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^lrrlaß. ES würde mich in der That überraschen, den Gon« veroeur Mc. Kinley in einem andern Anzug zu sehen, als in seinem gewöhnlichen Straßencostüm. Er Ist ungefähr fünf Fuß acht Zoll groß und wohlproporttonirr. Behende «nd sicher tu seinen Bewegungen, scheint er fich einer starken, gute» Gesundheit zu erfreuen. Seine etwa» blaffe Gesichtsfarbe verleiht ihm indessen den Anstrich eines Gelehrten, der mehr Zett tu seinem Studierzimmer, als in freier Luft bei den Vergnügungen des Sport» zubrtngt. In Canton, wo Jedermann Mc. Kinley kennt, steht er allgemein im Rufe eines Manne», der stets feinen eigenen Weg geht, sauft und freundlich bleibt, so lange er kann, aber auch vor härteren Maßregeln nicht zurück,chrrckt, wenn er sie für unvermeidlich erachtet. Jedem, der ihn kennt, fallen seine feinen, gewin- «enden Manieren auf und daS sanfte, fast frauenhafte Be nehmen, daS er im alltäglichen Leben zur Schau trägt. Doch die gefällige Außenseite birgt einen kalten, berechnenden Sinn, eint« eisernen Willen, ein positives Sireben, Jeden «nd Alles seinen Zwecken dienstbar zu wachen.
Die Frau Mc Kinley» ist, wie allgemein bekannt, schon viele Jahre hindurch schwer leidend. Seit 25 Jahren ver- heirathet, bewohnen die Beiden noch immer dasselbe Haus, in da» sie als junges Ehepaar etngezogen find. Zwei Kinder, die ihnen geboren wurden, hat der Tod schon vor Jahren unter allgemein traurigen Berhältniffen dahingerafft; Mrs. Mc Kinley hat fich von den Folgen dieses Schickialschlages nee ganz erholt. In bewunderungswürdiger, rührender We'se versteht fie iudeß, aufheiternd und ermunternd auf das Herz «nd Gemüth Anderer zu wirken. Wie sehr ihr Gatte auch in politische Arbeiten vertieft sein mag, stet» findet er Zeit, den geringsten Ansprüchen seiner Frau gerecht zu werden. Selbst pflegt er ihre kleinsten Wünsche zu erfüllen, und fern läge es ihm, Freunden oder Bediensteten die Sorge für ihr Wohlergehen zu übertragen. In ihren gesunden Tagen soll MrS. Mc Kinley eine ungewöhnliche Schönheit gewesen sein, und noch jetzt ist fie schön! Besitzt sie doch eine Schönheit, durchgeistigt von geduldig ertragenen Leiden, geadelt durch Muth und Ergebung, die siegreich mit der schmerzlichen Hilf« lofigkett ihres armen kranken Körpers ringen.
Wenn Mr. Mc Kinley am 4. März nächsten Jahres sein bescheidenes Heim im Westen verläßt, und sein Amt in der Hauptstadt des Landes autritt, wird in dem „White House", der osfictellen Wohnung aller Präsidenten Amerikas, ein echter „Gentleman" seinen Einzug halten. Wie seine Bewohner ist auch das „Weiße Hau»" spezifisch amerikanisch. Weit entfernt von prahlerischem Aufwand, ist es auSgestattet mit jedem nur denkbaren Comfort und den schönsten Erzeug- utffeu der Gartenkunst, wie fie in einem südlichen Klima allein gedeihen können. Lauter Jubel wird diese historischen Hallen erfüllen, wenn am ersten „Empfangetag" des neuen Präsidenten Taufende herbeigeströmt kommen, um dem Erwählten des Volkes „die Hand zu schütteln." — Der die Laufbahn des Erwählten der amerikanischen Nation schildernde Artikel in „Vom Fels zum Meer" ist mit einer Anzahl schöner Illustrationen auSgestattet, die für den vor« nehmen Lharacter dieser empfehlenSwerthen Zeitschrift Zrugutß ablegen.
Dermifd?tes.
• Wiesbaden. 10. November. Heute Morgen wurde in dem hiesigen Bahnhof-Hotel ein Liebespaar, welche- gestern dort abgestiegen war, erschossen aufgefunden. Der Mann wurde als der dem 11. Pionier-Bataillon zu kastel angehörende Lieutenant Franz Kayser und die Dame als ein Fräulein Ztckwolf aus Mainz ognoScirt.
* Nürnberg, 7. November. Der bekannteZechenbezahluugS- Proceß de« früheren PolizeihauptmannS Palmberger wird ein Nach'piel haben, da in einer Kellnerversammlung gestern einstimmig beschlossen wurde, gegen den Verthetdtger Palm« bergerS Klage zu stellen, weil er in der Vcrtheidigung seines Clienten die Frage aufgeworfen hatte, ob überhaupt Jemand einen Kellner kenne, der noch nicht die Gäste betrogen habe.
