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11.11.1896 Erstes Blatt
 
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Nr. 266

Erstes Blatt

Mittwoch den V November

1S96

2lints- und AnzeigeblcLtt für den Kreis <6iefzen

Gratisöeitage; Gießener Kamittenblätter

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borin. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» , Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Die Gießener Aamitlenvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der Hkgtner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Vierteljähriger Aöoilncmentspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schukstraße Zlr.7.

Fernsprecher 51.

ießmer A nzeigcr

Kenerat-Wnzeiger.

5. etwaige Stimmzettel, über deren Gültigkeit der Wahlvorstand Beschluß gefaßt hat (§ 20 deS Reglements).

v. Gagern.

Anrtlirher Thell.

Bekanntmachung,

betreffend ReichötagSwahl.

Unter Bezugnahme auf die in der gestrigen Nummer desGießener Anzeiger" erschienene Bekanntmachung obigen Betreffs, wonach eine engere Wahl für den Reichstag auf Donnerstag den 19. d. Mts. festgesetzt ist, wird bezüglich des Wahlgeschäfts das Folgende zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Die Abstimmung beginnt um 10 Uhr Vormittags und wird um 6 Uhr Nachmittags geschloffen.

Auf die engere Wahl kommen nur die Herren Philipp Köhler VI., Landwtrth in Langsdorf und Philipp Scheideman«, Redacteur in Gießen. Alle auf andere Candidateu fallende« Stimmen sind ««gültig.

Dle Wahl findet auf denselben Grundlagen und nach denselben Vorschriften statt, wie die erste Wahl. Insbesondere bleiben di? Wahlbezirke, die Wahllokale und die Wahlvorsteher unverändert. Wir verweisen dies- bezügl.ch aus unsere Bekanntmachung vom 17. October 1898 (Anzeiger Nr. 247).

Bri der engeren Wahl werden dieselben Wählerlisten angewendet wie bei der ersten Wahlhandlung. Eine wieder­holte Auslegung und Berichtigung derselben findet nicht statt.

Gießen, den 10. November 1896.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 10. November 1896.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen au die Großherzoglichen Bürgermeistereien und Wahlvorsteher des Kreises.

Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie Angesichts dieses, jedenfalls aber noch im Laufe dieser Woche, in Ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen laffen.

Zu Ihrem Bemessen verweisen wir Sie auf § 28 ff. deS Wahlreglements vom 28. Mai 1870 (Regierungsblatt Nr. 63 von 1870, Anlage 4, S. 52) und beauftragen Sie, genau hiernach zu verfahren und, insofern Sie nicht selbst als Wahlvorsteher fungiren, die Wahlvorsteher dementsprechend zu instruiren.

Die erforderlichen Protocollformulare und Wählerlisten gehen Ihnen mit nächster Post zu.

Die Wahlacten wollen Sie unfehlbar spätestens am 20. November zugleich mit Ihrer berichtlicheu Anzeige, daß und wann die Publieatiou der obigen Bekannt­machung in Ihren Gemeinden erfolgt ist, an den Unter­zeichneten mit dem VermerkReichsdienftsache" zur Post geben. Den 2ßablacten bat die besondere Be­scheinigung der Großh. Bürgermeisterei darüber deizuliegen, daß und wann die ortsübliche Bekanntmachung des Wahltermins erfolgt ist (§ 31 Abs. 4 des Wahl- reglementS).

Die Wahlvorsteher machen wir noch besonders auf die Beobachtung des § 18 des WahlreglemeutS aufmerksam, weil dagegen bet der ersten Wahl vielfach gefehlt worden ist:

Auf Seite 4 des Protokolls find bet den Namen der Candidateu die einzelnen auf fie gefallenen Stimmen durch Striche oder fortlaufende Zahlen anzumerken. Ist dieses wegen der großen Zahl der einem Candidaten zufalleuden Stimmen unrhunltch, so ist eine besondere Zählliste in obiger Weise anzulegen und dem Protokolle als Beilage an- -ufügen.

Die von einem Beisitzer zu führende Gegenliste ist nicht, wie vielfach angenommen wird, eine Liste der Ab­stimmenden, sondern ein besonders geführtes Exrmplar der Zählliste.

Die Abstimmmden find nach § 16 des WahlreglementS nur in der Wählerliste und zwar in Spalte 8 durch ein Zeichen zu vermerken.

Dem Protokoll hat daher beizultegen:

1. die von der Wahlcommisfioo auch bei der engeren Wahl zu unterschreibende Wählerliste, welche die Vermerke der Abstimmung enthält (und zwar nicht daS Original, sondern bloS das Duplikat dieser Liste)-

2. die Zähllifte, wenn eine solche besonders geführt worden ist;

8. die Gegenliste,-

4. Bescheinigung der Bürgermeisterei wegen Bekannt­machung des WahltermlnS »sw.-

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche.

