gm Zuchthaus Marievschloß ist der Sträfling Förster gestorben, der vor jünf Jahren mit seinen Eompftz'n Hochgesandt und Wieghardt zwei alte Männer in Zahlbach er. mordet hat. Er war «egen seines jugendlichen Alters vom Schwurgericht zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden.
Lauterbach. 23. November. Em de- edlen Waidwerks beflffener junger Mann schoß dieser Tage seine beiden Colle gen, Forstwarte, an. Der Schuß ist um so merkwürdiger, da der eine am Unterschenkel, der andere am Kopf getroffen ist. Möglicherweise könnte durch Abprallen der Schratkörner das Mißgeschick geschehen sein. Die Der- wundungen find glücklicherweise nicht gesährl cher Art. — Als unlängst ein Beamter die Jagdwaffenpäffe einer Jagd- gesellschaft nachsah, verlangte er im Diensteifer auch den- ielben von einem in strammer Haltung mit einem riefigen Knüppel ausgestatteten und dabei stehenden Treiber. Dieser jedoch meinte: „Ich hab nit geglabt, daß ich ein nölhig halt, weil ich met meine Steake nätt schäiße kann."
-v- Gettenau, 24. November. Die Gewann, wo der Grund für die neue Bahnlinie entnommen wird, ist doch eine wahre Fundgrube für antike und neue Sachen. Kirchen- rath Hofmann, der frühere Pfarrer von Echzell, welcher vor einem Menschenalter und länger eine Beschreibung der Echzeller Gemarkung, sowie der ganzen fuldischen Mark lieferte, Hot damals schon darauf hingewiesen. Ju der jüngsten Zeit find nun wieder etliche Dinge zu Tage gefördert worden, für die sich Kenner und Laien interesfiren werden. Zuerst kam eine Base aus schwarzem Thon zum Vorschein, die sich durch schöae Formen und Berhältn,ffe auSzeichnet. Darnach stieß man wieder auf die Römerstraße, von der die Groß, herzogliche MuieumSdirection ein Querprofil zu haben wünschte. Die Breite der Straße war (wir bringen nur runde Zahlen) 6 Meter- dle Chausstrung betrug 35 bis 40 Centimeter. Die Pflastersteine find mitunter große, starke Brocken, die ein Gewicht von etlichen Centnern befitzen. Als weiterer Fund ergab sich ein Hirschgeweih, an dem Spuren von Bearbeitungen erkannt werden können. Endlich wurde ein Schwert gefunden. Die Klinge ist gerade und 40 Centi- rnthr lang, der Griff mißt 10 bis 12 Centimeter. Leider ist die Waffe stark verrofket- auf der Klinge lasten sich einige Linien, vielleicht eine Zeichnung, erkennen. — Ueber die schwere Kette mit eigentümlichen Endringen und dem Kunstschloffe, worüber ich Ihnen in Nr. 258, drittes Blatt vom 1. November l. I. berichtete, kann Folgendes ergänzt werden. Es handelt sich hier um ein mittelalterliches Folter- Werkzeug, wie sich noch ein- in der Nürnberger Sammlung auf der Burg findet. Die Verbrecher, Hexen oder andere Delinquenten wurden mit solchen schweren Ketten an den Be nen gefestelt und durch die Dörfer gepeitscht. Die im „Büdrich" gefundene Folterkette stammt wahrscheinlich aus der Bingenheirner Folterkammer, in der von 1652—1660 so fürchterliche Grausamkeiten, weil die Hexen das Volk verdorben haben sollten, verübt wurden. Wie die Kette in den Büdrich Sumpf gerieth, darüber vermag selbstverständlich Niemand mehr Auskunft zu geben. — Schließlich sei noch, we-l in weiteren Kreisen wenig bekannt, hierdurch erwähnt, daß das Ehepaar Schultheiß von Echzell, welches dieser Tage seine diamantne Hochzeit feierte, von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzoge Höchstdesten Bildniß mit eigenhändiger Unterschrift, sowie ein Schreiben aus dem Cabinete erhielt, worin da- Jubelpaar beglückwünscht und die warme Theilnahme des Landeöherrn an der seltenen Feier in herzerquickender Weise ausgedrückt wurde. Man kann sich denken, daß daS Jubelpaar und desten ganze Familie sehr erfreut über diese Auszeichnung ist.
