Ausgabe 
21.1.1896 Erstes Blatt
 
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rmd Süd, den Kaiser Friedrich, und mit tiefer Wehmulh ge­denken wir der kurzen Tage seiner Regierung- haben doch in dcr That die Hoheit seiner Erscheinung, der Adel seiner Gesinnung, sein ruhmreicher Antheil an den großen Geschicken des Vaterlandes und der Heldenmuth seines Leidens ihm in unser Aller Herzen ein unvergängliches Denkmal gesetzt.

Wir gedenken aber auch der Haltung des eigenen Landes in jenen ernsten Tagen; wir gedenken Ludwigs III., der Vergangenes vergessend treu auf die Seite deS Verbündeten sich stellend, seine Truppen unter der Führung deS Erbprinzen in den Kampf entsandte, und wir sehen diesen selbst, unseren nachmaligen Großherzog Ludwig IV., vor uni in der ganzen Ritterlichkeit seines Wesens, verehrt und geliebt von seinen Soldaten, von seinem Volke.

Angesichts solcher Fürstengestalten und unter der frischen Erinnerung an dj^aroßen Begebenheiten jenes Krieges, da werden erst recht uns zur Wahrheit die Worte der Hymne: nicht Roffe, nicht Reisige braucht eS, um solcher Fürsten Thron zu schützen, Liebe deS Vaterlandes, Liebe deS freien Mannes bat ihren Herrscherthron gegründet, fest wie den FelS im Meer- nicht die Krone, die sie getragen, nein, ihr eigener Werth, die ganze Bedeutung ihre! Wesens und Wirkens find es, die immer wieder uns zum Ausdruck höchster Verehrung entflammen.

Eine neue Generation von Fürsten ist danach im Reich, wie in unserem Lande zur Regierung gelangt: zwei Fürsten voll jugendlicher Kraft und reicher Begabung, beide begeistert für alles Hohe, Gute und Schöne, beide aber auch wie Kaiser Wilhelm H eS aussprach bestrebt, dieselben Wege zu wandeln wie thre Vorgänger, bestrebt, daS Vertrauen der BundeSgenoflen, die Liebe ihres Volkes zu gewinnen und zu bewahren. Die Liebe des deutschen Volkes, das heute in Dorf und Stadt einmüthig zurückschaut auf daS erste Vierteljahrhundert seit Erneuerung der deutschen Kaiser­krone, daS Eine ist in dem festen Entschluß, niemals wieder antasten zu lassen daS in ihr verkörperte Symbol der deutschen Einheit, ihrer Vorgänger, lasien Sie uns auch an dieser Stelle erneut den Ausdruck unserer Hingebung und Ver­ehrung darbringen, lassen Sie uns heute mit verdoppelter Begeisterung einmüthig einstimmen in den Ruf: Se. Majestät der deutsche Kaiser und Se. König!. Hoheit der Großherzog von Hessen, fie leben hoch, hoch, hoch!!!

Die Versammlung stimmte jubelnd ein und sang darauf die ersten Strophen des Liedes:Heil dir im Siegerkranz".

Herr Provinzialdirector Freiherr v. Gagern: Einen glorreichen Wendepunkt in der Geschichte unseres Vaterlandes und Volkes zu feiern, haben wir uns festlich vereinigt.

Der Glanz einer gebietenden Machtstellung, welche daS heilige römische Reich deutscher Nation in seiner Blüthezeit einuahm, er war erloschen im Laufe einer tausendjährigen Gesch'chte, deren Lichtpunkte durch trübe Schatten verdunkelt werden. Ein Fetzen nach dem anderen war von dem Hermelin deS deutschen Kaisermantels heruntergeriffen worden- die Selbstsucht der Glieder deS Reiches erstickte das Gefühl deS DeutfchthumS- Deutsche kämpften gegen Deutsche und zer­fleischten sich- die Fremden mischten sich ein oder wurden gar zu Hülfe gerufen - in zahlreichen Kriegen wurde unser Vater­land dal Schlachtfeld der Nationen: unsere Fluren zerstampft, unsere Städte und Dörfer geplündert und verwüstet, ganze Länder dem Reiche entfremdet und der Ehrentitel des deutschen Kaisers alsMehrer des Reiches" wurde zum Spotte. Und als unter dem Drucke des corsischen Eroberers das alte Reich in Stücke und die deutsche Kal^erwürde zu Grabe ging, da geschah dieS ohne Sang und Klang, fast unbemerkt!

