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4.8.1896 Erstes Blatt
 
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Der f/jener Anzeiger rrschemt täglich, Btt Ausnahme de- Montags.

Die Gießener

Dnmikien d kälter »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Dienstag den 4. August

Elftes Blatt.

Meßmer Anzeiger

Aenerat-Mnzeiger.

1896

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Depeftbsm ßci »wxex- ,Her»v''

Berlin, 2. August. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge irsteht an maßgebender Stelle nicht die Absicht, Verbrecher rach Südwest-Afrtka zu deportiren. Gegen die Durchführ« Jadeit und Zweckmäßigkeit der Deportation werden gewichtige Bedenken erhoben.

Berlin, 3. August. Die Anarchisten hatten anläßlich Jes Londoner internationalen Arbeiter-CongresieS gestern eine Volksversammlung einberufen, um öffentlich Protest einzulegen gegen die angeblich ganz entstellten Nachrichten, He betreffs der Betheiligung der Anarchisten auf dem Lon« honet Congreß hier verbreitet worden waren. ES kam zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den anwesenden Sozia­len und Anarchisten.

Berlin, 3. August. Infolge Zusammenstoßes zweier Lüge auf der Berlin-Görlitzer-Bahn wurden mehrere Per- Ionen verletzt.

Eisenach, 3. August. Der tiefer gelegene Stadttheil ist torch das anhaltende Regenwetter überschwemmt.

Wien, 3. August. Die sozialistische Partei hielt Bern eine Versammlung ab, worin ein Redner erklärte, Jic Partei werde nunmehr in eine Agitation zur Erlangung lt$ Wahlrechtes sür den Landtag und Gemeinderath eintreten. - Die Nachforschungen der Behörde über den Urheber des SombenattentatS blieben bisher erfolglos. Die Polizei dermuthet, daß der Ueberbringer des Dynamit-PacketS einem Racheact fernfteht.

Paris, 3. August. Die gestrige Manifestation der Sozialisten und Freidenker vor dem Denkmal DoletS kvdete mit Tumult. Die Polizei verhaftete 10 Personen.

Paris, 3. August.Memorial Diplomatique" meldet, daß der Besuch des Generals Baldifsera in Rom taS Ergebntß gehabt habe, daß im April 1897 die Feind- siltgkeiten gegen Meneltk wieder ausgenommen werden sollen. Laldiffera hoffe bis dahin eine solide Armee organifirt zu haben, um die Offensive erfolgreich ergreifen zu können, fiijntg Humbert bereite einen Staatsstreich vor. Beide Lämmern sollen aufgelöst und die jetzige Institution su-

Feftsaal" (Cafö Leib) seinen Anfang mit einem großen CommerS. Nach einem Turnermarsch und der Fiedlerffchen Jubelouverture der als Festmufik engagirten Bauer'schen Capelle begrüßte Herr Eid mann Namens des Turnvereins die Erschienenen mit dem Ausdruck des Dankes, daß sie der Einladung so zahlreich Folge geleistet. Man habe in Rücksicht auf das vorjährige Mittelrheinische Turnfest die Feier zu einer einfachen gestaltet, aber das Wenige, was der Verein zu seiner Jubelfeier biete, komme aus gutem Turner- herzen. Unter herzlicher Bewillkommnung der Gäste forderte er die Mitglieder des Turnvereins auf, mit ihm einzu- stimmen in den alten TurnerrufGut Heil" auf die Festgäfte. Nach dem nun folgenden Chorgesang:Willkommen' hielt der zweite Sprecher des Vereins, Herr Stadtverordneter W. Löber, die Festrede. Unter Hervorhebung der Ideale, auf denen unser gesammtes deutsches Turnwesen beruht und der Ziele, die es verfolgt, hob Herr Löber besonders die Wechselwirkung zwischen Turnverein und Vaterland hervor, ferner die erzieherische Tendenz der Turnerei in Beziehung auf die Heranwachsende Jugend, die Förderung der Wehr­kraft. Hoch emporgehoben wurden die Verdienste Vater JahnS um die Turnerei und um das Vaterland, denn der Geist Jahns regte sich mächtig zur Zeit der Befreiungskriege, er habe geschlagen die Schlachten von Leipzig und Waterloo und fortgewirkt in freiheitlichem Sinne in den schlimmsten Zeiten der Erniedrigung und Zerrissenheit unseres Vater­landes. In diese Zeit sei auch gefallen die Gründung des Gießener Turnvereins, er sei einer der ersten Deutschlands mit gewesen, seine Turner errangen die ersten Preise auf den großen deutschen Turnfesten zu Leipzig und London, auf den KreiSfesten zu Oberstein, Offenbach u. A., das Wirken des Vereins verschaffte ihm die Sympathie der ganzen Bürger­schaft und habe sie ihm bis auf den heutigen Tag erhalten. Redner verbreitete sich eingehend über die Geschichte des Vereins und des GaueS, denen derselbe im Laufe der Jahre angehörte, erwähnte die Gründung eines eigenen HeimS, das dem Verein zum Segen, der Turnerei zur Förderung diente- die Verwaltung des Vereins, die Förderung seiner Zwecke

