Gleichzeitig hi einer Form geboten wird, die Annehmlichkeiten nud Wohlbehagen bietet. Seine der anderen Badeformen kommt in dieser Beziehung dem Schwimmbad gleich- eS hat eben den großen Borzug, daß e» nicht nur die zur Gesundheit erforderliche Reinlichkeit herbeiführt, sondern auch durch die freie Bewegung in dem frischen Wasser einen Genuß bietet, den Jeder zu schätzen weiß, der schwimmen koon. „Duschen ist gut, Schwimmen ist besser!*
In welchem Maße durch solche Anstalten das Reinigung»- und Badebedürfniß überhaupt gesteigert wird, erhellt aus den in Stuttgart gemachten Erfahrungen.
Dor Errichtung der jetzigen Schwimmbadeanstalt in Stuttgart wurden jährlich au» der städtischen Wasserleitung zur Speisung der dort vorhandenen Prioat-Badeanstalten im Ganzen 61000 Lbw. Wasser entnommen. Rach der im Jahre 1893 erfolgten Errichtung einer Schwimmbadeanstalt mit Sommer, und Winterbetrieb stieg der Wasserverbrauch für die Privatbadeanstalten um 186817 Ebm., also um da» Dreifache. Diese Zahlen, meine Herren, sprechen meine» Erachten» eine Sprache, die an Deutlichkeit nicht» zu wünschen übrig läßt. Sie beweisen auch, daß die P rtv a taust alt en keinerlei Ursache haben, die Gründung rc. solcher großen Badeanstalten zu bekämpfen.
Die erste Schwimmbadeanstalt mit Sommer« und Winter« betrieb in Deutschland wurde im Jahre 1860, also vor 36 Jahren zu Magdeburg durch eine gemeinnützige Gesell« schäft in» Leben gerufen und zwar war fie, wie früher in England vielfach üblich, mit einer Waschanstalt verbunden. E» geschah die», weil man ersten» den Leuten der ärmeren Klassen, während sie im Bad waren, Gelegenheit bieten wollte, ihre Wäsche reinigen zu lassen und zweiten», weil man damals der falschen Ansicht war, die Waschanstalt sei erforderlich, um die ganze Anlage rentabel zu machen.
Diese» System der Verbindung einer Waschanstalt mit einer Badeanstalt hat man meine» Wissen» später niemals »ehr wiederholt und in Magdeburg selbst beabsichtigt man die Waschanstalt jetzt ganz aufzuheben und statt dessen billige Wannen« und Brausebäder einzurichten. .
Die Magdeburger Schwimmbadeanstalt blieb lange Zeit die einzige Deutschland», erst 1867 wurde die in Hannover errichtet, die aber insofern in der Anlage verunglückt ist, al» die Heizung-Vorrichtungen für einen regelmäßigen Winterbetrieb nicht genügen.
Erft vom Jahre 1870 an find in verhältnißmäßig kurzer Aufeinanderfolge eine große Zahl von Schwimmbadeanstalten entstanden. Zunächst 1870 da» Dianabad in Leipzig, dann 1873 Zittau, 1877 Baden-Baden und Bremen, 1878 Dortmund, 1881 Aachen, 1882 Oldenburg und Barmen, 1883 Osnabrück, 1885 Köln und seitdem ist wohl kein Jahr vergangen, in dem nicht eine oder mehrere derartige Schwimm- hallen eröffnet wurden. Soweit mir bekannt, bestehen jetzt an etwa 50 Städten Deutschland» Schwimmhallen und da bekanntlich etwa» wirklich Gute», wenn e» einmal Wurzel gefaßt hat, fich mit einer gewissen Stetigkeit weiter zu entwickeln pflegt, so werden schon in absehbarer Zeit diejenigen größeren und mittleren Städte zu den unrühmlichen Ausnahmen gehören, die Schwimmhallen noch nicht befitzen.
Don den obenerwähnten Anstalten war namentlich die 1877 in Bremen auf gemeinnütziger Grundlage errichtete von großer Bedeutung, weil bei dieser zum ersten Male in voll« ständiger Weise alle Hilfsmittel der modernen Technik für die Einrichtung nutzbar gemacht wurden.
Bei dem Bremer Bad wurde auch zum erstenmal das System doppelter Umgänge mit dazwischenliegenden AuSkletde- zellen eingeführt, welches fich zur Reinhaltung des Wassers i« Schwirnmbasfin vorzüglich bewährte und typisch geworden ist fit alle späteren Anlagen, die Anspruch auf eine gute und * zweckmäßige Einrichtung erheben wollen.
