Ausgabe 
16.8.1896 Zweites Blatt
 
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die GaSfabriken und industriellen Werke, sowie die Kohlen­händler ihren Herbst- und Wlnterbedarf möglichst schon vor Beginn des Herbstes unter Ansammlung größerer Borräthe beziehen würden. Gleichzeitig wird das Publikum ersucht, sür schleunige Be- und Entladung der Wagen Sorge zu tragen, damit so lange als möglich von einer Ver­kürzung der Ladefrtsteu abgesehen werden kann. Zur Ein- fichtnahme der Interessenten liegen offen: Das Programm der für 1897 in Guatemala geplantenCentralamerika' Nischen Ausstellung" nebst Ueberficht über die Trans­port- und Zollvergünstigungen Bestimmungen über die Ursprungszeugnisse für den Export nach Spanien ein Bericht über den Export nach Bulgarien auf kurze Zeit Berichte über: 1. Die Ausstellung in Ntschoy Nowgorod, , 2. die deutsche Einfuhr nach Califoruien und Klagen dortiger Importeure über die verspäteten Lieferungen deutscher Fabri­kanten, 3. die Betheiliguug deutschen CapttalS und deutscher Unternehmer bei Ausführung von Arbeiten der Stadt Jaffy, 4. einen am 26. Mat (7. Juni) d. I. in Nr. 22 des Curteul Financior" zu Bukarest erschienenen Aufsatz über die Seisentudustrte in Rumänien, 5. die Naphtawerke im Petschorathale. Zum Secretär wurde Herr GerichtSaccesfift Franz Gros gewählt, mit Wirkung von dem demnächst erfolgenden Austritt des jetzigen SecretärS.

* OmnibuSverkehr. Um eiugegaugeuen Wünschen zu entsprechen, hat der Vorstand der OmnibuS-Gesellschaft be- schloffen, zudem stattfindenden PreiSschießen deS htefigen SchützenveretnS je nach Bedarf von Nachmittags 3 Uhr ab die Sommerwagen verkehren zu laffen. Die Wagen fahren vom Marktplatz bis zum Festplatz. Fahrpreis 20 Pfg. Der Verkehr von und nach dem Schtffenbergerwald sowie der Stadtverkehr wird gleichwie an anderen Sonntagen fahr­planmäßig aufrecht erhalten.

* Promenade Coueert. Da das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm" am 18. und 19. c. zu einer größeren Gefechtsübung bet Gladenbach abwesend findet, wie wir aus sicherer Quelle erfahren, das Promenade-Concert aut Samstag, den 22. c., statt.

* * Ruffische Ratioual-Bocal Capelle. Nachstehend bringen wir ein Unheil des berühmten Wiener Musikkritikers Han Slick, aus welchem zu ersehen ist, daß das Concert am nächsten Montag nicht nur eine Augenweide bringen wird, sondern auch von musikalischer Bedeutung ist.Für eine kräftige Auffrischung unseres Musiklebens sorgen jetzt slavische Gäste" nämlich die rufftschen Sänger im großen MufikoereiuSsaal. ES ist dies die Vocalcapelle der schönen Frau Nadina SlavianSky, welche durch Heirath von ihren Eltern getrennt, einen eigenen Säugerchor zusammen­gestellt und nach Wien gebracht hat. Sie steht im pracht­volles Nationalcostüm an der Spitze ihrer Sänger, gibt mit leiser Handbewegung den Tact und singt die Soli, welche in den russischen Liedern so hübsch mit dem Cbor abwechseln. Jh^e kleinen und großen Sänger sind trefflich eingeübt; mit voller Sicherheit fingen sie auswendig das ganze lange Programm und bewahren die schönste Uebereinsttmmung in dem häufigen Tempowechsel, wie In allen Schattirungen von Tonstärke. lieber-.aschend ist besonders ihr zartes, echoartig auSkltngendeS pianissimo; die Tenorstimmen sind recht klang­voll, geradezu imposant aber die berühmten, abgrundtiefen ruff'schen Bässe. Die vorgetragenen Nationallieder (fast alle in Moll) sind durchwegs originell in Melodie und RhhtmuS, auch intereffant harmonifirt- echte Beweisstücke für das intensive musikalsche Talent des russischen Volkes. Wie poetisch in Wort und Musik ist nicht gleich der erste ChorBei der Pforte von Kaluga", wie anmuthig das TanzliedDer schwarzäugige junge Mann" und das in immer schnelleren Drehungen abwickelnde LiedWanja'S" ! Merkwürdige Gegen­stücke dazu zwei sehr langsam gesungene schwermüthige Klage­liederDie Schnitterin" undMein GraShälmchen". In letzterem Lied, das wiederholt werden mußte, frappirte ein von Frau Nadina sehr leise angeschlagenes und lange aus- gehaltenes hohes C. Es klang wie der feinste Ton einer Glasharmonika- auch zwei rufftsche Ktrchengesänge bekamen wir zu hören, die ohne Begleitung deS Harmoniums sehr präcts zusammen klangen." N. Fr. Pr.

