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Stehen, 29. Januar 1896.
Ehrung In der heute Bormittag im Hotel „Prinz Rati* abgehalteneu AuSschnßsitz nng des landwtrth- schaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen wurde vom Vorsitzenden Herrn Grafen zu Solms-Laubach NamenS des Verein- dem Herrn Provtnzial-Director Freiherrn von Gagern eine goldene Medaille nebst einem in Aquarellfarben auSgesührten, aus Kalbfell gemalten Diplom überreicht. Da- letztere enthält in Kalligraphie folgende Widmung: „Der landwirthschaftliche Verein für die Provinz Oberheffeu dem Provinzial-Director Freiherr« v. Gagern, al- Vorsitzender des geschäftsführenden AuSschuffeS der land- wirthschaftlichen Ausstellung in Gießen, am 19.—22. September 1895, die goldene Medaille und die» Diplom al» Anerkennung für seine Verdienste um die Durchführung dieser Ausstellung. Der Präsident: Graf zu SolmS-Laubach. Der Secreiär: Leithtger. — Das Diplom, ein Kunstwerk ersten Ranges, schließt sich in der Zeichnung genau den bet der landwirthichaftlichen Ausstellung ertheilten Diplomen an.
** Militärdienst Nachrichten. Großherzog von Hessen, Generalmajor, Inh. deS Jnf.-RegtS. 115 rc. und L la suite b<6 1. Garde Regt», z. F., zum Generallieutenant bef.; Fürst zu SolmS-HohensolmS-Lich, Gen. Maj. ä la suite d. Armee, die Erlaubniß z. Tragen der Unif. des Ul. RgtS. 5 ertheilt- Prinz Friedr. Carl von Hessen, Pr. Lt. L la suite d. Armee, der Char. als Rittm. bcrl.; v. Erh ardt, Hauptmann und Comp.'Chef vom Jnfant.- Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, dem Regt., unter Beförderung zum Überzähligen Major, aggregiert. Graf v. Hertzberg, Hauptmann ä la suite deS Jnf.-RegtS. Nr. 137, als Comp. Chef in das Inf. Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116 etnrangtrt.
•* „Religion und Naturwissenschaft." So lautet daS Thema, mit dem sich der zweite Vortrag des Herrn Br. Johannes Müller beschäftigen wird. Die Fragen, die dabet zur Erörterung kommen werden, braucht man nur zu nennen, so erregen sie daS Jnterefie bet jedem denkenden Menschen. Woher stammt die Welt? Hat sie überhaupt einmal einen Anfang genommen? Oder weiß mau darüber nichts? Wie läßt sich die Entstehung der Lebewesen erklären? Wie verhält sichS bet den Thieren und Pflanzen aut den Arten? Haben sie immer neben einander bestanden oder hat sich im Laufe der Zeiten eine aus der andern ent« wickelt? Stammt der Mensch von dem Affen ab? ES ist eine sehr verbreitete Meinung, daß die Naturwiffenschast auf diese und ähnliche Fragen eine sichere Antwort gefunden habe. Namentlich gilt Vielen daS System Darwins für die Lösung des WelträthselS. Auf der andern Seite wird behauptet, daß das, was man als Resultat der Naturforschung betrachtet, zum guten Tveil gar nicht festgeftellle Thatsache sei, sondern blos Hypothese. Wie steht» damit? Wie stimmen die wirklichen oder angeblichen Resultate der Natur- forfchung mit dem biblischen Schöpfungsbericht? Wie ist dieser SchöpfungLbericht selbst zu betrachten? Haben wir in ihm göttliche Offenbarung oder ist er fromme Sage, Mythu»? Wer sich über diese Sache orientiren will, der besuche den angekündtgten Vortrag des Herrn Dr. Müller.
Der Bezirks Verein Nord-Ost hielt gestern Abend seine General-Versammlung im Caf6 Leib ab. Der Vorsitzende, Fabrikant Hanau, erstattete den Rechenschaftsbericht und wurde dem Cassierer Decharge ertheilt. In den Vorstand wurden wieder gewählt die Herren Fabrikant Hanau, Architect Huhn, Brauereibefitzer F ö r t s ch, Stadtverordneter Loeber, Metzgermeifter Klein, Oeconom Kitz und Kaufmann C. H. Roth, neu gewählt wurden die Herren Emil Müller und Kaufmann Ludwig Loth. Wegen der Bteh- marktsfrage sand ein lebhafter Meinungsaustausch statt.
