Ausgabe 
13.9.1896 Erstes Blatt
 
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1896

Sonntag den 13. September

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Alic Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

*

Interessenten offen.

Etwaige Einwendungen find binnen dieser Frist Meidung deS Ausschlußes bet uns vorzubrtngen.

Gießen, am 11. September 1896. Großherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.

Ohne Zweifel wird bei der Feier des dreihundertjährigen Bestehens der Hochschule Gießen 1907 von berufener Seite eine ausführliche Geschichte derselben erscheinen. Bausteine dazu auch jetzt schon zusammenzutragen und auf mancherlei Material hinzuweisen, was in unansehnlichen Actenbündeln vergraben ist, kann vielleicht erwünscht sein.

Es ist bekannt, daß die Festung Gießen dreimal von

Gesunde«: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Geld« beutel mit Inhalt, 2 Regenschirme, 1 Kinderstrohhut, ein Gummiball, 1 eiserner Reif, 2 Peitschen und 1 Eisentherl eines Kinderwagens.

Gießen, den 12. September 1896.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

Matertalienkunde, Aufsatz, Buchführen, Rechnen, Geometrie, Veranschlagen und Wechsellehre- Schnitzen, Drehen und yasouireu in Elfenbein, Horn, Holz, Perlmutter, Schildplatt - Kerb« und Flachschnitt, Holzbrand, Einlegearbeit (Intarsia, Boulle)- Liseltreu in Silber, Treiben in Kupfer, Montiren tu Edelmetall in Verbindung mit Elfenbein, GlaS,zAchat usw.

Der Unterricht wird durch eine reiche Modell« und Borbildersammlung, sowie gut auSgestattete Werkstätten unterstützt.

DaS Schulgeld beträgt zehn Mark im Halbjahr.

Unbemittelten Schülern kann die Entrichtung des Schul« gelbes nachgelaffen, sowie Auswärtigen der Besuch der Schule durch einen Unterstützungsbeitrag erleichtert werden. Bei Gesuchen um Gewährung der einen oder anderen Art dieser Erleichterungen werden neben der Vermögenslage des Schü­lers auch die Bermögenöverhältniffe der HeimathSgemeinde oder das Vorhandensein geeigneter Stiftungsmittel in Be« tracht gezogen.

Anmeldungen und Gesuche find wegen der augenblick« ltchen Beurlaubung deS unterzeichneten Hauptlehrers an den Vorsitzenden des AuffichtSratheS zu richten, welcher zur weiteren AuSkunftSertheilung bereit ist.

Erbach, im September 1896.

Der Vorsitzende des AuffichtSratheS: Der Gr. Hauptlehrer: Limpert. Görtg.

vierteljähriger Avonnementsprei»: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schulstrahe Ar.7.

Fernsprecher 51.

derbare Käuze gegeben. Einer derselben war der Lehrer der französischen Sprache Fr. Thom. Chastel an der Hoch­schule in Gießen. Sein Tagebuch von 1796 befindet sich jetzt in der Hofbibliothek zu Darmstadt. Dr. E. Heuser hat das Verdienst, dasselbe neu ausgegraben und in Bd. 5 der Mittheilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins mit einer auszuglichen Veröffentlichung begonnen zu haben. Forts, und Schluß es sind sehr ausführliche Aufzeichnungen und man staunt, daß Chastel bei seinen vielen Arbeiten die Zeit noch dafür auftreiben konnte werden in Bd. 6 und 7 derMittheilungen" folgen.

Bei weitem weniger anspruchsvoll sind die Aufzeichnungen des Bauern Abel von Krofdorf, der unentwegt sein Haus­buch trotz Krieg weiter führte. Er schreibt auf, was ihn besonders interessirt, namentlich auch die Fruchtpreise. So finden wir z. B. die folgenden Aufzeichnungen, die auch jetzt noch nicht ohne Interesse sind.

1792. Das Korn galt den Frühling im Mai 5 fl. 10 Er., auch 20 fr. 2 Pf., die Gerst 4 fl. 20 fr., im September auf dem Schloß (Gleiberg) Korn 5 fl., Gerst 4 fl. Ich nahm 43 Achtel und 10 Achtel Gerst davon und 4 Wochen her­nach richteten die fönigl. Preußen ein Magazin in Gießen auf, gaben gleich vor 8 Mesten Korn 8 fl. und vor die Gerst 6 fl., vor den Gentner Heu 3 fl."

1794. Den Herbst famen um ober nach Michaeli die Kaiserlichen mit beständiger Einquartirung von Brabant und den Niederlanden zurück und hatten den ganzen Winter bis um Pfingsten die Kanonier und Füsilier zur Einquartirung, auch fasselische Stückfnecht, welche ab und zufuhren, da nahm

«olff» telegraphisches LorrefpondmpBureem.