Was nun die Anlage und Einrichtung der bi» jetzt bestehenden Schwimmhallen anbelangt, so liegt eS auf der Hand, daß nicht gleich die ersten der errichteten Anstalten Musteranlagen waren. Wie auf jedem anderen Gebiet mußte man auch hier erst die richtigen Erfahrungen sammeln. ES wurde i» Anfang mancher Fehlgriff gemacht, bi» e» gelang, allgemein giltige Regeln aufzustellen, die man den Projecten
zu Grunde zu legen hatte, und wenn manche der älteren und auch neueren Anstalten eine mangelhafte Rentabilität ausweisen, so hat daS fast regelmäßig seinen Grund in Fehlern bei der Anlage.
Ich will nun zunächst versuchen, einige der wichtigsten Regeln, die bei der Anlage eine» derartigen Schwimmbades zu berücksichtigen find, Ihnen vorzuführen.
Die Bezeichnung Schwimmbadeanstalt mit Sommer- und Winterbetrieb ist eigentlich keine ganz correcte, oder wenigsten» keine vollständige, bet fast allen derartigen bl» jetzt auSge- führten Anlagen bildet zwar ein oder auch mehrere Schwtmm- basfin» einen Hauptbestandtheil, aber durchweg find auch Wannen- und Brausebäder und vielfach auch noch sogenannte römisch irische Bäder gleichzeitig vorhanden, so daß es dem Publikum freisteht, welche Badeform e» wählen will.
Tine der wichtigsten Grundbedingungen für die Projectirung einer solchen Anlage ist nun die, daß fie allen Bevölkerungsklaffen gleichzeitig zu dienen hat, daß sie also insbesondere auch dem Bedürfniß nach ganz billigen Bädern für die unteren Volksklaffen Rechnung tragen muß. Es ist daher die Einrichtung so zu treff «in, daß an bestimmten Abenden in der Woche von 7 bis 10 Uhr die Schwimmhalle zu dem ermäßigten Preis von etwa 10 Pfennigen per Bad den weniger Bemittelten zugängig gemacht wird, es hat sich dies sehr gut bewährt und genügt auch vollständig, da der Arbeiter doch meist nur in den Abendstunden Zeit hat, ein Bad zu nehmen.
In den Schwimmbadeanstalten großer Städte hat man getrennte Bassins für Männer und Frauen, in kleineren Städten behilft man sich mit einem Bassin, da daS zu verzinsende Anlagecapital sonst zu hoch wird. Die Einrichtung ist dann meist so, daß an den frühen Morgenstunden von %6 bis 8 Uhr daS Bad für die Männer, von 8 bis 12 Uhr für Frauen und die übrige Zeit wieder für Männer geöffnet ist.
Sehr wichtig für die Rentabilitätsfrage eine» Schwimmbades ist die Ueberfichtlichkeit in der Gesammtanordnung, fodaß man mit möglichst wenig Personal auskommt.
Hierbei ist auch vielfach gesündigt worden und haben solche Fehler meist da» Schlimme, daß fie fich nachträglich nicht mehr verbessern lassen- namentlich die Wannenbäder erster, zweiter und dritter Klaffe, einschließlich Brausebäder, müssen so angeordnet sein, daß fie von einer Person bedient werden können.
Die Wasserversorgung geschieht da, wo e» technisch möglich ist, stet« am besten bezw. billigsten durch Brunnen- da» Wasser wird in diesem Fall durch Dampfftrahlapparate gehoben, wodurch gleichzeitig eine Borwärmung geschieht.
Der Wasserbedarf ist ein sehr großer und ist e» durchaus zu verwerfen, am Wasser zu sparen. Das Wasser in den Schwimmbassins insbesondere muß stets so klar sein, daß man an der tiefsten Stelle der BasfinS, die etwa 2,8 bis 3,5 Meter beträgt, bis auf den Grund sehen kann.
Die Bassins müssen mindesten- einmal in der Woche, bei stärkerer Frequenz zweimal vollständig abgelaflen und neu gefüllt werden, außerdem muß ein ständiger und sicht« barer Zu- und Abfluß vorhanden sein.
Die erforderliche Waffermenge berechnet man bei derartigen Anstalten am besten nach der Gesammtbäderzahl.
