Polen 19, Nationalltbcrale 49, freisinnige Bereinigung 14, freisinnige Volk-Partei 25, süddeutsche Volk-Partei 12, Social- demokraten 48; bet keiner Fractiou find 31 Abgeordnete.
Wolff« telegraphisch«» Lorrefpond«z.B««m.
Berlin, 16. November. Die „Berl. Corresp." schreibt: Bei einer neuerdings im Reichsamt des Innern zwischen Vertretern des Reiches und der Bundesstaaten, tu deren Gebieten sich Börsen befinden, stattgehabteu Berathung über die Ausführung des Börsengesrtzes wurde die Herstellung von PretSnotirungen für Getreide erörtert. Zur Her« beiführung einer der örtlichen Lage des Börsenverkehr- ent« sprechenden PretSabschretbung und zur Ergänzung der Börsen« nottzen wird die Herstellung eines Nachrichtenwesens beab- fichttgt, welches die außerhalb des GroßverkehrS bei der Börse gezahlten Getreidepreise schnell zur Kenntniß weiterer Kreise bringt. Hierfür sollen die bestehenden Einrichtungen der MarktpreiSstattstik nutzbar gemacht werden, die namentlich für den Bedarf der Militärverwaltung bereits Verwendung findet. Für die Preisanschreibungen bezüglich Weizen, Roggen, Gerste, Hafer find im gesammten Reichsgebiet 30—40 Ort« schäften auSgewählt, in welchen die Preisbildung, unbeeinflußt von den täglichen Preisschwankungen an den Börsenplätzen für einen größeren WirthschaftSbezirk als typisch gelten kann. Die Feststellung jedes Markttages soll alsbald telegraphisch einer bestimmten Eentralstelle mitgerheilt werden. Die Errichtung soll am 1. Januar n. I. beginnen.
Cronberg, 16. November. Gestern Abend wurde hier in Anwesenheit deS Regierungspräsidenten v. Tepper-La-kt die Gründung eines OrtscomiräS für die Errichtung eines Kaiser«Frtedrtch'DenkmalS größeren Stils in Cron« berg vollzogen. Der Großherzog von Baden ist um die Uebernahme des Protectorats ersucht worden.
Homburg. 16. November. Wie die „Kreiszeitung" meldet, ist dem königlichen Landrath des Obertaunuskreises, Dr. Meister, vom Kaiser der erbliche Adel verliehen worden.
Straßburg, 16. November. Gestern Nachmittag fand hier die feierliche Beisetzung des hier verstorbenen franzö- fischen Obersten und DirectorS der Artillerie, Paul Hüter, eines geborenen Elsäffers, statt. Dem Verstorbenen wurden dieselben militärischen Ehren erwiesen wie einem Obersten der deutschen Armee. Dem Sarge folgte die gesammte Generalität, sowie eine Abordnung deS Offiziercorps der hier garnisooirenden Truppentheile.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 16. November. Ein hiesiges Localblatt brachte am Freitag die Nachricht, außer dem schon bekannten Erlaß deS Kaisers über die Aenderung der Farben der Provinz Posen seien noch mehrere andere Erlaffe zu erwarten, die fich gegen die polnische Propaganda wendeten. Nach Informationen der „Post" dürfte fich daS wenigstens tu ab« sehbarer $eit noch nicht bestätigen. An maßgebender Stelle ist nicht einmal über Vorarbeiten, die solche Erlaffe als möglich erscheinen ließen, etwa« bekannt. Dagegen dürften bereit- in diesen Tagen die Ausführungs-Bestimmungen zu der oben erwähnten CabinetSordre zu erwarten sein.
Berlin, 16. November. Auf dem Delegirtentage der deutsch-conservativen Partei, der am Donners^ tag den 19. d. MlS. hier stat'findet, wird, wie die „Kreuz« zettung" meldet, der Abgeordnete Freiherr v. Manteuffel über die Stellung zu den Parteien sprechen, über die Organisation referirt der Abgeordnete Freiherr v. Langen, während Herr v. Loebell daS Correferar hat. Die wirthschaftliche Frage wird der Abgeordnete Graf v. Mirbach behandeln. Hebet den Schutz der nationalen Productiv-Gewerbe sprechen die Abgeordneten Feltsch und JacobSkörter, der Abgeordnete Graf Limburg'Stirum wird die Socialreform behandeln.
