noch am späten Abend einen Offizier, einen Feldwebel und 13 Manu de» Garde-Jäger Bataillon» nach Schloß Gliethcke al» Wache beorderte, die alle AuSgänge zum Schloß besetzen mußte. Die Wache wurde bi» Donnerstag Nachmittag 2 Uhr aus Schloß Glienicke unterhalten und dann, also nach fünfTageu, zurückgezogen. E» ist überhaupt beim Kaiser die Neigung der Prinzessin Friedrich Leopold, allein mit ihrer Hofdame weitere Schlittschuh - Excursionen zu unternehmen, übel vermerkt worden. Nach dem Unfall ließ die Kaiserin ihre Schwester dies ebenfalls dadurch fühlen, daß sie einen Besuch derselben nicht annahm.
Wie». 5. Januar. Nach einer Meldung des „Wiener Tageblatt" soll sich Fürst Franz Auersperg vor seinen Gläubigern aus Wi en geflüchtet haben. Die Schulden des Fürsten sollen sich auf etwa •/< Millionen Gulden belaufen. Angeblich hat sich der Fürst, in deffen Begleitung sich eine Chansonette-Sängerin befinden soll, nach Berlin begeben.
Loudon, 5. Januar. Die hiesigen Socialisten bereiten eine Demonstration gegen die Chartered Company vor. Wie verlautet, ließ Präsident Krüger in Johannesburg eine allgemeine Entwaffnung der dortigen Fremden vornehmen. Daß spärliche Einlaufen zuverlässiger Nachrichten au» Johannesburg erregt in hiefigen RegieruvgS- k-eisen großes Unbehagen.
Loudou, 5. Januar. Die Zeitungen in Kapstadt bringen nunmehr Details über das Gefecht bet Krüger»- dorp. Aus den Berichten ist zu ersehen, daß unter den Gesallenen und Verwundeten sich viele englische Hochadlige befanden.
Loudon, 6. Januar. Dr. Jameson wird, wie bestätigt wird, vor em Kriegsgericht gestellt werden. Die Intervention, welche von englischer Seite zu Gunsten JamesonS erhoben wurde, ist von dem Präsidenten Krüger categorisch zurückgewiesen worden.
WB. Berlin, 6. Januar. Der Kaiser empfängt heute Mittag 1 Uhr im Neuen Palat» den StaatSsecretär der Südafrikanischen Republik, LeydS.
totales ttnfr prooiHjUUcs,
Sieben, 6. Januar 1896.
*• Sitzung der Großh. Handelskammer vo« 23. Deeemder 1896. Anwesend die Herren: Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Hombergcr, Klingspor, Kcaatz, Wortmann. Ein Antrag der Handelskammer zu Lennep, bei dem preußischen Herrn Minister für öffentliche Arbeiten auf Einführung sog. Kilometer- Hefte nach dem Vorbild der in Baden seit 1. Mai 1895 bestehenden Einrichtungen soll unterstützt werden. — Im Anschluß an den Jahresbericht pro 1893/94 richtete die Kammer nachstehendes Schreiben an verschiedene Behörden rc.: „Bon Großh. Bürgermeisterei Gießen wird uns bedeutet, daß die auf Seite 11—12 unseres Jahresberichts pro 1893/94 w edergegebene abfällige Kritik über die Urtheile der Ge- wcrbegerichte der Auffassung Raum lasse, als beziehe sich dieselbe auch auf das hiesige Institut dieser Art. Dem gegenüber erklären wir, daß an der erwähnten Berichtsstelle nur •oiie Auslassungen Platz gefunden, welche der CentralauSschuß l' smännischer, gewerblicher und industrieller Vereine in Berlin, in Vertretung von 19 größeren wirrhschaftlichen Verbänden, zu Begründung seiner Eingabe an den Herrn Reichskanzler zw:ckS Reformirung der §§ 55 und 56 des GewerbegerichtS- gesetzeS für dienlich erachtete. Bet unserem prinzipiellen Ein- verständniß mit der in der Begründung ntedergclegten Tendenz haben wir dem an unS gerichteten Ersuchen um Unterstützung bereitwilligst entsprochen. Unerwähnt Haden wir bei dieser Gelegenheit gelassen die Constatirung der Thatsachr, daß sich seit Einführung heß hiefigen GewerbcgerichtS Anlaß zu Beschwerden überhaupt nicht ergaben, die Wirksamkeit desselben vielmehr bis jetzt als eine in jeder Beziehung befriedigende zu bezeichnen ist." — Für die Zukunft sollen die Jahresberichte alljährlich, nicht wie bisher nur alle zwei Jahre, erstattet werden.
