Ausgabe 
12.11.1896 Erstes Blatt
 
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Prediger Dr. Fromme! tu der Garnisonskirche stattfinden, an welcher auch daö Kaiserpaar thetlnehmen wird. Vorher soll die Leiche eine Stunde lang in der Kirche öffentlich auf­gebahrt werden.

Frankfurt «. M.. 11. November. Der christlich- sociale BertrauenSmännertag nahm im Verlauf seiner gestrigen Verhandlungen eine R solution an, in der Vorstand und Vertrauensmänner der christlich-socialen Partei die Mitglieder der Partei ersuchen, der nach Erfurt berufenen Versammlung der um dieHilfe" und dieZeit" sich schaarenden Socialpolitiker fernzubleiben. In der für gestern Abend von der Partei rinberufenen Volksversammlung, in welcher Stöcker und v. Oertzeu sprachen, kam es während der Debatte zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Alten und den Jungen, den Stöckerianern und Naumannianern.

Königsberg, 11. November. Gegen den Chefredacteur derHartung'schen Ztg.", Walter, war Zeugniß Zwangs­verfahren wegen Veröffentlichung des CommanvauturbefehlS, der den Offizieren den Besuch des BöriengartenS verbietet, c'.ugeleitet,- Walter verweigerte vor dem Commaudauturgericht die Nennung seines Gewährsmannes.

Loburg, 11. November. Die Soctaltften siegten auch im 9. Wahlbezirk, so daß bis jetzt sieben socialtsttsche Abgeordnete im Gothaischen Landtage fitzen.

Brussel, 11. November. In Mittel-Belgien wurde gestern eln leichtes Erdbeben verspürt.

CoceUs tmb

Ließen, den 10. November.

Ernennung. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 4. November den Lehrer au dem Dr. Hoch'jchen Conservatorium in Frankfurt a. M., Gustav Otto Trautmann, zum Mufikdtrector bet der Landes-Universität zu Gießen mit Wirkung vom l.December 1896 zu ernennen.

** Local Gartenbau-AuSstellung. Mit rührigen Händen wird bei Tag und Nacht an der Vollendung der Garten­bau-Ausstellung in Steins Sälen gearbeitet,- der Grottenbau, Wasserfall und die Schmückuug der Säle gehen Ihrer Vollendung entgegen. ES verspricht das Ganze ein wohlgelungenes Bild einer Gartenbau-Ausstellung zu geben. Aus Versehen ist auf den Anschlagszetteln der Eintrittspreis für Sonntag Mittag nach 1 Uhr anstatt 50 Pfg. auf 75 Pfg. angesetzt worden.

Gibt es Sunde?" ist das Thema des dritten Vor­trags, den Dr. Joh. Müller übermorgen, Freitag Abend 8 Uhr, diesmal ausnahmsweise in der UniversitätSaula halten wird. Wen interessirte nicht diese Frage auf daS leb­hafteste, sie ist ja so persönlich wie möglich! Jahrhunderte lang ist sie bejaht, ist eS den Menschen gepredigt und von ihnen gefühlt worden, bis sie in neuerer Zett vom Grund der Naturwissenschaft und Psychologie auS verneint und die ganze Anschauung als eine oberflächliche und pessimistische erklärt worden ist. Ist daS richtig? Stehen wirjenseits von Gut und Böse", oder find wir böse, sündig? Die Be­handlung dieser Frage wird um so mehr intereffiren, da ja ein Jeder die Ausführungen des Redners durch seine eigenen persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen controlliren kann, da die Frage eine höchst pracitsche Lebensfrage ist. Deshalb sei ganz besonders darauf htngewiesen.