** Waisevschvtz Wir machen hiermit aus den am nächsten SamStag tm Cafe Leib stattfindenden Maskenball deS Hessischen Fechtveretns „Watsenschutz" nochmals beson- derS aufmerksam. Derselbe verspricht nach den getroffenen Vorbereitungen und erfolgten Anmeldungen ein recht gelungener zu werden, und ist darum schon im Jnterrffe deS edlen Zweckes deö Verein» eine rege Bethetligung zu erwarten. Eine gestern Abend im „Aquarium" abgehaltene Monatsversammlung war so zahlreich besucht, daß in dem ziemlich großen Local der Platz mangelte. Die Mitglieder waren über die Ausführungen deS Borfitzenden bezüglich der Veranstaltungen und Erfolge de» Vereins sehr ersreut.
♦ * vefihwechsel. DaS W. Seuling'sche Anwesen, Wetzsteinstraße 44, wurde zum Preise von 30,000 Mk von Herrn Joh. Fr. Schaaf angekauft.
• * Dafür könnt Ihr Eure« Gesellen einen Schnaps ftefe»! Justus von Liebig, der berühmte Chemiker, erzählte gern folgendes ergötzliche Erlebniß: „Als ich mich noch al» Professor zu Gießen befand, kam einst ein Bauer ie die Stabt, der einen Korb mit Eiern trug. DaS Unglück wollte, daß ihm einige — wahrscheinlich faule — Sier zer- brachen und sich die Eiersubstanz über seinen im Korbe liegenden Geldbeutel ergoß, in dem Geld zur Zahlung von Steuern war. AlS nun der Eiermann den Beutel öffnete, waren alle Silbermünzen durch die Berührung mit dem in faulen Eiern sich entwickelnden SchwefelwafferstoffgaS schwarz gefärbt, so daß der Steuereinnehmer fie zurückwieS. Auf der Straße klagte der Bauer seine Noth einem Studenten. Dieser Schalk sagte ihm, er möge in jenes Haus dort gehen, tu dem ein gewisser Liebig wohne, der schwarzes Geld wieder weiß machen könne. So tritt denn der Bauersmann in mein Laboratorium und fragt: „Seid Ihr der Mann, der schwarzes Geld wieder weiß machen kann?" — Durch Aufziehen einiger Säuren war alsbald Abhilfe geschehen. Der Bauer schmunzelt und sagt: „WaS bin ich schuldig?" — „Nicht-, guter Freund !" — „Na, na! Nur nicht genirt, raus damit!" — „Es kostet nichts!" — „Na," rief er, indem er in die Tasche griff, „so will ich Euch hier einen
Sechser herlegen, dafür könnt Ihr Eurem Gesellen dort einen Schnaps kaufen." — Der Geselle war aber Niemand anders, als mein Assistent, der später so he vorragende Chemiker Dr. Otto.
Für Ingenieure. Da» Großh. Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Bauwesen, sucht akademisch gebildete, practisch erfahrene Ingenieure für Vorarbeiten und dewnächstige Ausführung von größeren Ingenieurbauten (insbesondere Dammbauten am Rhein, Wehr- und Schleusen anlage am Main, Erbauung einer festen Straßenbrücke über den Rhein bet WormS re.)