*• Erledigte Lehrerftellen. Erledigt find : die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindcschule zu Bodenrod, Kreis Friedberg, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organisten- und Vorleser- d-enst verbunden- eine mit einem evang.Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu WolfShetm, Kreis Oppenheim, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk. Mit der Stelle ist Kirchendienst verbunden- eine mit einem evang. L<hrer zu besetzende Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Burg-Gemündrn, KceiS AlSfrld, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organtstendtenft ver- bunden- eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer- stille an der Gemeindeschule zu Dudenhofen, Kr. Offenbach, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk. - die mit einem kath. Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Mörlenbach, Kreis H-ppenheim, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mk. Dem betreffenden Lehrer kann der Organistendienst übertragen werden. Dem kath. Pfarrer und dem OrtSoorstand von Mörlenbach steht da» Präseu- tattonSrecht zu der Stelle zu- eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu GaulS- heim, Kreis Bingen, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistend enst verbunden.
*♦ SolM- mb Wmter-Schwimmbad. Die Bolks-Ber- fammlung, deren Tagesordnung die Errichtung eine» Volk»- und Winterschwimmbade» in Gießen zum Gegenstand hatte, fand gestern Nachmittag 4«/, Uhr im „Einhorn" unter zahl- reicher Betheiligung und unter dem Borfitz des Herrn Kreisarzt und Medizinalrath Dr. Haberkorn statt. Der Vorsitzende leitete die Versammlung mit einem Hinweis auf die Bedeutung einer rationellen Hautpflege durch die Bäder ein, hervorhebend, daß Gießen ein besonders günstiger Ort zur Errichtung eine» WinterbadeS fei, weil hier da» Badededürfniß, angeregt durch die Badegelegenheit in der Lahn «ährend der Sommer
monate, vorhanden sei- er kennzeichnete den Unterschied in | der Einwirkung der verschiedenen Badeformen auf den meusch | lichen Körper, und bezeichnete als Ideal das Volksbad, l weil eß Jederman zugänglich sein und denselben Zweck er- I füllen solle wie daß Flußbad. Die Nothwendigkeit der Er- richiung eineß Volksbade» bezeichnete Herr Dr. Haberkorn als vorhanden angesichts deß Umstande», daß mit Einfüh- I rung der Abfälle der Stadt Marburg in die Lahn und anderer Zuflüsse jedenfall» wahrend niedrigeren WafferstandeS ein Lahnbad nicht immer die wünfchenSwerthe ^erfrischende und stärkende Wirkung haben werde, weil der zu den Bestand- theilen des Wassers gehörige Sauerstoff durch in die Lahn geleitete Abfälle schon verbraucht sei. Darnach solle daS BolkSbad bieten: Brausebäder, Schwimmbäder und Wannenbäder. — Hierauf hielt Herr Baumeister Wolff au» Halle a. d. S. den angekündigten Vortrag über die Errichtung eine» Volk »° und Winter-Schwimmbad es. Der Vortragende gab zunächst einen kurzen geschichtlichen Ueberblick über frühere Badeeinrichtungen und über die allmählige Vernachlässigung im Gebrauch der Bäder, und bezeichnete England als daß Land, welcheß bahnbrechend zur Wiederbelebung deß Badebedürfnisse» auß gesundheitlichen Gründen vorgegangen sei, indem cß die ersten Schwimm- bäder errichtete. Daß erste Schwimmbad in Deutschland erstand I in Magdeburg vor ungefähr 35 Jahren, cß folgten Bremen, I Hauover, Leipzig, Zittau, Dortmund u. s. w., so daß biß fetzt in ungefähr 50 Städten Schwimmbäder bestehen. Herr Wolff gab hierauf an der Hand von Plänen eine eingehende Be- schreibung über die innere Einrichtung einiger bestehender Dolkßbäder und stellte eß al» ersten Grundsatz bei Anlage solcher hin, daß die Bäder allen Bevölkerungsklaffen zugäug- lich gemacht, demnach billig zu verabfolgen seien, daß besou- der» die Schwimmbäder biß Abend» 10 Uhr geöffnet bleiben, um der arbeitenden Bevölkerung die Möglichkeit zu deren Benutzung zu geben; letztere» sei nicht nur vom