Berlin, 16 November. ReichSbankpräfident Dr. Koch hat einem Mitarbeiter deS „Berl. Tagebl." feine Ansicht über die Wahl Mac Kinleys, bezw. deren wirthschaftliche und politische Bedeutung geäußert. Gerade diesem Thema gegenüber, so meinte Präsident Koch, sei die äußerste Vor« sicht geboten, zumal die eigenartigen politischen Vorgänge in den Bereinigten Staaten und besonders diejenigen, welche sich bet den letzten Wahlen ereigneten, sich hier noch nicht so recht übersehen laffen. Darum scheint ein abschließendes Urlheil über diese Wahl noch nicht möglich, wie über die Folgen, die diese Wahl für Deutschland haben würde. Es heiße eben abwarteu. Sicherlich sei die Wahl Mac Kinleys das kleinere Uebel, das die Union gewählt habe. Sei es doch nicht unmöglich, daß Mac Kinley seinen früheren schroffen protectioniftischen Standpunkt aufgegeben habe. Hebet« raschungen seien freilich nicht ausgeschloffen. Sicher aber würde die amerikanische Regierung Deutschland gegenüber nur so weit Freundschaft erweisen, als fie e- mit ihren Jntereffen würde vereinbaren können.
Kiel, 16. November. Heute Morgen 5 Uhr erfolgte im Kaiser-Wilhelm Canal ein Zusammenstoß zwischen dem Dampfer „WiggerS", mit Gütern von Stettin nach Rotter« dam bestimmt, und dem Dampfer „Echo" auS Danzig. Ersterer erlitt großen Schaden und geht nach Kiel, um die Ladung zu löschen und den Schaden auSzubeffern. Der Bet« kehr im Canal ist nicht gestört.
Wien, 16. November. Die „Poltt. Corresp." meldet aus Petersburg: DaS Schreiben deS Präsidenten Faure, daS Graf Monrebello dem Zaren überbrachte, drückt die hohe Befriedigung über die für die Verhäitniffe Frankreichs zu Rußland erfreulichen Ereignisse der jüngsten Zeit und den Dank Faures gegenüber dem Zaren auS.
Budapest, 16. November. Die Bauernbevölkerung von Tisza-Oerß revoltitt feit gestern. Da eS bereits zu argen Ausschreitungen kam, mußte daS Militär einschreiten.
Berlin, 17. November. Dem „Berliner Tageblatt zufolge" wünscht der Kaiser, daß feine vielbesprochene
Aeußerung bei der letzten Rekruten-Bereidigung überall bekannt werde.
Berlin, 17. November. Die Studirevden der technischen Hochschule zu Charlotten bürg lehnten mit 273 gegen 176 Stimmen den Antrag auf Einsetzung eine- Ehren« gertchtS behufs Abschaffung deS Duells ab.
