Ausgabe 
11.11.1896 Erstes Blatt
 
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besucht und nahm einen äußerst befriedigenden Verlauf. Ein Antrag für daS Zusammengehen und Zusammenwirken aller liberalen Wähler wurde von einer großen Anzahl Vertreter verschiedener Wahlkreise mit Entschiedenheit unterstützt und fand einstimmige Annahme. Der RetchStagSabgeordnete Pachntcke beleuchtete unter lebhaftem Beifall die gegenwärtige politische Lage. Der Parteitag nahm dann eine Resolution an gegen die ZwangSorganisation des Handwerks und für die Erhöhung der Lehrerbesoldung, sowie für die Reform des Militär Strafprozesse».

Breslau, 9.' November. Gestern Mittag fand hier die Enthüllung des Suarez-DenkmalS statt.

Landeck i. Schl., 9. November. Heute Morgen wurden fünf Bahnarbeiter, die ein gemeinschaftliches Zimmer be­wohnten, infolge von Vergiftung durch KohlenoxhdgaS erstickt aufgefunden.

Karlsruhe, 9. November. DemBadischen Landesboten" zufolge ist Lieutenant v. Brüsewitz zu sechs Jahren Festung und zur Entfernung aus dem Heere verurtheilt worden. Brüsewitz soll bereit» in Civilkleideru nach der Festung Ehren- breitftetn überführt worden sein. (S. unter Privatdepeschen.)

BrLnn, 9. November. Gestern Nacht wurden von un­bekannten Thätern in der ganzen Stadt Flugschriften verbreitet und an den Häusern angeheftet, in welchen gewalt­same Entfernung der Juden gefordert wird. Die Behörden entfernten alsbald diese Plakate.

Meran, 9. November. Morgen findet die Leichen- feier für den verstorbenen Herzog Wilhelm von Württemberg statt. Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich wird den Kaiser Franz Josef vertreten.

Rom, 9. November. DaS Alhambra-Theater im Stadttheil Prati di Castello ist Nachts total abgebrannt. Menschenleben sind nicht zu beklagen.

Neapel, 9. November.Marino" bringt die sensationelle Mittheilung, daß die letzten nach Eritrea gesandten 60,000 Gewehre sich als absolut unbrauchbarer­wiesen haben. Die Regierung hat deßhalb die Absendung neuer Gewehre verfügt. Die militärische Lage in Afrika gibt fortgesetzt Veranlaffung zu Beunruhigungen.

Brussel, 9. November. In Harlebeke ermordete ein Schulknabe einen Kameraden, um diesem 50 Centimes rauben zu können.

Newyork, 9. November. Bei St. JohnTerrencuve collidirte der DampferTiber" mit dem Schooner Maggie". Letzterer sank. 13 Personen, darunter der Capi- tän mit Frau und Kindern, find ertrunken.

Berlin, 10. November. ES verlautet, die Duell- Interpellation werde bereits heute im Reichstage zur Verhandlung gelangen.

Berlin, 10. November. Wie dieVolkSztg." hört, hält die Ober-Post-Dtrection Hierselbst bei den Telephoni­stinnen Umfrage, ob fich nicht eine Anzahl derselben bereit erklären will, auf zwei Jahre nach Yokohama zu gehen, um dort bei der Einführung deS Telephonbetriebes thätig zu fein. Es wird den fich meldenden Beamtinnen freie Fahrt hin und zurück und ein JahreSgehalt von 3600 Mark zu- gesichert.

Berlin, 10. November. Wie derBörfeu-Cour." hört, hat am Sonntag Vormittag eine eingehende Besprechung zwischen dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe und dem österreichischen Botschafter von Szögyenh-Marich statt- gefunden.

Leipzig, 10. November. Eine nationalliberale Parteiversammlung beschloß gestern Abend einstimmig die Absendung eines Telegramms an Bismarck, welches ihm unwandelbare Verehrung und ihr Bedauern über die un­würdigen Preßangriffe in der letzten Zeit ausspricht.

Wien, 10. November. Gestern Abend wurden im Karl- Theater zwei Theaterarbeiter verhaftet, welche ver­dächtig sind, den Logenbrand am Freitag Abend verursacht zu haben.

