Ausgabe 
12.11.1896 Erstes Blatt
 
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Nr. 267

Erstes Blatt.

Donnerstag den i2. November

ueßener Anzeiger

Henerat-Anzeiger.

Rtbaction, Exprditio« und Druckerei:

SLukgratze Ar.".

Ferusprechrr 51.

Vierteljähriger Akonncm.utsprciur 2 Murk 20 Pfq. mit Bringerlcbu. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Psg.

Die Gießener Aamttienk kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

HK-errer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Giefzen

Hratisöeikage: Hieß euer Aamikienötätter.

Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehme« i Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenvcn Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Amtlicher Theil.

An die Bürgermeistereien des Rentamtsbezirks Gießen.

Wir ersuchen Sie, in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen, daß die zu Martini 1896 fällig werdenden Domanialgefälle, als Steig- und Loosholz, Laubstreu-, GraS- und Zeitpachtgeldrr, Beiträge zu den Forstdtenerbesoldungen pro 1896/97 nur noch bis zum . dss. MtS. ohne Kosten bezahlt werden können. Nach dieser Zeit wird das BettreibungSoerfahreu eingeleitet.

Gießen, den 2. November 1896.

Großherzogliches Rentamt Gießen.

Dexh eime r.

Bekanntmachung.

Dienstag den 17. November 1896, Nachmittags 2 Uhr, wird auf Lonys Felsenkeller zu Gießen eine

Generalversammlung deS laudwirthschaftl. Bezirksvereius z« Gießen abgehalten werden.

Zu dieser Versammlung werden alle Mitglieder deS Vereins und der landwtrthichaftlichen Localvereine, sowie alle Freunde der Landwirthschaft hierdurch freundlichst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister werden ergebenft ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern deS Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf recht zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.

Tagesordnung:

1. Die Nothwendigkeit der Abänderung der hesfischen Instruction für die chemischen Untersuchungsämter zur Untersuchung der Milch. Referent: Rechts­anwalt Jost in Gießen.

2. Aufzucht der Schweine und Fütterung derselben. Referent: Herr Oberamlmann C. Hoffmann zu Hofgüll und Herr Pachter v. Oven in Hungen.

3. Beschlußfassung über gemeinschaftlichen Bezug von künstlichem Dünger.

Gießen, den 26. October 1896.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins.

C. Jost.

Deutsche» Reich. e

Ploen, 9. November. Hofprediger Dr. Fromme! ist heute früh 8f/a Uhr gestorben. Dr. Emil Fromme!, der am 8. Januar 1825 zu Karlsruhe geboren, gehörte zu den be­liebtesten Kanzelrednern. Nachdem er die Pfarrämter in Altlußheim bei Heidelberg, Karlsruhe und Barmen bekleidet, wurde er 1869 als Garnisonspfarrer nach Berlin berufen. Die hochselige Kaiserin Augusta war auf ihn schon früher in Holland, wo Fromme! auch als Geistlicher wirkte, auf­merksam geworden und bewirkte seine Berufung als Hof­prediger. Unter General v. Werder hat Frommel am Kriege 1870/71 als Feldprediger theilgenommen. In Ploen wirkte er als Seelsorger der kaiserlichen Prinzen. Schon verschie­dene Male tauchten beängstigende Gerüchte Über den Ge­sundheitszustand des verehrten Geistlichen auf. Frommel unterzog sich einer schmerzvollen Operation infolge eines Ge­schwürs- diese verlief ganz glücklich, so daß die Todesnach­richt ganz unerwartet kommt. Frommel erwarb sich auch als Bolksschriftsteller einen gefeierten Namen. Das Kaiser­paar hat den Hinterbliebenen sein tiefstes Beileid auSgedrückt.

Xteucfte Nirchrichsesk

Bolff» telegraphisches Correspond en»-Bure»«.

Berlin, 10. November. Nachdem am SamStag zwei Kellner wegen MünzverbrechenS verhaftet worden waren, ist heute ein dritter Kellner wegen desselben Ber- brechens verhaftet worden. Die verhafteten befaßten fich mit der Fabrikation und dem Vertriebe falscher Z oeimark Stücke mit den Bildnissen deS Königs von Sachsen (1877 E) und Kaiser Wilhelm I. (1876 A), sowie falscher Etnmark- Stücke (1883 A). Die Bande unternahm häufig Ausflüge nach anderen Städten, so auch nach Hamburg, wo sie eine größere Anzahl von Falflficaten unterbrachte. Die Stücke find an dem fehlenden Klang und Gewicht leicht erkennbar. Besonder« schlecht ist der Rand gefertigt.

Berlin, 10. November. Die ZeitnngSmeldungen über deutsch-russische Verhandlungen zollpolitischer

Natur find derNordd. Allg. Ztg." zufolge nur insofern begründet, als allerdings demnächst in Berlin eine deutsch- russische Commission zusammentreten wird, um Schwierigkeiten zu berathrn und zu begleichen, die auf handelspolitischem und veterinär-polizeilichem Gebiete entstanden sind.

