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in bk Töchter häu'ftchen Sinn und anmuthiges Wesen, in ben Söhnen aber zu ihrem Thetl zu fördern die idealen Gefühle für Wahrbrit, Recht und Vaterland, überall finde die Wahrheit des DtchtertvorteS:
„Ehret die Frauen, sie flechten und weben Himmlische Rosen inS irdische Leben, Flechten der Liebe beglückendes Band, Und in der Grazie züchtigen Schleier Nähren sie wachsam das ewige Feuer Schöner Gefühle mit heiliger Hand."
Sein Hoch, in welche- die Versammlung begeistert ein- stimmte, galt den deutschen Frauen und Jungfrauen.
Herr LandgerichtSrath Dr. Schäfer sprach vor Schluß des officiellen Theils die Bitte aus, nicht auseinander zu gehen, ohne allen am Zustandekommen betheiligten Männern, vor Allem unserem Herrn Oberbürgermeister, und den Vereinen den ihnen gebührenden Dank auszusprechen. Er sei überzeugt, daß Alle, die hierher kamen, nicht nur der ein- fachen Thatsache der Gründung des Reichs, so großartig fie auch sei, gedenken wollten, daß vielmehr alle durch die Erinnerung an jene Zeit die geistigen Kräfte, welche das große Werk ermöglicht, auf unser öffentliches Leben wollten etnwirken lassen. Es sei bereits des Pflichtgefühls, welches vor 26 Jahren unser ganzes Heer bis zum letzten Soldaten beseelte, gedacht worden; er wolle nun eine andere Saite unserer Volkskraft berühren, die jene Zeit groß gemacht, dies fei der Gemetnfinn. Mit elementarer Gewalt fei damals das Gefühl über unser ganzes Volk gekommen, welches sich mit den Worten bezeichnen lasse: Wir wollen fein ein einig Volk von Brüdern. Dieser Gcmeinfinn überwand mit Leichtigkeit alle Schwierigkeiten bei Gründung des Reichs, das ganze Volk war der Ueberzeuguug, daß das neue Vaterland ein Vaterhaus für alle gleichberechtigten Kinder des Volkes sein müsse, und daß eine gedeihliche Lösung aller Fragen des staatlichen und sozialen Lebens nur möglich sei durch Bekämpfung aller Sonderinteressm, durch liebevolles Eingehen auf den Jdeenkceis und die berechtigten Interessen aller Schichten der Bevölkerung. An der diese Gesinnung erzeugenden Zeit wollen wir uns erfreuen und wünschen, daß sie nicht umsonst gewesen. Die Männer und Vereine, welche die heutige Feier verschönt, haben dies gethan, um den Zusammenhalt aller Kreise unserer Stadt zu fördern, indem sie die Elinnerung an die große Zeit in uns wachriefen. Er sei Überzeugt, daß daS harmonische Zusammenwirken der Sängervereine unter der trefflichen Leitung des Herrn Bauer auf Alle einwirken und daß Alle daS Empfinden mit nach Hause nehmen, daß wir uns in dem gemeinsamen Gedenken an die große Zeit als Bürger unserer Zeit zusammengefunden. Er sei überzegt, daß Diejenigen, denen dieser Toast gelte, ihre Thärigkeit in diesem Sinne aufgefaßt haben und daß sie auch ferner für Erhaltung und Förderung deS echten Bürgers finns bemüht sein wollen. Er bitte, in dieser Empfindung ein Hoch auSzubrtngen allen Denjenigen, die für das Gelingen der heutigen Feier bemüht waren.
Herr Oberbürgermeister Gnanth dankte am Schluffe deS officiellen Theils für sich, die Festredner und Mitwirkenden sür die ihnen gezollte Anerkennung- er sei stolz auf dieses Zusammenwirken und baue schöne Hoffnungen darauf für die Zukunft- er hoffe, wenn wieder ein Vierteljahrhundertvorüber, daß mit derselben Einmüthigkeit der Tag gefeiert werde. Er bitte die Versammelten, nach Schluß deS officiellen Theils noch nicht auseinander zu gehen, sondern noch hübsch in Fröhlichkeit beisammen zu bleiben. Dieser Einladung wurde natürlich Folge g-leistet, und so spann sich die FidelitaS fort bis zu später Stunde. Wie uns mitgetheilt wird, sollen noch verschiedene schwungvolle Ansprachen gehalten worden sein; wir müssen indeß deS beschränkten Raumes wegen von einer Wiedergabe dieser nicht minder jubelnd aufgenommenen Reden absehen.
