Ausgabe 
15.1.1896 Zweites Blatt
 
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»eines Pferdes einmal von diesem Dienst zurückbleiben und das Commando in dem Stalle über die lahmen,und gedrückten Pferds übernehmen solle- wir lagen nämlich, zwei Schwadronen zusammen, die Lerbschwadron unter Major van der Hoop und die 3. Feidschwadrorr unter Graf zu Isenburg auf einer Ferme (einem wunderschönen, damals nach ganz neuem Style angelegten Oeconom'.ehofe) dicht an der Chaussee von Briare nach GienS gelegen, wo wir zur Linken nicht weit seitwärts die Loire und zur Rechten einen sehr hohen Bahndamm batten, sodaß wir im Fall eines Rückzuges nur auf dieser Chaussee entkommen konnten- darin liegt, glaube ich, auch der Grund, daß unsere Stellung bet Briare üsterS die Mausefalle, zu der diese Straße den Einschlupf bildet, genannt wird.

Mit der Erholung meines armen Humboldt, so hieß »ein Pferd, sollte es aber anders kommen, denn am anderen Morgen, schon zwischen 7 und 8 Uhr früh, kam ein Ge­freiter M. auS unserer Schwadron, dessen Pferd schon am Bein verwundet war, von der Feldwache zurück mit der Meldung, daß die Franzosen in großen Trupps aumarschirten und die Vorposten schon stark beschossen hatten. Nun kam die Reihe wieder an mich, sämmtliche zurückgebliebenen Pferde, die auf frühere Anordnung deS Schwadron-Chefs stets Nachts gesattelt blieben und erst Morgens um 4 Uhr von dieser Last befreit wurden, so schnell alS möglich wieder im marsch­fähigen Zustande aus dem Stalle in den Hof zu bringen- kaum hatte ich dieses mit Hilfe von zweien ebenfalls zurück­gebliebenen Leuten und mit der größten Anstrengung fertig gebracht, marschirte die Letbschwadron auf, unsere Schwadron kam von Feldwache zurück und nach allen Richtungen krachten schon Gewehrschüsse. Nun wurde rasch Herr Lieutenant v. Normann mit einem Freiwilligen, Knipp, und mir auf den oben erwähnten Bahndamm geschickt, um zu erfahren, von wem das fich stets verstärkende Feuer kam. Oben an- gekommen, schickte der Herr Lieutenant, wahrscheinlich der Eile halber, den einen von uns in dieser, den anderen iu jener Richtung weg, damit wir in zwei Richtungen zugleich ermittelten, welche Truppen dort schossen.

So ritt ich denn in dem sehr dichten Nebel, der an dem 14. Januar herrschte, in der angegebenen Richtung vor­wärts und fand einen von den achten Vogelsbergern unseres 2. Infanterie-Regiments, der wir auf meine Frage,welche Leute dort vor uns schössen", in oberhesfischem Deutsch ant »ortete:Ei, doas seiner« voh uflerm Regiment, bat schätße selt eniwer."

Ich ritt in dem Glauben, eS sei wirklich so, daraus los, aber kaum einige Schritte vorwärts, da sah ich auch schon, statt Soldaten mit Helmen, Kerle mit Hüten, Käppis und

