Bruder, dem König von Rumänien, zu verwenden, damit derselbe beim Zaren ein gute- Wort eiolege.
Marseille, 31. August. Der Generalrath zu Bouche» du> Rhone nahm eine Resolution an, wodurch die Regierung ersucht wird, deu Familienvätern, welche mehr al- drei Kinder haben, die direkten Steuern zu erlassen und die Junggesellen damit zu belasten.
Athen, 31. August. Ju eioer Ortschaft bei Kandia tödteteu die Türken acht Personen, verwundeten fünf, äscherten mehrere Hävser ein und entweihten die Kirche.
Konstantinopel, 31. August. Der Minister des Aeußereu, Tewftk Pascha, besuchte Nacht- den österreichischen Bot« schafter, um die Antwort auf die letzten Vorstellungen der Mächte mitzutheilev.
WB. Kiew, 31. August. Der Minister de- Aeuhereu, Fürst Lobanow, ist auf der Reise von Wien nach hier plötzlich gestorben.
CocaUs uh6
Gieße», den 31. August.
* * Sitzung der Grohh. Handelskammer vom 28. August. Anwesend die Herren: Koch, Scheel, Gail, Homberger, Katz, Klingspor, Kraatz, Wortmann. Der Handelsvertrag mit Chile ist bis zum 31. Mat 1897 prolongtrt, Urugu a h hat den Handelsvertrag gekündigt, derselbe tritt am 1. August 1897 außer Kraft. Interessenten können auf dem Büreau etnsehen: einen Bericht über die Exportverhältnisse nach der Schweiz, die Programme der für 1897 zu Brüssel und Guatemala geplanten Ausstellungen. In Nördlingen ist eine Reichsbanknebenstelle errichtet. Die Firmentnhaber sollen durch Zeitungsinserat aufgefordert werden, ihre Wünsche, betr. die vom Verbot des Detail- reifen- au-zunehmenden Firmen, der Kammer in begründeten Anträgen mitzutheilen. Das Ableben de- am 20. August zu Berlin verstorbenen GeneralsecretärS des deutschen HandelStageS, Consul z. D. Ann ecke, wird durch Erheben von den Sitzen geehrt.
Radfahrfest. Das gestern bet uns stattgefundeue, vom besten Wetter begünstigte HerbftbeztrkSfeft des Nordbezirks Gau 9 des deutschen Radfahrerbundes ist vorzüglich verlaufen. Unsere Stadt stand gestern unter dem Zeichen des Radelns, denn schon in aller Fiühe waren die Mitglieder fremder Vereine hier angelangt und belebten zu Fuß und zu Rad unsere Straßen. DaS Frühconcert im „Hotel Schütz", welches um 11 Uhr Vor« mittags seinen Anfang nahm, war in Folge davon sehr stark besucht und verlief in der antmirtesten Stimmung. Zwischen 3 und 4 Uhr durchzog der vorgesehene PretScorso die Stadt, woran fich etwa 120 bi- 140 Radler, darunter mehrere Damen betheiltgten. Es waren in diesem Zuge außer den beiden Gießener Vereinen vertreten die Vereine: Marburger Radfahrer-Verein mit der Standarte, Biedenkopf, Herborn, Dillenburg, Weilburg, Butzbach, Lauterbach und außerdem Lollar und Wtestck, die zwar nicht zum deutschen Radfahrerbund gehöre», aber der an fie gerichteten Einladung Folge gegeben hatten. Gleich nach 4 Uhr begann im „Gießener Festsaal" da- Preis«Reigenfahren. Der Eröffnungsreigen, gefahren von 6 Fahrern des Gießener RadfahrveretuS, wurde sehr schneidig durchgeführt und verdiente den von den Zuschauern gespendeten Applaus im vollen Maße. Dem schloß fich eine Quadrille des RadfahrvereinS Herborn au, die ohne Commando ruhig, sicher und gelaffen, selbst bet den schwierigsten Touren gefahren wurde, nur eine bessere Der« theilung im Raum wäre zu wünschen gewesen. Gegen Herborn concurrirte der Radfahrclub Butzbach (6 Fahrer), welcher den Fehler seines Gegners vermied. Die Vorführung entsprach