Beispielsweise äußerte sich Herr v. Kardorff in diesem Sinne in der ReichStagßsitzung Pom 6. April 1894.
Heber die (Ergebnisse der Limesuntersuchungeu im Jahr 1895, mit besonderer Berücksichtigung der
Odeuwaldliuie-
Bort rag, gehalten von Herrn Geh. Oberschulrath Sold an von Darmstadt in der Sitzung des Oberhessischen Geschichts- vereinS vom 28. Februar.
Nachdem der Borfitzende des Vereins, Herr Profesior Dr. Buchner, die zahlreich erschteneuen Mitglieder und Gaste begrüßt hat, nimmt Herr Geheimerath Solüan das Wort.
Er gibt zunächst ein kurzes Bild von dem Lauf jener römischen Linie, die südlich bei Hinheim an der Donau beginnt, von da nordwestlich biS Gunzenhausen an der Altmühl zieht, westsüdwestlich dir in die Gegend von Lorch unweit des Hohenstaufen umbtegt, dann in nahezu nördlicher Richtung meist gradelaufend bei Miltenberg den Main trifft, bei Groß-Krotzenburg den Main verläßt, bei Grüniugen (Pohl- GönS, d. i. ,,Pfahl"-GönS) Gießen nahekommt, dann in einem großen, nach Norden geöffneten Bogen Butzbach, Langenhain, den Winterftein — weiterhin EaperSburg und Saalburg in sich begreifend —, Langenschwalbach und EmS berührt, um sodann nordwestlich fich dem Rhein zu nähern, der von ihr zwischen Hönningen und Rheinbrohl getroffen wird. Von dieser vorderen Linie ist auf eine große Strecke eine hintere zu unterscheiden. Sic beginnt in der Gegend von Cannstatt. Von hier bis Wimpfen bildet der Neckar die Grenzlinie. Von Wimpfen bis zum badischen Städtchen Schlotzau verläuft fie gradlinig und bleibt nun auf der Höhe des Kamm», den Windungen deffelben zwischen Mümling und Jtterbach auf der einen und Mudau und Main auf der anderen Seite folgend, bis Wörth a. M., wo fie dann die vordere Linie erreicht.
Während die vordere Linie aus einzelnen größeren Kastellen und aus der eigentlichen LimeSltnie besteht, die fich im Süden als Mauer, von Lorch, nordwärts im Wesentlichen als Wall und Graben darstellt, wozu noch Thürmc und in deren Nähe liegende sogenannte Begleithügel und der feit drei Jahren bekannte kleine Graben kommen, unterscheidet sich die Hintere Linie in characteristischer Weise durch daö Nichtvorhandensein von Mauer und Erdwall und daS Dor- haadensein einer primitiven Verbindungsstraße.
Früher betrachtete man die ganze Anlage im Wesenr- lichen als ein zusammengehöriges Ganze. Aber schon seit Jahren kamen doch Einzelne zu der Ueberzeugung, daß mau die „Begleithügel" als etwas Besonderes herauSgreifen müffe. Bei der vom Reiche eingeleiteten Forschung ging die eigentliche kritische Untersuchung aus von dem vor diesen Hügeln hinziehenden Gräbchen, auf däS zuerst Domcapirular Mayer in Eichstätt auf der südlichen Linie aufmerksam wurde, daS zu Anfang der 80er Jahre von Profesior Wolff — damals Gymnasiallehrer in Hanau — auch nördlich von Groß- Krotzenburg aufgefunden wurde, in seiner Bedeutung und Beziehung zum LimeS jedoch noch unenträthselt blieb. Im Winter 1892/93 gelang eS dem Vortragenden, in einer Ausdehnung von etwa 3 Km. die gleiche Anlage im Taunus zu entdecken. Zum Zweck einer eventuellen Auffindung dieser und anderer Eigenthümlichkeiten bereiste er dann im Sommer 1893 in Gemeinschaft mit General v. Sarwey, veranlaßt von Profesior Mommsen, einen großen Theil des LimeS- gebiet», wo alsbald von Htnheim ab das von neueren Forschern geleugnete Gräbchen fich auf eine Strecke von 37 Km. verfolgen ließ. Es wurde dabei weiter bei Butzbach auf eine Strecke von 2 Km., südlich von Langenhain in einer Ausdehnung von etwa 300 Meter und ferner in der Nähe von Idstein dasielbe Gräbchen entdeckt. Bei der genaueren Untersuchung fand Baumeister Jacobi in Homburg darin eine eigenthllm- liehe AuSsteinung in der Form hochkantig gestellter Quarzitplatten und wies dieselbe sofort auf der ganzen Taunus- linie nach. Die weitere Nachforschung ergab für andere LimeSstrt^en ähnliche Erscheinungen, wobei allerdings das Profil deS Grabens fich nicht immer gleich zeigte. Jacobi vermuthetc in dem kleinen Graben die erste römische Reichs- grenze und ließ die darin aufgejundenen Kohlen und Scherben als Geheimzeichen gelten, wie sie noch heutigeStagS unter Grenzsteine gelegt werden. In neuem Licht ließ die Sache eine Entdeckung von Kohl Weißenburg erscheinen, der in dem Gräbchen Ueberrrfte von Pfählen mit Vi Meter Durchmesser fand, die — auS Kiefernholz — unten glatt abgeschnitten und einige Zentimeter voneinander entfernt waren.