Zum Schluß können wir nicht umhin, rühmend dessen zu gedenken, waS das Ohr ergötzte. Wer die Leistungen unserer RegimentSmufik unter der umsichtigen Leitung ihres Musikmeisters Krauße kennt, wird die Ueberzeugung haben, daß gestern besonders Vorzügliches geboten wurde. Der deutsche SiegeSmarsch von 1870, die Festouverture von Leutner, daS Finale aus Lohengrin, der Händel'sche Festchor aus dem Oratorium Messias, der Strauß'sche Walzer: „Ich bin dir gut" und das Schlachten-Potpourri von Schreiner bildeten eine Reihe vorzüglicher musikalischer Genüsse. — Unseren Sängern aber, die sich zur gemeinsamen Mitwirkung an der hehren Feier zusammengefunden, sei zu dem ihnen bereits während der Feier gespendeten reichen Beifall auch an dieser
Stelle die gebührende Anerkennung gezollt. Was fie zum wohlgelungenen Vortrag brachten, stellt eine große Summe von selbstloser Aufopferung, Mühe und Arbeit dar- der Ausdruck der Begeisterung, den fie durch ihre Männerchöre, durch Einzelvorträge (der Herren Hch. Schirmer, Tenor, und Th. Haubach, Bariton) und durch in später Stunde gespendete Liederzugaben hervorriefen, möge fie allezeit bereit finden lassen zur Mitwirkung bei kommenden vaterstädtischen Festen.
Cocakf tmb prwhQitttcs,
Gießen, 20. Januar 1896.
Edict,
Straferlaß zu« 18. Januar 1896 betreffend).
Ernst Ludwig, von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc.
Wir haben Uns bewogen gefunden, die 25jährige Wiederkehr des Tages, an welchem das Deutsche Reich neu begründet wurde, durch einen besonderen Act der Gnade zu bezeichnen, und verfügen deßhalb, wie folgt:
Einziger Artikel.
Allen denjenigen Personen, gegen welche bis zum heutigen Tage durch Urtheil oder Strafbefehl eines Gerichts wegen Uebertretungen auf Haft oder Geldstrafen, ober wegen Vergehen auf Freiheitsstrafen von nicht mehr als sechs Wochen ober auf Gelbstrafen von nicht mehr als 150 Mk. rechtskräftig erkannt worben ist, Werben biese Strafen, soweit fie noch nicht vollstreckt finb, in Gnaden erlassen.
Haftstrafen bleiben von dieser Gnadenerweisung ausgeschlossen, sofern zugleich auf Ueberweisung an die Landes- Polizeibehörde erkannt ist.
Ist in einer Entscheidung die Derurtheilung wegen mehrerer strafbaren Handlungen ausgesprochen, so greift diese Gnadenerweisung nur Platz, sofern die Strafe inSgesammt daS oben bezeichnete Maß nicht übersteigt.
Unser Ministerium deS Innern und der Justiz ist mit der Ausführung dieses EdictS beauftragt.
Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Grobherzoglichen Siegels.
Darmstadt, ben 18. Januar 1896.
L. 8.) unterz.: Ernst Öubwig.
contras. Finger.
•• Von bet Universität. Bei bem vorgestrigen Fest- CommerS berStubeutenschaft würben fotgenbe Telegramme abgesanbt:
L;> 1) An Seine Majestät ben Kaiser:
„Die Universität Gießen, Lehrer unb Stubirenbe, zur Festesfeier versammelt, hulbigen am heutigen großen Ehrentage Eurer Majestät, dem starken Hort der deutschen Einheit, in tiefster Ehrfurcht und unwandelbarer Treue."
2) An Seine Königliche Hoheit den Großherzog :
„Die Univerfität Gießen, Lehrer und Studireude, zur vaterländischen Festesfeier versammelt, entbieten Eurer Königlichen Hoheit, ihrem erlauchten Rector magni- ficentissimuB, ehrfurchtsvollen Gruß und die Versicherung unwandelbarer Treue."
3) An den Fürsten Bismarck:
„Die Universität zu Gießen, Lehrer und Stubirenbe, zur festlichen Feier ber Errichtung beS Deutschen Reiches versammelt, entbietet Ew. Durchlaucht, ihrem hohen Ehren- boctor, ehrfurchtsvollen Gruß und die Verficherung unauslöschlichen Dankes und unwandelbarer deutscher Treue." Darauf find folgende Antworten eingelaufen:
1) Von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog: „Hocherfreut durch die dargebrachten Gefühle unwandelbarer Treue bitte meinen herzlichen Dank auszusprechen. Lassen Sie uns allezeit fest zusammenstehen zu Kaiser und Reich. Ernst Ludwig."
