Ausgabe 
24.3.1896 Erstes Blatt
 
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68 befindet sich aus diesem Gelände neben dem 45 : 15 Meter großen Hauptbau ein 24 : 10 Meter Fläche bedeckende-Karnmer- gedäude, sowie ein Latrioengebäude. Die Gebäude wurden nach den Plänen deS Herrn StadtbaumeifterS Schmaudt ouSgeführt. DaS Hauptgebäude macht in seiner hübschen Gliederung und in dem Material (Gail'sche Berblendsteioe und Lungsteine) einen vornehmen Eindruck- man hat, um dem Gebäude den Eindruck als städtisches Gebäude zu wahren, von dem sog. Kasernenstil Abstand genommen, auch da» Ge­bäude mit geringerem Abstand von der Straße angelegt, als die beiden nebenstehenden Kasernen, immerhin bleibt Raum genug für einen breiten mit einem Eisenspalier nach der Straße abzuschließenden Borgarten. Bei dem inneren Ausbau hat man, soweit dies bei der Bestimmung deS Gebäude» an» gänglich, alle Neuerungen der Technik in Anwendung gebracht. Das Kaseroement enthält rd. 100 Räume für die verschie­densten Zwecke. Von der Anlage eines eigentlichen Kellers wurde abgesehen, und an besten Stelle ein Erdgeschoß er­richtet. In demselben befinden stch die Räume zur Auf­bewahrung deS Brennmaterials, Kartoffeln und Gemüse, die Wasch- und Baderäume, die Küche, die Speisesäle für Unter­offiziere und Mannschaften, die Kantine (Marketenderei), die Räume zur Aufbewahrung deS Scheibenmaterials :c. Der erste Stock hat 3 Mannschaftssäle, von denen die an den Giebel­seiten befindlichen für je 17 Mann und 2 Unteroffiziere, der Mittelsaal für 23 Mann bestimmt find. Die Anordnung ist so getroffen, daß die Mannschaftssäle etwas vorspringend angelegt wurden, wodurch fie schon von außen erkennbar sind. DaS Stockwerk enthält ferner zwei Wohnungen für verheirathete Feldwebel, eine Anzahl Einzelzimmer für ledige Unteroffiziere, Schreibstuben, Büchsenmacher-Werkstatt und Waffenkammer- die Einrichtung de» 2. Stockwerke» ist die- selbe. Im 3. Stockwerk befindet sich unter den wie in den anderen Stockwerken vertheilten Räumen eine Offizier»- Wohnung- die hier nicht von den Mannschaften in Anspruch genommenen Säle find für die Hoboisten bestimmt, die üb­rigen Räume können reservirt werden für die verschiedensten Zwecke, und eveutl. zur Unterbringung weiterer Mannschaften, falls die Compagnien auf vollen Etat gesetzt werden. Im Dachgeschoß befinden stch die Bodenräume für die Garnison- Verwaltung, Putzräume, sowie Trockenboden. DaS Innere des von einem Corridor durchzogenen Baues ist so ein­gerichtet, daß durch Einfügen von Wänden die großen Räume in kleinere umgewandelt, und danach für andere Zwecke ver­wendet werden können, falls die vorerst auf 20 Jahre an die Militärverwaltung verpachtete Kaserne wieder an die Stadt zurückgehen sollte. Die Baukosten (ausschließlich Ge­ländewerth) betragen rd. 160,000 Mk.

* Die Herren Stadtverordnete» besichtigten am SamStag Nachmittag die neue Kaserne an der Grünbergerstraße unter Führung de» Herrn Stadtbaumeisters Schm an dt. Nach der Besichtigung wurde der Niederdruckbehälter der Wasserleitung am Lutherberg, besten Umbau und Erweiterung vollendet ist, besichtigt, wobei Herr Director Bergen eingehende Erläuterungen der Neuanlagen gab. Später wurden die Arbeiten an der Wieseck-Regulirung und zum Schluß das Gaswerk besichtigt, welches ebenfalls mit hervorragenden Neuerungen auSgestattet ist. Herr Di­rector Bergen erläuterte sowohl die fertig gestellten Neu­anlagen, wie die noch geplanten- zu letzteren gehört ein neuer Gasbehälter von 22 Meter Durchmesser.

