Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 25. November. Wie aus Kiel gemeldet wird, sagte der Kaiser in seiner im OffizierScafino an die gelammten Oifijiere gerichteten Ansprache: „Wenn wir den heutigen Tag der Weihe würdig begehen, dann möchte ich auch der pfl chttreuen Besatzung deS „Jltiß" gedenken, die tm letzten Augenblicke ihres Kaiser- gedachte. Dieses Verhalten erfüllt mich mit Stolz. Ich setze beim gesummten Oifisiercorp« dieselbe opsersreudige Hingebung voraus." Die anwesenden 127 Offiziere besinnen vor dem Kaiser, einzeln mit ihm anstoßend.
Berlin, 25. November. Im Reichstage ist heute der Trat des Reichstages, Anlage I, zum ReickShauShaltketat ein- gegangen. Die Ausgaben find auf 658,190 Mark veranschlagt.
Berlin, 25. November. Im preußischen Abgeord- netenhause wurde heute in erster Lesung der Gesetzentwurf über die Tilgung von Staatsschulden und Bildung eines Ausgleichsfonds berathen. Ftnanzmtnister M'quel begründet in längerer Rede den Entwurf. Ao der wetlercu Debatte behelligen fich die Abgeordneten Bachem (Ctr.), Sattler (nl.) u. A. Morgen kommt das LehrerbesoldungSgefrtz in erster Lesung zur Verhandlung.
Berlin, 25. November. Am nächsten SamStag Nachmittag tritt iw hiesigen Rathbause der Vorstand deS allgemeinen preußischen StädtetageS unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Zelle behufs Stellungnahme zum LehrerbesoldungSgesktz zusammen. ES handelt fich dabei um eine Berathung und Abänderung der bezüglichen Petition, welche dem preußischen Siädtetag bei seiner ersten Tagung vorlag. Den abgeänderten Entwurf wird Oberbürgermeister Brcker Köln dem Vorstände zur Genehmigung unterbreiten.
Berlin, 25. November. In der heutigen Vormittags- Ziehung der Serie C der Berliner Gewerbe-AuS- stellungS-Lotterie fiel auf Nr. 381 593 ein Gewinn tm Werthe von 5000 Mk., auf Nr. 107 967, Ne. 237 278 und Nr. 384 752 Gewinne im Werthe von je 500 Mk.
Berlin, 24. November. Bei der Martneverwaltung soll die Abficht bestehen, die Garnison der Insel Helgo- land ganz bedeutend zu verstärken.
Frankfurt a. M., 25. November. Der „Franks. Ztg." wird aus Rudolstadt gemeldet: Der Landtag wählte heute den RittergutSbefitzer Lüttich zum Präfidenren, den Rechtsanwalt Hertel zum Stellvertreter desselben. Bei der Wahlprüfung deS mit socialistischer Hilfe gewählten Abge- ordneten Wilhelm wurde vom Abg. Werner festgestellt, daß Wilhelm kein Socialist ist. Wilhelm widersprach dem nicht. Abg. Appel (Soe.) erklärte hierauf, daß die socialdemokratische Partei wie noch nie htntergangen worden sei.
Erfurt, 25. November. Der christlich-sociale Eon« greß Naumann'icher Richtung ist heute Vormittag geschloffen worden. Zum Dorfitzenden wurde Pfarrer Naumann gewählt Der nächstjährige Delegirtentag ist Anfang October.
Kiel, 25. November- Der Kaiser wird heute Nach- mittag die kaiserlichen Wersten und insbesondere das Panzerschiff „Baden" befichtigen, welches fich jetzt tm Umbau be- findet. Darnach wird der Kaiser an Bord deS Dampfers „König Wilhelm" in See gehen, wo ein Torpedo-Angriff auf das Schiff fiagirt werden soll. Der Aufenthalt des Kaisers wird voraussichtlich bis Freitag dauern. — Graf Waldersee ist heute Vormittag nach Altona zurückgeretst.
Hamburg, 25. November. Heute nahmen auch die Kesselreiniger den Strike auf, während die Ewer- führer voraussichtlich noch heute Abend die Arbeit nieder- legen werden. Auf den großen Amerika Dampfern find Wohnungen für italienische Hilfsarbeiter eingerichtet worden. Eö arbeiten 35 Schiffe mit 112 nichtstrikenden L'uten und 150 auswärtigen Arbeitern. Bis jetzt strtken 6800 Mann.