I liege in guten Händen, er zähle unter seinen 640 Mit­gliedern eine Reihe älterer verdienter Mitglieder. Redner gedachte weiter des im vorigen Jahre mit Unterstützung deS Männerturnvereins und der Bürgerschaft so schön verlaufenen 22. Mittelrheinischen Turnfestes- er wünschte zur weiteren

I Förderung der Turnsache und deS Zusammenschluffes aller I Turner Gießens die Gründung einer einzigen Gießener I Turnerschaft, er hoffe, daß immer mehr Freunde der Turnerei I zugeführt werden und ersuchte zum Schluß die Anwesenden I alS Ausdruck turnerischen Geistes und Strebens mit ihm | einzustimmen in ein Hoch auf die hohen Beschützer und I Gönner der deutschen Turnerei, Se. Majestät den Kaiser I und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog. Während des stürmisch I aufgenommenen Hochs hob sich der Vorhang der Bühne und zwischen hübsch arrangirten Blattpflanzen erschienen die Büsten des Kaisers und des Großherzogs, im Hintergründe diejenige Vater Jahns. Die Versammlung sang stehend Heil btr im Siegerkranz". Herr Beigeordneter Georgi

I ergriff hierauf das Wort, um an Stelle des auf einer Er­holungsreise befindlichen Herrn Oberbürgermeisters Gnauth

I dem Verein Namens des Stadtvorstandes und der Stadt zu beglückwünschen. Er erinnerte an die schweren Zeiten, welche die Turuerei durchgemacht, die Turnerei habe kräftige Leute

I erzogen, erzieherisch auf die Jugend gewirkt und namentlich I dem Heere kräftige Männer zugeführt, dem Heere, das sich

1870 so trefflich bewährte. Er hoffe und wünsche, daß auch nach Ablauf von ferneren 50 Jahren der Verein groß dastehe und wirke wie bisher und bringt ein dreifachesGut Heil" auf das Blühen und Gedeihen des Turnverein-Gießen aus. I _ Der Vertreter des MittelrheinkretseS, Herr Heidecker-

Wiesbaden, beglückwünschte den Verein NamenS des AuS« schuffes genannten Kreises und feierte die früheren Preis« turnet als feine Lehrer, er gab dem Wunsche Ausdruck, daß sich unter den Gießener Turnern wieder solche Männer finden möchten und schloß mit einemGut Heil" auf die Gießener Turnerschaft. Nachdem hierauf die aus dem I Bauer' scheu Gesangverein und dem Männer-

Gesangverein bestehende Sängervereinigung unter dem Beifall der Anwesenden und unter der umsichtigen Leitung des Herrn Polster die Dörner'scheSturmbeschwörung" I vorgetragen, ergriff Herr Justizrath Bai st da- Wort, um I als früherer zweiter Sprecher au die Zeit zu erinnern, wo das Ideal der Turner die Einigkeit Deutschlands gewesen, wo, wie in den 40er Iahten, die Turnvereine überhaupt I verboten gewesen - aber schon damals hätte es Pädagogen gegeben, die für das Turnen in der Schule eintraten- Herr 1 Batst verbreitete sich weiter über die Anfänge der Turn-

Neueste

Wolff* telegraphische» Eorrespondan-Bure«.