* * Artillerie-Verein. Wie aus dem Jaserateutheile d. Bl. ersichtlich, veranstaltet der hiesige Artillerie-Verein am nächsten DienStag einen Familien-Abend. Der Verein, welcher seit vorigem Jahre seine Wirksamkeit ent­faltet, zählt zur Zett 60 Mitglieder. Da eS gewiß noch Kameraden in unserer Stadt gibt, welche einst der Artillerie angehörten und genanntem Verein noch fern stehen, seien solche auf den obenerwähnten Familien-Abend aufmerksam gemacht, da sich hier die beste Gelegenheit zum Anschluß findet.

* * Schöne Aussicht. Infolge desSchützenfestes" fällt das nächste Montags-Concert aus. Dafür aber soll SamStag den 22. August voraussichtlich daS letzte Garteu- Concert statlfinden, indem am darauffolgenden Montag unsere Militär-Capelle mit ins Manöver auSrückt.

* * Gießener Turnerschaft. Gestern Abend tagten die Vorstände der beiden hiesigen Turnvereine in Steins Garten unter Vorsitz des Herrn Beigeordneten Georgi und grün­deten auf Grund von durchberathenen und festgesetzten Sta­tuten und unter Vorbehalt der Zustimmung der beiden Vereine durch deren Generalversammlungen, die Gießener Turnerschaft. Möge diese Thatsache der Turnerei und dem Gemeinwesen hier zum Segen gereichen. Den Männern aber, die dieses EinigkeitSwerk angebahnt und vollzogen, gilt unser Gut Heil.

Lahnbäder. Heute, mit dem Schulschluß, wird auch da» Schulbad geschloffen. Die Schüler, welche während der Ferien weiter baden wollen, find veranlaßt, das von der Stadt errichtete Freibad zu benutzen, doch muß diese An­stalt um 6 Uhr Abends von den Schülern geräumt sein. DaS Freibad, welches unter Aufsicht des Schwimmmeisters Weidmann seit seiner Mitte Mai erfolgten Eröffnung sich einer täglichen Durchschnittsfrequenz von 230 Badenden. erfreut, ist im Großen und Ganzen praktisch eingerichtet.

Gebadet haben darin vou Mitte bis Ende Mai 970, Juni 9500, Juli 8600, August bis zum heutigen Tage 1500 Per­sonen. 60 Knaben haben in dieser Saison das Schwimmen erlernt. Den geringsten Besuch hatte daS Bad am 2. Juli (Temperatur deS WafferS 13*/, Grad, der Luft 10 Grad), eS badeten an dem Tage nur drei Personen. Die stärkste Frequenz halte daS Bad am 13. Juni (Temperatur des WafferS 17 Grad, Luft 201/, Grad), au diesem Tage badeten 800 Personen.

* * GebranchSmuster-Eiutragnug. Nr. 60965. Zum Gebrauch für Kinder dienende Pedaltretvorrichtung an Claviereu aus einem am Instrument lösbar befestigten Schemel mit HilfS- pedalen und Druckstangen. Schloffermeifter L. hling er, Gießen, Wetzsteinstraße 36.