Berlin, 17. November. Die Morgenblätter besprechen mehr oder weniger aussührlich die gestrigen Berhand« lungen des Reichstags. Die „Nordd. Allgem Ztg." und die „Kreuzztg." äußern sich noch nicht. Der „Nat. Ztg." erscheint die Versicherung Marschalls, daß wir mit Zuversicht in die Zukunft schauen können, nach den vorhergegangenen Ausführungen deS StaatSiecrelärS als begründet. DaS Blatt wünscht, daß zur Besprechung parlamentarischer Verhand« lungen wie die gestrigen fich kein Anlaß mehr bieten möge. Die „Berl. Neueste Nachr." schließen ihre Betrachtungen mit den Worten: DaS geplante Scherbengericht gegen den Fürsten BiSmarck und die auf diese Weise angestrebte An« nulirung deS kaiserlichen Telegramms vom 23. März 1895 hat mit einem großen FtaSco geendet. Die national gesinnten Parteien haben im Gegentheil eine willkommene Gelegenheit gehabt, ihre damalige Haltung vor aller Welt von Neuem zu bekunden. Dem Centrum sei Dank. Die „Deutsche Tageszeitung" unterzieht die Rede Marschalls einer äußerst scharfen Kritik und meint, Fürst BiSmarck dürfe mit dem AuSgange deS gestrigen Tages zufrieden fein. Fraglich fei das bei der Regierung. Die „Staatsb.«Ztg. sagt, der gestrige Tag endete mit einer vollendeten Nieder« läge der BiSmarckfetnde und mit einer glänzenden Rechtfertigung des von der Demokratie in nichtswürdiger Weise verunglimpften Fürsten BiSmarck. Die „Doff. Ztg." ist befriedigt durch die Erklärungen vom RegierungStische und fragt, wem hat BiSmarck mit feinen Enthüllungen genutzt? Dem Kaiser wie dem Fürsten Hohenlohe hat er Verlegenheiten bereitet. Möge immer die BtSmarckpreffe die Enthüllungen bejubeln, die unbefangenen B obachter werden schwerlich meinen, daß sie ein neues Blatt in seinem Ruhmes« kränz bilden. Das „Berl. Tagbl." meint: Wenn man auch in Friedrichsruh keine Ursache halte, gestern Abend zu illuminiren, so kann man doch nicht behaupten, daß die von dem Fürsten BiSmarck so hart angefochtene Regierung mit den gestrigen Debatten einen glänzenden Triumph erfochten hat. Die „VolkSztg." betrachtet die gestrigen Verhand- lungen als eine complette moralische Niederlage der Bismarck- Gruppen.
Cocefcs unfc provinzielle-.
Gießen, den 17. November.
*» Bestätigung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 11. November der am 29. October l. I. durch die Stadtverordneten.Versammlung der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt erfolgten Wahl deS Hochbau-Jnspectors Friedrich Jäger in Bensheim zum besoldeten Beigeordneten der genannten Haupt- und Residenz- stadt mit Wirkung vom Tage seiner Entlaffung auS dem StaalSdienste, die Bestätigung zu erteilen.
»* Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer« wehren wurde ertheilt durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königl. Hoheit des Großherzo gs vom 14. Octoder l. I. dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Offenbach, Matthias Conrad Jung zu Offenb-ch.
*» Nochmals der Handelskamwerbericht. Unter diesem Schlagwort wird in Nummer 270 deS Gießener Anzeigers ein Schreiben des Vorsitzenden des LandeSau-schuffeS der laudwirthschaftlichen Vereine des GloßherzogthumS an unsere Kammer veröffentlicht, auf welches diesclbe wenige Stunden vor dieser Veröffentlichung brieflich geantwortet hatte. Da diese Angelegenheit nun nochmals der O ffentlichkeit übergeben ist, sind wir zu folgender öff-ntlichen Erklärung bet« pflicdtet. Wie bereits in unserem eben erwähnten Schreiben rmtgetheilt, ist der Jahresbericht der Großherzoglichen Handelskammer in feinem sprciellen Theile ein S am m elbericht, welcher die Erfahrungen angesehener Sachverständiger aus den einzelnen Gewerbezweigen in E nzelbertchten wiedergibt. Daß diese nicht Jedermann gefallen, darüber ist sich die Kammer ebenso klar, wie über die Möglichkeit, daß dabei Jrrthümer unterlaufen, wobei Übrigeos stets zu beachten ist, daß die Emz-lberichterstatter fich nur auf dem Boden ihrer speciellen Erfahrungen im Bereiche des Kammer- bezirks bewegen. ES ist nie auSgeichloffcn, daß die Er« fahrungen anderer Bezirke anders lauten, so daß ein Heber« blick über die Gesammtlage dcs Handels sich erst durch die Vergleichung mit den Berichten anderer Handelskammern ergiebt. Wit müffen aber, wenn auch die referirten That- sachen der Verantwortlichkeit des Berichterstatters zufallen, speciell dcffen Mitteilung über die nachteiligen Wirkungen der übertriebenen sogenannten agrarischen Agitation beipflichten. Handel und Verkehr und das eigenste Jntereffe der Landwitthe sind in recht bedauerlicher Weise durch diese Agitation gefährdet, wenn sich auch leider der Vorsitzende deS LandeSausschuffeS der hessischen landwirthschaftlichen Vereine dieser Thatsache zu verschließen scheint. Gänzlich fehlfichtig ist die Meinung dieses Herrn Vorsitzenden, als blicke auS dem Kammerberichte daS Verlangen nach Einschränkung der landwirthschaftlichen Selbsthilfe. Niemand kann aufrichtiger den Wunsch nach möglichster Erstarkung dieser Selbsthilfe hegen, als die Gießener Handelskammer. Wir tragen aber ernste Bedenken gegen die Auswüchse dieser Selbsthilfe, wie sie sich zeigen in der vielfachen Gründung schwach fundirter und schlecht geleiteter Vereine, die, zum Thetl mit rein politischen Tendenzen, in nicht seltenen Fällen lediglich den Betrieb einzelner Großkaufleute fördern, die mittleren und kleinen Handelsgeschäfte schädigen und die natürliche Verbindung deS LandwirtheS mit den Abnedmern feiner Pro- ducte gefährden, ohne andererseits den Verein-Mitgliedern dauernden Nutzen zu gewähren. Wir bedauern, wenn wir uns in der Meinung geirrt haben sollten, daß auch die Lei«
hing der landwirthschaftlichen Vereine diese Auswüchse deS landwirthschaftlichen DereiuSwesenS mißbillige.