Breme«, 25. November. Die fämmtlichen Hafen- arbeiter haben heute Vormittag die Arbeit niedergelegt. Ihre Hauptforderung besteht in der Erhöhung der Durchschnittslöhne von 3 Mk. auf 3.50 Mk. Die Lager haus Gesellichaft bot 3.30 Mk. In Bremerhaven wird ebenfalls ogitirt.
Wie», 25. November. Eine Pariser Zuschrift der „Polit. Corr." bestätigt, daß, nachdem die Durchführung der Reformen in der Türkei fortgesetzt auf große Schwierigkeiten stoße und das franzöfische SanirungS-Projrct gescheitert sei, die Botschafter nach der Rückkehr deS russischen Botschafters v. Neltdow in Konstantinopel Berathungen Über ein bescheideneres Arrangement als bisher in Aussicht genommen eröffnen werden.
Rom, 25. November. Dem Wagen des Königs näherte sich gestern ein Mann, um in denselben eine Bittschrift zu werfen, wurde aber, noch ehe er sein Vorhaben ausführen konnte, verhaftet. Darauf zerriß er das Papier in Stücke. Der Mann wollte etne^ Unterstützung für in Afrika geleistete Dienste.
Rom, 25. November. Wie aus bester Quelle verlautet, soll die Frage der Befreiung der italienischen Gefangenen auf folgende Weise geregelt werden: Die Beschlagnahme deS DampserS „Doelwyk" durch Italien wird von der UntersuchungS Commission gebilligt werden. Der Besitzer des Dompfeis wird sich dafür von der Gesellschaft, welche die Schiffsladung versichert hatte, eine Entschädigung zahlen laffen. Um die Befreiung der Gefangenen zu erlangen, werden MeneUk die beschlagnahmten Gewlhre zum Geschenk angeboten.
Paris, 25. November. „Matin" schreibt: Die Vorgänge in Brüssel beweisen, daß die Feinde der Republik jede Gelegenheit benutzen werden, um gegen die Republik Sturm zu lausen. DaS Parlament ist schon ohae Regie- rungSmehrheit. Die Zersplitterung der Republikaner bildet eine große Gefahr für die Republik. Tine Verständigung zwischen den Gemäßigten und Fortschrittlern ist zur Lebensfrage geworden.
Madrid, 25. November. AuS Cuba und von den Philippinen kommen pessimistische Nachrichten. ES heißt,
die plötzliche Abreise deS General« Wey'er nach Havanna ei erfolgt, weil die Operationen dort vollständig geicheitkrt eien. In der Provinz Pinar haben die Truppen seit vier- undzwanzig Stunden keinerlei Lebensmittel erhalten. Die Zahl der Kranken beträgt ein'ge tausend.
Berlin, 26. November. Gegenüber der Meldung de« „Volk", daß die zukünftige Sommerresidenz deS Tais e rp a a reS nach WilhelmShöhe bei Caffel verlegt werden solle, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.", fie sei in der Lage, zu erklären, daß diese Nachricht auf E'finduug beruhe. An maßgebender Stelle sei von einer solchen Absicht deS Kaisers nichts bekannt.
Berlin, 26. November. In dem gestern Nachmittag nach Schluß der Plenarsitzung abgehaltenen Senioren- Convent des Reichstages wurde außer dem Beschluß, die Etatberathung am Montag beginnen zu laffen, noch bestimmt, die Iustiznovelle vor den Wethnach'Sferien unter allen Umständen noch in zweiter und dritter Lesung zu er- ledigen und eoent. noch einige erste Lesungen vom Entwürfe vorzunehmen. Ueber den Anfang und daS Ende der Weih- nachtSserien ist noch nichts entschieden worden.