* * Sudwestdeutscher Haudwerkertag. Auf der Tages­ordnung des am Sonntag den 23. und Montag den 24. August in Heidelberg stattfindenden Südweftdeutschen Hand- werkertageS steht:Die Organisation deS Handwerks". Der Centralvorftand desAllgmeinen deutschen Handwerker- verbaudeS" fordert alle Innungen und Handwerkervereini­gungen, sowie sämmtliche Handwerksmeister von Württem­berg, Baden, Heffen, der Pfalz und den ReichSlanden auf, sich durch Vertreter, bezw. in eigener Person möglichst zahl­reich zu betheiligen, gleich den norddeutschen Handwerkern ihre Einmüthtgkeit in der Forderung nach gesetzlicher, obli­gatorischer Organisation deS Handwerks zu documentiren und den Beweis zu liefern, daß der ganze deutsche Hand­werkerstand im Süden wie im Norden, im Westen wie im Osten einig ist in seinen Zielen: der Einführung einer ge­regelten Vertretung seiner Interessen und einer seinen Be- dürfutffen angepaßten zeitgemäßen Organisation, welche Lasten wie Pflichten auf alle Kreise der Handwerker gerecht und gleichmäßig vertheilt. Süddeutschlands Handwerker leiden nicht weniger unter den Auswüchsen der schrankenlosen Ge­werbefreiheit, als wie die nordischen, sie empfinden nicht minder schwer den Mangel berufsgenoffenschaftlicher Zu- sammenfaffung, und deshalb sei es an ihnen, jeden Zweifel zu beseitigen, als seien sie Gegner der geplanten Hand- werkerorganisation. Aller Orten Deutschlands regen und rüsten sich die Handwerker, um bet der eminent großen wirth- schaftlichen und politischen Bedeutung, die der geplanten tnnungsgemäßen Organisation für daS Handwerk innewohnt, ihre Wünsche und Abänderungsvorschläge hierzu anzubringen, und so würden auch die südweftdeutschen Handwerker nicht säumen, zu dem Heidelberger Handwerkertage zu eilen, um für daS gute Recht des ehrbaren Handwerks um seine Zukunft einzutreten.

* * Vorsicht beim Geldeinuehmeu. Fast bei jeder Sitzung hat sich unser Landgericht (Strafkammer) mit der Ein­ziehung falschen Geldes zu beschäftigen, welches in der Provinz Oberheffeu verausgabt ist. Gestern lagen zwei Fälle zur Einziehung je eines falschen Markstückes vor. Beide Münzen waren in Lich angehalten.

* * Hebet die hohöu Berwaltungskosten der VerufSgenoffeu- fchaften führt dieDeutsche Tageszeitung" und zwar mit vollem Recht, Klage. Obwohl die Mitglieder der Vorstände der Genossenschaften ihr Amt als VertrauenSamt bekleiden sollen, hat die Tiefbau Berufs-Genossenschaft ihrem Vor­sitzenden schon seit mehreren Jahren ein Jahresgehalt von 10,000 Mk. bewilligt und diese» im vorigen Jahre auf 15,000 Mk. erhöht. Auf Einspruch de» ReichSoerficherungs- amtes ist diesem Vorsitzenden nun auf der diesjährigen Ge- noffenschaftsversammlung ein Gehalt von 12,000 Mk. be­willigt worden. Der Geschäftsführer der SpedttionS-, Speicherei-undKellerei-Berufs-Genoffenschaft bezieht 10,000Mk. Gehalt, ein GerichtSaffeffor als stellvertretender Geschäfts­führer 4000 Mk., und envlich der Geschäftsführer der Section Berlin, deren Bureaugeschäfte bis vor zwei Jahren der Ge­schäftsführer der Genossenschaft zugleich führte, ebenfalls 4000 Mk. Gehalt.

Ein für Gewerbetreibende iutereffauter Fall wurde vorgestern von der Strafkammer II des Landgerichts zu Hanau entschieden. ES handelte sich um die Frage, ob ein Nothfall dazu berechtigt, eine Ausnahme von der Sonn­tagsordnung zu machen und eine an einem Sonntag oder gesetzlichen Feiertag verbotene Arbeit trotzdem vorzunehmen. In der diesjährigen Charwoche hatte nämlich bei dem Metzger Hahn in Bergen ein langjähriger Kunde desselben zwei Kalbs- Nierenbraten bestellt, die dieser am Ostersonntag liefern sollte. Der Metzger schlachtete auch an dem dem Charfreitag vorauS- gehenden Donnerstag ein Kalb, am Charfreitag bedeutete jedoch der Kunde des Metzgers demselben, daß er die vor­erwähnte Bestellung noch am Charfreitag haben müsse. Der Metzger, der nun vor der Wahl stand, einen langjährigen Kunden zu verlieren oder die SonntagSordnung zu verletzen, zog also daS Kalb ab und lieferte dem Kunden seine Be­stellung und zwar nach 11 Uhr Vormittags, zu welcher Zeit ihm zwar der Fletschverkauf gestattet, daS Abziehen deS Kalbes jedoch, als einer gewerblichen Arbeit, verboten war. DaS Hanauer Amtsgericht hatte ihn deshalb wegen Vergehens gegen die Sonntagsruhe zu 6 Mk. Geldstrafe event 2 Tagen Haft verurtheilt, wogegen er Berufung einlegte. Derselben wurde stattgegeben und der Angeklagte freigesprochen, da eine Störung des Gottesdienstes nicht eingetreten und der Angeklagte zu der Arbeit genöthigt war.