Standpunkte der Humanität aus anzustreben, sondern auch von dem der Rentabilität- weiter sei Rücksicht auf die Frauen zu nehmen, und für sie besondere Stunden zur Benutzung der Schwimmbäder einzurichten - die Anlage solle möglichst übersichtlich sein, damit mit wenig Personal auszukornmen sei. Als verhält- nißmäßtg billigste Art der Wasserversorgung bezeichnet Herr Wolff diejenige mittelst Brunnen- der Maximalwafferstand de» Schwimmbassins könne auf 2*/a bis 3 Meter fahrt werden. Angestellte Berechnungen haben ergeben, daß pro Bad 1,5 biß 1,8 cbm Wasser, 2—2,6 Kgr. Steinkohlen oder 6 bi» 7 Kgr. Braunkohlen nöthig seien. Die Benutzung der Bäder betrage in den biß jetzt bestehenden Anstalten durchschnittlich ährlich 215 Proc. der Bevölkerung der betr. Städte, in kleineren Städten sei der Durchschnittssatz etwas höher- auch komme ein Unterschied tu der Benutzung zum Ausdruck zwi- chen den an Flüssen gelegenen Städten und solchen, die der Flüsse entbehren- in ersteren sei die Benutzung größer, weil die Gelegenheit zum Baden im Sommer da» Bedürfniß dazu im Winter erzeuge. — Dem Bortrage folgte eine leb» haste Besprechung, an welcher sich die Herren Professor Dr. B u ch n c r, Medicinalrath Dr. Haber kor n, Rechtsanwalt Dr. Fuhr, Stadtbaumeister Schm and t, Prof. Dr. Gasfsky, Kaufmann Krumm, Pfarrer Bangel, Kaufmann Bräu» tigam, Oberbürgermeister Gnauth, Gymnasiallehrer Hartmann usw. beteiligten. Auf die von Herrn Professor Buchner gestellte Anfrage, wie hoch sich die Kosten eine» solchen Volksbades stellen würden, entgegnete Herr Wolff, daß sich ohne ein ausführliches Progrcmm der Kostenbetrag nicht feststellen tafle, da die Bethältnisse In Bezug auf Grund- erwerbung, Wasserversorgung u. s. w. sehr verschieden seien - ein ungefähres Urtheil ließe sich indeß fällen durch Angabe der Kosten, welche der Bau von Volksbädern in anderen Städten erforderte-so habe daSBad zu Lennep bei 10,000 Ein» wohnern 75,000 Mk., zu Bremerhaven btt 17,000 Einwohnern 120,000 Mk., Paderborn (19,000 Einw.) 80000 Mk., Heilbronn (31,000 Einwohner) 250,000 Mk., Hildesheim ! (33,000 Einw.) 120,000 Mk., Offenbach (35,000 Einw.) 165,000 Mk., Hagen (39,000 Einw.) 150,000 Mk., Bran- benburg 100,000 Mk. gekostet. — Herr Medicinalrath Dr. Haberkorn vertrat die Meinung, daß in Gießen die Verhältniffe günstig feien, da Waffer und Boden billig sei. Herr Rechtsanwalt Dr. Fuhr empfahl, nachdem er einige Mittheilungen über bereits früher unternommene Schritte zu einem Privatunternehmcn gemacht, daß sich die Versammlung zu einem großen Comitö zusammenschließen und zunächst ergründen möge, wie viel Theilnehmer sich finden- er habe die Zuversicht, daß sich eine Anstalt mit Schwimm» bad rentire, wenn auch gerade nicht im ersten Jahre, denn baß Bedürfniß, baß übrigen» nach der Frequenz der Lahnbäder zu urtheilen, zu einem guten Theil schon vor- Händen, müffe sich erst einstellen. ES möge eine Liste in Umlauf gesetzt und ein einmaliger Beitrag von 1 Mk. zur Bestreitung der vorläufigen Kosten erbeten werden- die Versammlung wolle ferner einen engeren Arbeitsausschuß wählen, welcher einer späteren Versammlung Bericht erstatten solle - er bitte, in allen Kreisen für die Sache zu wirken, dann werde eS nicht schwer fallen, da» Baucapital zusammen zu bringen. Die Versammlung einigte sich nach weiteren Erörterungen, auf die w r wegen Raummangel nicht näher eingehen können, die aber recht beherzigenSwerthe Gesicht», punkte zu Tage förderten, zu folgender Resolution:
„Die im „Hotel Einhorn" tagende Volksversammlung erkennt an, daß die Errichtung eine» VolksbabeS in der von dem Vortragenden geschilderten Art für unsere Stadt ein dringendes Bebürfntß ist und beauftragt einen alsbald zu wählenden Ausschuß mit der Inangriffnahme der zur Schaffung eine» solchen Bade» erforderlichen Erhebungen und Vorarbeiten und mit Feststellung der Art und Weise, in welcher für Gießen der angeregte Gedanke zur Ber- wirkltchnng gebracht werden kann."