allen Anforderungen eine- Musterreigens, obzwar in zwei Fällen kleine Fehler mit unterliefen. Ein ZögltngSretgen (6 Fahrer) vom Gießener Radfahrverein bildete den Schluß. Diese 6 Zöglinge haben den Vogel gestern abgeschossen, soweit da- Reigenfahren in Betracht kommt. Die Figuren klappten brillant, die Ecken des Saales wurden correct ausgefahren und die schwierigsten Bolten wurden gratiö- au-geführt. Zwischen je zwei Reigen zeigten fich die jungen Kunstfahrer Gebr. Lippert von WormS in ihren ganz erstaunlichen Leistungen. Die beiden 13# und 14jährigen Knaben find Amateure, besuche» in WormS das Ghmnafium und üben ihre Kunst nir zu ihrem Vergnügen, durchaus nicht etwa des BroderwerbS wegen. Aber man merkt ihnen auch an, daß ihnen die Sache Spaß macht. Mit Leichtigkeit wurden von ihnen die schwersten Tric- ausgeführt, dabet frappirt ihre Sicherheit und die bet den einzelnen Stellungswechseln zur Schau getragene Straffheit. Rauschender Jubel begleitete die Knaben nach ihrem jedesmaligen Auftreten. Am Abend fand die Prei-vertheilung statt. Der 1. Preis (Diplom) für Corsofahren fiel mit 10,5 Punkten nach Butzbach, während Dillenburg mit 8,5 Punkten den 2. Preis (Ehrende Anerkennung) erhielt. Für Reigenfahren erhielt Butzbach mit 14 Punkten den 1. Preis (eine prachtvolle Bowle), Herborn mit 12 Punkten den 2. Preis (eme Kneipuhr). Der Dorfitzende des Radfahr-BeretnS Gießen überreichte den Gebrüdern Lippert unter Anerkennung ihrer vorzüglichen Leistungen und unter dem Ausdruck deS Dankes, daß fie sich bereit haben finden lassen, das Gießener Fest zu verschönen, je eine filberne Medaille. Damit war der sportliche Thetl des Festes beendet. Lebende Bilder au- dem Radfahrerleben, Pyramiden und ein Festball hielten die Gaugenoffen noch lange in frohester Laune beisammen.
• • «tue ehrende Anerkennung ist zwei Gießener In- dustriellen auf der Ausstellung für Hotel# und WirthschaftS- wesen und verwandte Gewerbe zu Wiesbaden zu Theil ge# worden. Der Inhaber der Lahnkalk# und Marmor-Jndnstrie, Aug. Gabriel jr., hat für hervorragende Leistungen die höchste Auszeichnung, die goldene Medaille, erhalten. Architect L. Seultng, der Fabrikant und L^ceoz-Jnhaber des Holzwolle Baumaterials, dessen, practische Verwendbarkeit
er in Wiesbaden durch Erbauung eine- Loofeverkauf-Pavillou- vorgeführt, erhielt die broucene Medaille.
• • Körperverletzung. Auf dem Heimwege von der Kirch« weihe zu Klein-Linden, auf der Straße nach Gießen, wurden zwei Arbeiter angeblich überfallen und mit Messern oder sonstigen scharfen Instrumenten geschlagen. Beide trugen blutige köpfe davon. Gegen die bekannten Thäter wurde Strafantrag wegen Körperverletzung gestellt.
* • Kirchliche Dieustuachrichte». Ernannt wurden: Pfarr# vicar Stotz zu Bischof-Heim zum Pfarrverwalter in Beuern, Decanat Gießen- Pfarrverwalter Gro- zu Leidhecken zum Pfarrverwalter in Burkhard-, Decanat Schotten - B e r i o g e r, Verwalter der zweiten Pfarrstelle zu Alsfeld, Decanat Alsfeld, zum vicar der ersten Pfarrstelle daselbst.
• * * Gebrauchsmuster Eintragungen. Kamin Vorhang mit Ventilation zwischen Vorhang und Schutzblech: Carl Buderus in Lollar, 20. Juli 1896. Zum Gebrauch für Kinder dienende Pedaltretvorrtchtuug an Clavieren au- einem am Instrument lö-bar befestigten Schemel mit Hilf-pedaleu und Druckstangen: L. Köhlinger in Gießen, Wetzstein# straße 36, 11. Juni 1896.