alle» möglichen Kopfbedeckungen auf ungefähr 14 15 Schritte vor mir- aber gleichzeitig, als ich erkannte, wen ich vor mir hatte, entdeckten sie auch wich und gaben eine Salve auf mich ab, daß es über und unter mir raffelte als wenn K Irl- steine nach mir geschleudert worden wären. Mein gutes Pferd, das, wenn eS Kugeln pfeifen hörte, mit einem Hirsch um die Wette hätte laufen können, war mit dieser ftuaft in wenigen Sekunden am Bahndamm angekommen, an diesem ritt ich m einigen Sätzen herunter und ich war ohne den geringsten Unfall aus ihrer Schußlinie heraus, saß aber hier doch, um mich zu überzeugen, ab und fand daß nur eine Kugel durch mein an der rechten Seile des Sattels häng­endes Kochgeschirr gegangen war, froh baxüber, saß ich un­verzüglich wieder auf, um dem ältesten der in unserer Ferme aufmarschirren Offiziere, Herrn Major van der Hoop, die Meldung zu machen, daß die Franzosen auf dem Anmarsch wären, die Chanffee nach GienS zu besetzen- ich war noch nicht ganz fertig mit dieser Meldung, da schlugen auch schon Kugelu aus dieser Richtung in den Wänden der Oeconomie- gebäude ein, daraufhin sprengte der Herr Major mit dem Rufe:Ich laß mich nicht fangen, Schwadron zur Attake vorwärts marsch" auf den Feind los, aber er war leider der erste, der dabei fiel, außer ihm fielen noch einige Leute, und wurden auch noch einige gefangen genommen. Als unser Herr Rittmeister, Graf zu Isenburg, sah, daß das Gros der Leibschwadron fich durchgeschlagen hatte, kam auch ihm der Gedanke, dies auch mit seiner Schwadron zu thun. Aber der Feind war inzwischen mit noch mehr Kräften ausmar- schirt, sodaß als wir auf der Chaussee eine Strecke vor- geritlen waren, der Kugelregen so stark wurde, daß wir gänzlich vernichtet worden wären, wenn wir noch weiter vor­gegangen wären; die Klappe der Mausefalle war eben zu. Die Schwadron sowohl, alö auch der noch zurückgebliebene Regimentsstab jagte auf den zwischen Loire und. der Chauffee liegenden Feldern aus einander und jeder einzelne suchte so schnell wie möglich wieder in der eben verlassenen Ferm Deckung, wo die Schwadron auch gleich wieder formirt wurde. Dies war eben fertig geworden, da kam der da­malige RegimeutSadjutant Herr Oberlieutenant Sederer ge­sprengt, und brachte dem Herrn Graf zu Isenburg die Nach« richt, daß Herr Oberstlieutenant von Buseck verwundet unten an der Loire läge, es müffe Jemand au8 seiner Schwadron abfitzen und denselben holen.

Der rechte Flügelmann, der bei jeder Aufstellung den Offizieren am nächsten ist, war ich- ohne erst den Befehl dazu abzuwarten, stieg ich von meinem Pferde herunter, um freiwillig diesem Wunsche nachzukommen, aber in dem Augen­blick, in dem ich hinter unserer Deckung hervortrat, wurde

ich von einem nicht zu beschreibenden Kugelregen empfangen, die Franzosen, die vorher einige Minuten lang nur auf die uns deckenden Häuser geschossen harren, schossen jetzt alle aaf mich, als wenn fie eine Sche be vor sih hätten, ich bekam eine Musik zu hören, die der der Harfe gleich, je': Kugel hatte einen anderen Ton. Obgleich ich während des Krieges vorher immer dem Tode unerschrocken ins Auge aefehen habe, jetzt Überkam mich doch ein G-fühl, roi6 man Todes­angst und Verzweiflung nennt- dieses ließ mich tu einen von der Ferme nach der Loire hinziehenden, an dem Tage zu» gefrorenen Graben springen und auf Händen und Füßen weiter krabbeln, so daß die Franzosen nur noch meinen Rücken sahen, den sie denn auch ordentlich zu verschießen suchten, eS traf aber nicht eine einzige ihrer Bohnen, sondern schlugen nur immer in die gefrorene Erde an beiden Ufern des GrabenS los. Aus diese Weise kam ich biß auf einige Schritte an d.n Herrn Oberstlieutenant heran, welcher sich, alS er mich bemerkte, aufraffie und fich an meinen Arm hing, seine nur leichte Verwundung gestattete ihm den kurzen Weg nach der Ferme zu Fuß zu machen. Feuer bekamen rohr dabei nicht mehr, denn die Aufmerksamkeit der Franzosen war ganz plötzlich von unß abgelenkt worden, da fie an der Avantgarde unserer tapferen 116er einen stärkeren Feind gesunden hatten, dieselbe ging jetzt mit Hurrah auf diese Bande loS.

Dieses Hurrah unterstützte Herr Lieutenant v. Schenk zu SchweinSberg noch dadurch, daß er die disponible Mannschaft der Cavallerie am Thore der Ferme u Fuß ihre Karabiner in die Lust abfeuern und dabei auch ihr Hurrah ganz gehörig mit eintönen ließ. Damit war der schlimmste Tag, den ich während deS ganzen FetdzugS mit­gemacht habe, so ziemlich beendet, wir marschinen noch an demselben unter ganz wenig Gewehrfeuer, welches wir vom jenseitigen Ufer der Loire au6 bekamen, zurück tu die durch die Geschichte bekannte Stellung. Anderen TageS gratulirte mir mein Wachtmeister zu dem eisernen Kreuz, für daS er mich auf Befehl meines Rittmeisters bet dem Regiments- Commando vorgeschlagen hatte, welches ich aber nicht be­kommen habe, weil es wahrscheinlich der eingeführte Ber- theilungSmoduS nicht zuließ- beim Rückmärsche wurde ich nur noch mit einer Geldprämie bedacht, die ich, wenn ich keinen Verstoß damit gemacht hätte, lieber nicht angenommen hätte- das Bewußtsein, allen an mich gestellten Anforde­rungen während deS ganzen Krieges mit größter Pflichttreue Genüge geleistet zu haben, ist mir mehr werth a!S alles Andere! J. H.