Berlin, 11. September. DerBerl. Corr." zufolge stellte der Minister des Innern für die Ausbietung und Lieferung von Wtrthfchaftsbedürfniss en neue Bedingungen auf, worin angeordnet wird, daß Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Magerkäse, Milch und Butter, sofern es ohne Schädigung fiScaltscher Interessen geschehen kann, von den Producenten zu beziehen find. Die RegierungSprästdenten find ermächtigt worden, bei dem Bezüge der landwirthschaft- lichen Erzeugntffe von den Producenten geeigneten Falles einen freihändigen Ankauf auzuordnen. Ferner bestimmt der Minister, daß die Anstalten vier Wochen vor der öffent« lichen Bekanntmachung den Termin der Ausbietung, den Termin der Lieferung, die Art und Menge der zu liefern« den Gegenstände, die AusbietuugSbedingungen und die Liefe­rungsbedingungen den LandwirthschaftSkammern oder den landwirthschaftlichen Centralveretnen der Provinz mit« theilen sollen.

Berlin, 11. September. Die gestrige, von 2000 Personen besuchte Versammlung der Schlosser beschloß, in allen Werkstätten, wo dies bisher noch nicht geschehen ist, sofort die Forderung deS Neunstundentages bei gleichen Löhnen zu stellen, bet deren Nichtbewilligung die Arbeit niederzulegen fei. Die Arbeitgeber werden am Montag in einer Versamm­lung zu der Forderung der Gesellen Stellung nehmen.

dann die Theurung täglich zu- der Ctr. Heu galt anfänglich 2 fl. 40 Er., zuletzt 3 fl. 40 fr., das Korn das Achtel 17 fl., die Gerst 13 fl., Hafer 11 fl., Weizen 24 fl."

Weit wichtiger aber sind die Aufzeichnungen Abels von Krofdorf durch die kriegsgeschichtlichen Notizen, die einen Vergleich gestatten zwischen dem Verhalten der Heere in einer Stadt und einem wehrlosen offenen Dorfe.

Er schreibt darüber:

1795. Um den Februar 1795 hatten wir 7 Königl. Preuß. Durchzüg und hatten jedesmal Rasttag hier und machten viel Unkosten mit Zehrung und Vorspann, und ist bisher nichts bezahlt worden. Den Herbst hatten wir die Rohanischeu Husaren hier, es waren keine von den besten".

Wir werden noch mehrmals auf die Abel'schen Auf­zeichnungen zurückzukommen Gelegenheit haben, wenden uns zunächst jedoch den Ergebnissen zu, die das Studium des alten Actenmaterials ergiebt.

Bei allen diesen alten Geschichten darf nicht vergeßen werden, wie langsam und unsicher sich damals alle Nachrichten verbreiteten. Der Verkehr war gering und in der Kriegs­zeit noch mehr beschränkt, die Wege schlecht und unsicher und so ist begreiflich, daß die Kunde von auswärtigen Ereignissen nur als Gerüchte sich verbreiteten, die aber lawinenartig wuchsen und bis ins ungeheuerliche oft verzerrt wurden, je weiter sie sich verbreiteten.

Die Bewohner der Festung Gießen waren durck Wall und Graben geschützt, sie konnten den kriegerischen Ereignissen ruhiger entgegensehen. Anders aber war es auf dem flachen Lande und in den Dörfern.

Berlin, 11. September. Die Ballschuhmacher proclamtrten Donnerstag Abend In einer öffentlichen Schuh« macher «Versammlung den sofortigen Geueralftrtke. Sie fordern Anerkennung eine- von ihnen vorgelegten Lohntarifs, neunstündige Arbeitszeit und Errichtung von Betriebswerk« tätten. Wo diese Forderungen Freitag früh nicht bewilligt werden, soll die Arbeit sofort ruhen.

Potsdam, 11. September. Die Kaiserin traf heute Vormittag um 10Va Uhr mittelst SonderzugeS auf der Wild­parkstation ein und wurde von dem Prinzen Adalbert auf dem Bahnhofe empfangen. Nach herzlicher Begrüßung fuhr die Kaiserin nach dem Neuen PalaiS.

Görlitz, 11. September. Bei dem Diner, das heute Abend im Gesellschaftshause stattfand, saß der Kaiser zwischen dem Prinzen Ludwig von Bayern und dem Prinzen Victor von Italien. Gegenüber dem Kaiser saß der Ober« Hofmarschall Graf zu Eulenburg zwischen dem Chef deS Generalstabes, General der Cavallerie Grafen v. Schlieffen, und dem Chef des MilitärCabiuetS, General der Infanterie v. Hahnke. Außer den Fürstlichkeiten, dem Gefolge und anderen Offizieren waren der Landeshauptmann Dr. v. Seyde- witz, Landrath v. Witzlebeu und Oberbürgermeister Büchte« mann geladen. Der Kaiser verläßt morgen Görlitz und trifft Sonntag früh im Neuen Palais ein.