Hamburg, 26. November. Eine von 2500 Arbeitern besuchte Seemann«.Versammlung proclamirte den Ausstand der Seeleute. — In der gestrigen Abendfitzung beschlossen die Ewerführer, heute die Arbeit einzustellen, da ihre Forderung von 4.50 Mk. und zehnstündige Arbeitszeit verweigert wurde. — Voraussichtlich erreicht heute die Zahl der Strikenden 1000. Die Hafenarbrit ruht gänzlich. — Ein Strike der Maschinisten und Krahuführer steht gleichfalls bevor. Auf 35 Schiffen wird gearbeitet- nur 170 Schauer- leute arbeiten. Die ankommenden Ersatzarbeiter werden in Kremsern und Droschken empfangen, um sie dem Einfluß der Strikenden zu entziehen. Die Aussichten auf eine gütliche Beilegung des StrikeS find gering. Anscheinend erklären fich die franzöfischen Schiffsarbeiter mit den Strikenden solidarisch, weil der Packetsahrtdampser „California" in Havre seine Ladung nicht completiren konnte.
Bremen, 26. November. Die Krahuführer und die Vorarbeiter haben fich dem Ausstande angeschloffen. ES striken nunmehr 800 Mann. Mit Hilfe fremder Arbeiter wird ein mäßiger Betrieb ermöglicht. In Bremerhaven wird gearbeitet.
Brüx, 26. November. In dem ArbeitShause deS hiesigen StrafgerichtsgefängniffeS brach gestern ein großes Feuer aus. Die Sträflinge schlugen ungeheuren Lärm, da der Qualm in die Zellen eindrang. Sie wurden auf den Hof geführt, wo fie von Soldaten bewacht wurden. Der Verdacht, den Brand verursacht zu haben, trifft einen Sträfling, welcher durch Anzünden einer Cigarrette ein Pack Baumwolle in Brand setzte. Sechs Sträflinge erlitten schwere Brandwunden. Nach einer anderen Version ist baß Feuer von Sträflingen gelegt worden, um bei einer allgemeinen Verwirrung ent- springen zu können.
w CocttUs rrnd
Gieße», den 26. November
* • Ehrung. Anläßlich des 100jährigen Geburtstages deS Theologen Prof. Credner, welcher an unserer Hochschule lange Jahre wirkte, und Ende der 40er Jahre dahier verstarb, wird die theologische Facultät am Hause F-anksurterst'-aße 13 eine Gedenktafel anbringen laffen. Der 100 jährige Geburtstag, welcher auf den 6. Januar n. I. fällt, wird von der Universität am 10. Januar k. I. durch einen Fest Act gefeiert werden.
• • Auszeichnungen. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben außer den bereit« erwähnten Auszeichnungen u. A. folgende verliehen: dem Minifterialrath Hermann v. Bechtold zu Darmstadt da« Comthurkreuz 2. Klasse deS Verdienstordens Philipp« deS Großmüthigen, dem Kreisrath v. Grolman zu Alsfeld, dem RegierungSrath Nover zu Darmstadt daS Ritterkreuz 1. Klaffe deS vorgedachten Orden« - daS Silberne Kreuz deffelben Orden« dem Gemetndeeianehmer Klein zu Wohnbach, daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" dem Gemeindeeinnehmer Wagner in Ze.lhardt und Langftrof in OpperS- Hofen, daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit" dem Waldarbeiter Schmidt I. zu Rodhcim v. d. H. und Weil zu Bellersheim. Der Character als Geheimrath wurde verliehen dem Mintsterialrath Dr. Ufinger, der Character als Geh. RegierungSrath dem KretSrath H aa S in Offenbach, der Character als Commerzienrath dem Fabrikanten Wllh. Wenzel in Lauterbach. Dos Ritterkreuz 2. Klaffe de« Verdienstordens Philipps de« Großmüthigen wurde verliehen dem GerichrSschreiber Frick in Friedberg, baß Allgemeine Ehrenzeichen mit ber Inschrift „Für langjährige treue Dienste" bea OrtSgerichismännern Kautz in Lumda und Stier in Ilbeshausen. Den Character alß Geh. Justizrath erhielt Oberamtsrichter Bauer in Bad- Nauheim- daß Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps de« Großmüthigen der Wachtmeister Hölzer tm Gendarmerie- distrtct Oberheffen, dasRitterkreuz 1. Klaffe dksselben Ordens Steuerrath HooS in Büdingen, der Forstmeister Leo in Büdingen, Rendant W. Hunsinger in Nidda, da« Allge- meineEhrenzeichen für treue Dienste SteurrcommiffariatSgrhilfe De eg in Homberg, der Förster Geiß in Burkhards, die Bahnwärter Fleischhauer, Honig, Müller, Weber, Zimmer, sämmtlich bei den Obcrhesfischen Eisenbahnen- da« S'lberne Kreuz deffelben Orden« Pfandmeister Kemmer in Gießen, Stationsvorsteher Müller in Büdingen, Bahnmeister Dickel in Alsfeld, Quirin in Fulda, da« Allgemeine Ehrenzeichen für treue Dienste der Steueraufseher Heberer zu Alsfeld, baß Allgemeine Ehrenzeichen für treue Arbeit ber Holzsetzer Hofmann II. tu Ulfa, Gradtrer Fiedler zu Bad Nauheim. — Den Characier al« Rendant erhielt DtstrictSeinnehmer Büttel tu Friedberg, den Character alß Förster Forftwart Büttner zu Eifa.
