Ausgabe 
11.10.1896 Erstes Blatt
 
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Das Zarenpaar in Darmstadt.

Darmstadt, 9. October. DaS sonst so stille Darmstadt ist nicht wieder zu erkennen. Während man sonst kaum eine ruhigere Straße, als die vom Bahnhof zumAlten PalatS- führende Rheinstraße finden kann, herrscht hier heute da- regste Leben, Tausender rührige Hände find mit der AuS- schmückung beschäftigt, soll doch der so beliebtenPrinzessin Alix", jetzigen Kaiserin Alexandra Feodorowna, welche morgen an der Seite ihre» Gatten zum ersten Male seit ihrer Ver­mählung in die heimathltchen Mauern einzieht, ein würdiger Empfang bereitet werden. ES gilt hier nicht prunkhafte Feste zu feiern, nein ein großes Familienfest, einfach und herzlich wird vorbereitet, denn selten wird man ein Land finden, in dem das Herrscherhaus zur Bevölkerung so Herz- ltche Beziehungen unterhält, wie grade in Hessen-Darmstadt. Die Ausschmückung der Stadt ist prächtig. Der Main- Neckar-Bahnhof, in welchem da« Zaarenpaar morgen früh 9 Uhr aukommen wird, ist mit Fahnen geschmückt- der Bahn- Hofplatz wird umsäumt von Flaggenmasten, die mit Tannen abwechseln. Frisches Tannengrün hebt sich ab von den schon herbstlich dreinschauenden Bäumen. Am Rheinthor, dem Bahnhof gegenüber, wird noch rüstig an der Vollendung einer prächtigen Ehrenpforte gearbeitet. Hier wird Herr Oberbürgermeister Morneweg, umgeben vom Stadtvorstande, die hohen Gäste mit einer Ansprache begrüßen. Don hier zieht sich die Via triumphaliß btS zumAlten Palais" und durch die Wtlhelmtnenftraße bis zumNeuen Palais", in welchem das russische Katserpaar absteigen wird. Fast alle Häuser sind bekränzt und mit Fahnen, vielfach in den rus­sischen Farben, geschmückt, da- neue Palais wird voraus­sichtlich nur zwei bis drei Tage die hohen Gäste aufzunehmen haben, denn nach den Festlichkeiten, welche am Montag durch eine Galatafel abgeschloffen werden sollen, gedenkt sich daS Großherzogliche Paar mit dem Zaareapaare nach dem herrlich gelegenen Schloß WolfSgarten zurückzuziehen und diese Ruhe dürfte nur durch geplante Ausflüge nach Schloß Friedrichs- Hof, Wiesbaden und Homburg unterbrochen werden. Bleibt daS Wetter so gut, wie es heute ist, so wird Darmstadt in den nächsten Tagen eine «ach vielen Tausenden zählende

Sitzung des Gemeiuderaths soll beschlossen werden, tu dem Saale, in welchem die vom Zaren geschenkten Basen ausgestellt find, einige Gedenktafeln anzubriugen.

Paris, 9. October. Am gestrigen Tage hat die Eisen- Kahn-Verwaltung 110,000 Billets nach Versailles aus- gegeben.

LerfailleS, 9. October. Gegen 11 Uhr Abends erfolgte bei glänzender Beleuchtung des Schlaffes die Abfahrt nach EhalonS. Präsident Faure fuhr gleichzeitig in seine» Zuge nach EhalonS ab.

Berlin, 10-October. Die Kameruner BatangaS- Togoleute in der Gewerbe-AuSstelluvg haben gestern die Reise nach ihrer Heimath angetreten.

Glatz, 10. October. Die Strafkammer verurtheilte den Oberpostasfistenten Kreisch mar auS Frankfurt a. M. wegen mehrfacher Benutzung bereits entwertheter Briefmarken zu 4 Monaten Gefängniß.