2) Vom Fürsten Bis mack:
„Verbindlichsten Dank für freundliche Begrüßung zur gestrigen Jubelfeier. Bismarck."
♦♦ Bon ber Universität- Berichtigung. Der Bericht über bte Umoersitälsfeier am 18. Januar enthält eine sehr erhebliche Lücke: Er vergißt zu erwähnen, baß bte Stubenten selbst in großer Anzahl erschienen waren. Statt „Vertreter ber CorpS unb Verbinbungen" würbe es richtiger heißen: ber Ausschuß ber Stubentenschast. Auch bte Damen ber Universität hatten sich zahlreich eingefunben.
*♦ Festrede des Henn Geh. Kirchenrath Prof. Dr. Köstlin. ES ist Hoffnung vorhanben, Henn Prof. Köstlin zur Ver
öffentlichung seiner beim gestrigen Festet gehaltene» Red zu veranlassen. Es wäre bieS befand» mit Rücksicht an Diejenigen zu wünschen, bic bteser Feier nich» beiwohnen konnten.
** Sitzung der Großh. Handelskammer vom 17. Januar L I Anwesend die Herren Ko ch, Scheel, Gail, Heichelheim, H o'm berge r, Katz, Klingspor, Kraatz und Wortmann. — Nachdem ber Herr Borfitzenbe bem Wunsche für eine ersprießliche Wirksamkeit ber Kammer im begonnenen Jahre AuSbruck gegeben, tritt bie Kammer in bte Tagesordnung ein. — Zur Vorbereitung des Berichts an Großh. Mink- fterium ber Finanzen über baS Projekt einer schmalspurigen Neb.eub ahn von Gießen über Heuchelheim nach Bieber wird eine Commission, bestehenb aus ben Herren Scheel, Gail und Katz, eingesetzt. — Eine amtliche Mit- theilnug beS Großh. Ministeriums beS Innern und ber Justiz über bie Ausstellung, tnSdesonbere Beglaubigung von Ur* spmngSz-ugntssen für bie Waareneinfühmng U5 ch Frank ich, liegt zur Kenntnißnahme ber Interessenten währe .o ber Bureauftunben offen. — Ein Exemplar beS über 2500 Seiten in Groß-Quart umfassenden, reich illuftrirten Berichts des RetchS-Co mmtssärS über bie Chicagoer Weltausstellung ist ber Kammer zugegangen unb kann etngefehen werben.
V/* Manuergesa''tzv—in. Die 25jährige Wiederkehr beS Tages ber Neubegrünvung beS beutfchen Kaifer- thums feierte ber Gießener Männergefaugverein am vorigen Samstag im Saale deS CafL Ebel bnrch einen festlichen CommerS mit Damen, zu dem sich nicht nur die meisten BereinSmitglieder mit ihren Familien, sondern auch eine stattliche Reihe geladener Gäste eingefunben hatten, und ber einen in jeber Beziehung bsfrleblgenben Verlauf nahm. Mit verschiedenen wohlgelungeneu Männerchören, von denen namentlich „Dir möcht ich diese Lieber weihen" unb „Sang an Aegir" erwähnt sein mögen, wechselten Ansprachen, welche auSklangen in Hochrufe auf baS gesammte beutsche Valer- lattb, auf Seine Majestät ben Kaiser, auf Seine König! che Hoheit ben Großherzog unb auf Seine Durchlaucht den Fürsten Bismarck, in welche bte Anwesenden begeifte1-* ein» stimmten, unb Solovorträge für Pianoforte unb Violi e in bunter Reihenfolge ab unb trugen wesentlich zur Verschönerung bes Abenbs bei. Bis nach Mitternacht bereinigte eine fröhliche Feststimmung bie Teilnehmer, benen biese Feier noch lange ein Gegenstand» angenehmer Erinnerung sein wird.
** Der Bergmännische Verein Gießen hält am 25. b. M. in seinem Vereinslocal eine Sitzung ab, in welcher Dr. Elb einen Vortrag über die X-Strahlen des Prof. Röntgen halten Wirb.