Gießen, 16. November 1896.
Großherzogliche Handelskammer. Koch.
•• Religiöse Borttage. Herr Dr. Müllet sprach am letzten Freitag in der Aula der Uniberfitat. DaS Thema feme6 Vorträge- bildete die Frage: „Giedt eS Sünde?" Manche nennen daS Christentum, freilich seht mit Unrecht, die Religion des Pesstmi-muS. Fragt man fie nach Gründen für diese Behauptung, so sagen fie, im Christenthum werde die Sünde gepredigt, eS gäbe aber eigentlich gar keine Sünde, der Mensch sei im Grunde gut, zeige nur einzelne Schwächen und Hnbsllkommenheiten. Ist die Sünde wirklich nur Einbildung der Menschen? Sünde ist ein alt hergebrachter Begriff. Sehen wir einmal ab bon allem, waS wir im Reit« gionSuntetticht darüber gelernt Haden. Wenden wir unS lediglich zur Beobachtung der wirklichen Welt. DaS Leden der Menschen ist boller Hebel. Bei manchen derselben können wir einen Grund nicht ausfinden. Andere aber erkennen wir deutlich als Folgen einer falschen LedenSsührung. Die größte Fülle der Hebel kommt bon Seiten der Mitmenschen, insbesondere ihrer Unaufrichtigkeit und Habsucht. Kein Mensch entspricht seinem Ideal. Wenn wir unser eigene- Leben betrachten, daS wir doch am Besten kennen, wiebiel Entartung, wieviel Schwäche finden wir. ES geht ein Durst nach Erleichterung von diesen Lasten durch alle Religionen. Der Mensch ist mit fich selbst nicht zufrieden. Wer das leugnen will, mag nur darauf achten, wie die Menschen ein Grauen davor empfinden, mit sich selbst allein zu sein, wie sie be« ständig jagen nach Zerstreuung. ES giebt bei dem Menschen eine beständige Dissonanz zwischen Wiffen und Wollen, zwischen Wollen und Können. Man rechne hinzu, welche schreckliche Verheerung die herrschende Hnflttlichkeit enrtebut. Wenn man dieses Alles unbefangen beobachtet, so muß man conftattren, daß fich der Mensch in Zwiespalt mit seiner eigenen Natur und Bestimmung befindet. ES ist nicht nur so, daß er einzelne verkehrte Thaten begeht, es find brr« kehrte Instinkte vorhanden, eß giebt bei ihm ein ganze- System bon krankhaften Erscheinungen. Und zwar find diese berkchrteu Neigungen schon borhanden bor Erwachen be- Bewußtseins; der Mensch, der zum Bewußtsein kommt, findet fie bereits bor. Merkwürdig! Während baß manche Theologen bestritten haben, bestätigt eß die Medicin. Daß der Mensch sich in Zwiespalt mit seiner eigenen Natur befindet, ist eigentlich ein Selbstwiderspruch. Daß Thier folgt seinem Jnftinct, und dabei thut eß daß, waß ihm gut und gesund ist. Brauchen auch wir lediglich unseren Jnstincteu zu folgen, um auf diese Weise daß Böse zu unterlaßen? Ganz im Gegentheil! Der Mensch, der fich einfach seinen Trieben Überläßt, kommt erst recht in die Verkehrtheit hinein. Wie ist daß zu erklären? Der Mensch hat, waß daß Thier nicht besitzt: Selbstbewußtsein und Selbstthätigkeit. Er soll fich selbst beherrschen, während daß Thier einfach feinen Trieben folgt. Er soll seine natürlichen gesunden Triebe zu bewußt-n