ChalvuS, 10. October. Beim Champagner nach dem Dejeuner brachte gestern Präsident Faure folgenden Toast aus, welcher von allen Gästen stehend angehört wurde: Die Majestäten stehen auf dem Punkte, uns nach ihrem hiesigen Aufenthalt, der in den Annalen beider Länder ein unver­wüstliches Andenken zurücklaffen wird, zu verlaffen. Wie ein Lächeln von glücklicher Vorbedeutung wird der Zauber der Anwesenheit Ihrer Majestät der Kaiserin anmuthig mit diesem Besuche verbunden bleiben. In Paris sind die Majestäten von der ganzen Nation acclamirt worden. In Cherbourg und EhalonS find sie empfangen worden, von dem, was Frankreich am meisten am Herzen hängt, von der Armee und der Marine. Bei jedem der häufigen Jahrestage ihrer ruhmreichen Vergangenheit wechseln die französischen See­leute und Soldaten mit ihren rusfischen Brüdern Beweise ihrer Herzlichkeit und ihrer Wünsche. Heute bitte ich Euer Majestät im Namen der französischen Armee und Marine, für Ihre Armee und Marine die feierliche Bekräftigung einer unveränderlichen Freundschaft zu empfangen. Ich trinke auf die russische Armee und Marine und erhebe mein Glas zu Ihren Majestäten, dem Kaiser und der Kaiserin. Die Musik spielte hierauf die russische Hymne. Der Zar stieß mit dem Präsidenten Faure an und antwortete: Im Hafen von Cherbourg konnte ich bei unserer Ankunft daS fran­zösische Geschwader bewundern. Heute am Tage vor dem Verlaffen Ihres schönen Landes habe ich das Vergnügen eines imposanten militärischen Schauspiels gehabt, indem ich der Truppenschau auf dem gewöhnlichen Uebungsplatze bei­wohnte. Frankreich kann auf seine Armee stolz sein. Sie haben Recht, zu sagen, Herr Präsident. Beide Länder sind durch unveränderliche Freundschaft miteinander verbunden. Eben'o besteht zwischen unseren beiden Armeen ein tiefe« Gefühl von Waffenbrüderschaft. Ich erhebe mein GlaS zu Ehren unserer Land- und Seearmee und trinke auf die Ge- sundh-'t des Herrn Präsidenten der französischen Republik. Die Musik spielte die Marseillaise. Zweimal wurde der Toast des Kaisers von den anwesenden Ruffen mit Hurrah- rufen unterbrochen.

London, 10. October. Lord Roseberry sprach gestern Abend in Edinburg über seinen Rücktritt in der türklschen Frage. Die Versammlung nahm eine Resolution an, Roseberry zu bitten, seinen Rücktritt zurückzunehmen.

Sofia, 10. October. DaS KriegSministerium verhandelt mit dem österreichischen Kriegsminister behufs Ueberlaffung des in Oesterreich eingeführten rauchlosen Pulvers für die bulgarische Infanterie.

W B. Berlin, 10. October. DieReichSbank erhöhte den DiScont auf 5, den LombardztnSfuß auf bezw. 6 Procent.

Menge hessischer Unterthemen in seinen Mauern sehen, cie | alle kommen, umihrer" Alix zuzujabelu.

nn. Tarmstatzt, 10. October. Die Kaiserin und der Kaiser von Rußland find hier eingetroffeu. Der Groß- Herzog und die Großherzogin, Prinz Wilhelm und Prinz Heinrich von Heffen, sowie Großfürst SergiuS und Gefolge, haben dieselben am Bahnhofe empfangen. Am Rheinthor hatte Herr Oberbürgermeister Morneweg daS Zarenpaar mit einer Ansprache begrüßt. Der Kaiser und die Kaiserin dankten für den Empfang.

WB. Darmstadt, 10.October. DaS russische Kaiser- paar traf um 9 Uhr hier ein, am Bahnhofe von der Groß- herzoglichen Familie herzlichst begrüßt. ES fand großer mili­tärischer Empfang statt. An der Ehrenpforte am Rheinthor erfolgte die Begrüßung durch die Stadtvertretung mit einer Ansprache deS Oberbürgermeisters. Im ersten vierspännigen Wagen fuhren der Kaiser und der Großherzog, im zweiten die Kaiserin und die Großherzogin- eS folgte daS Großfürsten- paar SergiuS, die Prinzessin von Battenberg. Die Stadt ist reich geschmückt, daS Welter prächtig. DaS Publikum brachte den Fürstlichkeiten herzliche Ovationen dar.

