1806
Dienstag den 1. September
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Aints» und Anzeigeblatt für den Lireis Gieren.
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«lle «nnoncen-Bureaux bett In- und Äutttanbett nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
•en: Daniel Heil, acker, Neuen Säue, UM
Frankfurt a. M„ 30. August. Der Vorstand der Gesell« schast Deutscher Natursorscher und Aerzte und die Geschäftsführung der 68. Versammlung derselben, welche vom 20. bis 26. September in Frankfurt a. M. tagen wird, hat den Nordpolfahrer Dr. Frithjof Nansen bereits bei dem Bekanntwerden der im Februar d. I. auftauchenden Nachrichten von seiner Rückkehr zur Theilnahme an den Verhand- lungen in Frankfurt a. M. eingeladen. Nachdem nunmehr Nansen auf heimathlichem Boden zurückgekehrt ist, ist diese Einladung brieflich und telegraphisch wiederholt worden. Nansen ist s. Z. auf Grund seiner höchst bedeutenden wissenschaftlichen Leistungen bei der Durchquerung Grönlands zum correspondtrenden Mitgliede der Senkenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. ernannt worden und es ist gewiß, daß der berühmte Gelehrte gerade in Frankfurt a. M. den begeistertsten Empfang finden wird.
Wie«, 30. August. Das officiöse „Fremdenblatt" bespricht an leitender Stelle die Greuelscenen in Kon- stantinopel und schiebt die Hauptschuld der türkischen Regierung zu, welche die Rathschläge der Botschafter nicht befolge und absolut nichts gethan habe, um der Erregung vorzubeugen. Die türkische Regierung müsse unbedingt alUs aufbieten, um die Ruhe wiederherzustellen. Nur unter dieser Voraussetzung könnten die Bestrebungen der europäischen Mächte den Frieden zu erhalten, erfolgreich sein.
Triest, 30. August. Hier herrscht eine furchtbare Bora. Die Temperatur ist stark gesunken und der Schiffsverkehr vollständig unterbrochen. Die Dampfer konnten nicht in den Hafen einlaufen, sondern flüchteten in die Bucht von Muggia.
Hallstadt, 30. August. Der 16 jährige Gymnasiast Har.S ! von Steyrer stürzte vom Waldbach Wasserfall ab und
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für b« kfaenbm Tag erscheinen!)« Nummer bi- Borm. 10 Uhr.
eine Action bilden, aus welcher die englische Regierung alsbald ersehen dürfte, daß die europäischen Mächte nicht gewillt sind, fich von England tu der armenischen Frage irgendwelchen Zwang auferlegen zu lassen.
Wie», 29. August. Der russische Minister des Aeußeren, Fürst Lobanow, hat, dem Vernehmen nach, in seinem Gespräch mit dem deutschen Botschafter, Grafen Eulenburg, die entschiedene Friedensliebe Rußlands hervorgehoden.
Turin, 29. August. Die „Gazzetta Piemontese" bringt die Meldung auS Cettinje, daß man dort an den Besuch des Königs von Serbien nicht mehr glaube, vielmehr Grund ! habe, anzunehmen, König Alexander werde fich mit einer österreichischen Prinzessin verloben.
Brüssel, 29. August. Der „Soir" bestätigt den Rücktritt BernaertS als Kammerpräsident und die Ausarbeitung eine- verschärften Kammer-Reglements.
PariS, 29. August. General DoddS, der von seinem Posten als Gouverneur von Judo China abberufen wurde, trifft am 6. September hier ein.
Paris, 29. August. Hier wird das abenteuerliche Gerücht verbreitet, daß Prinz Heinrich von Orleans ein Abkommen mit den Mahdisten getroffen habe, diese sollten ihm die Führung der Vertheidtgung KhartumS überlaffeu.
Paris, 29. August. Der spanische Gesandte ersuchte den I Minister Hanotaux, den in Paris wirkenden Ausschuß der I kubanischen Revolutionäre und Flibustiere aufzulösen, da erwiesen sei, daß derselbe durch alle Mittel versuche, Unruhen in Spanien hervorzurufen und die Sol- baten von ihrer Pflicht abzuhalten.
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s-t Das Blatt Asty ist der Vorgänge in Konstantinopel eingehend erörtert werden.
t'cht meyr beruhigen ».erde, Paris, 31. August. will wissen, daß der Zar
Den Kretensern folgten die keinerlei Geschenke annehme. Dem Preßsyndtcate werde hier- von besondere Mittheilung gemacht werden.
