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29.2.1896 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt. Samstag den 29. Februar

1886

Der Gieße«« «Mielget alchemt täglich, Bit Lu-nahm« des Montags.

Die Gießener )lmtnt«efd(fer Moden dem Anzeiger »l^ntlich dreimal boigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerak-Wnzeiger.

Vierteljährig« A do «emenls preick t 2 Mark 20 Pfg. eüt vringerloh». Durch die Post bezöge» 2 Mort 50 Pfg.

Rcboctien, Lxpedtti^ Mnb Druckerei:

Kch«tstr«ßeAr.r.

Fernsprecher 6».

Anrts- uni Anzeigeblertt für den Ureis Gieren.

] Hratisöeikage: Gießener Kamilienökätter

Ion ah m r DO« Anzeigen zu der Nachmittags für de« ftlzmden Lag erscheinenden Nummer bi» Barm. 10 Uhr.

Alle Lnnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" nttygee.

Amtliche« TKeil.

Gießen, den 26. Februar 1896.

Bstr.: Die Ausführung des KrankenverficherungSgesetzeS.

Sei Großherzogliche Kreisamt Metze«

»HB

zuweilen wir hierzu unsere Genehmigung und beauftragen

kiuS den uns vorgelegten UedeiwacdungSbogen haben

1878 über den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren.

1. Januar 1. I., die nachstehende Bestimmung zu setzen: Die Beiträge werden stets für volle Wochen erhoben, sodaß für Diejenigen, welche im Laufe einer Woche in die Gemeiude-Krankenverficherung eintreten, die BeitragSpflchr mit Anfang dieser Woche beginnt vnd für Dtljenigen, welche im Lause einer Woche auS- fcheiden, für diese Woche rechtzeitige Abmeldung vorausgesetzt gar kein Wochenbeitrag zu leisten ist"

u jedem anderen GelW ter Laqe, neues Gebäude,

«N die Grofth. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Nachdem die Gemeinden entsprechend unserem Amtsblatt hib 7. Januar l. I. beschlossen haben, an Stelle deS § 13 doch Statuts derGemeindekrankenverficherung", mit Wirkung

öalmiak-Terpemin'Knnsch

! feinste bunte und rooQtrtl > batten! «Stoff bleibt :

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- * fp c:g- dies ortSübllch zu veröffentlichen, sowie den Rechnern «XÄft1 «**« W-Uung »u ertseilen.

kaust«. Brrf

-»«»«ratz _

n . H nflhen, daß die Bestimmungen der §§ 9 Abs. 3,12,13

UUv u* «nrb U der Instruction zu rubr. Gesetz vom 14. Mat 1880

we große Partie Kra. ch-tteu,Thlipsesü.h Mn in nur guten QuA uaute dieselben, um bar l- ganz bedeutend unter)

BbMii ischertnmn gebrauchen V Lahn»

iverMmste halber }u ui

zu Dzrpad)ten. Offtita Btetr.: Die Ausführung des Gesetzes vom 10. September

L an die Exprd d. $1,

JL Automaten wtii))

Z W Großherzogliche Kreisamt Gießen tblßlMt 5dlW * ^koßh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

v. Gagern.

Gießen, 26. Februar 1896.

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Feuilleton.

Frankfurter Bries.

(Originalbericht für denGießener Anzeiger".)

(Nachdruck verbotm.)

Wl Friedrich Haases. Zehntes Freitags-Soneert der 1777) A-charwKLr-!«!!«cter Museums-Gesellschaft. Neue Anziehungskraft

des OrpheumS.

kaltem Zubehör zu E Di. M. Friedrich Haase hat die goldene Zeit der urcrmeister^ug,etlichen ManneSkrast längst hinter sich. Im Leben ist ti° alter Herr, aber auf der Bühne haben alle feine noch den frischen Reiz wie vor zehn Jahren. Seine 1436)£! fcat nicht gealtert, die sichere Beherrschung der tech-

ioerm»?itsrUei AuSdruckSmittel hat ihn nicht verlaffen und ebenso- 1842] in M>l 5°Wb öie Sympathie des Publikums, die sich ihm gegenüber vetzt-i.Miljv^ »rclbi in Frankfurt a. M. doppelt stark erweist, weshalb er fl4.£ , L- 4t h ben letzten Jahren ein häufiger Gast auf der dortigen geworden ist.