Budapest, 10. November. Der Fehlbetrag bei der MilleutumS-Ausstellung ist nicht ganz 1/3 Million Gulden. Derselbe wird durch den Staat getragen.

Brussel, 10. November. In der Nacht wurden in dem Vororte Anderghem zwei Personen auf offener Straße ermordet und auögeraubt. Die Raubmörder find bereits verhaftet.

Brussel, 10. November. König Leopold hat die Demission des KrtegSministerS angenommen. Als seinen Nachfolger bezeichnet man den Deputlrteu Helleputte. Auch der Kammerpräsident Bernard soll sein Amt nicht «ehr antreten wollen.

Loudon, 10. November. Der gestrige Umzug deS LordmahorS nahm einen glänzenden Verlauf. Der Fest- zug trug vorwiegend ein militärisches Gepräge.

Atherr, 10. November. Alle seinerzeit nach Creta durchgebrannten Offiziere find auf sechs Monate in Jnactivitat gestellt worden.

H. Karlsruhe, 10. November. Die vomLandeSboteu" gebrachte Derurtheilung Brüfewitz's ist ein un- eontrolirbareS Gerücht. Eine Aufklärung über den Fall Brüsewitz durch den KrtegSmtnister ist durch eine Inter pellation im Reichstag zu erwarten.

WB. London, 10. November. Bei dem gestrigen Lord- «ayorSbankett in Guildhall hielt Salisbury eine Rede, worin er bezüglich der türkischen Frage auSführte, England sei jetzt einmüthig gegen ein isolirteS Vorgehen. ES schließe fich deshalb au daS europäische Concert an, weil eS glaube, daß die- daS beste Mittel sei, Reformen herbeizuführen. Salisbury könne sich der Idee nicht anschließen, daß England seinen Territorialbesitz aufgeben müffe, um andere Mächte zu versöhnen. Salisbury hofft, daß der Dreibund ferner in herzlichem Einvernehmen mit England zusammenwirke und bestreitet, daß zwischen England und Rußland Antagonismus bestehe.

CocuUs rrrrd provinzielles.

Gießen, den 10. November.

Empfaug. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog empfingen am Samstag u. A. den Oberstabsarzt a. D. Dr. Rabenau und den Pfarrer Rheinfurth von Leid­hecken.

* * Kirchliche Dieustuachrichteu. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 4. No­vember dem Pfarrverwalter Karl Bogt zu Mainz, Decanat Mainz, die derzeit erledigte evangelische Pfarrstelle daselbst zu übertragen.

* * Tagesordnung für die Sitzung ber Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag, den 12. November 189 6, Nachmittags 3»/, Uhr pünktlich: 1. Vorlage der Rech- nung des Realgymnasiums und der Realschule pro 1895/96. 2. Desgl. der Armenkaffe pro 1895/96. 3. Vorlage deS Voranschlags der Armenkaffe pro 1897/98. 4. Uebrrtraguug von Krediten deS städtischen Budgets aus dem Rechnungs­jahr 1895/96 tu das Rechnungsjahr 1896/97. 5. Gesuch bei Hanne Schaumberger um Erlaubutß zur Aufstellung eines Gartenhäuschens auf feinem Grundstück am Wartweg. 6. DrSgl. der Firma Gebr. Röhrle für eine weitere Eishalle am Lichtenauerweg. 7. Die Abgabe von Fichteu-Deckreifern aal den städtischen Waldungen. 8. Verwrrthung von altem Ersen auö dem städtischen Baumagazin. 9. Die durch den Druck der Wählerlisten für die Landtagswahl und für die ReichstagSwahl entstandenen Kosten. 10. Verwilligung von Gratifikationen an die städtischen Arbeiter. 11. Die Beleuch­tung im Schulhause der Aliceschule. 12. Gesuch deS Ver­schönerungsvereins um Erlaubniß zur Aufstellung eines AuS- sichtSgerüsteS auf der Hochwarte und unentgeltliche lieber» laffuug beS hierzu nöthigen Bauholzes. 13. Gesuch deS BierbraueretbefitzerS Georg B chler um Erlaubniß zur Her­stellung einer kürzeren Wegverbtndung von seiner Brauerei nach ber Rodheimerstraße. 14. Desgl. betselben um käuf­liche Ueberlaffung zweier städtischer Waffergraben im Neu­städterfeld. 15. Die Gießener OmntbuSgesellschaft - hier Beschwerde der hiesigen Dienftmänner gegen die Gepäck­beförderung derselben. 16. Gesuch deS Wilhelm Schomber zu Gießen um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein über die Straße. 17. DeSgl. des Philipp Mank zum Wirth- schaftsbetrieb im Hause An den Bahnhöfen 20.

