Ausgabe 
11.11.1896 Erstes Blatt
 
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Fürstin Pauttor, selbst eine Künstlerin ist, unb mit denen Fürsten MettenM, othalt in Wien zm tu stallen.

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O Troße« Linde», 8. November. Heute wurde unsere Freiwillige Feuerwehr und deren HtlfSrnannschaft durch Hrn. Sreiefeuerwehr Jnspector LooS von Gießen tnsptctrt. Infolge der guten Leistungen im vergongenen Jahre wurde das Geräehe- und Fußrxerzieren erlösten und gleich zum Brandangr-st übergegangen. Derselbe konnte in allen Theilen als sehr gut ausgesührt betrachtet werden. Die Mannschaft war rasch am Platze und die Gerälhe in bester Ordnung und Letftungsfähigkeit, wie diese Anerkennung von Seiten deS Herrn Jnspectors dem Commandanten und der Mann­schaft auch zu Theil wurde. Hoff n und wünschen wir, daß die Freiwillige Feuerwehr Großen-Ltnden unter der bewähr­ten Führung deS Commandanten Schaum und der Geräthe- führer noch weiter blühe und gedeihe zum Wohle der Ge­meinde und der Nachbarorte.

n. Bon der mittleren Nidda, 9. November. Die letzten FeldaufräumungS - Arbeiten haben den Landwirthen hiesiger Gegend ungemein viel Beschwerniß verursacht- denn auf dem durch den anhaltenden Regen tief aufgeweichten Boden sanken die Räder der mit Zuckerrüben oder Dickwurz beladenen Wagen bis an die Naben ein, so daß ein Zwei­gespann selten ausreichte, um den Wagen auf den Weg zu bringen. WaS nun die Erträgniffe anlaugt, so können vasere Landwirthe recht wohl zufrieden sein, namentlich auch mit Hinsicht darauf, daß die ganze Ccescenz gut unter Dach tarn. Die Erträge werden sich im Mittel für daS Hectar wie folgt stellen: Weizen und Roggen 25 Malter, Gerste auf schwerem Boden ebenso in leichtem Boden hat sie gleich den Zuckerrüben sehr stark durch Engerlingfraß ge­litten, Hafer 85 Malter, Zuckerrüben auf schwerem Boden 650 Gentner, Kartoffeln 175 Malter. Von dem durch die ostindische Mißernte herrührenden Preisaufschlag für Weizen haben die kleinen Betriebe großentheilS nichts p wfiiirt, weil zu 14 bis 15 Mark fast alles verkauft wurde. In großen Betrieben wird hier erst im Winter fertig ge­droschen, da man bei der vielen Arbeit im Nachsommer und Herbst nur die zur Herbstbestellung nöthige Saatfrucht nach der Ernte ausdrischt. Die Gerste wurde so gut eingebracht, daß sie als Brauergerste verkäuflich ist. Die Zuckerrüben find nicht so zuckerhaltig wie voriges Jahr, doch ist der Zuckergehalt höher wie in 1893 und 1894. Da die Fabrik Wetterau" in Friedberg bei 12 pCt. Zucker jetzt noch 75 Pfennig und für jedes weitere Vio pCt. 1 Pfennig mehr bezahlt, so stellt sich der Preis für den Centner bei 13,5 pCt. Zucker auf 90 Pfennig, was für daS Hectar 585 Mark be­deutet. Die Zuckerrübencultur erfordert ja allerdings mehr Auslagen als die anderer Pflanzen, allein es bleibt trotzdem bei ihr ein höherer Reinertrag, der durch die unentgeltliche Lieferung des Samens noch erhöht wird. Bon Kartoffel- forten sind hier sehr gut gerathen: Ruhm von Haiger, Weltwunder, Welkersdörfer und Magnum bonum. Letztere erzielten den höchsten Preis, Dickwurz lasten im Ertrag nicht daS Geringste zu wünschen übrig. Exemplare von 15 bis 20 Pfund gehören nicht zu den großen Seltenheiten. Mais und Stoppelklee ergeben gleichfalls einen reichen Ertrag, so daß für das zum Theil verdorbene Grummet einigermaßen Ersatz geschaffen war. Zu bemerken ist noch, daß häufig Klage wegen Arbeitermangel geführt wurde.

