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30.1.1896 Erstes Blatt
 
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Meldung festgeftellt, daß die verhaftete« Personen nicht aus­schließlich Beamte der LudwigSbahn find, sondern daß von den 19 Verhafteten nur 12 zum Personal der LudwigSbahn gehören, die übrigen ober theilS Beamte der preußischen SraatSbahn, theils Angestellte der Reichsbahnen und theilS Verbandsschaffner find. Bis auf einzelne Ausnahmen wird den in die Sache verwickelten Beamten der LudwigSbahn von ihren Vorgesetzten nach jeder Richtung hin das beste Zeugniß ausgestellt und denselben nachgerühmt, daß fie sich nie eine Unredlichkeit zu Schulden kommen ließen. Vor der Zett, als die drei auf Beranlaffung der Eisenbahndirectionen in Hamburg, Köln, Berlin und Elberfeld zu allgemeinen Nachforschungen beorderte Criminalbeamte nach Frankfurt kamen, allo bis vor etwa drei Wochen, kann man keinem der verhafteten Beamten ein Vergehen oder Verbrechen nach« weisen und erst als die Criminalbeamten in falscher Auffaffung Ihrer Aufgabe sich an die Leute herandrängten und fie mit allerlei künstlichen Mitteln gewiffermaßeu zu Pflichtverletzungen verführten, erlagen dieselben der Versuchung. Von einem jahrelangen Billetunterscheif kann darum auch keine Rede sein und besteht das, waS man den meisten der Verhafteten zur Last legen kann, nur darin, daß fie mit den Criminalbeamten BergnügungSaukflüge nach Limburg und Bingen machten und dabei die DelectivS ohne Btllet fahren ließen. Da man auS dem Umstand, daß die größere Zahl der Verhafteten LudwigS- bahnbeamte sind, vielseitig sofort bereit war, die Vorgänge auf die schlechte Besoldung der Angestellten der LudwigSbahn zurück zu führen, haben wir unS auch nach der Besoldung der Betheiligten erkundigt und erfahren, daß der geringst Besoldete, der erst feit kurzem im Dienst ist, ohne die Neben- gebühren ein festes Jahresgehalt von 1000 Mk hat, während sich daS Gehalt der Uebrigen auf 1062, 1496, 1575, 1760, 2042 und 2256 Mk. beläuft.

Die Reichspost.

Der Rede, welche StaatSsecretär Dr. v. Stephan am 20 d. M. bei der zweiten Berathung des Postetats im Reichs­tage gehalten hat, entnehmen wir folgende intereffante An­gaben über die Entwickelung des PostwesenS in den letzten 25 Jahren.

Es waren vorhanden 1870 1895

a. Postanstalten 5520 28263

b. Telegrophenanftalten 1078 17800

Die Ausdehnung der Telegraphenleiluugen betrug 1870 81800 Km., 189 5 600600 Km.

ES arbeiteten Tclegraphenapparate 1870 2530, 1895 132000.

Für daS flache Land wurden fett 1870 23000 Post­ämter errichtet - auf je 7 Dörfer im Gebiete der Reichspost entfällt jetzt eine Postanstalt.

Landbriefträger gab es 1870 8300, 1895 28000.

Diese durchlaufen täglich 560000 Km. DaS ist 14 Mal der Umfang der Erde.

Fernsprechanstalten bestehen jetzt an 434 Orten. Berlin allein hat 25430 Fernsprechadonnenten, Hamburg 10 700, Dresden und Frankfurt a. M. 4000, daS ganze Reich 110 000.

Bon Berlin auS kann man mit 250 Orten (von Memel bis nach Mülhausen i. E.) direct sprechen; es finden in Berlin täglich fast V2 Million Gespräche statt, im ganzen Reiche ca. P/j Millionen.

Berlin und Wien sind bereits in Verbindung gesetzt und im nächsten Sommer wird man von der Nordsee bis zum Adriatischen Meer sprechen können. Im nächsten Herbste werden wir wahrscheinlich eine btrccte Sprechverbindung zwischen London und Berlin haben.

Die Zahl der Post- und Telegraphenbeamten betrug 187 0 42000, 1895 155 000.

Oberpost - Verwaltungsbehörden gab es 1870 26, 1895 41.

Ja den letzten 25 Jahren wurden 1667 Pofthäufer ge­baut, darunter 448 fiskalisch und 1219 auf de« MiethSwege.