Die Maul- und Klauenseuche in Reiskirchen, Kreis Wetzlar, ist erloschen und sind die angeordnrten Sperrmaß­regeln wieder aufgehoben worden.

Gießen, den 7. November 1896.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung, betreffend: Gesuch der Kriegerkameradschaft Hassia um Er- laubniß zur Veranstaltung einer Veteranen-Geidlotterie.

Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs ist dem Präsidium der Krtegerkameradschaft Hassia die Erlaubniß zur einmaligen Veranstaltung einer Geldlotterie im Jahre 1897 ertheilt worden, deren Ertrag- niffe zur Unterstützung von in unverschuldete Roth gerathenen KrtegSveteranen verwendet werden sollen. Bei der Verloosung ist der von Großh. Ministerium des Innern genehmigte Plan einzuhalten, wonach nicht mehr als 60000 Loose ä 1 Mark auSgegeben werden dürfen und 50pCt. deS Erlöses zu Geld- gewtnnsten zu verwenden find. Der Vertrieb der Loose ist im Großherzogthum gestattet worden.

Gießen, den 10. November 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsche» Reich.

Berlin, 9. November. Das Comits für die Jahr­hundertfeier des Gedächtutffes Kaiser Wilhelms I. qot 22. März 1897 hat von den in Aussicht genommenen Veranstaltungen bis jetzt endgiltig einen großen Bürgerfestzug für jenen Tag beschloffen. Der Zug soll sich an dem neu enthüllten Kaiser Wilhelm-Denkmal vorüber bewegen- sämmt« ltche noch lebenden Ritter deS Eisernen Kreuzes 1. Klaffe bom Feldwebel abwärts sollen vom ComiiS zur Jahrhundert­feier geladen, gespeist und verpflegt werden.

An der Novelle zu den Unfallversicherungs­gesetzen wird denB. P. N." zufolge fortgearbeitet. Wenn bisher nicht so großer Werth auf eine schleunige Erledigung der Vorlage gelegt wurde, so war dafür einmal der Grund maßgebend, daß aus einem großen Kreise der Industrie die Reform der Unfallversicherung in ihren Einzelheiten nicht als gar zu dringlich bezeichnet wurde, und sodann der, daß eine Revision der Jnvaliditäts- und Altersverficheruvg als noth- wendiger angesehen wurde. Die Arbeiten an der Novelle zu den Unfallverficherungsgesetzen find ziemlich abgeschloffen. Wenn die Novelle trotzdem nicht in nächster Zeit zur Der- Handlung in den gesetzgebenden Körperschaften deS Reiches gestellt wird, so ist die- daraus zu erklären, daß der Reichstag nicht in einer und derselben Tagung mit zwei großen, auf die Arbetterverficherung bezüglichen Novellen be- lastet werden soll.

Neueste

Wolffs telegraphische» Ikorrespsrrbens'Vrrrr-m.

Berlin, 9. November. DerReichsanzetger" meldet: DaS StaatSwinisterium hat sich rückfichtlich der Lage der inländischen Landwirthschaft damit einverstanden erklärt, daß die für die Zeit vom 1. März 1895 bis zum 1. Mai 1897 gewährte 20proceutige Tartfermäßtgung für Düngemittel auf weitere fünf Jahre bewilligt werde.

Berlin, 9. November. Am gestrigen Sonntag find wegen Uebertretung der neuen Bestimmungen über die Sonntags­ruhe mehr als 300 Anzeigen ergangen. Sie richten sich zumeist gegen Geschäft-läden und Schankfiätten.

Berlin, 9. November. DieBerl. Corresp." meldet: Der Kaiser verlieh den Schtllerprets nach dem Vor­schläge der Prüfungskommission Ernst von Wtldenbruch für seine TragödieHeinrich und Heinrichs Geschlecht". Der Preis besteht in 200 Thaleru Gold und einer goldenen Denkmünze.

Hanau, 9. November. Eine allgemeine Bürgerversamm- lung beschloß endgültig die Gründung eine- Grimm- MuseumS in Hanau und bildete ein großes und ein engeres technisches (Sondte. Demnächst wird in den Zeitungen ein diesbezüglicher Aufruf erscheinen.

Düsseldorf, 9. November. Der Proceß gegen den homöo­pathischen Arzt Dr. Bolbeding und Genossen wegen fahrlässiger Tödtung, Bestechung und Betruges hat heute Vormittag vor der 2. Strafkammer des hiesigen Landgericht- unter großem Andrange des Publikums begonnen. Den Vorsitz deS Gerichtshofs führt LandgerichtSdirector Wolff, die Anklagebehörde vertritt Staatsanwalt Dr. Ziegner, die Verteidigung führen Juftizrath Stapper. Düsseldorf und Rechtsanwalt Bernhard Freytag- Leipzig. Die Angeklagten bestreiten die ihnen zur Last gelegte Schuld.