* Kaufmännische Fachschule. DaS Großh. Ministerium hat dem hiesigen Kaufmännischen Verein mitgetheilt, daß dem Verein mit Allerhöchster Ermächtigung Sr. Königl. Hoheit deS GroßherzogS als Beitrag zu den Kosten der inneren Einrichtung der zu erbauenden kaufmännischen Fachschule die Summe von 1000 Mark auS dem Fond für öffentliche und gemeinnützige Zwecke verwilligt worden ist.

* * Unfall. Der Leiter eines Fuhrwerks gerieth gestern Nachmittag in der Schtllerstraße unter den Wagen und erlitt einen Beinbruch. Nach Anlegung eines NothverbandeS wurde er in die Klinik gebracht.

Auszeichnung. Unser Mitbürger, der Bäckermeister Fr. Schreiner am Lindenplatz, welcher schon mehrfach wegen hervorragender Leistungen in seinem Fache ausgezeich­net wurde, hat auf der Internationalen Ausstellung auf dem Gebiete der Ernährung, Bekleidung, Gesundheitspflege rc. in Düffeldorf für seine daselbst ausgestellten feinen Zwiebacke die silberne Medaille erhalten.

Die Nähabende des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege beginnen nicht, wie eS in einem Theil ber Auflage rrnhürnlich angezeigt ist, am 13. November, fonbern erst am 20. November.

* * Die Lahnkalk- und Marmor-Industrie Aug. Gabriel jr. hat in unserer Gegend den ersten größeren practischen Der- such mit dem vorn Architecten A. S e ul in g-Gießen fabri- zirteu Holzwolle-Baumaterial unternommen. Auf genanntem Werk ist seit einigen Tagen ein vollständig aus Holzwolle Baumaterial errichtete» HauS als ArbeitSraum für die Marmorschleiferei in Benutzung genommen und können fich Jntereffenteu von der Brauchbarkeit und den Vortheilen solcher Bauten selbst überzeugen.

* 3n der vierten diesjährigen Sitzung der Oberhesfischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde am 4. November demon- strirte nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten Herr Geh. Hofrath Thaer daS Modell einer modernen Spiritus- brennerei. Der Vortragende führte die älteren Breun- Methoden vor und erläuterte dann mit Hilfe des Modells die neueren Verfahren. Herr Prof. Brauns zeigte ein für mineralogische und chemische Untersuchungen hergeftcllteS MicroScop vor, deffen Einrichtung eS erlaubt, die auf dem Objecttisch liegenden Körper bis 300 Grad zu erwärmen. Mittels eines ProjectionSapparatS wurden an einigen Körpern die Veränderungen ihrer Crhstallform und ihres optischen Verhaltens beim Blitzen demonstrirt. Zum Schluß wies Herr Prof. Wiener einige neuere Instrumente vor und erklärte deren Bau und Anwendung. Hervorgehoben seien ein elektrischer Anzünder, daS Totalreflectometer und daS PhonendoScop. Letzteres dient zum Hörbarmachen schwacher Geräusche und läßt fich in derselben Weise ver­wenden wie daS Stethoskop. Das Totalreflectometer ge­stattet, in kürzester Zeit den Brechungsexponenten von Flüssig- keilen mit größter Genauigkeit zu ermitteln und ist unter Andern zur Untersuchung von Lebensmitteln, Zucker, Butter rc. geeignet.