Lich, 28. August. Der frühere Fuhrmann Nikolaus Jung von hier feierte am DienStag mit seiner Gattin — beide Eheleute erfreuen fich noch einer guten Gesundheit — daS Fest der goldenen Hochzeit.
4~ Ridda, 30. August. Verflossene Nacht ist die Temperatur so tief gesunken, daß die Bohnen durch Frost ge# litten haben. — Vor einigen Tagen ließ ein hiesiger Geschäftsmann etwa einen halben Centner Fleisch, welche- er in kleineren Parthien bei der Freibank zu Michelnau durch Dritte für sich erwarb, im Dunkel der Nacht hierher verbringen, um eS dann als gute ladenreine Waare zu ver# kaufen. Doch ist e- unsrer rührigen Gendarmerie gelungen, diesem unsauberen Handel auf die Spur zu kommen, sodaß dem Denunziaten eine Anklage wegen Vergehens gegen da- Nahrungsmittelgesetz und die hessischen sanität-polizeilichen Vorschriften, eventl. auch wegen Betrugs blühen wird. — Vom herrlichsten Wetter begünstigt, wurde heute das Kirchweihfest auf der Gänswiese begangen. Auf dem angrenzenden Juxplatz herrschte bis in die Nacht große- Leben und Treiben.
-h- Rodenbach (Kreis Büdingen), 30. August. Ein ebenso schönes, als jedenfalls auch nicht sehr häufiges Naturspiel erregt in nächster Nähe unseres Dorfes die Bewunderung deS beobachtenden Naturfreunde-. Wenn man, von Ober-Mockstadt kommend, deu mit mächtigen Buchen bestandenen Hochwald verlassen hat, gelangt man vor Eintritt in unseren Ort auf eine kleine Trift. Hier haftet der umherschweifende Blick unwillkürlich auf einem stolz bekrönten Birnbäume, in dessen Hauptgabeluug, da wo die Aeste den Stamm verlassen, sich nämlich eine Colonie Weidenröschen angefiedelt hat. ES ist die schmalblättertge Art (Epilobium anguBtifolium), welche auf ihrem erhabenen Standort prächtig grünt und blüht. Ein Exemplar lugt gegenwärtig mit seinen carmoifinrothen Blüthen auö dem Versteck hervor und gereicht seinem Träger nicht wenig zur Zierde. Wahrscheinlich ist seinerzeit ein Samenkö,nlein, welches ja durch seinen Haarschopf so recht dazu geschaffen ist, vom Winde getragen, und wett fortgeweht zu werden, in jene Stammgabel verschlagen worden, wo es Erde genug fand, um sich entwickeln zu können. Nach Vermehrung der Mutterpflanze hat fich dann eine ganze Familie dieser schönen Pflänzchen auf dem Baume ansässig gemacht.
Eberstadt, 27. August. Auf eine gräßliche Weise ist heute ein hiesiger Arbeiter, JohS. Trtetsch, in einem Steinbruche umS Leben gekommen. Tine abstllrzende FelSmaffe quetschte dem Unglücklichen ein Bein förmlich ab und brachte ihm außerdem auch noch schwere innere Verletzungen bei. Die WarnungSrufe seiner Mitarbeiter konnte er, da er sehr schwerhörig war, nicht vernehmen, und so mußten seine Collegen dem unabwendbaren und schrecklichen Ende ihres Kameraden mit offenen Augen -useheo, ohne selbst Hilfe leisten zu können. Man suchte den Verunglückten, der noch lebend hervorgezogen wurde, so rasch wie möglich nach Darmstadt in ein HoSpital zu bringen, doch während deS Transporte- ist er unter den fürchterlichsten Schmerzen gestorben. Derselbe hinterläßt eine Wittwe mit fieben Kindern.