n. Friedberg, 9. November. Die Brücke über das Rosenthal hier, die durch Erbauung der Nebenbahn Fried­bergBeienheimHungen nöthig geworden war, ist so weit vollendet, daß die Materialzüge darüber fahren können. Sie ist aus Eisen conftruirt und ruht auf 6 Über stockwerkhohen starken Pfeilern aus weißen und rothen Sandsteinen, die nicht glatt behauen und so angeordnet find, daß die rothen die Ecken bilden. Sie läuft nahe an der ganz aus Sand­steinen hergestellten Brücke der Maiu-Weserbahn her, ist aber nicht so lang und hoch wie diese. Auch an der übrigen Bahnstrecke wird fleißig gearbeitet. Die Hochbauten kommen sowohl an dieser als auch an der Abzweigung Beienheim Ridda znm großen Theil oder alle vor Winter unter Dach.

§§ Bom Dbettoalb, 7. November. Ausgezeichnete Resul-

tote wurden seither von den Jagdpächtern in der Ober- försterei Grebenhain erzielt. Mehrere Schützen erlegten täglich durchschnittlich 15 bis 17 Rehe, auch noch einige Hasen, Füchse usw. Eines Tages wurden sogar 24 Stück Rehe geschosten. Selbstverständlich erhöht hier auch der Ge­winn da« Vergnügen. Die Oberwald-Jagd brachte seither einen verhältnißmäßig geringen Pachtpreis, nämlich nur 310 Mk. jährlich, sie wird jedoch bei der nächsten Verpachtung (im Februar 1897) einen bedeutend höheren Erlös ergeben, da schon Pachtliebhaber aus Frankfurt a. M. Erkundigungen eingezogen haben.

§§ Bom höheren Vogelsberg, 8. November. Mit dem Schluß der vorigen Woche find die noch rückständigen Ernte- Arbeiten hier so ziemlich vollendet. DaS letzte Grummet konnte nur noch als Streusel heimgebracht werden. Die Kartoffelernte hat ein sehr gutes Ergebniß aufzuweisen. Kohlraben und die Dickwurz haben eine gewöhnliche Mittel­ernte ergeben. Trotz vielem Regenwetter find bis jetzt die Wintersaaten (Roggen und Weizen) fertig gestellt. Die Roggensaat steht soweit prächtig. Die Stoppeläcker find fast alle gestürzt. Nur sind noch die Arbeiten in den Wiesen, wie Grenzgräben, Ent- und BewäfferungSanlagen usw. aus zuführen. Eine Unmenge Schnelgänse sind dieser Tage hier durch nach dem Süden gezogen, ein Zeichen, daß wir hier in aller Kürze Schneefall zu erwarten haben.

D Vom Vogelsberg, 9. November. Dem Anziehen der Fruchtpreise, welches dem Landwirth ein kleines Mehr in seinen Einnahmen bringt, ist die Vertheuerung eines Productes gefolgt, das für den Haushalt des kleinen Land- wirthes einen besonderen Factor bedeutet. Es ist der PreiS- aufschlag deS Samen- oder Rüböles, deffen Liter plötzlich um 10 Pfg. aufgeschlagen ist. Bekanntlich war das Er­gebniß der diesjährigen Rapsernte ein sehr geringes und daS des Sommerrapses gleich Null. Dadurch fehlt daS Rüböl in den Haushaltungen deS LandwirtheS, in denen man dasselbe aber nicht miffen kann, da es in den Küchen eine Hauptrolle spielt. Seine Vertheuerung bedeutet daher für die Landleute eine bemerkenSwerthe Mehrausgabe. Die Wildpretpreise haben ebenfalls eine Steigung erfahren. Für Hasen, welche seither mit 2.50 Mk. bezahlt wurden, geben die Händler jetzt 3 Mk., für Rebhühner, die 80 Pfg. galten, 1 Mk. Der Preis von 3 Mk. für Hasen wurde im vorigen Jahre nicht erreicht. Die Koppen deS Vogels- bergeS haben bereits ihre weißen Wintermäntel an­gezogen. Auch in den tieferen Strichen mischten sich unter den niedergehenden Regen Schneeflocken. Das Laub ist an den Bäumen in den letzten Tagen rasch abgefallen- die Bäume flehen also vor dem morgigen Martini entblättert da, wonach einer bekannten Kalenderregel zufolge ein milder Winter zu erwarten steht. Die Aussichten sprechen in der That hierfür, brachte man uns doch noch vorige Woche ein Sträußchen vollständig auSgreifter Erdbeeren. Möchte die Kalenderregel den Prophezeiern eines strengen Winters ent­gegen Recht behalten.