Darmstadt, 10. October. Der feierliche Einzug des Kaisers und der Kaiserin von Rußland in die überaus festlich geschmückte Stadt erfolgte heute nach 9 Uhr bei herrlichem Herbstwetter, welches das Bild noch farbenprächtiger gestaltete. Am Matu-Neckar-Bahnhofe em­pfing daS Großherzogliche Paar, die Prinzen Heinrich und Wilhelm von Heffen, Großlürst SergiuS und Gemahlin (die seit einigen Tagen hier weilen), Prinzessin Ludwig, Graf und Gräfin, sowie der Erbgraf von Schönberg, die Sp.tzen der Ctvil- und Militärbehörden, der russische Gesandte u. A. daß Kaiserpaar, auch die kleine Prinzessin Olga war mitgekommen. Eine combinirtej Ehrencompagnie der 115 er führte Parademarsch auß, nachdem die russische Hymne ge­spielt war. Die Garnison bildete Spalter. An der Ehren­pforte am Rheinthor war das Stadtverordnetencollegium versammelt- Oberbürgermeister Morneweg hielt Begrüßungs­ansprachen an den Kaiser und dann an die Kaiserin, den­selben den Willkommen der Stadt und der Kaiserin auch den der alten Hetmath entbietend. Der Kaiser reichte ihm die Hand und sagte ungefähr:Dank, herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung-" die Kaiserin, sichtlich ergriffen, verneigte sich tief. Letzterer, sowie der Groß­herzogin wurden von festlich gekleideten Mädchen prachtvolle Blumensträuße überreicht. Der Kaiser und Großherzog, sowie die Kaiserin und Großherzogin saßen in sechsspännigen Wagen. Dragoner bildeten die Eskorte. Auf der Fahrt durch die prächtig sich darbietende Triumphstraße begrüßte ein zahl- reiches Publikum (vor zwei Jahren beim LandeSfürstenpaaB Einzug war dies allerdings noch viel stärker) die Herr­schaften. Ja der Stadt herrscht festliche Stimmung- viele Bureaux und Fabriken haben geschloffen. Am Abend findet eine Serenade der vereinigten Gesangvereine, die daß Lied: Gott grüß Dich" eröffnet, statt.

Cocetes rsnd protHnjkllw,

Vietze«, den 10. October.

Kirchliche Dienstnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem Pfarrer Joh. Heinrich Adolph zu Rodheim v. d. H. die evan­gelische Psarrftelle zu Büttelborn und das damit verbundene Diaconat Groß-Gerau, Decanat Groß-Gerou, zu übertragen.

** Arbeitsämter. Die Errichtung eineß städtisch en Arbeitsamtes zu Mainz beschäftigte am Donnerstag den jurtst ichen Ausschuß. Die Regierung in Darmstadt hatte dem von Mainz eingereichten Statut die Genehmigung ver­sagt, während inzwischen die Statuten der Städte Worms und Gießen genehmigt wurden, obgleich das Gießener Statut den sogen. Strikeparagraphen enthält, der in dem Mainzer Statut fehlte. Der juristische Ausschuß zu Mainz will nun das Gießener Statut auch für Mainz accrptiren und es dem Ministerium zur Genehmigung empfehlen.

Siebener Stadttheater. Eine angenehme Unterhal- tung wurde uns gestern Abend in dem LustspielTilli" von F. Stahl geboten. Die recht dünne Handlung, auf- geputzt mit einigen guten Einfällen, beanspruchte die ganze Geschicklichkeit deS Autors, um sie durch 4 Acte zu einem etwas befriedigenden Schluß zu ziehen. lohnt nicht der Mühe, auf dieselben näher einzugehen. Die Heldin des Abends war die als Gästin auftretende Fräul. Gieseke vom Frankfurter Stadttheater, welche als Vertreterin der Titelrolle ganz allerliebst war, und durch ihr Spiel die An­wesenden entzückte und zu lebhaften Betfallßbezeugungen ver­anlaßte. Auch alle übrigen Mitwirkenden zeichneten fich durch gutes Spiel aus und participirten an dem reichlich gespen­deten Applaus des diesmal besser besuchten Hauses. Hoffent­lich sehen die beiden SonntagSoorstellungen ein volles HauS.