• • Stadttheater. Schönthan und Koppel - Ellfeld» reizendeß Lustspiel „Comtesse Guckerl", welche« bei seiner ersten Aufführung einen vollen Erfolg errang, wird am Freitag zum zweiten Male aufgeführt.
• • Wohlthatigkeittcoocert. Für die Besucher de« Concertß am 29. d. Mr«, dürfte e« von Jntereffe sein, einige Einzelheiten au« dem Leben Smetana«, de« geistvollen Com- pouisten der symphonischen Dichtung Ulrava, zu erfahren. Friedrich Smetana, wegen seiner vielseitigen und getst^ vollen mufikalischen Gedanken vielfach der böhmische Mozart genannt, wurde 1824 zu Leitomischl geboren und starb 1884 nach kurzer Geistesstörung in Prag. Sein Leben war ein ziemlich bewegte« - wir finden ihn zunächst als Leiter einer Musikschule in Prag, später alß Dirigent der Philharmonischen Gesellschaft in Gothenburg. Nach mehreren Concertretsen, die seinen Rus alß Pianist begründeten und von denen die nach Schweden und Norwegen (1861) die bedeutendste war^ übernahm er 1866 die Capellmeisterstelle am Nationaltheater in Prag, die er 1874 wegen völligen Verluste« seine« Gehör« ntederlegen muhte. Alß national czechischer Componist nimmt S. eine hervorragende Stellung ein- er war ein glühender Verehrer von Lrßzt, wa« besonder« in der Form seiner symphonischen Werke, den verschiedenen symphonischen Dichtungen seine Erklärung findet. In Deutschland wurde er erst nach seinem Tode bekannt, und eß waren vor allen Dingen seine Opern und einige seiner symphonischen Dichtungen, die ihm den Weg auf die Bühne und in den Concerrsaal bahnten.
* • „Daß Christenthnm Christi" oder: „Waß wollte Jesu« von Nazareth?" ist da« hochtnteressante und ungemein zeitgemäße Thema, baß Herr Dr. Iohanneß Müller in einem 5. Vortrage, ber morgen, Freitag Abenb 8 Uhr tm großen Saale von Stein« Garten stattfinbet, behandeln wirb. Seit Lessing in den Ruf ausbrach: „Wer bringt un« endlich ein Christenthum, wie e« Christus selbst lehren würde?" ist die Frage nach dem ursprünglichen, echten Christenthum nicht wieder zur Ruhe gekommen, sondern beschästigt heute die Gemüther mehr denn je. ES handelt fich um da« Wesen des ChristenthumS überhaupt, um den eigentlichen und tiefsten Sinn de« Evangeliums. Heutzutage wird so oberflächlich und schnell über den christlichen Glauben gerurtheilt und zu ihm Stellung genommen, e« herrscht selbst in den gebildeten Kreisen eine solche enorme Unwiffenheit darüber, waS eigent- lich Christenthum ist, daß Niemand die Gelegenheit ver- säumen sollte, fich durch den Besuch beß bevorstehenden Vor- trag« einmal gründlich darüber zu orientiren.
Herr Gartner LouiS Becker theilt un« mit, daß die Festtafel in Steins Garten gelegentlich des Festmahle« am vorigen SamStag von ihm und nicht, wie eß in unserem Bericht in Nr. 277 heißt, von dem Gärtner beß psychiatrischen Jnstitutß decorirt würbe.