Berlin, 2. August. Der Berban d Stag der deutschen Drechsler-Innungen, welcher heute in Berlin tagte, «ahm eine Resolution an, welche für den staatlichen Betrieb Ler Bernsteingewinnung sich ausspricht. Bauer Wien erklärte I NamenS der Wiener Jntereffenten, dieselben könnten der Re- solution nicht zustimmen. Man müffe erst die weitere Ent« Wickelung der Verhältnisse abwatten.

Stuttgart, 2. August. DaS 5. deutsche Sänger- buudeSfest begann gestern Abend um 8 Uhr in der großen Sängerfesthalle. Die zahlreichen Theilnehmet hatten sich bereits seit Nachmittag in der Festhalle versammelt. Die Feier begann mit dem Vortrag eines Gesammtliedes. Nach bem Liede Überreichte der Vorsitzende deS niederösterreichischen Sängerbundes, I. E. Jenitsch, die Bundesfahne dem Vor- fitzenden des deutschen Sängerbundes, RechtSrath Beckh, welcher sie mit dankenden Worten annahm und der Feststadt Stuttgart überreichte. Oberbürgermeister Rümeliu nahm das Banner entgegen und erklärte, daffelbe treu hüten zu wollen als Mahnung, die idealen Güter des Lebens zu erhalten and zu Pflegen. Frau Oberbürgermeister Rümelin befestigte sodcmn ein von den Frauen Stuttgarts gestiftetes kostbares Band an dem Bannet. Der Oberbürgermeister nahm darauf das Wort und führte auS: In dem Lande, in welchem Schiller, Uhland und Silcher geboren wurden und welches die Wiege des deutschen Volksliedes fei, müffe auch ferner das Lied, das deutsche Lied, das einigende Band für Alle fein. Dir müffen zusammenhalten, nicht bloS innerhalb der Grenzen des Reiches, sondern so weit die deutsche Zunge klingt." Nach verschiedenen GesangSvorträgen hielt Proseffor Düblet auS New-Orleans ein geborener Württemberger - eine Ansprache, in welcher er hervorhob, daß daS deutsche Lied in den fernsten Welttheilen die Deutschen zusammen« halte. Nachdem die verschiedenen Vereine noch GesangS- dorträge gehalten hatten, schloß die Feiet. Heute Nach« mittag soll ein Feftzvg aller Theilnehmet durch die Stadt erfolgen, wenn nicht durch den gestern heftig eingetretenen Regen derselbe unterbleiben muß.

Sofia, 2. August. Meldung deS Reuter'schen BureauS. Süßer der einen Dynamitbombe, welche in der vergangenen Nacht das Grab StambulowS zerstörte, wurden am Grabe vier weitete Bomben aufgefunden, welche jedoch nicht explvdirt waren. Von den Thatern fehlt bis jetzt jede Spar. _____________

Alle «nnoncen.Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

fpenbtrt werden. DaS neue Wahlrecht basire auf einer | höheren Censur. Der König werde mit dem Wahlgesetz Neu­wahlen ausschreiben lassen. Nur ein gewisses Vermögen be« sitzende unabhängige Personen sollen wählbar sein.__________

_ CocaU» nnö prwinjklkf«

Gießen, den 3. August.

♦♦ Au8 dem Großh. Ministerium. Seine Königliche I Hoheit der Großherzog haben Sich gnädigst bewogen gefunden, am 1. August dem Geheimerath Dr. Emil Dittmar, unter Verleihung deS Titels und Ranges eines I MtnisterialdirectorS, die Verrichtungen des Vorstandes deS Ministeriums der Justiz zu übertragen. Seine Königliche Hoheit haben weiter zu verfügen geruht, daß bei der Trennung des bisherigen Ministeriums des Innern und der Justiz in zwei Ministerien der StaatSminister Dr. Fing er des Dienstes in der Justizverwaltung enthoben werde, sowie daß der Geheime StaatSrath Dr. Knorr v. Rofenroth, der Geheimerath Emmerling und die Mtnisterialräthe I Dr. U fing ec und v. Bechtold dem Ministerium des Innern, der Ministerialrath Pückel dem Ministerium der Justiz und der Geheimerath Schlippe beiden Ministerien I angehören sollen. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben gnädigst geruht, am 1. August:

1) den Geheimen StaatSrath Dr. Heinrich Knorr I v. Rosenr oth zum Wirklichen Geheimerath mit dem PrädikateExcellenz",

2) den Geheimerath Karl v. Werner in dem Staats­ministerium zum Geheimen Staatsrath zu ernennen. I

♦♦ Ordensverleihungen. Se. Kgl. Hoheit der Groß- I Herzog haben Allergnädigst geruht, am 29. Juli l. I. aus Anlaß des am 1. August d. I. eintretenden fünfzig- jährigen Jubiläums der Main-Neckar Bahn:

1) dem Vorsitzenden der Direction dieser Bahn, Geheime­rath Friedrich Lichthammet, die Krone zu dem Comthurkreuz 2. Klaffe deS Verdienstordens Philipps deS GroßmÜthigen,

2) dem Maschineningenieur bei dieser Bahn, Baurath Ferdinand Becker, die Krone zu dem Rittet« kreuz 1. Klaffe dieses Ordens,

3) dem Königlich Preußischen Mitgliede der Direction I dieser Bahn, RegierungSrath PaulFleischmann, und

4) dem Großherzoglich Badischen DirectionSsecretät bei dieser Bahn, Jnspector Ferdinand Scheyret, daS Ritterkreuz 1. Klaffe dieses Ordens zu verleihen. Landpostbestellbezirk Gießen. Unter Bezugnahme auf die Notiz in Nr. 178 vom 31. Juli Postbestellbezirk Gießen werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß auch die Orte Grüningen, Kinzenbach und Lützel- linden zum Landbestellbezirke deS hiesigen Postamts gehören.

* * Entwendete Werthpapiere. Der am 24. Juli 1229 ftüh vom Postamt 2 in Straßburg (Els.) Bahnhof abgesandte Geldbriefbeutel für das Postamt 1 (Zeil) in Frankfurt (Main) ist unterwegs entwendet und dafür ein anderer Geldbrief­beutel mit werthlosem Inhalt unterschoben worden. In Ver­lust gerathen find 3 Geldbriefe und 2 Werthpackete mit einem I angegebenen Werthe von zusammen 4992 Mk. 43 Pf. Diese Sendungen haben u. A. enthalten: ein Stück 4% Württem- I bergische Staatsanleihe über 2000 Mk. von 1891, EE. 12850; eine 4°/0 Oesterteichische Goldrente über 1000 fl., Nr. 8485 ; ein Stück 3°/0 Deutsche Reichsanleihe über 500 Mk., von 1890, Nr. 38426 Lit. D; 3000 Mk. 4% Weimar-Geraer Eisenbahn-Obligationen von 1879, nämltcb 17 Stück zu I 100 Mk., und zwar Abth. B., Nr. 366970, 422937, 4599, 4601, 4878, 4880, 532223, und 26 Stück zu 50 Mk., und Abth. A., Nr. 50, 11213, 131, 13334, 277, 27980, 290, 400, 467, 470, 494, 516, 517, 910, 936, 956, 975-76, 1040, 1128-30, 1166; ferner 21 Amerikanische und mehrere Oesterreichische und Italienische

I Banknoten, mehrere Talons sowie verschiedene mit dem StempelBoden-Kredit Straßburg" versehene Zinsscheine I und entwertete, zu Sammelzwecken bestimmte Briefmarken.

Der Dieb des Geldbriefbeutels ist noch mcht entdeckt. Auf die Ermittelung deffelben und die Herbeischaffung deS ge­stohlenen Gutes ist von der Kaiserlichen Ober Postdirection in Straßburg (Els.) eine Belohnung von 300 Mk. ausgesetzt.

* » 3n einer Reihe von Städten der Provinzen Posen I und Westpreußen find offene Stellen für Aerzte, Xl^ei» ärzte und Rechtsanwälte zu besetzen. Auskunft ertheilt der Verein aur Förderung des DeutschthnmS in den Ostmarken, Berlin W. 62, Wichmannftraße 2a.

* » DaS 50jährige Stiftungsfest des Turnvereins Gießen I nahm am Samstag Abend im festlich geschmücktenGießener