Theatervereiu. Men macht der literarischen Ortho­doxie mit Recht den Vorwurf, daß sie Motive, Verhältnisse und Empfindungen, deren Darstellung sie in der gehobenen, elasfischen Dichtung bewundert, bet den Neueren mit einer gewissen Hühnerbltndhett zu mißkennen und zu verketzern Pflegt. Jede Zett hat ihren eigenen Inhalt und muß darnach streben, ihn in daS goldene Gefäß der Poesie zu fassen, wenn sie nicht in der Schablone verdorren will. Der direkt zum Herzen aller Mitwelt führende Weg des bürgerlichen Dramas, den Schiller inKabale und Liebe" eingeschlagen hat, und den Hebbel in seinerMaria Magdalene" fortsetzle, ist erst von der jüngeren Dramatikergeneration mit zirlbewoßter Energie wieder betreten worden. Eine Tragödie, modern, wieKabale und Liebe" vor hundert Jahren, ist Arthur Schnitzler'- SchauspielLiebelet", mit dem daS Frankfurter Stadttheater die heurige Saison des Thcaterveretns eröffnet. Die Handlung dieses interessanten Schauspiels ist gering, sie vollzieht sich fast ganz innerlich und gtebt zustarken" Scenen keinen Anlaß. Die Eifiadung scheint eine bloße Abschrift de- Lebens zu fein, dennoch enthüllt sich unS in ihren schlichten Zügen die ordnende Hand eines Künstlers. Ebenso wird auch die Sprache von oem ungesuchten Ton deS alltäglichen Lebens beherrscht, der sich allerdings in allen entscheidenden Momenten zu den Naturlauten echtester Em­pfindung aufschwingt. Und über dem Ganzen weht der weiche Hauch deS Wienerthums, deS goldenen Leichtsinns und der LtebeSsehnsucht, die an der schönen blauen Donau leichter alS anderswo das Herz zum Herzen führt. Ein leidenschaftlich bewegtes SchickialSbtld zeigt sich uns im Rahmen eines kor­rekten und haltbaren Theaterstücks, daS sich bei aller Ein­fachheit durch klare und folgerichtige Entwickelung auSzeichnet, und naturalistischen Auswüchsen keinen Raum gewährt.

**H. Stadltheater. ES wäre gewiß ein recht dankbare- Thema, überGießener Kunftanfichteo, Kunstverständniß, Kunstansprüche und Kuvstanerkennung" ein Feuilleton zu schreiben, in welchem zwar, um keinen Sturm geheuchelter Entrüstung zu entladen, Ironie und Satire auS dem Spiele bleiben müßten. Die Referenten auf allen Gebieten der Kunstentfaltung hiesiger Stadt waren wiederholt schon ge- uöthigt, in gerade nicht schmeichelhafter Weise sich über die Anerkennung seitens des kunstverständigen Publikums über gebotene Leistungen auf dem Gebiete der Musik, des Ge­sanges, der Malerei, ganz besonder- aber deS Theater- auS- -«sprechen, sie alle sanden, daß hier große Forderungen ge­stellt werden, jedoch bei möglichster Erfüllung dieser in un­dankbarster Weise unbeachtet blieben, allerdings mit der ein­zigen Ausnahme dessen, was hier von vornherein in der

| Sphäre unserer hiesigen tonangebenden Kreise sanctionirt wurde. Die Gegensätze berühren sich ganz besonder- in einer Universitätsstadt. Daß da- Geschilderte auch zutreffend bei dem jetzigen Theater-Unternehmen der Direktion Kruse­tz elm, wird kein Einsichtsvoller zu widerlegen wagen. Diese hat bi- jetzt so viel schon geboten, daß selbst verwöhnte TheaterhabitueS befriedigt werden konnten. Keine Mühe, keine Kosten wurden gescheut, um dem Geschmack, den An­forderungen, der Abwechslung Rechnung zu tragen. Gute Leistungen deS heimischen Personal- wurden wiederholt con- statirt, hervorragende Künstlerinnen und Künstler absolvirten schon Gastspiele und gegenwärtig, wo Fräulein Emma Frühling, eine anerkannte Größe im Fache der Soubretten, hier gastirt, lohnt ein nur mittelmäßig besetztes tzauS I Leistungen, welche gestern und vorgestern in Frankfurt bei vollen Häusern enthusiastisch ausgenommen wurden. Wo bleibt namentlich unsere akademische Jugend, der man aller­dings nicht zumuthet, Trauerspiele oder zum Denken an­regende Stücke zu besuchen, aber wo Humor, frohe Laune mitGeist und Grazie" ihr Scepter schwingen, könnte sie diesen doch ein paar Stunden widmen. Doch wollen wir nun über die gestrige Vorstellung berichten. Gegeben wurde Der jüngste Lieutenant", eine vieractige Poffe von Jacobsohn. Die Titelrolle verkörperte Frl. Frühling in einer Weise, daß sie sich gleich bei den ersten Scenen den Beifall der Anwesenden eroberte. Welch' prächtige Nüancen verstand sie diesem Lieutenantstypus zu geben, welche Natür­lichkeit, Schneidigkeit, die im wahrhaften Sinne des Wortes alspyramidal" bezeichnet werden muß. Bei dem Vortrag der chic und mit guter Stimme gebrachten Couplets fand sie allerliebste graciöse Pointen, so daß man des Lachens und ApplaudirenS nicht müde wurde. Wir freuen uns im Voraus auf den heutigen Abend, wo Frl. Frühling in Die wilde Katze" einen Wilbfang erster Sorte inMar- quita Garcia" uns vorführt. Die übrigen Mitwirkenden accompagnirten durch flottes, gutes Spiel vortrefflich, so daß das Publikum über das Gehaltlose dieser Posse angenehm htuweggetäuscht wurde. Wir erwähnen deshalb die guten Leistungen der Herren Director Helm, Frttzfchler, Peickner, Leuschner, Schröder und Kunert, sowie der Damen Kruse, Diener, v. Winter st ein, Dell- mar und Leno- sie Alle verhalfen zu dem Lach-Erfolg des Abends und wurden mit lebhaftem Beifall bedacht.