* Wafferabfperrullg. Wir machen auch an dieser Stelle auf die Bekanntmachung des GaS- und Wasser­werks aufmerksam, wonach morgen den 24 , während mehrerer Stunden die Wasserleitung für die obere Frank­furterstraße (von der Wilhelmstraße aufwärts) abgestellt wird.

Der Maunertnrnverei» und seine Damen mit recht zahlreicher Betheiligung unternahm gestern bei dem herrlichen FrühlingSwettec einen Turngang nach Leihgestern. In recht freudiger Frühling»stimmung zog man auf der guten Straße durch den sich jetzt wieder belebenden herrlichen Wald nach dem sonst so stillen Dorfe. In der Wirtschaft von Dern angekommen, überraschte die große Anzahl Gäste im ersten Augenblick die biederen WirthSleute, doch nach kurzer Zeit waren Tische und Stühle aus der Nachbarschaft herbei- geschasft und in den Zimmern und im Garten hergerichtet, sodaß jeder Einzelne für Durst und Hunger in vorzüglicher Qualität das Nöthige fand. In fürsorglicher Weise hatte unser immer thätiger Turnwart Herr L. Frech die Spielbälle durch die jungen Turner mitnehmen lasten. Nachdem kein ge­eigneter Spielplatz gefunden, wurde mit dem Ballspiel auf der Ortsstraße begonnen. Bald bildete sich ein großer Zu- schauerkreis, entwickelte sich ein fröhliches Treiben, doch die Freude sollte nicht lange dauern, denn der schneidige Polizei­diener erschien und untersagte im Namen deS Gesetzes die Störung der Sonntagsruhe. Um 7 Uhr war allgemeiner Aufbruch. Einige Familien benutzten von Station Großen- Linden aus die Bahn zur Rückfahrt, der größere Theil aber trat den Heimweg bei brillanter Mondbeleuchtung unter fröh­

lichem Gesang in gehobenster Stimmung an. Jeder Theil- nehmer wird sich heute sagen, e» war ein schöner Tag. Mögen in unserem lieben Männerturnverein noch oft der­artige Ausflüge unternommen werden.Gut Heil."

Ter Kavfmäniische Verein hielt am SamStag Abend inSteins Saalbau" eine zahlreich besuchte Abendunter­haltung mir Tanz. Unter den einzelnen Programmpunkteu fand ein von Mitgliedern zur Ausführung gebrachte» Lust­spielUnter vier Augen" verdienten Beifall. Diese Ver­anstaltung bewies wieder, daß der rührige Verein bestrebt und auch in der Lage ist, seinen Mitgliedern und Gästen gediegene Unterhaltung zu bieten.

* Da» neue Adreßbuch ist in gleichem Umfang und Ausstattung wie im Vorjahr erschienen und gelangt von heute an der Reihe der eingegangenen Bestellungen nach zur Der- theiluug. Einzelne Abschnitte weisen gegen früher Berdeffe- rungen auf, was ganz besonder» bei dem Berzeichniß der Agenturen für Versicherungen und Auswanderung hervor- gehoben zu werden verdient. Wir empfehlen die Anschaffung des Adreßbuchs mit dem Hinweis, daß die nächste Ausgabe desselben nicht vor Juli nächsten Jahre» zu erwarten steht.