Paul Bnlh. Im Hinblick auf da» bevorstehende Concert deS Kgl. Kammersängers Paul Bnlß ist eS für unsere Leser gewiß von Interesse, etwas Näheres über den Lebenslauf und künstlerischen Bildungsgang des berühmten Sängers zu hören, besonders, da dieser zum ersten Mal bei unS weilen und wirken wird, somit, wenn auch fein Ruf längst zu UNS gedrungen, Paul Bulß unserem Leserkreis per- söulich noch unbekannt fein dürfte. All Sohn eines Ritter­gutsbesitzers in der Westprieguitz, nahe der mecklenburgischen Grenze geboren, zeigte ber Künstler schon in früher Jugend auffallende Liebe und Begabung für die Musik, fpeciell für

den Gesang, und war er auf dem Gymnasium in Neu- Ruppin z. B. schon al» Schüler der Liebling deS dortigen GefanglehrerS und bekannten Componisten Ferdinand Mvh» ring. Als eS galt, für den Knaben einen Beruf zu wählen, und Bulß im elterlichen Hause die Erklärung abgab, nur einzig und allein der Musik fein Leben und Streben widmen zu wollen, da gab starmvolle Tage und Wochen, bis der strenge Vater, ein Charakter von seltener Energie und Festig- keit, dem Sohne seine Zustimmung ertheilte und ihn per­sönlich dem bekannten Gesanglehrer Mantiu» zu Ausbildung Übergab. Späterhin ftuöirte Bulß noch bei Prof. Engel in Berlin und Götze in Leipzig, bis der junge Künstler, erst 19jährig, seine Bühnenlaufbahn als Czaar inCzaar und Zimmermann" auf dem Lübecker Stadt-Theater begann. Nach 1% Jahren schon finden wir Bulß al6 ersten Bariton am Hoftheater zu Cassel, bann al» Kgl. sächsischen Kammersänger an ber Hofoper zu Dresden wieder, wo er nicht nur ber erklärte L ebltng des Publikums war, sonbern namentlidi auch von König Albert von Sachsen insofern wiederholt in hervorragender Weise auSgeze'chnet wurde, als der König dem Künstler den Titel eines Kgl. sächsischen Kammersängers und das Ritterkreuz des AlbrechtSordens 1 K ässe verlieh. Seit 1889 ist Paul Bulß in den Verband der Berliner Hofoper eingetreten, und ist allda ber Erfolg mancher neuen Oper, manches schwierigen Werkes bleiern selten begabten Künstler zu verdanken, der mit vollendetster Gesangskunst, großer DarstellungSgabe und herrlichen Stimmmitteln den Vorzug der deutlichsten Aussprache und einer hohen eleganten Erscheinung verbindet. Daß Bulß außerdem Meister im Concertgesange ist, beweisen bte zahlreichen Aufforderungen, die von nah und fern an ihn ergehen und ihn seinem schömn, gemüthlichen Berliner Heim oft entführen. Vielfache Reifen ins Ausland unterbrachen seine Berliner Thätigkeit, und selbst die Kritik würdigt und feiert den Künstler in hohem Maße gelegentlich seiner Liederabende in Triest, Wien, P st, Holland, der Schweiz und jüngst nodr in Rußland. Die Wiederholung einer diesjährigen, noch ausgedehnteren Tourt Se durch Rußland wurüe, wie wir hören, dadurch momentan vereitelt und für nächstes Jahr verschoben, daß Bulß ce- denkt, fich baldigst auf eine Reise durch Dänemark, Schweden und Norwegen zu begeben, wozu die Aufforderung biiagcnb an ihn herangetreten ist. Manch interessantes Erlebniß be­gegnet natürlich dem Künstler auf feinen Fahrten, und mit viel bedeutenden Menschen kommt er in Berührung- fo wohnt Bulß z. B. in Wien stet» als willkommener Logir Gast im Palais Metternich, dessen Herrin, Fürstin Pauline, selbst eine ausgezeichnete Kunstkennerin und Künstlerin ist, und mit ihrem Gemahl, dem jüngst verstorbenen Fürsten Metternich, stets wetteiferte, Bulß den Aufenthalt in Wien zum an­genehmsten und behaglichsten zu gestalten.