ES wurden z. B.
in Hamburg bei jährl. 127845 Bäder 6192966m. = 0,78 6bm pro Bad
,, Stuttgart „ „ 340000 „ 186000 „ =0,55 „ „ ,
„ Bremen „ „ 273456 „ 148000 „ =0,55 „ „ „
b. h. wenn man alle verabreichten Bäder, also Schwimm-,
Wannenbäder, römisch.irische und Brausebäder zusammenrechnet, so braucht man im Durchschnitt 0,5 bis 0,6 Ebm. Wasser pro Bad.
Ein anderer wichtiger Factor für die Rentabilität ist der Kohlenverbrauch. Derselbe betrug bei der Badeanstalt in Hamburg 2,6 Kgr. per Bad Steinkohlen „ Hamburg S. 2,4 „ „ „
„ Stuttgart 2,10 ,, ” ' ”
„ Magdeburg 7 „ Braunkohle».
Diesen Angaben habe ich die Gesammtbäderzahl zu Grunde gelegt. ES liegt nun bei Errichtung einer Bade- und Schwimmanstalt die Frage nahe: Wie wird die Rentabilität fich vorauSfichtlich stellen? Die zu erwartende Gesammtbäderzahl
berechnet man selbstverständlich nach der Einwohnerzahl mtb ift im allgemeinen zu sagen, daß verhältnißmäßig in kleinere» Städten die Badefrequeozziffern fich höher stellen, al» in größeren- eS ist dies dadurch erklärlich, daß In den große» -Städten durch die zum Theil sehr großen Entfernuage» Mancher vom Besuch der öffentlichen Badeanstalten abgehalte» wird.
Ich gebe Ihnen nachstehend eine Zusammenstellung von ber Bäderzahl in ben Schwimmbabeanftolten von 19 Städte» bis zu 200000 Einwohner.
A. Mit Flußbädern:
^mwihnkr.ahl Bibmohl
Bremen. . . 130 000 275,000 Düsseldorf. . 160.000 262,000 Elberfeld . . 130,000 314,000 Lennep ... 10 000 26.000 Oldenburg . 25,000 45,000
Heilbronn . . 31,000 148 000 H'ldeSheim . 34,000 55 000
Offendach (M). 35.000 101,000 Hagen i. W . 39,000 99,000
Osnabrück. . 40 000 51,000
B. Ohne Flußbäder:
Crefeld. . . 106 000 195,000 Stuttgart . . 140 000 340 000 Z'ttau . . . 25.000 62,000 Gladbach . . 51000 122,000 Münster . . 52,000 108,000 Karlsruhe.. 75 000 95,000 Dortmund . 95.000 248,000 Barmen . . 125,000 192 000 Paderborn. . 19,000 57000
Sa. 634,000 1,376.000
b. h. auf 100 Einwohner pro Jahr durchschnittlich 217 verabreicht« Bäder.
Sa. 688,000 1,419 000
d. h. auf 100 Einwohner pr» Jahr durchschnittlich 207 verabreichte Bäder.
Dieselbe stellt fich durchschnittlich auf 215%. Die höchste Frequenz hat Heilbronn auf 426%. Für Gieße» durste man wohl 250—300 % annehmen, weil in Gienen das Badebedürfniß bereits sehr entwickelt ist und die Zu« sarnmensetzung der Bevölkerung eine weit günstigere ift, al« in ber oben angeführten Stabt.
Durch bie obigen Zahlen wirb insbesondere auch unwider- leglich nachgewiesen, daß bie Existenz von Flußbädern die Frequenz solcher Badeanstalten nicht vermindert, sondern vermehrt.
Wenn meine Ausführungen durch die vielen Zahle» und statistischen Mittheiluogen anderer Anstalten vielleicht auch etwas trocken und langweilig für Sie gewe'en find, f» hoffe ich immerhin, daß fie mit dazu beigetragen haben, manche Einzelheiten von dem, wa» hier beabsichtigt wird, auszuklären.
ES Hai fich gerade in unserer Zeit bie Erkennen iß immer mehr Bahn gebrochen, daß wir viele Krankheiten und körperliche Schwächen selbst verschulden durch eine fehlerhafte Lebensweise.
Es ist daS Berständniß erwacht, daß wir durch eine vernünftige Behandlung des Körpers im Stande find, viele Gefahren für unsere Gesundheit abzuwehren und uv» bi» in'» Alter frisch und arbeitsfähig zu erhalten.
