Ausgabe 
31.10.1895 Erstes Blatt
 
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1898

Donnerstag dm 31. Oktober

Nr. 256

Die Gießenrr

Jlmts* und 2lnzeigcblutt fiir den Ureis Gietzen.

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

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Hratisöeitage: Gießener Aamikienölätter.

Att-land.

unberührt bleiben wird.

Alle Annoncen-Lureaux de» In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Nieste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Sorrespondmz-Bureau.

Berlin, 29. October. DieBerliner Torresp." meldet: Dem Metzer T> 0 mb °u-B-r-1» Ist Allerhöchsten Orte« die Erlaubntß erthetlt worden, Iür d>-»um Besten de« Metzer Dombaue« beabfichtigte zweite Geldlotterie -in- Million 500000 Loose im ganzen Bereiche der preußischen Monarchie

Deutsches Reich.

Berlin, 29. October. Der protestlerische ReichS- taaSabgeordnete für Colmar i. E., Preiß, macht von fich reden. Herr Preiß soll seinerzeit gegenüber dem «edacteur deSPetit Journal" in Paris Aeußerungen über die elsaß-lothringischeFrage" gethan haben, welche fast hochverrätherischer Natur waren und die alsbald in dem genannten Blatte erschienen. Infolge deffen hatte Preiß dieser Tage eine mehrstündige Untersuchungshaft in Colmar zu bestehen- er wurde dann wieder entlasten, nachdem er angeblich die Zusicherung abgegeben hatte, die ihm zuge- schriebeoen bedenklichen Aeußerungen richtig stellen zu wollen. Der weitere Verlauf derAffaire Preiß" bleibt abzuwarten. In Straßburg ist dieselbe von den dortigen FranzoSlingen zum Gegenstand einer lärmenden Demonstration gemacht worden, welche militärisches Einschreiten erforderte.

Der Krieg von 1870|71,

--'chlld-r. durch «uilchnM- n« 8tun6«=S

31. Oktober.

Der Schwindel mit veralteten oder erlogenen Extra­blättern ist in Berlin zu Hause. DerDepeschen- Knabe" sowohl wie dieBlätter-Jungfrau", der Jüngling derMonatszeituug", wie das alte Weib derKreuzzettung" und derNorddeutschen Allgemeinen" wissen fich bemerkbar ru machen.Die Kais'rin Elienje auSjekratzt! l Bitte, nehmen Sie se mir ab.!"Et muß Victoria jeschossen werden. Herr Baron, koofen Se!"Sedan, Sedan! Mac mac-mac mac Mahon aufs Haupt jeschlagen und 83,000 Kaiser jefangen jenommen!"In Parts Republik: eenen Silberjroschen!-Hier, schönes Fräulein, koosen Se mir noch den letzten Bismarck mit Schiel Fahwer ab!"Die jroße Schlacht bei Paris'. Fufzig Mittraljeusen jefangen jenommen!"Deutsche Depesche von 'n Herzog Wilhelm von Mecklenburg. Die Kugel, die ihn jetrossen, iS jehetlt!' Neu'steS Extrablatt! Bazehn auSjebrochen aus de Metze! Roschefort fort! Jambetta in de fyift! Rußland macht Friedensumschläge'." So ruft und schreit und brüllt und krächzt eS durcheinander, und wehe dem vorsichtigen Manne, der fich vor dem Ankauf eines Extrablattes erst überzeugen will, ob er den gleichen Inhalt mit anderem Titel nicht schon vor einer Bierstuude erstanden.Ne, bet jetzt ntschtl Er sch t berappen und denn lesen! Wenn Se Toul haben wollen,

zu tltelllbnem2g, ^e-ober. Dl-Nalionalzeilung" meldet: Die R-ied«--gi-rung beabsichtigt bestimmt, d-m Bunbe-rath und Reichstage noch in der beborst-b-nden S-sion -in-Vor läge betreffend den Bau der Bahnlinie Dar-ES S^alaam-Ukami zu machen, da die begründete besteht, daß der von dem Comitü für den D°u der deursch- ostafrikanischen Centralbahn nach Ostafrika abgesandte Delegirte Bormann das Material zeitig genug beschaffen werde.

