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Nr. 40
Der -lrhener Anzeiger erscheint täglich, mtt Ausnahme des MonkogS.
Die Gießener M««ltlenöräller Verden dem Anzeiger «Schentlich dreimal beigelegt.
Drittes Blatt. Sonntag den 16. Februar
1896
WeßenerAlMG
Kenerat-Wnzeiger.
Vierteljähriger AvormcmentspreiSß 2 Mar! 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
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folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. ^LUUSVCllUyC. | Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Anrtlicher LdcU.
Lekanntmachung,
betr.: Die Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge.
Sonntag de« 23. Februar l. I , Nachmittags 3 Uhr, wird im „Hollander Hof" zu Lich von Herrn LandwirthschaftSlehrer vr. von Peter von Friedberg ein Vortrag über Saatgat und Fruchtfolge abgehalten werden.
Zu diesem Vortrage werden hierdurch alle Landwirthe und Freunde der Landwirthschaft eingeladen.
Die Herren Bürgermeister von Llch und den benach. barten Gemeinden werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Gießen, den 14. Februar 1896.
Der Director des landwirthschaftlichrn Bezirksvereins. z;' [(Sari Jost, RegierungSrath t. P.
Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände.
nn. Darmstadt, 14. Februar 1896.
Nach Verkündigung von neuen Einläufen und Berichts« nzeigen setzt daS HauS seine Berathungen heute Morgen um V<10 Uhr fort.
Zur Tagesordnung steht zunächst eine Interpellation de« Abg. Schröder, die Einführung von Erletchte- rangen für den Personenverkehr bei der Main- Neckar-Eisenbahn betr. Minisierialrath Michel erklärt, daß die Regierung jederzeit ein offenes Auge für Verkehrs« Verbesserungen habe. Bei der Main Neckar Bahn trete aber die Eigenart der Dtrection zu Tage, da in derselben Baden, Preußen und Hessen vertreten sei. WaS an bar hessischen Regierung liege, so werde diese versuchen, der Sache näher zu treten. Abg. Schröder verweist auf Württemberg und Baden, wo bedeutende Verkehrserleichte- umgen und Preisermäßigungen für den Personenverkehr rtageführt sind. Fahrscheine und Retourbillete mit längerer Gültigkeitsdauer erleichtern und verbilligen den dortigen Bersonenverkehr auf den Eisenbahnen. In Hessen wird dieses noch immer vermißt,^insbesondere die Matn-Neckarbahn möge hierin vorgehen. Abg. Vogt führt Klage über schlechtgeheizte Wagen und schlechte Beleuchtung. Abg. Ulrich wünscht VerkehrSerleichterungeu für die Arbeiterbevölkerung.
Feuilleton.
Wochenbriese sns der Residenz.
(Origtnalbertcht deS „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 14. Februar.
6tee postalische KriegSerinverungsfeier. — Au8 dem Kunst- leben. — Städtische Fragen. — Allerlei.
Eine besonders originelle ErinnerungSfeter begingen am verflossenen SamStag die Angest.llten de« GeneraldirectionS- be-irk» Darmstadt der Kaiserlichen Poft. Es galt, die Ertnne- lUvg an die ruhmreiche Thätigkeit der Feldpost im großen SinhetlSkampfe vor 25 Jahren wieder aufzufrischen und den jungen Beamten ein Bild von der Bedeutung der Feldpost ii entwerfen. Wie die Jünger Stephans es verstehen. Feste ,1 feiern, das hat der Verlauf dieser Veranstaltung am SamStag bewiesen. Nicht weniger als fast 500 Theilnehmer finden sich tu dem festlich geschmückten Saale des Rummel- stäueS zusammen, an ihrer Spitze Herr Geh. Oberpoftdtrector klavel und die Ehrengäste Herr Oberstlicutevant Caspary lib Herr Oberbürgermeister Morneweg. Herr Oberpoft- Ihccctor Clavel hielt die eigentliche Festrede, die ein an« shaulicheS Bild von den Leiden und Freuden der im Feld- srstdienst thätig gewesenen Beamten lieferte und die die Be- itütung der Feldpost-inrichtung richtig characteristrte. Patriotische Trinkipiüche folgten in buntem Wechsel, und an den zrnialen Leiter des deutschen RetchSpostwesenS, Excellenz Step Han, ging ein HuldtgungStelegramm ab. Die gesellige Unterhaltung dauerte bis zur frühen Morgenstunde und sie erbrachte die erfreulichsten B weise für die auf den verschiedensten Gebtlten heimische Begabung zahlreicher „künst- lerieschir" Postbeamten. Da wurde muficirt und gesungen, euch an wohlgeübten R c tatoren fehlte eS nicht. Aus den liachbarstädten, auch auS Oberhessen, waren zahlreiche Collegen zu der schönen Feier herdeigeeilt, und sie alle dürften deS kö-aen Feste- mit dankbarer Freude gedenken.