Die Zahl der Briefsendungen belief sich vor 25 Jabren auf 357 970 000. Heute ist dieser Briefwechsel auf 2360 Millionen, also beinahe 2% Milliarden gestiegen- eS kommen also auf den Tag 6 Millionen Briefe.

An Postkarten wurden befördert 187 0 7 000 000, 1895 443000000.

Der Briefverkehr mit dem Auslande ist seit Schaffung deS Weltpostvereins von 68 381000 gestiegen aus 530100000.

An Zeitung« - Nummern wurden befördert 1870 191000000, 1895 890000000.

Die Zahl der Pakete hat fich von 20 Millionen 1870 auf 132 Millionen in 1895 gesteigert.

Drr Geldumsatz war mit der Poft 1870 8100 Millionen und beträgt gegenwärtig jährlich 21000 Millionen, also 21 Milliarden.

Die Zahl der Telegramme im Jahre 1870 belief sich auf 7 Millionen im Deutschen Reich, jetzt Haven wir 33 Millionen.

Die Einnahmen betrugen 1870 76000000, 1895 2941/2 Millionen.

Der reine Ueberschuß nach Abzug aller Ausgaben beträgt 251/2 Millionen.

Im Jahre 1877 wurde der Postverwaltung die Reichs- druckeret übertragen, welche an 1400 Arbeiter beschäftigt. Darin werden alljährlich Hunderte von Millionen Postkarten, 500 Millionen VersicherungSmarken und wer weiß wie viele Postwerthzeichen, ebenso für die Reichsbank die Banknoten und dergl. hergestellt.

Dermiföte*.

Marburg, 28. Januar. In dem Dorfe HoraS bei Fulda wurde gestern das KatsergeburtötagSeffen durch den Unglücksfoll gestört, daß der Bürgermeister Beier erstickte, da ihm ein Stück Fleisch im Halse stecken geblieben war.

Enger! a. Rh., 27. Januar. In der verflossenen Nacht wurde hier auf einer Tanzmusik ein Koch von einem Bahnbeamten erstochen. Der Mörder hatte eS auf einen Anderen abgesehen.

Mannheim, 27. Januar. Ein tödtlicher Unglücks- fall kam heute Mittag an dem neuen Silospeicher der StaatSeisenbahnen auf der Mühlau vor. Der Werftarbeiter Lulah schmierte daS Zahngetriebe eines electrischen KrahnS, als der Krahnenführer, der davon nichts wußte, den Strom einschaltete. ES erfolgte ein Ruck und die obere Körperhälfte d:S Arbeiters war zu Brei zermalmt.

- Al! ein Wendepunkt in der Art und Weife der Fa- kalten Beseitigung muß eine Erfindung von Dr. KoirauSky bezeichnet werden, von der unS das Bureau für Patentschutz und Verwerthung von Dr. Joh. Schanz u. Co. in Hamburg berichtet. Von den verschiedensten Forschern ist nachgewtesen worden, daß der Werth der menschlichen Excremente pro Jahr und Kopf 1015 Mk. beträgt. Daß dessenungeachtet die Fäkalienabfuhr, anstatt eine Einnahmequelle zu bilden, eminente Kosten verursacht, liegt daran, daß die Excremente durch die nothwendige Wasserspülung eine derartige Ver­dünnung erfahren (97 pCt. Wasser), daß ihre technische Ver- werthung unmöglich wird. ES ist nun durch daS patentirte Verfahren gelungen, die festen Theile der Excremente unter Beibehaltung der Wasserspülung abzusondern, und geruchlos und steinhart zu machen, so daß fie einen versandtfähigen Dünger bilden, der wesentliche Vorzüge vor allen künstlichen .Düngmitteln besitzt, und nach Abzug aller Kosten, einen jährlichen Reingewinn von 2 bis 3 Mk. pro Kopf der Be-

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Alten - Buseck für 1896/97 liegt wiederholt acht Tage zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei Bureau dahier offen.

Alten-Buseck, am 29. Januar 1896.

Großherzogliche Bürgermeisterei Alten-Buseck.

Körber. 968

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___Die Administration.

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Mittwoch den 5. Februar l. I., Nachmittags 1 Uhr, soll die bereits am 15. und 22. September vorigen Jahns zum Verkauf aus­geschriebene Uutermühle zu Treis a. d. L., bestehend aus 820 qm Hofraithe mit Gemeindenutzen, einem Achthöfegutsantheil und 8500 qm Wiese und Gärten, unmittelbar an der Mühle, auf dem Gemeindehause daselbst freiwillig öffentlich meist­bietend versteigert werden.