* Der Verein zur Beschäftigung Arbeitsloser im Grost- herzoglhum Hessen und der Provinz Heffru-Nassau (Arb'iter- colonie Neu-Ulrichstein) tagte am Samstag in Frankfurt. Der Vorsitzende, Geheirnrath Go Id mann-Darmstadt, er­stattete den Jahresbericht. Landrath BackhauS-HofgeiSmor berichtete über die Berpflegunasstationen. Der Communal- Landtag in Cassel hat 15,000 Mk. und der Communal- Landtag ia Wiesbaden 5000 Mk. zur Verfügung gestellt, unter der Bedingung, daß die Wanderordnung durchgeführt wird. Die Wanderordnung hat die Zahl der Gäste in den Stationen bedeutend vermindert. Im Jahre 1893/94 waren es: 215,856, 1894/85: 202.658, 1895/96: 156,337. Ferner hat sich ein Fortschritt gezeigt insofern, al» mehr Arbeit verlangt und mehr Bettler abgemiefen wurden. Für geistige Nahrung ist durch gute Zeitungen, sowie durch Spiele, wie Damenbrctt u. bergt, gesorgt worden. Eine allzu große Fürsorge in Bezug auf Größe und Ausstattung der Sale ernpfi Hit sich nicht. Die Kosten, die im Vorjahr 143,956 Mk. betrugen, haben sich auf 116,645 verringert. Die Zahl der Stationen ist ziemlich unverändert, gegenwärtig 60. Eine Mitlagstation tn Salmünster ist in Aussicht genommen. Der in der Versammlung anwesende katholische Coloniegeistliche Pf. Seipel kann über die Colonisten im Allgemeinen Gün- stigeö berichten. Ebenso äußert fich der Vorsitzende Namen« deS evangelischen Geistlichen. Die Rechnungsprüfer haben die Rechnungen richtig befunden. Nur hat der Prüfer Consul Bär-Goldschmidt monirt, daß ein ziemliches Quantum Branntwein bei Gelegenheit von Schlachtungen verbranchr wurde. Der Inspektor Ritte weist darauf hin, daß da« auf dem Lande fo Gebrauch fei. Auf Antrag deS Polizei- Präsidenten a. D. v. Hergenhahn wurde beschlossen, daß in Zukunft unter keinen Umständen auf der Colonie Brannt­wein verabreicht werden soll. Hiernach wird der Voranschlag für 1896/97 berathen. Die Wirthfchaft ist mit 49,110 Mk bie Colonie mit 39.677 Mk. in Ausgabe und Einnahmr eingestellt. Provinzialdirector v. Gagern beantragt, dir hessische Regierung möge ersucht werden, an die Stände eine Vorlage zu bringen, wonach auf die 5 pCt. Zinsen der Um­baukosten verzichtet wird. Man beschloß, baß Weitere bem Borstanb zu überlassen. In den Dorstanb würben neugewähl'. Pfarrer Widmann-Darmstadt, Polizeipräsident Prins Ratib or-W-eßbaden, Obervorsteher o. Baumbach Cassel und Kreißrath Br eider t-Wormß.

Darf bei Geldsendungen durch die Post dal Porto |t* kürzt werdend Diese für den Verkehr nicht unwichtige Frage wird immer noch von vielen Geschäftsleuten mit I» beantwortet. Bestärkt werden diese in der Richtigkeit ihrer Annahme dadurch, daß in den «eisten Fällen die KÜrznnz des Portoß stillschweigend anerkannt wird. DaS vermeini- liche Recht zum Abzug von Porto bei Zahlungen bestebt jedoch nicht. Im Gegentheil, dieser Abzug vom Schul - betrag ist nach bem Gesetz unzulässig. Dal Reichsgericht hat sogar erkannt, daß ein solcher willkürlicher Abzug nah Befinden als straffällig avzusehen sei. Wenn auch diele letztere Auffassung in der Praxi» kaum Anwendung findet, so sollte doch Niemand im Zweifel die Tragung ber Porti- kosten, wenn vom Gläubiger verlangt, verweigern.

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