Abg. Bähr fragt, wie eS käme, daß auf der Oberhesfischen Bahn, wenn ein Manu zu spät zum Zug komme und keine Fahrkarte habe, der doppelte Fahrpreis gefordert werde. Das sei auf anderen Bahnen nicht der Fall. Abg.Wasserburg wird sich die Erklärung deS Regterungs-Vertreters bei den Verhandlungen der Verstaatlichung der hessischen LudwigSbahn wohl merken und davon Gebrauch machen. Mmtsterialrath Michel erklärt, daß eS ihm sehr erwünscht sei, derartige Beschwerden zu hören. Er ersucht, diese ihm persönlich zu machen und wird dann jederzeit Auskunft geben. Damit ist diese Anfrage erledigt.
Zur Weiterberathung gelangt nunmehr der Antrag deS Abg. Köhler, die LandeSculturge setzgebung betr. Zu dem Antrag sprechen zunächst die Abg. Dael v. Köth, Muth und Psannsttel, welche sich nicht viel von dem Antrag erhoffen. Abg. Ulrich nennt den Antrag Kähler eine Zukunftsmusik, die unsrer Landwirthschaft nichts helfen könne. Solange die gesammte Landwirthschaft nicht soziali- sirt sei, habe der Antrag Köhler keinen practischen Werth. Ministerialrath v. Bechtold sagt die gewünschten statistischen Nachweise über stattgefundene Meliorationen und Feldbereinigungen alljährlich zu. Bezüglich deS Landgraben werden Erhebungen in Aussicht gestellt und Abhülfe zugesagt. Abg. Haas-Offenbach a'.S Berichterstatter behauptet, der von dem Abg. Köhler gestellte Antrag, der zwar gut gemeint sei, lasse sich aber nur mit schweren Opfern an Zeit und Geld durchführen. Ec ^empfiehlt den Ausschußantrag. Derselbe wünscht, ein Ersuchen an die Großh. Regierung zu richten, um die Förderung des Fortgangs der Landescultur« Unternehmungen all r Art durch unausgesetzte Anregung und Belehrung durch die oberste LandwirthschaftS-Behörde, und Gewährung von namhafteren Beträgen für Vermehrung deS technischen Personal« u. s. w. herbeizuführen. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Ein Antrag deS Abg. Ripp er, die Beiträge von 1 Mk. Normalsteueicapital für Gemeinde« umlazen 40 Pfg. nicht übersteigen zu lassen, und alle größere Lasten der Gemeinden, wenn solche nicht zu vermeiden sind, von der Staatskasse zu übernehmen, wird nach dem Antrag des Ausschusses abgelehnt. ES folgt die Vorstellung von 83 Landwirthen zu Biblis um Befristung der Zahlungen für Nothstandsbezüge und Erlaß der Zinsen. Die Großh. Regierung lehnt dieses Gesuch auS Gründen der Consequenz ab. Der Ausschuß beantragt, daS Gesuch insofern zu berücksichtigen, wenn eine Zahlung von 31/i pCt. Zinsen zu- geftanden wird. Die Kammer beschließt demgemäß.