*♦ Zu« Delegierteutag der hesfischeu Innungen uud Berufs- vereine, der am Sonntag in Mainz stattfand, wird noch gemeldet: In GundlachS „Taunus-Hotel" hatten fich etwa 150 Vertreter deS Handwerks, darunter 45 Delegierte der Innungen und Berufsvereine aus den Städten Darmstadt, Groß-Gerau, Heppenheim, Offenbach, Gießen, Alzey, Oppenheim, Wörrstadt, Mainz, WormS und Bingen eingefunden, um Stellung zu dem Gesetzentwurf, betr. die Organisation de» Handwerks und die Errichtung von Haudwerkerkamwern, zu nehmen. Nach Bildung deö BüreauS erstattete Herr Redacteur Fischer-WormS Bericht über den gegenwärtigen Stand der Handwerkerbewegung in Hessen. Redner hob besonders hervor, daß btt Gewerbeoereiue in ihrer heutigen Gestaltung burchauS nicht als bie geeigneten Vertreter des HanbweikerftandeS betrachtet werden könnten und daher eine andere Organisation Platz greifen müsse- eine Organisation sämmtlicher Handw-rker nach BrrufSarten sei unbedingt anzustreben. Der Befähigungsnachweis könne vielleicht nur bei dem Baugewerbe Platz greifen. Bei der Berathung über die Benennung der neuen Handwerkerorganisation kam e» zu einer Debatte über die Bezeichnung „Innung"- es wurde von verschiedenen Seiten hervorgehoben, daß daS Wort „Innung" in unserer neuen Zeitströmung keinen guten Klang habe, da eS zu sehr an den Zopf früherer Zeiten erinnere. Schließlich einigte man sich dahin, die neue Handwerkerver- einigung „Centralverband hessischer Innungen und Berufs- vereine" zu bezeichnen. Herr Lautz-Darmstadt empfahl noch die Gründung von Innungen von den Städten aus auf dem platten Lande, um dadurch zu beweisen, daß man in den Städten auch Berständniß für den ländlichen Meister habe. Als letzter Gegenstand der Tagesordnung wurde die Wahl des Central-AuSschusseS vorgenommen. Es wurden per Accla- matlon folgende Herren gewählt: Obermeister Köbrich-Mainz als Vorsitzender, Schneidermeister Bürner-Mainz, Metzger- • meister Lautz-Darmstadt, Schuhmachermeister Bangert-Darmstadt, Schreinermeister Bernhardt-Mainz Schloffermeister Strobel Mainz, Spenglermeister EnderS-Offenbach, Redacteur Fischer-WormS, Bäckermeister Dexhetmer-WormS, Friseur- Ger Hardt-Gießen und Schornsteinfegermeister Schraub- Seligenstadt. Der Ausschuß soll daS Recht haben, fich im Bedürfnißfalle aus den Mitgliedern der verbündeten Vereinigungen zu cooptiren.
* * Hessische LndwigSbahu. Aus Darmstadt ist in Mainz die bestimmte Berficherung eingetroffen, daß Mainz bet B.rstaatlichung der Hessischen LudwigSbahn der Sitz der Hauptverwaltung bleiben werde.
Stiftungen und Berwachtuiffe. Im Lause des vierten Quartals 1895 find vom Großherzog u. a. nachstehende Stiftungen und Vermächtnisse bestätigt und hiernach die betreffenden Behörden zu deren Annahme ermächtigt worden: Schenkung der Frau F. W. Konitzkh zu Antwerpen an da- städtische Kurhospital zu Bad-Nauheim im Betrage von 25 000 Mk. - Schenkung der Justine Schudt, geb. Fischer, von der Görbelheimer Mühle bei Friedberg an die Stadt Lich zur Errichtung eines Brunnens auf dem Friedhof, im Betrage von 500 Mk - Vermächtniß der Magdalene Kuhn zu Darmstadt an die evangel. MartinSkirche daselbst zu Gunsten der Armen der MartinSgemeinde, im Betrage von 5000 Mk. und an den Verein hessischer Lehrerinnen zur Gründung eine- HeimS, im Betrage von 3000 Mk.- Schenkungen an die evangel. Kirche zu Bad-Nauheim zur Erbauung einer DankeSktrche uud zwar: a. von Kurfremden und Lin- wohnern zu Bad-Nauheim, im Betrage von 1342 Mk., und b. von dem Kirchenbauverein daselbst, im Betrage von 1231 Mk.- Schenkung des CommerzieurathS Siegmund Heichelheim und dessen Ehefrau Jose fine, geb. Neustadt, zu Gießen an die israelitische ReligtonSgemeinde daselbst zur Erbauung eines Gemeindehauses, im Betrage von 20 000 Mk., und an die Stadt Gießen zur Unterstützung von KriegStheilnehmern aus den Jahren 1870—1871 und deren Hinterbliebenen, im Betrage von 20 000 Mk.