'W]*tn Repertoir HaafeS setzte sich auch diesmal auS seinen

gobnunfl *** ßi^ ekaiivmsten vornehmsten Glanzrollen zusammen, unter welchen »Marinelli- und GutzkowsKönigSlieutenaut" den *** y; 'ftimÄamg behaupten. DaS Kotzebue'sche LustspielDie |ö®<r® gjpei J tiitai Klingsberge" hätte sich wahrscheinlich schon längst U Jjj nttt Penfib"' i"gjf^n i i« Archivschlummer zurückgezogen, wenn eS die Kunst Öuui® 1Be * ^men to4c Friedrich Haase nicht immer wieder wach

/^TfSattS^1161 Wi. Seinem Geist und seiner ganzen Anlage nach ist ^vieth^>-^bliiÄ-^aGMiiick ein Niederschlag jener französischen Fluthwelle, r vor langer Zeit die gewinnenden Formen der äußeren Miliiallon, verbunden mit sittlichem Schlamm über Deutsch- ^s6tDfd,6n goftöttymäiHi gieren dahergewälzt hatte. Unsere älteren Luftspiel- §lo«k"!-^Ä"'ichtirisiad mit Erfolg in diese französische Schule des l^en|d Witzes und der inneren Niedertracht gegangen.

Aöbel, ^zzp«-^^iAewt>aliigs Bölkerkämpfe haben seitdem die französische Welle

xtauftn. Ri^zirrLugSbl. Nr. 17 von 1880) vielfach von Ihnen nickt

JuU MUY f 'tiiiht worden sind, so daß es dem Großh. Kreisgesund' heMamt Gießen gelegentlich der Impfung in einzelnen Fällen ftbnüljoupt nicht möglich war, die betreffenden Kinder zu ... .ehüiA, I-dem wir Sie dieserhalb auf unser Ausschreiben ctAT Stflßk mUh -9,,e ^ooem6cr 1893 (Amtsblatt Nr. 10) verweisen, CLf(all. HUchp» ruv-ne« wir für die Zukunft genaueste Befolgung der SESÄh*» '«*>*' »oxfdjriften.

,Äu«l»«'Ä. v. Sauern.

1 gerbtt, KirchiM - ---------- > -m-- - .

rieueste Uad?rid?tm>

m Wolffs telegraphisches Torrespondmz-Bureau.

8ttlin, 27. Februar. Anläßlich deS heutigen Hoch- im imbRuöeD-.St'auKL e i th o g e fl des Kaiserpaares findet Abends bei dem ,«7 ..

Kaiser und byr Kaiserin ein Galadiner für ihre Umgebung mit Damen statt.

Berlin, 27. Februar. Bei der Kaiserin Friedrich findet heute Abend ein Diner statt, wozu der englische, russische, österreichische und spanische Botschafter mit Ge­mahlinnen, sowie der türkische Botschafter geladen find.

Berlin, 27. Februar. Demnächst wird voraussichtlich in Berlin ein crtmiualpolizeilicher Covgreß von Vertretern deutscher Städte mit über 5000 Einwohnern In­structionen für die Einführung des Bertillon'schen Systems der Personenmeffung berathen. Die Anregung geht von der Dresdener Polizeidirection aus.

Berlin, 27. Februar. In der heutigen Sitzung des BundesratheS wurde dem Ausschußantrag über den Handel mit denaturirtem Branntwein, sowie dem Ausschuß« antrag über Regelung der ArbeitSverhältniffe in den Bäckereien und Conditoreien die Zustimmung ertheilt.

Troppau, 27. Februar. Auf den Lar ich ' scheu Gruben fordern dte Arbeiter die reine wöchentliche AuSlöhnung, 25 pCt. Lohnerhöhung, Rücknahme der Kündigung, Straf« lofigkeit der Strikenden, künftige Unterlaffung grundloser Kündigungen, Entlaffung des Ingenieurs Hollein. Die For­derungen wurden adgelehnt. DaS von der DirectionS-Con- sereuz gemachte Zugeständniß, regelmäßige Abschlagszahlungen innerhalb der bisherigen Lohnperioden, wurde von den Ar­beitern nicht angenommen. Dieselben bestehen auf wöchent­licher Abrechnung.

