie hörten, unvergeßlich und denen, die fie lasen, be­reiteten sie großes Vergnügen. Dabei war er ein fleißiger Tourist und fehlte bei keinem gemeinschaftlichen Gange in daS Gebirge. Als Mensch von reinstem Character, edlen Grundsätzen, seltener HerzenSgüte und vornehmer Gesinnung nahm Schomburg eine erhabene Stellung ein, die ihm in den Herzen aller, die ihn näher zu kennen das Glück hatten, einen Ehrenplatz sichert. Mag er auch vorzeitig au« dem Leben geschieden sein, mag er ein Ziel, das auf wirthschaftlich materiellem, oder auch auf ideellem Gebiet liegt, nicht erreicht haben, so schied er dennoch von der Erde als reife Garbe, und das ist doch ein schätzbares menschliches Ziel, daß Tausende von Erdenbürgern, die 70 und mehr Jahre alt werden, und mitunter begehrenSwerthe Stellungen einnehmen, niemals er­reichen. Darum Ehre ihm und Friede seiner Asche!

* Friedberger Pferdelotterie. Bei der gestrigen Ziehung der Friedberger P f er d e lotte rie fielen zwei Haupt gewinne, nämlich der 5. und der 16. (je ein Pferd) in die Collecte deS Herrn H. Gengnagel hier. Ferner fiel wiederum ein Hauptgewinn in die Collecte deS Herrn Richard Buchacker hier und zwar auf LooS Nr. 9952.

Ueberfahren. Gestern Nachmittag wurde in der Wrtzffeinstraße dahier ein Kind von 5 Jahren von einem fremden Fuhrwerk überfahren und verletzt. Daß Sind, welches fich in Begleitung der Mutter befand, lief in einem unbewachten Augenblick unter baß Fuhrwerk. Nach Angabe der Augenzeugen trifft den Fuhrmann keine Schuld.

Diebstahl. In vergangener Nacht wurde in einer Wohnung am NahrnngSberg eingestiegen und auß de« Schlaf­

zimmer eines Gehilfen mehrere Sachen entwendet. Der Bestohlene, welcher selbst in btm Zimmer schlief, hat den Dieb nicht wahrgenommen.

Die verufsgeooffeufchafle» find gegenwärtig mit der Aufstellung neuer Zählkarten für die Unfallstatistik be­schäftigt. Diese wichtige Arbeit dient der Gewinnung rein stattstischeu Materials für die Unfallverhütung und insbesondere zu Zwecken des GefahrentarifSwesenS, d. h. soll die Höhe der Gefahr der einzelnen Betriebszweige unmittelbar ans der Höhe der in ihnen feit dem Beginne der Unfalloerficher- ung gezahlten Löhne und Entschädigungssummen gefunden werden, ohne daß der Berechnung deß CapitalwertheS der laufenden Renten bedarf. Voraussetzung ist dabei, daß fich nicht um zu kleine Betriebszweige handelt.

A. Nieder-Gemüudeo, 28. October. Ersatzwahl für den verstorbenen LandtagSabgeordneteu H'rrn Pfannstiel im 3. Wahlbezirk findet Montag, den 2. November, dahier statt. Man beabsichtigt, einen dem Parteigetriebe fernstehenden Mann zu wählen und glaubt in der Person deS Herrn Heinrich Neeb von Nieder-Ohmen die geeignete Persön- lichkelt gefunden zu haben.

Frankfnrt a. M., 28 October. Bei der Errichtung deß Opernhauses ist einer größeren Anzahl von Zeichnern von Beiträgen zum Bau deS Opernhauses in Höhe von 10 000 ober 5000 Gulden, je nach der Höhe deS Beitrag», ein Anrecht auf Besitz ober Abonnement einer ganzen ober halben viersitzigen Loge im Parkett ober Balkon auf bte Dauer von 99 Jahren, vom Tage ber Eröffnung des Opernhauses an, eingeräumt werden. Neuerdings ist ein Gesuch, das fich auf dieses Privileg stützt, nachträglich an den Magistrat gelangt. Die ©tabtfämmirei hat befür­wortet, und jetzt wird, wie die Frankfurter Nachrichten melden, ber Stadtverorbneten-Berfawmlung zur Genehmigung vorgelegt, mit ber Maßgabe, baß btefe Berechtigung, unter Abzug der feit ber Gründung beß Opernhaufeß verflossenen 16 Jahre, auf 83 Jahre gewährt werden soll.