Der provisorischen Bereinigung traten mit Zeichnung eine» Beitrags von je 1 Mk. ca. 90 Herren bei. Weiter wurde beschlossen, fofort einen Ausschuß einznsetzen, bezw. den bereit»
bestehenden provisorischen zu erweitern. ES wurden danach t rch Zuruf zu Mitgliedern be» Ausschüsse» ernannt die Herren: Geh. Hofrath Professor Oncken, Rechtsanwalt Dr. Fuhr, Kreisarzt Dr. Haberkorn, Prof. Dr. Gaffky, Oberbürgermeister Gnauth, KreiSingenieur Stahl, &tabtbau» meister Schmanbt, Gaswerksdirector Bergen, dorn- merzienrath Heiligenstaedt, CustoS Dr. Heuser, Kaufmann Schlüter, Kaufmann Bräutigam, Stabtvcrord- neter Orbig, Fabrikant Schaffstaedt, Kaufmann Emst Balser, Eisenbahnsecretär Mar golf, Fabrikant R e i d e r, Schneidermeister Pfaff, Schneidermeister Sperber, Stadt- verordneter H a u b a ch , Schuhmachermeister Herbert, Weinhändler Helm, Kaufmann Otto Schaaf, Kaufmann Habe- nicht, Schuhmacher Baum, Schneidermeister Hch. Leib. Dieser Ausschuß conftituirte sich alsbald und ernannte zum 1. Vorsitzenden Herrn Rechtsanwalt Dr. Fuhr, zum Stell- Vertreter desselben Herrn Kreisarzt Medicinalrath Dr. Haber- ko r n, zum 1. Schriftführer Herrn Bibliothek» - Lusto» Dr. Heuser, zu dessen Vertreter Herrn Buchbindermeister Ernst Balser und zum Rechner Herrn Stadtverordneten Kaufmann Th. H a u b a ch. Behufs Gewinnung weiterer Mitglieder, die zur Bestreitung der ersten Kosten einen Beitrag von 1 Mk. zu leisten haben, werden demnächst Listen in Circulation gesetzt, die sich hoffentlich noch recht zahlreich mit Unterschriften bedecken werden.
• * Das Festspiel „Sold, Weihrauch und Myrrhen". welches gestern zum zweiten Mal in Scene ging und bereits bei feiner ersten Aufführung am ersten Weihnachtsfeiertage vielen Beifall fand, war Überaus zahlreich besucht. Die Wiedergabe de» Spiels war eine vorzügliche. Jedenfalls erübrigt die Vorstellung einen erheblichen Betrag für mildthätige Zwecke.
• • Maskenball. Der durch seine vorzüglichen Gesang». Vorträge wie trefflichen Arrangements bei Maskenbällen rühmlichst bekannte „Bauer'sche Gesangverein" hält Sonntag den 26. Januar d. I. im Festsaale des „Casö Leib" seinen Maskenball, auf welchem prächtige Gruppen, komische Intermezzos rc. rc. aufgeführt werden, ab. Wir können, nach den getroffenen Vorbereitungen zu urtheilen, auch dies- mal allen Besuchern einige recht vergnügte Stunden in Aussicht stellen.
• * Gießener Rndsahrerverein „Die Wanderer". Dieser erst kürzlich gegründete sportliche Verein hat schnell eine stattliche Zahl Mitglieder erworben, darunter unsere leistnngS- fähigsten Fahrer und beabsichtigt am 16. d. M. im „Hotel Einhorn" einen Commers zu veranstalten.