Karwiu, 27. Februar. Der Ausstand der Gruben­arbeiter, der in geringfügiger Ausdehnung schon einige Tage währte, hat sich fett heute früh weiter ausgedehnt. In nahezu allen Karwiner Schächten ist der Betrieb eingestellt und auch in Poremba, PeterSwald und Polnisch Ostrau ruht die Arbeit in einzelnen Schächten. In denjenigen Schächten, in denen bisher noch normal gearbeitet wurde, wird für heute Nachmittag gleichfalls Arbeitseinstellung befürchtet. Es sind daher Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen worden. Die GenSdarmen und diejenigen Arbeiter, welche sich am Strtke nicht betheiligen, wurden von den Aus­ständigen verhöhnt und die Telephonistinnen in Orlau thät- lich angegriffen. Zu ernstlichen Ruhestörungen ist es indeffen nicht gekommen. Die Gasthäuser müffeu laut polizeilicher Anordnung zu fixerer Stunde schließen und die Telephon- stellen fortlaufend Dienst unterhalten.

Bozen, 27. Februar. Erzherzog Albrecht Salvator ist gestorven.

Ro», 27. Februar. Der König wird in Begleitung des Krtegöministers und der Oderhofchargen am Samstag früh 6 Uhr nach Neapel abreifen, um noch an demselben Tage die nach Afrika abgehenden Truppen zu besichtigen.

Bordeaux, 27. Februar. Dr. Friedmann hatte gestern eine neue Zusammenkunft mit dem Vorsteher der Advokatenschaft. Friedmann behauptet, feine Auslieferung fei unmöglich, da er keinen Vertrauensbruch begangen habe, womit das Verlangen der Auslieferung begründet fei.

DöMea bei ®area*

Berlin, 27. Februar. Der Kaiser nahm heute im Reichskanzler-Palais einen längeren Vortrag des Reichs­kanzlers entgegen.

Berlin, 27. Februar. Das Herrenhaus erledigte heute zunächst kleinere Vorlagen und trat bann in bie zweite Lesung der Anerben-Borlage für Reuten- und AnsiedrlangS- flüter ein. Ein Theil derselben wurde erledigt.

Berlin, 27. Februar Dem Professor der hiesigen Uni- verfität, Dr. Theodor Mornmsen, ist der Kroneuorbeu 1. Klaffe verliehen worden.

Berlin, 27. Februar. Mit der Berathung des Ent­wurfes eines Depot-GefetzeS in der Reichstags Com- miffion wird, wie die ^Poft" erfährt, erst Donnerstag den 5. März begonnen.

Berlin, 27. Februar. Wie dasTageblatt" hört, hat der commanbirenbe General beS 15. Armee Corps, Herr v. Blume, feinen erbetenen Abschieb nicht erhalten. Die Angelegenheit (bekanntlich hatte eS zwischen dem Statthalter von Elsaß Lothringen unb ihm Differenzen gegeben) wird durch eine Versetzung deS Herrn v. Blume erledigt werden.

Berlin, 27. Februar. DerLocalanzeiger" meldet aus Athen: Die Minister deS Innern und Aeußereu erklärten in der Kammer, die Ausweisung HammersteinS sei gesetzlich gewesen wegen deS deutschen Steckbriefes unb wegen ber Thatfache, baß Hammerstein Griechenlaob compromittirenbe Correspondenzen für Zeitungen schrieb. Am SamStag werben bie officiellen Aktenstücke in bieser Angelegenheit ber Kammer vorgelegt werben.

Berlin, 27. Februar. DerLocalanzeiger" meldet au» Bordeaux, daß die Friedmaun'sche Broschüre sämmtliche an bie Gräfin Hohenau und anbere Persönlich­keiten der Berliner Hofgeselljchaftskreise gerichteten anonyme« Briefe im Wortlaut enthalte.

Prag, 27. Februar. In einem hiesigen Gasthause ent­deckte die Polizei einen neuen Geheimbund mit hoch- verräterischen Tendenzen. Drei Personen wurden in poli­zeilichen Gewahrsam genommen.