Kol», 9. November. DieKöln. Ztg." meldet au- Mailand: Die deutsche Negierung hat amtlich nach Rom mittheilen lassen, daß das deutsche Mittelmeer« geschwader mehrere italienische Häsen und zwar zunächst Tarent, Neapel und Spezzia aulaufen werde.

Breslau, 9. November. Eine Versammlung vonAlten Herren" der Deutschen Burschenschaft, die in Glei- Witz abgehalten wurde und aus dem oberschlesischen Industrie- bezirk zahlreich beschickt war, protestirte energisch gegen die BeschlüsseAktiver", wonach eS erwünscht sei, daß die Burschenschaften fortan keine Juden mehr in den Verband aufnehmen. In einer einstimmig angenommenen Resolution wird terBreslauer Zeitung" zufolge verlangt, daß überall, wo sich Vereinigungenalter" Burschenschafter befinden» jener Beschluß dieselbe einmüthige Mißbilligung und scharfe Zurück­weisung erfährt. Wetter heißt es:Wir weisen den finsteren Geist der Unduldsamkeit, welcher den altgeheiligten Grund­sätzen der deutschen Burschenschaften Hohn spricht und die Bande inniger Freundschaft unter den Bundesbrüdern ver­schiedener Confesfion zu zerreißen sucht, zurück. Dieser Geist mißachtet die Freiheit und Gleichberechtigung aller Bürger, verletzt die Ehre der Commilitonen und widerstreitet dem VaterlandSfinn. Ein Beharren auf jenem Beschlüsse muß zur Trennungalter" undaktiver" Burschenschafter führen. Das Ansehen und die Ehre der deutschen Burschenschaften verlangt daher, daß jener Beschluß alsbald beseitigt und die gefährdete Eintracht wieder hergestellt wird durch ein ein- müthigeS, rückhaltloses Bekennen zu dem Geiste vorurtheilS- loser Duldsamkeit, welcher immerdar die Zierde und der Stolz der Burschenschaften bleiben muß."

Pose», 9. November. Der frühere Generalarzt deS 5. Armeecorps, Dr. Schrader, ist gestorben. Der Verstorbene hatte bekanntlich Kaiser Friedrich behandelt und ihn auch nach San Remo begleitet.

Dessau, 9. November. Ein Extrablatt desAnhaltischen Staatsanzeiger" meldet die Verlobung der Prinzessin Alexandra von Anhalt-Dessau mit dem Prinzen Sizzo von Leutenberg.

Karlsruhe, 9. November. DerKarlSr. Ztg." zufolge hat der Krankh eit S zu stand deS Großherzogs eine leichte Besserung erfahren. Er konnte in den letzten Tagen während mehrerer Stunden das Bett verlassen. Die Kräfte nehmen zu; die Nachtruhe ist befriedigend.

Cherbourg, 9. November. Heute Nacht ging in der Nähe von Banfleur die englische GoeletteP. H." mit der Besatzungsmannschaft unter.

Bonbon, 9. November. Der deutsche Kaiser hat dem Capitän deS britischen Dampfer-Tafna", Orchard, eine goldene Uhr und sein Bildniß für die Dienste verliehen, die der Capitän bei dem Unfall der Elsflether BarkAthene" geleistet hat. Die deutsche Regierung hat den Mayor von Gloucester ersucht, das Bildniß und die Uhr an Orchard, der in kurzer Zeit in Gloucester erwartet wird, auSzuhändigen.

Petersburg, 9. November. Ein Rundschreiben deS Ftnan Ministers giebt die Aufhebung der Beschränkungen be­kannt, die bisher bezüglich der Einfuhr lebender Schweine nach Rußland bestanden haben.

Dar-es-Salaaw, 9. November. DaS Obergericht hat den Plantagenbefitzer Friedrich Schröder zu fünf Jahre» Gefävgniß verurtheilt.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 9. November. Der Kaiser traf gestern früh aus Pleß im Neuen Palais bei Potsdam wieder ein.

Berlin, 9. November. Der Hofprediger Fromme! ist heute früh 81/, Uhr gestorben.

Berlin, 9. November. Wie dieStaatSbürgrrzeilung" noch mittheilt, lautet daS Unheil gegen Schröder in zweiter Instanz wegen Körperverletzung mit tödtlichem Aus- gavge auf 5 Jahre Gefängniß. Die Anklage wegen Roth- zücht ist fallen gelassen worden. Schröder wird zur Ver­büßung seiner Strafe nach Deutschland überführt werden.

Nen Münster, 9. November. Der gestrige deutsch- reistnntge Parteitag war von zahlreichen Delegirtea fast sämmtlicher schleSwig holsteinischer Reichstags Wahlkreise