• • Volttthümliche UniverfitatSenrse. Auf Anregung der Comen'uSgeskllschaft in Berlin hat ber Zweigveretn Meier Gesellschaft in Jena volkSthüm liche Universitätß- curie inß Leben gerufen, die sich eine« sehr lebhaften Be- sucheß erfreuen. Verschiedene Docenten ber Universität Jena haben sich bereit erklärt, berartige Vorträge zu hallen, die von Kaufleuten, Lehrern, Lehrerinnen, Arbeitern u. s. w. besucht werben. So zählt Professor Dr. Detmar 150 Zuhörer in seinen Vorträgen über Botanik, Universität«- bibliothekar Dr. Steinhausen 130 in feinen Vorträgen über Kulturgeschichte. Außer btesen Herren sind noch Hosrath Professor Dr. Gärtner und Privatdocent Dr. Sträbel thätig, indem der erstere einen Gutfuß über Hygiene, der letztere einen Cursuß über Experimentalphysik begonnen hat.
* • Gegen baß Auffpringeu auf fahrende Zuge haben die Eisenbahnverwaltungen folgende scharfe Verfügung erlassen: „Die Statious- und Fahrbeamten werden ange- wiesen, jeden Versuch Seitenß der Reisenden, auf einen im Fahren begriffenen Zug aufzuspriogen, bei der vorgesetzten Eifenbahn-Betriebß-Jnipection zur Anzeige zu bringen. Diejenigen Beamten, welche daß Aufspringen auf fahrende Züge dulden oder gar unterstützen, werden ohne Nachsicht in hohe Geldstrafen genommen."
• »V.A. Welche Bortheile gewahrt daß ZnvalibitStß- »nb Alterßverficherungsgesetz den Versicherten? 1. Invaliden, rente. Dies ist bte Hauptsache beß Gesetze«. Sie wird Jebem gewährt, ber minbeftrn« 235 Wochen Wartezeit er- füllt hat und burch Krankheit außer Staube ist, etwa ein Drittel beß ortsüblichen Tagelohnß beß Beschäftigungsarten zu verbleuen. Die Wartezeit wird erfüllt durch Verwendung von Beitragsmarken auf Grund verficherungSpflichtiger Beschäftigung ober in geeigneten Fällen burch freiwillige Fortsetzung ber Versicherung oder Selbstverficherung, ferner durch Krankheit«, und Militärbienstwochen. Die Erwerbsunfähigkeit muß sein dauernd, d. h. keine Hoffnung auf Wirbel- Herstellung in absehbarer Zeit geben- ober vorübGtzehend unb mlnbeftenß 1 Jahr lang gewährt haben. Die Rente beginnt mit bem Tage, an welchem die Hoffnung geschwunben ist bezw. mit ber 53. Woche nach Eintritt der Erwerb«- Unfähigkeit- fie richtet sich lediglich nach Höhe und Anzahl der geleisteten Beiträge unb beträgt 111 — 415 Mk. jährlich. — 2) Altersrente erhält Derjenige, welcher 70 Jahre alt ist, für 1888—1890 mindrsten« 141 BeschäftigungSwochro nachweist unb bie Wartezeit erfüllt hat. Letztere richtet sich nach bem Geburtstag unb beträgt höchstens 1410 Wocheo = 30 Beitragsjahre. Die Höhe der Altersrente richtet siä nach ber Höhe beß JahreSverbienste« in 1888 — 1890 un> ber Höhe ber Lohnklaffe, in weicher die Versicherung erfolgt ist- beträgt 106,80—191,40 Mk. jährlich. — Invaliden- und Altersrenten werben nie nebeneinander gewährt. Wena ein AiterSrentner invalid wird, so tritt auf Antrag die In' validenrente an Stelle der Altersrente. Dies ist nur bani ein Gewinn, wenn die Invalidenrente höher ist, al« dir Altersrente. — 3) Die W ttwe unb bte unter 15 Jahrr alten vaterlosen Klober erhalten die Hälfte ber für den verstorbenen Ehemann bezw. Vater geleisteten Beiträge zurück, wenn mindestens 235 BeitragSwochen vorliegen und keine