Hannover, 29. October. Eine Versammlung von Ver­tretern maßgebender Corporcttionen und Vereine beschloß, 1898 hier eine Prov inzial-Gewerbe - und Industrie Ausstellung zu veranstalten.

Gera, 29. October. Der Landtag ging heute über den Wahlprotest der Socialdemokraten zur Tagesordnung über und bestätigte sämmtliche Wahlen. Zum Vorfitzenden wurde der Finanzrath Fürbringer gewählt.

Rom, 29. October. DemPopolo Romano zufolge ist der Termin für den Wiederzusammentritt der Kammer auf den 25. November festgesetzt.

Konstantinopel, 29. October. Die Ausbrüche der zwischen den Armeniern und Türken herrschenden Er­regung erfolgten in den letzten Tagen in Karput, Gumusch- chen-, Baiburt und Biiii«. Di- blutigen Bo-gäng- in b n letztgenannten zwei Stabten am 25. Oktober werben esilwiell an, Angriffe., ber Armenier zurückgesührt, die B°-«a»g-in den erstgenannten Stabten, entgegen anberw-itigen Jn or matlouen, °on türkffcher Seite al« unbedeutende Reib r en bargestellt. Au« nerlchiedenen anderen kleinafiatischen Bilai-t« werben blutige Vorgänge gemeldet. Die s°-"^ung beileibe» gilt al« wahricheinllch. I» den meist n Meldungen werden die Türke» als angreisender Th-ll bezeichnet.

Dweichm de« 8m«« .v-r-lb'.

Berlin, 29. Oktober. Der Kai,e, wird heute Abend von seinem Jagdausfiuge nach Potsdam in daö neue PalaiS I ^^^»erliu, 29. October. Der Besuch der Kaiserin Friedrich in England ist endgiltig auf Ende Januar fest I gesetzt und die Reise der Kaiserin nach Italien wird erst nach dem Ausenthalt in England stattfinden. Wahrscheinlich wird die Kaiserin ihre Mutter nach Italien begleiten.

Berlin, 29. October. In der heutigen Nummer des Reichsanzeigers" wird eine von den Ministern der Justiz, dcS Innern und der geistlichen Angelegenheiten erlassene An­weisung über die Aufnahme und Entlassung von Geistes- kranken, Idioten, Epileptischen in und auS Privat-Irren­anstalten, sowie über Einrichtung, Leitung und Beauf­sichtigung solcher Anstalten veröffentlicht.

Berlin, 29. October. Vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I fand heute unter dem Vorsitz des Land- | aerichtSdirectors Brausewetter der Proceß gegen die Re­dacteure Dierl undPfund vomVorwärts" undRaudt- mann vomTeltower Volksblatt" wegen Majestatsbele digung, begangen in dem ArtikelSedan und kein Ende , sowie durch den sogenanntenKameelinschrift".Artikel statt. Nachdem der Bertheidiger, Rechtsanwalt Heine, die unvorschriftsmaß'ge Besetzung deS Gerichtshofes, welche durch die unrichtige Be­nennung der Anklage nach dem Angeklagten Dierl und durch i die Zusammenziehung verschiedener Strafsachen bew rkt sei, bemängelt, begründet der Erste Staatsanwalt die Anklage. U. A. führte derselbe auS, daß Dierl fünf Beleidigungen n drei Artikeln und Pfund drei Beleidigungen in Artikeln zur Last fallen, somit sei Dierl der Hauptthäter. Der als Zeuge geladene Oberhofmeister v. Mirbach erklärte, er sei in seiner Eigenschaft als Kirchenbauvereins-Mitglted wegen der an die Stadt Berlin zu richtenden Petition um Beihilfe für den Bau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnißkirche mit Stadt­verordneten In Verbindung getreten und habe auch Singer be­sucht. Dieser habe ihm versprochen, für sachliche Verhandlung der Petition zu sorgen. Der nunmehr balddarauferchienene sachlich gehaltene Artikel imVorwärts" bekämpfte scharf die Beihilfe zum Kirchenbau. Der Staatsanwalt beantragte egen Dierl 1 Jahr 3 Monate, gegen Pfund 1 Jahr 2 Monate und gegen Raudtmann 1 Jahr Gefängniß.