Aber auch zur Zeit der tiefsten Erniedrigung unseres Vaterlandes, als seine trauernden Kinder wahrlich nicht stolz sein konnten auf die politische Rolle, zu der Deutschland ver- urtheilt war, ist die Liebe zu ihm aul dem Herzen des deutschen Volke! nicht gewichen: Abstammung und gemein­sames Geschick, Sprache und Literatur, Sitte und Gebräuche find unzerreißbare Bande, welche die Volksgenossen zusammen­halten- fie bildeten die starken Wurzeln einer besseren Zukunft!

Das Ende der Franzosenzeit sah Deutschland wenigstens dem Erbfeinde gegenüber wieder einig, von dein der vater­ländische Boden hoffentlich auf immer befreit wurde.

Wohl hatten wir in den nächsten 50 Jahren im Innern noch einen Läuterung!- und Werdeprozeß durchzumachen, in der trüben Zeit aber, wo Deutschland vom AuSlande höhnisch nur als geographischer Begriff bezeichnet wurde, war daS Samenkorn deutscher Einheit in den Herzen von Deutschlands Söhnen aufgegangen, die akademische Jugend zu stürmischer Begeisterung hinreißend, die breiten Schichten des Bürger- thumS in den Bestrebungen der Turner- und Schützenvereine durchdringend, von patriotischen Männern aller Stände sorgsam gepflegt und gefördert.

Und wenn auch die deutsche Einheit uns nicht als Frucht einer friedlichen organischen Entwickelung in den Schooß fiel, sondern unter Zuckungen mit Blut und Eisen geschmiedet werden mußte, so kam doch endlich die große Zeit, deren Zeugen wir meist noch waren, wo der Uedermuth deS alten Erbfeindes die deutschen Heerschaaren auS Nord und Süd an und Über den Rhein rief, und in einem in der Geschichte beispiellosen Siegesläufe die deutschen Fahnen in die fron- zöfische Hauptstadt getragen wurden und im prunkenden KönigSsch'.offe von Versailles vor 25 Jahren als fester Schlußstein der deutschen Einigkeit die alte ttaiserwürde wieder auflebte.

WaS Generationen erhofft batten, es war kein Traum mehr, eS war herrlich in Erfüllung gegangen, daS Sehnen aller Patrioten war gestillt. Mächtig und gebietend stand mit einem Schlage unser Vaterland da, von seinen Feinden gefürchtet, von Allen geachtet war eS im Rathe der Nationen- stolz konnte auch im AuSlande der Deutsche endlich sein Haupt erheben.

DaS ist die Errungenschaft der großen Tage, deren Gedenkfeste wir nach einer 25 jährigen FriebenSzeit jetzt feiern, eine Errungenschaft, deren wir unS auch ferner im

Frieden erfreuen wollen. Nicht überheben wollen wir uns Anderen gegenüber, weder als Einzelne noch als Nation, denn daS ist nicht deutsche Art- festzuhalten an jenen Er­rungenschaften find mir aber entschlossen und zu ihrer Ver- theidignng allezeit bereit, wenn daS Vaterland ruft.

Jrn Innern aber soll unser Trachten und Mühen sein, allen Kindern unseres Volkes das Vaterhaus immer lieber und trauter zu gestalten- und unseren Stolz wollen wir darein setzen, bei der Sorge für die materielle Wohlfahrt, welche den wirthschaftlich Schwachen und Bedrängten den Kamps um'S Dasein unentwegt zu erleichtern strebt, auch der idealen Güter nicht zu vergessen, die die schönsten Ruhmestitel des deutschen Namens find.

Die Vaterlandsliebe mög: uni, Einzelne wie Parteien, immer mehr lehren, die Selbstsucht zu bekämpfen, der Ge- sammtheit Opfer zu bringen und im Ausgleich der Interessen und Ansichten, die Zufriedenheit und daS Glück Aller zu fördern, eingedenk der Mahnung deS DichterS:An! Vater­land, an'S theure, schließ Dich an, Das halte fest mit Deinem ganzen Herzen."

Geben Sie, werthe Festgenossen, der Liebe zu unserem theuren deutschen Vaterlande mit rir Ausdruck, indem Sie in den Ruf einstimmen:Deutschland, Deutschland über Alles, unser Vaterland es lebe hoch, hoch und immerdar hoch!"