Pari», 31. August. „Echo de Paris" macht Enthüllungen über bulgarische Documente, welche angeblich vom russischen Botschafter Mohrenheim dem Zaren vorgelegt werde« sollen Darunter sollen sich Briefe befinden, worin ! Fürst Ferdinand die Gräfin Flandern bittet, fich bei ihrem
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was fich Europa merken solle. ----- -
Armenier, diesen die Macedonier und nach den Macedontern würden die Bewohner Klein-AfienS kommen und den ver- abscheuungswürdigen Staat, der noch an den Ufern des Bosporus vegetire, in die Wüste Arabiens zurückdrangen.
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Der chtrtzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme bett Montags.
Die Gießener M«mitte«vlä11er werden dem Anzeiger »»chmtlich dreimal beigelegt.
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Anfang vom Ende der Türkei
Ansicht, daß fich der Orient nicht mehr beruhigen werde,
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Wie», 29. August. Bet dem gestern Abend statt- gefundenen Hofconcert converfine der Zar hauptsächlich mit dem französischen Botschafter und mit dem Grafen Roman Podowickl. Ueber die längere Konferenz, welche gestern zwischen dem Fürsten Lobanow und dem Grafen Goluchowsry sowie dem deutschen Botschafter Grafen Eulenburg stattgesunden hat, verlautet, daß eS sich in derselben lediglich um die Konstantinopeler Vorgänge gehandelt habe. Die offictösen Journale schweigen fich vollständig über diese Conferenz auS, sodaß die nach auswärts gegangenen Mittheilungen. über an- gebliche Resultate lediglich als Combination anzusehen sind. Rach Schluß der heute Morgen 8 Uhr stattfindenden Kaiser- Parade reift daS russische Kaiserpaar sofort nach Kiew ab.
IBien, 29. August. H'ute früh 8Uhr hat auf der Schmelz die gestern abgesagte Par ad e der^Wiener Garnison stattgefunden. Dieselbe nahm einen äußerst glanzenden Der lauf. Kaiser Franz Josef, daS Zarenpaar und auch der schwer kranke Erzherzog Franz Ferdinand waren auf dem Paradefelde anwesend. Bet der Rückkehr von der Parade wurden beide Kaiser und die Zarin vom Publikum lebhaft begrüßt. Um 11 Uhr Vormittags reiste daS russische Kaiser paar nach Kiew ab. Da dasselbe sich jeden offictellen Abschied verbeten hatte, waren auf dem Bahnhofe nur wenige «fflcielle Persönlichkeiten anwesend. Die Derabschiedung der beiden Monarchen war ungemein ^rzlich. Fürst Lobanow bst mit dem Zarenpaar nach Kiew abzereist. Mau bring dies mit den jüngsten Vorgängen im Orient tn Zu ^*"rota?29. August. Wie die hiesigen Blätter glauben, wird der Zar en besuch in Wien den Ausgangspunkt für
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger.
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Amtliche»« Theil.
Bekanntmachung,
betreffend: Die Abhaltung der Viehmärkte.
Mit Rücksicht auf den AuSbruch der Maul- und Klauenseuche zu Gießen, Heuchelheim und Großeo-Buseck wird die Abhaltung des ViehmarktS zu Gießen am 1. und 2. Sep- tember l. I. hiermit verboten.
Gießen, den 29. August 1896.
GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.
I. V.: Dr. Melior._______________
Derstsches Reich.
Berlin, 29. August. Der Kaiser hat fich heute Früh zur Hühnerjagd nach Barby begeben. Die Kaiserin gedachte heute auS Plön nach dem Neuen Palais zurückzukehren.
Berlin, 29. August. Der ultramontane RetchStagS- abgeordnete Pfarrer Wengert ist in Dingenheim im Alter von 61 Jahren gestorben.
Berlin, 29. August. Ueber die politische Tragweite des Zarenbesuchs in Wien wird von dort gemeldet, der Czar nehme den besten Eindruck mit sich fort und htnterlaffe seinerseits einen ebensolchen. Der politische Ideenaustausch zwischen den beiden Monarchen sowohl wie zwischen ihren leitenden Staatsmännern bestätige von Neuem, daß Rußland an seiner bisherigen Friedenspolitik feftzuhalten und bezüglich der Orientwirren im Etnverständutß mit Oesterreich vorzugehen entschloffen sei. Bei eventuell neu ein- tretenden Wendungen werde man zweifellos jedesmal vor Allem eine Verständigung anstreben. Dann aber dürfte die Erhaltung des europäischen CoucertS und die Vermeidung ifolirter Actionen letcht fein. Die Wiener Besprechungen hätten somit vorwiegend einen grundsätzlichen Character getragen und keinerlei neue concrete Verabredungen gebracht.
