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3.4.1896 Erstes Blatt
 
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Der tUjtMet Jhtjdger erscheint täglich, »tt Ausnahme deS Montags.

Die Gießener ^««»ttenörLtler werden dem Anzeiger »Schmtlich dreimal deigelegt.

Erstes Blatt. Freitag de» 3. April________________________

Gießener Anzeig er Kenerak-Wnzeiger.

1896

vierteljähriger , Aös«»e«e»tspreiA t 2 Mark 20 Psg. eit vringerlohn.

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2lmtlid?er Lbeil.

Bekanntmachung.

Mittwoch den 15. April d. Js.» Bormittags 10 Uhr,

frbet im Regierungsgedäude dahier eine öffentliche Sitzung drS Proviuzialtages der Provinz Oberheffen mit folgender Tagesordnung statt:

1. Prüfung der Ergänzungswahlen für den Proviozialtag.

2. Wahl eines bürgerlichen Mitglieds und eines Stell« Vertreters der verstärkten Ober-Ersatz-Cornrniffion für die Jahre 1896/98.

3. Prüfung der Rechnung der Provtnzialkaffe und Er­stattung des Rechenschaftsberichts für 1894/95.

4. Feststellung des Voranschlags der Provinzialkaffe für 1896/97.

5. Antrag des Großh. KreiSamtS Büdingen auf Be­freiung der Gemeinde Alt-WiedermuS von dem Beitrag zu den Kosten deS Neubaues der KreiS- straße EckartShaufenAltwiedermuS in Gemarkung Ober Wald.

Gießen, den 28. März 1896.

Der Borfitzende deS ProvtnzialtagS der Provinz Oberheffen. v. Gagern.

Bekanntmachung,

Betreffenb die Ausführung deS Gesetzes vom 22. Mat 1895 »egl« Gewährung von Beihilfen an ehemalige Kriegs« theilnehmer.

Durch Wegfall eines Bezugsberechtigten ist eine Bei« Hilfe von jährlich 120 Mk. vom 1. d. M. au frei gewordeo. Bon den vorgemerkten KriegSthrilnehmern bar der zum Ein- tflden Nächstberechttgte den Feldzug 1870/71 mitgemacht und ifi am 8. September 1847 geboren.

Diejenigen KriegSthetlnehmer, welche auf den Bezug zieser Beihilfe begründeteren Anspruch glauben erheben zu können, werden hierdurch aufgefordert, ihre Ansprüche ldngstens bis zum 15. April d. I. unter Beibringung her erforderlichen Belege bei der unterzeichneten Stelle ein- zureichen. Später einlangende Gesuche finden keine Berück­sichtigung. Einen begründeteren Anspruch haben nur solche ßriegStheilvehmer, welche früher als am 8. September 1847 zcboren sind oder einen früheren Feldzug mitgemacht haben nnb sich wegen dauernder gänzlicher Erwerbsunfähigkeit iv hilfsbedürftiger Lage befinden.

AuSgeschloffeu find:

a. Personen, welche auS Reichsmitteln gesetzliche In« validenpenfionen oder entsprechende sonstige Zu« Wendungen beziehen,

b. Personen, welche nach ihrer Lebensführung der be« abfichtigten Fürsorge als unwürdig anzusehen find,

«. Personen, welche fich nicht im Besitze deS deutsche« JndigenatS befinden.

Gießen, den 31. März 1896.

Großherzogltches KretSamt Gießen. v. Gagern.

Gießen, den 1. April 1896.

Bett.: Die Darstellung des Zustandes der Fortbildungs­schulen im Kreise Gießen im Schuljahre 1895/96.

Die

Vrofjh Kreis-Schulcommisfion Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Rach dem Schluß der Fortbildungsschulen wollen Sie ilSbald, spätestens bis zum 15. d. MtS., die betr. Berichte in uns einsenden.

In denselben ist anzugeben:

1) Zahl der Klaffen,

2) Zahl der Lehrer,

3) Zahl der Schüler,

4) Zahl der abgehaltenen Stunden,

5) Vergütung für den ganzen Unterricht, abzüglich der Vergütung für Licht und Heizung,

6) Leistungen der Schüler,

7) Betragen der Schüler,

8) Zahl der Bersäumniffe der Schüler:

a. erlaubte, b. wegen Krankheit, c. unerlaubte.

9) Dasselbe wie 8, a, b, c, in Proeenteu ausgedrückt.

Zugleich erinnern wir daran, daß die FortbildungS« Men in Gegenwart des Schulvorstandes mir einer durch den iehrer vorzunehmenden öffentlichen Prüfung zu schließen find, v. Gagern.

ist heute Morgen nach Baden-Baden abgereist.

