um -
hhtojtj [rtmiiiti i-ks.
W jtafhjet .'; W« bet ’M«« «irlnt; «ta, mi bitjen N Hi> herrlichen und ireude Ausdruck zen glücklich ge, der großen tzr-
t Vorstand bei '' «ehaghel; 8 Sängerkranz; v. Gagerv; iann Theodor Mer Herbert, *bt; hofiraiteur ervernnr; Land-. aisPetrilll., h; Landgerichts- l und Regiments- Schäfer; Kauf, er, Vorstand des olff.___________
erein.
reten*
1896
Dienstag den 2! Januar
Ur. 17 Erstem rZzM
Weßener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger
Amts- Uttd Zlnzeigeblatt für den "Kreis. Giefzen.
| Hratisbeikage: Hießener Aamitienötälter
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Au-lande- nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Sicdaction, Expedition und Dnlckerei:
Kchulstraße Ar.7.
Fernsprecher 51.
Hietzener Anzeiger rtTttieint täglich, jnit Ausnahme deS Montags.
vierteljähriger Adonnemcnts-reiOi 2 Mark 20 Pfg. mU Bringcrlohn.
Durch die Post öezogev 2 Mark 50 Pfg.
Die Gießener P«mittenvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de« Atzenden Tag erscheinenden Nummer bi- Corrn. 10 Uhr.
Deutscher Reich.
Berlin, 18. Januar. Staatssekretär von Stephan erhielt heute nachstehendes kaiserliches Handschreiben:
„Bei der heutigen 25jährigen Wiederkehr deS Tages der Kaiserproclamation in Versailles gedenke ich gern der bervorragenden Verdienste, welche Sie sich in jener großen Zett der Einigung der deutschen Stämme durch die muster- gtltige Organisation und Leitung de- Feldpost-, sowie später des ReichSpostverkehrS um Kaiser und Reich erworben haben. Als ein erneutes Zeichen meiner dankbaren Anerkennung und meines unveränderten Wohlwollens wollen Sie meine bei« folgende Büste entgegeunehmen. Berlin, 18. Jannar 1896. gez. Wilhelm Rex.“
Neueste Nucheichteru
Wolff» telegraphisches Eorrespondmz-Bmeau.
Berlin, 19. Januar. Der in letzter Zeit mehrfach in Preßproceffen hervorgetreteue LandgerichtSdirector Brausewetter ist gestern Nachmittag an Paralyse gestorben.
Ro», 19. Januar. Der Commandant deS italienischen Rothe-Meer-GeschwaderS beorderte zwei Kriegsschiffe, um einen mit Waffen und Kriegsmaterial von Marseille abgegangene und vermutblich für den NeguS Menelik bestimmten franzöfischen Dampfer zu verfolgen. Der Dampfer soll jedoch nicht confiScin, sondern nur sein Reiseziel festgestellt werden, damit die italienische Regierung alsdann in Paris eine diplomatische Action einlettrn kann.
Depeich« M Barem» .Herold*
Berlin, 19. Januar. Die gestrige Tafel im König- lichen Schlosse anläßlich der Jubelfeier der Errichtung deS Reiches begann um ?y4 Uhr. Erschienen waren etwa 600 Personen, darunter viele frühere Abgeordnete und die Mehrzahl der gegenwärtigen Mitglieder deS Reichstages. Der Kaiser trug rothe General-uniform, die Kaiserin eine Stlberbrokat Robe. Neben dem Band deS Schwarzen Adler- ordeoS hatte die Kaiserin den neuen WilhelmSorden angelegt, ebenso die Kaiserin Friedrich, welche tn schwarz gekleidet war. Während der Tafel trank der Kaiser mehreren Herren zu, besonders dem Staatsminister a. D. Delbrück. Auf jedem Couvert lag das genau nachgeahmte Facstmtle der Origtual- depesche Kaiser Wilhelms I., die er am 1. September 1870, Abends ?l/z Uhr, vom Scklachtfelde von Sedan aus an die Kaiserin Augusta gerichtet hatte. Der Kaiser brachte in begeisterten Worten auf daS Wohl des geliebten Vaterlandes einen Toast aus, nachdem er zunächst des großen Kaisers, sowie seines Vaters gedacht hatte, denen es vergönnt war, daS Deutsche Reich mit den übrigen Fürsten sich zu erkämpfen und wiederherzuftellen. Der Kaiser mahnte an die Pflicht, auch daS zu erhalten, was damals erkämpft worden sei. AuS de« Deutschen Reiche sei ein Weltreich geworden, überall in fernen Theilen der Erde wohnten Tausende unserer Landsleute, deutsche Güter, deutsches Wtffen, deutsche Betriebsamkeit gehen über den Ocean. Nach Tausenden von Millionen beziffern sich die Werthe, die Deutschland auf der See fahren hat. Ernste Pflicht sei eS, ihm, dem Kaiser, zu helfen, dieses große Deutsche Reich auch innerlich fest zu gliedern. Mit dem Wunsche, daß die Geladenen in vollster Einigkeit ihm helfen werden, seine Pflicht nicht nur seinen engeren LaudSlenten, sondern auch den vielen Tausenden von Landsleuten im Auslande gegenüber zu erfüllen, d. h. daß er sie schützen kann, wenn er eS muß und mit der Mahnung, die an uns Alle geht: „WaS Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb eS, um eS zu besitzen" erhob der Kaiser sein GlaS und brachte ein Hoch auf daS deutsche Vaterland aus. Der intereffanteste Thetl des Festes begann nach Aufhebung der Tafel, als sich die Gäste zur Einnahme deS Kaffees in der Bildergallerie zusammenfanden und die allerhöchsten Herrschaften bald diesen, bald jenen der Geladenen mit Ansprachen auSzeichneten.