? Ermenrod. 23. November. An der Staatsstraße zwischen Ruppertenrod und hier werden gegenwärtig größere Anpflanzungen von jungenObstbäumchen vorgenommen. Wer den dabei zur Verwendung kommenden Stämmchen sein Augenmerk schenkt, dem wird nicht entgehen, wie vorteilhaft fich dieselben gegenüber den von haufirenden Obstbaumhänd- lern seil gebotenen darstelleu. DaS untadelhafte Wurzelwerk dieser Bäumchen, der glatte, wundenfreie, spindelförmige Stamm und die nach allen Seiten kräftig ausgebildete Krone geben eine ganz andere Gewähr zu einem später k. ästigen und ertragssähigen Baume, als die schwachen Gerten der haufirenden Händler. UebrigenS muß bemerkt werden, daß sich der Haufirhaudel mit jungen Obftbäumchen bedeutend gegen früher verringert hat und daS zum Heil der Obstbaumzucht.
Wettfaasen (Kr. Alsfeld), 23. November. Bei der am vorigen Donnerstag stattgefundenen Stichwahl zur Reichstags-Ersatzwahl fand fich in der hiesigen Wahlurne ein Stimmzettel mit dem originellen Inhalt: „Ihr seid nichts, euer Thun ist nichts und den ihr erwählt, ist dem Herrn ein Greuel." Dabei war die Bibelstelle genau angegeben.
§ Aus dem Kreise «iBfelb, 23. November. Die Der- theuerung der wichtigsten HauShaltungSproducte .scheint Fortschritt machen zu wollen. Nachdem daS Rüb- oder Rapsöl um 10 Pfg. pro Liter theurer geworden, ist nun auch das Petroleum um 4 Pfg. pro Liter aufgeschlagen. Diese Preiserhöhung steht aber in keinem Verhältniß zu der überaus schlechten Qualität des Petroleums, wie sie gegenwärtig in den Handel gebracht wird. Wie Spiritus so rasch brennt eS hinweg bei sehr geringer Leuchtkraft. Obgleich die Lampen selbst entschieden verbeffert worden sind, ist ihr Licht ein viel trüberes als vor einem Jahrzehnt. Die Ur- suche liegt in dem minderwertigen oder geringprocentigen Petroleum. Dies trübe Lampenlicht paßt schlecht in eine Zeit, in der der Ruf nach „mehr Licht" so faßbar Gestalt zu gewinnen sucht und findet.
△ Mainz, 24. November. Anläßlich der morgigen Geburtstagsfeier des GroßherzogS und der Großherzogin fand heute Abend großer militärischer Zapfenstreich von den MufikcorpS der hier garnisonirenden hessischen Regimenter statt. Morgen Vormittag werden von sämmtlichen hiesigen Militärkapellen auf den freien Plätzen der Stadt Choräle gespielt und am Nachmittag erfolgt von den FestungS
wällen das Abfeuern von 101 Kanonenschüssen. — Dem Beispiele der Mainzer Handelskammer folgend, hat die Handelskammer von Bingeu, sowie versch'ed:ne Trabener Weinfirmen sich an das Patentamt nach Berlin gewandt, um die Lö'chung verschiedener für die Firma Sturm in Rüdesheim eingetragenen Ettkette zu erlangen. Während die Trabener Weinhändler dagegen protestiren, daß die genannte Rüdesheimer Firma die Etikette „Berncafteler Doctor" allein führen kann, legt die Binger Handelskammer Der- Währung dagegen ein, daß die Ftrma Sturm ausschließlich die Berechtigung haben soll, Wein mit der Etikette „Schar- ltchberger" zu sühren. — Gegen den hiesigen Zahnarzt Or. Bernhardt ist Seitens der Staatsanwaltschaft An- klage wegen fahrlässiger Tödtung erhoben worden. Derselbe hat Medikamente frei umher stehen laffen, so daß seine Kinder daran geriethen und eines der letzteren durch den Genuß einer Gift enthaltenden Substanz den Tod fand. Anfänglich war die Frau des Arztes «mtt in Untersuchung gezogen und zwar wegen eines allgemein verbreiteten Gerüchts, daß dte unglückliche Frau wegen Mangel an NahrungS- Mitteln fich und ihre Kinder habe vergiften wollen.