Die kritische Untersuchung der „Begleithügel" blieb ebenso wie die deS Gräbchen» den Forschungen der Reichs- LimeS Commission Vorbehalten. Man hat diese Hügel so genannt, weil sie in der Regel in der Nähe eine» Steinthurm» angetroffen werden. Gewöhnlich sind diese 12 bi» 14 Meter im Durchschnitt messenden Hügel rund tiüfc von einem theil» flachen, theil» tiefen kreisförmigen Graben umzogen," seltner bestehen sie auS einer viereckigen Plattform mit zugehörigem viereckten Graben. Nach älterer Ansicht sollten auf den — deswegen auch „Brandhügel" genannten — Hügeln Holzstöße für Feuerfignale aufgesetzt worden fein. AIS der Vortragende im Winter 1892/93 den TaunuSlime» beging, fiel ihm auf, daß die Hügel, wie auch Jacobi annahm, älter fein müßten und nicht nach sonstiger Annahme jünger als der Lime», da sie an einzelnen Stellen, wo dieser die Gestalt einer Mauer hat, von der Mauer durchschnitten, an anderen Stellen vom LirneSwall angeschnitten werden. Sie stellen also eine ältere Anlage dar, die bei der Anlegung der Mauer- ober Walll'nie nicht beseitigt wurde. Die bayrische Strecke ergab dasselbe Resultat: häufig wird der Hügel von der Teufelsmauer durchschnitten; an einzelnen Stellen ist er vollständig nördlich von der TeufelSmauer, nie aber nördlich de» Gräbchen». Im Sommer 1894 wurde auf de» Redner» Antrag eine genaue Untersuchung dieser Hügel beschlossen und er und Jacobi
| damit beauftragt. Baumeister Jacobi sand noch im ' Herbste 1894 in jedem der Hügel vier Löcher von viereckiger Form mit 30—35 Ctm. Durchmesser und bi» zu l3/i Meter Tiefe, die augen'cheinlich vier Pfosten enthalten hatten. Er faßte auf Grund seiner sehr eingehenden Unter- suchungen die Hügel mit den Pfostenlächern all die ersten Fixpunkte der vermeffungSpolygoae auf.