♦♦ Wer hat Türkenloofe? Die türkische Staatsschulden- Verwaltung hat die Liste der gezogenen und bis 31. Dezember 1894 nicht einkafsirten Türkenloofe veröffentlicht. Es ist geradezu erstaunlich, wie nachlässig die Besitzer bei der Verification ihrer Loose vorgehen. Nicht präsentirt wurden im Ganzen 3709 Stück, worunter fich nicht weniger als neun große Treffer befioden, und zwar zwei ä 600000 FrancS (Nr. 717 355 und 748 040), drei ä 300000 Franc» (Nr. 346827, 374718, 471 668), vier a 60000 Francs (Nr. 86 929, 154 448, 366 208, 557 060), fünf a 20 000 Franc« (Nr. 134165, 565478, 764397, 994102, 1424473), einer a 10 000 Francs (Nr. 1966 467), ferner 2438 Stück gezogen mit 400 Francs, 169 mit 1000 Francs, 27 mit 1250 Francs, 14 mit 2000 Franc-, 37 mit 3000 Franc», 19 mit 6000 Francs, zusammen 3709 Stück im Betrage von 4 276 950 Franc».
□ Ruppertenrod, 28. Januar. In der Gastwirtschaft „Zur Krone" hier hielt gestern Abend vor einer stark besuchten Versammlung Herr Obstbautechniker Metz au» Friedberg einen wirklich interessanten und lehrreichen Vortrag über „Pflege und Behandlung der alten Obftbäume", der alten, ergrauten Gesellen, benen meist gar keine Pflege zu Theil wirb, von denen man aber doch am liebsten alle Jahre Erträge erhalten möchte. Einleitend | führte Herr Metz an», den Kostenpunkt der Pflanzung und
Pfl-qe eine» jungen ObstbaumeS, der alle» in alle« auf co. 10 Mk. zu veranschlagen sei. Diese» Anlagekapital rentire bei guten Sorten ganz ausgezeichnet. Eine dieser für unsere Gegend am besten geeig etcn Sorte sei die Goldparmäne, welche, wie vorgezetgre Exemplare aus hiesiger Gemeinde beweisen, hier ganz vortrefflich gedeiht. Die meisten alten Obstbäume unserer Gegend tragen, wie Herr Metz weiter auSführt, schlechte Sorten. Darum ist eine Umwandlung mit Goldparmänen oder dieser am nächsten stehenden Kaffeler Reinette sehr empsehlenSwerrh. Schon nach dem dritten Jahr der Umwandlung ist der DurchschnittSertrag an Goloparmänen gleich dem Wende von 60 Mk., da em Centner guter Goldparmänen in diesem Hcrbste mit 18 Mk. bezahlt wurde. Will man solche Erträge erzielen, so muß aber beherzigt werden, daß der Obstbaum auch Ersatz zurückverlangt in der Form von Pflege und Düngung. Zn dieser Pflege gehört vorweg eine Auflockerung des Bodens fast soweit die Krone ragt, eine Beseitigung deS vorhandenen Grasbestandes, eine Säuberung der Rinde und Beseitigung der unter ihren abgestorbenen Theilen fitzenden Jnsecten, eine Bestreichung im Herbst mit Kalk und eine alle 4—5 Jahre ftattfindenbe kräftige Düngung. Wenn man, wie noch l-ider oft geschieht, jede Unterlassung von Pflege der Obstbäume mit dem Vorwand entschuldigt, unsere Vorfahren hätten auch nichts gethan, und doch Obst geerntet, so kann man sich auch nicht wundern, wenn bie Erträge so schleckt bemessen find. Aber jene Annahme, unsere Vorfahren hätten von einer Obstbaumpflege nickt» gewußt, beruht auf einem Jrrthum. Gerade bie jetzt noch vielerorts übliche, allerdings jetzt aus Aberglaube resultirende Sitte deS Bindens der Obftbäume mit Strohseileu ist ein Stück der Obstbaumpflege au» alter Zeit. Vor der Reformation waren die Klöster die Stätten der Wissenschaft und Bildung. Die Mönche dieser Klöster kannten schon die Schädlinge der Obftbäume in Gestalt mancherlei Jnsecten. Sie suchten den Baum hiervon zu schützen durch Umbinden eines Strohringes, was am Aller- heiligentag zu geschehen pflegte, also in der Zeit, wo wir jetzt Kledegürtel zum Fangen der Obstbaum-chädlinge anlegen. Die Mönche hüteten, wie alle Naturwissenschaft, da» Ge- heimniß dieser Obstbaumpflege auf» Strengste. Al» nun die Reformation eine Umwälzung der Dinge brachte, da mochte man auf protestantischer Seite