* D«S Zehnmarkstück. Ein Herr stand und wartete auf einen OmutbuS, al« sich ihm ein alter Mann näherte und ihn leise an der Schulter berührte. „Entschuldigen Sie, mein Herr, haben Sie soeben dieses Zehnmarkstück verloren?A Mlt diesen Worten hielt er ihm die betreffende Münze in der offenen Hand entgegen. Der Gefragte schauie fie einen Augenblick an; der Ausdruck seines Gesichtes verrieth plötzlich große Aufregung und hastig suchte er in den Taschen seines Anzuges herum. „Ja, wahrhaftig, ich hatte es noch gar nicht bemerke," rief er lebhaft, die Hand nach dem Geldstück auSstreckend. Der alte Herr zog langsam ein Notizbuch hervor: „Ich dachte eS mir." Er schrieb fich Nome und Adreffc deS Verlierers auf, steckte daS Geld in feine eigene Tasche und wandte sich zum Gehen. „Nun", sagte der Andere, „wollen Sie denn Alles als Finderlohn behalten?" „Ich habe überhaupt nichts gefunden, aber der Gedanke kam mir plötzlich, daß in einer so großen Stadt wie diese täglich eine Menge Geld verloren gehen müffe. Ich habe mir deshalb erlaubt, bei verschiedenen Herren anzufragen; das Verlieren ist viel häufiger, als Sie glauben, Sie sind heute Morgen der Einunddreißigste, der ein Zehnmarkstück verloren hat."
* Die Erben der verschollenen Frau Ludmilla Orth. Gattin des mit ihr verschollenen Johann Orth, weiland Erzherzogs Johann, haben beim CantonSgericht in St. Gallen einen Proceß angestrengt, über den die „Ostschweiz" folgendes berichtet: „Ehe Johann Orth mit seinem Schiffe als Capi- tain in See stach, brachte er große Gelder in offenen Depots bet verschiedenen schweizerischen und deutschen Instituten, so in der Schweiz je eine Million bei der Freiburgtschen Cantonalbank und der Bank in St. Gallen, mit der Bestimmung unter, die Summen nur auf feine Weisung herauS- zugeben. Gleichzeitig gab er auch seinem juristischen Berather in Wien, Ritter v. Haberl, eine Generalvollmacht, die hinterlegten Summen erheben zu können. Man hat jetzt allen Grund zur Annahme, dah Johann Orth und deffen Gattin sammt Sch'ff und Mannschaft, von der ebenfalls keine Spur mehr zu entdecken war, am Cap Horn untergegangen seien. Wahrscheinlich dürften die Verwandten der Frau, einer Schauspielerin, der zulieb der Erzherzog seine Fürftenwürde niederlegte, auf daS Erbe drängen."
* DaS Grab i« der Beresina. Ganz gewiß wird ein Ereigniß in größeren Kreisen Aufmerksamkeit erregen, über daS ein Correspondent der „Now. Wr." berichtet: Vom Grunde der Beresina sind Reliquien heraufgeholt worden, die daS Bild des Unterganges der „großen Armee" vor unserem geistigen Auge wieder erstehen taffen. Der Corre- spondeut deS genannten Blattes schreibt aus Borissow: „Zwölf Werst von Boriffow liegt das Dorf Studenka und diesem gegenüber, am anderen Ufer ter Beresina, daS Dörf chen Brtli. Zwischen diesen beiden genannten Dörfchen schlugen die Franzosen zwei Biücken, die eine für die Artillerie und den Train, die andere für die Infanterie. Seitdem find 84 Jahre verflossen und nun ist eS, Dank einem Zufalle, einigen stummen Zeugen des tragischen Finale der Epopöe von 1812 betrieben gewesen, wieder an da« Tages licht zu kommen. Die Berefina bildet bekanntlich einen Theil des Berefina-Canalsystems, da sie durch den Berefina-Canol mit der Ulla, einem Nebenfluß der Düna, verbunden wird. Um daS Holzflößen auf diesem Canalshstem zu et leichtern, hat daS MlNlstertum der Commun cationen das Flußbett reinigen und das Fahrwaffer vertiefen laffen. Im Juli und August dieses Jahres arbeitete die Baggermaschine dem Dorfe Studenka gegenüber, gerade dort, wo einst jene Brücken erbaut wurden. Hier hat nun die Baggermaschine menschliche Schädel und Gebeine, Pferdescelette und die verschiedensten Waffen- und Uniformstücke emporgezogen, Flinten, Bajonette, Picken, Säbel, Kanonenkugeln, Helme, Trommelschlegel, Sporen, Knöpfe mit den Nummern verschiedenster französischer Regimenter, Münzen u. s. w. Alle diese Gegenstände find sehr verrostet und größtentheils verbogen und zerbrochen, was durch die Schläge der Schöpfschaufeln er
klärt wird. Außerdem hat die Baggermaschine eine ganze Menge Pulver emporgefördert, da« in einer Schicht von s/< Ar'chin auf dem Boden be« FluffeS lag. Alle gefundenen Gegenstände wurden genau regtstrirt, in einen großen Kasten gelegt, versiegelt und dem BerkehrSreffort zur Verfügung gestellt. Das VerkehrSreffo-r hat fie nun dem Stabe des Wilna'scheu Militärbezirks zukomm-n laffen."