Vorsätzen machen. Darum kann er aber auch in Widerspruch kommen mit seiner Natur. Wie kommt nun der geistige Mensch zu einer bewußten Beziehung zu der Natur? Wenn eß überhaupt einen Mittelpunkt der Natur giebt, so giebt eß nur einen: Gott. Stehen wir in bewußter Beziehung zu Gott, so leben wir auch naturgemäß. Ist eß nicht der Fall, so gerathen wir in die Unnatur. Tiefster Grund afltß Zwiespalt- mit der Natur ist Verfehlung gegen Gott, Loslösung bon Gott. Daß ist der Ursprung der Sünde und auch Ursprung deß Todeß: Die Loslösung bon Gott. Christa- faßte die Sünde biel tiefer alß Alle, die vor ihm gewesen waren. Ihm ist die Sünde nicht- andere- al- Gottlofigkeit. Eins war's, wa- er forderte: „ändert euren Sinn, wendet euch zu Gott." Er ist schnell bei der Hand, Sünden zu bergeben, sobald er steht, daß fich der Mensch zu dem leben- digen Gott wendet. Man oergleiche das erste Capitel im Römerbrief. Da entrollt der Apostel daß erschütternde Bild bon dem die Zeit beherrschenden Verderben. Aber alleß ist ihm nur Folge der Loßlösuug bon Gott, der Verkennung Gottes. Nach biblischer Anschauung hat also unsre Loßlösung bon Golt die Verwirrung in unsere Natur gebracht. Den rechten Einblick in diese widernatürliche Verrottung gewinnen wir erst, wenn wir in Beziehung zu Gott treten. Dann durchschauen wir daß ganze Geäst der Krankheitßerscheinungell, dann werden wir niedergedrückt bon der Schuld gegen Gott. Aber dann find wir keine Pessimisten mehr, dann find wir schon zu Optimisten geworden. Wir wiffen, daß baß Leben der Menschheit nicht nothwendig dem Bankrott entgegen geht, daß eß eine Erlösung gibt, eine Erlösung durch Gott selbst. Heber die Frage, wie wir bon der Sünde frei werben, soll der nächste Vortrag handeln. Derselbe findet Freitag den 20. d. Mts. in SteinS Garten statt. Wir wünschen ihm eine eben so zahlreiche und aufmerksame Zuhörerschaft, wie fie der letzte Vortrag gefunden hat.
•• Steins Saalbau. Bei dem heute Abend stattfioden- den Concert des Scala-Enfcmbleß auS Mailand wirken als vorzügliche Solisten mit: Frl. C. Vicini, Sopran, die Herren P. Maini, Tenor, F. Cattatori, Bariton, G. Fuffela, Violin Virtuos, sämmtlich bom Scala Orchester In Mailand. Daß Orchester steht unter persönlicher Leitung deS Herrn Rüffaele Delli Ponti, Capellmeister Scala Mailand. Daß Programm ist sehr reichhaltig und enthält einige recht werthbolle P deen.
•• Bnlß Soneert. Wir lesen über ein Concert in London im „Daily Telegraph" vom 12. Mai 1896: Sia Eoncert mit Orchester, welche- wohl verdient hätte, ein noch größere- Publikum anzuziehev, um ihm volle Gerechtigkeit widerfahren zu laffen, wurde gestern Abend von Herrn Fritz Maßbach, einem Pianisten mit ganz bemerken-- werthen Vorzügen gegeben. Diefer Künstler zählte vor kur- zer Zeit zu den Recital-Veranstaltern, die jährlich die Metropole besuchen, aber wir glauben nicht, daß er biß jetzt fo Heroorragendeß leistete, wie gestern Abend, und wir können