Berlin, 1. April. DemLocalanzeiger" zufolge hegt . . der frühere ReichstagSpräfideut von Levetzow die Abficht, , i in nächster Zeit sein ReichStagSmandat ntederzulegev.

und über das Christenthum lachen, weil es nicht mir Wundern und Zeichen, mit Macht und Pracht die Welt bezwingt. Aber eS fehlen auch nicht die frommen Seelen, die wie die Frauen und der Jünger am Kreuz treulich Jesu Nachfolgen und ihn auch utcht verlaffen, wenn die Welt ihn verspottet und sagt: ES ist auS mit ihm!

Sich so in die PasfionSgeschichte vertiefen, daS heißt Einkehr halten und sich selbst prüfen. ES heißt an einer Stelle: So wir uns selber richten, werden wir nickt gerichtet. DaS gilt nicht vom Einzelnen bloß, das gilt auch von den Völkern. Ein Volk, das noch solche Einkehr pflegt, darf Gott verschonen. Darum wohl unS, wenn wir noch Char- freitag feiern! Sorgen wir, daß unser HauS und unser Land eine gesegnete stille Woche hat!

Eharsreitag.

Auf der letzten Berliner Kunstausstellung befand fich auch ein Gemälde eines französischen Künstlers, das Jesum auf dem Wege nach Golgatha darstellte. Nicht groß von Umfang, nicht so zart in der Ausführung wie manche andere Darstellung desselben Vorganges, zog das Bild doch immer wieder die Aufmerksamkeit der Besucher auf fich. Und warum? Das Volk, daS auf dem Bilde den kreuztragenden Herrn umgab, war das Geschlecht unserer Tage. In scharfem Gegensatz standen sich da zwei Gruppen gegenüber. Rechts kniete die Sckaar seiner Freunde: der junge Geistliche, die barmherzige Schwester, der Gefangene in seinen Feffeln, der todtwunde Krieger, der frische Seemann, der bleiche Kranke und andere Gestalten. Links folgte dem Kreuzträger lärmend die haßerfüllte Schaar seiner Feinde: der rohe, gefühllose, irregeleitete Pöbel, der geldsatte, weinselige Reiche, das Glas in der Hand, die Geliebte im Arm, weiter daS rothe Gespenst, die Faust grimmig ballend, der glaubenslose Spötter, das leidenschaftlich lästernde Weib.

Das Bild hatte den Boden der Geschichte verlaffen, aber was zu ihm hinzog, war dies: eS war lebenswahr und weckte in dem Beschauer die Frage:Wo gehörst Du nun hin?"

Von dem Künstler wollen wir lernen, da wir in die stille Woche eingetreten find. Denn eS hat die ganze Passtons- geschichte für uns keinen Werth, wenn wir sie nicht ansehen lernen wie jener Maler, wenn wir nicht in den Personen, die dort erscheinen, unser Geschlecht und unS selbst wieder- findeu. In der Sünde der Feinde Jesu die eigene Sünde erkennen und über fie das Urtheil sprechen, in der Liebe seiner Jünger Vorbild und neuen Antrieb für daS eigene Lieben gewinnen, das heißt die PasfionSgeschichte recht be- trachten. Und wahrlich, solche Betrachtung ist nicht schwer!

Wie zahlreich find doch in Stadt und Land die Leute, die deS PilatuS Züge tragen! Ohne Rückgrat und Mark wagen fie nickt für die gerechte Sache einzutreten, weil fie eS dann vielleicht mit Dem und Jenem verdürben oder weil die Menge anders denkt. GewiffenloS hören fie auf daS Geschrei der Maffe und nicht auf die Stimme des, der die

Wahrheit ist.

Zahlreich sind auch die Judasleute oben und unten im Volk. Ein Häuflein Gold oder Silber, ein gutes Geschäft ist ihnen lieber als ein reines Gewiffen und makellose Ehr­lichkeit. Biele gleichen dem PetruS, der jetzt Treue gelobt und nack wenigen Minuten schon nicht einmal vor einer Magd seinen Christenstand zu bekennen wagt. Wie viele | gleichen dem Schächer am Kreuz, die andern Spöttern, die I nicht verstehen, was das heißt:Er erniedrigte fich selbst",

Bekanntmachung, betreffend die Abhaltung von Viehrnäikten im Kreise Gießen.

DaS Großherzogltche Ministerium deS Innern und der Justiz hat versuchsweise die Abhaltung von Viehmärkten im Monat April, insbesondere der Märkte zu Hungen an Stelle deS Sicher Marktes, sowie zu Gießen, Lollar und Allen- dorf a. d. Lda. am 7., bezw. 13., 14., 22. und 28. l, MtS. | unter folgenden Bedingungen genehmigt:

1. Für den Auf- und Abtrieb ist den Anordnungen des KreiSveteriuäramtS gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen.

2. Auf den Markt dürfen nur Thiere auS unverseuchteu Orten des GroßherzogthumS Heffen, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn fie mindestens sieben Tage in unverseuchten hessischen Orten in seuchen- freiem Zustande zugebracht haben, aufgetrieben werden.