CHeratur und ICunft
— »Born Fel« zum Meer", die allbekannte illustrirte Zeitschrift für datz brunche HauS, Hal auch in dem neuen 16. Jehrgange die feit der Umwandlung in eine Halbmonaislchrifl angeftrebte Tendenz, ein modern ausgestattetes und oornebm gehaltrnes Familien- blait zu fein, in schönster Wei<e zum Ausdruck (ubiacbt Der treffliche lttterarische Inhalt weift die neuesten Arbeiten zweier unterer gefeiertsten Erzähler auf: „Hildegard Mahlmann" von Adolf Wtlbrandt und „Eine reine Seele" von Ida Boy-Ed, ferner fcffelnb geschriebene Aufsätze aus allen Gebieten moderner Cultur, sowie interessante Charactertstlken hervorragender Zeitgenossen, wissenschaftliche Ess-ys und landschaftliche Schilderungen, d.ren zum großen Theil farbiger Bilderschmuck den H ften von „Vom Fels zum Meer" cm so characteristtsches G-präge gibt. Auch in der Wahl der farbigen und schwarzm Kunstblätter offenbart sich in glücklicher Weise daS Bestreben, interessante moderne Motive dem Leser zu bitten. Alle diese Vorzüge deS Blattes muffen ihm die Beachtung deijenigen gebildeten Kreise sichern, die von einer Zeitschrift nicht nur Befriedigung des Lesebedürfnisses, sondern auch ästhetische Anregung erwarten. Der Preis der in so hübschem Gewände fich darstellenden Hefte beträgt nur 75 Pfennig pro Heft.
— Unsere Heimath zur Eiszeit ist der Titel einer soeben im Verlage von Robert Oppenheim (Guttav Schmidt), Beilin 8W. 46, erschienenen Schrift von dem Königl. Landesgeologen Piofesfor Dr. F. Wahnschaffe. Sie bildet den Abdruck eines VortragS, den der bekannte Geologe in der deutschen Gesellschaft für oolksthümliche Naturkunde zu Berlin und in der Berliner Gewerbe-AuSttellung mit großem Erfolge gehalten hat. In durchaus gemeinverständlicher Weise gibt der Verfasser ein Bild von dem Einfluß der Eiszeit aus die Gestaltung der Erdoberfläche, indem er die verschiedenen wissenschaftlichen Theorien auf diesem Gebiete erörtert und durch mehrere Abbildungen seine Darlegungen veranschaulicht. Die nur 75 Pfg. kostende Schrift sei Allen, die Interesse für dieses Thema haben, empfohlen, besonders den Schulen für die Schulbibltothek.
ätiöOrntiiaje Ueberficht »et Todesfälle in Gieße«.
45. Woche. Vom 1. November bis 7. November 1896.
Einwohnerzahl: angenommen zu 23 000 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkettSziffer: 24,87, nach Abzug der Ortsfremden 13,56o/t» Kinder
<88 starben an: Zusammen: Erwachsme:
im vom
Lebensjahr: 2.—lö.Jahu
Gicht
1.
1
1
— ——
Krebs
2 (2)
2 (2)
— —
Blutvergif'ung
1 CD
1 (1)
— —
Gehirn'ch'agfluß
2
2
—— ——
Bronchit-s
1
1
— _
Krämpfen
1
—
1 —
Ledmsschwäche
Verunglückung durch
1 CD
—
1 (1)
Sturz
Selbstmord durch
1
1
— —
Ertränken
1 (1)
1 (1)
— —
Summa:
11 (5)
9 (4)
2 (1)
Anm. Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenben Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Witterrrugsbericht vom 10. November.
Ein breiter Rücken hohen Druckes erstreckt fich von Westen über Central-Europa nach dem Osten des Erdtheils. Nord- und Süd-Europa dagegen bedeckt niederer Druck. Das Haupt-Depresstons- Centrum liegt über Finnland. In den conttnentelen Lagen ist unter dem Einfluß hohen Barometerstandes vielfach Aufklaren eingetreten. Nur im Gebirge und an deffen Nordrande bestand am Morgen unter der Einwirkung 'eines gegen btn Südfuß der Alpen gerichtete« Druckgefälle.
Trübes und st ll nmeife regnerisches Wetter.
Kunst-Ausstellung, *Ӏ
nähme des Samstags, von 11 vis 1 Uh, am Mittwoch auch noch von 3 bis 5 Uhr. Sonntags ununterbrochen von 11 bis 8 Uhr. — Eintrittspreis für Nichtmilglteber an Werktagen 50 Pfg., an Sonntagen 20 Pfg.
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Adolf Wilbranrlt
Hildegard Mahlmann. 1B1M Eine reine Seele. ]
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