Berlin, 19. Januar. Eine Extra-Ausgabe deS „ReichS- anzetgerS" veröffentlicht zahlreiche Ordensverleihungen. ES erhielten u. A. General der Infanterie, Chef deS Ingenieur- und PtouiercorpS G olz daß Großkreuz zum Rothen Adlerorden mit Eichenlaub, Geuerallieutenant und Gouverneur von Metz, v. Arndt, den rotheu Adlerorden 1. Klaffe mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe. ES erhielten den rothen Adlerorden 1. Klaffe mit Eichenlaub o. A.: Der deutsche Gesandte in Brüffel, Graf v. A l v e n S l e b e n, der commandireude General deS 1. ArmeecorpS, General Graf Finck von Fincken- stet n, der Btceadmiral und StaatSfecretär iw ReichSmarine- amt Hollmann. ES erhielten den Stern zum rothen Adlerorden 2. Klaffe mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe u. A. der Geuerallieutenant und Commandant von
Frankfurt a. M. v. Stülp nagel. Den Stern zum rothen Adlerorden 2. Klaffe mit Eichenlaub u. A.: der Bicepi äfident der Reichsbank, Director vr. Gallenkamp, der Ministerial- director im Cultusministerium vr. Kügler, der Staats- ecretär des Reichsschatzamts Graf von PosadowSky. Den rothen Adlerorden 2. Klaffe mit Eichenlaub u. A.: der preußische Gesandte in Weimar, Raschdau, der Vortragende Rath in der Reichskanzlei, Freiherr von Wilma w S k i. Den rothen Adlerorden 3. Klaffe mit der Schleife: Oberstlieutenant von Schwarzkopp, commandirt bei der Botschaft in Paris. Den rothen Adlerorden 4. Klaffe: LandgerichtSrath Brausewett er und der Geheime Re- gierangSrath und vortragende Rath im Ministerium des Innern, Trott zu Solz. Den Kronenorden 1. Klaffe: der Gouverneur von Thorn, Boie, der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Freiherr v. Saurma-Jeltsch und der Oberprästdent der Provinz Westfalen, Studt. Den Stern zum Kronenorden 2. Klaffe u. A.: die Contreadmirale v. DiederichS und Hoffmann.
München, 19. Januar. Infolge deS militärischen Gnadenerlasses hat nun auch der aus der Pschorrbräu- Affaire her bekannte Lieutenant Scheffer, welcher kürzlich zu 30 Tagen Stubenarrest bestraft wurde, seine Strafe nicht abzubüßen.
Die Feier des 18. Januar.