*♦ Daß man Lolierieloose nicht verschenken soll, ehe man die Ziehungslisten genau etngesehen hat, bas z'igt ter folgende Fall: Ein Brauereiangestellker in Berlin, der die Nummern seiner beiden GewerbeausstellungSlooje in der Gewinnliste nicht finden konnte, schenkte dieselben zwei Kindern, deren Vater zufällig nochmals in der Liste nachsah und zu seiner Freude entdeckte, daß auf daS eine LooS ein Gewinn tm Werthe von dreihundert Mark gefallen ist. DaS Pech des Brauereiangestellten ist um so größer, als er in der ungilt'gen ersten Ziehung der erwähnten Lotterie „glücklicher Gewinner" eines Fahrrades gewesen ist.
• DaS „Du" in den höheren Töchterschulen. Der „Nordd. Allg. Ztg." wird geschrieben: Innerhalb der städtischen Ver- waltungSkreise in Berlin ist die Beseitigung eine- Brauche- angeregt worden, welcher sich unentwegt trotz aller Wandlungen der Zeiten erhalten hat. Während nämlich seit mehreren Generationen seitens der staatlichen Schulbehörden die Anordnung getroffen ist, daß Knaben in den höheren Schulanstalten, sobald sie die Mittelklaffe (Obertertia) erreicht haben, mit „Sie" angeredet werden, herrscht in den höheren Töchterschulen die Sitte, daß die Schülerinnen selbst der Oberklasse von dem weiblichen Leh'persoual bis zum Verlaffen der Schule geduzt werden. ES soll die- auf der Anschauung beruhen, daß dadurch eine gewisse Familiarität, ein freundschaftliches — ein patriarchalisches Verhältniß her- beigesührt werde. Dagegen wendet man, wie auSgesührt wird, ein, daß dies der Fall wäre, wenn die Anrede „Du" eine gegenseitige wäre. Bet den jetzigen Verhältniffen erzeuge eS dagegen vielfach das Gegentheil. Entfremdung und Er- bitterung, namentlich wenn es sich um junge Lehrerinnen handelt gegenüber schon ziemlich erwachsenen Mädchen. Vom pädagogischen Standpunkt sei der Fortbestand dieser Einrichtung gleichfalls zu verwerfen. Wenn erfahrung-mäßig bet Knaben, welche durch keinerlei Zuchtmtttel in Ordnung zu halten waren, häufig der alleinige Hinweis auf die An- rede mit „Sie" genügte, um sie zur Einsicht zu bringen, so müffe man umsomehr bei Mädchen, welche zumeist außer- halb der Schule tn der Häuslichkeit schon als junge Dame behandelt werden, darauf bedacht sein, deren Ehrgefühl zu heben, nicht aber unter Druck zu halten. Das sogenannte trauliche „Du", bis weit über die Kinderzeit hinaus von Fremden angewendet, könne leicht vrrhängnißvoll für den ferneren Lebenslauf werden.
* Straßburg, 22 November. Gestern Nachmittag ereignete fich auf einer Treibjagd in Erftein ein schwerer Un- glückSfall. Ein Jagdhüter näherte fich mit seinem Hunde einem tm drr Jagd teilnehmenden und in dichtem Unterholze auf dem Anstand liegenden Premierlieutenant der hiesigen Garnison, der, den Hund für ein Kaninchen haltend, sich bückte, um besser sehen zu können. Dabei entlud sich daS Gewehr und der Jagdhüter wurde durch einen Schuß tn die Brust schwer verletzt. Drr herbrigerufene Arzt konnte nur noch den Tod deS Getroffenen constattren.