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* Berlin, 27. August. Einen gefährlichen Unfug verübten am Dienstag Abend zwei Mechaniker während einer Fahrt auf der Stufenbahn der Ausstellung. Einer dieser Männer schabte von einem LritungSdraht, der zum Zweck der elektrischen Beleuchtung an den Sitzbänken entlang läuft, die Gummi-Umhüllung und die Verspinnung ab und hielt, um einen Kurzschluß herbeizuführen, einen Draht, an dem ein Holzgriff befestigt war, an den Nebendraht. Sofort verlöschten 25 bis 30 Glühlampen. In diesem Augenblick jedoch wurde der unbefugte Electriker von einer nervigen Faust im Nacken gepackt. Der Director Forschheimrr hatte daS Manöver des Mannes bemerkt, und nun schleppte er diesen und seinen Gefährten zu einem Gendarm, der die Namen der Beiden feststellen mußte. Für den angerichteten Schaden mußten fie sofort 100 Mk. erlegen und außerdem dürften fie fich noch eine Anklage wegen Gefährdung eine» Eisenbahnzuges zuztehen, da die Stufenbahn unter das Klein# bahngesrtz gehört. Wäre der eleetrische Betrieb der Stufen# bahn nicht mit allen nur möglichen Sicherungen gegen Kurzschlüsse angelegt, so hätte durch diesen gefährlichen Unfug leicht ein schweres Unglück entstehen können.
• Leipzig, 29. August. Da- Reich- gericht verwarf dieRevifion de-Porcellandreher- Weife, der vom Stettiner Schwurgericht zweimal zum Tode verurtheilt worden war, weil er einen Knecht erschossen und beraubt und acht Tage darauf den Chansseegeldeinnehmer Heine erschossen hatte.
• Leipzig hat bekanntlich seit einiger Zeit einen Berg^ einen veritablen Berg, einen Au-stcht-berg, und zwar in seiner nächsten Nähe. ES ist der „Schärwelberg"^ 13,000 Centimeter über dem Meere, 3000 Centtmeter über Leipzig, rcsp. über dessen btfannttn Waldpark, dem Rosenthal, über dessen Westende er sich „erhebt", Möckern gegenüber. An seiner Herstellung wurde mehrere Jahre gearbeitet, er ist entstanden durch die Anhäufuug de» Schutte-, de» Kehricht- und der Scherben der Stadt Leipzig. Schöne breite Wege führen zum Gipfel de- breiten grünen Hügel- empor, der mit einem 15 Meter hohen hölzernen Au-ficht-thurm gekrönt ist, von dem man allerdings eine weite Au-ficht über Leipzig und die gewaltige Leipziger Ebene hat. Der „Schärwelberg" bildet zur Zeit den Zielpunkt von viele» Hunderten, ja Tausenden Personen. Schon hat fich aber der Leipziger Humor diese- Berges bemächtigt in Wort und Bild. Mit lustigen Bildern, den Schärwelberg darstellend, find die neuesten illustrirten Leipziger Postkarten au-gestattet, und die LachmuSkeln reizende Gedichte kann man in beit Auslagen der Buch- und Papierhandlungen lesen. So heißt es z. B. in einem solchen Gedichte: „Geologen späd'rer Zeiden gommeu einst zum Resums un ferkinden'S allen Leiten: „Under'm Bärge liegt ä See! Underm Bärge hausen Nixen in dem underärd'schen Meer: Säht nur die Sardinen-- bichsen und der BicklingSkeppe Heer!"
* Siu falscher Einjährig Freiwilliger. Eine Täuschung der Militärbehörde zum Zwecke de- rechtswidrigen Dienen» al- Einjähriger ist, einer Berliner Localcorrespoodenz zufolge jetzt zur Kenntniß der königlichen Staatsanwaltschaft gelangt» Der Sohn eine- reichen Fabrikanten war tu der Schule zurückgeblieben und konnte den Befähigung-nachwei- zum Einjährig.Fretwilligendienst nicht erlangen. Die Zeit seiner Militärpflicht rückte näher, und einem Freunde, der in Berlin bei einem Recht-anwalt al- Schreiber beschäftigt war, theilte er seinen Kummer, daß er drei Jahre dienen müsse, gelegentlich mit. Der gute Freund wußte bald Rath. Er war stet- ein begabter Schüler gewrsen und wußte wohl, daß er, wenn er die nöthigen Mittel dazu hätte, mit Leichtigkeit in Jahresfrist sich das einjährige Zeugniß holen würde» Jetzt wurde folgende Schiebung gemacht. Der Bureauschreiber meldete fich auf den Namen seines Freundes auf einem Berliner Gymnasium an, besuchte ein Jahr lang nochmal» bie Schule unb würbe mit dem gewünschten Zeugniß entlassen» Mit diesem aber meldete fich nun der reiche Fabrikantensohn beim Militär und diente auch, ohne daß Jemand eine Unregelmäßigkeit bemerkt hätte, bet einem Berliner Garde» Infanterie-Regiment nicht nur fein Dienstjahr ab, sonder» machte auch die Reserveübungen mit. Einzelne Bekannte, denen die geringe wissenschaftliche Befähigung de- Reservisten bekannt war, erfuhren, wodurch die Berechtigung zu« Ein- jährig-Freiwilligendienst erlangt wurde und brachten den. Fall zur Anzeige, nachdem sie vergeblich Erpressung-Versuche bei dem Vater deS „Einjährigen" versucht hatten. Der Reserveunterosfizier hat da- Weite gesucht, während gegen den Bureauschreiber da- Strafverfahren wegen intellektueller Urkundenfälschung ctngeleitet ist.