Kaufliebhaber können dieselbe vor­her einsehen und auch Näheres er­fragen bei dem Bevollmächtigten.

Treis a. d. L., 29. Januar 1896. 961 Wilhelm Dapper.

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völkerung abwirft. Die flüssigen Absuhrstoffe werden cietr eigenartigen Ftltrenve unterzogen, durch die fie geruchlos und wasserklar, man möchte sagen trinkbar werden, sodaß fie unbedenklich den Flußlaufen zugeführt werden können. Ent­halten doch dieie filtrirten Abwässer nach drei Anachsen der kgl. landwirthschaftlichen Versuchsstation für Bayern nur 0,0008 pCt. Beimischungen. Eine nach dem patentirten Verfahren gebaute Closctaickage ist im Herzog Karl Theodor- Palais, München, Ludwigftraße, bereits seit längerer Zeit praktisch im Gebrauch. Die Anlage ist durch wissenschaft­liche Capacitäten, unter anderen von Professor H. Buchoe, eingehend untersucht und höchst günstig beurtheilt worden.

* Eine furchtbare Rohheit wurde im Dorfe Kiesewald im Riesengebirge verübt. Der dortige Waldarbeiter Ertelt hatte seit einiger Zeit den Waldarbeiter Kiesewalter al» Quartiermann aufgenommen. Beide gerieihen Abends, nachdem fie dem Schnaps stark zugesprochen, in der Wohnstube in Streit, wo Ertelt mit der brennenden Petroleumlampe auf Kiesewalter loöschlug. DaS Petroleum explodirte, und in wenigen Sekunden gingen die Kleider des Kiesewalte: in Hellen Flammen auf. Während mau nun diesen sofort in» Freie brachte, um die Flammen mit Schnee zu löschen, hing sich Ertelt im Wohnzimmer am Ofengefimse auf und endete so sein Leben. Kiesewalter ist im HedwigS Krankenhause zu Warmbrunn seinen Wunden erlegen. Bei dem Selbstmörder Ertelt wären vielleicht Wiederbelebungsversuche von Erfolg gewesen. Doch die Angehörigen ließen ihn viele Stunden lang am warmen Ofen hängen, weil fie glaubten, er dürfe nicht eher loSgefchnitten werden, bis er vom Amtsvorsteher besichtigt fei. Unglaublich, aber wahr!

* Sine Todesfahrt auf dem Eise. Um Fische zu holen, war am Dienstag der Besitzer Maschlanka auS Polschen- dorf weit auf den zugefrorenen Czoß-See gefahren, wo gefischt wurde. Bei der Rückfahrt nahm er sechs Personen auf seinem Schlitten mit. Eine der mitgenommenen Per­sonen hatte die Leine in der Hand, während Maschlanka, der angetrunken war, mit der Peitsche auf die Pferde einbieb, so daß daS Fuhrwerk über die Eisfläche förmlich hinüber- flog. In der Dunkelheit fuhr das Gespann mit allen In­sassen in ein zum Fischen gemachtes Loch. Während fünf Mann gerettet wurden, wurden zwei tobt aus dem Wasser gezogen. Die Pferde kamen ebenfalls um.

* Der Stal der Armenverwalluug der Stadt Berlin für 189697 schließt in Einnahme ab mit 671,000 Mk. und in Ausgabe mit 7,998,500 Mk.: der erforderliche Zuschuß beträgt mithin 7,328,400.

Verkehr, £an£- und Vsttsrvirthschäft.

Stuttgart, 27. Januar. (Allgemeiner Deutscher Versicherung»- Verein.) Dom 1. Januar bis 31. Drcember 1895 wurden 48465 neue Versicherung^ abgeschlossen und 7667 Schadenfälle regultrt. Von letzteren entfallen auf die Hastpflichtverficherung 1343 Fälle wegen Körperverletzung und 870 wegen Sachbeschädigung; auf die Unfall- verstcherung 4807 Fälle, von denen 31 den sofortigen Tod und 78 eine gänzliche oder thetlwetse Invalidität der Verletzten zur Folge hatten. Von den Mitgliedern der Sterbekaffe sind im gleichen Zeit­räume 647 gestorben. Am Schluß des Jahres 1895 waren 179326 Policen über 1435865 versicherte Personen in Kraft.

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