Der Abg. Wernher hat beantragt, die auS Anlaß deS NothftandSjahreS von der Regierung verausgabten
Sehr EifreulicheS bleibt auch diesmal aus dem regen Darmstädter Künstle den zu berichten. Der Sonntag sollte uns die Premiere von de Haans neu bearbeiteten „Jnka- söhnen" bringen, doch mußte infolge der Erkrankung eines Mtrwirkenden die Aufführung abgesagt werden. Statt dem Werk unseres ersten Hofcapellmeister« erfreute daher Dont- zettiS jüngst zum eistenmale gegebener „Don PaSquale" durch feine feine, komische Musik die Hörer. Einen Erfolg, wie er im Schauspiel lange nicht errungen wurde, bedeutete aber vor Allem die Wiedergabe der Trilogie „Die Argo nauten" von Grlllpa zer. Unter begeistertem Beifallsjubel des Publikums ging d'.e Aufführung vorüber, und namentlich sah sich Frl. Cramer, dir geniale Vertreterin der Medea, hochgefeiert. Welch' treffliche Kraft die Künstlerin für unser Schaufpit-lensemble ist, konnte sie in den Vorstellungen der Trilogie von Neuem deutlich beweisen, und mit Freuden stimmte das Publikum in daS begeisterte Lob ein, das die Kritik der Darstellerin einstimmig spendete. Man darf hoffen, Grillparzers sämmtlichen Bühnenwerken nun bald auch einmal im CycluS auf unserer Hofbühne zu begegnen, der Erfolg dürfte nicht auSbleiben, zumal sich der Geschmack des Theater- Publikums erfreulicherweise wieder mehr und mehr den großen Werken unserer Klassiker zuzuwenden beginnt.
Von gleichem glänzenden Gelingen war auch daS letzte Hofmufikconcert begleitet. Herr Professor Mesch aest auS Amsterdam, den Darmstädtern und vielen Gießenern von seiner Mitwirkung beim mittelrheinischen Mufikfeste her rühmlichst bekannt, erschien als Solist und erntete Beifall in Menge. Der instrumentale Thetl des Programms brachte diesmal nur Interessantes in bester Ausführung. Man ließ endlich einmal den längst anerkannten Componisteu Robert Volkmann auch in der hessischen Residenz zu Wort kommen und der Erfolg feiner vorzüglichen D-moll Symphonie dürfte zur Aufführung noch anderer seiner Kompositionen anregen. Ueber die Gedächtnißfeier für Richard Wagner, die für gestern angesagt war, mag der nächste Brief berichten.
Beträge, welche demnächst zurückfließen, für Verwendung zu landwirthschaftlichrn Zwecken, speziell zur Förderung der Viehzucht hauptsächlich tat Vogelsberg und Odenwald zurück« zulegen. Die Großh. Regierung bält diesen Antrag in der gegenwärtigen Finanzlage deS Landes süc unthunlich. Fall- Bedürfnisse in der angedeuteten Weise hervonreten würden, werde die Regierung auf Grund besonderer Vorlagen denselben abzuhelfen suchen. Die Meh"heit des Ausschusses ist der Ansicht der Großh. Regierung und will nicht, daß Gelder für uncontrolirbare Zwecke der Landwirthschaft asservtrt werden. Die Minderheit (Abg. HaaS) ist dagegen anderer Ansicht und hält es für berechtigt, die für die Interessen der Landbauer bewilligten Beträge nicht zu entfremden. Für den Antrag der Minderheit treten die Abg. Dael von Köth, Heidenreich, Wernher und Haas-Offenbach ein, während für Ablehnung des Antrags der Abg. Bogt und insbesondere Abg. Wolfs kehl das Wort ergreifen. Nachdem auch noch Staatsminister Finger sich gegen den Antrag ausgesprochen, wird derselbe mit 22 gegen 16 Stimmen abgelehnt.