* Wie gewonnen, so zerronnen. Einige Arbeiter einer Hagener Fabrik wollten ihr Glück in der Lotterie versuchen und kauften sich gemeinschaftlich rin LooS einer mit großer Reclame angrkündtgten Lotterte von Werthgegen- ständen. DaS Glück war ihnen hold, denn kurz nach der Ziehung kam von dem Loosehändler die freudige Mittheilung, daß auf ihr LooS ein Seffel, antik Eichenholz, deffen Werth in der Gewinnliste auf 200 Mark angegeben war, gewonnen sei. Darob natürlich große Freude bei den Arbeitern- flugS wurde dem Loosehändler geschrieben, er möchte nur die 200 Mk. senden, auf den Besitz de- SeffelS wollten sie ver- zichten Postwendend traf die Antwort ein, der Erlös anS dem Verkauf drS 200 Mark SeffelS würde sich auf höchstens sieben Mark belaufen, er stelle eS den Gewinnern anheim, die Wahl zwischen den sieben Mark oder dem Srffcl zu treffen. DaS gab nun eine arge Enttäuschung, da ließ man doch lieber den Seffel kommen, und so langte er denn nach Bezahlung der nicht gering-n BesörderungSkosten glücklich in ihren Besitz. Ein Käufer wurde bald gefunden. So zogen die glücklichen Gewinner gemeinschaftlich zum Käufer, um den „Werthseffel" abzuliefern. Zur Frier deS TayeS gönnte man fich vorher einen „K.einen". Auf dem Wege zum Säufer mußte man einen sehr schmalen Steg über den ziem lich hochgehenden Ennepefluß überschreiten und dieser sollte dem Seffel verhängnisvoll werden, denn ein Träger gerieth auf dem Steg inS Wanken und — plumps lag er mit dem 200 Mark Seffel im Wasser Der Mann wurde von seinen Kameraden aufs Trockene gebracht, aber der Seffel schwamm fort, und „dte Wogen gehen auf und nieder, den Seffel aber bringt keine wieder l"
Citcratur unb Kanft.
— Soeben ist be§ zweite November heft LNr. 76) der -WdtzK' heil* (Halbmonatschrift, Stuttgart, FrommannS Verlag, Pre» vierteljährlich Mk. 1.80) erschienen. In „WaS wir politisch er> reicht haben und was vor Altem unS fehlt", legt der ve kannte Göttinger Philosoph Julius Baumann bar, baß bie Deutsch«» ihre frirbliche Einheit zwar erreicht haben, daß ihnen aber, wie aue» festländischen Nationen Europa« überhaupt, diejenige Gemewoe freihnt, die wir insbesondere tn der Gemeindeverwaltung der »««■ england - Staaten Nordamerikas verwirklicht finden, noch — „Der wunde Punkt der FriedenSbestrebungen rube nach EebalduS darauf, daß sie sich nie verwirklichen ließen,, 1» lange noch nationaler Egoismus bestände. — In einer »eitgemäßen und feinstnntgen Studie zeichnet uns Dr. Paul Hensel, P-oiefior w Straß urg, ..Rudyard Kijling", der ja in allen Ländern Wk lischcr Zunge mcht bloß einer der gefeiertsten Schriftsteller ist, sanver^ auch bekanntlich die höchsten Honorare bezieht.
» Summarischer Verfahre». „Grüß Dich Gott, elttr Junge — meinen Glückwunsch! . . • Wie ist tl nur ft schnell gegangen mit Deiner Verlobung?" — „Dte Geschichte ist sehr einfach. Ich saß vorgestern Abend auf dem Balle der Harmonie mit der Familie Müller zusammen an einem Tische. Der Wein war gut, die Unterhaltung gemüthlich, die Stimmung vortrefflich — da nahm ich einen Anlauf — gestand der Tochter meine Liebe, der Mutter meine Hoch- achtung, dem Vater meine Schulden, und dann verlobte» wir uns!"_________
tfantoDirtljfdjafUtdje Miukr uni) KothMäge.