Mittwoch den 29 Ian. 1896,

Nachmittags 2 Ubr,

soll auf dem hiesigen OrtSgericht die dem Vtartitt 84mmet in Gießen cm nachstehender Hosraithe gehörige ideelle Hälfte:

Flur i Nr. 4/to 231 qm in der Neustadt

öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 17. December 1895.

Großh. Ortsgericht Gießen.

I A-: Vogt. 21

Mittwoch d.29.Ianuarl896

Nachmittags 3 Uhr,

soll auf dem hiefigen OrtSgericht btt dem «Volk vs-t in Gießen gehörige Hosraithe:

Flur 1 Nr. 783 381 qm in der Sonne öffentlich meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 18. December 1895. Großh. OrtSgericht Gießen.

I. A.: »Mi. 27

Satzungen,

betreffend die Bildung und Verwaltung eines Stadterweiterungsfonds für

nach bestem Wissen und Gewissen ausgestellte und von den Mitgliedern derselben unterschriftlich anerkannte Werthschätzung des aus Mitteln des Fonds angeschafften Grundeigenthums.

die Provinzialhauptstadt Gießen.

Auf Beschluß der Stadtverordneten - Versammlung und mit Ge­nehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 24. De­cember 1895 zu Nr. M. I. 34 914 wird hierdurch in Gemäßheit des Art. 9 der Städte-Ordnung die Bildung und Verwaltung eines Stadterweiteruugsfonds für die Proviuzialhauptstadt Giesteu wie folgt geregelt:

S 1.

Zur Erleichterung eines, zum Nutzen der Stadt Gießen erfolgenden, vorsorglichen Ankaufes von Grundeigenthum zu Zwecken der Stadterweite- reng, wie zur Vorbereitung von Straßenregulirungen wird ein

Stadterweiterungssond

gebildet und für denselben eine Nebenrechnung zur Stadtkaffe eingerichtet.

S 2.

Dem Stadterweiterungsfond ist zu Lasten der Vermögensrechnung der Stadt ein Grundvermögen von 150 000 Mk., in Worten Einhundert fünfzigtausend Mark (zunächst zwecks Ankaufs der vormals v. Rabenau- fchen Besitzung) überwiesen worden; eine spätere Verstärkung dieses Grund­vermögens bleibt vorbehalten.

S 3.

Der Stadterweiterungsfond hat dieses Grundvermögen (seine Kapital- schuld an die Stadt) mit . jährlich 3% pCt., in Worten drei und einhalb Procent, zu verzinsen.

Kapitalien des Fonds, deren Anlage in Grundeigenthum vorüber­gehend unterbleibt, sind bei der Stadtkasse verzinslich anzulegen; es werden dafür seitens der Stadtkasse dieselben Zinsen und Bedingungen gewährt, welche der Stadtkasse im Contocorrentverkehr für chre eigenen Gelder zukommen.

8 4.

Die Verwaltung des Stadterweiterungsfonds ist der städtischen Baudeputation übertragen; dieselbe hat insbesondere über den Ankauf und Verkauf von Grundeigenthum des Fonds zu beschließen und ist berechtigt, innerhalb der verfügbaren Mittel des Fonds den Ankauf von Grund­stücken auch ohne Vorbehalt der Genehmigung der Stadtverordneten­versammlung zu vollziehen, wenn außer dem Vorsitzenden mindestens zwei Drittheil der Mitglieder der Deputation für den Ankauf stimmen, wogegen für den Verkauf von Grundstücken in jedem Fall die Genehmigung ebenso der Stadtverordnetenversammlung wie der Aufsichtsbehörde vorzubehalten ist.

§ 5.