Rathenow, 10. November. Amtliches Wahlrefultat. Bei der Reichstags-Stichwahl im Wahlkreise West Havel- land-(Stadt) Br an den bürg wurden inSgesammt 19,405 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Schriftsteller PeuS- Dessau (Soc) 9720 und auf Landrath v. Loebell Rathenow (conf.) 9685 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.

Frankfurt a. M., 10. November. Der Bankier A. Federltn und dessen Theilhaber Hirsch find heute ver­haftet worden.

Düsseldorf, 10. November. Dr. Vo lbeding wurde zu 4 Jahren und 1 Monat Gefängniß, 3000 Mk. Geldstrafe und fünfjährigem Ehrverlust verurtheilt- die Mitangeklagten: Könnkcke zu halbjähr gem und Win gerath zu zwei­monatigem Gefängniß. Bolbeding wurde sofort verhaftet.

Bremen, 10. November. DerBr. Cour." meldet au« Wilhelmshaven: Nachdem am 25. October bereits zwei Gerettete vomIltis" hier eingetroffy find, läuft heute die Meldung ein, daß auch die übrigen Geretteten am 17. November in Wilhelmshaven ankommen werden. Für einen feierlichen Empfang werden besondere Vorkehrungen getroffen.

Meran, 10. November. Die feierliche Veisetzung der Leiche des Herzogs Wilhelm von Württemberg hat heute Vormittag in Anwesenheit der Erzherzogin Maria Theresia, der Erzherzöge Franz Ferdinand und Carl Ferdi- nand, der Herzöge Nikolaus und Albrecht von Württemberg, der Großsürsttn Alexandra, des Kriegsministers Edler von K.ieghammer, des LanbeSvertheidigungSmimsterS Baron Fejer- vaiy und zahlreicher Regimentsdeputationen stattgefunden. Den Leichencoaduct eommandirte der Kriegsminister. Am Sarge wurden viele Kränze niedergelegt. Unter den Spenden befanden fich solche deS Deutschen Kaisers, des Kaisers Franz Joseph und des Königs und der Königin von Württemberg.

Depeschen deS Bureau .Herold".

Berlin, 10. November. Der Kaiser empfing heute Vormittag den österreichisch ungarischen Botschafter v. Szö- gyeny-Marich und wohnte um 12 Uhr Mittags zu Potsdam der Vereidigung der Rekruten der in Potsdam garnisonirendrn Gardetruppen bei. DaS Frühstück nahm der Kaiser im Kreise des Osfizier CorpS deS 1. Garde-Regiment« zu Fuß ein und fuhr nach demselben nach dem Neuen Palais zurück.

Berlin, 10. November. Die Kaiserin ist heute früh 4 Uhr 25 Min. aus Piön mittelst SonderzugeS auf der Wiltparkftation wieder eingetroffen. Sie begab fich von dort zu Wagen nach dem Neuen Palais.

Berlin, 10. November. DerReichsanzeiger" veröffentlicht folgenden Erlaß deS Kaisers an den Minister des Innern:Auf Ihren Bericht vom 1. November d. I. bestimme ich hiermit in Abänderung de« Allerhöchsten Erlasses vom 22. October 1882 als Farben der Provinz Pofen die Farben weiß, schwarz, weiß und überlasse Ihnen, die dieserhalb erforderlichen Anordnungen zu tr-ffen. Neue« PalaiS, den 9. November 1896. Wilhelm, I. E.

Berlin, 10. November. Der BundeSrath beschäftigte fich heute nochmals mit dem Entwurf dkS Reichs haus­halt« für 189 7/98 und zwar bildete heute zunächst der Haushalt der Colonien den Gegenstand feiner Berathung. Wie diePost" hört, wird erst morgen der Militär-Skat auf der Tagesordnung stehen. In unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß der Etat Ende der Woche dem Reichs­tage zugehen wird.

Frankfurt a. DL, 10. November. Heute tagte hier eine BertrauenSmänner-Bersammlung der christlich- socialen Partei, zn welcher 60 bis 70 Theilnehmer eingetroffen find. Den Vorsitz führte Graf zu SolmS- Laubach, Hofprediger a. D. Stöcker hielt die einleitende Ansprache. Er sührte gegenüber dem AusspruchChristlich­social ist Unfinn" anS, daß die christlich-sociale Bewegung ein Bedürfniß für den monarchiichen Staat sei. Die Auf­gabe der Partei sei eS, die christlich-socialen Ideen durch den Wirrwarr der Zeit zu retten. S öcker schloß mit den Worten: So wollen auch wir, ohne nach de» Schutz der Obrigkeit un« zu sehnen, schlicht und recht weiter unsere Pflicht thun. Lio. Weber - M. Glabbach sprach über das Thema:DaS Christliche in Christlich-social." Außerdem waren noch einige andere Redner vorgesehen. Heute Abend findet eine Volks­versammlung statt, in welcher Stöcker und Chefredaetenr

von Oertzen über die socialpolitische Lage und Aufgabe sprechen werden.