Von wesentlicher Bedeutung waren die im Jahr 1895 an verschiedenen Stellen angestellten Untersuchungen : — soweit e» Hessen betrifft, die von den Herren Geheimerath Soldan und Dr. Anthe» im östlichen Odenwald in der Gegend von Waldleiningen vorgenommenen Ausgrabungen. Dort auf der idyllischen Jägerwiefe in der Einsenkung zwischen Hohenbuckel und Kahlenbuckel fanden Beide ein kleine» Castell, desieu Bloßlegung au» SchonuagSrücksichten unterbleiben mußte, von 1 Meter Mauerstärke und 15 bi» 20 Meter im Quadrat von auffallend schöner Construction, mit sorgsältigft behauenen Quadersteinen. Nördlich, auf dem sogen. Kahlenbuckel, finden sich zwei von Rundgräben umschloffene Begleithügel von 20, beziehungsweise 21 Meter Durchmesser: innen mit viereckiger Steinsetzung auS Trockenmauerwerk von 5 und 53/* Meter im Quadrat und aUSgesparten Ecken: an deren Stelle in der schon bemerkten Art scharf rechtwinklige Löcher von 30 bi» 40 Ctm. Durchmesser und U/g biß l3/, Meter Tiefe. Nicht weit davon nördlich liegt der noch */, Meter über den Boden ragende Thurm au» Mörtelmauerwerk, in desien Nähe vor zwölf Jahren ein Jnschriftstein gefunden wurde, der wie zwei an anderer Stelle gefundene auS dem Jahre 145 oder 146, also au» der Zeit de» AntoninuS Piu», stammt. In einem Abstand von 30 Meter fand sich der Grenzgraben: unten mit senkrecht abfallenden Wänden, oben trichterförmig verbreitert. Zwischen ben 25 bi» 30 Ctm. von einander entfernten bochgestellten Steinplättchen fanden sich Kohlenreste mit der Holzfaser nach oben, die unmöglich al» Geheimzeichen eine» Feldmesse.S aufgefaßt werden konnten, sondern zweifellos al» die Ueberreste angekohlter Palissadenpfähle gelten mußten. In der Nähe ließ sich die Römerstraße erkennen. Aus dem Hohenbuckel 1 Km. nördlich bei Hesielbach findet sich ein einzelner Hügel der vorgenannten Art mit der etwas größeren Steinsetzung von 6,10 Meter im Geviert und in desien Nähe ein Mörtel- thurrn, wieder auS sorgsam bearbeiteten kleinen Sandsteinquadern hergestellt. Daß diese Thürme nicht bi» zum Dach auS Stein waren, ließ die jedenfalls noch nicht an= getastete Masse der Steine erkennen, die auf eine frühere Höhe de» Steinbaus von nur 3,3 Meter schließen läßt. Der Graben mit senkrechten Steinplatten und mit Kohlenresten fand sich auch hier, ebenso die Straße. Nördlich von Hesselbach kommt daS von Hofrath Ko fier auSgegrabene Castell mit ca. 90 Meter im Quadrat und weiter nördlich al» nächste Station in einem Fichtenwald ein 1 Meter über dem Boden erhaltener Thurm von 1 Meter Mauerdicke und 4,80 Meter Seitenlänae - außerdem ein BrgleithÜgel, dessen innerer Raum durch Brandschutt auf frühere Bewohnung schließen ließ. Nahe der hier 7 (sonst gewöhnlich nur 5) Meter breiten Römerstraße zeigte fich der Palissadengraben mit 1^ Meter Tiefe, 8 bis 10 Ctm. von einander entfernten Kohlenlöchern, die eine Pfahlstärke von 25 dis 30 Ctm. ergaben; statt der Steinverbindung waren hier auf einer Strecke von 500 biß 600 Meter die Zwischenräume durch in feuchtem Zustand gestampften Sand ausgesüllt. Eine ähnliche Anlage zeigte sich weiter nördlich: wiederein graben- umgebener Hügel mit verstärkter Westfront und bei der 5 Meter breiten Straße ein Graben desselben Profils mit Steinsetzung zwischen den einzelnen Kohlennestern. Ein weiterer Hügel mit ähnlichen Nachbaranlagen (in dem Graben ersetzte wieder tennenartig gestampfter Sand die Steinbindung) ließ durch die völlig mangelnde geometrische Ausrichtung mit den nächsten Hügelstationen und ans Scherben und anderen Cultnrresteu schließen, daß die Hügel nicht als geometrische Fixpunkte, sondern al» Wohnzwecken dienend zu betrachten seien. Die nördlichste untersuchte Station von Lützelbach- Wiedelsbach wie» einen bis auf die unterste Schicht auß- gebrochenen Thurm aus Mörtelmauerwerk auf. Im Gegensatz zu dem zugehörigen, durch Massen von gebranntem Lehm, von Scherben und Kohlen auf Bewohnung und Brandzerstörung deutenden einen Hügel zeigte der nächste, etwa» kleinere, durch besondere Sorgfalt in der Steinsetzung ausgezeichnete Hügel keine Spur von einstigem Brand; der eine der Rundgräbeo läßt vermuthen, daß auch in diesem einst Palissaden gestanden haben. Der benachbarte kleine Graben unterschied fich von den früher beobachteten Grabenstrecken durch eine doppelte Reihe von Kohlennestern, dte außerdem nicht 25 biß 30, sondern nur 10, 12 ober 15 Ctm. Durchmesser hatten; außerdem waren die Kohlennester mit horizontalen Kohlenstr eifen verbunden. Bei der geringeren Stärke der zur Verfügung stehenden Stämme hatte man wohl eine doppelte Palisfaden- reihe mit verbindendem Flechtwerk in Anwendung gebracht. Die Palissadenlinie ergab hier und anderwärts die Rtchtung nach der nächsten Station. Bei der 2 bis 3 Km. von der letzterwähnten entfernten Station fand sich auch eine kreisförmige Kochstelle von 1 Meter Durchmesser mit Kohlenresten und angeschwärzten Umfassungssteinen.