Berlin, 29. October. Der Colonialrath setzte I gestern Nachmittag seine Berathungen fort. Bei der Etat-

In Frankreich ist plötzlich wieder einmal ein poli- tischer Sceneriewechsel eingetreten, welcher durch den jähen Sturz des Ministeriums Ribot dargestellt wird. I . Soeben hatte letzteres von der Deputirtenkammer noch ein . Vertrauensvotum in der Affaire deS GlaSarbeiter-Strikes von Carmaux erhalten und es durfte daher die Stellung der Regierung ttS auf Weiteres als wieder gesichert gelten, «ber die vereinigten focialistischen und radicalcn Gegner der Regierung ließen sich nicht entmuthigen und setzten sofort an riner anderen Stelle wiederum den Hebel zum Sturze des Ministeriums Ribot an und diesmal sollte ihnen der Plan «klingen. In der Montagssitzung der Depuurtenkammer brachte der Socialist Rouanet eine Interpellation über den Südbahn-Scandal und zugleich eine Tagesordnung ein, welche völlige Klarheit in dieser Affaire verlangte. Regierungsseitig widersprachen der Justizminister wie der CabinetSchef Ribot letzterer Forderung, betonend, daß die Südbahn-Affaire ja schon ihre gerichtliche Erledigung gefunden habe, die Kammer Mehrheit war aber offenbar anderer Ansicht, denn sie ge^ nehmigte die Tagesordnung Rouanet mit 320 gegen 211 St^r «en. Sämmtliche Minister verließen infolge dieses Be­schlusses die Sitzung und begaben sich bittet -um Präsidenten kau«, ihm die Demission des GesammtcabinetS überreichend, welche auch angenommen wurde. Die Kammer ihrerset S vertagte sich wegen der nothwendigan Verhandlungen über die Bildung des neuen CabinetS bts nächsten Montag. So ist denn das Ministerium Ribot dem Südbahn-Scandal zum Opfer gefallen, ein Schicksal, welches nach der glück licken Beendigung deS Madagascar-Unternehmens, dann be­sonders auch nach dem Besuche des russischen Ministers des Auswärtigen in Paris und endlich nach dem parlamentarischen Vertrauensvotum in der Strikeaffaire von Carmaux woh Niemand erwartet hätte. Aber das soeben gestützte Cabinet regierte seinen geheimen wie offenen Gegnern im Parlamente schon viel zu lange, war es doch schon im verflossenen Januar, alS Nachfolger des Ministeriums Dupuy, und gletckzettig mit dem Amtsantritte deS neuen Präsidenten Feltx Faure, | an die Spitze der Geschäfte berufen worden. Neun Monate RegierungSze.t sind aber in der dritten französischen Republik, bk fich manchmal gleich drei Ministerien innerhalb eines Jahres zuleisten" pflegt, für ein Ministerium sehr viel, die Kammer wollte daher wieder einmal eine Veränderung haben, und so ist denn jetzt daS Cabinet R bot von seinem Geschick ereilt worden. Dieselbe Augenblicks - Mehrheit, welche meist sckon die früheren französischen ^binete seit der Verkündigung der Republik beseitigte, die Vereinigung von Soctaltsten, Radicalen, Conservatioen und verschiedenen unzufriedenen kleineren Gruppen, hat nun auch daS Ministerium »ibot über den Haufen geworfen, ganz unbekümmert darum, daß gerade unter der Ribot'schen Regierung das internationale Ansehen Frankreichs entschieden gewonnen hat. Die nächste Folge de» Sturzes des CabinetS Ribot wird wohl wieder einmal der Eintritt des politischen ChaoS jenseits der Vogesen sein. Zwar gehen in Pariser parlamentarischen Kreisen Ge- rückte um, wonach die baldige Bildung eines radicalen CabinetS unter Bourgeois sehr wahrscheinlich sein soll, nach dem Bet- spiele der meisten bisherigen französischen Cabinetscrisen ist jedoch eher anzunehmen, daß die Bildung des künftigen EabinetS nicht so glatt vor fich gehen wird. Wie aber auch schließlich das kommende französtsche Ministerium beschaffen sein möge das Eine kann man wohl schon jetzt als sicher betrachten, daß der jüngste Cabinetswechsel in Frankreich dessen auswärtige Politik schwerlich besonders beeinflusse» und daß speeiell die intime Freundschast mit Rußland hiervon