Auf 1. Januar jedes Jahre» hat die Deputation den Voranschlag des Stadterweiterungsfonds für das kommende Rechnungsjahr der Bürger­meisterei zur budgetmäßigen Behandlung und Genehmigung durch die Stadtverordneten Versammlung vorzulegen, etwaige Verstärkungen des Grundvermögens nicht minder wie eine etwaige dauernde Verminderung desselben durch Rückzahlung von Schuldbeträgen des Fond» sind im Vor­anschlag zu wahren.

$ 6-

Auf 1. October jedes Jahres ist sodann die von der Stadtkasse auf. gestellte und von der Deputation gutgeheißene Rechnung des Fonds der Bürgermeisterei zur Prüfung und Genehmigung der Rechnung durch die Stadtverordneten-Versammlung vorzulegen, begleitet von einem Vermögens' nachmei», welcher insbesondere zu enthalten hat eine von der Baudeputatwn

§ 7.

Insoweit danach einerseits im Vermögensnachweis das Vermögen des Fonds dessen Kapitalschuld an die Stadt übersteigt und anderseits die laufenden Einnahmen des Fonds zur Verzinsung, seiner Schuld nicht aus­reichen, dürfen die fehlenden Zinsbeträge auch aus dem Kapitalbeftand des Fonds entnommen werden; reichen dagegen die laufenden Einnahmen des Fonds sammt dem Vermögensüberschuß nicht aus zur Bestreitung der Schuldzinsen, so hat die Stadtverordneten-Versammlung zu beschließen, ob vorübergehend auf die Abführung von Schuldzinsen an die Stadtkasse verzichtet, oder ob unter Aufhebung dieser Satzungen der Stadterweiterung«- fond aufgelöst werden soll.

Gießen, den 7. Januar 1896.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

391__Gnauth._______________________

Bekanntmachung.

Nachdem uns auch in diesem Jahre wieder ein Betrag zur Verfügung gestellt worden ist, um im nächsten Sommer eine Anzahl armer, scrophu- löser Kinder in der Kiuderheilanftalt zu Bad-Nauheim unterbringen zu können, werden alle diejenigen Bewohner des Sparkassen- bezirks Gießen, welche foldge kranken Kinder haben und nicht selbst in der Lage sind, die Kosten bestreiten zu können, aufgefordert, sich bei ihrem Pfarramt oder der Bürgermeisterei baldigst zu melden. Bei der An­meldung ist ein ärztliches Zeugniß vorzulegen, in welchem die Nothwendig- feit einer Badekur bescheinigt sein muß. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Kindern, welche bereits auf Kosten der Sparkasse eine Badekur durch- gemacht haben, die Kosten für eine weitere Kur bewilligt werden können. Die Pfarrämter und Bürgermeistereien ersuchen wir, uns die einlaufenden Meldungen mit den ärztlichen Attesten und einer Bescheinigung über die Bedürftigkeit der betreffenden Eltern bis läugsteus Eude Januar k. I. zusenden zu wollen.

Gießen, am 10. December 1895.

Die Direktion des Spar- und Leihkafse-Bereins.

113 I. E.: Wiener.

Nutzholz Versteigerung.

I« Fürstlich Wiedifcheu Walde de» Schutzbezirks Schup­bach wird versteigert:

Freitag den 24. Januar d. I.

in den Waldorten Bachhofswald und Herrnwald bei Station Schupbach der Kerkerbachbahn, anfangend Vormittags 10 Uhr im Bachhofswald:

172 Eichenstämme 131,67 Festmeter,

11 Buchenftämme 3,92

34 Raummeter Buchen Klafter-Nutzholz.

Unter den Eichenstämmen befinden fich 50 Stück von 1 bi» 3 Fest- meter, darunter 36 Stück 1. Klaffe.

Nmikel a. d. Laho. 13. Januar 1896.

Fürstlich Wiedische Rentei.

Bucksieb. 526

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Sappenwürze ist frisch eingetroffen bet 221 Carl Bieler, «re«,platz 6.

Holz-Versteigerung.

Freitag, deu 17. Januar

d. J.,sollenimLangSdorfer Gemeinde-

wald versteigert werden:

25 Fichten-Stämme von 1430 cm Durchmesser und 14 22 a Länge, enthaltend 18 fm,

290 Kiefern-Stämme von 1630 cm Durchmesser und 818 m Lange, enthaltend 150 fm,

Kiefern-Grubenholz enthält 30fm

850 Fichtenstangen, enthaltend 30 fm.

Die Zusammenkunft ist um 9*/« Uhr im Ott.

Langsdorf, 8. Januar 1896.

Großh. Bürgermeisterei Langsdorf- Köhler. 355

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