Die Versammlung sang daraus daS Lieo:Deutsch« land, Deutschland, über Alles." 'M»

Herr Stadtverordneter Kirch feierte unser Heer mit folgenden Worten:In begeisternden Worten ist heute bereits unseres Landesherrn und Seiner Majestät, unseres verehrten Kaisers, gedacht worden. In zündender Ansprache hat mein Herr Vorredner uns das Deutsche Reich, unser geliebtes Vaterland, vor Augen geführt und der Beifall, der diesen beiden Reden gefolgt ist, der Jubel, mit welchem das un­vergleichliche LiedDeutschland, Deutschland über Alles" aus­genommen wurde, hat gezeigt, daß die Hunderte und Aberhunderte, die heute in diesem Saale vereinigt sind, sich Eins wissen mit den Millionen Herzen, die zusammen schlagen in ungetheilter Ver­ehrung, in Liebe und Dankbarkeit für Diejenigen, die das Sinnen und Trachten unseres deutschen Volkes endlich zur Erfüllung gebracht, die das Deutsche Reich mächtig und groß geschaffen und die, nachdem sie es errungen und erkämpft Haden, mit sorgsamen Augen über ihm wachen und es behüten vor Ge­fahr und Feinden nach Außen und nach Innen! Zu bedauern wäre wahrlich eine Nation, welche an dem Gründungstage, an dem Wieberaufrichtungstage ihres Vaterlandes nicht dank­bar gedenkt ihrer großen Helden, Derer, die ihr Leben, ihr Gut und Blut für sie aufs Spiel gesetzt haben: Ihrem Volke in Waffen, unserer Armee! Mit goldenen und aller­dings auch blutigen Lettern sind die ruhmreichen Thaten, die glänzenden Erfolge des deutschen Heeres in den Jahren 1870/71 unauslöschlich in der Geschichte des Deutschen Reiches ver­zeichnet. Der Geist und die Vaterlandsliebe, welche damals unser Heer, vom obersten Kriegsherrn bis herab zum jüngsten Rekruten, beseelte, ist auch heute noch mächtig in unserer Armee vertreten und dieser Geist, so wünschen und hoffen wir, möge darin mächtig bleiben für fernere, für alle Zeiten! Denn die Wiedererrichtung des Deutschen "Reiches, welche heute allüberall festlich begangen wird, ist ihr Werk, ist ihr Verdienst, und ihr den schuldigen Dank, die wohlverdiente Anerkennung auszusprechen, ist meine heutige Aufgabe, ist unsere heilige, unsere hehre Pflicht. Soweit die deutsche Zunge klingt und wo auf dem weiten Erdenrunde in diesen Tagen sich Deutsche unter der LoosungKaiser und Reich" zusammenfinden, da strömen die Herzen über von Dankbarkeit und Verehrung für unsere herrliche Armee und ihre Führer, denen wir verdanken, daß es wieder einen Deutschen Kaiser, ein Deutsches Reich giebt. Auch wir, meine sehr geehrten Herren, wollen diesen Gefühlen der Dankbarkeit und Ver­ehrung Ausdruck geben- wenn wir auch hoffen wollen, daß wir unser Heer nur bedürfen, um den Frieden zu bewahren, so können wir doch getrost in die Zukunft blicken, wenn wir Alle, die wir die große Vergangenheit mit erlebt, die wir heute unsere gute deutsche Gesinnung bethätigen, dahin streben, daß auch in der Heranwachsenden Jugend unserer Zu­kunft die Treue zu Kaiser und Reich, die Liebe zum Vaterlande lebendig bleibe. Ein Volk? Ein Herz? Ein Heer! Darum ziemt es sich, daß wir heute, wo wir die Wieder­gründung des Deutschen Reiches feiern, auch Derjenigen von feinen Mitbegründern gedenken, welche den hervorragendsten Antheil, die größten Verdienste daran haben: unfer Volk in Waffen, das deutsche Heer! Wir huldigen ihm mit dem Rufe eines Soldaten, wenn er Alles einfetzt, um den Sieg zu er­ringen, mit einem Hurrah! aus dankerfülltem Herzen. In diesem Sinne fordere ich Sie auf, sich mit mir zu erheben und mit mir einzustimmen in den Ruf:Unserem deutschen Heere ein dreimaliges kräftiges Hurrah, Hurrah, Hurrah!"