** Der große Walfisch, welcher in ber „Restauration Busch" am Seltersweg ausgestellt ist, wirb nach einer biß zum Frühjahr bauernden Rundreise wieder nach Darmstadt gebracht unb bort skelettirt. Das gewaltige Skelett ist nämlich vom Darmstädter Museum angekauft worben. Wir empfehlen ben Bewohnern Gießens bie Besichtigung bes Meerungeheuers.
** Verbrannte Fahnen. Bei ber Illumination am SamStag Abend gerieten an verschiedenen Stellen ber Stabt trotz der Winbstille mehrere ausgesteckte Fahnen in Brand.
** Zimmerbraud. Jrn Hotel Kaiserhos entstand gestern Morgen ein Ztrnmerbranb. Ein Bett war auf bis jetzt unaufgeklärte Weise in Brand» gerathen- sonstiges Mobiliar wurde nicht beschädigt.
Wegen Raummangel mußten mehrere Localnotizen und Berichte aus ber Provinz für bie nächste Nummer zurück- gestellt werden. Wir bitten bie verehrten Einsender deshalb um Nachsicht.
Briefkasten.
K. Hier. Wir quittiren hiermit über den Empfang Ihrer Notiz über die Schlägerei in ber Samstag - Nacht, können sie inbeß in dieser Fassung nicht veröffentlichen. Schön ist daS Vorkommniß angesichts einer solchen Feier allerdings nicht._______________Red.
Mrchliche Anzeigen der evang.Gemeinde.
Montag, den 20. Januar, Abends 8 Uhr. Blbetstuude im Confirmandensaal der Johanneskirche: 1. Brief an die Cortnther, Capitel 7 und 8. Pfarrer Dtngeldey __________________
Auc.Luhh&c?
Bekanntmachung.
Wir machen darauf aufmerkfam, daß die öffentlichen Uhren am Rathhaus, am Thurm der Stadtkirche und an dem der katholischen Kirche, sowie die Uhr an der Stadtknabenschule, wegen Reinigung und Instandsetzung in der Zeit vom 21. bis 31. d. Ms. nach einander vorüber- gehend außer Betrieb gesetzt werden und zwar voraussichtlich:
1. Die Uhr am Rathhause am 21. und 22.,
2. „ „ am Stadtkirchthurm vom 23. bis 25.,
3. „ „ an der katholischen Kirche am 28. und 29.,
4. „ „ an der Stadtknabenschule am 30 und 31. d. Mts.
Gießen, den 20. Januar 1896.
Das Stadtbauamt: Schmandt. 705
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Port», Gerichtsvollzieher
nicht labenrein, pr. Pfd. 52 W
Dienstag den 21. Januar L J.,
Nachmittags 3 Uhr.
versteigere ich im „«ölet4 (Martt- ptafc 20) öffentlich gegen Baarzahlung:
3 Hobelbänke, 1 Sptegrlfchrank, einen Schreibtisch, 1 Sopha, 2 Sessel, mehrere Spiegel unb Oelgemalde, sowie sonst Verschiedenes.
SM. Schlachthaus.
Freibank. [706
Heute und morgen:
Ochsenfleisch
--—----------------------------------- TV* *T \ V *
Heute Schellfische! Schweinefleisch
370 I. M. Schulhof. I nicht ladenrein, pr. Pfd. 48 Psg.
Holzversteigerung
im Gießener Stadtwald.
Montag, 27. Januar 1896,
Vormittags 9J/2 Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, Dlstrict Charlottenwald, versteigert werden:
81 Eichenstämme mit 25,28 Festm.
3 Fichtenstämme „ 1,63 „
11 Eichenstangen „ 1,48 „ (für Wagner geeignet)
9 Fichtenstangen mit 0,79 Festm.
224 Rmtr. Buchen-Scheitholz
22 „ Eichen-Scheitholz
16 „ Erlen-Scheitholz
142 „ Buchen-Knüppelholz
21 „ Eichen-Knüppelholz
1 „ Erlen-Knüppelholz
2 „ Nadel-Knüppelholz
95 „ Buchen-Stockholz
11 „ ErleN-Stockholz
4440 Wellen Buchen-Reisig
270 „ Eichen-Reisig
100 „ Nadel Reisig.
Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße an der 8. Schneise.
Gießen, 20. Januar 1896.
Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 703
Neu! Neu!
Lauterbacher
„10 Ffg.“ - Käse sowie Lauterbacher Frühstückskäse frisch eingetroffen bei
Ph. Herrmann,
689 Seltersweg 33.
Schweineschmalz (garantirt rein) per Pfund 65 Pfg. und Cocosnußbutter empfiehlt
Ph. Herrmann,
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