△ ««» Dfrethcfltti, Mitte November 1896. Allerhand »ütziicheS au« der Praxi».
Zu Ansang der neunziger Jahre brachte der Schreiber dieser Zeilen einmal einen größeren Aufsatz über bie verfütfch««-aW und Lchwindeleierr bei LebenSmittel«, Eaal-eereide„ nut eien unD anbeten Gegenständen. In den utzlrn Jahren m <6 mrt diesen Dingen besser geworden. Durch bie landwirthschasl» Heben Versuchs- und Auekunstsstalionen >n vielen unsauberen «e- schäften das Handwerk gelegt rooibtn, aber tohdem wuchert die Unreellität we>ter, vorzugsweise beihalb, w.il sie von dcn Leuten inbtrecl unterstützt wirb. Mundue vult decipi, b. h die Welt will, betrogen sein und — die Dummen sterben nicht aus. Es wirb ein ewiger Kampf bestehen bleiben zwischen redlichem Geschäft und unredlichem Gebühren ober Schwinbel. Grabe wie mit den Panzerschiffen unb ben Kanonen geht es hier zu. Macht man die WW auch noch so btck, so gießt man Kanonen, bie immer wieber Löchrr hindurch schießen. Sind bie Gesetze urb Dorschritten auch noch f» gut erdacht, es gibt doch immer Lücken ur.b Maschen darinntn, durch bie ein schlauer Schwinbler hindurchschlüpsen kann.
Laufen ba z. B. Anzeigen, sogar burch bie landwirthschaftliche» Fachzeitschriften, darmn-n wirb angepriesen: Mast« und «freß- pulvere Wetter lieft man wahre Wunberbinge von solchem Pulver und der gute Bauer glaubt zuletzt bei an. Er kauft für tuns Marr von so'chem Zeuge unb rechnet: Dafür müssen bie Säue mindesten- für sünfzig Mark Speck ansetzen. Hintenbrein mexLn sie, daß sie aus ben Leim gekrabbelt sind. Don nicht- kommt nicht»! Das ist eine alte Geschichte. Der Schreiber dieser Zeilen macht sich zuweilen das Vergnügen, auf eine ober bie andere solcher Anzeigen einzugehen Er läßt sich bie geringste Menge solch r angepriesrnen Dmge, die erhältlich ist, kommen, macht Proben damit ober läßt sie untersuchen. Das geschah auch mit bem Freß- unb Mastpulver. Es stellte sich habet heraus, bah in einem solchen Pulver 75 Procent Soda unb 25 SBiocyit Süßholz waren. Mein Liedchen was willst Du noch mehr? bars man hier getrost fragen. Wer sein Gelb iw.ckloS »um Fenster hinauswerfer, will, ber kaufe nur solches Zeug, -öcDorab Du Deinen Beutel auflhust, thue Deine Augen auf! heißt es in dem trefflichen SolmS'schen Lanbrechte, bas schon über "eihunbrrt Jahre alt ist, aber zu bem Besten gehört, was wir in bieser Beziehung I)ab‘n9Jlit ber Ma«l- «nd Klauenseuche will eS auch gar nicht zur Rude kommen, obgleich bie riesigsten Anstrengungen von eetttn ber Behörben gemacht werben. Die Bauern helfen nicht genug zur Beseitigung beS Uebels mit. In mancher Beziehung wäre es au® schabe, wenn bie Geschichte aus der Welt geschafft würbe, benn Bte Thierärzte würden einen sehr bedeutenden Nebenverdienst ttnbUBen — unb sie wollen boch auch leben. Wer Ohren hat zu hören, ber b°Die Klagen über Putzsucht unb Verschwendung wollen gar nicht verstummen. Jammerte ba kürzlich bie Nachbarin, ihre Dienst- magb habe sich auf die Ktrchweihe NW Kleiber machen lassen, darunter ein gelbes Cachemirkleib für schwere- Gelb. A s die Kirch weihe vorüber war, sah bas kostbare Kleid entsetzlich aus und war futsch. »Ich hätte mich nicht entschließen können," 'prach bie Nachbarin, „ein so schöne« Kleib in so mörderischer Weise hinzurlchlen, wie eS die potzfüchtige, unverständige Magd that." „Dann be^ greife ich aber nicht, baß Sie bem Mädchen nicht ernstlich in's Gewissen rebtt.n unb eS von bieser wibersinnigen Derschwenbung at brachten. Sie haben offenbar eine Unterlassungvsünbe begangen,* * war meine Antwort. — „Das steckt jetzt mit bem Putz unter ben WeibSdilbern," erwiberte bie Nachbarin, „eS ist nicht aus ihnen herauszubringen. Eine Närrin macht zehne!" — „Schon gut, ober eine Kluge macht zwanzig, versucht es einmal!"