e Paul Bulß am Hofe deS Königs von Dänemark. Die Concerte deS Kgl. Sächs. Kammer- und Kgl. Preuß. Hof- operusängerS Paul Bulß in Kopenhagen hatten einen so ungewöhnlich glättenden Erfolg, daß der berühmte Sänger nicht weniger als drei veranstalten mußte. Der König, die königliche Familie, sowie die höchste Aristokratie waren stets zugegen, und der große Künstler sang so wundervoll, daß ein Jubel und eine Begeisterung herrschte, wie sie in Kopen­hagen noch kaum jemals vorgekommen find. Paul Bulß, mit seiner unvergleichlich schönen Stimme, seinem gluthvollen Vortrag, war der Gegenstand fast unerhörter Ovationen. Dieser einzig dastehende Gesangsoirtuose mit seinem vor­nehmen, ritterlichen Auftreten, ist eine Erscheinung im Concrt- saale, wie wir ihr selten begegnet sind, denn zweifelsohne find die meisten Bühnenkünstler keine Concertsänger. Wie ist man aber erstaunt, wenn man Paul Bulß ijöit; wie singt er z. B. Schubert, Schumann, Löwe, oder wie die Compo nisten alle heißen mögen, die das Glück haben, von ihm interpretirt zu werden! Man muß es hören, mit welchem geistvollen Vortrag der Sänger seine Darbietungen auS- stattet, wie er gleichsam seine ganze reiche Seele htneinlegt. Kein Wunder bet Anwesenheit einer so vornehmen Zuhörer­schaft, daß bet Paul Bulß' Auftreten Saal und Logen über­füllt waren, und die Damenwelt tn den prachtvollsten Toi­letten und Brillanten glänzte, um dem deutschen Meister­sänger ihre Bewunderung und Verehrung entgegenzubringen. Eine ganz besondere Auszeichnung für den Künstler aber hatte der König von Dänemark ihm zugedacht. Derselbe lud ihn zum Frühstück ein, wobei die ganze königliche Familie zugegen war und der Künstler in der größten Zwanglosigkeit mehrere wunderschöne Stunden verlebte. Zuletzt mußte Paul Bulß auf specielle Bitte deS König- mehrere Lieder singen, und Seine Majestät der König überreichte ihm höchsteigen- händig für den Kunstgenuß zum Andenken daö Ritterkreuz des DanebrogordenS. Tag- darauf begegnete dem Kron- Prinzen von Dänemark unser gefeierter Sänger auf der Promenade,- Se. Kgl. Hoheit sprachen den Künstler an und verweilten längere Zeit mit ihm zusammen. Die ungewöhn­lichen Ehren und Auszeichnungen, die man Paul Bulß dar- brachte, grenzten bet der Presse nun geradezu an lieber- schwängltchkeit, die Zeitungen waren täglich voll von Erzäh­lungen und Mittheilungen über die enormen Erfolge, die die Paul Bulß-Abende hatten. So schriebenDanebrog":ES sollte sämmtlichen Sängern befohlen werden, Bulß' Concerte zu besuchen"-Politiken":Bulß ist ein Cröst«, der seinen großen Ueberfluß freigiebig nach allen Seiten auöstreut". Ferner lesen wir:Diese Stimme zwingt jedes Auditorium, sich sofort auf Gnade und Ungnade zu ergeben." Alle, die den Helden de-Sange- gehört haben, rufen dem liebens­würdigen Sänger-mannAuf Wiedersehen" entgegen.