* Unglaublich! Hebet eine Blüthe de- Bureaukrati-muS berichtet ein Straßburger Blatt wie folgt: Der muthige Lehrer aus Schiltigheim, welcher neulich beim Baden einen feiner Collegen mit Hintansetzung seines eigenen Leben» vom Tode de- Ertrinken- errettete, ist mit einem Strafmandat (mit Kosten 2 Mk. 50 Pfg.) wegen Baden- an unerlaubter Stelle bedacht worden.
• Zeitvertreib in Rußland. Einen Rückschluß auf de» geistigen und gesellschaftlichen Verkehr der Rostower gestattet eine Notiz der Zeitung „Krim", der zufolge ein einzige- GesellschastShau-, der Rostower Commerzclub, jährlich für 60,000 Rudel Spielkarten verbraucht. ES mag dann schon zutreffen, wenn die genannte Zeitung bedauernd hivzusügt, bad Kartenspiel bilde nahezu die einzige geistige Nahrung, die von der Rostower Gesellschaft mit Verständnis verbaut werde.
* „bachverständige" Mäuse. Daß die franzöfischen Kriegsminister in der Regel große Thierfreunde find, hatte sich schon au- ihrer Fürsorge für die Dienstkatzen ergeben. Nu» kommen nach den Katzen, wie e» recht unb billig ist, auch die Mäuse an die Reihe, und zwar die weißen. Die Frage war aufgeworfen worben: Welche- Brob ist bem Soldaten zuträglicher, dasjenige, welches aus dem durch Mühlsteine hergestellten Mehl bereitet wird ober aber dasjenige, bessern Mehl durch Mahlchlinder gewonnen wirb? Wie man sieht, tritt man hier mit einer ordentlichen Gründlichkeit in die verzwicktesten Einzelfragen ein. Nun hätte man einfach zwek Soldaten nehmen unb ben einen ausschließlich mit „Chlinder- mehl", ben anberen bagegen mit „Mühlstetnmehl" nähren können, um so beS RäthselS Lösung zu finden. Dabei hätte aber die besondere Natur der „Patienten" eine zu große Rolle gespielt unb außerdem wäre eS wohl schwierig gewesen, anderweitige Ernährung-einflüsse fern zu halten, die da» Ergebniß hätten trüben können. Man wandte fich daher a» maßgebender Stelle vertrauensvoll an die weißen Mäuse, von denen man einige „beauftragte", fich lediglich von „Chlinder# mehl" zu nähren, während man den anderen „Mühlsteinmehl* servirre. Da zeigte eS fich denn im Verlaufe eine» volle» Jahres — vom 1. October 1894 bi» zum 15. October 1895 — daß da- „Mühlsteinmehl" bei Weitem nahrhafter ist al- das „Cylindermehl"- denn die „Mühlsteinmkhlmäuse* waren dick und fett geworden, während die „Cylindermehl- mäuse" auf den Hund gekommen waren, wenn man so sage» darf, ohne die kriegörninisteriellen versuchsmäuse zu beleidige». Natürlich wurden die braven Thierchen auch gewogen, wodurch fich daS erlangte Ergebniß vollkommen bestätigte. Um aber ganz sicher zu gehen, drehte man al-bald den Spieß aber vielmehr da» Mehl um; die bisherigen „Cylindermäufe* erhielten jetzt das gute „Mühlsteinmehl", die „Mühlstein- mäuse" aber wurden auf die „Cylinderkost" geletzt. Innerhalb der unglaublich kurzen Frtst von 16 Tagen erholte» sich die nunmehrigen „Tylindermäuse" von ihren 12 mageren


