1S96
Freitag den 21. August
Nr. 196
*1
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger
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vierteljähriger , AtoauemenLiprel» t 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Die Gießener ?js«mittenvtätt«r >vÄ'r dem Anzeiger ,Amtlich dreimal beigelegt.
Der
ebener Anzeiger «scheint täglich, gilt ÄuSnahme deS Montag».
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Aints- unb Anzeiseblatt für den "Kreis «Niefzen.
chratisöeikage: Gießener Aamitienötatter
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Einhaltung
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$t, per 1. Ocloi
Woche schon der Dritte, bei mir eine Taxirung
Er und
lanahm« von Anzeigen zu der Nachmittag» für b« ygenbtn Tag erfcheinenben Nummer bi» Dorm. 10 Uhr.
Rechnung genau übereinstimmen.
Besonders machen wir noch auf die richtige
UrW abgegeben hatte, war auch der leiseste Zweifel daran, üb.lMortheilt zu werden, in ihm erstickt worden. Seine ®e» geldlich kett wuchs noch, als der Unbekannte plötzlich sehr gleWlrig gegen ihn that, aber ein Klagelied darüber an- fticimir, daß er das theure Kleinod nun einem Manne üb'iMeu müsse, der jedenfalls daS Doppelte daran ver- die Mi würde.
tzchuurpS verstand diesen Einwurf zu würdigen. Er ber/ies stch auf sein VorverkausSrecht, öffnete schnell seinen AeMrutel, holte die harten Markstücke hervor, nahm dafür bet; 31mg in Empfang, wünschte „Glückliche Reise" und emM sich, nachdem er heiße DankeSworte entgegen« gecseiarin hatte.
Raum war er seines Weges weitergegangen, hatte er
Gießen, den 20. August 1896.
Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung- hier: Die Gebühren der BezirkSausseher und Sachverständigen für Prüfung genehmigungspflichtiger Bauten.
versinken, verhöhnt von tausend Schusterjungen, die sein Aussehen aufs Neue sehr „schnurpsig" fanden. Er glaubte nicht richtig verstanden zu haben und schrie ein lautes „Wie?" über den Ladentisch, worauf er dieselbe Antwort von vorhin bekam. Dann, nachdem er sein Abenteuer er» zählt hatte, bekam er die Aufklärung: Er war einem der berüchtigten „Ringnepper" in die Hände gefallen, die aus der Noth eine Tugend machen und auf die Habsucht der
daran, daß eS nicht gut angebracht sei, mitten auf dem Bürgersteig stehend, Maulaffen feilzuhalten.
Sein Versuch, auf der Stelle des GaunerS habhaft zu werden, mißglückte vollständig, hätte vielmehr noch unangenehme Dinge für ihn im Gefolge gehabt. Denn in dem Glauben, plötzlich den Richtigen vor sich zu haben, war er auf einen völlig Unschuldigen zugestürzt, der ihn aber gleich so kräftig abschüttelte, daß er sich schließlich aufs Bitten legen mußte, um nicht selbst in die Lage zu gerathen, als Attentäter auf die nächste Polizeiwache geführt zu werden. Und als er, um daS Mtßverftändniß aufzuklären, zum zweiten Male sein Abenteuer zum Besten gab, erregte er nur Heiterkeit, und irgend Jemand von den Angesammelten rief sogar ganz .laut: „Die Dummen werden nicht alle."
Er empfand keine Lust mehr, weitere Nachforschungen anzustellen, hing mit einem heroischen Entschluß den glänzenden Ring an seine Nickelkette, mit dem heftigen Wunsche, er möge dort so lange hängen, bis er schwarz würde, und setzte seine Beine wieder in Bewegung.
Da er in der Aufregung auf den Weg nicht geachtet hatte, so sah er sich plötzlich wieder dem Bahnhofsgebäude gegenüber. Er empfand eine geheime Sehnsucht, sofort die Rückreise nach der Heimath auzutreten, erwog aber, daß er bei dieser Gelegenheit an dem Schutzmanne hätte vorüberkommen müffen, der noch immer auf der „Insel" Wache hielt.
Er befürchtete, auSgelacht zu werden, und da er überdies die beiden Schusterjungen (den einen diesmal ohne Kanonenstiefel) auf sich zukommen sah, so machte er schleunigst Kehrt und kam auf den glücklichen Gedanken, eine Droschke zu besteigen, um wenigstens für die nächste Viertelstunde der Möglichkeit zu entgehen, unterwegs noch iu den Besitz einer goldenen Uhr zu gelangen, die sich später als werthloser Tombak Herausstellen könnte.
(Fortsetzung folgt.)
Alle Annoncen-Bureaux beS In« unb AuSlanbcS nehm« Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger" entgegen.
„Brüder vom Laude" speculiren. verständiger" waren gute Bekannte liche Sache gemacht.