* DaS Panorama in den Neuenbäuen hat in dieser Woche eine neue Prachtserie ausgestellt, die auch eine Vorstellung von der Großartigkeit der Hochalpen zu geben vermag. Schönere Ansichten wie Annecy am See, Schloß Tuingt am See, die hohe Brücke von Caille über die Schlucht, St. Gervais, die Fier-Schlucht, Albertville, den großen St. Bernhard mit Ho'piz, die EiSgrotten, Schluchten, Schnee- tunnels x. dürfte da- Panorama noch nicht geboten haben. Die geschmackvolle Auswahl, die überraschend naturgetreue Farbengebung, Beleuchtung und Perspective gibt diesen GlaS- photograwmen eine seltene Vollendung.

ee Ei« fremder Sa«ner, der durch da- sog. S mmel- blätichcnspi.l tn hiesigen Wirtschaften mehrere junge Leute gerupft hatte, wurde in vergangener Nacht am Bahnhöfe, al- er im Begriff stand abzureisen, verhaftet.

Feuer. In der Lackfabrik Znrbuch in den Eich- gärten entstand gestern Nachmittag kurz nach 5 Uhr Feuer dadurch, daß daS siedende Oel in Brand gerieth. Die ganze Anlage, bis auf das massive Lagerhaus, brannte nieder, ebenso ein Tbeil der daraustoßenden Wmter'ichen Ziegelei.

Die «rbeiterhiufer der Baugenossenschaft bei evangel. Arbeiter-Vereins. In der Landmannstraße find nach Pläne« des Herrn Architecten Hamann weitere vier Doppel­häuser für Arbeiter-Familien fertig gestellt worden. Die Sockel der Gebäude find bis zur Kellerhöhe aus Lung- steinen, welche sauber gefügt find, auSgeführt, worauf fich das Parterregeschoß, aus rothem Verblendstein Material her- gestellt, aufbaut. Das Kniestockwerk ist bei einzelnen der Wohnhäuser massiver Putzbau mit geschmackvoller einfach wirkender Verblendsteingliederung, bei den anderen Gebäuden in Holzfachwerk hergerichtet, dessen Steinflächen geputzt find. Zur Dachung hat man Falzziegel gewählt, während die Dachgauben mit Schiefer gedeckt find. Zu ebener Erde find außer der Kücte, die nach dem Hofe hinaus untergebracht, nach der Straße zu belegen zwei Zimmer, diese sind unter­kellert. Iw Obergeschoß find je nach Größe 34 kleinere Raume vorhanden. Diese Häuser in der Landmannstraße machen unstreitig einen einfachen, aber angenehmen Eindruck auf den vorübergehenden, der fich noch freundlicher gellalten wird, wenn die Straße selber erst auSgebaut sein wird, und die Vorgärten vor der Häuserreihe in Ordnung gebracht find. Die Häuser sind, soweit dieselben bezngSfähig, bereits bewohnt.

* Alters- und ZovaliditatS-Verficherung. Ein wichtiger Paragraph ist, wie die Erfahrung lehrt, gar vielen der bei der JnvaliditätS- und AlterS-vet sicherung beteiligten Personen völlig unbekannt. Die gegenwärtige Jahreszeit, die die meisten Veränderungen, besonder- im Baufach, herbeisührt, bietet Veranlassung, die Aufmerksamkeit der Interessenten auf den betreffenden Paragraphen de- KledegesetzeS von Neuem hinzulenken. ES heißt dort:Wird ein zwischen einem Der- sicherten und einem bestimmten Arbeitgeber bestehende- Arbeit-- ober Dienstverhältniß derart unterbrochen, daß ersterer an­der BerficheruugSpfl'cht vorübergehend ausscheidet, so kann sür einen vier Monate nicht übersteigenden Zeitraum daS VersicherungSverhältniß auch ohne Betbringung von Zusatz- marken dadurch freiwillig aufrecht erhalten werden, daß der Arbeitgeber oder der Versicherte die bisherigen Beiträge fortentrichtet."