WaS ergibt sich au» dem Vorstehenden?
Bezüglich de» Grabens spricht der Befund im Odenwald dafür, daß e» nicht ein Grenzgrabeu, sondern ein An- näherungShinderniß, eine Grenzsperre war. Da nach Ausweis der Kohlenlöcher die Pfähle l1/* Meter im Boden steckten, muß man annehmen, daß fie fich weit über den Boden erhoben. Wo bei schwächeren Stämmen die einfache Reihe nicht auSreichte, wurde die erforderliche Stärke durch eine doppelte Verpalisiadirung zu Wege gebracht. Daß östlich vom Graben nach der germanischen Seite eine Strecke von Wald freigehalten wurde, da die Bäume andernfalls die Sperrungsanlage zwecklos gemacht hätten, läßt sich vermuthen und auch in Spuren erkennen.
Und was bezweckten die Hügel mit den Et-infetzungen
und dem herumlaufenden Graden? Alle Spuren hn Odenwald weifen daraus hin, daß sie keine gromatischtn F ^Punkte waren, sondern einem anderen Zweck dienten. Culturreste (Scherben, Lehm, Brandschutt) deuten auf frühere Bewohnung. In den Löchern der vier ausgesparten Ecken saßen starke Balken. Da sie nach Ausweis der Lochtiefe mindesten» iya Meter im Boden steckten und durch eine starke, regel» mäßige Steinsetzung vor Berschitbuvg gesichert wurden, hatten die Balken jedenfalls eine ziemliche Höhe: fie bildeten die Eckpfosten eineß starken Holzbau», der mit Fachwerk auSgefüllt war. BemerkenSwerth ist, daß überall da, wo sich die größeren Palissadenlöcher von 25 biß 30 Centimeter vorfinden, in der Steinsetzung des Hügeldaus MauerschUtze freigelaffen sind, dagegen da, wo die Pfähle schwächer sind und in zwei Reihen stehen, diese Schlitze fehlen. Die Schlitze, die gleichfalls al» Balkenlager dienten, deuten auf eine stärkere Bauart, und eß stimmt vorzüglich zu jener Er- scheinung, daß, wo der Wald stärker war und also kräftigere Stämme lieferte, der Holzbau natürlich höher sein mußte, um einen Ausblick über die Gegend zu ermöglichen , daß hingegen an Stellen mit weniger starkem Holz und mithin schwächerer Waldung der Thurm weniger hoch und ent- sprechend weniger stark zu fein brauchte. Der herumlaufende Graben trug wahrscheinlich in feiner Sohle eine Berpaliffadi- rung, und man wird in jenen Hü gel bauten dte erste römische Anlage zu suchen haben, welche btc Römer auf der Höhe de» Odenwalde» schufen. In diesen Holzbauten wohnten detachirte Mannschaften. Durch den Graben mit dem umlaufenden Pfahlwerk schützten fie sich zu einer Zeit, wo die LimeSpfahlrethe noch nicht vorhanden war.
WaS nun die zeitliche Folge der ganzen Anlage betrifft, so wird man anzunehmen haben, daß die vom Rhein nach Osten vorgeschobenen Mannschaften fich zunächst durch Erdschanzen (wie fie z. B. Jacobi im Taunu» gefunden hat» deckten, daß dann von diesen Erdschanzen au» einzelne Detachements von etwa 15 bi» 20 Mann auSgeichickt wurden, um die Grenzlinie zu ziehen, und fich zunächst durch Anlegung der Holzbauten sicherten, die Schutz vor Wind und Wetter sowie vor feindlichen Angriffen gewahrten und die Möglichkeit boten, über den Wald hinwegzusehen. Ueberall zeigt fich ihre Lage vortrefflich gewählt: der Einblick in die von der Ostseite einmündenden Thäler ist allenthalben gewahrt. Weiterhin schritt man zur Anlegung der Paliffadenlime, und eß folgte bann die Herstellung der die Stationen verbindenden Straße.