^"^Wien^Ä" October. Heute Nachmittag findet eine Sitzung der clericalen Mitglieder de» Hohenwart- ClubS statt, um über die Haltung zu berathen, falls die Regierung die Wahl LuegerS zum Bürgermeister nicht be- stättgen sollte. Wie verlautet, werden die Abgeordneten auS dem Club austreten, falls die Wahl LuegerS nicht bestätigt werden sollte und in heftige Opposition gegen die Regierung elntreten.^ ^ober. Der bisherige Ministerpräsident Ribot wurde heute Vormittag vom Präsidenten Faure em­pfangen. Am Nachmittag wird Faure mit dem Senats- Präsidenten Challemel Lacour und dem Kammerpräsidenten Br.sson confertren. Man glaubt allgemein, daß Bourgeois die Bildung des neuen CabinetS übernehmen wird. Sollte dieser tndeß die CabinetSbildung ablehnen, so wird voraus­sichtlich ein Cabinet Loubet zu Stande kommen.

Pari». 29. October. Präsident Faure empfing im Laufe des Nachmittags Ribot, Challemel-Lacour, Brisson Zur lind en und den bisherigen H and elSmini ster, soll aber nach neueren Meldungen noch keine Entscheidung zur Betrauung der CabinetSbildung getroffen haben. Der Senat hält heute Nachmittag eine kurze Sitzung ab.

«»»ahm, von Anzeigen zu der Nachmittag» für bt* folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Ul

Berathung für Deutsch-Oftasiika wurde die Frage angeregt, ob es richtig sei, daß daS Sclaven Unwesen in 3°°^» und Pamba durch große Transporte von der ostafrikanifchea KÜste verstärkt werde. Diese Mittheilungen konnten aas Grund des amtlichen Berichtes als gänzlich aus der Luft gegriffen bezeichnet werden. Die Ueberwachung der Küste würde sorgfältig durchgcführt, die englischen Klage»^ hatten lediglich den Zweck, die auf Zanzibar und Pomba herrschenden Mißstände einem ausländischen Sündenbock aufzubürden.

Berlin, 29. October. Heute früh wurde hier eine Falschmünzerbande verhaftet. Der Arbeiter Kramer hatte im Norden der Stadt eine Falschmünzer-Werkstatt ein- gerichtet. Den Vertrieb der Falfificate bewirkten zwei mit Kramer in Verbindung stehende Frauen, welche in ver- schienen Gegenden bet Stadt Einkäufe mud} en unb mit falschem Gelbe bezahlten. ES wurden viele falsche Z«e^ Mark-Stücke beschlagnahmt, die den achten tauschend ähnlich ^enBerlin, 29. October. Ueber die Audienz der Koblen-Jndustriellen bei den Ministern Thielen und Dr. Miquel kann diePost" noch ^stellen, daß die Depu­tation darauf hingewiesen hat, daß eine Vermehtung deS Wagenmaterials allein den Nothstauden^ durchaus. nicht .ab Helsen würde, dazu sei vielmehr eine vollständige Neuorgant sation deS Betriebe» nothwendig. In den Kreisen der In dustriellen ist man fest davon überzeugt, daß eine wirkliche Abhilfe nur dann geschaffen werden könne, wenn man ihren Forderungen nachkäme. Eine Beschaffung von 1500 Wagen, sür die daS Ministerium die Mittel noch an der Hand habe, I tCl blS®kn,S 29.U Oc?ober. Der Gemeindetath wählte heute Vormittag' Dr. Lueger mit 93 Stimmen L»m ersten Bürgermeister von Wien. ES wurden außerdem 44 leere