4- Nidda, 10. November. Seit diesem Herbst wurde hier erst ein Diphtheriefall, und zwar vorgestern, festgeftellt, welcher aber nur leichter Natur ist. Da- wichtigste Kennzeichen dieser Erkrankung ist bekanntlich weiß- gelber Belag im Rachen und auf den Mandeln. Solcher kommt aber auch bei ungefährlichen Halsentzündungen vor und ist es sonach für den Laien häufig sehr schwer, die Diph­therie richtig zu erkennen. Man schicke daher alsbald zum Arzte- bis dieser eintrtfft, mache man Eisausschläge um den Hals, lasse mit Citronenwasser gurgeln und mit Kalkwaffer inhaliren- auch sondere man die Kinder ab, weil diese Krankheit im höchsten Grad ansteckend ist.

Darmstadt. 10. November. Der Mörder Georg Weygandt kam gestern Nachmittag unter Bewachung einet Unteroffiziers und zweier Soldaten, welche Gewehre trugen, mit dem Zuge der Riedbahn um 2 Uhr 17 Min. hier an. Die Bedeckungsmannschaft führte den Mörder bi- zu einer Droschke und fuhren sodann nach dem Militärgericht-gesängniß in der Riedeselstraße, woselbst Weyzandt in sicheren Ge­wahrsam genommen wurde. Wcygandt soll die That noch leugnen, aber er mußte bereit« zugestehen, daß da- am That- ort aufgesundene Portemonnaie sein Eigenthum sei. Bei drn geradezu erdrückenden Schuldbewetsen wird ihm auch alle- Leugnen nicht- helfen. Wie schon bemerkt, führt das Militärgericht die Untersuchung und wird von dcms.lben ver- muthlich auch da- tn vorliegendem Falle nicht zweifelhafte Urtheil gefällt werden. ES würde dann gleichzeitig auf Aus- toßung auS dem Militär erkannt und der Verurtheilte a« da- Civil^richt, zur Vollstreckung de- UrtheilS an die Civil- behörden auSgeliefert werden. Möglich wäre es aber auch, daß Wehgandt, weil er noch nicht den Fahneneid abgeleistet, alsbald an da- Civilgericht abgeliefert und von diesem ab» geurteilt würde. Die Hauptsache ist jedenfalls, daß der Mörder seiner Strafe nicht entgehen wird.

> Groß-Seran. 10. November. Am Samstag Abend starb n der hiesigen VerpflegungSftation ein reisender Handwerks- bursche infolge Herzschlags. Er saß gerade beim Essen, al« er plötzlich von der Bank fiel und sofort tobt war. Der verstorbene ist, demDarmst. Tägl. Anz." zufolge der 41 jährige Heinrich Wagner von Großen-Buseck. Seine Leiche wurde nach der hiesigen Friedhofshalle verbracht.

Mainz. 10. November. In einer Vertrauensmänner- Versammlung der nationalliberalen Partei wurde heute vormittag als Parole für die bevorstehende Stichwahl zwischen dem socialdemokratischen und dem ultramontanen Candidaten Wahlenthaltung beschlossen.

lieber die Persönlichkeit Me Kinleys, de« neugewählten Präsidenten der vereinigten Staaten von Nordamerika, entnehmen wir einem interessanten Interview desselben durch den amerikanischen Vertreter der bekannten illustrierten ZeitschriftDom Fel« zum Meer", Herr« C. F. Deweh, folgende Einzelheiten:Die zahlreichen, a« die Oeffentlichkeit gelangten Bilder von Mr. Mc. K'nleh geben thn im Ganzen getreulich wieder. Sein Gesicht tst scharf geschnitten und hat auffallend kräftige Konturen. Die starken Wölbungen über den Augen deuten auf einen durch­dringenden verstand- der Ausdruck seines Gesichte« gewinnt noch durch dte dichten Brauen, denen die jugendlich braune Färbung noch jetzt eigen ist. Auf feinen Anzug verwendet er, wohl au- angeborener Ordnungsliebe, die größte Sorg­falt, ohne indessen nur im ertfernteften den Eindruck eine« Modenarren zu machen. Seine Kleider scheinen weder «e«, «och alt und geben überhaupt zu einer Bemerkung keinerlei

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