* BnderuS'sche Eisenwerke Gießen. In der am 7. März d. I. stattgefundenen außerordentlichen General-Ver­sammlung der Actionäre dieser Gesellschaft wurden mit Einstimmigkeit folgende Beschlüsse gefaßt: DaS Capital der Setten Lit. A. (Stamwactien) von 10 Mill. Mark aus Mk. 4,000,000 und da» Capital der Helfen Lit. B. (Bor- zugSaelien) von 2 Mill. Mark auf Mk. 1,400,000 herab­zufetzen und gleichzeitig neue DorzugSaetten im Betrage von Mk. 2,600,000 auszugeben. DaS Grundeapital der Gesellschaft beträgt nunmehr Mk. 8,000,000, eingetheilt in 4000 Stück Setten Lit. A. (Stammaetien) und 4000 Stück Setten Lit. Bz (DorzugSaetten). Die durch Reducirung deS Grundeapital» frei werdenden Mk. 6,600,000 sollen zu Sbschreibungen ver­wandt werden. Die neuen Seiten Lit. B. sind sofort zum Parieurse übernommen worden, wodurch dem Unternehmen Mk. 2,600,000 in Baar zufließen. Außerdem verkauften die BuderuS'schen Eisenwerke aus ihrem Effeetenbestand einen Posten Setten der Eisenwerke Hirzenhain und Lollar zu einem Baarerlöse von rund Mk. 900,000, so daß sie im Ganzen über Mk. 3,500,000 neue Baarmittel verfügen. Diese sollen dazu dienen, sämmlliche schwebende fällige Verbindlichkeiten abzustoßen, sowie die Aufwendungen zu bestreiten, die für den Bergbau und die Hochofenwerke erforderlich find, um diese Betriebe der Neuzeit entsprechend etnzurtchlen. An der Durchführung der geschilderten Finanzmaßnahmen haben stch unter Anderen beteiligt: die Mitteldeutsche Srebitbanf, die Deutsche Bank, die Bankfirmen Sal. Oppenheim jun. u. Cie., Köln, von der Heydt Kersten u. Söhne, Elberfeld, Gebrüder Sulzbach, Frankfurt a. M. ES unterliegt keinem Zweifel, daß hier eine Santrung gründlicher Art zur Durchführung gebracht ist, welche die Vorbedingung gibt für eine dauernde Rentabilität diese» alten Unternehmens. Schon die Bilanz für da» laufende Jahr wird darthun, wie günstig stch unter den veränderten Verhältnissen die Ergebnisse der BuderuS'schen Eisenwerke gestalten werden.

** Was wird die Reise nach Berlin zur Ausstellung kosten? Diese Frage ist nicht nur zeitgemäß, sondern be­schäftigt weite Kreise der Bevölkerung schon jetzt. Wir er­halten vom officiellen VerkehrSbureau und dem osficiellen WohnungSnachweiS der Berliner GewerbeauSstellung auf unsere Anfrage dieserhalb folgende Auskunft: Es werden von allen Stationen mit lOtägiger Gültigkeit einfache Fahr­karten zur Hin- und Rückfahrt benutzbar ausgegeben, demnach stellt sich der Fahrpreis von Gießen mit einfachen Personen- zügen 4. Klasse Mk. 10.10, 3. Klasse Mk. 20.10, 2. Klasse Mk. 30.10, 1. Klaffe Mk. 40.10. Für Schnellzugbeförde- rung kostet die Reise 3. Klasse Mk. 23.40, 2. Klaffe Mk. 33.50, 1. Klasse Mk. 45.10. Auf RundreisebilletS werden nach Berlin während der Ausstellung 30 pCt. Rabatk gewährt. Die Fahrscheinhefte gelten bekanntlich 45 Tage, sind aber nur erhältlich, wenn die zurückzulegende Strecke mindestens 600 Kilometer beträgt, welche Entfernung zwischen Gießen- Berlin überschritten wird. Wer sich im Uebrigen über Eintrittspreise für die Ausstellung rc. informhren will, wende sich an das oben angegebene Bureau Berlin W., Mohren­straße 10 und es wird ihm bereitwilligst ein Programm zum Besuch der Berliner Gewerbeausstellung gratis - franco übersandt, in welchem er alle» Wissenswertste verzeichnet findet.

r. Bad - Nauheim, 22. März. Den Bemühungen des Vorsitzenden des hiesigen Cur- und BerfchönerungSvereinS, Herrn Lehrer Wagner, ist e» gelungen, daß die Eisenbohn- dehörde wenigstens die Einführung von Sonntags-Rück­fahrkarten 2. und 3. Klasse zum einfachen Fahrpreise im Verkehr von Frankfurt a. M., Bockenheim und Gießen nach Bad-Nauheim, jedoch nur versuchsweise, für die Dauer de» diesjährigen SommerfahrplanS genehmigt Hal. Möge das Publikum von dieser Annehmlichkeit recht vielen Ge­

brauch machen, damit die von Königlicher Eisenbahndirection gewährte Vergünstigung auch für die Folge gesichert bleibt. Die Fahrpreise betragen von Gießen 2. Klaffe Mk. 1.70 3. Klasse Mk 1.20.

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Norddeutsch« Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agent« <erl Loo» und 3- M. Schulhof.