Fragt man nach der Zeit, in welche die Anlagr fällt, so gtebt grade der Odenwald »tätigen Aufschluß. Die Zeit, wo die. Stemthürme angelegt wurden, kennt man durch die vorerwähnten Jnschriftenfunde. Die Gleichartigkeit der Construction erweist für die Thürmc und die Steinkastelle die gleiche EntstehungSzeit. Die Holzaulage ist demgegenüber älter. Der Umstand, daß btc Mörtelmauer» Thürme nicht mit einem Graden umfaßt sind, und vor allem die äußerst sorgfältige Bauart dieser Thürme, die zum Theil mit kehr schön bearbeiteten Gesimsen, mit Voluten, Zickzack- Windungen und allerhand Zierrath verseben find, der auch, an den Castellen begegnet, zeigen zur Genüge, daß diese Steinbauten in eine Zeit fallen, wo man eine Zerstörung nicht mehr zu befürchten hatte, wo also die Grenze bereit» biß an den Main vorgeschoben war. Man wird die Stein- thürme demnach nut al» Warten ober Signal» ftationen aufzufassen haben, indem die Hintere Linie noch al» Signallinie bestehen blieb.
Die im Odenwald gemachten Beobachtungen stimmet» zu den anderwärts gewonnenen Ergebnissen, namentlich zu den mit großem Fleiß und Scharfsinn ausgeführten Untersuchungen von Professor Löschcke in Bonn. Löschcke sand auch am RhmnlimeS die tm Odenwald aufgedeckte Art de» PaltssadengrabenS mit einer Reihe starker ober zwei Reihen schwächerer Stämme und verbindendem Flechtwerk. Auherbem fanb fich dort die gleiche Art be» von einem Graben umlaufenen Hügel- mit ben gleichen Calturresten. Die Uebereinftlmmur.g ist io groß, daß dte Anlagen im Odenwald und am Rhein gleichzeitig entstanden fern müssen. Die Untersuchungen Löschcke» bewiesen daS höhere Alter der Holz- thürme zur Evidenz: e» fanb sich an neun Punkten ein Mörtelmauerfundament Über ben alten Pfostenlöchern. Dr. Eidam fanb auf bem ^üblichen LimeS bei Gunzenhausen gleichfalls den Palissadengraben mit vollständigen Holzresten, die sich in bem feuchten ©oben der Altmühl- Niederung erhalten hatten, und ebenso die hölzernen Thürme. Gräben unb Hügel der älteren Anlage wiederholen fich aus der vorderen Linie auf der ganzen Strecke von Hönntngea bi» Groß Krotzenburg und von Lorch bi» Hlnheim, auf bet Hinteren Linie von Wörth biß Hinheim.
Wall und Graben, bezlehungßweise Steinmauer, mit beten Anlegung auf ber ganzen Mittelstrecke von Lorch biß Wörth eine Hinaußschiebuug ber Grenze erfolgte, find wohl zu einer Zeit entstanden, wo da» Pfahlwerk durch Wittetungßeinfluß unfest geworden war. Daß die Umänderung de» PaltssadendaueS in eine verwallung oder eine ab» sperrende Mauer vielleicht erst zu Anfang de» dritten Jahr- bunbertß erfolgte, macht eine auß dieser Zeit stammende Gewandriadel, die Dr. Eidam bei Tunzenbausen im Palissaden- graben fand, einigermaßen wahrscheinlich: fie mag beim AuS- reißen ber alten Pfähle hinelngerathen sein. Die von Löschcke im rheinischen Limeßwall aufgefundenen Schetbenreste deuten gleichfalls auf eine schon jüngere Zeit.
Nachdem der Vortragende auf einzelne» aufmerksam gemacht hat, waß noch der Aufhellung bedarf, so insbesondere auf die auch in weiterer Entfernung hinter bet Linie an* zutreffenden Hügel, die eS wahrscheinlich machen, daß die Römer Sch.itt für Schritt vorgingen und bei jcbtimol'gem Vorschreiten sich durch eine später aufgegebene provisorische Anlage sicherten, fchließt er feinen durch eine größere Zahl von Zeichnungen unb Bildern erläuternden Vortrag mit bem Hinweis auf ben idealen Werth der LlmeSsorschiwg in materiell gesinnter Zeit.
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