„Sie find übrigens in dieser der so geleimt worden ist und
Verkäufer und „Sach- uud hatten gemeinschaft-
wann neid) Berlin gekommen, um sein Glück zu machen nu.n: rot mitt ihm das erste Geschäft, daS durchaus reell er- schüei, denn im Augenblick, wo der „Sachverständige" sein
Bekanntmachung.
In Gemäßheit des Art. 33 des Volksschulgesetzes soll irm Laufe des Monats December d. Js. dahier eine erweitert Prüfung (Prüfung für Oberlehrer und Lehrer an er- roeMiten Volksschulen) stattfinden.
Unter Hinweis auf § 38 der Verordnung vom 10. Ja- nuiar 1876, die Prüfung für das Lehramt an Volksschulen belassend, werden diejenigen Lehrer, welche sich dieser Prü- fuiUK zu unterziehen beabsichtigen, aufgefordert, ihre an die miifizeichnete Ministerialabtheilung zu richtenden Gesuche rtetiff ben erforderlichen Anlagen bis spätestens zum SSL September dieses Jahres bei der betr. Kreis- schtLlcom Mission einzureichen.
Den Examinanden wird besondere Verfügung darüber zu^sfcn, ob sie zur Prüfung zugelaffen worden sind, an wel- che>M Tage und in welchem Local dieselbe stattfinden wird,
nur denjenigen Meistern zuerkannt wird, welche eine Gesellen- und Meisterprüfung abgelegt haben. Einstimmig wird die Errichtung eines deutschen ReichS-HandwerkSamteS gefordert. Ferner wurde in einer Resolution die Sonntagsruhe als daS Bäckergewerbe schwer schädigend bezeichnet und die Erwarrung ausgesprochen, daß die Regierung den Bäckern den Verkauf ihrer selbsterzeugten Maaren an Sonn- und Feiertagen wenigstens bis Nachmittags 5 Uhr gestatten möge. Endlich wurde noch eine längere Resolution betreffend Beschränkung der Consumvereine gefaßt und hierauf der Ver- bandStag geschloffen.
Fulda, 19. August. An der Bisch ofS-Conferenz nehmen außer dem Erzbischof von Freiburg, sowie den Bischöfen von Osnabrück und Hildesheim der Erzbischof von Posen-Gnesen und der Bischof von Mainz nicht Theil. Die Conferenz wurde nach dem öffentlichen Gottesdienst durch den Erzbischof von Köln als Vorsitzenden heute Vormittag 9 Uhr eröffnet. Der Schluß der Conferenz findet voraussichtlich Freitag Nachmittag statt.
Hamburg, 19. August. Nach Erkundigung bei den „Hamburger Nachrichten" ist gegenüber anderweitigen Meld- ungeu festzustellen, daß es dem Fürsten Bismarck gerade in letzter Zett sehr gut geht und der Gesundheitszustand des Fürsten nichts zu wünschen übrig läßt.
Madrid, 19. August. Einer Meldung des „Heraldo" zufolge soll ein anarchistischer Anschlag, um das Schloß Braja, wo gegenwärtig die Infantin Isabella refidirt, in die Lust zu sprengen, entdeckt worden sein. Amtlich ist die Nachricht noch nicht bestätigt worden.
Madrid, 19. August. Nach einer Depesche aus Kay- West bemächtigte sich ein Haufe bet einer antispanischen Kundgebung einer spanischen Fahne und schleifte sie unter dem Beifall der Menge auf der Erde mit sich fort.
Barcelona, 19. August. Als die Musik heute auf dem Paseo de Gracchia spielte, unter welchem starker Verkehr herrschte, explodirte unter einer Bank eine Petarde. Obgleich kein Unglück vorgekommen ist, entstand große Aufregung. Man legt dem Zwischenfall keine Bedeutung bei. Hier wurden noch weitere Verhaftungen vorgenommen. Wie verlautet, werden die Verhafteten, die alle zu den republikanischen Föderalisten gehören, wieder auf freien Fuß gesetzt werden, sobald die nach Cuba bestimmten Truppen eingeschifft find.
Petersburg, 19. August. Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute Nachmittag um 2 Uhr von Peterhof hier ein und begaben sich zur Peter-PaulS-Kathedrale, wo fie am Grabe Alexanders III. ein Gebet verrichteten. Von dort begaben fie sich zur Kasan-Kathedrale.
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".Zimmern, >Or unb @arfc r-.rvmt. früher,,. !* Euler,
Feuilleton.
Debüt in der Weltstadt.
Berliner Skizze von Max Ketzer.
(2. Fortsetzung.)
3ti SchnurpS regte sich plötzlich die Selbstsucht.
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wünschte," rief der Juwelier ihm zum Tröste noch nach, als er den Thürgriff bereits in der Hand hatte.