Bremen, 21. März. (Per transatlantischen Telearaph.) Der Postdampfer H. H. Meier, Capttän I. Mtrow, vom Nordd. Loch tn Bremen, in gestern 1 Uhr Nachmittag» wohlbehalten in Newyork angekommen.

Hermann Katz,

Der Postdampfer.Pennsylvania' der,Äeb Star Line' in Hab werpen ist Unit Telegramm am 20 Mär, wohlbehalten ta Philadelphia angekommen.

Spitlpla Irr irrriii|tri Irtakfirfrr 3tiitt|rdtt.

Ormhen».

Dienstag den 24. März: Meistersinger. Mittwoch de» 25. März: Trompeter von Säkkingen. Donnerstag de» 26. Mürz: Rieazi. Freitag dm 27. März geschlossen. SamStag de» 28. März: Geigenmacher von Cremona. DaS Verspreche» hinterm Herd. Sonntag den 29 Mär». Die Jüdin. Dtonte» den 30. März: Hänsel und Gretel. Die Puppensee.

Gcha«sZsteUx>a».

* Dienstag den 24. Mörz: Der kleine Kadi. Gleiche Gegner. Frankfurt in Feindesland. Mtttwochden25.Mär, Don Carlos. Donnerstag dm 26. März: Dornenweg. Freitq dm 27. März: Modell. SamStag ben 28. März Da» AbschiedS-Soupö. Sonntag den 29. März, Nachmittags 3', Uhr Da« Modell. Abmd« 7 Uhr: Das Abschied» -Soupi. Untreu. Montag dm 30. März: shake'oeare-Cyclu«, achter Aden»: Richard III.

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Tttrchttche Anzeigen der evang.Gemeinde.

Montag, den 23. März, Abend» 8 Uhr, BiMthraK tat Confirmandensaal der JohanneSkirche: 1 Petrutzbrief Cavite! 5, von VerS 10 an, Zweck und Schluß de» Schreibens Pfarrer Dr. Nau mann. /

Witterungsbericht vom 23. März.

? DaS Barometer ist zwar in den westlichen Z heilen dev ContineM» etwa« gestiegen, doch besteht die Herr schall de« hohen Drucke» sott und hat sogar da» barometrische Maximvm von Osten her noch einen kleinen Vorstoß gegen Cmtralmropa gemacht. Die WUteruog ist daher, von vielfacher Nebelbildung am Morgen abgeieben, ruhig und beiter. Der niedere Druck beschränkt stch auf den Nordwestm des Crdlheil« und reicht mit seinem Einflüsse bi» an die französtiche Küste.

«o,av»DchUtche tSittrara«*

Ohne erhebliche Am der ringen.

Vorfeier, £onfc» und Volk»wirtl?schäft.

rfinbtte, 21. Mär». Frachtpreise. Weizen X 16,6.-, Rom X 14,62. Gerste X 15,00. Hafer X 13,12, Erbsen X 16.52, Linsen X 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Rer löffeln X 4 80, Samen X 00,00.

Deutsche LedenSverficheran» PotSda». Der Zuzarz an neuen Versicherungen war tm vergangenen Jabre günstig.» sind 5938 Versicherungs-Anträge über 14 164 600 Mk. Capital uob 13 519.60 Mk. JahreSrmte zu erledigen gewesen. Davon entfeOe» auf Capilalversicherungen für den Zobelfell 4326 Anträge art! 11698 900 Mk Capital: auf Erlebensfall-. Aussteuer- und Militär dienst-Versichcrungm 1252 Anträge über 2 350 800 Mk. Capital ob auf Sterbekasten-Versicherungen 344 Anträge mit 114 900 Vk Capital. Durch Ableben der Versicherten find von de» Versicherungen auf den Todesfall (einschließlich 6terbcfifl() 590 Policen, durch welche 570 Personen versichert warm, über iu sarnrnen Mk. 972,382 Versicherungssumme fällig geworden, wr VersicherungSbestand wuch» um über 5«/t Mill. Mark und beträgt e» Zeit 90 Mitt. Mark Da» ActivvermSgm bettägt 19 Mill. Mark, t* in 1895 zur Vertheilung gelangte Dividmde hat biS 60 pCl da Jahre»prämie betragen. Ein gleicher Sah ist auch tn diesem Jahre zu erwarten. Prospecte und Auskunft durch Gmeralagmt Siraa, KSniaSstraße 86, Castel.___________________________________»

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