Leipzig, 10. November. Im Proceß Auer und Genossen, der bekanntlich die Gesetzmäßigkeit der socia- lisiischeu Partei-Organisation zum Gegenstand hat, ist heute das Unheil der Berliner Strafkammer vom Reichsgericht aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurückgewiefcn worden. Das Reichsgericht hat in dem angefochtenen Urtheil die Feststellung vermißt, daß die Parteileitung ein Verein fei, welcher politische Er- örierungen in Versammlungen bezwecke, was die Zugrunde­legung deS § 8 des Vereinsgesetzes erfordere. Criminal- Commissar Schöne wohnte im Auftrage des Berliner Polizei- präfidenten der Verhandlung bei.

München, 10. November. DieMünch. Freie Presse" veröffentlicht heute unter der Ueberschrift:Auf unseren RedactionSktsch geflogen" folgendes Actenstück:An ....... P. P. ES ist neuerdings die Wahrnehmung gemacht worden, daß Staatsbeamte Petitionen unterzeichnet haben, welche darauf abzielen, die parlamentarischen Körper­schaften zu einer ablehnenden Haltung gegenüber Regierungs­vorlagen oder zu einer wesentlichen Abänderung derselben zu bestimmen. Auch an öffentlichen Versammlungen, in denen solche Petitionen berathen worden sind, haben Staatsbeamte einen Antheil genommen, welcher erkennen läßt, daß es diesen nicht um eine Abwehr, sondern vielmehr um eine Förderung der gegen Regierungsvorlagen unternommenen Agitation zu tbun war. Ein solches Verhalten ist unvereinbar mit den Pflichten eines Staatsbeamten. Derselbe hat fich der Theil- nahme an Bestrebungen zu enthalten, die darauf gerichtet find, der Durchführung der Regierungspolitik Schwierigkeiten zu bereiten. Das Staatsministerium hält es für angezeigt, die Beamten sämmtlicher RcssortS hierauf mit dem Bemerken hinzuweisen, daß die Regierung Willens ist, dieser ihrer Auf­fassung eintretenden Falles unnachsichtlich Geltung zu ver­schaffen. Berlin, den 18. April 1896. Königliches Staat«- Ministerium. (Unterzeichnet von sämmtltchen Ministerien.)

Rom, 10. November. DaS nächstjährige Budget wird trotz der Mehrausgaben von 12 Millionen für die Armee kein Deficit aufweisen.

Paris, 10. November. DerNewyork-Herald" meldet, daß der amerikanische DampferTexaS" tm Hafen von Brooklyn infolge einer Explosion, welche unter dem Wasser- spiegel ein großes Leck verursachte, untergegangen ist.

Toulouse, 10. November. Man schätzt die Zahl der Toci ältst en, die Aussicht haben, in den Gemeinderath gewählt zu werden, auf 25.

London, 10. November.Times" und "Standard" drücken ihre größte Befriedigung über die gestrige Rede Salisburys aus.Standard" sieht fich besonders dadurch befriedigt, daß England während der Dauer der Unterhand­lungen in der Orientfrage vom Dreibund unterstützt wurde.

Moskau, 10. November. Das Gebäude der Traber- gesrllschaft und zehn umliegende Wohnhäuser find von einem großen Brande heimgesucht worden. Der Schaden ist sehr bedeutend.

Konstantinopel, 10. November. Die Militär Attache« der Botichastrn haben die Vorarbeiten für die Reorgani­sation der Gendarmerie beendet und die Entwürfe den Botschaftern überreicht.

Newyork, 10. November. Der Polizei ist e« gelungen, eine Bande zu entdecken, die seit langer Zeit die Check- fälschung syiematisch betrieb. Der Schaden, den zahl­reiche Geschäfte durch die Bande erleiden, beträgt eine halbe Million Dollars. Die Verhaftung der Checksälscher gelang durch einen Zufall- einer derselben hat bereit« etn umfassende« Geständniß abgelegt.

Berlin, 11. November. Die CentrumSfraction de« Reichstage« hat gestern beschloffen, im Reichstage eine Inter­pellation über die jüngsten diplomatischen Enthüllungen einzubringen. Gegen den Premierlieutenant a. D. von Schön tft ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Körper- Verletzung mittel« gefährlicher Werkzeuge eingeleitet worden. ES handelt fich um ein Rencontre zwischen Schön und de» Maler Strohmann.

Berlin, 11. November. In der Conferenz der soeia- listischen Parteipresse, welche am 8. und 9. d. Mt«. int Reichstagsgebäude tagte, wurde demVorwärts" zufolge unter Anderem beschloffen, ein Bureau zur Lieferung selbst- ständiger parlamentarischer Berichte für die Part'ipresse zu errichten, welche« in der nächsten ReichstagS-Sesfion in Thätigkeit treten soll.

Berti», 11. November. Heute vormittag wird ans Befehl de« Kaiser« eine große Trauerfeier für den Hof-