«tetze». den 20. Januar LA 6
Die von unserer Universität am SamStag gehaltene Frier der Wiedererrichtung deS Deutschen Reiches characteri- strte sich äußerlich durch die glänzende Auffahrt der Vertreter der Studentenschaft, den darauf folgenden Festact und den Studenten - Commers am Abend, Feierlichkeiten, welche unter zahlreicher Theilnahme der Vertreter unserer Behörden und der Bürgerschaft vor sich gingen. Der allgemeinen, bis in die entferntesten Sradttheile sich erstreckenden Beflaggung der Häuser folgte am Abend eine brillante Illumination, die ebenfalls tn tausenden und abertausenden von Lichtern die Gefühle unserer Einwohnerschaft angesichts des großen Ge denklages wtederspiegelte. Es ist nicht angängig, diejenigen hier zu erwähnen, die ganz besondere Aufwendungen gemacht in dem Arrangement der Illumination, alle hatten sich angestrengt, um dieselbe möglichst glanzvoll zu gestalten. Der Strom Derjenigen, welche den Lichterglanz schauen wollten, war namentlich im Mittelpunkte der Stadt ein gewaltiger. Am gestrigen Sonntag war eS zunächst die kirchliche Feier, welche am Morgen die Einwohnerschaft Gießens zahlreich in die Gotteshäuser rief. Um IP/2 Uhr fand auf der Südanlage ein Concert unserer RegtmentSmufik statt. Der um 4 Uhr begonnene Festatt tn Steins Saalbau, deffen weite Räume schon lange vor Beginn dicht besetzt waren, wurde eingeleitet von der RegimentSmusik mit der Weber'schen Jubel-Ouver- ture, deren mächtige Klänge die Anwesenden zur Andacht stimmten, welche hinübergeleitet wurde zu dem dann folgenden Vortrage des Beethoven'schen „Die Ehre GotteS aus der Natur" durch einen gegen 100 Personen starken, aus den Vereinen „Bauer'scher Gesangverein", „Bürger-Gesellschaft", „Harmonie", „Liederkranz" und „Sängerkranz" gebildeten, von Herrn Franz Bauer dirtgirten Männerchor. — Darauf betrat der vom Comite berufene Festredner, Herr Geh. ttirchenrath Profeffor vr. Köstltn, die Rednertribüne und ergriff das Wort zu seiner Ansprache:
Der Redner führte die Versammlung tn die Stimmung zurück, wie sie vor 25 Jahren dem großen Eretgntß, deffen wir unS heute freuen, entgegenschlug. Er schilderte, waS die Erfüllung der nationalen Hoffnung Denen bedeutete, welche die Zeit der Zerriffenheit und Ohnmacht Deutschlands noch erlebt haben mit ihren froh aufleuchtenden Hoffnungen und bitteren Enttäuschungen- er erinnerte an die Propheten und Vorkämpfer deS EinigungSgedankens, vor deren Andenken wir uns heute, da erfüllt ist, waS sie vergeblich erstrebt haben, in dankbarer Huldigung neigen- er gedachte des Mannes, dem heute alle Herzen tn unvergänglichem Danke entgegenwallen, des greisen Recken, deffen größter Tag eben der Tag war, da dort im Spiegelsaale zu Versailles die Hülle fiel von dem Meisterwerk, das seine Hand geschaffen hatte, und sein hochgeliebter Herr vor ihm stand alS der Erwählte von Deutschlands Fürsten und Völkern, jauchzend begrüßt als erster Deutscher Kaiser.
ES war ein großer Tag, dieser 18. Januar, der dem deutschen Volke unauslöschlich in» Gedächtniß geschrieben bleibt wie der 18. October und der 18. Juni, doppelt groß für Diejenigen, die diesen Tag begehen dursten mit dem Volk tu Waffen aus französischer Erde.
Wohl aus der Seele Aller, die mttgewesen find, war eS gesprochen, wenn der Redner bekannte: nur gesenkte«
Hauptes wären sie über den Rhein zurückgekehrt, wenn nicht das die Frucht deS blutigen Ringens gewesen wä«e, über deffen herrlichem Ausgange das jetztlebende Ge.Nrcht so leicht den furchtbaren Ernst vergißt. Nur mit tiefstem Schmerze könnten die Veteranen der treuen Brüder gedenken, die zu Tausenden tu die dunklen Furchen der Schlachtfelder gebettet worden find, wenn nicht der Preis der Opfer werth gewesen wäre. Nichts Geringeres durfte der Preis sein, al» ein Deutsches Reich, stark genug, frevelhaften Kriegen zu wehren, den Frieden zu gebieten. So erst war den Stegen mit den Waffen der dauerhafte Erfolg gewährleistet, so erst der Friede gesichert.
Doch nur dann, wenn da- ganze Volk nun auch eingehe auf die Aufgaben, die vor uns liegen. Der, welcher in der Weltgeschichte daS Weltgericht vollzieht, gibt keine Gabe, ohne Aufgaben daran zu knüpfen. Er läßt ein Volk nicht ans Ziel seiner Wünsche gelangen, ohne auf ein neues Ziel zu weisen, dem eS nachrtngen muß mit heiligem Ernst und gesammelter Kraft, wenn eS nicht innerlich faulen soll.