Heppenheim an der Wiese, 8. November. Der seit einigen Tagen steckbriefl ch verfolgte Deserteur Georg Wey- gand von hier, der unlängst im Eberstädter Walde einen Lustmord an einem 11jährigen Mädchen verübte, wurde heute Nachmittag um 5 Uhr von der Wormser Gendarmerie und einer Anzahl Schutzleute in einem Strohhaufen hier verhaftet und nach WormS ins Gefängniß eingeliefert. Weygand hielt sich 3 Tage in einem Strohhaufen versteckt und gestern war er so dreist, sich nach Wiesoppenheim zu begeben. Die Polizeibehörde entfaltete eine sehr rührige Thätigkeit. Heute Nachmittag gelang eS, daS Versteck deS Mörders ausfindig zu machen. Sofort wurde die Gendarmerie in WormS telegraphisch benachrichtigt, die alsbald zur Stelle war und den gefährlichen Menschen in sicheren Gewahrsam nahm. Drmftr. Ztg.

Mainz, 9. November. Amtliches Wahlresulat. Bei der ReichStagsersatzwahl im Wahlkreise Mainz-Oppenheim wurden insgesammt 18,468 Stimmen abgegeben - davon ent­

fielen auf Dr. David-Mainz (Soc.) 7358 Stimmen, aus Dr. Schmitt Mainz (Ctr.) 7118, auf Oderschulrath Soldan- Darmstadt (not. Hb.) 3142 und auf den Landwirth Wolf- Stadecken (Antisemit) 847 Stimmen. ES ist somit Stichwahl zwischen Dr. David unb nr. Schmitt erforderlich.

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Wien, 9. November. Die s. Zt. viel genannte Schau­spielerin Bertha Roth er hat sich in Baden bet Wien durch einen Revolverschuß in die Brust schwer verletzt. Als Motiv wird die bevorstehende Lösung ihres VerhältniffeS mit einem reichen Budapester Bankier genannt.

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Vietze«, 10. November. Marktbericht. Aus dem heutigtu Wochmmavkt kostete: Butter pr. Pfd. JK 1,001.12, Hühnereitl pr. St. 78 2 St. 00 Enteneier f H, 2 St ( X Gänsl­

ein pr. St. CO00 Käse pr. St. 68 Käsematte pr. St. 3 X Erbsen pr. Liter 17 Linsen pr. Liter 28 4, Tauben pr. Paar JL 0,60 btS 0,75, Hühner pr. Stück 1,00 bis 1,20, Hahnen pr. Stück X (\60-l, CO. Enten pr. Stück X 1,501,70, Gänse pr. Pfund X 0,42-0,54, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 6468 Schweinefleisch pr. Pfd. 56 biö 66 H, Schweine­fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 70 A, Kalbfleisch pr. Pfd. 6054 «Sb, Hammelfleisch pr. Pfd. 6070 Kartoffeln pr. 100 Kilo 4 50 bi* 5,00 X, Weißkraut pr. Stück 0- 00 4, Zwiebeln pr. Ccntner X 4,00 0,00, Milch pr. Liter 16^, Zwetschen pr. Centner X 810.