Noch merkwürdiger war folgender Fall: Eine Dienstmagd fitzt ba unb häkelt Sp'tzeneinsätze für ihre Kissenüberzüge. Zu bleiern Zwecke kaufte sie um fünf Mark Baumwolle, hat aber kein ganze» Herr.b unb keinen ganzen Strumpf anzusiehen, währenb sie einen Hut trägt unb etliche fl ttscharlige, unsolide Sonntagskleider besitzt. Da heißt es: Auswendig hui! inwendig pfui! DaS Mädchen hat einen Gelteblesten unb gedenkt nächste- Jahr zu heirathen. WaS mag daS für eine Hausfrau geben? darf man bill g fragen. Die Dienstherrin will ober wagt nicht, dem Mädchen das Widersinnige feiner Handlungsweise in würdiger, rub-ger Weife zu erklären — und darin tbut sie Unrecb' Wenn I wand Vorträge über vevandlung -e» Oefindes, über E weck««-de» Lpartzrievs» in verbind««- mit PfennigspaLkassen halten würde, kSnme er sich große Verdienste um daS Volkewohl erwerben. Da dies Ml jitzt nicht der Fall ist, sitzen wir unsere Stahlfeder in Bewegung und zeigen bann unb wann auf solche wunde Punkte hin. Da oder dort ist doch Mancher, ber sich die Sache merkt ober barnach tbut.
Für dieses Mal noch ein Wort über menschliche Behartd» lang der cha«Sthiere. Dor zwei oder drei Monaren erhoben wir, als wir über dar Anschirren und Anspannen der Pferde schrieb«, unsere Stimme schon für diese Sache unb vor mehreren Jahr« ebenfalls. Der Gerechte erbarmt sich auch beS VieheS. Die Hau-' thiere flnb bes Bauern beste F.eunbe. Wer sie sch'ndet und plagt, schadet sich selber — unb daS ist ein Erzbö ewicht. Einsenber erinnert sich noch lebhaft be« Falle«, baß ber Großvater einen Knecht Kna» unb Fall vom Hofe jagte, weil er ein Paar Pferde mlßhanbeue. Das gab Refpect. , , . , .
Der Bauer soll jede Gelegenheit benutzen, zu zeigen, baß er tm Ibierfreunb ist unb ein solcher ist fast immer auch ein Menschen- freunb. Wo er kann, soll er Lehrer unb Erzieher unterstützen, da» die Rohheiten ber Jugenb hintan gehalten werben. WaS war « doch eine Last, bie FortbilbungSschüler im Zaume zu halten Einzelne Ausbrüche von Ungezogenheiten gibt es noch immer. Daß e« oder bebeutenb besser geworben, läßt sich nicht leugnen. Darum nur weiter auf ber betretenen Bahn unb von Zeit zu Zeit ein kräftig Exempel statuirt, bas Hilst! Je gesitteter die jungen Leute werd«, desto besser ist es für ihr späteres Fortkommen. Mit bem Hut in ber Hao» kommt man durch» ganze Land. _