* Siebener Stadttheater. Wie bereits au dieser Stelle bemerkt wurde, findet Sonntag, Nachmittags 4 Uhr eine Kindervorstellung" zu kleinen Preisen statt, für welche BilletS im Vorverkauf ebenfalls bei Herrn Ernst Challier zu haben sind. Abends 8 Uhr geht Adolf L'Srronge'S be­liebtes VolksstückMein Leopold" in Scene. Montag wird daß LustspielMauerblümchen", welches bei der ersten Auf­führung vor acht Tagen einen durchschlagenden Erfolg er­zielte, wiederholt.

Verein zur Züchtung reiner Hunderassen. Die von dem jungen Verein projectirte Schau für Hunde oller Rassen auf derSchönen Aussicht" hat eine unerwartet günstige Aufnahme seitens der Jutereffenten gefunden, sodaß eine Zahl von über 80 Hunden der verschiedensten Raffen angemeldet worden ist. Diese Zahl wäre entschieden noch höher geworden, wenn die verspätet gemeldeten Exemplare noch hätten angenommen werden können, was jedoch mit Rücksicht aus etnt übersichtliche Catalogifiruag sowie anderer Umstände halber nicht angängig war. SS ist in ausgiebigster Weise und mit minutiöser Sorgfalt für alle Eventualitäten

g gt worden, und werden Jntereffeuten, Senner wie Richt- Sender sicherlich zufrieden gestellt sein. Zu erwähnen noch, daß über 20, zum Thell sehr schöne Preise gestiftet wurden, sodaß fich also für gute Exemplare die Ausstellung lucrativ gestalten wird. Der Schliefplatz auf derSchöns Aussicht" darf mustergültig genannt werden, und ist. wen. nicht der schönste, einer der schönsten in Deutschland, einer der geräumigsten ist er sicher. Hoffentlich begünstigt ri gutes Wetter das BeretnSfest.

Der Sre»zplatz hat mit Fertigstellung des Golder, beiter Brück'schen Hauses eine Zierde erhallen, he würdig an die Seite bereits tu den letzten Jahren in Gieße, erstandener Neubauten gestellt werden kann. Der In oflti Theilen stilgerecht ausgeführte Neubau zeigt die Vorzüge t(: leider in unserer Stadt nur ausnahmsweise zugelassener ' Holzconstrnction in vollendetster Weise und läßt den Beschalle: fast erstaunen über die Lösung der dem Archllekten gefUIln, Ausgabe, auf verhältnißmäßig kleinem Raume nicht nur nwai nach außen Bestechende« zu schaffen, sondern auch blt hmert Einrichtung so zu treffen, daß sie den Anforderungen avGe- schäftS- und Wohnräume entsprechen. Dem künstletts-Ler Eindruck, den das Gebäude macht, entspricht auch die 8d. : läge und Anordnung der Schaufenster wie die innere tt» richtung deS Ladens. Indem wir unsere Leser auf die ta heutigen Nr. beiliegende Geschäftsanzeige des Herrn aufmerksam machen, empfehlen wir ihnen die Besichtige, deS in jeder Hinsicht geschmackvollen HauseS nebst Laden

Die «ctienbrauerei Sieben hat der großen Zabl itre: Abnehmer eine Aufmerksamkeit dadurch erwiesen, daß fte ihnen ein Fahrplanheftchen übersandt und zur 8er fügung gestellt hat, welches die Fahrpläne aller für bief:.. vinz Oberheffen in Frage kommenden Routen enthält, ta zierliche Umschlag deS Büchleins bringt Auszüge aetliter Gutachten, welche ein überaus ehrendes Zengniß oblegen von der ungewöhnlichen Güte aller Erzeugniffe der ®taueir.

** Aeldbrand. Heute vormittags 9 Uhr brannten irr große Strshhaufen in der Schwarzlach, dem Oeconom t_:i gehörig, ab, welche durch zwei 6 und 8 Jahre alle fttnlei angefteckt wurden. DaS Stroh war versichert.

Einbruch. In verflossener Nacht wurde daß Wann Häuschen am Neustädterthor erbrochen und daraus zwei R hu Cigarren und einige Zuckerwaaren gestohlen. Die Raflt worauf die Diebe abgesehen hatten, fanden sie leer.