Herr Stadtverordneter Dr. Gutfleisch hielt, nachdem dieWacht am Rhein" gesungen, folgende Ansprache:

Nachdem wir der Männer gedacht haben, aus deren Reihen der blutige Kitt für daS Gebäude der deutschen Einheit geliefert wurde, ziemt eS sich, der nicht minder ver­dienstreichen Männer zu gedenken, welche den Boden für dieses Gebäude bereiteten- ich meine die Politiker und Staatsmänner, ohne deren Thätigkeit der Erfolg aller militärischen Kämpfe versagen mußte.

Schon einmal haben unsere Heeressäulen im ersten Viertel diese! Jahrhunderts siegreich Frankreich durchzogen, und doch, was war das nationale Ergebniß? Damals war kaum vergangen die Zeit, in welcher das Deutsche Reich in zahllose, von einander unabhängige Territorien zerfiel, ich er­innere an die mehr als 1600 retchsritterichaftlichen Terri­torien, an die zahlreichen anderen kleinen Staatsgebilde bis herab zu den Reichsstädten und sogar Reichsdörfern. Zar Zeit der Napoleonischen Kriege bot das deutsche Gebiet den Eindruck eine! ungeheuren staatlichen Trümmerfeldes.

Diesen Ruinenboden zu ebnen, die neuen vielfach äußerst künstlichen SraatSgebilbe mit politischem Leben, die Nation mit lebendiger StaatSgefinnung zu erfüllen, war nun die

Aufgabe vieler Jahrzehnte. Hier setzte ein die staatsbildende Kraft hervorragender caatSmänuer- ich erinnere auf militärischem Gebiete an Scharnhorst und Gneiseuaa, auf politischem Gebiete an Stein und Hardenberg. ES haben aber auch in kleinerem Rahmen Hunderte von wack en Patrioten ihre ganze Persönlichkeit eingesetzt, um daS Bo U» und Staatsleben in die Wege zu leiten, die zur deu'ichen Einheit führten. Wir müssen eS heute mit herzlichem Danke bestätigen, die Männer, die vor und nach 1848 ihr Leden und ihre Frechei. einsetzten für den Dienst der Freiheit und Einheit des Vaterlandes, fie haben trotz mangelnder äußerer Erfolge doch nicht ohne tieft! Ergebniß gewirkt. Sie haben gepflegt und gelehrt die Liede zum Daterlande- fie Haden in trüber Zelt unter den elendsten politischen Verhältnissen da! Feuer patriotischer Begeisterung wenigsten! glimmerd erhalten, so daß eS dann zur entscheidenden Zeit zur Hellen Flamme emporlodern konnte. Mit Wehmuth gedeckt man '»r Freude, die eS so Bielen dieser Männer, die im Kerker >nd in der Verbannung endeten, bereitet Haden würde, hätten fie den Tag erlebt, dessen Gedächtniß wir heute feiern.

Ihnen Allen ist aber nicht gelungen, was vor 25 Jahren mit Hilfe unseres tapferen Heeres der große Staatsmann vollbrachte, dessen wir heute in vorderster Reihe zu gedenken haben der erste Rangier deS deutschen Reichel, Fürst Bis­marck. Er führte daS deutsche B^lk von der Politik des Be­kenntnisses zur Politik der That- er vollbrachte, waS die Anderen jahrezehntelaug erhofft und erstrebt hatten- er war der rechte Mann zur rechten Zeit, bet mit eiserner Kraft die schweren äußeren und inneren Hindernisse der deutschen Einigung siegreich überwand. Wir erinnern unS gerne noch der srohen Zuversicht, mit der wir im großen Kriege dem Wirken unseres ersten Staatsmannes entgegeofahen. Durften mir diesmal doch sicher sein, daß nicht minder, wie im Jahre 1815 die verdammten Federfuchser und Diplomatiker, wie Blücher fie zu nennen pflegte, daS deutsche Volk nm den Lohn seiner blutigen Arbeit bringen würden. Den Dank hierfür bringen wir heute freudigen HrrzenS dar, ohne Unterschied der Partei. Am heutigen Tage giebt e! feine Parteien - uni Alle eint dal Vaterland 1

Und nun fordere ich Sie auf zu lautem DonkeSruf für die Männer, die so Große! vollbracht. Man preist eS, wenn geniale Männer mit den Hilfsmitteln moderner Technik Meere verbinden, daS Hochgebirge mit BerkrhrSwegen durch­brechen, um Völker und Länder enger zu vereinigen. Aber was will solche Arbeit bedeuten gegenüber der Riesenarbeit, die zahllosen Bäche und Rinnsale, in die daS politische Leben Deutschlands früher fich zertheilt und in denen eS vielfach versickerte, zu vereinigen zu dem mächtigen Strome einheit­lichen deutschen Volks- und StaatSlebenS. Den Männern, die uns dieses große Einheitswerk geschaffen Haden, Allen voran dem ersten Kanzler deS Deutschen Reichs, Fürsten Bismarck, ein mächtiges dreifache! Hoch!