3. Außer der Controle derUrsprungSzeugniffe hat selbst« verständlich auch die thierärztliche Besichtigung der Thiere vor dem Auftriebe zu erfolgen.

Gießen, den 1. April 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, den 1. April 1896.

Betr.: Wie oben.

Tat Großherzogliche Kreisamt Gießen die »r,»h. de» «uttt«.

Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung weisen wir Sie nochmals besonders darauf hin, daß wir bei Ausstellung der UrsprungSschetne von Ihnen die gewissen« Hafteste Befolgung der bestehenden Vorschriften erwarten.

v. Gagern.

Wolff« telegraphische« Lorrefpondenz-Bureau.

Berlin, 1. April. DieNordd. Allg. Ztg." erklärt die Nachricht derReichs« und StaatSbeamten-Ztg.", wonach in dieser Session den Parlamenten ein Nachtrag zugehen würde, um die 1890 unterbrochene Gehaltsaufbesserung auf alle Beamteucategorien bis hinauf zu den Mimstern auSzudehnen, für vollkommen unbegründet. Damit erledige sich von selbst die Behauptung derFreisinnigen Ztg.", daß die dazu erforderlichen Mittel durch Convertirung von Reichs­und Staatsanleihe beschafft werden sollten.

Berlin, 1. April. DerNational Ztg." zufolge consti- tuirten sich gestern Vertreter der Berliner Zeitungen auf Einladung deS Arbeitsausschusses als Gesammtcomit« der Berliner Presse für die Gew erb e-Ausstel­lung 18 96. DaS Comitö wählte einen Vorstand, um die Fragen der Erleichterung der Thätigkeit und der Gastfreund­schaft gegenüber den Vertretern auswärtiger Blätter während der Ausstellung zu erledigen.

Palermo, 1. April. DaS deutsche Kaiserpaar mit den Prinzen an Bord derHohenzollern" ist heute um 10.20 Uhr hier eingetroffcn. Der KreuzerKaiserin Augusta" und zwei Dampfer mit den Mitgliedern der deut­schen Colonie, die enthusiastische Hochrufe ausbrachten, folgten derHohenzollern". Die Schiffe des Geschwaders hißten die deutsche Flagge. Der AvisoRapido" gab Salutschüffe ab, welche dieKaiserin Augusta" erwiderte. DieHohen zollern" warf an der Mole Anker, auf der sich der deutsche Consul eingesunden hatte, der fich an Bord derHohenzol- lern" begab. Der Kaiser trug Civilkleidung. Viceadmiral Canevaro und Contreadmiral Gualdiero begaben fich auf die Hohenzollern", wohin ihnen auch Professor SalinaS folgte, der beauftragt war, das Kaiserpaar bei dem Besuche der Alterthümer Siziliens zu begleiten. DaS Kaiserpaar blieb an Bord. Eine große Volksmenge in zahlreichen Barken wohnte der Ankunft derHohenzollern" bei. Enthusiastische Kundgebungen erfolgten. Die Stadt ist festlich beflaggt. Die Kauffahrteischiffe im Hafen hatten reichen Flaggenschmuck angelegt. In der Stadt herrschte regeö Leben. Die Bal- kouS in den Hauptstraßen waren mit italienischen und deut« scheu Fahnen geschmückt. Nachdem der Kaiser den Comman- bauten deS italienischen Geschwaders empfangen hatte, begab er fich an Bord derSardegua" und blieb dort l/4 Stunden und besichtigte mit großem Interesse die Einrichtungen und Anordnungen des Panzers. Nachmittags 2 Uhr besuchte daS Kaiserpaar mit den Prinzen und Gefolge die Stadt und kehrten dann an Bord derHohenzollern" zurück. Bei ihrem Besuche wurde die kaiserliche Familie von einer zahlreichen Volksmenge überall begeistert begrüßt. Der Kaiser kann von Bord derHohenzollern" auS mit Berlin durch ein an Bord gelegtes Kabel direct telegraphisch verkehren.

Konstantinopel, 1. April. Der Sultan empfing gestern den Fürsten Ferdinand von Bulgarien in zweistündiger Audienz. ____________

Depeschen bH Bure« .Herold"

Berlin, 1. April. DaS Bild, welches der Kaiser de« Fürsten Bismarck zu dessen heutigem Geburtstage sandte, ist eine große photographische Aufnahme der gesammten kaiser« lichen Familie, umschlossen von einem kunstvollen Bronce- rahmen.

Berlin, 1. April. DaS Kaiserpaar wird die Ber« Einer Gewerbe-AuSstellung von 1896 am 1. Mai Vormittags 11 Uhr eröffnen.

Berlin, 1. April. Reichskanzler Fürst Hohenlohe