Kiel, 11. September. DaS kaiserliche Canalamt macht bekannt: Die Durchfahrt durch den Kaiser-Wilhelm« Canal muß wegen der Bergungsarbeiten für den unter« gegangenen DampferJohann Siem" von Montag Abend ganz unterbleiben. Bis dahin ist die Durchfahrt von Schiffen bis höchstens 8 Meter Breite und 4 Meter Tiefgang am Tage zulässig. m r

Kiel, 11. September. In der heutigen Versammlung der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Ge« sundheitspflege hielt Professor Fränkel-Halle einen Vortrag über die Bekämpfung der Diphtherie und be­zeichnete als Hauptübertrager den Menschen, als Haupt« Ursache der Jnfection die Disposition. Redner forderte schleunigste Ueberführung aller Diphtherie - Kranken in ein Krankenhaus und die Errichtung von Beobachtungsstationen für Diphtherie-Verdächtige. Bezüglich des GerumS erklärte Redner die Heilkraft desselben für zweifellos- wenn auch die Anschauungen über den Werth der Jmmunistrung durch Serum auSeinandergiogen, so sei er doch Überzeugt, daß in nicht allzuferner Zeit die Serumimpfung gleich der Schutz« Pockenimpfung obligatorisch eingeführt werde.

Karlsruhe, 11. September. Laut Hofbericht derKarls­ruher Zig." ist der Großherzog heute Nachmittag 4 Uhr 21 Minuten zu den Manövern abgereift. Der Groß­herzog nimmt im Schlöffe Osthausen im Elsaß bei dem UnterstaatSsecretär Freiherrn Zorn v. Bulach Absteigequartier, um von dort morgen Vormittag die 30. Division bei Nieder« Ehnheim zu besichtigen. Morgen Abend wird der Groß- Herzog nach einem dreistündigen Aufenthalt in Baden zum Besuche der dortigen Ausstellung wieder in Karlsruhe ein«

in sonst alle! ;-

Bekanntmachung.

In der Gemeinde Münch ho lz Haus en (Kreis Wetzlar) ist die Maul« und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Die Rothlaufseuche dortselbst ist erloschen.

Gießen, den 10. September 1896.

Grobherzogliches Kreis amt Gießen.

v. Gagern.

Feuilleton.

Wor hundert Zähren.

Flucht des Gießener Universitäts-Archivs vor den Franzosen 1796.

Von Dr. O. Buchner.

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Bekanntmachung,

betreffend: Gesuch der Gail'schen Dampfziegelei und Thon« waarenfabrik zu Gießen um Genehmigung zur Verlängerung eines Ringofens.

Die Gail'sche Dampfziegelei und Thon« waarenfabrik dahier beabsichtigt eine Verlängerung des vorhandenen Ringofens auf ihrer in der Gemarkung Gießen gelegenen Fabrik vorzunehmen.

Pläne und Beschreibungen hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses in demGießener Anzeiger" gerechnet, auf dem Bureau der unterzeichneten Behörde zur Einsicht der

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Der Hletzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener AamitienbtLIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelrgt.

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Franzosen besetzt war: n,

1) während des siebenjährigen Krieges vom 16. Novem­ber 1758 bis zum Schluffe des Krieges 1763-

2) 1796 vom 8. Juli bis 11. September -

3) vom 21. April 1797 bis zum März 1799.

Jetzt, gerade nach hundert Jahren hat bie ^toette -oe- setzung ganz besonberes Interesse für uns und ist durch Niederdruck dervon einem Augenzeugen" vor hundert Jahren erschienenenKriegsgeschichte der Stadt und Vestung Gießen und deren umliegenden Gegenden" in verdienstvoller Weise auf bie Geschehnisse ber damaligen schweren Zeit aufs neue hingewiesen worden. Originalschilderungen aus damaliger Zeit sind selten. Wer hat Muße gehabt, seine Beobachtungen und Erlebnisse aufzuschreiben? Und doch hat es wlche son«

Gießener Anzeiger

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Hroßherzogliche Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe zu Erbach im Odenwald.

Die Anstalt stellt sich die Aufgabe, tüchtige Elfenbein« und Holzsämitz^r heranzubilden, denen eine vollständige theo« tische und^sactische Ausbildung geboten wird- in gleicher Weise dient sie seit Kurzem zur Ausbildung von Drehern, Cise- leuren, Stuckateuren und verwandten BcrufSarten.

Das Wintersemester beginnt Montag, 5. Oktober.

Unterrichtet wird von drei Fachlehrern und zwei Hilfs« lehrern in folgenden Lehrfächern:

Freihand- und Linearzeichnen, kunstgewerbliches Zeichnen und Entwerfen, Modelliren nach ornamentalen und figürlichen Motiven, Borträge über plastische Anatomie, Sttllehre,

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