Berlin, 29. August. In der Gewerbeausstellung fand heute unter Vorsitz von Bergrath Krabber die von 75 Delegirten auS allen Theileu Deutschlands besuchte Ge« «offenschaftSversammlung der KnappschaftsberufSgenoffenschaft statt. Nach Erledigung allgemeiner geschäftlicher Angelegen- Helten wurde zur Vertheilung der bereits 9 Millionen Mark betragenden JahreSumlage auf die einzelnen Betriebe ein neuer vom 1. Januar 1896 ab, gültiger Gefahrentarif fest- gestellt. Die Erhöhung der Bausummen deS Krankenhauses ^BergmannSheil" der Section 4 (Halle a S.) auf 1 Million Mark und die Betheiltgung an Krankenhausbauten Seitens der Section 7 (Zwickau t. S ) zum Betrage von 150,000 Mk. wurde genehmigt.
Berlin, 29. August. Der Präparator am hiesigen Anato- mischen Institut WickerSheimer, Erfinder des nach ihm benannten ConservirungSmittelS, ist gestern gestorben.
Paris, 29. August. „Petite Republique" proteftirt gegen das Vorgehen der Sicherheitspolizei gegen die in Paris ansäsfigen verdächtigen Ruffen und Polen, indem die Polizisten sogar während der Abwesenheit der Verdächtigen in ihre Wohnungen eindringen und ihre Correspondenzen i tobt. durchstöbern. Das verletze die französtschen Gesetze in gröbster Zutin, 30. August. Der Advocat Dr. Carra fiel vom Weise. „Autoritö" bedauert, daß die Franzosen Rußland Pandel Gletscher ab und war sofort tobt.
stehen Milliarden geliehen haben und nicht wissen, 39. August. Der Marine-Minister gab der
ob eine Allianz oder nur eine platonische Verbindung zwischen Flotten-Mufik, welche als die beste Frankreichs be-
Rußland und Frankreich zu Stande gekommen sei. Die tannt Befehl, während des Aufenthalts des Zaren nach ZeitungS Directoren sollten zeigen, daß fie ihre Leser gut Paris zu kommen.
inforwiren können und bei Ueberreichung der Ehrengabe an Paris, 30. August. Der General-Secretär der den Zaren fich gleichzeitig über diesen Punkt erkundigen. Westbahn ist von Wien zurückgekehrt, wo er fich die anläß-
London, 29. August. Das „Reuter'sche Bureau" meldet lich des ZarenbesucheS ausgeführten Decorationen der Bahn- auS Konstantinopel vom gestrigen Tage: Von den 25 Auf- Höft angesehen hatte, um danach die französtschen Bahnhöfe ständischen, welche die Bank angriffen, wurden fünf in der auszuschmücken, w lche der kaiserliche Zug passtren wird. Rank aetödtet, fünf verwundet- dieselben entstammten alle Belgrad, 30. August. Me bestimmt verlautet, bewil-
dem Ausland-. Die Aufständischen ließen 17 Kilo Dynamit, ligte der Zar drm König Milan eine Audienz in Paris.
87 Bomben und zahlreiche Patronen, welche in einer Geld« Konstantinopel, 30. August. Die Metzeleien dauern
IScken gleichenden Emballage eiugesührt worden waren, zu- fort, wenn auch nur tn geringem Maße. -Soldaten unv rück. Die Ueberlebenden haben sich gestern nach Marseille Polizei betheiligen fich an den Plünderungen. Die Recla- eina'eschifft: dieselben wurden, nachdem fie entwaffnet waren, mationen der Botschafter blieben bisher erfolglos. Eine in in Gegenwart des britischen, französischen und russischen Stambul erscheinende französische Zeitung wurde suSpendirt, DraqomanS an Bord gebracht. weil sie fich geweigert hatte, H-tzartikel gegen die Armenier
London, 29. August. Wie die Blätter melden, soll zu veröffentlichen.
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