Frankfurt a M., 28. October. Selbstmord eine« Husaren. Heute Morgen warf fich der Husar Rupp, Sohn eiueß Sachsenhäuser Gastwirthß Ropp, am Rebstock- Hof unter einen Güterzug. Der Körper wurde biß zur Unkenntlichkeit entstellt. Wie »itgetheilt wird, soll Rnpp vor einigen Tagen von anderen Husaren mißhandelt worden sein. Diese wurden von ihm zur Bestrafung angezeigt und bedrohten daraufhin den R. neuerdings. Als gestern die Mutter R.'S ihrem Sohne Lebensmittel brachte, erklärte er, fie brauche ihm nichts mehr zu bringen. Abends blieb er über Zapfenstreich auß der Kaserne und wurde deßhalb ge­meldet. Heute früh hat er fich vom Stalldienst in Schürze und Segeltuchschuhen entfernt und den Tod gesucht.

Frankfurt a. M., 27. October. Der Kaiserbesuch vom 10. Mal d. I. führte heute zu einem gerichtlichen Nachspiel. Der Pächter beßGafthosß zum Schwan", in dem daß Kaiserpaar abgestiegen war, Herr Stern, hatte fich mit ber ihm von ber Stadt angebotenen Entschädigung nicht zufrieden erklärt und eine Klage gegen die Stadt an­gestrengt, wcil er, wie er behauptete, durch bte Vorbereitungen zur Aufnahme beß hohen Besncheß monatelang in ber Aus­nutzung seines Gasthofes beeinträchtigt worben sei. V:r- schiebene Vergleichsvorschläge ber Stabt hatte Herr Stern abgelehnt unb so kam bte Klage heute vor ber Eivtlkammer zur Verhandlung. Nach Anhörung der Parteien schlug der Vorsitzende vor, die Sache vor einem Schiedsgericht ent­scheiden zu lassen, wozu sich die Stadt schon früher bereit erklärt hatte. Da beide Parteien zustimmten, wurde die Verhandlung biß auf Weitereß vertagt.

* Dietzenbach, 27. Oktober. Daß 1 Jrhr alte Kind einer hiesigen Fam'lie rutschte unbemerkt zwischen Bett unb Wand und erstickte.

Helgoländer Ehen. Helgoland war bekanntlich feit langer Zeit ein Zufluchtsort für solche Brautleute, die hier zu Lande den berühmten Hafen der Ehe nicht so schnell, wie fie es wünschten, ober wohl gar nicht erreichen konnte». Dort stießen fie auf weniger Schwierigkeiten, würben all- bald getraut unb kehrten als mehr ober minder glückliche Eheleute in die Heimath zurück. Nun ist neuerbtngß In weiteren Kreisen bte Meinung verbreitet, baß fich bte Ver­hältnisse geänbert hätten, seitdem Helgoland von England an Deutschland abgetreten ist. Daß ist aber, wie dieBolkßzt." auf Erkundigung an zuständiger Stelle erfahren hat, nicht ber Fall. In Helgolanb ist baß ReichSgesetz vom 6. Fe­bruar 1875 (CivtlstandSgesetz) nicht eingeführt und kommt beßhalb dort auch nicht in Anwendung. Die amtlichen Auf­gaben beß Standesbeamten liegen dort nach wie vor in den Händen der Geistlichen, insbesondere auch die Eheschließung. Zur rechtSgiltigen Ehe gehört für Helgoländer daß dreimalige kirchliche Aufgebot, für Auswärtige eine mehrmalige öffent­liche Bekanntmachung beß Aufgebots imHelgolänber Local­blatt". Einheimische unb Auswärtige, auch wenn sie nie ihren Wohnfitz bort hatten, können aber unter gewissen 8e btngungen vom Aufgebot entbunden werden. Darauf be­rufnen eben die sog.Fremden-Trauungen" ohne Aufgebot, bei denen die Derheirathung so schnell geht, daß manche HeirathSlustige fich deshalb nach Helgoland begeben, und fich dort alsbald verheirathen, wie denn auch jetzt noch solche Trauungen fortgesetzt vorkommen. Die dazu erforderlichen Papiere stimmen im Wesentlichen mit den in §§ 2232 bei Reichsgesetzes vom 6. Februar 1875 geforderten überein. Sie werden dem Geistlichen eingereicht, der, wenn Alle- in Ordnung ist, vor Ankunft ber Brautleute beim land tät­lichen HülfSbearnten den Antrag stellt, baß fie vor ihm den LedigkeltSeib leisten, auf Grund dessen dann bte Entbindung vom Aufgebot schriftlich ertheilt wirb unb bte Trauung aach sofort vollzogen werben kann. In ber Regel geschieht dies auch ohne Zeitverlust, also a« Tage ber Ankunft, ba eia

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