Reinhaltung, Abhärtung und Kräftigung de» Körper» find hierfür die Haupterfordernisse. Sie können aber durch nicht» besser erfüllt werden, al» das Schwimmbad.
Wie ich bereits zu Anfang erwähnte, haben die große« Vorzüge, die das Schwimmbad vor allen anderen Badeformen auszeichnet und die hohe Bedeutung, die es gerade für die gesundheitliche Entwickelung ber Jugend hat, dazu geführt, daß in dem verhältnißmäßig kurzen Zeitraum von 25 Jahren in fast allen größeren und vielen mittleren und kleineren Städten Deutschlands gut eingerichtete Schwimmhallen entstanden sind, bereit Besucherzahl von Jahr zu Jahr wächst.
Hoffen wir, baß recht balb auch hier in Gießen ber Jugend ein Mittel gewährt werbe, welches neben dem Turn« betrieb und ber Pflege ber Jugenbspiele vor allem geeignet ist, bie Entwickelung beß heranwachsenben Körper» zu forbern.
Hoffen wir, baß auch hier recht balb ben arbeitende« Klaffen Gelegenheit geboten werde, an einer Körperpflege theil zu nehmen, deren fie mehr bedürfen al» -alle anderen.
Wir wollen hoffen, baß Alle, die ein warme» Herz für die Heranwachsende Jugend und ein Berständniß von tem hohen Nutzen ber Bäder für bie Gesundheit de» Volke» befitzen, eine Wohlfahrtseinrichtung begründen helfen, die eine Zierde für Ihre Stadt und für Sie Alle aber eine neue Quelle ber Gesunbheit unb Kraft werben soll'
Holzversteigerung.
Bdrrsörstkrri Sraniiobtrnhorf.
Freitag den 31. Januar I. Js., Vormittag» 10 Uhr, werben in der Hohmann 'schen Wirth schäft in Kleeberg versteigert au»:
Distrikt 29, vromdergerstei». Eichen: 2 Stämme mit 0,17 fm, 5 rm Nutzscheit und Knüppel (2,5 m lang), 14 rm Scheit u. Knüppel, 400 Wellen 2. Kl., Buchen: 163 rm Scheit u. Knüppel, 4150 Wellen 2. Kl., Nabel- holz: 45 Stämme mit 8,61 fm, 2 rm Mtzknüppel (4 m lang), 6 rm Scheit u. Knüppel.
Distrikt 21, Spechtischheck. Eichen -. 4725 Wellen 4. Kl. . Buchen: 850 Wellen 3. Kl. Andere» Laubholz: 9 rm Knüppel, 1900 Wellen 3. Kl.
Distrikt 22, Spechtischheck. Eichen: 1275 Wellen 4. Kl. , Buchen: 2725 Wellen 3. Kl. Ändere» Laubholz: 13 rm Knüppel. 5925 Wellen 3. Kl.
Brandoberndluf, 21. Januar 1896.
Der König!. Oberförster. 782 Hahn.
Holzversteigerung.
Freitag deu 31. Jauuar, Vormittags 9% Uhr, soll im Leih« gesterner Gemeinbewald nachverzeich« netes Holz versteigert werben.
35 rm Eichen-Scheit,
250 „ „ Knüppel,
80 „ „ Stöcke,
3540 Eichen-Wellen,
48 Eichen-Stämme von 4—10rn Länge = 14,74 fm,
39 Eichen-Derbstangen, 2,50 fm. Zusammenkunft am Schindanger Leihgestern, den 24. Januar 1896. Großh. Bürgermeisterei Leihgestern.
Heß. 854
Jagdverpachtung.
Samstag deu 8. Februar l. I., Vormittag» 11 Uhr anfangend, soll auf dem Gemeindehaus zu Vil- lingen die ber Gemeinde zustehende Jagb, bestehenb in circa 900 Hectar Feld unb Wald, sowie drei Teichen, auf I bie Dauer von sechs Jahren öffentlich verpachtet werben.
Villingen ist Station ber Ober- hessischen Eisenbahn (Nebenlinie
Hungen—Laubach) und kann von Frankfurt a. M., Darmstabt rc. in kurzer Zeit unb bei Vollendung ber Linie Hungen—Friebberg von Frankfurt a. M. in circa 1% Stunben erreicht werben.
Die Jagb grenzt unmittelbar an die Station unb bietet einen guten Wilbstanb, besonber» an Rehen.
Villingen, ben 20. Januar 1896. Großh. Bürgermeisterei Villingen.
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