auch nicht» mehr wissen von einem Umbinden der Obftbäume mit Stroh auf Allerseelen, sondern verlegte dtese Handlung, da man ja den Kern ihrer Bedeutung seitens der Bauern nicht kannte, auf Weihnachten, wie in Thüringen oder auf Sylvester wie n vielen anderen Ländern, also auf eine andere Zett, zu der allerdings der beabsichtigte Schutz nicht mehr erzielt werden konnte, den die Mönche in den Klostergärten erzielten, nämlich da« Einfangen deS Frostspanners ober die Vertilgung der grünen Mairaupen, bie den Obftblüthen so gefährlich find. Bezüglich der Erzielung schöner und vollkommener Früchte roari t der Vor tragende vor dem üblichen allzu frühen Abmachen. Mitte September bi» Mitte October ist der richtige Zeitpunkt der Ernte. Bei richtigem Ausreisen wachsen btt Früchte an Gewicht und Gehalt unb halten fich länger, währenb fie bei zu früher Ernte zu früh welk werben. Nachdem Herr Metz die hohen kalten Lagen als bie besten Stellen zur Anpflanzung von Obftbäume« empfohlen, theilte er eine Auswahl bet für unsere Gegenb am besten geeigneten Sorten mir, als bie er bezeichnet außer Golbparmäne noch gelber Mecklenburger, Jacob Lebel, Kaiserkrone, geflammter Kardinal, OrleanSreinette, rheinischer Bohtwpsel und der späte rothe Et-apfel. Mit einem kurzen Blick auf die fegenSreiche Thätigkeit der ObstverwerthungSgenossenschaft zu Friedberg schloß der Vortragende seinen, daS regste Interesse verdienenden einstündigen Vortrag. Die heute erfolgten prac- tischen Demonstrationen an Obstbäumen waren gleichfalls sehr belehrend und fördernd zur Kenntniß der Pflege unserer Obftbäume.
§§ Ilbeshausen (Kre S Lauterbach), 27. Januar. Nachdem nun in unserem Nachbarort Herbstein der Bau einer Gemeinde-Wasserleitung definitiv beschlossen worden ist, geht man auch hier mit dem Gedanken nm, eine Wasserleitung zu erbauen. Die Koste« werden fich nicht, all- zuhoch belaufe«, da der sogenannte „Stekcta - Brunnen", welcher dasür in AuSficht genommen, gerade am Ort liegt (nahe der sogenannten Hansa Mühle), auch inmitten unsere» OrteS kein FelSboden ist. ES könnten fich den Berechnungen nach die Gefawmtkosten auf etwa 15000 Mk. belaufen.
§ Bo» höheren Vogelsberg, 27. Januar. Wie bereits- in einer der letzte« Nummern dieser Zeituug au» dem Ohm- thal bertchtet wurde, ist daselbst der Preis der Butter auf 65 Pfg. gesunken. Bon hier au« kann berichtet werden, daß die Händler nur 60 Pfg. pro Pfund bezahlen. Von den Hausfrauen kommen deshalb unaufhörfam Klagen, weil die selben h-er zu Lande allgemein aus dem Erlös der Butter di? Bedürfnisse der Haushaltung bestreiten. Diese sehr nie drigen Butterprkise sind hier.seit Jahrzehnten nicht vorgekommen. Gewöhnlich kostete um dtese Zeit daS Pfund 90 Pfg. bi» 1 Mk. Woher diese niedrigen Preise nun kommen, läßt sich nicht ergründen. Obwohl die Meister behaupten, die Schuld liege an der bedeutenden Margarine Production, so kann die» doch nicht allein die Ursache sein, da Margarine schon mehrere Jahre in Deutschland sabrizirt. und i« den Handel gekrackt »irb. Alle landwirthschaftlichen Producte find momentan billig, io daß die Klagen der Land- wirthe gerechtfertigt find. Die Bedarfsgegenstände der Land wirthe werden nickt billiger. Dem Vernehmen nach beabsichtigen unsere Landwirthe, eine Art Ring zu bilden, um bessere Absatzgebiete aufzuschließen, auch ihre Butter btrcct in die Großstädte zu verbringen «. L w.
/ Mainz, 28. Januar, lieber die Fahrkarten- unterfchleise, die am SamStag in Frankfurt a. M. zr Massenverhaftungen von Bahnbeamten geführt haben, find wir auf Grund der sorgfältigste« Informationen ta ber Lage, noch Folgende» mitzmheilen Zunächst sei gegenüber der vou verschiedenen Telegraphenbürean» gebrachten falschen