Triest, 27. Februar. Das letzte Unwetter war baS furchtbarste, welches hier beobachtet worden ist. Glatteis und eine mit einer Gewalt von 95 Km. per Stunde heran« brausende Bora hat eine unheimliche Verödung der Stadt bewirkt.

zurückgestaut und heute wirkt die aufgehäufte Frivolität selbst in dem Lustspiel, welches Kotzebue noch als besonders moralisch betonte, trotz der beweglichen unb fröhlichen Schilderung, auf uns übertoiegenb tierfitmmenb, wenn nicht schließlich ber Genuß au ber meisterhaften Virtuosität, mit welcher Friebrich Haase bett unverwüstlichen, geistreich schillernbeu Lebemann, ber in so lustiger Weise geprellt wirb, vorführt, alle tieferen Be­denken zum Schweigen brächte.

Friedrich Haase gibt im Auftreten ber Rolle des alten Klingsberg, den er, sozusagen, neu für die Bühne geschaffen hat, etwas ganz Eigenes unb Originelles. Bewegung, Mienenspiel unb Stimmgebung ist bis ins Kleinste durchdacht unb berechnet. Jebe Geberbe erhält bie abgemessene Sicher­heit unb Bestimmtheit eines Uhrwerks unb macht bennoch ntcht ben Eindruck beS Mechanischen, sonbern Überrascht burch bie frische Röthe wirklichen Lebens.

Die MuseumS-Concerte wollen ihren alten, guten Ruf noch übertrumpfen, benn bie interessanten Novitäten unb illustreu Gäste nehmen kein Ende. Wenn man vom musika­lischen Leben unb Treiben ber Gegenwart nichts weiter ver­nähme, als was diese Concerte bieten mau hätte doch ein fast lückenloses Bild der neuesten Entwicklung.

Richard Strauß, dem sich die Opernbühnen noch immer spröde erweisen, bringt ins Publikum zuerst vom Concertsaale aus, unb ben Frankfurter Leitern ber Museums- concerte bleibt jedenfalls baß schöne Verdienst, eine ber ersten unb gebiegenften Vermittlerrollen zwischen dem genialen Ton­setzer unb einem verstänbnißvollen unb musikalisch erzogenen Publikum übernommen zu haben.

In bem sinfonischen WerkTill EuleuspiegelS lustige Streiche", das wir am Freitag in kongenialer Auffassung zu hören bekamen, stellen wir bie glänzenbe Jn- strumentirungskunst beS jungen Meisters obenan, bie sich nicht nur am Wagner'schen Orchester gebilbet, sondern, wie

bas von rechtSwegeu bei allen selbstständigen Musikern ber Fall sein sollte, über dasselbe hinaus ihre eigene Sprache und AuSdruckSmittel geschaffen hat.

Dte Gattin deS Compoulsten, Frau Pauline Strauß de Ah na, Sängerin an der Münchener Hosoper, war als Liedersängerin für das Concert engagtrt und nahm an ben Ehren ihres Gemahls entsprechenben Antheil. Einen schweren Staub neben bem Künstlerehepaar hatte ber Claviervtrtnose beS AbenbS, Herr Ferruccio Busoni, bem übrigens auch bie lebhaften Erinnerungen an bie Spielweise Frvderic Lamonbs nicht ganz zuträglich waren.

Die neueste Anziehungskraft beS Frankfurter OrpheumS heißt Frau Rechtsanwalt Fritz Friedmann, die sich am Dienstag einem vielköpfigen Publikum als sentimentale Lieber- sällgenn präfentirte. Es ist nichts Ungewöhnliches mehr, baß verkrachte weibliche Existenzen, verschulbet ober unter» schulbet in Armuth gerathene Frauen als letzten RettuugS- Hafen bie Specialttätenbühne aufsuchen. Die Chronik der Hauptstädte weiß davon zu erzählen. In Berlin probuclrte fich vor etlichen Jahren eine heruntergekommene veritable russische Fürstin als Schulreiterin, auf ihrem Reitcostüm die Wappen ihres Hauses. Für ein, zwei Abende zog baß, als die Dame jedoch keine anderen HilfSqaellen ins Feld zu führen hatte, verlor fich das Interesse sehr bald.

Bei Frau Fritz Friedmann wird das ebenso gehen, denn ihrem etwas einförmigen Gesang haftet nichts an, waS die Leute verlocken könnte, das HauS zu stürmen, in welchem sie singt. Loben kann man indeß die Zusammenstellung ihres LlederprogrammS. Daß die Dame versteht, fich gefchmackooS anzuziehen, braucht wohl nicht besonders unterstrichen zu werden.