Hautleidende >"Scht-n wir d-r-ui auim-.kmm bo*} nach den Urthetlen von vielen tausend b- ut- schen Plolestmen und Aerzten die Patent-Myrrholtnsetse, welche überall, auch in den Apotheken, zu 50 Pfg. eihältlich, einen sehr wohlthätigen Einfluß auf die Haut ausübt. Es sollten daher Alle, welche an rauher, spröder, rissiger, rother, ausgrsprungkner Haut, Pusteln, Hitzblättchen, Schorf rc. leiden, die Patent-Mylrholinseise al« Toiletteseife zum täglichen Gebrauch anwenden, zu welchem Zwecke ste sich wegen ihres sehr angenehmen Geruchs und ihres spar­samen Verbrauchs vorzüglich eignet. 9727

Der tSsttichste Wohlgeschmack. Obwohl die Vanille das feinste Gewürz und geeignet tst, selbst einfachen Gerichten hohen Reiz zu verleihen, ist ste doch bisher nur auf Gastrollen im Haus­halt erschienen. Ihr hoher Preis, ihr unficherer Einkauf und die aufregenden E'genschasten, die ihr eigen sind, ließen sie in der bürgerlichen Küche nicht heimisch werden. Heute lönnen wir die Vanille-Schoten ganz entbehren und trotzdem ihren herrlichen Ge­schmack in unvergleichlicher Reinheit, mit geringeren Kosten und ohne jede Befürchtung übler Einwirkung auf unser Nervensystem genießen. Der Körper, der der Vanille ihr köstliches Aroma verleiht, das Va­nillin, ist in seiner chemischen Zusammensltzung erforscht und seine Abscheidung in reinem Zustand aus anderen billigen Naturstoffen von den Chemikern Dr. Wilb. Haarmann in Holzminden und Dr, Ferd. Ttemann, Prof, der ChemK an der Universität zu Berlin, erfunden worden. Das patentirte Verfahren wird von der Finna Haarmann u. Reimer in Holzminden auSgeübi. Sie stellt z. B. auS Conifertn, einem im Bastsast der Nadelhölzer vorkomm-nden Stoff, Vanillin in höchster Reinheit her. Verdächtig in gesundbettsschäd- ltcher Beziehung sind besonders sehr btlliae Sorten, die sich thetl- weise schon in verdorbenem Zustand befinden und mit Milben durch­setzt sind, welche höchst unangenehme Haulausschläge herbeizuführen im Stande find. DaS reine Vantllm, welches keine Spur dieser Beimengungen besitzt, wird entsprechend der Menge, wie es in der allerfeinsten Vanille enthalten ist, mit Zucker verbunden und in den Ortginalpäckchen von Haarmann u. Reimer (Generalvertreter Max Elb in Dresden) in den Handel gebracht. Nur diese von den Patentinhabern und Fabrikanten selbst hergestellten Päckchen bieten dem Publikum Garantie für Reinheit und stets gleichmäßige Aus­giebigkeit. Das Aroma ist in dieser Form sofort löslich, theili sich daher beim Backen und Kochen den Speisen und Getränken schnell mit, verursacht auch nicht rote die Vanille häßliche schwarze Punkte in den Gerichten und braucht zum Vorlheil der Ausgiebigkeit nicht mitgekocht, sondern nur mit ben Sp-isen gut verrührt zu werden.

Beka«MMKchu«g.

Au» der Friedrich Bücking-Stiftung sind für das Jahr 1896 an zehn bedürftige und würdige Bewohner Gießens, Familienhäupter oder einzeln stehende Personen, Unterstützungen zu vergeben und zwar zwei mit je 150 Mk. und acht mit je 100 Mk. Bewerbungen haben bis längstens 24 d. Mts. bei der unterzeichneten Behörde, Zimmer Nr. 3, zu geschehen.

Gießen, den 6. November 1896.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 9994

Bekanntmachung»

Aus der Minna Ke>l Vogt-Stiftung sind für das Jahr 1896 drei Gaben von je 70 Mk. an drei in Gießen wohnhafte, würdige und be­dürftige Handwerker oder deren Wittwen, evangelischer Conseffwn, zu ver­geben. Bewerbungen haben bis längstens 30. November d. I. bei der Unterzeichneten Behörde Zimmer Nr. 3 zu geschehen.

Gießen, den 6. November 1896.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

8995 Gnauth.

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Der CursuS für Weihnachtsarbeiten beginnt den 15. November.

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Der von mir unterm 3. Januar 1896 gegen den Schmied August Zammert aus Steinberg (Ober- heffen) erlaffene Steckbrief wird hier­mit als erledigt zurückgezogen.

Limburg, den 2. November 1896. 9980 I. A: Hagemann.

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