* * Verlobung der Stummen. In der vergangenen Woche gab eß in einer der neuen Straßen be» Süden» unserer Stadt unter den zahlreichen Paffanten ein geheimniß- volle» Gethue und Gezische, dieselben verschwanden in eineß der Häuser, auß dem sie gar bald -urückkamen, um mit neuen Ankömmlingen wieder in ihrer lautlosen Art sich zu unterhalten. Der Uneingeweihte, welcher tagßübcr die» merkwürdige Treiben beobachtete, konnte auf den Gedanken kommen, daß eß sich hier in unserem lieben Gießen möglicherweise um eine anarchistische Verbindung handle. Um eine Verbindung handelte eß sich hier thatsächlich, die allerding» Gott Amor zu Wege gebracht hatte. Ein junges Menschen- paar, beide taubstumm, feierte nämlich an dem Tage feine Verlobung in der Wohnung des Vater» der Braut, welcher ebenfalls taubstumm ist. Alle Leidensgenoffen de» Brautpaare» auß der Stadt und Umgegend waren gekommen, um dem jungen j Paar zwar ihre Glückwünsche nicht außzusprrchen — aber doch in ihrer Weise nicht minder herzlich zum Ausdruck zu bringen.
• * Befitzwechsel. Die Firma Birkenstock u. Schneider verkaufte ihr Ecke Westanlage und Schanzenstraße neu er- baute» Wohnhaus an Herrn Moritz Strauß, Theilhaber der Firma Goldenberg u. Markus, für den Preis von 63,000 Mk., jedoch ist Bedingung hierbei, daß die Verkäufer auf dem Grundstück noch einen Speicher erbauen.
* * Einbrecher Dunkel. Der berüchtigte Einbrecher Dunkel plante, wie der „Mainz. Anz." meldet, Ende vorvoriger Woche tm Landeszuchthause Marien schloß wieder einmal einen Ausbruch. Gr steckte nämlich einem Mitgefangenen, der ebenfalls Schneider ist, während de» Spaziergange» einen Zettel zu, auf welchem er schrieb, daß sie gemeinschaftlich auSbrechen wollten. Sein Pian ging dahin, wenn der Beschließer die Zelle öffnen würde, denselben niederzuschlagen, ihm daß Halstuch in den Mund zu stecken, sodann dessen Dienstrock anzuziehen und die Schlüssel zu nehmen, um den Anderen zu befreien. Sodann sollte Einer von ihnen zwei Eimer nehmen, und den Befreiten al» Gefangenwärter in den Hof führen, und zwar bi» an die Mauer Hier sollten die Eimer aufeinander gestellt werden und so zur Flucht verhelfen. Dunkel schrieb, das sei sein Fluchtplan, nun sollte der Mitgefangene den seinen tmttheilen. Nachher wollten sie außloosen, wer die That gegen den Beschließer begehen müßte. Der Plan sollte an dem Tage zur Au»
I iührung gelangen, an welchem die 118er von den 116ern abgelöst werden und somit die Wachmannschaft der letzteren die Beschließer noch nicht kennen wurde. Dunkel wurde jedoch beim Ueberretchen de» Zettel» von einem Be- schließet beobachtet und jetzt wieder an Retten geschlossen.
* Darf man ans dem Belsctped rauchen k Diese Frage wird von fachmännischer Sehe wie folgt beantwortet: Un- streitbar ist daß Tabakrauchen ungesund, wenn man zu „Rade" ist. Je stärker der Tabak ist, desto schädlicher ist er. Der Grund ist der, daß da» Nicotin ein Stoff ist, welcher die Thätigkeit de» Herzen» ganz bedeutend herabsetzt. Bei der Ausübung be» Ratfahrsport» aber hat baß Herz eine ziemlich beträchtliche Arbeit zu leisten, besonber» wenn eß bergauf geht ober wenn man fehr schnell sährt, unb folglich muß hier alles baß, wa» den Herzbruck herabsetzt, schädlich fern. Außerbem hat der Tabak noch eine andere Wirkung: Er verletzt die Nerven in eine Art ErschlaffungSzuftand. Diese Gründe müffen für einen Radfahrer, wenn er sich im Sattel befindet, bestimmend fein, sich be» Tabak» zu enthalten ober I sich doch höchsten» von Zeit zu Zeit einmal eine ganz leichte