* Offerte« unter Chiffre ... In breiten Schichten des Publikums herrscht vielfach Unklarheit darüber, wa» man zu thun hat, wenn man sich auf ZeitungSgesuche melden will, in denen eS heißt,Offerten (oder Angebote oder Meldungen) abzugeben unter Chiffre... in der Exped. d. Bl.", z. B.:Gesucht wird ein zuverlässiger, verheirateter Kutscher. Anerbietungen wolle man unter Chiffre C. D. 24 richten an die Exped. d. Bl." Bei allen derartigen Anzeigen ist die betr. ZeitungSexpeditiou nicht in der Lage, auf etwaige Anfragen irgendwelche Auskunft über Namen n. f. w. deS JnserataufgeberS zu geben. Wenn heißtAngebote ab- zugebeu in der Exped.", so besagt dieses, daß die Reflectanten ihr Angebot u. s. w. schriftlich in der bezeichneten ZeitungS­

expedition niederzulegen haben, und zwar am besten unter Couvert, auf welchem dann die in dem Inserat angegebene Chiffre zu vermerken ist. Die Expedition sammelt dann alle die einlaufenden Briefe und händigt sie dem Auftraggeber ans oder, sofern derselbe auswärts wohnt, sendet sie d«e. selben, selbstverständlich ungeöffnet, ab. Da der Inseraten- aufgeber in sehr vielen Fällen der ZeitungSexpeditiov nichk bekannt ist, ist eS von Wichtigkeit, den Offerten niemals Zeugntffe oder Papiere von irgendwelchem Werth im Ori­ginal betzulegen, sondern stets nur Abschriften.

Zur Färbung der Wortz Die für die Metzger wie für daS gesammte Publikum wichtige Frage, ob eine bung der Wurst zu dem Zwecke, ihr ein bessere» 8Uj, sehen zu geben, al» eine Verfälschung von Nahrungsmitrelo zu erachten sei, und zwar auch daun, wenn der ®extiflfrr dem Käufer davon Mittheilung macht, ist bisher non btn Gerichten ganz verschieden beantwortet worden. Auch nett: den Metzgern herrschen verschiedene Ansichten in der (5q$l Der Verband deutscher Fleischermeister hat nun in einer Eingabe an daS ReichsgesuudheitSamt darum ersucht, her Frage der Anwendung von Farbstoffen bei der Wurstbr reitung näher zu treten und eine endgiltige Entscheidung herbeizuführen.

** Getreide Ernte. Der Regierungspräsident von Trier hat folgende Bekanntmachung erlassen:Seitdem ich an ter Spitze der Verwaltung de» Regierungsbezirkes stehe, habe ich die Beobachtung gemacht, daß bei der landwirthschast- lichen Bevölkerung bcß Bezirks vielfach Sitte ist, daß Ge­treide sehr lange in Haufen Kasten genannt auf de» Felde stehen zu lassen. Nicht selten sieht man, daß da» Stroh schließlich ganz schwärzlich geworden ist. Es ist selbst, verständlich, daß daß Stroh durch dieses Stehenlassen sehr entwerthet wird- werden anß demselben soviel Futter­stoffe durch Sonne und Regen außgelaugt, daß der Nähr- werth ein viel geringerer wird, der verkauf ist überhaupt kaum möglich. Nicht geringer wie am Stroh ist der Schadea an Körnern. Durch daß lange Stehenlaffen sinken die Gardea derart zusammen, daß sie nachher nur mit Mühe außeinander zu ziehen find. Schon vor der Einerntung und bei dies» selbst fallen die Körner in großer Za'rl aus. Ganz beson« derß schlimm ist dieses, wenn eine Regenzeit eintritt, davon zu schweigen, daß die Körner dann auch vielfach zu keime» beginnen. Der angebliche Vortheil, daß daS AuSdresche» des Getreides nach diesem langen Stehen leichter sei, kann dadurch vollständig ausgewogen werden, daß sich der einzelne nicht scheut, sich beim Dreschen etwas mehr Mühe zu geben. Um der Bequemlichkeit willen ist es gewiß nicht gerecht­fertigt, daS Getreide auf dem Felde verderben zu laffen. Indem ich noch darauf Hinweise, daß in anderen Gegenden der hiesige Gebrauch längst abgeschafft ist, warne ich jeden Landwirth, daS Getreide auch nur einen Tag länger all nöthig stehen zu laffen. Der Eintritt von Regenwetter, Hagelschlag, Sturm, Hochwaffer usw. kann jeden Augenblick geschehen und dann ist daS Versehen nicht wieder gut zu machen." Diese Ausführungen paffen auch genau auf die Gepflogenheiten oberhessischer Landwirthe.