Nicht dazu ist uns die Errungenschaft von 1870/71 geworden, daß wir die Hände in den Schooß legen in Trägheit und Selbftverherrltchung! Noch bedarf das neue Haus einer starken und wachsamen Hut. Das hat der laute Widerhall gezeigt, den deS Kaisers Gruß an baß tapfere Burenvolk im Transvaal geweckt hat in mancherlei Tonarten.
Aber daß es zu keiner Zeit an willigen, herzenS- freudigen Wächtern fehle, giltS, baß neue Haus mit un- ermübeter Sorge für alle Stäube unb Volksklaffen immer wohnlicher zu machen. Auch bet letzte Mann im Volk falls am eigenen Leben erfahren können, was es werth ist, ein Deutscher zu sein. Mehrer deS Reichs an den Gaben und Gütern des Friedens sollen wir alle sein, und wir sind eß, wenn Jeder auf seinem Posten seine Schuldigkeit thut. Keiner ist entbehrlich, dafür zu sorgen, daß keine Kraft sich aus- schließt, aber auch jede gute Kraft ankommen kann- daß keine Arbeit ungethan bleibt, aber auch für jede ehrliche Arbeit Raum wird, daß ist die Aufgabe, die vor unS liegt. ES ist daS Vermächtniß des unvergeßlichen Kaisers, dessen greise Heldengestalt unS heute mit lebendiger Frische vor die Seele tritt. Bet ihr verweilt der Redner zum Schluß, indem er die Zuhörer auf daß Paradefeld führt, wo der deutsche Kaiser zum ersten Male die neugewonnenen Glieder des Reiches, die Bayern, Sachsen, Schwaben grüßte, baß Schlachtfeld bet VtllierS vor Paris. Wir können ihm nicht mehr unsre Hulotgung bringen- auch dem ritterlichen Sohne nicht — aber, was wir in tiefer Ergriffenheit damals gelobt haben, wollen wir dem Enkel und dem Sohne halten." Mit einem brausenden Hoch auf Kaiser Wilhelm II. schloß die Rede, worauf die Versammlung stehend den Gesang anstimmte: „Deutschland, Deutschland über alles".
Den hierauf von der Regtmentßmusik gespielten „Königs- fanfaren" aus Lohengrin folgte der Podbertsky'sche Männerchor: „Friedrich Rothbart" mit Orchesterbeglettung, weicher gewaltige Chor würdig die Feier abschloß.
Gleich zahlreich wie der Festact war der um r/,8 Uhr beginnende Festcomwers besucht. Er wurde eröffnet mit dem „Deutschen SiegeSmarsch 1870/71" von Hamma. Herr Oberbürgermeister Gnauth, der, wir wollen es gleich von vornherein hervorheben, tn seiner Eigenschaft als Vorsitzender de» Festausschusses wieder manch' glücklichen Griff in den Anordnungen des Ganzen gethan, hielt hierauf folgende Ansprache:
Hochverehrte Festversammlung! Namens deS Ausschusses für die Feier der 25. Wiederkehr des Jahrestages der Kaiserproklamation, deS Gedenktages der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches darf ich diesen CommerS eröffnen, mit Freude und Stolz diese Versammlung begrüßen, welche Au- gehörige aller Stände unserer Stadt, Vertreter der v:r- schiedensten Anschauungen in sich vereinigt.
Was auch sonst etwa im Leben und Denken un» tret nen mag, heur' sind wir Eins: Gins als Bürger deS vor 25 Jahren neu errichteten, tn sich selbst erst glücklich geeinten Deutschen Reiches, Eins vor Allem auch in dem Jubelgefühl des Dankes, daß Alles so gekommen, ein einiges Deutsches Reich uns Ulle wieder umschließt, daß ein Deutscher Kaiser wiederum zur lebendigen Verkörperung solchen Gedankens geworden.
Unwillkürlich geht unser Blick dabet zurück auf den ersten Träger der neuen Kaiserkrone, auf den ehrwürdigen Kaffer Wilhelm L ; bewundernd gebet ken wir Seiner, der im frffchen SiegeSkranz, wie er herrlicher nicht so bald eines Fürneu Haupt geschmückt, seinen Gott um die Kraft gebeten, allezeit Mehrer zu sein des jungen Deutschen Reiches, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben beß Friedens- danach schauen wir den preußischen Königs- sohn, der tm Sturm sich die Herzen der Süddeutschen erobert, der wie kein Anderer beigetragen zur Verbrüderung von Nord