Zu Amerika verstorbene Heffen. Belleville, Jll., ftn. Elise Grummelß, 71 Jahre alt, auß Lauterbach. Zhe boygan, WiS., Frau Maria Margaretha Decheut 37 Jahre alt, auß Heffen Darmstadt. Towo Sheboygan Frau Wittwe B arbara H ep f,. 74 Jahre all, aus Worms. Pittßburg, Pa., Frau Carolina Weidmann geb. Ret 59 Jahre alt, auß Frankenhausen, vanburen Townshi, Hancock County, O., Frau Elisabetha Schmidt, 31 Jahn alt, auß Brandau. Milwaukee, WiS., Frau Amalie Kropp 69 Jahre alt, auß Heffeu-Darmstadt. Daselbst: Stfl muni Seligm ann, 65 Jahre alt, auß HeideShetm.

Friedberg, 6. October. Heute Morgen traf ein M schöner starker Hirsch, ein ungleicher Zehnender, aus Ch preußen hier ein, der im Auftrag deS Jagdpächters taube aus Frankfurt im Roßbacher Wald außgesetzt werden soll.

Kanlstotz, 6. October. Am 4. d. M. schoß Jagdpöchm Jöckel in Kaulstoß eine starke wilde Katze männlichen Ö<- schlecht-, ein wahres Prachtexemplar mit vorzügliche» tMi-

A «nS dem Ohmthal, 9. October. Zum Heil der Van.-- wirtschaft ist der seitherige Verlauf beß Dctobetwetterß der denkbar günstigste. Als ob uns die Sonne ned in guterletzt entschädigen wollte für die Unbilden bei 6omrer#, spenbet sie eine gerabezu sommerliche Wärme, die zav> < vorgerückte Jahreßzeit vergeffen läßt. Wer nicht tt mit bem Grummetmachen gehabt hat, bringt dasselbe it|t noch in bester Qualität in die Scheuer. Daß KornsLea läz: fich ebenfalls recht gut bewerkstelligen, bte nassen 1«^» trocknen recht gut ab, eine Vorbedingung zur guten Snluai- Bon großem Bortheil sür die Kartoffeln ist daß trodeot Einbringen, wie jetzt geschieht, in die Keller. Da netz der Nähe beß Galluß, ber ur.ß vor zwei Jahren schon Stcrc brachte, noch keine einzige Frostnacht gewesen ist, fo steht be Wald noch dichtbelaubt da und selbst die herbstliche FäibusD desselben zeigt fich nur in ihren Anfängen. Ein sehr leiten* Vorkommen um diese Zeit ist das Grünblelben der sonst absterbenden Bohnen und somit der jetzt noch wachlecke» jungen Bohnen. Bohnengemüse von im October gepstüdtem Bohnen gegeffea zu haben, können wir unß außer btt em Jahre thatsächlich nicht erinnern. Daß sommerliche Hettt- wetter macht vieleß gut, maß die voranßgehende Rezw- Periode geschädigt hatte.

Darmstadt, 9. October. Zur Ankunft des russ^ch KatserpaareS morgen bietet schon heute Abend die Bio» namentlich die Neustadt, ein recht farbenreiches und wlrkanz volles Bild in dem vielen Schmuck der Straßen, Plätze cl Häuser. Eine Via triumphalia führt vom Ma n-Red-r Bahnhof durch die Rhein- und Wtlhelminenstraße zvw 1 Palais, wo der Kaiser und die Kaiserin Wohnung nehwt^ Am Rheinthor erhebt fich, wie vor zwei Jahren bei» t» zug deS Neuvermählten Großherzogpaares, aber pratt'^ und geschmackvoller als damals, eine vom Stadtbauamt worfene Ehrenpforte mit reichster Gliederung, bas ®°n,t bunter Marmorimitation gehalten und oben von einer ' kuppel, wie sie im rusfischen Baustyl Üblich find, mit und Kreuz geklönt. DaS Bauwerk findet ungethetlteo fall. In der Rhemstraße ist ein schier °ugensch»irren^ Gemenge von Fahnen, Fähnchen, Wappen, Gott a Klänzen tc. als Decoratlonsobjecte zu erblicken, ahn » Platze, der daS Monument trägt, und in der »tlptia ftraße. Am gesteigerten Verkehr in den festlich Straßen waren auch viele bereits emgetroffene Lu ® beteiligt, um, wie die hiesigen, als gute Heffen die g - Fürstentochter, die jetzt den Thron deS lnächngen> ro« Reiches mit ihrem Gemahl thellt, wieder zu bcgniB ihr jn huldigen.

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