Ridda, 5. August. Die Arbeiten an unserer Quell­wasserleitung fördern fortwährend intereffante Dinge zu Tage. So stieß man in der östlichen Vorstadt, Ravua genannt, auf alte städtische Ringmauer-Fundamente. Ferner wurden gefunden: 1. ein alterthümlicher Schlüssel, 2. ein uralter Reitersporn, der aber trotz seinem Alter seine Elasticität bewahrt hat, endlich 3) ein kleines Messer, scheinbar Dolch- meffer. Dasselbe ist mit dem Stil, dessen Holz- oder Horn- befLeibung nicht mehr vorhanden ist, 18 Ctm. lang. Die Klinge ist nur noch l*/2 Ctm. breit und theilweise abgerostet. Am unteren Ende des Stils finden sich übereinander z»,/- mal 4 Goldstreifchen in schmaler Blattform, im Halbkreis nach dem Stil gebogen. Auch am Anfang der Klinge ßvb einige lose an derselben fitzende viereckige Goldplättche». Ungemein groß ist die Menge der Steinklumpen, die zu Tage gefördert werden und die Arbeiten vielfach erschweren. Sie find offenbar früher in den damals sumpfigen Boden ver­senkt worden, um festen Grund zu bekommen. In eine» Hause der Schloßgaffe fand ein Bewohner bei Einführuug der Wafferleitung in sein Haus das Kopsstück eines Denk­steines. ES enthält unter einer sehr schön außgearbeiteten Krone ein von zwei Löwen gehaltene» Wappenschild, da» in seinem Felde eine Bretzel und einen Weck (Paarweck) ein­gehauen enthält. Es scheint ein Wahrzeichen der Bäcker­innung gewesen zu fein.

§ «ns dem Kreise Alsfeld, 14. August. Im nördlichen und nördöstlichen Theil unseres KreiseS wachsen die Hridel- beeren in großer Menge, während sie in anderen Gegenden des Keises fast gar nicht vorkommen. Obwohl die Heidel­beeren fast stets gerathen, so find doch die Jahrgänge selten, wo sie, wie gegenwärtig, außerordentlich reichlich tragen. Durch diese vorzügliche Ernte ist der Preis der Heidelbeeren sehr herunter gegangen. Der Schoppen (*/, Liter) wird im ein­zelnen für nur 6 Pfg., im Korbe zu 5 Pfg. in den Ort' schäften verkauft. Da auS Heidelbeeren ein ganz vorzüglicher Hauswein bereitet werden kann, so ist heuer die Gelegenheit hierzu besonder» günstig. Wie billig z. B. die Herstellung von ca. 30 Liter Heidelbeerwein zu stehen kommt, ist an» folgender Berechnung ersichtlich. Zu 30 Liter Wein bedarf man 10 Liter Saft, ca. 15 Liter Wasser und ca. 4 Kilo« gramm Zucker. Um 10 Liter Saft zu gewinnen, braucht man ungefähr 15 Öiter Heidelbeeren, macht L Liter 10 Pfg- ----- 1,50 Mk. Der Zucker stellt fich, A Kilogramm zu 60 Pfg. berechnet, auf 2,40 Mk. Somit betragt die za verausgabende Summe, das Vorhandensein der nöthigen Ge- räthschafteu vorausgesetzt, zur Herstellung von ca. 30 Liter Heidelbeerwein ca. 6 Mk. Die HerstellungSweise de» Heidel- beerweinS ist so einfach, daß sie vou Jedermann gemacht werden kann. AuSpreffen der Beeren, richtiges Mischen del- Taste», Füllung deS vorher gründlich gereinigten Fasse» und Lagerung desselben tu einem günstigen Raume (^