Nun stand er wieder verlaffen im Weltstadtgewühl, gleich einem hilflosen Kinde, daS die Mutter aus den Augen verloren hat, von den vorübereileuden Menschen nicht verstanden wird und dem die Thränen nahe find.
Und SchnurpS hätte weinen mögen. Mehr auS Aerger als infolge einer weichlichen Regung. Daß auch gerade ihm das pasfiren mußte — ihm, den man zu Hause immer den „Gewitzten" genannt hatte und von dem sein bisheriger Principal behauptet hatte, er verstünde wie kein Anderer beim Abwiegen von Kaffee und Zucker unauffälliger Weise mit dem kleinen Finger die Waage zu Gunsten deS Brodherrn zu „stimmen". _
Und nun war er selbst der Geleimte. DaS war die Tragik der ausgleichenden Gerechtigkeit. Er haßte plötzlich dieses Berlin, das ihm von Weitem immer wie eine verlockende Sirene erschienen war, die die mächtigen Glieder verlangend nach der Provinz htuauSreckt, um die Gläubigen der goldenen Zukunft in ihr Netz zu ziehen.
Eine Anrempelung, begleitet von dem kräftigen Zuruf: „Sie haben wohl die Oogen in die Tasche!" erinnerte ihn
der achttägigen OffeulegungSfrist aufmerksam. Die Bescheinigungen über die stattgehabte Offenlegung hat am 9. Tage zu erfolgen.
v. G a g ern.
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die raschsten beiden Straßenecken überschritten, als ihn die wrM leuchtende Firma eines Juweliers auf den Gedanken brache, den erworbenen Bortheil sich nochmals bestätigen zu l afften. Ein doppeltes Gutachten dient zweifellos zu größerer % Br-ruhignng, dachte er und betrat den Laden mit der Bitte, —gtt w* dem Werth des Ringes genau abzuschätzen.
,Fünfundzwanzig Pfennige," erwiderte der Juwelier « kmtz, nachdem er den Ring kaum in die Hand genommen
1*> HE Das „Gold" fei gewöhnliches Blech und der „Opal" etnirmdhloser Glasscherben.
net/ z StznurpS hatte das Gefühl, langsam in die Erde zu
Wolff» telegraphische» Eorrespondenr-Bnrea».
BreSlau, 19. August. Der VerbandStag der deutschen Bäcker-Innungen faßte heute eine längere Resolution, in welcher erklärt wird, daß die Zwangs- Organisation des Handwerks eine bedeutsame und sehr nützliche Förderung zur Hebung deffelben ist und die Hoffnung ausgesprochen wird, daß es der bevorstehenden Handwerkerconferenz gelingen werde, die Mängel in dem Entwürfe zu beseitigen. Im Weiteren bezeichnet die Resolution den Befähigungsnachweis als überflüssig, dagegen sei es nothwendig, daß das Recht, Lehrlinge zu halten,
sowie, welche Aufgaben sie zu behandeln haben (§ 39 der Prüfungsordnung).
Die Großh. Kreisschulcommissionen und die betr. Orts- schulvorstände wollen die Lehrer von dieser Bekanntmachung in geeigneter Weise in Kenntniß setzen.
Darmstadt, den 6. August 1896.
Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten.
v. Knorr.___________________
Gießen, den 18. August 1896.
Betr.: Die Aufstellung der Voranschläge für die Land- Gemeinden deS Kreises Gießen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
<m He Großh. Bürgermeistereien veS Kreises.
Mit bei- Aufstellung der Gemeinde - Voranschläge für 1897/98 ist jetzt zu beginnen. Sie wollen besorgt sein, daß die Einsendung derselben zum vorgeschriebenen Termin — 15. November — bestimmt erfolgt.
Wir beziehen unS auf unser gedrucktes Ausschreiben vom 21. August v. I. und empfehlen Ihnen, dasselbe bet Aufstellung der Voranschläge zur Hand zu nehmen.
Diesmal ist die Beilage 2 zergliedert aufzustellen. Die Mobilien sind nach dem Inventar aufzunehmen.
Bei den Feldgütern ist zu beachten, daß die Einträge von Flur, Nummer, Flächeninhalt rc., sowie die Dauer der Pachtz-it und der Pachterlös mit dem Vortrag der letzten
Ms Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche mit der Einsendung der Veirzeichmsse rubr. Betreffs für daS 2. Quartal 1896 noch rükkständig find, erinnern wir an Vorlage derselben innerhalb acht Lagen.
v. Gagern.
Gießen, den 20. August 1896.
Die im Art. 33 des Volksschulgesetzes .vorgesehene „erweiterte Prüfung".
Die
«eotzh Kreis-Schulcommisßon Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Nachstehende Bekanntmachung Großh. Ministeriums des 3-timem, Abteilung für Schulangelegenheiten, wollen Sie zur odbalbigen Kenntnißnahme etwaiger Interessenten bringen, v. Gagern.
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