Der von dem Abg. Muth gestellte Antrag, zur Aufforstung von Gemeinde-Wüstungen und Hutweiden im Vogelsberg 10,000 Mk. pro Jahr einzustellen, wird ohne Debatte genehmigt.
Abg. Hetdenreich hat beantragt, die Regierung z« ersuchen, dem Curatorien der landwirthschaftlichen Winterschulen denjenigen Einfluß auf den Unterrichts- und Stundenplan zuzugestehen, um diese Unterrichisanstalten zu befähige«, den vorhandenen localen, landwirthschaftlichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Die Regierung glaubt, daß bet de» dermalen bestehenden Einrichtungen den Aussichtsräthen der landwirthschaftlichen Winterschulen deren Einfluß gesichert sei und verweist auf die Grundzüge der Organisation dieser Schulen. Abg. Heidenreich stellt fest, daß die obere landwtrthschaftltche Behörde einen zu großen Einfluß auf die Schulen auSübe, während den Provinzialvereinen derselbe geschmälert worden sei. Nur der Geldpunkt habe den heutigen Zustand geschaffen, der zu Differenzen führen müsse. LandeS- öconomierath Dr. Müller glaubt nicht, daß ein Grund zu einer anderen Organisation vorhanden sei. Die Sch ien hätten mit gutem Erfolg gewirkt und eS liege seiner Ansicht nach keine Veranloffung vor, an deren Organisation zu rütteln. Der Ausschuß hält jedoch eine Revision des Unterrichts- und Organisationsplans von 1882 für angezeigt und beantragt, die Großh. Regierung zu ersuchen, im Sinne deS Antrag« Hetdenreich eine Revision vorzunehmen und eine Bestimmung zu erlassen, daß künftig in der Regel die Auf«
Vtrtuosenconcerte hat eS in dieser Spielzeit nicht viele gegeben, die Künstler pflegen nun meist in den Hofmufikconcerte» und bet den Velanstallungen der großen Vereine zu erfcdeinen, im Ganzen ist aber bis jetzt die künstlerische „Saison" 1895/96 so glanzvoll verlaufen, wie kaum eine ihrer Vorgängerinne». Der Mozarrveretn, ermuthigr durch den Erfolg seiner vorjährigen Kammerwufikabende, will übrigens in diesem Wimer noch mit emtgen neuen Deronstoltungen dieser Alt hervortreten. Da sich nicht leugnen läßt, daß an Veranstaltungen dieser Art Darmstadt nicht reich ist, ist diese Absicht uur freudig zu begrüßen.
Bon den städtischen großen Fragen ist jüngst auch wieder eine aufgetaucht, die nun lebhaft erörtert wird. ES handelt sich um die Errichtung eines Winterschwimmbades. Das Bedüifniß nach einem solchen liegt schon seit Jahre» vor, und unsere Stadtverwaltung würde sich ein große» Verdienst erwerben, wenn sie die Ausführung möglichst rasch in Angriff nähme. An Wasser kann, wie jüngst schlagend nachgewiesen wurde, kein Mangel sein, auch wenn man Don einer Anspruchnahme unserer Wasserleitung, die zu große Kosten veranlassen würde, absieht.
Im Reiche des Prinzen Carneval lautet der Wochenrapport wiederum günstig. Die Herren- und Damen- fitzung am SamStag verlief flott und luftig, der Prinz Carneval wird in der würdigen Gestalt des Narhallacomtis« Mitgliedes Röhrich zweckentsprechende Verkörperung erfahren und die Premiere der FaschtngSposse soll am nächsten Montag „einmal" die Bühne des närrischen SaalbauhoftheaterS erschüttern. Leider kann nur eine Aufführung stattfiadeu, waS auswärtigen Freunden deS Darmstädter Humors mit- getheilt sei, denn einer der Hauptdarsteller verläßt am Tage nach der Vorstellung die Stadt. Der nächste Bries soll genauen Bericht über den Inhalt und de» Erfolg deS OpuS bringen.