Stürmischer, langanhaltender Beifall folgte dieserAnsprache.

Herr Oberstlieutenant von Wartenberg: In Er­widerung auf da! dem deutschen Heere dargebrachte Hoch drücke er al! ältester hier anwesender Vertreter der Armee seinen Dank au! für die der Armee gezollte Anerkennung und den begeisterten Widerhall, den diese Anerkennung in der Versammlung gefunden. Die Armee sei eng mit der Nation verbunden, sowohl in ihren Fürsten wie in ihrer Geschichte- wir hätten ein volkSthürnliche! Heerwesen, die alle umfassende Einigkeit spiegle fich im Heere wieder- ruhm­volle Feldzüge hätten bewiesen, wessen das Volk in Waffen fähig war- auch im Frieden ständen fich Bürgerschaft und Heer nicht mehr gegenüber wie früher, fie wirkten neben­einander und für einander nach innen und außen, alle um­schlinge da! Band der Zusammengehörigkeit und diese! Band sichere auch daS beste Einvernehmen zwischen Garnison und der hiesigen Bevölkerung, eS werde befestigt besonder- auch durch das Entgegenkommen der städtischen Behörden; er bitte die Kameraden, mit ihm einzustimmen in ein Hoch auf die Bürgerschaft der Garnisonftadt Gießen.

Herr Landtaglabgeordneter Metz führte aul: Nachdem man, eine schöne Pflicht erfüllend, aller Derjenigen gedacht habe, welche an den Erfolgen de! Jahre! 1870/71 activ beteiligt waren sowie namentlich auch derer, die in hervor­ragender Weise berufen seien, die erzielten Erruogenschaftea zu erhalten und zu fördern, zieme e! fich, wohl auch der Frauen zu gedenken, deren Theilnahme am Nachmittag den Festact verherrlicht habe, die man aber am Abend mit Rück­sicht auf die beschränkten Raumverhältniffe leider entbehren müffe. Redner gedachte in warmen Worten der Gattinnen und Mütter, deren heiße Segenswünsche den Gatten, den Sohu in den blutigen Kamps begleiteten, der Bräute und Schwestern, die unter Thränen lächelnd den Bräutigam und Bruder hinziehen ließen zur Erfüllung der höchsten Pflichten gegen da! Vaterland. Er gedachte der heldenmüthigen Frauen und Jungfrauen, welche dem Heere zur Pflege der Kranken und Verwundeten folgten, sowie derjenigen, welche in gleicher Weise in den heimischen Spitälern thätig waren und endlich derer, wilche den durchziehenden Truppen und den Transporten verwundeter Sieger Labung und Erquickung darbrachten. Er gedachte der in Schönheu und Jugend prangenden Jungfrauen, welche den heimkehrenden Siegern leuchtenden Auge! entgegenzogen und sie mit Lorbeer schmückten. Er gedachte endlich der Gattinnen, Mütter, Bräute und Schwestern, welchen daS schmerzliche Loo! beschieden war, den Verlust del Gatten, BaterS, Bräutigam! ober Bruder! zu beklagen. Redner führte dann weiter aul, daß es nicht nur heilige Pflicht sei, der Thätigkeit der Frauen im Kriege zu gedenken, daß vielmehr da! Leben und Wirken der Frauen feine wesentlichste Bedeutung in den Zeiten de! Frieden! habe und hier der Einfluß deS zarten Geschlechte! überall verschönend und veredelnd wirke und daß, betrachte man der deuischen Jungfrau liebliche Erscheinung und deren mildernden Einfluß auf die Sitten und dal ganze Auftreten der männ­lichen Jugend, betrachte man der edlen Gattin oder der sorgsamen Mutter häusliche! Wirken, ihre Bemühungen einzupflanze»